| Gott [Kot, Kòt allg.] m. Gott. Pl. götte und götter Chron. ‘für G. un nōch G. anhalteⁿ’ inständig bitten Hf. ‘Er het getriweⁿ, was G. verbotteⁿ het’ Bezeichnung eines grundverderbten, lasterhaften Menschen Str. Spw. Wëⁿⁿ d Not am grösteⁿ is, is G. am nächsteⁿ Bf. Sehr häufig in Flüchen und Beteurungen und hier oft verdreht: G. verdamm miʰ! Dü. Beblenh. Mü. Mat. 47. G. verdori! Bisch. G. verdoria! Dü. [Kopfrtórjâ M.] G. verdonia! O. Gottverleidonia Hlkr. ‘Nei, was isch das fir e Läwe Un Gragehle, Gott verdohn’ Otte Schk. 434. G. verdüsch miʰ Su. G. verdeckl miʰ! Dü. [Kopfrtèkələ M.] G. verheilich! Bisch. G. verheilige! Steinb. G. verdeed mⁱr! S. G. verklëmm miʰ Su. G. strof miʰ! Hi. Mü. Mat. 47. ‘See sinn, Gott strof mi, z’ Kolmer o’ nit uf d’ Nase keit’ Pfm. II 6. ‘e Maidel, Gott strof mi! gar ze nett’ E. Stöber II 137. G. stro mⁱr! Dü. G. strol mⁱr Obhergh. G. Strossburg Hi. Dü. Herr G. Fahnenweiʰ! Str. Bi G.! häufige Beteuerungsformel, bes. im O. wahrhaftig! S is bi G. allewil eso! bi Gottle Hf. Dafür euphemistisch: bi Gütt [Kyt Steinbr. Orschw. Dü.] bi Gutt nëiⁿ! Dü. bi Guttene! Orschw. Dü., bi Gottana [pi Kotanə Hlkr.], bi Grott Ruf. Hlkr., bi Grottana Hlkr., bi Golle [pikòla Ingersh.] Ruf. Hlkr. Dü. Mütt. Meis. Ndhsn. K. Z. (Schweiz. 2, 207.) ‘Ja bei Golle, antwort Gargantua’ Fisch. Garg. 212. ‘s'isch doch so guete fiine Wii, Dä triibt Bigolle Fiir in's Näsle’ Mangold Schk. 420. Bi Gollele Hattst., bi Grolle Hlkr., bi Golliger [Bd. 1, Sp. 244b]
Liebsd. M., bi Grolliger Katzent. M., bi Guttliger Katzent. nur von ängstlichen Menschen gebraucht; bi Gop Hi. Su. Mütt. Hlkr., bi Gopli O., bi Gozlig Hi., bi Goppene Su., bi Gopliger Orschw., bi Geppemer Mütt., bi Gost Hi. Dü. Hlkr., bi Gos [Kò] Str. Z. Hf. ‘Bigosch, der G'spass isch ardli g'sinn!’ Hirtz Ged. 163. ‘s isch Eins, bi Gosch, es isch kenn G'spass’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 15. ‘Der Zällebärjer, d’ Sonneglueth, Diä kasch Bigoscht wiä Boimöhl schlocke Mangold Schk. 418. Bi Gotst Orschw., bi Gösle Molsh. Hf., bi Gust Hlkr., bi Gustene Hlkr., bi Gottsene Bebelnh., bi Gotstanes [pi Kottanəs Obhergh.] zi Gott statt bi Gott: Er het, zi Gott, e lëtzeⁿ Sprung gnummeⁿ! einen Fehler gemacht Biesh. ‘Jetz kumm i an de Dritte, Ä Hutt-bi-Gott! ’ (e Mülhuuser) Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 56. Über die Entstehung dieses Spitznamens vgl. MA. III 482. Die Mülhäuser werden auch Gottverdammi genannt Str. Jerum Gott! Ausruf, wird als Fluch angesehn Molsh. Bhüet diʰ Gott! Segenswunsch beim Niesen Hi., beim Abschied Hf. Antwort auf: Gute Nacht! Dü. Ndhsn. [Khùpieti] Gott behüte euch: mit bemerkenswerter Versetzung der Aspiration M. JB. XII 116; wird auch gesagt, wenn ein Verstorbener aus dem Hause getragen wird Strüth. Bhüet uⁿs Gott [phìèt əs Kòt Hf.] abwehrend: B. u. G., neⁱⁿ! Gott bewahre! Gott behüet s! hat die Mutter zu sagen, wenn das neugeborene Kind gelobt wird Str. Dank üʰ (dⁱr) G.! Dank G.! Dankformel auf Goteⁿ Morjeⁿ, Got Nacht Z., Grüess G., Hëlf G., Bhüet üʰ G.! Hi. Bisch. Bf. Ndhsn. JB. XII 117. G. grüess üch! Grussformel Hi. ‘Nun grieß dich got, mein vatterland!’ Murner Bad. 24, 72. Hëlf G.! Gruss bei einer Begegnung Holzh. = Jules Froelich, Strosburjer Holzhauerfawle .. Nancy 1885. Dachstn. Rothb. Zinsw.; beim Eintritt in eine fremde Wohnung Z. G. hëlf üʰ M. JB. XII 116. Hëlf dⁱr G.! Abfertigung an Bettler, die man ohne Gabe entlässt Hi. Z. Oermi. Hëlf dⁱr (üʰ) G.! Zuruf an einen Niesenden Hi. Thann Gebw. Hlkr. NBreis. M. Dammerkirch Dü. Z. G. hëlf uch Mittagsgruss Lohr Oermi. G. hëlf üʰ bi nander Ammerschw. Für kleine Kinder singt die Mutter: Liewer G. hëlf, Bschëreⁿ dëm Kind Milich un Mëʰl, Dass mr iʰm könneⁿ Päppele Päppele Päppele kocheⁿ Ingersh. Eine spasshafte [Bd. 1, Sp. 245a]
verdrehende Antwort auf Hëlf dⁱr G.! lautet Morjeⁿ bekomms, näml. E Halfter an deⁿ Kopf, dass mr deⁿ Esl füeʰreⁿ kann Maursmünster. Die gewöhnliche Antwort ist Merci, auch Gleichfalls. Sëjⁿ(s) G. [sajs Kot Dü.; sai Kot M. Z.; sáj Kòt Bühl] beim Anstossen mit dem Glase, Antwort auf Gsundheit! M. ‘Er saat niemol, wemmer trinkt: Goggsäj’ Pfm. III 7; beim Eintritt in eine fremde Wohnung zu Essenden: G. sëj s üʰ Hf. Gueten Oweⁿ, sëj G.! Gruss am Abend Ndhsn. Demin. bei Kindern, welche niesen: Gott sëjele! Hf. Vergëlt s G.! Dank für Gabe; bei geringer mit dem scherzhaften Zusatz: wënn s dr Wind nit nimmt Fisl. M. Weiss G. das weiss Gott: W. G., wenn ass dëʳ heim kummt der wird lange ausbleiben! W. G., wie lang ass ich ihne nimm gsëʰⁿ ha! Su. Versicherung, Ausruf: S is, w. G. (wahrhaftig), e Schand für ⁱʰne Hi. W. G., er kummt noch emol! Dü. Ingenh. †Gott geb vor Fragewörtern, um ihnen unbestimmte Bedeutung zu geben, im Sinne unseres Gott weiss: ‘die der Obrigkeit abholden Leute räumten dem abgesetzten Pfarrer Steiner (1783) die Kirche zu den Barfüssen ein, Gott geb was (was auch immer) andere, ja auch die Oberkeit darzu sage’ Zwinger MA. III 347. ‘Gott geb wer quisquis, quicunque; Gott geb wie ut ut, utcunque ... Gott geb zu welcher Zeyt quandocunque’ Dasyp. ‘Gott geb wahin’ Oelinger 160. 161. Auch in concessiven Nebensätzen: ‘gott geb es sey gesund oder ungesund’ ob es nun ges. oder ung. sein mag Geiler J. Sch. A (VI). [Kho khá wàs əs morn fer ə Watər ket M. Günsb.] ‘got geb got grß, es gang im wie es wöll’ Geiler Häsl. cijª. Vgl. Murner Geuchmatt h iiij, Narrenbeschw. von gelerten Narren, und Sachsenheim Mörin 66: die Rda. bedeutet so viel als: à la bonne heure! gottmersprich, gottersprich, gottessprich, sprichmirgott [kòtmərprìχ Str.; kotmərpréχ Ingersh.; kòtərpreχ Geud.; kòtərprìχ Str.; kòtəpreχ Z. Wh.; preχmərkòt Barr] meist in Verbindung mit als, wie, gleichsam als ob, als wollte er (man) sagen, so zu sagen. Aˡs g. wi wënn ich s ⁱʰm nit bezaʰleⁿ könnt Wh. Er hat mich angesehn aˡs g. ich hätt s gstoʰleⁿ Ingw. Er is dert gsësseⁿ un het miʰ gross angeluet, gottesprech: ich [Bd. 1, Sp. 245b]
