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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
hebeⁿ bis begehebeⁿ (Bd. 1, Sp. 294b bis 296b)
 
  hebeⁿ [hèwə fast allg.; hêwə Mü. M.; nur W.: hêpə Dehli.; hèpə Wh.; Ind. Präs. Sg. iχ hèp, Pl. hèwə; Part. khèpt; jüd. khòwə Hf.; khâw Wh.] halten, fest halten. 1. intrans. dauern: ‘heben halten. Es hebt es hält fest. Heb dich! halt dich wohl’ Klein. ‘das bley hebt nit viel mehr le plomb ne tient plus guere’ Martin Parl. N. 596. Meins, hebt s Wëtter hüt? Dü. s hebt (hart) ist schwer zu machen, geht langsam vorwärts. Do wurd s awer heweⁿ! da wird nichts draus

[Bd. 1, Sp. 295a]
Str.; s het lang ghebt, bis ... ‘Un sicher hebt's (hält es schwer) bis widerum Ich jetz e Plätz'l find’ Stosk. 12. s hebt, bis r drvuⁿ is, od. bis r dr Loʰn het Ruf. Wo hebt's? wo liegt das Hindernis Str. Scherzhaft: das hebt voⁿ elf bis Mitta hält nur kurz, ist nicht fest Gebw. s hebt vuⁿ drei bis elf, vum z Owenësseⁿ bis z Nacht Ruf. Das (oder der, näml. Lüge) hebt nit ist eine handgreifliche Lüge Steinbr. Dis hebt wü Bëch wenn etw. sehr festhält Z. JB. VII 196 Was druf hebt soviel nur Platz hat, z. B. Heu auf dem Heuwagen. Er het schier nim anander ghebt war so elend, dass er beinahe zusammenfiel Z. Heb mⁱr hilf mir die Last auf den Kopf setzen K. Z. 2. refl. heb diʰ halte dich! h. d. draⁿ packe an Olti. Bisch. ‘Zaij, komm, hebb di dran’ Horsch Hüssjé 20. Heb diʰ an deⁿ Balkeⁿ fasse die Balken an; h. d. an deⁿ Wideⁿ spöttische Bemerkung, wenn jemand fällt Co.; sich an ⁱⁿere fuleⁿ Dieleⁿwand (od. Wand) h. sich auf jmd. verlassen, der einem nicht helfen kann Ndrröd. Z. Sich h. mit der Arbeit einhalten, die Arbeit verlangsamen Str. 3. trans. Rda. Was mr nit iⁿ dr Häng het, kaⁿⁿ mr nit heweⁿ Mü. JB. VI 146. Scherzh. Rda. wenn etw. wackelt: Hans, heb, s Hus lottlt! Dunzenh. Heb ⁱʰne, hewet ihne halt auf! haltet auf! Ruf hinter einem Aussreisser, Dieb, Hasen usw. allg. ‘Hebet ihn, hebet ihn! = Fanget ihn, Prenez le’ Martin Parl. N. 250. ‘der verfolgete einen Dieb mit lautem nach schreyen, hebt den dieb! hebt den dieb’ Mosch. I 92. Heweⁿ mich, ich wur wüeti! Ausruf des Zorns Str. Iʰ ha dr Buch ghebt vor Lacheⁿ Bf. Du kanns mich hinden ʰerum h. grobe Abweisung. Er kann deⁿ Kopf nimme h. aufrecht halten. Ich kann ne nimme h. zurück halten. Eineⁿ h. einen, der schlechte Geschäfte macht, über Wasser halten. Er hebt ne wie d Katz d Jungi hält ihn fest Ruf., ungeschickt Str. Hewe ne am Frack (s. d.) r het e Wurst im Sack Molsh. Hewe ne, dr Bur! Heb miʰ am Zopf spöttische Abweisung. Es geʰt, wie wënn s zween heweⁿ un drei welleⁿ s nit geʰn loˢˢn es geht gar nicht vorwärts Lützelstn. ‘Do kummt der Pfarrer ewwe, un dene müesse mer ’ryn lokke-n-un glych hewwe’ Pfm. V 8. ‘Sie könne nit? Ja, was hebt (hält zurück) Sie

[Bd. 1, Sp. 295b]
denn, ich nit’ Horsch JB. VIII 189. Heb sëli Ross halte die Pferde! Dëʳ, wo deⁿ Sack hebt, is nit besser aˡs dër, wo driⁿ steckt der Hehler ist wie der Stehler Bf. Heb mir e Mol d Kapp e bissl halte mir einen Augenblick die Mütze! ‘das Nasztüchlein fürs Maul heben’ Fisch. Garg. 12. ‘ïn dä gfaltätä hand hat är noch d bliämlä ghäbt’ Landsman Lied. 16. ‘Hebt das Glass = Reichet, Tendez’ Martin Parl. N. 236. Ich kann s nimme h. ich muss der Sache ihren Lauf lassen. Spw. Was mr nit h. kann, muess mr laufeⁿ loˢˢn Lützelstn. Er kann s nit h. un nit legeⁿ nicht verwinden. ‘dass mochten sie weder heben noch legen’ Mosch. I 533. Jo, heb s Dü.; heb s am Öʰrl, am Bändl, am Wädele! da irrst du sehr (spöttischer Ausdruck, auch der eigenen Enttäuschung); gewissermassen: halte was dir durch die Finger geht Str. ‘Ja hebb's am Oehrel, diss isch emol owe-n eweck nitt wohr Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 17. Hew e (ihn) an deⁿ Oʰreⁿ! ablehnende Antw. Ruf. Ironische Vertröstung du derfs s nur aⁿfangeⁿ h. halte es nur einstweilen fest (die Hoffnung). Sorj h. Acht geben, zue deⁿ Kleiderⁿ die Kl. schonen U. Er könnt zuem Gëld besser S. h. sparsamer sein Geud. Dr Dumeⁿ h. beim Laufen, um den Milzstich zu verhüten, den Daumen in die Hand drücken Olti., sympathetische Heilung des mit Rotlauf behafteten Daumens Ingenh. Rda. Für einen Narreⁿ h. zum Besten haben U. 4. heben Wh. Schwäb. 267. Bayer. 1, 1035.

