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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Moʰr(e) bis moʰreⁿ (Bd. 1, Sp. 702b bis 703b)
 
  Moʰr(e) [Mórə Heidw. Lutterb.; Myor M.; Mùwr Sulzern; Mór Olti. Steinbr. Su. Obhergh. u. nö. davon allg.; Muər Wh.; Demin. Mérlə O.; Mérl U.] f. 1. Zuchtschwein, Mutterschwein: d M het gfërlt Obhergh., gjünglt Hlkr., gemacht K. Z. Han. Aschb. Dëʳ horcht grad wie-n-e M., wo in d Bach saicht Co. Ich hol mⁱr do keⁱn Ferkleⁿ; si han nix aˡs Möʰrleⁿ, un ich will e Bärchl Dehli. ‘desglichen von geheileten ebern, moren oder lienen’ Wildschweinen Str. 1469 Brucker 354. ‘ein Mor ein Saw’ Pauli 371. ‘das kan ein volle Mor oder Saw sein’ ein schwer Betrunkener Geiler 82. Narr (Kl.) ‘die mor machet 12 Ferlin’ Geiler Em. 82ª. ‘betrebt (beschmutzte) sich wie ein Mor’ Frey 9. ‘ich friß wie ein mor’ ders. 64. ‘Mor, loß scropha’ Dasyp. ‘Scropha mohr’ Gol. 299. ‘Mohren

[Bd. 1, Sp. 703a]
truyes’ Martin Parl. N. 535. ‘eben so wohl auss einem Kessel fressen, als ein Mohr’ Mosch. II 235. 2. schmutzige Weibsperson, namentlich solche, die das ganze Feld kennt und durchsucht und mit nach Hause schleppt, was ihr gefällt; daher Moʰreⁿ auch ein sehr verbreiteter Spitzname von vielen Gemeinden im Lande, oft im Reime, z. B. O.-er Moʰreⁿ hai (haben) Drëck in de-n-Oʰreⁿ S., oder: L.-er Moʰreⁿ Mit deⁿ langeⁿ Oʰreⁿ, Mit deⁿ kurzeⁿ Stiwlschuʰⁿ Laufeⁿ alli im Teüwl zu! W. S.-er Moʰreⁿ Mit deⁿ langeⁿ Oʰreⁿ, Mit deⁿ kurzeⁿ Rüttelstëckeⁿ [Ritltakə] Könneⁿ uns alli am A. lëckeⁿ Han. 3. Spiel: d M. suecheⁿ od. Moʰreⁿs spileⁿ: auf einer Kreislinie, in Abständen von 2 bis 3 m, stehen Knaben mit Stöcken in der Hand und kleinen Grübchen vor sich in der Erde, in welche ein Knabe im Mittelpunkt des Kreises gleichfalls mit einem Stock eine vor ihm liegende steinerne Kugel zu rollen bemüht ist, während die übrigen das zu verhindern suchen. Wer verliert, muss heraustreten und d M. suecheⁿ Steinbr. s. auch Kuseⁿs. 4. Mauerassel, Kellerassel allg. Syn. Muressel Str. 5. als Pl. Samenkörner der Herbstzeitlose Wh. s. Schlücke. 6. grosse Pfanne, in der Gänse geschmort werden Molsh. 7. an alten Weinkeltern der grosse durchlöcherte Schraubenkopf an der Trottgert (s. d.), welcher das Bohlenlager auf die Trauben niederdrückt Katzent. Bebelnh. Rapp. Schweiz. 4, 377. Schwäb. 390. Bayer. 1, 1641.

Beckermoʰr f. ‘Söu vnnd Beckermoren’ Fisch. Garg. 57.

Dorfmoʰr f. altes Weib. das in den Häusern herumgeht, um zu schwatzen Rädersd.

Drëckmoʰr f. derbe Schelte für schmutzige Personen Obhergh. Bisch. Demin. Drëckmoʰrle Horbg.

Fëldmoʰr f. Bed. wie Moʰr 2.

(H)ërdäpfelmoʰr Su. Osenb. [Ártèpflmùwər Sulzern] f. Kellerassel.

Holzmoʰre f. Mauerassel Tagolsh. Hi.

Këllermoʰr f. Kellerassel Geberschw. Ensish. Logelnh.

Märtmoʰre f. Frau, die immer auf den Märkten umhersteht Mü. St. Mäder. In Sprache und Sittenbildern geschildert von Adam Mäder ... hg. v. Aug. Stöber, Mülhausen 1876..

Soümoʰr(e) [Sòimórə Heidw.; Sòimór Obhergh.] f. sehr derbes Scheltwort für eine unsaubere Weibsperson.

[Bd. 1, Sp. 703b]

moʰreⁿ [mórə Steinbr. Ruf. Obhergh. Hlkr.; môrə Lohr] suchend im Schmutz herumwühlen, im Kot arbeiten Obhergh. Lohr; beständig im Feld umherlaufen und dabei sehen, wo es etwas zu stehlen gibt: im Bann umme m. Steinbr.; stehlend zusammensuchen Lohr. Weiseⁿ m. Weizen abschneiden Hlkr.Schweiz. 4, 378.