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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Hëller bis heilig (Bd. 1, Sp. 320b bis 321b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Hëller [Halər Bf.] m. kupferne Scheidemünze. Wënn einer zuem H. geboren is, so kummt er uf keⁿ Rappeⁿ Bf. ‘Usbezalen bi hellér und pfennig’ Geiler, s. Als. 1862/64, 145. Schweiz. 2, 1130 Haller. Bayer. 1, 1075 ebso.

Heilaser, s. Egedëchse.
 
 
Heil in

Gauchheil Gelbgauchheil Lysimachia nemorum Kirschl. 1, 567. s. Glückhäfele.

 PfWB gangheil [kàkhèil M.] im Gehn durch kein körperliches Gebrechen gehindert. Vgl. ‘ganghällig’ völlig gesund und

[Bd. 1, Sp. 321a]
kräftig Fisch. Garg. 328. — Schweiz. 2, 1144.

Braunheil, Gottheil brunella vulgaris Kirschl. 1, 637. 638.

Nünheil [Nínhæil Z.] Bärlapp, Lycopodium clavatum Kirschl. 2, 372.

heillos [hailós Hi. Dessenh. Hlkr. Bf. NHof Str. Brum.] Adj. 1. unverbesserlich: e heilloseʳ Wildfang Hlkr. ‘Myn Bue, der haillos Strik, will jez ken Breesel nix von dere Hyroth wisse’ Pfm. IV 6. 2. stark: e heillosi Freüd Hi.; h. Ängsteⁿ Hi. Adv. gewaltig: h. vil Gëld Dessenh.; h. wamseⁿ tüchtig durchprügeln. — Bayer. 1, 1078.

heileⁿ [hailə Dü. Rapp. Str. W.; hèilə M.; hǽlə K. Z. Betschd.; hálə Bühl Ndrröd.] 1. heilen: dⁱe Krankheit is bös h. Geud. Bes. in der Kindersp., wenn sich eins weh gethan hat: kumm dohër, iʰ heil dⁱr s Dü. Dann wird das Verschen gesprochen: Heile Heile Sëjele, s Kätzle hockt uf em Stëgele, s Müsele uf em Mist: s waisst keⁱⁿ Mënsch, was mit em Lenele o. ä. is Ruf., ähnl. Dü. Geud. Kinderspruch in der Ernte: [Hǽlə hǽlə Sájə, mòrjə ket s Rájə, Hǽlə hǽlə mòrn, mòrjə kets Khòrn Hf.] Heile heile Horn, heilt s hüt nit, heilt s morn Ruf. ‘Heile, heile Säje, ’s Kätzele-n-uf d'r Stäje, ’s Miselen-uf ’m Mist, ’s weiss ken Mensch meh was im Kindel isch’ unschuldiger, scherzhafter Nachklang eines alten Segenspruches Str. Stöber Volksb. 58, wo noch drei ähnliche Sprüche verzeichnet stehen. Heiele, heiele, Sëjeⁿ, Morn git ’s Rëjeⁿ, Üwermorn git ’s Schnee: s tʰuet nimmʳ weʰ Rapp. JB. VII 154. ‘Heile, heile, Seje, s Kätzele-n-uff dr Steje, s Misele-n-uff em Mischt Hett alles zamme gewischt’ Ndrröd. JB. VII 149. ‘Heile, heile, Horn, Heilt ’s hit nit, heilt ’s morn; Heile, heile, Kälwelsdreck, Bis morje isch alles eweck’ Obbr. JB. Vi 135. Ähnl. Bischw. Diemeri. JB. VII 149. ‘Heile, heile, Seje, Morje getts Reje, Ewwermorje Schnee, Un eweck isch s Weh’ Zabern JB. VII 149. 2. gesund werden. ‘Ass ich viellicht noch heile ka Dert uf de Bergen-owe’ Lustig I 480. — Schweiz. 2, 1145.

verheileⁿ [fərhailə O. bis Ndhsn. Str.; fərhǽlə K. Z. Betschd.; fərhálə Ndrröd.] 1. eine Wunde so heilen, dass keine Narbe zurückbleibt Su. 2. castrieren, von Schweinen und Ochsen (bei Pferden meist

[Bd. 1, Sp. 321b]
verschnideⁿ genannt). ‘viel Thunnen voll .. von verheylten Stieren’ Fisch. Garg. 76. ‘ist s euch verheilt wie einer Mastsaw? estes vous .. sené comme un porc qu'on veut engraisser’ Martin Parl. N. 477. 3. durchhauen Co. 4. im Spiel ausplündern Z. Schweiz. 2, 1147. Schwäb. 269. Bayer. 1, 1077 hailen.

heilig [hailik Liebsd. Steinb. Su. Obhergh. Dü.; hèilik M.; haili(χ) Str.; hǽli K. Z.; hæiliχ Betschd.; háliχ Bühl] Adj. 1. heilig. ‘heylige Sachen vmbs Geld begehret’ Mosch. II 712. 2. andächtig: er is h., er lëst dr ganzeⁿ Sunntig nix aˡs heiligi Büecher Dü. Sin mⁱr h.? Frage, wenn man jemand beim Lesen antrifft. Euphemistisch: e h. Krüzdunderwëtter! Fluch Dü. Weⁿⁿ dëⁿ numme s h. Dunnerwëtter iⁿ dr Bodeⁿ niⁿ schlüeg! Su. Elliptisch: Sini heiligi überchummen, bikummeⁿ, verwitscheⁿ, zieʰeⁿ tüchtige Prügel erhalten Obhergh. Dr heilig Geist scherzh. Flügelhaube der Bäuerinnen; s heilig Grab Wirtschaft in Str. (Ecke der Goldschmiedgasse und des Kesselgässchens), früher auch in Dunzenh. Adv. h. versprëcheⁿ, sich h. verschwöreⁿ hoch und teuer Hi. Su. Schweiz. 2, 1148. Bayer. 1, 1079. Zss. Heilisankt .. ländlich.