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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
licht bis Armeseeleⁿliecht (Bd. 1, Sp. 554a bis 555b)
 
  licht [liχt allg.] Adj. u. Adv. 1. leicht; vom Gewicht: Lichteʳ Weizeⁿ der beim Reinigen mit der Putzmühle sich abscheidende leichte Weizen Dü. K. Z. s. Hopfeⁿ 2. Scherzfrage: Was is lichter, e Pfund Fëdereⁿ öder e Pfund Bli? Z. Licht wü e Fëder, e Stroʰwisch Z. JB. VII 199. 2. von dem Befinden: S is iʰm lichter es geht ihm besser in seiner Krankheit Dü. 3. von Aufgaben u. s. w.: e lichti Ärwet. Dis is l. macheⁿ Hf. ‘mit cleinen lichten dingen, die nit vil kosten’ Str. 1500 Brucker 287. 4. vom Charakter: leichtsinnig: e lichter Kërl U. ‘D lichte Voüjel erkennt mer am lichte Gsang’ Rathgeber 37. — Schweiz. 3, 1047. Schwäb. 350. Bayer. 1, 1428.

 PfWB  LothWB  RhWB villicht, villichter(st) [fìlət Heidw.; fìlìχt Banzenh. Rapp. Bisch.; fərliχt Str. Z.

[Bd. 1, Sp. 554b]
Betschd.; filíχt M.; fəliχt, fərliχt, filiχt, fliχt Hf.; fərlæiχt Wingen; filìχt Wh.; filiχtər() Str.] wie hochd. S. is v. ganz anders aˡs de meins Ndhsn. V., v. auʰ nit es ist noch ganz unbestimmt Z. Wingen. ‘Eva macht ein villichtert darus: so macht der tüffel ein überall nüt darus’ Geiler, s. Als. 1862/67, 139. ‘Drum denk ich, ’s wärd jetz Zyt verlicht’ Frœlich Holzh. = Jules Froelich, Strosburjer Holzhauerfawle .. Nancy 1885. 7. ‘verlicht weiss diss’ Horsch JB. VIII 183. ‘Ich wär verlicht schon hen’ Stosk. 67. ‘villeichter’ Geiler Narr. 62. ‘villeichtert’ ds. HK. = Her der Küng ich diente gern .. XV predig .. Johannes Geiler .. neuw ausgangen .. (von J. Pauli .. vffgesamlet) .. Str. 1516. LXXXVII. ‘villicht’ Petri 369, ‘villichter’ ebd. 336. — pfälz. verleicht. Schweiz. 3, 1049.

lichterliʰ Adv. leicht: der (Korb) hätt jetz l. verloreⁿ könneⁿ geʰn Ingenh.

leichtlich Adv. leichthin, ohne Ursache ‘nicht leichtlich jemand hassen’ Mosch. II 493.
 
 
Licht I[Liχt allg.] f. 1. Leichenbegängnis. Morgeⁿ um elf Uʰreⁿ wird dr unser Groˢˢvater begrabⁿ; wënn ir welleⁿ mitgeʰn, sin iʰr ingeladⁿ, un dr Imⁱss is in unserem Hus Wh. Er geʰt ze L. er geht mit dem Zug Roppenzw. Eiⁿm mit dr L. geʰn Wh. U. Zieʰ dineⁿ Huet ab, s kummt e L.! Str. Der hat e schöni L. gehat Lohr. A. Du, bist gestʳⁿ auʰ mit dem sinnere L. ggangeⁿ? — B. Neⁱⁿ, er geʰt auʰ nit mit minere! Str. ‘Grad no der Licht’ Lustig I 107. ‘Am maantig mït noch fïl Sïn sä n üs dr shüäl blïïvä fïr o an d licht z gee’ Landsman Lied. 17. ‘Löuj, wenn dü diss Dür g'storwe wärsch, Hättsch dü e scheeni Licht bekumme’ Stosk. 49. ‘D Licht geht am sechse-n-an’ Pfm. I 4. ‘in den Gassen durch welche die Leicht getragen worden’ Joner 79. 2. Totenbett: [ər lèjt ùf tr Liχt Wh.] Licht wird jetzt nicht mehr für den toten Körper gebraucht. s. Lich. Zss. Lichteⁿbitter, –im(i)ss, –lader, –predi, –sager, –tëxt, –träger. Dem. Lichtle Ingersh., Lichtl Mütt. n. Kinderleiche, Begräbnis eines Kindes. — Bayer. 1, 1424.

