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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Gall bis Heideⁿgalee (Bd. 1, Sp. 209a bis 210a)
 
  PfWB  PfWB  LothWB  RhWB Gall, Kall [Kàl Betschd.; Khàl Dunzenh.] f. feuchte Ader in Feldstücken, namentl. im Thalgrunde bei abhängigen Lagen (s. Mülbodeⁿ). Bi dr Kall Flurbezeichnung in der Umgebung einer Quelle Dunzenh.Bayer. 1, 890 Gallen.

 PfWB  RhWB Wassergall [Wàsərkàl Dü. Bf.] f. ein Regenbogen, von dem jedoch nur das Ende eines Schenkels sichtbar ist. Wetterregel: Wënn am Maria(tag) e W. an deⁿ Bëriⁿ steʰt, git s noʰ meʰ Rëjeⁿ Dü. Dr Ungerschbëri is e W. mit einer Dampfwolke bedeckt bei herannahendem Regen gilt der U. als Regenprophet für die Gegend von Benfeld.
 
 
Galle, Gall [Kàlə S.; Kâl sonst allg.] f. 1. Galle. Du hes e kleini G. bist gutmütig Ruf. In dëm kummt d Gall uffe der wird zornig ebd. Er het e G. wie ⁱne Soümëlchtre so gross wie ein Kübel zum Schweinefüttern, ist sehr reizbar Fisl. Rda. d G. is mⁱr gstigeⁿ vor Ärger Ruf. Do muss eⁱⁿm jo d G. iwergeʰn! Dehli. D Gall laüft iʰm üwer, lauft iʰm in das Hirn er wird, ist zornig Su. D G. ist ihm usgeloffeⁿ Umschreibung für eine tödlich verlaufene Krankheit Hf. Bitter wie G. U. JB. VII 198. ‘Wer nit galle versucht

[Bd. 1, Sp. 209b]
hat, weis nit wie süss der honig schmeckt’ Geiler, s. Als. 1862/67, 141. 2. Zorn. Dato het er eⁱⁿ G. Su. ‘gall, gelle’ Reizung zur Sinnlichkeit, zum Bösen, Wollust Geiler J. Sch. 68. — Schweiz. 2, 204. Bayer. 1, 890.

Glasgall fel vitri’ Pharm. 1.

 PfWB vergälleⁿ [fərkalə Illk.] verbittern (bildl.) — Schweiz. 2, 205.

widergällig [wìtərkalik Heidw.] Adj. widerwärtig.
 
 
Galach, Galich [Kàlàχ Str.; Kàlìχ Z.; Pl. Kàlóχəm Z.] m. protestantischer Geistlicher (gemeiner oder scherzh. Ausdruck). Gaunersp. Fisch. Grossm. 50. ‘Galch Pfaff’ Mosch. II 632. Hebr. gallâch glatt geschoren, meint also eigentlich die Tonsurierten. — Schweiz. 2, 201.
 
 
galant höflich, zuvorkommend’ Str. Ulrich.
 
 
Galleⁿ [Kàlə Dü. NBreis.] der h. Gallus. Rda. Aⁿ Sant Galleⁿ is s z Oweⁿësseⁿ verfalleⁿ weil man vom 16. Okt. ab nichts mehr um 4 Uhr isst. ‘Sant Gall tribt s Vieh in de Stall’ Als. 1852, 143. Bei Strassburg der St. Galler Kirchhof. ‘Sie rueije zu Sanct Galle, ’s isch e netter Gottsacker’ Stöber Daniel 1. Der Sangaller (Sangallemer) Marsch der Weg zum Tod; deⁿ S. M. bloseⁿ dem Tode nahe sein Str. ‘I waiss ’s gitt Maidle so, Gehlschnaikle un Neese, grubflichdi, wo saauen-ich bin schunn noot am Sanggalle Marsch’ Pfm. II 5. — Schweiz. 2, 200. Bayer. 1, 890.
 
 
Galee [Kàlê M. Wh.; sonst Kàlé allg.] n. (früher f.) 1. Zuchthaus: uf s G. kummeⁿ. 2. Zuchthausstrafe: er het zeʰⁿ Joʰr G. bekummeⁿ, schuⁿ zwanzig Joʰr G. gmacht. 3. harter, unleidlicher Zustand: ziter ass iʰ ghirut bin, haw iʰ s rein G. Hf. S is e hëll G. es ist unerträglich! U. ‘ein Galcen’ Wickram H 1. ‘Galleh Triremis’ Dasyp. ‘Triremis, navis longa ein galee’ Gol. 194. ‘die Galeen; Galeenknecht forats galeriens’ Martin Parl. N. 441. ‘Waist nit, dass uf d’ Gallee der Bremer kumme wurd’ Pfm. IV 3. ‘Was däte d’ schöne Kläder nutze, Wen mer d’ Galee soll drinne han?’ Schiltigh. Schk. 410. ‘E-n-andrer am mym Platz soll diss Galleeh (unerträgliche Misswirtschaft in der Haushaltung) ‘mool traaue!’ Kur 25. s. auch Zss. Galeenrecht, –wageⁿ, –wackes. — mhd.  Lexer galê aus mlat. galea; eigentlich

[Bd. 1, Sp. 210a]
Galeerenstrafe, frz. les galères. — Schweiz. 2, 202. Schwäb. 217. Bayer. 1, 899.

Heideⁿgalee Ausruf der Verwunderung oder des Zorns Str. (hotz)