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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Fëtzeⁿ bis furtfitzeⁿ (Bd. 1, Sp. 160b bis 161b)
 
  Fëtzeⁿ [Fatsə allg.; Fætsə Str. W.] m. 1. Stück, grosses Stück: e F. Brod Hi., Syn. Rankeⁿ Ingenh., Ronkeⁿ Wh.; e F. Fleisch allg. E F. Bodeⁿ ein grosses Stück Land Katzent. Er het e gueteⁿ F. an eim Stück an dr Kuene (Künheimer) Stross, s sin meʰ aˡs vier Irteⁿ aneⁱnander Dü. Dr Pflejl is ze F. verfoʰreⁿ K. Z. 2. Fetzen, abgerissener und noch lose anhängender Lappen: das is e neü Kleid! Jetz bschaüeⁿ die F.! Wittenh. D F. hënkeⁿ vun ⁱʰm er ist zerlumpt Su., od. d F. hënke-n- ⁱʰm vom Leib NHof. Ze Krüz e F. haüeⁿ in Stücke hauen,

[Bd. 1, Sp. 161a]
schlagen, reissen. Er het mⁱr di Lingenier (Lineal) ze Kr. e F. ghaüeⁿ Mittl. Z(u) Kr. e F. v(er)risseⁿ Wittenh. Obhergh. Dollern Heidolsh. Co. Bf. Dr Wind het d Fäʰneⁿ zue Kr. e F. verschlënzt Bf. 3. ungeschlachter Kerl, nichtsnutziger Bursche, liederlicher Mensch, Vagabund O. allg.; Syn. Fëttich 3. Das is jetz emol e liedriger F. Co.; unsittliche Weibsperson: dëʳ F. brucht noch eppis ze sajeⁿ Co. Söll iʰ dⁱr sajeⁿ, was de bis? e F. bis! Bf. Schweiz. 1, 1148. Schwäb. 191. Bayer. 1, 780.

Strichfëtzeⁿ m. Pech mit Faden vermischt und rund geformt wie ein Ball, an dem man den Pechdraht vorbeizieht, um ihn zu glätten Geberschw. Rapp.

Gefetz n. Unordnung, Zwist. ‘Wer wollte vermeint haben, dass etwas Gefez und Gewerr weiters unter der Bürgerschaft sollte entstanden sein’ Zwinger IV. — Schweiz. 1, 1149.

 PfWB verfëtzt Adj. zerrissen, nur aus herabhängenden Lappen bestehend Bisch.Schweiz. 1, 1151.

fëtzëʰt, fëtzicht [fatsat Hf.; fatsiχt Ingenh.] Adj. fetzig, in Verbind. mit dem ‘Abnehmen’ gebr.; s. Abnëⁿmeⁿ Hf.; von der Milch einer kranken Kuh Ingenh.
 
 
 PfWB Fetzer m. Gesäss, Hintere. ‘Loch oder Fetzer Brodier ou Fessier’ Martin Parl. N. 164.
 
 
Fitz [Fets K. Z. Han. Tieffenb. Wh.] f. Rute, schlanke Gerte; namentl. ist die F. ein unzertrennliches Attribut des ‘Christkindels’ und des ‘Hanstrapp’ am Bescheerungsabend. Dr Hanstrapp kummt mit dr F., der wurd diʰ awer fitzeⁿ! Geud. s Chriskingl bringt an dr Wiʰnachteⁿ auʰ e F.! Rothb. Demin. Fitzl dünnes Stöckchen Illk. ‘Vizze licia’ Herrad 187ª. — vgl. Schweiz. 1, 1152 Fitzeⁿ;  DWB DWB. 3, 1695; danach urspr. geflochtener Strang, Peitsche; dann erst Gerte.