Judeⁿlicht f. jüdisches Begräbnis, jüdischer Leichenzug. Rda. Dis Ding is keⁱn J. das Ding hat keine Eile: die Judenleichen wurden früher bald nach dem Tode und in schnellster Gangart zu Grabe gebracht Ingw. Mⁱr halteⁿ e Rannt (einmal), s is keⁱn J., dⁱsël muess als furtgeʰn Hf.

[Bd. 1, Sp. 555a]

Kinderlicht (selten) f., meist Demin. Kinderlichtle O., –lichtl U. n. Kinderbegräbnis. Rda. Wenn du stirbs, gits e K. du bist noch ein rechtes Kind, an deinem Tode liegt nicht viel Su. Drohung unter Knaben: Gel, s is hüt noch keⁱn Kinderlichtl gsin? Gib acht, sonst schlag ich dich tot Str.

Kutscheⁿlicht [Khytəliχt Str.] f. Leichenbegängnis zu Wagen. ‘E Kutschelicht for e Katz’ ist beschrieben im Str. Wochenbl. 1882, Nr. 70.
 
 
Licht IIf. Schicht (Garben auf dem Erntewagen) Bisch. K. Z. Ich lad vier Lichteⁿ uf dr Waujeⁿ Bisch. s. auch Lich.
 
 
Liecht [Lîət Fisl.; Lîat Liebsd. Strüth Steinb. Ruf. Su.; Lieχt M.; Lìəχt Weckolsh. Mittl.; Lîaχt Dü.; Lìaχt Bf. K.; Lìèχt Bisch. Z.; Leaχt Kindw.; Lîχt Str. Aschb. Han. Betschd. Lohr; Léχt Wh.; Lìèt Geisp.; Lít Hirschland; Pl. –ər] n. fig. Rda. s L. brënnt ze hëll wenn die Anwesenheit von Unerwachsenen eine gewisse Mitteilung nicht gestattet Dunzenh. Ingenh. (den Spielern) ‘weder liecht noch karten geben’ Str. 15. Jh. Brucker 481. ‘sol im fiur vnd liecht verbietten’ Wattw. 16. Jh. JB. III 63. ‘wan man sie gegen der Sonnen liecht besehen solte’ Mosch. I 171. Im Liecht im Lichten, in der Lichtweite Bf. Rda. Ze L. geʰn des Abends Bekannte od. Verwandte besuchen NBreis. Weckolsh., in die Kunkelstube gehn Bf. Rda. Zwischeⁿ L. un Für in der Dämmerung Strüth; gewöhnl. heisst die Formel Zwischeⁿ Für un L., s. Für b) Seite 132; ähnl. Zwischeⁿ Ta(g) un L., s. Ta(g). ‘Emol, so zwische Dau e Liecht’ E. Stöber II 125. Zwischeⁿ L. in der Dämmerung, gegen Abend Fisl. Pl. ‘Liechter’ Mosch. II 6. ‘liechter’ Str. 1441 Brucker 343. 481. ‘mit 24 hellscheinenden Laternen vnd darin brennenden Liechteren’ Joner 75. Licht, kleine Lampe, Ampel, Öllicht (Ggs. Lamp Rchw.) s klein L. eine bes. Art Öllicht U. Schütt Oliʰ ins L. giesse Öl auf! Rda. Hinder (uf Wh.) s L. füeʰreⁿ einen hintergehen Ruf. S geʰt mⁱr e L. uf jetzt wird mir die Sache klar; in Strassb. mit dem verstärkenden Zusatz: wi e Fackl. Du gibs mⁱr e L. du gibst mir den Schlüssel zum Verständnis Str. Dem. Liechtle O., Liechtl U. n. 1. Lichtlein. 2. Blütenköpfchen des gem.

[Bd. 1, Sp. 555b]
Löwenzahnes. Kumm, mⁱr bloseⁿ die Liechtle ab! Osenb. Zss. Liechtmëss, –stock. — Schweiz. 3, 1050. Bayer. 1, 1430.

Armeseeleⁿliecht n. Totenlicht. — Schweiz. 3, 1054.