 PfWB  PfWB  RhWB  RhWB  RhWB  RhWB  RhWB  RhWB ab hebeⁿ [àphèwə Ndrsulzb. Geberschw. Obhergh. Dü. Str. Hf. Betschd. Lohr; ôhèwə K. Ingenh. Furchhsn.] oben weg nehmen z. B. den Rahm von der Milch, Karten; begatten Obhergh.; eine Wiese tiefer legen Dü. U.; d Kueʰ hebt ab bekommt andere Zähne Ndrsulzb.; ein Spiel zweier Kinder mit einer dünnen Schnur, die der Abhewwer heisst Str. CS. ‘abgehebt escremé (Milch)’ Martin Parl. N. 310. — Schweiz. 2, 891.

an hebeⁿ [âhèwə Wittenh. Dü.; ânhèwə Str. Hf. Betschd.; ônhèwə K. Ingenh. Furchhsn.] 1. anhalten, zurückhalten, z. B. den Wagen. S hebt an do nuf hier geht es stark bergauf Dü. 2. sich am Arme führen: d Buaweⁿ un d Maidler sin d Stross nus un han enander aⁿ ghebt

[Bd. 1, Sp. 296a]
Dü. Schweiz. 2, 899. Schwäb. 267. Bayer. 1, 1036.

hinden aⁿ hebeⁿ[hìntanâhèwə Obhergh.] einen Wagen von hinten aufhalten. Si hewaⁿ hindan aⁿ! rufen die Kinder dem Fuhrmann zu, an dessen Wagen sich andere Kinder hinten anhängen Obhergh.

ane hebe [ânə hêpə Liebsd.; ànə hèwə Str. Hf. Betschd.; ònə hèwə K. Ingenh. Dunzenh. Furchhsn.] hinhalten: dr Bëttler hebt dr Huet ane. Wenn ein Vater die Schulden seines Sohnes wiederholt bezahlt hat, sagt man: der het schoⁿ eppis miase ane hebeⁿ Liebsd.Schweiz. 2, 901.

behebeⁿ [phèwə Dü. bis Lobs. Bühl Hf. (bes. jüd.) phêwə M.; phèpə Wh.] refl. sich mit Mühe halten; bes. von Kranken gesagt: ächzen, stöhnen; auch von übertriebener Ängstlichkeit. [Part. phòwə, phèpt Hf.; phâw Wh.] Lüa nur, wia er siʰ bhebt, mr maint, r het dr Fuess ewëg Dü. Er is doch kränker aˡs mr maint: r bhebt siʰ ari Dü. Das Ross müass weʰ haⁿ am Füass: lüa nur, wia s siʰ bhebt druf wie es zögernd auftritt Dü. Iʰ biⁿ woʰl e bissl krank, awer iʰ muess miʰ bheweⁿ bi dëneⁿ vieleⁿ Kinderⁿ so lang aˡs es geʰt Barr. — Schwäb. 267.

derhebeⁿ zurückhalten, bes. von leiblichen Bedürfnissen Su. Obhergh. Er het siʰ schier nimm könneⁿ d. fest halten Ingenh.

 PfWB  RhWB erhebeⁿ [ərhèwə Bebelnh. Dü.] anhalten, festhalten, zurückhalten. Iʰ ha ªs Lacheⁿ nimm könneⁿ e. Iʰ ha dr Ochs gfüeʰrt, drnoʰ het r mⁱr welleⁿ furt rënneⁿ, iʰ haw eⁿ schier gar nit könneⁿ e. Dü.Schweiz. 2, 905. Bayer. 1, 1037.

erthebeⁿ [ərthèwə Bf.] refl. sich beklagen: [ìwr wàs ərthèpt ər sìχ? — Ìwər Khòpfwé.]

ghebeⁿ [khèwə Bf. Str. K. Z. Han.] refl. sich über Unwohlsein beklagen, stöhnen, ächzen, bes. von Kindern und Greisen, auch Thieren. Ër ghebt siʰ allewil üwer Kopfweʰ; ër ghebt siʰ am Buch klagt über Leibschmerzen Bf. Er ghebt siʰ wie e klein Kind, wie en alti Frau Z. Iʰ weiss nit, was dis Kalb het, es ghebt siʰ in äm Stück furt Brum. Dr Hund leit do usgstreckt in dr Sunn: der ghebt sich pflegt sich Str. Du ghebs diʰ jo,

[Bd. 1, Sp. 296b]
wi wënn d stërweⁿ woˡˡts Geud. ‘sich geheben über Schmerzen klagen’ Klein. ‘Der sich so mchtig vbel gheb’ Fisch. Flöhh. 3. — Schweiz. 2, 911. Schwäb. 267.

begehebeⁿ [pəkhèwə Ndhsn. Kerzf. Bisch.; pəkhèpə Str. Lützelstn.] refl. dass. Och wie kann sich dis Mensch b.! mr mänt, es hätt noch nimand nix ghatt Lützelstn.