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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Hudel bis hudlëcht (Bd. 1, Sp. 303b bis 304b)
 
  Hudel [Hùtl Roppenzw. bis Hf.; Hûtl Dü. Rapp. Ndhsn.; Hỳtl Hlkr.; Pl. –ə, s. auch 5.] m. (f. Ingersh. Dü.) 1. Verwicklung, Verwirrung der Fäden im Garn, Wolle, Baumwolle: iʰ kaⁿⁿ nimm witer strickeⁿ, do is e H., iʰ muess luejeⁿ, ass iʰ si kaⁿⁿ uf macheⁿ Dü. E H. in dr Angl eine verwickelte Angelschnur. 2. zerfetztes Tuch, Lumpen, den man z. B. zum Reinigen des Backofens von kleinen Kohlen u.s.w. gebraucht; nachlässige und schlechte Kleidung Geiler P. III 40. ‘hudlen (Lumpen) damit yr euch becleiden’ Geiler HK. LXXI. ‘wicklen vil hudlen (Lappen) in die zöpf’ Brant Narr. Vorr. 119. 3. liederliche, bes. in der Kleidung nachlässige Person; Lump, Säufer, wilder, ungestümer Mensch, schlechter Arbeiter, der alles nur obenhin macht: e rëchteʳ H. ‘Nun wolan, der Hudel hat noch nicht genug geschneicket?’ Geiler Geistl. Spin. M. 5 CS. s is e H., er versuft alles, was er verdient Barr; unordentliches Mädchen Ndrröd., (f.) schlechte Person Hlkr. 4. auf Sachen übertragen: dis is e H.

[Bd. 1, Sp. 304a]
voⁿme Rëbstück Mutzig. 5. junges Pferd, das bald eingespannt werden kann; Füllen Logelnh., mit Pl. [Hetl] K. Z. Übertr. Ich bin bal fünefesëchzig Joʰr alt, nu (dann) is mr keⁱn H. meʰʳ Z. 6. e dürri H. wird auch eine Ziege oder magere Kuh genannt Obhergh. Zss. Hudllumpeⁿ zerfetztes Abwischtuch; Hudllus Kleiderlaus Hi.; Hudllüt; Hudlmann: ‘faulkeyt kurzweil vnd Hudelmans leben’ Fisch. Ehez. 206, 4; Hudlpack; Hudlsäckli Hi.; Hudlvolk Lumpenvolk, Gesindel; Hudlwëtter regnerisches Wetter Hi.; Hudlwisch unordentliches Mädchen Ndrröd. Schweiz. 2, 995. Schwäb. 289. Bayer. 1, 1055. Hess. 177.

 PfWB Spinnhudel [‘Spìnhùtl, ‘Spenhùtl Barr Molsh. Str. Brum. Ingw. AEckend. Betschd. Obbr. Wörth Ndrröd.; Pl. –ə] f. 1. Spinnwebe; als Vergleich bei abgetragenen oder sehr leichten Kleiderstoffen: s is nur noch e Sp. 2. eine zerzauste, verwirrte Stelle in der Spinnarbeit Z. 3. Spinne: Wëⁿⁿ mr am Morjeⁿ Spinnhudleⁿ sⁱeʰt, git s Glück, am Oweⁿ Unglück Barr.

hudleⁿ [hûtələ Hi.; hûtlə Su. Hlkr.; hùtlə Steinbr. Osenb. Ingersh. Str. Kindw. Ndrröd. Wh.] 1. verwirren, verwickeln: ich hudl deneⁿ Fadeⁿ Kindw. 2. plagen. ‘hudeln gourmander’ Martin Parl. N. 292. 3. absol.: schnell, aber schlecht arbeiten: hudl nit so! ‘Man findt deren Narren vil, die sudlen vnd hudlen das werk hinweg’ Geiler Narr. 97. 4. regnen: s hudlt dr ganz Taj Hlkr. 5. mit kleinen Schritten gehn, wie Kinder Hi. 6. refl. sich beeilen Pfirt. ‘Chlei’ Maidele, hudle di, Gang in d’ Bach un sudle di!’ u. s. w. Kinderreime Stöber Volksb. 129. — Schweiz. 2, 1002. Schwäb. 290. Vgl. Bayer. 1, 1055.

ane hudleⁿ in der Eile unordentlich machen Str.Schweiz. 2, 1003.

umenander hudleⁿ nachlässig umherlaufen Pfast.

us hudleⁿ 1. den Backofen reinigen mit einem nassen Lumpen Ndhsn. 2. ausschelten; verleumden, verklatschen fast allg., bes. O. — Schweiz. 2, 1003.

verhudleⁿ [fərhûtlə Dü.; fərhùtlə Geberschw. Katzent. M. Mittl. U. W.] 1. verwickeln, verwirren, unter einander bringen: verhudl miʰ nit üwer em Sprüchl saueⁿ. ‘Doch dueh Er nur d’ Persone nit verhuttle’

[Bd. 1, Sp. 304b]
verwechseln FrançoisikHusm. 37. 2. obenhin arbeiten. 3. durch leichtsinnige Behandlung zu Grunde gehn lassen, zu Grunde richten (seltener): er het deⁿ Mageⁿ [Myjə Hf.] verhudlt er hat sich den Magen verdorben. ‘De hesch recht ’s isch glych mit Babble-n-ebs verhuddelt’ Pfm. I 6. ‘Die Gschicht isch bees verhuddelt’ ebd. IV 1. Sich v. sich verderben, krank werden. Part. verhudlt verworren, zerzaust; irrsinnig. Ich sin ganz v. ganz ausser der Ordnung W. E verhudlti Schütt ein in Unordnung geratener Strang Wolle Z.; ein Wirrwarr Wh. E v. Sach wird auch ein Prozess, eine Streitigkeit genannt, die nicht leicht zu schlichten ist. ‘wie wär's, liewi Frind, wenn mer browiere däte mitnander die verhuddelt Barrück uszesträhle’ Pick unseri Reichsdâ-Wahle 4. — Schweiz. 2, 1004.

Hudler [Hùtlər Büst Rauw.] m. ein hastiger, übereiliger Mensch, der alles in Unordnung bringt: der H. do is schuldig dran, dass mⁱr de Dissl am Waueⁿ gebrochⁿ han. — Schweiz. 2, 1004.

Hudlereⁿ f. ein Mädchen, das schlecht strickt Kindw. ‘hudlerin’ Hure Pauli 351.

Vaterunserverhudler m. Störenfried Str.

hudlëcht [hùtlaχt Hindish. Betschd.; –lǽχt Str. Wh.; –lòt Geisp.; –lat K. Z. Weyersh.] Adj. Adv. 1. lumpig, unordentlich. ‘hudellechtig pannosus’ Dasyp. ‘ein zerrissener hudlechter Mantel’ Geiler Ev. mit Ussl. 213ª CS. 2. schlecht, minderwertig: hudlëchti War, e h. Kuʰ Hf.; der Win is h. Weyersh.; h. Wëtter. 3. übel, schwach, ohnmächtig, kränklich: s is mir h. (im Maueⁿ). s is e hudlëtter Mann Hf.; s geʰt h. bi iʰm Ndrröd. ‘Huddlächt (elend) huck i hingerm Fängster’ Hartmann Schk. 406. ‘Es isch em halt schunn lang huddlecht’ Pfm. II 5. 4. moralisch elend: dis is jetz emol e hudlëʰter Keib! Z.