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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Kuch(i) bis Fasnachtsküechle (Bd. 1, Sp. 421a bis 422a)
 
  Kuch(i), Kücheⁿ [‘Xûə Pfetterhsn.; Khùχi Sier. Hirzfn.; Khùχə Hi. M.; Khùχ Su. Ruf. Osenb. Hlkr. Winzenh. Co. Dü.; Khìχə U. W.; Khìχ Str.; Pl. Khùχə, Khìχə] f. Küche. Hes d Kuch bschlosseⁿ? fragt man ein Mädchen oder eine Frau, die einen Russflecken im Gesicht hat Dü. Meⁿ kummt in s Teüfls Kuch wird arg verschrieen Su. Spw. Is e Küch noch so gross, se ghört nur ein Fraü driⁿ Bf. Gassenhauer: Unsri Magd is in dr Kuch, Si wäscht m Vatter s Gschirr u. s. w. Rapp. JB. VII 170. ‘Gehn eurer Wäy in d’ Küche’ Pfm. II 3. ‘Denn ’s Gschäft, weisch, geht d'r Kuche vor’ Stöber Fürst. 10. ‘in der Kuchen’ Fisch. Flöhh. 1509. ‘Kuchen oder Keilre’ Str. 15. Jh. Brucker 51; ‘Kuchin’ ebd. 278. ‘Kuchin culina, coquina’ Dasyp. Zss. Kucheⁿschlüssel, Kuchimutz, Kucheⁿmutzer, –kënsterli, –schaft.

Demin. Küchel(e) [‘Xiələ Roppenzw.; Khiχl Str.; Khìχl U.] n. 1. kleine Küche. 2. Räucherkammer Roppenzw. Schweiz. 3, 129. Bayer. 1, 1221.

Buchkuch O., Buchkücheⁿ U. f. Waschküche, Waschhaus.

Gartkuchen Popina = ‘gemeine, offene Kuchen’ Dasyp. Gol. 228.
 
 
Kuecheⁿ I[Khŷəχə Dü.; Khỳəχə Dollern Mittl. K. Z.; Khyùχə M.; Khŷχə Str. Brum.; Khûχə Betschd. Lohr Tieffenb.; Pl. Khỳəχə und Khìeχə] m. 1. Kuchen, ohne weitere Bestimmung meist Flammkuchen Dü. K. Z., oder Torte Hf. Die meisten Sorten haben noch bes. Namen, s. Brüeli, Kugelhopf, Motz, Wäjeⁿ. Kinderlied, wobei man die beiden Hände des Kindes taktmässig zusammenschlägt: Bitsche batsche Kuecheⁿ, dr Bäckr het geruefeⁿ: Wer will Kuecheⁿ bacheⁿ, der muess haweⁿ siweⁿ Sacheⁿ: Eier un Schmalz, Butter un Salz, Milch un Mëʰl, Safereⁿ macht deⁿ K. gël Hf. Rapp. JB. V 140; VII 169. Stöber Volksb. 11. 2. Schmutzflecken: diner Rock is ganz voll

[Bd. 1, Sp. 421b]
K., oder er is verkuecht Mittl. ‘Kuche placenta’ Dasyp.

