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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
glich bis unglichlingeⁿ (Bd. 1, Sp. 255b bis 256b)
 
  glich [kli S.; kliχ sonst allg.; klèiχ Wingen Rosteig] Adj. gleich (dafür meist nämliʰ oder egal). ‘Un vot i var ämglich’ Landsman Lied. 77. s is mⁱr glich (gliʰ Mü.) gleichgiltig Banzenh. S ist das gliche Geberschw. S is mⁱr ªs glichene Steinb. s gilt glich es ist einerlei Hf. Die zwei Brüeder sëʰn enander glich wie zwei Tropfeⁿ Wasser Bf. Spw. Glich un glich gsellt siʰ gërn — het der Teüfl zuem Koʰleⁿbrënner gseit Bf.Schweiz. 2, 593. Bayer. 1, 1422.

glich, gliʰ [kli S.; kliχ Su. bis Lützelstn.; klèiχ Rosteig] Adv. 1. gleich (sogleich fehlt in der MA. Frommann, Nürnberg (später Nördlingen) I—VI 1854—59; VII Halle 1877.), im Augenblick. Iʰ kumm gliʰ O. Spw. Kurzi Hor sin glich ge- bürstet Banzenh. Bf. ‘D’ Gschichte hat m'r gli gfalle’ Stöber Fürst. 7. Iron. zu einem, der ausgeliehenes Geld bei einem faulen Kunden eintreiben will: Dis wurs jetz glich han! Z. 2. in gleichem Masse. Mⁱr sin glich gross Osenb. Schweiz. 2, 595.

tupfeⁿglich Adj. gleich bis auf den Tupfen, Punkt, völlig gleich Pfetterhsn.

zglich O., zeglich U. Adv. 1. zugleich. Geʰs in dr Këller geʰ Türlips uf macheⁿ? — Ja. — Ina, so kaⁿⁿs zglich Hërdäpfl mit enuf bringeⁿ Dü. 2. ähnlich. Si gsëʰn eⁱnander zglich wie zweⁿ Tropfeⁿ Wasser Su. Dü. Das gsiʰt dⁱr wider zglich das war von Dir zu erwarten Steinb. Die Arwet is nit guet gmacht;

[Bd. 1, Sp. 256a]
si siʰt in niks zglich sieht nach nichts aus Dü. 3. auf derselben Höhe: s Wasser is im undereⁿ Wëj zeglich Rupr.; dr Stross zeglich Ingenh. d Parteieⁿ siⁿ enander zglich zeigen gleiche Kraft Hi.

glicheⁿ, glichteⁿ Adj. gleichstehend: siⁿs glicheⁿ Rapp.; mins glichteⁿ Hf. Gang zue diⁿs glicheⁿ! Su. ‘bi dis glichs’ Landsman Lied. 121. Sunder glicheⁿ ohne gleichen Rapp. Er findt siⁿs glicheⁿs nit Bf. ‘I geh do mit em Clauss, der isch myn's Glyches werth’ Pfm. V 9. — Bayer. 1, 1423.

 PfWB  RhWB derglicheⁿ, derglich M., in der Rda. d. tʰueⁿ sich stellen, als ob es so wäre, sich den Anschein geben O. S is iʰm nit halwer eso Ërnst, ēr tʰuet nur d. Dü. Er het d. getʰoⁿ, er siʰt s nit Horbg. [tərkliχ t M.] Du mues nit d. t. thun, als ob du nicht wüsstest, sähest u. s. w. Hlkr. Mü. Mat. 44. ‘derglich dn’ Chron. Auch ält. Str. Fr. Rosine: ‘Doch welle mer ’s em dhaim hyt Owes saaue noch.’ — Fr. Dorothe: ‘Jez duen mer nit derglyche. Gelt Si, Frau Bas?’ Pfm. III 3. ‘Bisch au von dene zarde - n - un spreede Jümferle wo nit derglyche düen’ ebd. I 5. — Bayer. 2, 1423.

glicheⁿ [kliχə fast allg.; klaiχə N.; klèiχə Rosteig; Part. kəklìχə Bf.; kleχə K. Z.] 1. gleichen. Die zweⁿ glicheⁿ eⁱnander Su. Er glicht ⁱʰm ufs Hor Ingenh. Er glicht dert na er gleicht der Familie dort unten Wh. 2. vergleichen, gleich stellen: ‘der teuffel wolt sich got gleichen’ Geiler B. S. 27. — Schweiz. 2, 600. Bayer. 1, 1424.

glichlig [klíχlik Sier. Banzenh.; klìχlik Su. bis Barr; kliχli M. Ndhsn. Str. Hf.] (in U. nur Adv.) Adj. gleich: glichligi Hüet. Am glichligeⁿ an demselben Ort Su. Iʰ spring mit glichligeⁿ (geschlossenen) Füesseⁿ üwer deⁿ Graweⁿ Su. Du bis dr glichlige Seppi du siehst genau so aus wie (dein Bruder, Vater) Joseph Co. ‘dert isch doch glichlig Tag un Nacht’ Lustig I 415. Adv. gleichmässig: g. gross; g. teileⁿ; g. strickeⁿ, nit bol satt (fest), bol luck (locker) Banzenh.Schweiz. 2, 602. Schwäb. 234.

unglichlig Su. Dü. Bf. Adj. 1. ungleich in Gewicht, Mass, Wert. Das sin unglichligi Laib Brod Bf. 2. uneben. Das is ein unglichligeʳ Fadeⁿ bald dick, bald dünn Bf. Adv. D Trüwl sin dis Joʰr u. zitig woreⁿ ein Teil war reif,

[Bd. 1, Sp. 256b]
der andere noch nicht. — Schweiz. 2, 603.

glichling(eⁿ) [kliχle Molsh. Bf. Str.; kliχleə K. Z. Lobs. Rothb. Lützelstn. Tieffenb. Wh.] 1. Adj. gleichmässig, eben. Dis Lineal is nit g. Rothb. E glichlingeni Stross. Er is uf em glichlingeneⁿ Bodeⁿ gheit gefallen ohne dass ein Hemmnis da war Hf. Er steʰt uf glichlingeneⁿ Füess seine Beine sind ganz gleich lang Hf. Iʰr müeˢˢn glichlingeⁿ Schritt geʰn Bf. ‘sechs gleichlinge Sessel’ Not. Urk. 1745. ‘S’ isch glychling. Brotst mer d’ Wurst, ze lösch i derr de Durst’ Pfm. I 6. ‘unn mache vill Arweite mit alle zwei Händ zur glichlige Zitt’ Mü. Mat. 5, 50. ‘Un wemmer ’s Glück henn ghet, e Lewwer ze bekumme, Glichling un ohne Flecke, un satt un wyss wie Schnee’ Boese Schk. 298. 2. Adv. Die zwen Bueweⁿ sin g. gross Lobs. s Glas is g. voll bis an den Rand Molsh. K. Z. Mach alli Körb g. voll fülle alle Körbe gleichmässig auf. ‘gleichling außgetheilet demensum’ Dasyp. ‘M'r wickle d’ Schnuer räecht glichling uff’ Hirtz Ged. 222.

unglichlingeⁿ [ùkliχleə Z.] Adj. 1. uneben, ungleich; der Boden is u. 2. unsymmetrisch.