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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Jüpp(e) bis Fëʰljaʰr (Bd. 1, Sp. 408b bis 409b)
 
  Jüpp(e) [Jìp Westhalten; Jep Co. Dü. K. Z. Wh.; Jìpə S. Strüth Banzenh. Rixh.; Demin. n. Jìplə Pfirt; Jìpələ Ballersd.]

[Bd. 1, Sp. 409a]
f. 1. bei Männern in protestantischen Dörfern der lange, nach altem Schnitt gemachte Rock des Bauern zum sonntäglichen Kirchgang, wird zum erstenmal zur Konfirmation getragen K. Z.; in katholischen Dörfern gestrickte Weste mit Ärmeln, sog. Jagdweste K. 2. bei Frauen kurzer Unterrock, auch Oberkleid, Jacke (Rixh. M. Avolsh.). Der Ausdruck kommt ab. ‘Zeitliche Güter geben uns nit me denn ein alt zerschlissen Eer oder Hippen’ St. ‘güppe’ Geiler P. II 109. Brant Narr. 82, 14 ‘Die buren went kein gyppen me, es mß sin lündsch und mechelsch kleit’. ‘juppe linea tunica’ Dasyp. ‘Gang in d’ Bach un wieder drüs, Un ring di Jibble süfer üs!’ Pfirt Stöber Volksb. 129. Lütter Lütter Lüre, D Mueter geʰt in d Schireⁿ; Si hat e rot Jippele aⁿ, Es hënken-alle Kinderle draⁿ! Ballersd. ‘Jüppel Weiberrock, Jacke’ Klein. Zss. Jüppeⁿtrager. — Schweiz. 3, 53. Schwäb. 302. Bayer. 1, 1208. Hess. 186.

Trajüpp [Trjep Molsh.; Trâjep Heidolsh.] f. Oberkleid beim Tragen, aus Drillich und gefüttert, ohne Ärmel, dient bes. dazu den Druck der Riemen, woran das mit Most gefüllte Ständel hängt, zu vermindern.

 PfWB  RhWB Underjüpp [Eərjep Hf.] f. wollene Unterjacke. — Schweiz. 3, 55.
 
 
juppeⁿ [jỳpə Obbruck] springen.

bockjuppeⁿ Spiel der Knaben, bei welchem einer über den anderen wegspringt Obbruck.
 
 
Jips [Jìps Felleri. Pfetterhsn.; Jeps Steinbr. Lutterb. Logelnh. Bf. Str. K. Z.; Ieps M.] m. gebrannter Gips; oft statt des Alitzel (s. Seite 29) zum Beizen der Weizenaussaat verwendet Dunzenh. vgl. auch Gips Seite 228. — Schweiz. 3, 56.

jipseⁿ Wände und Decken von Wohnräumen mit Gips überstreichen Str. K. Z.; einen Kleeacker mit Gips bestreuen Bf. Mutzig K. Z.Schweiz. 3, 56.

Jipser m. Gipser, Gipsarbeiter Pfetterhsn. Bf. Str. U. — Schweiz. 3, 56.
 
 
Jaʰr [Jór fast allg.; Jûr Co.; Jùwər Sulzern; Jyor M.; Pl. ebenso; Demin. Járlə O., Járl U., Jǽrl Str.] n. Jahr. Gen. s Joʰrs jährlich, im Jahr; s Joʰrs e Mol einmal im Jahre; s Joʰrs e Mol voll kann auch einen Trunkenbold bezeichnen.

[Bd. 1, Sp. 409b]
Am siweⁿziger [sewətseχtə Wh.] J. im J. 1870 Z. Vorem J. das letzte Jahr; dis J. in diesem Jahre; s ander J. im nächsten Jahr [tərjyor M.]; über s J. nächstes Jahr. Die J. früher, in alter Zeit. Unser Lüt (meine Eltern) han allewil gseit, die J. is d Liederliʰkeit nit so gross gsin wie hüt ze Ta. Uf d J. kummeⁿ bejahrt werden; bi Joʰreⁿ sin Str., uf deⁿ Joʰreⁿ sin bejahrt sein Z. ‘über sechszehen jor alt’ Str. 15. Jh. Brucker 7. J. un Ta sehr lange. Die geʰn schun J. e Tau newen einander hinus un reddeⁿ nit mitⁱnandʳ Ingenh. ‘die gehn jar vnnd tag mit einander ohn redt’ Geiler 7. Narr (Kl.) ‘daz sü und ire kint jore und tage z essen habent’ Str. 15. Jh. Brucker 232. Von einem Sträfling: Der het J. e T. behummeⁿ Z. ‘der bessert jar und dag 5 lib.’ Str. 14. Jh. Brucker 519. Spw. ‘Das jar ist doch an kein stecken gebunden’ Geiler, s. Als. 1862/67, 146. Rda. zur Bezeichnung der Gleichgiltigkeit: Was het's e Wërt, in hundert Joʰreⁿ kummeⁿ d Heideⁿ un nëʰmeⁿ alles mit U. Neben Pl. Joʰr auch Joʰrer zur ungefähren Zeitangabe: Es sin e Joʰrer zeʰⁿ Str. Mini par Jäʰrler wëren herum geʰn Dü., od. Ich wur min por J. noch vollⁿs ʰrum bringeⁿ Z. ich werde es (ein allgem. Unglück) noch aushalten können, bis ich sterbe. — Schweiz. 3, 56. Bayer. 1, 1209.

Beschörjor Stufenjahr, annus climacterius: ‘und disze was ein witwe bis zu 84 ioren. Sie was übergangen fünf beschörior, 21 jor oder dry mol siben das ist ein beschörior’ Geiler P. I 13 (zu Luc. 11). — von bescheren zuteilen, was besonders von Gottes Schickungen gebraucht wird. Von 7 zu 7 Jahren nahm man im MA. Frommann, Nürnberg (später Nördlingen) I—VI 1854—59; VII Halle 1877. erhebliche Körperveränderung an.

 PfWB Fëʰljaʰr n. Missernte: s is halt e F. Wenn jemand behauptet, etwas sei nicht gut oder nicht gut gemacht, antwortet man: s is guet for e F. Su. U. — Schweiz. 3, 58.