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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
gëben bis na(ʰ) gë(n) (Bd. 1, Sp. 194a bis 195b)
 
  gëben [ká Olti. Lutterb. Su. Hlkr. Dü. Bf.; k M.; kán Bisch. Barr Mutzig Z. Han.; kan Betschd.; kán und kan Hf.; kên Mittelhsn.

[Bd. 1, Sp. 194b]
Gimbr.; kn Pfulgriesh.; kæn Str. Lobs. Tieffenb.; †káwə Hf.; kâwa Ensish.; kǽwə Str.; ken Wh.; kin Dehli. Rauw. Harsk.] Ind. Präs. Sg. 1. [kep Su. Hlkr. Bf. K. Hf., wo kew vor Pron. mit vokalischem Anlaut: kew i, kew ərə, kew ùns; auch ke; kìp Hi. Str.;Geisp. Dehli. Rauw.; ke M. K. Z.; 2. kep Hlkr. Geud. Lobs. Str.; ke Su. M. Dü. Bf. K. Z.; kì Geisp. Str. Rauw.; kìt Dehli. 3. kept Str. Hf. Geud., auch ket, was allg.; kìt Hi. Str.; Pl. kǽwə Str. Lobs.; kæn Str. W.; kán K. Z.;Geisp.; kên Geud.; kǽn K.; kąį M.; kin Dehli. Harsk.; Imper. kep, ke; Pl. kan, kæn; kin Rauw. Harsk.; kent Hi. Sier.] Conj. Prät. Sg. 1. 3. [káp Su. Hlkr. Hf. (wo auch káw ìχ); kápt Z.; kát Ruf. Hlkr. NBreis. Dü. M. Bf. Bisch. Hf. (selten); káptit, kátit Bf.; i, as káptik Hlkr. (s. auch gät). 2. káp, kápt Hf.; †kátit Bf.; kápti Hlkr.; kát Dü. Bf.; Pl. káwə, káptə Bf. Hf.; kátə Barr Hlkr.; káptikə Hlkr.; Part.Olti. Lutterb. Su. Hlkr. Dü. Bf.; k M.; kán U.; kæn Str. (neben kǽwə); kəkæn Prinzh.] ‘ich gib’ Geiler Narr. 14; ‘er git’ Brant Narr. 5, 5 .. ‘und söllent eigentlich anzeigen wer gelt git’ Str. 15. Jh. Brucker 241. ‘und git yme ieglicher vier pfenninge’ Str. 1390 Brucker 201. ‘gent si’ 102, 36; ‘gent’ 3. Pl. Ind. Präs. schon Altswert 30, 23. ‘hundert rechen gent 2 d’ Str. 15./16. Jh. Brucker 264. ‘so sollent sie keinen win gen untze das der win verungeltet wurt’ Str. 15. Jh. Brucker 569. 1. geben. Wer vil git, bhalt wenig. Wichs g., eⁱⁿ par g., eini g. ohrfeigen, prügeln, abfertigen; eiⁿm s g. abstrafen: ... ‘nam in (den floh) zwischen dzn zermalmt in klain: Ich hab dirs gn!’ Fisch. Flöhh. 1481/82. Sin Wort g. feierlich versprechen. Deⁿ gueteⁿ Morjeⁿ g. den Morgengruss entbieten. ‘(sie) meinen, man soll ihnen gewonnen geben’ Geiler Narr. 36; so noch jetzt Z. Acht g. aufpassen. Volkswitz: eⁱⁿ Schandarm un sibeⁿ g. acht. Kinderreim: gën, gën, nimmiʰʳ gën; gfungeⁿ, gfungeⁿ, widerum gën: was gegeben worden ist, braucht man nicht zurückzugeben, wohl aber was gefunden worden ist K. Z. S is mⁱr nit g. es liegt nicht in meiner Natur, ich kann nicht (oft ironisch): s is iʰm nit g., dass er eⁱⁿ Mol heim kummt in dr Zit. Der git sich einen Käs

