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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Jordan bis Jësser (Bd. 1, Sp. 411a bis 412a)
 
  Jordan [Jòrtàn Str.] m. wie hochd. in der Rda. Üwer dr J. geʰn sterben; vgl. Grabeⁿ, Gräbli 1.
 
 
Jörg [Jèrk Hi. Obsteinbr. Su. Ruf.; Jêrk Banzenh.; Jèri Ruf. M. Co. u. nö. davon allg.]; Koseform Jörgi [Jèrki Ruf. Su.]; Demin. (selten) Jörgel [Jèrklə Hi.; Jèrikl O.; Jèrjələ U.] männl. Vorname Georg; daneben und häufiger die frz. Form, s. Schorsch; übtr. gutmütiger Mensch. Schelte: Geʰ wëg, du stiffer Jöri! Str. Sprechübung: ‘Jerri, saj's im Jerri, ass ’s d'r Jerri im Jerri sajt, ass d'r Jerri ’s Lojel an d'r Waje henkt’ Co. Stöber Volksb. 59. Jerri, Jerri, Krotteⁿloch Het e alti Fraü im Loch Scherw. Die deutsche Form allein in Jörgeⁿtag, Jörjeⁿta, Jörjelesta, 23. April, ein wichtiger Tag im Bauernkalender: Am Jörjeⁿta muess dr Summer kummeⁿ. ‘Am Jörjetag soll ’s Korn in Aehre sinn’ Als. 1852, 132. ‘So lang as d’ Frösche vor Jörjetag ruhge (quacken), so lang müehn se sich noch Jörjetag ducke’ ebd. Wenn d Fröscheⁿ vor Järgeⁿ gigeⁿ, müeˢˢn si noʰ Järgeⁿ schwigeⁿ. Dr Jörg und der Marx (25. April) Hän oʰ noch (hän allewil Geberschw.) eps Args Banzenh. Su.; ähnl. Ruf. JB. XII 101. Sin am Jörgeⁿta d Rëweⁿ blutt un blind, soll sich freüeⁿ Wib un Kind. Nach Jörgetag ist es verboten über die Wiesen zu gehn. Vgl. Als. 1851, 138 (wo auch die Legende

[Bd. 1, Sp. 411b]
des Heiligen); 1852, 132. Dr heilig Ritter Sanct Jörg het dr Teüfl verstocheⁿ Su. ‘der Thurmwächter zu Ensisheim sol auch des Nebels vnd Reiffen zu Sant Jergen Tag anfahen wharzunemen, vnd so Er ein Nebel saht, soll er anfahen luthen’ Merklen 1, 279.

 PfWB Herrjörg, Sant Jörgle [Hêrjêrk Roppenzw.; Sànt Jèrklə Hi.] urspr. Anruf des Heiligen beim Beginn eines Kampfes. Rda. Iⁿ aim dr H. singeⁿ die Meinung sagen Roppenzw. Dir will iʰ dr Sant Jörgle singeⁿ Hi. Verdreht: Er het ⁱʰm dr Herr Jeger gsungeⁿ hat ihn durchgeprügelt Schlierb.

Lureⁿjöri [Lýrəjèri Buchsw.] m. wasserreiche Quelle, die zu Ende des Winters in Buchsweiler am Fusse des Bastberges vor der katholischen Kirche erscheint und sich in einen kleinen Weiher, die sog. Schäferei, ergiesst; auch füllen sich von da ab schnell alle Brunnen mit Wasser. Über die Entstehung des Namens s. ERW. 1839, 152.
 
 
(Jass in)

Klapperjass [Klàpərjàs Gebw. Hf.] n. 1. ein Kartenspiel. 2. Prügel (Kinderspr.) Er het K. bekummen Gebw. Schweiz. 3, 69 aus dem holländischen, wo Klaver = Klee.

verklapperjass(er)eⁿ [fərklàpərjàsərə Bf.] 1. im Kartenspiel besiegen, bes. durch Betrug. 2. refl. sich mit Kot beschmutzen: s Kind het sich verklapperjasst.
 
 
jasseⁿ [jàsə U.] fortjagen (selten). Er is gejasst woreⁿ aus der Schülerspr. Str. — aus frz. chasser?
 
 
jäseⁿ [jásə Olti. Liebsd. Hi. Banzenh.] gären. Dr Wiⁿ jäst, het gjäst oder gjäseⁿ. s jäst! Hi. s. auch järeⁿ. — Schweiz. 3, 73. Bayer. 1, 1210. Schwäb. 296.
 
 
jësseⁿ, jatzeⁿ [jasə M. Geud.; jæsə Str.; jàtsə Str. Ulrich] 1. mit Ruten streichen, fortjagen: ‘so viel Streich, so viel Bastonaden, so viel Jessen’ Mosch. Anl. 119. Nüo haw iʰne awer gejësst fortgejagt M. ‘So Meerkatzgsichtre gunn i Schmedder un wott merr dät si jesse, dass ne d’ Hut finkle dät’ Pfm. II 5. ‘jessen mit Ruten streichen’ Klein. 2. jagen, schnell laufen: [eχ jas hùrtli tù nùf; ty jat àwər tâtə läufst jetzt; ər jast àləwil

[Bd. 1, Sp. 412a]
sû tùrùm da herum; jèts semər àwər kəjast Geud.] Schallnachbildung? zu 2 vgl. auch jasseⁿ.

Jësser m. Rute, dünner, leicht biegsamer Stock Katzent.