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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Gig(e) bis ʰerum (Bd. 1, Sp. 202a bis 203a)
 
  Gig(e) [Kíkə Liebsd.; Kík Olti. bis Schlettst.; Kèj Mütt. Ndhsn. Bf. Barr Bisch. Str. Ingw. Kindw. Betschd. Ndrröd. Tieffenb.;Geisp. Molsh. K. Z.; Pl. Kíkə, Kèjə, Kíjə und Kíə] f. 1. Geige. Rda. Mⁱr bliweⁿ bis ass dr Spielmann d G. uf hënkt wir bleiben bis zum Schlusse Ingw. 2. Strafinstrument der älteren Zeit, Brett mit einer grösseren Öffnung, wodurch der Kopf, und zwei kleineren, wodurch die Hände gesteckt wurden; für Vergehn gegen die Sitten, Verleumdung u. ä. angewandt Mü. Stöber Mäder. ‘mit den Spitzruten, mit dem Stock, mit der Geige belohnet’ Mosch. II 718. Eine Jahrmarktdiebin mit der Geige an alle 4 Thore geführt Mü. 1790: Alem. 7, 261. Die Geig wurde auf frz. Gebiet abgeschafft durch ein Urteil des Conseil Provincial d'Alsace zu Breisach vom 18. Juni 1678 Ord. I 56 f. Zss. Gigenapfe,

[Bd. 1, Sp. 202b]
Gigelratze. s. auch Wielung. — Schweiz. 2, 148. Bayer. 1, 879.

Demin. Gigle, Gigel [Kíklə Hi. Steinbr. Hlkr. Dü.; Kíkələ Dunzenh. in Bed. 3; Kíkl Geud.; Kèjələ Barr; Kíkli Olti. Fisl.] f. n. 1. kleine Geige. 2. Mundharmonika. 3. Lilienhähnchen, Crioceris merdigera; auch Giglmännl genannt Dunzenh.

 PfWB Gigelgei [Kíklkèj Str.] f. Geige Kettner GvH. 67.

Bassgig(e) 1. Bassgeige allg. 2. alte Frau (Scheltwort). Rda. Ich schla dⁱr uf d Oʰreⁿ, ass d meins, dr Himml is e B. Lutterb. Er meint, der Himml hängt voll Bassgigeⁿ er ist hoffnungsselig Su. Bf. Mü. Mat. 5, 45. ‘Do hängt derr Himmel voll Bassgeije’ Stöber Daniel 11. — Schweiz. 2, 150.

 PfWB  RhWB Mulgigle, Mulgigel n. f. Mundharmonika Pfetterhsn. bis Obburnhaupt. — Schweiz. 2, 150.

Rëpsgige f. Violine Pfetterhsn. Hi.

Saiteⁿgig f. Violine Mittl.

Schlënzgige [‘Slantskíkə Mü. Dammerk.; ‘Slêtskík Ensish.] f. 1. Ziehharmonika. 2. Hure Ensish.

 PfWB gigeⁿ [kíkə Roppenzw. Gebw. Dü. M. Rapp.; kèjə Str.; keiə Lorenzen Wh. Örmi.; kæìjə Ndrröd.; kíə K. Z.; Ind. Präs. i kí, Part. kít Geisp. K. Z.; kèj, kəkèit Str.; kəkékə M.] 1. geigen. Rda. Dëm siⁿ Sach kaⁿⁿ g. (von einem Prahler) Gebw. Kindervers: s gigt e Fuchs un e Bär Un s schlat e Esele d Trummeⁿ, Alle Tierle, wo Wädele heiⁿ, Sölleⁿ z Hochzit kummeⁿ; Bëttllüt un Edllüt, Das sin unsere Hochzitlüt, Krukeⁿstil un Ofeⁿgableⁿ Das sin unsere Hochzitgableⁿ Hi. Rda. Loss dⁱr häm geieⁿ Ndrröd. 2. der Ton der Heimchen, Heuschrecken, Frösche. Bauernregel: Wenn d Fröscheⁿ vor Jörjetaj gigeⁿ, so lang müeˢˢn si hindeⁿ noʰ schwigeⁿ; s. auch wigeⁿ; das Knarren eines Wagens: ‘den geigenden Karren .. schmieren’ Fisch. Bin. 68. 3. schwer atmen, einen pfeifenden Ton in der Brust haben. 4. hin und her rutschen. 5. mit einem stumpfen Messer schneiden. Du geijs awer an dem Brot! Wh. Du kanns dⁱr in dr Hals g.! Str. (Abweisung). Kinderlied: Gige, gige (oder Gigl gigl) ratze, morn kummeⁿ d Spatzeⁿ, üwermorn d Finkeⁿ, alli Judeⁿ stinkeⁿ Illz. Ruf. Str. Ingw. (alli kleineⁿ Bueweⁿ stinkeⁿ Mittl.)

[Bd. 1, Sp. 203a]
6. durch das Fenster an Armen und Beinen hin und her ziehen, eine früher zur Verhöhnung eines missliebigen Burschen vorgenommene Behandlung Oermi. Schweiz. 2, 150.

uf gigeⁿ 1. aufspielen. Gig eins uf! spiele einen Tanz! O. 2. eiⁿm uf g. die Meinung sagen, züchtigen. 3. Strafe erteilen. Si han iʰm vierzeʰⁿ Taj uf gegigt Rapp. 4. beim Kegelspiel dem Verlierer einen Strich auf der Tafel machen. Gig iʰm eiⁿs uf! Banzenh. 5. zuviel Schösse an einem Rebstock lassen Rapp. 6. überfordern M. Schweiz. 2, 151.

ʰerum, umme gigeⁿ hin und her zerren Osenb. Hlkr. Iʰ ha lang am Bäümle umme gigt, bis es gangeⁿ is Osenb.