[Bd. 1, Sp. 195a]
bildet sich viel ein; dëʳ git ⁱʰne ist hochmütig. Guet g gën gut gesagt, öfters im Pfm. I 8; V 8. G. g., Herr Pfarrer! spöttische Zurückweisung einer Rede. Was gis (de), was hes (de) aus Leibeskräften (bes. laufen). ‘thate desswegen einen sprung zurück vnd davon was gischte was hescht’ Mosch. I 181. ‘was gisch de, was hescht!’ Hirtz Ged. 232. ‘Was gischde, was heschde, durch Dick und durch Dünn Zuem Garde, s'meecht Jedes am Erste drinn sinn!’ Aug. Stöber Schk. 60. ‘Der Bäck laüft no, was gisch was hesch’. Lustig I 53. ‘wo err d’ Maddamm, was gisch de, was hesch de, anranzt’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 35. Auch: plötzlich, unvermutet: was g., w. h. fangt dëʳ uf eiⁿmol mit mⁱr Händl aⁿ Liebsd. Was gis de, was has de ohne langes Besinnen, wiˡˢt oder nit? drängen zur Entscheidung beim Kauf Rauw. Was gis was hes mir nichts dir nichts Ruf. 2. ergeben, werden: dis het awer einen Kërl gën! das ist ein Bursche geworden! U. 3. vorhanden sein: s git viel Obs dis Joʰr. Beim Vorübergehn an einem Jäger fragt man: Git s brav? Antw.: He, s passiert noch Geiswasser. S git s gërn es kommt oft vor. Auf die Frage was git s? (zu essen) antwortet man spasshaft: Gëli Rueweⁿ un Schnitz Str. Ulrich. (Verdämpfti Fëldlüszung, frikassierti Schnëckeⁿhörner Horbg.). S git viel, awer mⁱr haⁿ gar wenig Dollern. Nitsnutz Olti. Nit viel Dunzenh. Ebenso antwortet ein Ruhender auf die Frage Was gi t's? M. JB. XII 119. S kaⁿⁿ s wider gëⁿ beim Abschied Antwort auf die Einladung bald wieder zu kommen, etwa in einem Kaufladen Hi. 4. treffen. Wëⁿⁿ mr e Bëngele änger e Hërd Sui wirft, brüelˡt nämme die, wo s git trifft Mb. JB. VI 145. [Se hąį ùf nə kosə, àwr s hèt nə net k M.] Beliebtes Wortspiel mit Ortsnamen: du bis nit voⁿ Gëwiller, awer voⁿ Nëʰmheim; nit voⁿ Gëwerschwir, awer voⁿ Bhalteⁿs dheim (Baldenheim); ender voⁿ Nëʰmeⁿdingeⁿ Gebw. Mü. ‘wenn er schun nit von Geewiller awwer vun Thann isch’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 43. Über den Conj. Praet. in Umschreibungen = tʰät s. unter gät. — Schweiz. 2, 96.

Zss. Gibred: ‘eine grosse Büchßen, zwölff centner schwär, Gibred geheissen’ Mü. Petri 163.

 PfWB  RhWB ab gë(n) 1. abgeben, übergeben. Er

[Bd. 1, Sp. 195b]
het siⁿⁿ Platz abgëⁿ seine Stelle niedergelegt Su. 2. ablassen. s Mul soˡˡt dⁱr bal ab g. du hast nun genug geredet Hi. 3. darstellen, werden: dis git ⁱneⁿ Herr Pfarrer, Doktor ab dies wird einmal ein Pfarrer, ein Arzt ebd. 4. sich a. g. mit eps sich beschäftigen mit etwas, daran denken allg. — Schweiz. 2, 77. Bayer. 1, 865.

an gë(n) 1. angeben, anzeigen, anmelden: deⁿ Tubak a. g. die Tabakspflanzen für die Steuer anmelden. Der het ⁱʰne a. g. verraten. Du wurs on gën beim Lehrer, häufige Drohung unter Kindern Dunzenh. Ingenh. Sin Spiel a g. die im Spiel vorhandenen Punkte, Augen, Trümpfe oder sonstigen Werte anzeigen. D Karten an gën die Karten zuerst geben Hf. 2. in die Feder diktieren Hi. ‘angeben auffzuschreiben dictare’ Dasyp. 3. raten, einreden, überreden. Wer het üʰ dis angën? wer hat euch diesen Rat gegeben? Er het s ⁱʰre guet angëⁿ er hat sie überredet Su. Schweiz. 2, 81. Bayer. 1, 865.

eⁿwëg gë(n) weggeben, aus der Hand geben: dëʳ dumm Teüfl het s eⁿwëg gëⁿ Olti., verschenken Katzent.Schweiz. 2, 93.

ergë(n) 1. ergeben. 2. sich e. sich ergeben, bes. sich erbrechen Hi.; nachgeben, nach anfänglichem Widerstreben einwilligen; locker werden (Geschwulst; Schraube), weich werden (Geschwür), nachlassen (Krankheit), zur Krisis kommen (Lungenentzündung), gelenkig werden (steifes Gelenk) Hf. Er het sich in dem Suffeⁿ ergëⁿ ist ein Gewohnheitssäufer geworden. — Schweiz. 2, 83.

hër, hëre gë(n) 1. verschenken. Der tʰät s Hëmd vom A. h. g.! Ingenh. 2. (Speisen) erbrechen Co. Str. 3. verkaufen Wh.

i(n) gë(n) 1. in den Mund geben: Speisen, Arzenei. 2. in den Sinn geben: der Teüfl muess iʰm das iⁿgëⁿ haⁿ Bf. 3. einreichen: d Demission ing gën Ingenh. Schweiz. 2, 83.

 PfWB dri(n) gë(n) drein geben: uf ªs Dutzeⁿd Subrödle gën d Beckeⁿ eins driⁿ Bf.Schweiz. 2, 83.

inne gëⁿ hineingeben: in dem Viʰ i. g. das Futter einstecken Su.

 PfWB na(ʰ) gë(n) nachgeben; sich ziehen lassen (Leder). Dr Gscheidst git noʰ Bf. Str.Schweiz. 2, 91.

[Bd. 1, Sp. 196a]