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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Mär bis Merung (Bd. 1, Sp. 700b bis 702a)
 
  Mär II[Mêr fast allg.] m. Bürgermeister. Unseri Magd un s Märeⁿ Magd Faʰreⁿ in deⁿ Kutscheⁿ; Eini het e Pfifle im Loch Un d ander fangt aⁿ juchseⁿ [jyksə] Gassenhauer aus Dü. s Märeⁿ Dü., s Märs Hf. Betschd. = die Familie, der Haushalt des Bürgermeisters, dafür s Märat's Henfli. — frz. maire. s. auch Maier.

 PfWB Bureⁿmär [Pýrəmêr Str.] m. Bürgermeister vom Lande. ‘Lueue! Lueue! do kummt e Buure-Mär! Schaut nieme-n-an, rennt alli um, Isch diss e Flejel, isch der dumm!’ E. Stöber Schk. 134.

Märe (-ne, -re) [Mêrə Dü. Rchw. K. Z.; Mêrənə Wörth Betschd.; Mêrərə Rohrw.] f. Frau Bürgermeister; bisweilen auch Frau M. Gassenhauer: O Jere, Froi Märe, Was kocheⁿ mⁱr z Nacht? Gschwellti Hërdäpfl un Surmilch, Dass s rapplt un kracht Dü. Froi Märe, Froi Märe, Wie schlät dr Mann di Froi Mit m alteⁿ Lurtscheⁿ (alter, abgetretener Schuh), Dass si nim kaⁿⁿ pfurzeⁿ Rchw.

Märie, Märeri, Melleri [Mèrí Roppenzw. Ndhsn.; Mèrərí allg.; Mèlərí NBreis. Barr, bes. in der Kinderspr.] f. Bürgermeisteramt, Amtsstube des Bürgermeisters, Sitzungssaal des Gemeinderats. ‘Do muess m'r z'erscht off d’ Mairerie’ Stosk. 128.
 
 
Mäʰre [Márə Roppenzw. Hi. Banzenh.; Marə Su. und nö. davon allg.; zuweilen Mari Ingersh.; Mærə Str.] f.; m. M. 1. Stute, namentl. im Ggs. zu Hëngst allg. 2. altes Pferd Ingersh.; elendes Pferd Bf. 3. lasterhaftes, sittenloses Frauenzimmer, Dirne allg. Dis Mensch is emol e rëchti M. Brum. ‘merh’ Geiler Em. 17. ‘merre oder studt’ Dasyp. ‘So lieff der hengst nit nach den merren’ Murner Mühle 119. — Schweiz. 4, 394. Bayer. 1, 1649. Hess. 261.

Fürmäʰre [Fírmárə Tagolsh. Pfast.; –marə Lutterb.] f. 1. Maulwurfsgrille Tagolsh. Pfast. 2. rothaariges Frauenzimmer Lutterb.

 PfWB  LothWB  RhWB Schindmäʰre [‘Sentmárə Lutterb. Banzenh. Gebw.; ‘Sentmarə U.; –mærə Str. Tieffenb. Wh.; ‘Sintmarə Geud.] f. 1. alter elender Gaul. Alti S.! allg. 2. übertr. schlechtes Frauenzimmer allg. Wü (wo) is numme di S. widr, dass s nit heime kummt? hier ist es derbes Schimpfwort für eine erwachsene Tochter des Hauses Illk. Schweiz. 4, 395.

[Bd. 1, Sp. 701a]

 
  me(ʰr) [mé allg., in engen Verbindungen auch mi; miè M. Bf., neben mé; mêr nur vor às (= als) Hi.; mièr Sulzern M. wo miè bei Negationen, mièr steigernd, steht]. Weiterbildung meʰnder [méntər Wingen b. W.] Superl. meʰt [mét Ingenh.], meʰtlst [métlt Molsh. K. Z. Wörth Betschd. Wingen b. W.], meʰrt [mért Hf.], meʰrtels(t) [mértl Olti., mértlt Heidw. Lutterb. Su. Prinzh. Lobs.; mǽətlt Wh.; mért, mièrt Mü.], meʰrstl [mértl Hi. NBreis.], meʰʳstl [métl Ruf.], meʰnst [mént Hlkr. Lobs.], meʰst [mét Dü. Kestenholz Scherw.], meist [mait Str.] mehr. Mⁱr hai noʰ m. Äpfl; aber: meʰr aˡs zwanzig Säck voll Hi. Meʰʳ Schuldeⁿ aˡs Hor uf m Kopf Ingenh. Do sin m. Nudleⁿ aˡs Bureⁿ in dr Hell (Hölle) Str. Meʰʳ aˡs genue Str. ‘genue un meh’ mehr als genug Pfm. II 6. Weisst du suⁿst nix m.? Dü. Do is eps m. odr eps weniger O., wenjer U. = da steckt noch etwas dahinter. Je miehr dass r isst, je mieʰʳ ass r will Bf. Je m., je liewer (oder liewersch) Str. Ich glaub nit, dass s ⁱʰm m. (noch) eps tʰuet Z. lch weiss nit, öb r m. lëbt ob er noch am Leben ist Ingenh. Er het weni m. er besitzt nur noch wenig Hf. Früejer siⁿ mⁱr aˡs m. (öfter) in d Stādt kummeⁿ Pfulgriesh.; s. auch viel. Iʰr müeˢˢn als m. zu üch [iχ = uns] kummeⁿ Betschd. D öwere (eure) Ërbseⁿ sin meʰʳ grösser aˡs d unsereⁿ Wh. ‘einer me der ander mynner’ Str. 1467 Brucker 112. ‘nit me geben’ Str. 15. Jh. Brucker 6. ‘tusendmol und me’ Brant Narr. Abwehr 28. ‘Die dürren Kh werden meh Milch geben, dann die feissten ochsen’ Fisch. Prakt. 20. ‘Und noch der dingen tausend meh’ Fisch. Flöhh. 353. ‘Diese vnd andere meh Hausznötige stück’ Fisch. Garg. 93. ‘da gedacht es ymmermeder an die fisch’ Geiler S. M. 7. Er hat meʰnder als ich Wingen b. W. Str. s meʰte Teil, auch deⁿ meʰteⁿ Teil meistens, überwiegend Z. s meʰtlst, s meʰrtlst (Str.), s meʰrteil, deⁿ meʰrteⁿ Teil das meiste, am meisten Hf. [s mièrt] hauptsächlich M. D meʰrtlst Zit Su. Am meʰnsteⁿ Hlkr.; am meʰrstl NBreis. Dëʳ Mann het am meʰrstl Kinder Hi. ‘am mehrsten vnnd ersten besetzten theil’ Petri 343. ‘d meershtä Zit’ Landsman Lied. 22. ‘durch die mehreste Stimmen’ Joner 37. ’der merteil alle namhaftige