fitzeⁿ [fetsə allg.] 1. mit der Rute züchtigen; einen mit einer Gerte so schlagen, dass man ihn nur mit der Spitze derselben trifft Steinbr. Einete, beinete (Var.: einige, beinige Banzenh.) Tinteⁿfass, Gang in d Schuel un leʰr diⁿ Sach; Kunns mⁱr heim un kaⁿⁿs mⁱr nit, Nimm iʰ s Rüetele (Rüetli Banzenh.) un fitz diʰ mit Ballersd. ‘Den 20. August 1743 wurden beide (Diebe) von dem Henker durch die Stadt gefitzet, sodann gebrandmarkt’ M. Kirchenb. ‘die

[Bd. 1, Sp. 161b]
Menschen sind unsers Herrgotts Ruten, domit er dich fitzet’ Geiler Bilg. 68. ‘mit Ruten fitzen’ Fisch. Bin. 161. ‘So e Kerl, wo merr jez nächster Daa fizt un brennt am Halsyse’ Pfm. IV 1. Kinderspruch: Dëʳ is im Bach gfalleⁿ, Dëʳ het ⁱʰn usezogeⁿ, Dëʳ het ⁱʰn heimtreit, Dëʳ het ⁱʰn ins Bett gleit, Un dëʳ het gseit: gfitzt, gfitzt muess er siⁿ dabei werden die fünf Finger gezeigt Hi. D Flëmm f. (od. batscheⁿ) bummeln, faulenzen, die Zeit verschwenden Str. s Teig f. Teig aus Kartoffelmehl und Eierklar, aus dem Biscuittorte gebacken wird, mit dem Besen schlagen Ingenh. Deⁿ Win f. wenn er weich ist allg. [Ti Malkr fetsə ti Khèsmeliχ mæm Khèsmeliχpásə schlagen die dicken Klümpchen klein M.] Obscön: onanieren Illk. Bischw. 2. mit Kleidern Staat machen, schön herausputzen. Die Kinder siⁿ gfitzt aˡs wi Herreⁿkinder Urbis. s is zue arig, wie die Froü iʰr Maidele fitzt Rchw.; schneidig auftreten, prangen, sich brüsten: Potz doisig, wie het's dër gfitzt! Banzenh. Lue, wi-n-r's fitzet! Hlkr. Dër fitzt's! M. Dëʳ fitzt ⁱʰne! Kaysersbg. Gfitzt schön, ausgezeichnet, herrlich, geschmückt, fein herausgeputzt. E gfitzti Köcheⁿ tüchtige, erfahrene Köchin, schön gebautes, stattliches Frauenzimmer allg. ‘Er kummt an sim gfitzte Furneblätzele an’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 62. E gfitzt Gläsle Wiⁿ Dü. Dis is gfitzt! prächtig Str. Gf. angetʰon fein, geschmackvoll gekleidet Str. Dëʳ chaⁿⁿ gf. schribeⁿ un lëseⁿ Liebsd. 3. schnell laufen. Dis Kind is awer d Stross ʰⁱnab gfitzt Rupr. ‘Mit dene Worte kummt e Bue in's Bierhuus nyn ze fitze’ Böse Schk. 292. — Schweiz. 1, 1152. Schwäb. 193. Bayer. 1, 781.

aneⁿfitzeⁿ [ânəfitsə Liebsd. Heidw.; ànəfetsə Ingersh.] etwas mit Leichtigkeit und Geschick verfertigen, gelungen und ohne Fehler ausführen. Von einem Maler, der mit leichter Mühe ein schönes Bild schnell malt, sagt man: Dëʳ fitzt's aneⁿ wie nit! Liebsd. I fitz e Walzer aneⁿ ich spiele einen feinen Walzer auf ebd.

durchfitzeⁿ [tûrə- Banzenh.; tùrə- Hlkr.; tùrìχ- Katzent. Str.] mit der Rute durchprügeln.

furtfitzeⁿ davon fahren: ‘uf ein Mool fitzt einer derfun furt’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 44.