kumm nit zue dⁱr, kumm du zue mir Hf. Do foʰrt r uf mich los, wer iʰm dis Zeicheⁿ us m Stück gerisseⁿ het, G. aˡs wü wënn ich's usgerisseⁿ (od. getʰon) hätt Z. Kummt hüt dr Nochber un fröjt miʰ, wër iʰm Holz gstoʰleⁿ het, sprichmergott, wie wënn ich eps dervoⁿ gät wisseⁿ Barr. So drëckig laüfeⁿ die Lüt umenander, aˡs wie wënn si gottmersprich nix hätteⁿ! Ingersh. Er is so g. (so anhaltend) kummeⁿ, eps z holeⁿ ebd. ‘Si (die sterbende Elster) het mi noch erkennt un het mi angegukt Als Gottersprich (als wenn sie sagen wollte): do lueau wie ’s Hansele verzukt’ Pfm. II 5. ‘Diss Sprichwort will nurr so viel sauije-n-als Gottersprich ..’ E. Stöber Neujahrsbüchl. 1824, 18. ‘drei Kerel zehje am Morje geje de einse d’ Nachtklingel vun der Apothek, gottessprüch sie hätte e Rezept’ (von dem mörderischen Überfall in der Storchen-Apotheke) Str. Wochenbl. 1883, Nr. 87. ‘s isch halt als Gott er spricht, ich hätt d’ Blatt butze sotte’ Kettner Mais. 77. ‘Doch sin zwei Freier .. Fast alle Dah als gottersprich Zuem Bsuech erüwer kumme’ Frœlich Holzh. = Jules Froelich, Strosburjer Holzhauerfawle .. Nancy 1885. 8. Bei Murner heisst es von einer gefallsüchtigen Frau: ‘und gnipt und gnapt die zart und rein und setzt sich an ein ort allein, als got erspreche: »sichst mich nit, wie ich so schon zu kirchen trit?«’ Narrenbeschwörung 143 (ed. Goedeke) ‘het de Tope n em gezeit un d Zähn bis nunter in de Rache, Als gottmersprich: dü Flejel dü, dir wurr i eini bache. Wenn awwer, e paar Stunde druf, sie mit verfiehrerische n Aue Ne n ângschaut het, als gottmersprich: jetz mûsch mi ân miaue, Het er de Kopf uf d Sytt gedrejt massleidi, Kleinlütt un verdrosse, Als gottmersprich: i will mîn Rûj — un het sie gücke losse’ Ludw. Schneegans, Orthographische Anarchie 45. Synon. [às ráχtər Kot M.] Die Entstehung aus ‘gott geb wer spræche’ zeigt Grimm Gramm. 3, 74; wir würden sagen: als ob Gott weiss wer spräche. — Schwäb. 237 gottmersprich, gottversprich, gottwohlsprich. Schweiz. 2, 517. Bayer. 1, 961. iⁿ Gotts Nameⁿ [ə Kòts Nàmə K. Z., ə Kotsə Nàmə M.] Ausruf, wodurch man sich oder andern Glück zu einem Unternehmen, einer Arbeit, einer Reise wünscht: Se geʰn dënn, iⁿ G. N.! Mⁱr welleⁿ s iⁿ G. N. prowiereⁿ [Bd. 1, Sp. 246a]