[Bd. 1, Sp. 701b]
Stücke usz disem bch’ Str. 15. Jh. Brucker 56. ‘er ist der mehr theil schanden vnd lastern vnderworffen’ Geiler 99. Narr (Kl.) ‘das mererteil’ Str. 1482 Brucker 247. ‘Das Mehrertheil war welsch Gesind’ 1529 Als. 1854/55, 252. ‘der mehrertheil der Spanier’ Petri 370. ‘der mehst theil’ die meisten Fisch. Prakt. 18. ‘Das liess der meiste theil viel lieber gar verbrennen’ Mosch. I Vorr. ‘D’ Grumbeerenase sinn als guedi Huzzle maist’ Pfm. III 4. — Schweiz. 4, 362. Schwäb. 382. Bayer. 1, 1638.

nammeʰʳ, nammi, namm, nommi [nàmé Ingersh.; nmiè, unbetont nme M.; name Bergh. Orschw. Rodern; nàmi Kerzf. Illk. Dunzenh. Ingenh.; †nàm Ingenh.; nòmi Hf.] noch mehr. Han ⁱʰr Ziwleⁿ Zwiebeln? Antw. Genue un n.! Illk. s schmackt noch (nach) n. von etwas Gutem, das die Esslust geweckt hat Dunzenh. Wiˡˡˢt namm? Ingenh. ‘Was? Alle Daa nommehnder an Gfäll ass e Deblon’ Pfm. I 6. — Schweiz. 4, 369.

 PfWB  LothWB nimm(eʰʳ), nimmi(g) [nimé Liebsd. Lützelstn. Lohr; nimê, nimè Wh.; nìmik, nìmə, nìməmé Mü.; nemi Mü. Strüth K. Z.; nìmi Bf. Str. Betschd.; nem Su. Hlkr. Co. Dü. Barr Bisch. K. Z.; næm M.; nìm Mütt. Str.; memé in der Kinderspr. Geisp.] nicht mehr. Iʰ chumm n. zue dⁱr! Liebsd. Du hes miʰ eiⁿmol verwitscht, awer nim Co. ‘mi haarz ïsh nïmä mii’ Landsman Lied. 118. Bei einer unangenehmen Überraschung: Jetz wurd's mⁱr bol nimm besser Dü., od. jetz wurd mⁱr ’s hüt nimm besser Ingenh. Wëⁿⁿ mr nimm schnufeⁿ kaⁿⁿ, is mr halt kalt Barr. Geʰ numeⁿ gschwind, schuns kumms nimmi rëcht Betschd. ‘duchte aber einen noch ussgang des jors, daz im solliches nym gefüglich were’ Str. 1460 Brucker 98. ‘das selbe brot sollent sie darnoch nymme besehen’ Str. 1467 Brucker 99. ‘und sol der obervogt jenen verbieten das almusen nyme z schen’ Str. 15. Jh. Brucker 11. ‘aber was ich ietz nim mag tuon’ Brant Narr. 5, 17. ‘vorusz loszt man den win nüm bliben’ ders. 102, 13. ‘Wenn sie es nym bezalen kynnen’ Murner Mühle 1137. ‘nym’ nie wieder (:im) Murner Bad. 3, 25. 6, 10. ‘nimb’ Wickram J.Kn.Sp. e II. ‘nim nicht mehr’ Frey 109. ‘so isch's scho nimmig gange’ Lustig I 29. ‘Vo jetz a hört me nimmig lache’ I 48. ‘d

[Bd. 1, Sp. 702a]
mïïlä n ïsh io nïmä vit’ Landsman Lied. 24. ‘Die Zöpf gfalle mer lang nimmi wie dier au Pfm. I 3. ‘Es badd nimm!’ Hirtz Ged. 166. — Schweiz. 4, 369. Bayer. 1, 1638.

Merung f. Vermehrung, Zusatz Geiler J. Sch. 9.