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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Jaʰr bis Schalkjaʰr (Bd. 1, Sp. 409a bis 410a)
 
  Jaʰr [Jór fast allg.; Jûr Co.; Jùwər Sulzern; Jyor M.; Pl. ebenso; Demin. Járlə O., Járl U., Jǽrl Str.] n. Jahr. Gen. s Joʰrs jährlich, im Jahr; s Joʰrs e Mol einmal im Jahre; s Joʰrs e Mol voll kann auch einen Trunkenbold bezeichnen.

[Bd. 1, Sp. 409b]
Am siweⁿziger [sewətseχtə Wh.] J. im J. 1870 Z. Vorem J. das letzte Jahr; dis J. in diesem Jahre; s ander J. im nächsten Jahr [tərjyor M.]; über s J. nächstes Jahr. Die J. früher, in alter Zeit. Unser Lüt (meine Eltern) han allewil gseit, die J. is d Liederliʰkeit nit so gross gsin wie hüt ze Ta. Uf d J. kummeⁿ bejahrt werden; bi Joʰreⁿ sin Str., uf deⁿ Joʰreⁿ sin bejahrt sein Z. ‘über sechszehen jor alt’ Str. 15. Jh. Brucker 7. J. un Ta sehr lange. Die geʰn schun J. e Tau newen einander hinus un reddeⁿ nit mitⁱnandʳ Ingenh. ‘die gehn jar vnnd tag mit einander ohn redt’ Geiler 7. Narr (Kl.) ‘daz sü und ire kint jore und tage z essen habent’ Str. 15. Jh. Brucker 232. Von einem Sträfling: Der het J. e T. behummeⁿ Z. ‘der bessert jar und dag 5 lib.’ Str. 14. Jh. Brucker 519. Spw. ‘Das jar ist doch an kein stecken gebunden’ Geiler, s. Als. 1862/67, 146. Rda. zur Bezeichnung der Gleichgiltigkeit: Was het's e Wërt, in hundert Joʰreⁿ kummeⁿ d Heideⁿ un nëʰmeⁿ alles mit U. Neben Pl. Joʰr auch Joʰrer zur ungefähren Zeitangabe: Es sin e Joʰrer zeʰⁿ Str. Mini par Jäʰrler wëren herum geʰn Dü., od. Ich wur min por J. noch vollⁿs ʰrum bringeⁿ Z. ich werde es (ein allgem. Unglück) noch aushalten können, bis ich sterbe. — Schweiz. 3, 56. Bayer. 1, 1209.

Beschörjor Stufenjahr, annus climacterius: ‘und disze was ein witwe bis zu 84 ioren. Sie was übergangen fünf beschörior, 21 jor oder dry mol siben das ist ein beschörior’ Geiler P. I 13 (zu Luc. 11). — von bescheren zuteilen, was besonders von Gottes Schickungen gebraucht wird. Von 7 zu 7 Jahren nahm man im MA. Frommann, Nürnberg (später Nördlingen) I—VI 1854—59; VII Halle 1877. erhebliche Körperveränderung an.

 PfWB Fëʰljaʰr n. Missernte: s is halt e F. Wenn jemand behauptet, etwas sei nicht gut oder nicht gut gemacht, antwortet man: s is guet for e F. Su. U. — Schweiz. 3, 58.

 PfWB  LothWB  RhWB Früeʰjaʰr n. Frühling, Frühjahr allg.

Geratjaʰr n. fruchtbares Jahr (wird auch auf einzelne Zweige der Landwirtschaft beschränkt). All G. eⁱⁿmol sehr selten: iʰ gang all G. emol uf Basel Hi.

Gumpeljaʰr n. Fehljahr (in einem alten Register von Hunaweier) St.

[Bd. 1, Sp. 410a]

Gutjaʰr n. Neujahrswunsch, Neujahrsgeschenk: ‘Am neuen Jahr sollen keine Kinder mehr in die Häuser geschickt werden das gut Jahr zu holen’ Mandat 1681 Mü. Stöber Mäder. ‘darum wöllen wir sie ein guts Jar lassen haben’ sie laufen lassen Fisch. Bin. 171. — Schweiz. 3, 58.  DWB DWB. IV 2, 2233.

Kalberjaʰr [‘Xàlpərjór Fisl.] n. Pl. Jünglingsalter: in deⁿ Kalberjoʰreⁿ.

 PfWB  LothWB  RhWB Neüjaʰr [Nèijór Co. Rapp. Str.; Næijór Su.; Nøyjûr K. Z.; Nèijôr Lohr] n. 1. das neue Jahr: s N. wünscheⁿ Glück zum neuen Jahr wünschen. Formel: Iʰ wünsch i (euch) e glücksëligs neis J. un alles was ⁱʰr i sëlbst wünscheⁿ; oder Mⁱr wünschen i e glücklichs N., vil Kraft un Gsundheit un e langs Lëweⁿ! (oder so lang aˡs iʰr lëweⁿ). Antwort: mⁱr wünschen i auʰ so vil un alles, was iʰr i sëlwer wünscheⁿ Z. Iʰ wünsch üch ë glückhaftigs neü Joʰr, gëw üch Gott! Antw.: Merci, mⁱr wünsche-n-üch oʰ so vil! Ballersd. Iʰ wünsch n-üʰ e glückligs N. Un wënn ⁱʰr mⁱr e Weckeⁿ gën, is s woʰr; Gën ⁱʰr mⁱr keⁱner, se is e kurzi Lung Was iʰ nüʰ wünsch, un e langi Zung Rapp. JB. VII 166. Iʰ wünsch dⁱr e glückligs N., E Bëngele uf's Oʰr, E Hewl uf dr Kopf, Bis ass s Bluet ʰⁱnatropft ebd. Neujahrsgebräuche und –wünsche s. JB. II 180; III 116; IV 113; V 151; VI 165; VII 203; IX 220; X 219; XII 117. 185. Spassh. Gross (anstatt Prost?) N.! (doch Bayer. 1, 1210 Grossneujahr = Dreikönigstag) E Stolleⁿ an s Oʰr! E Bëngel an deⁿ Kopf Dass s Bluet eratropft! Str. ‘Wie i zuem N. N. kumm, un sa em: gross Neujohr! Ze rebundiert der mier: Un e Basteed an's Ohr’ Schk. 205. Iʰ wünsch e glückhaftigs neüs Joʰr! un gëⁿ mir s glich, noʰ (dann) is s woʰr NBreis. E eprem s N. abgwinneⁿ ihm zuerst Glück wünschen. 2. der Neujahrstag: am N. 3. Neujahrsgeschenk, gebackener Ring od. Wecken: s N. bekummeⁿ von dem Paten oder der Patin. Hes s N. schun g holt? Ingenh. ‘Die neundt Schell der Aberglaubnarren ist, viel newer jar ausztheilen auff den newen Jarstag’ Geiler 65. Narr (Kl.) — Schweiz. 3, 60.

neüjaʰrleⁿ [nèijórlə Steinb.] Neujahr feiern. Er het drei Tag geneüjoʰrlt.

 PfWB  LothWB  RhWB Schalkjaʰr n. Schaltjahr Dunzenh. Z.

[Bd. 1, Sp. 410b]
‘Disz jar würd ein Schalckjar sein’ Fisch. Prakt. 3.