Wörterbuchnetz
Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Madam bis gemäd (Bd. 1, Sp. 649b bis 650b)
 
  Madam [Màtàm allg.; in der Anrede Màtəm Lohr; Pl. Màtàmə; Demin. Màtamələ Dollern, Màtamlə Geberschw., Mâtàmələ, Pl. –lər M., Màtaml U., Màtæml Str.] f. 1. Dame, vornehme Frau; Hausherrin Str. Unter Mädchen: d M. macheⁿ gross thun in stolzen Kleidern Habsh., die vornehme Frau spielen und wenig arbeiten U. Die Benennung M. gehört zu Herr wie Frau zu Bur, Mann Hf. s. auch Madameⁿschënkel. 2. gewöhnliche Benennung der Vorsteherin einer Strickschule: ‘Sieh au d’ Maddamm im Geist, wie sie als d’ Maidele lehrt’ Hirtz Ged. 234. 3. Dame im Kartenspiel Hf. ‘Dnoh hän m'r Maddams g'spielt’ Hirtz Ged. 172. 4. Wasserjungfer, Libellula Dollern. 5. Klatschmohn, Papaver rhœas Co. M. Bischofsh. Kirschl. 1, 33, auch fürigi M. Türkh. Aus den Blumenkronblättern stellen die Kinder durch Übergiessen mit Essig rote

[Bd. 1, Sp. 650a]
Tinte her. Aus den roten und blassen Knospen der M. verfertigen sie im Spiel Messdiener und Priester; mit der Narbe auf der Fruchtkapsel drücken sie sich Sterne auf die Stirne Co. Vgl. Mag. 6. Aurikel Geud. Schweiz. 4, 76.

Drëckmadam von Hauenau Schimpfwort in Bischw.

 PfWB Hoseⁿmadam f. jüngeres Mädchen, das zu lange Unterhosen trägt; verkleidetes Frauenzimmer an Fastnachtstagen. Spottreim der Kinder: H., het Stiffeleⁿ an, Het keⁱn Gëld im Sack, Macht wick, wack, wack! Rupr. s. auch Fasnachtsnarr.

Hundsmadämmel n. aufgeputztes, unnatürliches Frauenzimmer Str.

Stifelmadam f. Frau, die Stiefel trägt mit hohen Absätzen Str.

Madülle [Màtylə Str.] f. unbedeutende, kränkliche Person; widerliche Frau. Dis is e drëcketi M.! ‘M. träge, schlappe Weibsperson’ Mü. St. Mäder. In Sprache und Sittenbildern geschildert von Adam Mäder ... hg. v. Aug. Stöber, Mülhausen 1876.. ‘Madulle, alte verrunzeltes Weib’ Str. Ulrich. M. Sara, verrenk diʰ nit! = Anabadäschterle Str. ‘Meydille’ als Kindermädchen Stöber Daniel 26.

Madüt [Màtyt Dachstn.] f. dummes Mädchen.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Mad(e) [Mâtə Banzenh.; Mât Obhergh. Hlkr. Rapp. Büst Wh.] f. Wurm, Larve der Schmeissfliege im Fleisch, Käse, Sauerkraut Banzenh. Obhergh. Rapp., der Motte in Kleidern Hlkr., des Maikäfers, also der Engerling Büst Wh. Rda. Madeⁿ im Buch [Pyχ Bauch] haⁿ hungrig sein Hi. Rapp. Erweiterte Form Madleni Obstwurm Su.Schweiz. 4, 76. Bayer. 1, 1567.

Zss. madrässig [mâtrásik M.] Adj. 1. voll Maden, Würmer, von Obst und Käse. 2. übtr. übel aussehend, kränklich: E m. Büewle Seite 71.
 
 
Madlen(e), Madle [Màtlén, Màtlên schwankend, oft neben einander allg.; Màtlé Roppenzw. Hi. Banzenh. Obhergh.; daneben in Städten auch die frz. Ausspr.] 1. Magdalene, weibl. Vorname. Madlen 1650 im Kirchenbuch zu Dunzenh. Koseformen: Madleni Hattst., Leni, Lene, Lingi O., Len Betschd. Wh., Mad Weyersh. Demin.: Madlenel, Madlenle, Madle Ndrmagst., Lenel, Leneli, Lingele, Madlong = frz. Madelon Co., Madlongi Lutterb., Madlungel, Madlungeli, Longel, Longele, gemein Lung Olti., Longi, Lingi; Miggel. Kindervers: Madlenele, Madlenele, wiˡˡˢt

[Bd. 1, Sp. 650b]
du dr Zimmermann? Iʰ will e nit, iʰ will e nit, s is gar e böseʳ Mann Ruf. Am Magdalenentag lassen sich die Mädchen das Haupthaar schneiden, um einen reichlichen Haarwuchs zu erhalten Ballersd. 2. das Demin. Madlenle Co., Madlenel Rapp. Str., häufiger die frz. Form Madeleine Str., bedeutet ein feines Biscuitgebäck, an Gestalt und Grösse einem Zweipfennigbrötchen nicht unähnlich, die sog. madeleines de Commercy nach ihrer Herkunft. — Bayer. 1, 1569.
 
 
gemäd, gemäʰ [kəmát Bisch. K. Z. Han.; kəmǽ Str.] Adj. Adv. 1. zahm, fromm, von Tieren. E g. Ross Bisch. Hf. Prinzh. Der is so g., du könns inger (unter) ⁱʰne lijeⁿ Dunzenh. G. wi e Schäfele Bisch. ‘des wart das ros (Bucephalus) also gemede’ Chron. 1, 303. G. tʰuen nachlassen: Zitʰer ass r s Vrmöjeⁿ vrbutzt het, tʰuet r g. Str. 2. leutselig, herablassend Str. ‘gemäh und zam’ Baldner. ‘’S isch gar e guets Vieh gsin (die Kazzelere), gemäh un wachber’ Pfm. II 5. ‘Do isch merr noch gemäh’ (wenn man verlobt ist) Pfm. I 5. ‘gemäh zahm’ Str. Ulrich.