Demin. Küechli, Küechle, Küechel [‘Xìèlə Attenschw.; Khìèχli Banzenh.; Khìeχlə Sier.; Khìaχlə Hi. Heidw. Pfast. Su. Osenb.; Khieχlə, Pl. –ər M.; Khìèχl U.; Khîχl Str. Roppenh. Betschd. W.] n. kleine runde, in Butter oder Öl gebackene Kuchen, Krapfen, bei vielen Festlichkeiten, aber bes. zu Fastnacht gebacken. ‘gefüllet Küchlin Tuceta’ Dasyp. ‘Küchlein = frz. des bignets (baignets)’ Martin Coll. 46. Küechelsunnti(g) ist der Sonntag nach der Herrenfastnacht, der erste Sonntag in der Fastenzeit, auch Wiwerküechelsunnti genannt. Im Wirtshause bekam früher jeder Gast von den Küchlen; auch die Hirten wurden damit beschenkt. Die Schulkinder singen ihre Lieder beim Einsammeln: Maieⁿ (oder Veieleⁱⁿ), Roseⁿ, Blüemle, Mir singeⁿ um das Küechelein; s Küechelein is gebacheⁿ, Mir höreⁿ dⁱe Pfanne kracheⁿ, Mir höreⁿ d Schlüssel klingeⁿ, D Jungfrau wurd bal Küechle bringeⁿ; Küechle ʰrus! Küechle ʰrus! Mir wünsche - n - üʰ Glück in öuer Hus! und wenn man nichts bekommt, singt man: Veiele, Rose, Dürrbireⁿstil, Für deⁿ Tʰüreⁿ git's nit vil, Für deⁿ Fënsterⁿ is ‘Hëlf dⁱr Gott!’ Is dis nit e grossi Schand un Spott? Ingenh. Mir singeⁿ um das Küchelein; Küchlen herus un Küchlen hinin Oder mir schlauweⁿ e Loch ʰⁱnin Roppenh. Heraüs, ʰraüs, Küechlen heraüs, Iʰ wünsch üʰ Glück in oüer Haüs u. s. w. Illz. s. auch Reijeⁿ. s friert miʰ an e Füessele, Iʰ hätt gërn e Küechele; s friert miʰ nur e wenig draⁿ: Iʰ mein, iʰ muess e Küechle haⁿ Dü. Kinderlied: Bitsche, batsche, Küechele, d Mueter bacht Küechele, Bacht ganzi Pfanneⁿ voll, Git in dem Kindele auʰ devon Obbr. Aus einem Kinderspruch: Er bringt drei Kojlʰopf in dr Hand, Küechle bacheⁿ is keⁱⁿ Schand Rapp. JB. VII 168. Gewalti [kəwâlti] Küechleⁿ werden aus gewalztem Teig gemacht und in Butter gebacken Su. Wenn Abendrot ist, sagen die Kinder: d Mueter Gottes bacht Küechleⁿ Su. ‘Niemals’ wird bezeichnet durch: ‘Wenn der Nussbaum Küechle drat’ vgl. das Lied von Aug. Stöber Schk. 165. ‘es ist gewonheit also das küchle holen (am Fastnachtmontag in der Pfaffen Häusern und in den Klöstern; am Zinstag in den

[Bd. 1, Sp. 422a]
Bürgerhäusern) Geiler Narr. 153 (LXXV schar). Rda. ‘einem küchlin bachen’ einem wohl thun, angenehm sein Murner Schelmz. 68. — Schweiz. 3, 131. Bayer. 1, 1221.

Äpflkuecheⁿ Ruf., Apflkuecheⁿ Z. m. Apfelkuchen. ‘Hundertdöüsigh Aepfelküechle Gän e ganze Wanne voll; Sollt es mich denn nit verdriesse, Wenn ich keine hawwe soll?’ Altk. Stöber Volksb. 114. — Schweiz. 3, 134. Bayer. 1, 1221.

Dreiküni(g)skuecheⁿ, s. Künigskuecheⁿ.

Drescherküechle n. Pl. beim Drescherfest verteilte Küchele, eine im Abnehmen begriffene Sitte. Morn hei mir D. morgen feiern wir Drescherfest Liebsd. Synon. Dreschbroteⁿ K. Z. Han.

Eierkuecheⁿ m. wie hochd.; = Flammeⁿkuecheⁿ NBreis. Ingw.; wilder E. aus feinem Mehlteig, Eiern, aber ohne Butter Hlkr. St. ‘Thu den eierkuchen under dem arm hinweg entferne das Hindernis’ Geiler, s. Als. 1862/67, 138. Rätsel: ‘Was brücht m'r firr e gueter Eierkueche? — Melancholei, d. h. Mehl, Ank(e), Kohl(e), Ei Sennh. Stöber Volksb. 363.

Fasnachtsküechle n. Pl. = Küechli u. s. w. allg. Beim Sammeln der Fastnachtsküchlein wird gesungen: Do steʰⁿ mⁱr uf m kalteⁿ Stein, Gën üⁿs e Küechl, ªʳnoʰ geʰⁿ mⁱr heim! Eckwersh. Sideⁿfadeⁿ um das Hus, s stieʰt e schieni Froü im Hus; Küechler ʰrus, Küechler ʰrus, Öder iʰ schla e Loch iⁿ s Hus! M. JB. XII 114. vgl. Sideⁿfadeⁿ; s. auch JB. III 120; VIII 160; X 223.