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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Kilb(i) bis Muerkolbeⁿ (Bd. 1, Sp. 433b bis 434a)
 
  Kilb(i) [‘Xìlpə Olti. Sier.; Khìlpə Hi.; Khìlwik Obbruck; Khìlwə Heidw.; Khìlwi Banzenh.; Khìlp Ruf. Su. Hattst. Türkh. Logelnh. Mütt.; Khelp M. Dü. Bebelnh. Rapp. Rchw. Barr] f. 1. Kirchweih, Patronsfest, wobei meist ein Tanzboden im Freien [Khelwəplàts Rchw.] aufgeschlagen wird und die Zuckerwarenhändler [Lapkhîaχlər Dü.] ihre Buden errichten, welche hierfür dem Unternehmer und Ordner, dem [Khelwəknâwa Dü.] eine Abgabe zahlen. Dem Ordner steht ein Mädchen, die [Khelwəjùmfər Bebelnh.] zur Seite. Die K. gilt als höchste Lust: Meⁿ redt voⁿ dr K., bis si do is Bf. Rathgeber 33. Hi. Mb. JB. VI 150; von einem grundlos Grosses Erwartenden sagt man: er meint, er kummt uf d K. Su. 2. Lust, Wolleben: hüt haⁿ mⁱr K. gha heute haben wir etwas besonders Gutes zu essen gehabt Heidw. S is keiⁿ K. es ist kein Spass, es ist nichts Angenehmes Banzenh. Su.; in alleⁿ Käppeleⁿ K. haⁿ sich sehr freuen Geberschw. D Hüeʰner hän K. wenn einer sich erbricht Türkh. Der Kilwebaüm ist eine aufgepflanzte Tanne; ein Kilwehammel wird ausgespielt, gekegelt u. s. w. Auch ein Mädchen, das überall die K. besucht, heisst so. Mehrere Liedchen werden bes. von den Kindern gesungen: Hüt is K., morn is K., bis am Zistig (Mittwuch) z Oweⁿ; wenn iʰ zu miⁿm Schätzele kumm (wenn dr Vetter Michel kummt), sag ich ihm gueten Oweⁿ u. s. w. Ballersd.; ähnl. Hi. Ruf. JB. X 92; Rapp. VII 168; Winzenh. XII 193. Sepp, Sepp, du alteʳ Lump, hes nit gwisst, ass d Chilbi kummt; hätts diⁿ Gëldli nit versoffeⁿ, hätts du könneⁿ Chilbi macheⁿ Blotzh. ‘Isch nit alle Tag Kilwe’ Mü. Mat. 5, 53. ‘S ïsh khïlvä do ïm oort’ Landsman Lied. 113. ‘Si hai Chilbe g'ha un hai tanzt unn g'sunge unn alles Hibbelehei (Jubel) isch do gsiä’ Moos Als. 1853, 166. ‘Killwe, Külb’ Klein. ‘... das man danzen hat erdocht uf Kilchwih’

[Bd. 1, Sp. 434a]
Brant Narr. 61, 19—20. ‘Es ist kein kilchweih noch iarmarckt, der tüfel rüstet sin kilchweih auch daneben uff, und richtet den schragen und krom zu marckt’ Geiler s. Als. 1862/67, 148. ‘Kylwyh’ ders. P. II 79. Gebräuche an der K. JB. VI 173; X 229; XII 193. Vgl. Kirwe, Mëssti. — Schwäb. 312.

Bureⁿkilbe [Pýrəkì}lpə S.] f. 1. zu Martini ist im ganzen S. die ‘Burekilbe’; dazu wird gebacken und abends getanzt Biedert. JB. III 130. 2. buntscheckiger Trödel, z. B. Bänder von grellen Farben S.

Füdlekilwe f. F. haⁿ tüchtig durchgehauen werden Heidw.

 PfWB Naʰkilbe [Nóìlpì Fisl.; Nókhelpə Steinbr.; Nókhìlp Su. Obhergh. Dü.] f. zweiter Kirchweihsonntag.

kilweⁿ Kirchweih feiern, ausgelassen lustig sein (meist nur im Gen.): iʰ bruch nit tanzeⁿ, iʰ ha Kilweⁿs gnue Geberschw.Schweiz. 3, 247.
 
 
Kolbeⁿ, Kolmeⁿ [Kholwə Dü. Bf.; Khùlwə Hf.; Kholmə Kerzf.] m. 1. Kolben an der Flinte, an einer Maschine; Knüttel; Holzstück, anstatt der Deichsel am Joch befestigt, mit einem Haken für die Pflugkette Wh. 2. dicker runder Pflanzenteil. Demin. [Khèlwələ] Frucht des Plantago minima, die man den Vögeln als Futter reicht Str. 3. Kopf? eiⁿm deⁿ K. luseⁿ durchprügeln Bf. 4. Knäuel Hanf, der durch die grobe Hechel gezogen ist; Syn. [Pópə Hf.] 5. ‘Kolbe grosser Essigkrug, Essigkolbe’ Klein. Schweiz. 3, 225. Schwäb. 322.

Feilkolbeⁿ [Fèjlkholwə Obhergh.] m. Holz, in welches die Sägen zum Ausfeilen gespannt werden.

Lötkolbeⁿ [Létkholwə Su. Obhergh.; Létkhòlmə Dachstn.] m. spitzer Kupferhammer der Weissblechner.

Magsameⁿkolbeⁿ [Mâjsûməkholwə Dü.] m. Mohnkapsel.

Mis(t)elkolbeⁿ [Mìlkhòlwə Bf.; Metlkholwə Barr Achenh.; Metlkholmə Mutzig] m. Stössel, womit bei der Weinlese die Trauben zerstampft werden.

Muerkolbeⁿ [Mỳərkhùlwə Ingenh.; Mǿrkholwə Kindw.] m. 1. Kaulquappe Ingenh. Dasyp. s. Kope. ‘es wibbelt vnd wimmelt so voll als Ameissen vnd murkolben’ Mosch. I 230. 2. schmutziger Mensch Kindw.

[Bd. 1, Sp. 434b]