Bf. Beim Niesen Hf. Auch s Gotts lieweⁿ Nameⁿ! ebd. Spottvers, wenn jemand stöhnt: iⁿ Gotts Nameⁿ is nit gschworeⁿ Un grupft is nit gschoreⁿ, Un d Stëg awe gheit is nit z Himml gfaʰreⁿ Ruf. (s) Gotts Willeⁿ Str. (die Form mit Artikel Z.) Wënn s Gotts Willeⁿ is fromme Einwendung auf einen Wunsch, z. B. dass jemand gesund werden möchte Str. auf ein Schlof wol! Stetten Obaspach Gebw. Rchw. Dü. M. Wënn s nummen des Gotts Willen is Hf. [s wár ə kỳata Kòts Wel es wäre zu wünschen, dass Dü. M. Steinb.] Ums Gotts Willeⁿ! Hf. Um taüsig Gotts Willeⁿ! Ausruf der Bestürzung, bei alten Weibern üblich Bf. Gott dr Herr wille! Str. Er het um dr Gotts Willeⁿ aⁿghalteⁿ er hat inständig gebeten Dü. Um deⁿ Gotts Will umsonst Hf. Gott Lob un (auch e) Dank! Ausruf der Freude, der Genugthuung Hi. Str. Z. Het s gschmeckt? — G. L. u. D.! Dü. Zss. gottserbärmlig, –liʰ, gottlos, –selig, –sträfliʰ. Abgott [Àpkòt Bf.] m. Gegenstand übertriebener Hochschätzung: s Gëld is sin A. — Schweiz. 2, 521. Herrgott [Hêrkət Roppenzw. Banzenh.; Hèrkot Bisch. Dü. Str.; Hèrkòt K. Z. Betschd.; Harjət jüd.] m. 1. Gott. Rda. Mr meint, unser H. is iʰm nit gnädig, wenn jemand sich ungeschickt, langsam zeigt Bf. Der liewe H. bes. bei älteren Leuten Hf. Zuem l. H. geʰⁿ zur ersten Communion gehn Mittl. S Gëld is siⁿ H. er ist geizig Dü. 2. Crucifix in Wohnungen oder an Wegen. ‘ein alten zerbrochenen hergot’ Frey 11. Strassburger Rda.: mürb wie der Wanzenauer H. ‘Jo wayer i wurr alt; im Bumbardemang, wo ich als Kannenier gediént ha in der garde nationale, henn sie mer d’ Hand abg'schosse, und zidder bin i mürb wie der wanzenauer Herrgott’ Pick Büchl. 36. JB. XI 113. Vermutlich von einem morschen Holzkreuz gesagt. Die Wanzenauer gingen einst — so erzählt der Volksmund — mit der Prozession. Da kamen sie an einen Graben, über den sie nicht hinüberkonnten. Sie legten daher das Herrgottsbild darüber und wollten auf diesem hinüberschreiten. Aber gleich der erste brach durch, weil das Herrgottsbild [Bd. 1, Sp. 246b]
morsch war. 3. Ausruf der Verwunderung, des Ärgers: Liewer Herrgott im Himml! (bei Protestanten: Wörth); als Fluch Herrgott noch e Mol! Herrgott Sackerment! (euphem. Herrgott sackuf! Dü. Herrgotts Püppl! Mutzig. Herrgott matte! Bisch. Verdreht: euphemistisch Herrgütt! Hi. Dü. Herrgos! Hf In vielen Zusammensetzungen: der is dr herrgottliederliʰst! das ist der allerliederlichste. Hf. Dr liewe Herrgotts Ta Fronleichnamstag Hf. Zss. Herrgotts-Tierele Marienkäfer (?) Kinder-Reim: Liewer Herrgotts Tierele, flieg üwer deⁿ Rʰiⁿ, Hol e Schöppele Wiⁿ Un e Leiwele Brot! Was üwrig bleit, is diⁿ Banzenh. Zss. PfWB Herrgottsdunderwëtter Hf. Du H. du Sakramenter! (Scheltwort). Zss. Herrgotthilf! in der Rda. in eim H. so schnell als man H. sagt: in eim H. is er ferti gewëˢn Hf. Demin. Herrgöttel [Hèrkètlə Mü.; –kètl Str. Z.] n. 1. Gott. Rda. O du min liebs H. von Biberach! scherzhafter Ausruf, wenn man eine Aussage oder Zusage zurücknehmen muss (gewiss aus Schwaben eingeführt.) 2. ein kleines Glas Bier, ein halber Schoppen, ein viertel Liter Wein Mü. Str. (seltener). — Schweiz. 2, 521. | |