Wörterbuchnetz
Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Ëngel bis Saüunger (Bd. 1, Sp. 53b bis 54b)
 
  Ëngel [Al fast allg.; Æl Str. W.] m. Engel. [Owən àm Tànəpm e ən Al] oben am Christbaum ist ein Engel angebracht Geud. Ich hab gemeint, ich hör d Ëngel im Himmel singeⁿ, pfifeⁿ schildert den Schmerz einer starken Verletzung, einer Operation. Demin. Ëngele vielgebrauchter Kosename für kleine Kinder und für die Geliebte. S sitzt e Ëngele an dr Wand, Het e Äpfele in dr Hand: Gät s gërn ësseⁿ, Het keⁱⁿ Mësser; Der liewer Herrgott gheit iʰm eins vom Himmel ʰerab, S gheit iʰm s Füessele enzwei Co. In Illz. ausführlicher: Es steʰt e Ëngele a. d. W. H. e Gackele in d. H. Möcht s gërn siedeⁿ, Hat keiⁿ Glüeteⁿ, Möcht s gërn ësseⁿ, Hat keiⁿ Mësser, Fallt e Mësser owen awe, Haüt em Ëngele s Händle ab. S Ëngele geʰt zuem Schari (Karl), Der Schari is nit dheim, S Kätzle fëgt d Stoweⁿ useⁿ, S Müsele treit dr Drëck useⁿ. Es sitzt e Tüwele ufem Dach, Lacht sich schier das Büchele ab. s. auch unter Eins zwei

[Bd. 1, Sp. 54a]
drei und vgl. JB. XII 111. In Illz. auch: S hängt e Ë. a. d. W. Het e Äpfele in dr Hand S möcht s gërn broteⁿ, Will iʰm nit geroteⁿ, S kommt e Mus un bisst iʰm driⁿ, S kommt e Mus un nemmt s iʰm drus, S komt e Kueʰ un luegt iʰm zue, S kommt e Igel un bringt s iʰm wider, S kommt e Geis un losst e grosser Bureⁿsch. Kinderreime (beim Abzählen): Ëngele Bëangele, loss miʰ lëweⁿ! Ich will dⁱr eⁿ schöneⁿ Vogel gëweⁿ, Vogel mⁱr Straü gëⁿ, Straü in dr Kueʰ gëⁿ, D Kueʰ mⁱr Milch gëⁿ, Milch in de Beckeⁿ gëⁿ, Beckeⁿ mⁱr Leiwele gëⁿ, Leiwele in dr Mueter gëⁿ, Mueter mⁱr Su gëⁿ, Su han iʰ verloreⁿ, Du bis geboreⁿ Ruf. Koselied, bei welchem man das Kind auf den Armen wiegt: Ëngele, Ëngele, fli! Schöppele, Schöppele Wiⁿ, Schöppele Schöppele Ankeⁿ, Mⁱr leˢˢn üⁿs gar schön bedankeⁿ! Hunaw.Schweiz. 1, 332.

 PfWB  LothWB  RhWB Gasseⁿëngel m. Person, welche vor andern Leuten als sittsam, gebildet und sogar fromm erscheint, zu Hause aber sich als das Gegenteil erweist. Rda. G., Husteüfel. [A Hystèifl e kəwênlik a Kàsəal Rapp.] — Schweiz. 1, 333.

ënglisch [ali Hf.] englisch: ë. Für Jodtinctur: s ë. F. gën mit Jod einpinseln. — Schweiz. 1, 335.
 
 
†‘Enger Frohne’ Brucker. ‘zehen fuder oder enger hew (wagen voll) dix charrees de foin’ Martin Parl. N. 171. — von lat. angaria Frohndienst, im juristischen Gebrauch erneuert. Frisch 1, 227 ‘beladener Bauernwagen’.

Zss. Engergroschen Fisch. Garg. 345.

†‘engern frohnen’ Brucker.
 
 
Ënger, Ëngerig [Aər Rapp.; A(ə)rik Ensish. bis Heidolsh.; Aəri Hüss. Mütt. Ndrbetschd.] m. Engerling, Larve des Maikäfers. — Schweiz. 1, 335. Bayer. 1, 107.
 
 
Ëngerich [Aəriχ Roppenzw. Hi.] m. Pl. Kuhblattern.
 
 
Inges, Ingos Inlett, der erste Barchentüberzug eines Federbettes. Mü., in einem alten Protokoll von Colmar. Stöber Maeder S. 89. — Vgl. Indelt (Sachsen). Bayer. 1, 96.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Unger [Ùər] m. Lagerplatz für Vieh, f. Mittagsruhe des Viehs. Stöber. (für under! Vgl. Hungerbëri Ingenh., Ungersberg

[Bd. 1, Sp. 54b]
= Untersberg bei Salzburg, ‘Undernplatz, Undernstatt Ruhestatt für das Weidevieh’ Hess. 425.

 PfWB  RhWB Saüunger f. Schweinehutplatz Lobs.