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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Vetter bis ummefëttigiereⁿ (Bd. 1, Sp. 156b bis 157a)
 
  Vetter [Fètər allg.] m. 1. Oheim von väterlicher od. mütterlicher Seite, meist in Verbindung mit nach folg. Vornamen: dr V. Hannes M.; wi geʰt's, V. Vëlteⁿ? Z. Deʳ Dunzner V. Hans Onkel Hans aus Dunzenh. Ingenh. V. Jerri Georg Dunzenh. Das nhd. W. Vetter wird wiedergegeben durch Gschwisterkind, seltener und fast nur in höheren Kreisen durch das frz. cousin U. 2. auf dem Lande jeder männliche Verwandte, namentl. in weiteren Graden und solche, die durch Heirat in die Familie kommen. 3. Fürsprecher. E V. im Konsistorium han Z. Han. Do muss mr e V. im Elsess han Dehli. 4. Meister Ensish.; grosses Exemplar: dis is e V. grosses Kaninchen Ruf.; verächtl. Kerl: du bis mⁱr noch eⁱⁿmol e nëtter V.! K. Z. Schweiz. 1, 1133. Bayer. 1, 851.
 
 
Fëttich, Fëgteⁿ [Fatì Roppenzw.; Fatik Hi. Heidw. bis Rapp., daneben die Form Fatjə Katzent. Rapp., ausschliessl. Fatjə in Rchw. Barr; Fati Mütt. Bf. Kerzf. Dachstn. Im S. ausserdem noch Faktə Fisl. Olti. Attenschw.] ‘Fettje’ Ulrich; Pl. = Sing., nur in Ruf. — e, fast allg. m.; f. Steinbr. und Fisl.; n. Wittenh. Hi. bei Bed. 1. 1. Flügel (dies Wort ist im O. selten) eines Vogels, einer Gans, einer Windmühle, eines Spinnrads; Rockflügel, Rockschoss, verächtl. herabhängende Fetzen: die het an dr basque (frz. Schoss der Damentaille) Fëttige awe hënkeⁿ Ruf. Er losst d F. hënkeⁿ (lappeⁿ Sier., lampeⁿ Mütt.) er ist erlahmt im Eifer Banzenh., kann nicht mehr arbeiten, bezahlen u. s. w. Dü., hat den Mut verloren Rchw. s het F. bikummeⁿ ist gestohlen worden O. ‘sehs vettiche’ Chron. 412, 23. ‘und sol man in ouch beide fettiche abehowen’ Str. 1459 Brucker 231. ‘der hahn kreget und schlug mitt beiden fetichen in die pfefferbrüe’ Geiler S. M. 19; P. III 81. ‘Die forcht hat die fettach angeschlagen an die fueß’ = lat. Pedibus Timor addidit alas Geiler Häsl. a iij. ‘Wënn e Vogl hieʰer fligeⁿ will, aˡs er Fëttⁱje het, se fangeⁿ ne di Büuweⁿ’ M. JB. II 168. s. Flügel, Flättich. 2. Frackschoss, s. JB. IX 29. 3. liederlicher, sich herumtreibender Mensch, Vagabund, Schelm, Lump, leichtsinniger und ausschweifender

[Bd. 1, Sp. 157a]
Mensch, ungezogener Bursche, nichtswürdiger Mensch; flatterhaftes, loses Mädchen, ausgelassene Person. Das F. is noʰ nit besser wōrdeⁿ Roppenzw.; Mädchen, das gern spazieren geht Steinbr.; Kind, das immer herumzieht Ruf. Wo bis wider gsiⁿ, du F.? Obhergh. Syn. Zieʰfëttich. — Schweiz. 1, 1134. Schwäb. 187 Fegge. Bayer. 1, 777.

Muckeⁿfëttig m. eig. Mückenflügel, in der allitter. ablaut. Sprechübung [Mikə makə M. Dü.]

 PfWB  LothWB  RhWB Schlafittl [‘Slàfitl Altw.; ‘Slàwitl Ingenh.] n. Schlagftittig, übtr. Kragen. Nemm ne am S. un werf ne zu dr Tʰür enus Altw. s. auch Flienkeⁿ 3.

Schmusfëttⁱge [‘Smýsfatjə Co.] m. lockerer Vogel. ‘alter Schmüsfättje’ Mangold Colm. Kom. 50.

Weiʰeⁿfëttig [Wèjəfatik Su. Osenb.] m. Löwenzahn, Kuhblume; nur zur Zeit, wo man die Blätter als Salat benutzt, sonst Bettseicher Su.; Leontodon taraxacum; Syn. Brunzbluemeⁿsalat U.

Zieʰfëttig, Zugfëttig [Tsìafaktə Fisl.; Tsìəfatì Roppenzw.; Tsìafatik Hi. bis Logelnh.; Tsìakfatik Obhergh.; Tsùkfatik Ruf.; Tsìəfatik Hlkr.; Tsièjfatik Co.; Tsìajfatik Dü.] fast allg. m.; f. in Fisl. bei Anwendung auf eine weibl. Person; n. in Roppenzw.: umherstreifende Person männlichen od. weiblichen Geschlechts und von jeder Altersstufe.

fëttigeⁿ [fatikə Felleri.; fatjə, Präs. iχ fatik, Part. kfatikt Mütt.] 1. die Flügel auf- und abwärts bewegen, namentl. vom Hahn vor dem Krähen: dr Güller fëttigt Mütt. 2. schnell laufen Mütt.; rastlos umherstreifen, von Mädchen, die den ganzen Tag im Dorf herumlaufen, um Neuigkeiten zu erfahren Felleri.

ummefëttigeⁿ Urbis Obhergh. Hattst.; ʰrumʰerfëttⁱjeⁿ M. Geberschw. herumziehen, umherstreifen, von Kindern, die den ganzen Tag draussen umherlaufen und nur nach Hause kommen, um zu essen. Ër fëttigt dr ganz Tag umme wi ne Lus im Pelz Urbis.

Ummefëttiger m. Herumstreicher Obhergh.

ummefëttigiereⁿ [ùməfatikìarə Su.] herumziehen, umherlaufen.