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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Faʰn bis fin (Bd. 1, Sp. 117a bis 117b)
 
  Faʰn, Faʰneⁿ [Fân m. Pfetterhsn., n. Lutterb.; sonst Fânə m. fast allg.; Fônə K. Z.]; Pl. [Fânə Pfetterhsn.; sonst allg. Fánə; Fǽnə Str. W.]; Demin. Fäʰnle, Fäʰnl [Fánlə Pfetterhsn.; Fánəli Banzenh.; Fánlə Su. Hattst. Winzenh. Dü. Orschw.; Fǽnl Str.; Fánl K. Z. Betschd. Wörth] 1. Fahne beim Militär. Er is furt inger deⁿ F. K. ‘zum fahnen schweren’ Martin Parl. N. 139. ein Fendli Knecht’ 100 Kriegsknechte Mü. Mieg 2, 179. ‘Aplustre der fahnen auff dem segelbaum’ Gol. 198. ‘acht fähnen schwedischer soldaten’ Co. 1632. Als. 1851, 50. 2. Fahne bei kirchlichen Prozessionen. Dr Cölestin het dr F. treit Pfetterhsn. Mit Krüz a F. geʰⁿ mit der Prozession gehen Su. Logelnh. Wortspiel: Dië Lüt hän alleⁿ Sonnti Prozëssion; dr Mann treit deⁿ F. (Bed. 8) un d Fraü s Krüz Bf. Driⁿ luegeⁿ (ussëʰn Bf.) wⁱe dr Tod am F. bleich, erschreckt dreinschauen, Anspielung auf das Bild des Todes mit der Sense, das bei Beerdigungen auf einer Fahne herumgetragen wird Orschw. 3. zerrissenes Kleid Katzent. 4. Wetterfahne, bes. in der Deminutivform Bebelnh. Z.: s Fäʰnl steʰt uf Niderwind Ingenh. 5. Blütenstengel am Mais. D Fäʰnler schlupfeⁿ am Wëlschkorn Dü.; Schilfrohr: d Fäʰnle blüejeⁿ Henfli.; Farnkraut Betschd. 6. Mähne des Esels M. 7. schlechte Weibsperson: dëʳ F. ziejt in deⁿ Buewe noʰ Katzent. 8. Rausch allg. Er het e F. gha Su. Er het e Millionsf. mit heim gebrocht Hf. ‘So e Fahne haw i an kaim noch gsehn’ Pfm. III 2. — ahd. fano aus lat. pannus. Schweiz. 1, 828. Schwäb. 176. Bayer. 1, 719.

Handfane mantile Herrad 185.

Malisseⁿfaʰneⁿ, Milisseⁿfaʰneⁿ, m. Fahne der Gestellungspflichtigen Obhergh.

 PfWB  RhWB Wëtterfäʰnl oft auch abgek. Fäʰnel Z. n. Wetterfahne U. — Schweiz. 1, 831.

[Bd. 1, Sp. 117b]

 PfWB  RhWB Windfaʰneⁿ [Wįtfânə M.] Pl. Federwölkchen.

 PfWB  RhWB Fäʰnrich [Fánri Lutterb.; Fǽnərìχ Str.; Fánərì K. Z.] m. Fähn(d)rich. ‘Venre signifer’ Herrad 194ª. ‘Wie uns angezeigt wird, der Fenner sig uf den Tod verwundt’ 1531 Mieg 2, 140. — Schweiz. 831. Bayer. 1, 720.

Vorfenner m. Vorfähndrich Mieg 2, 140, 141.

Faʰneⁿreich [Fânərèiχ Mittl.] in der Verwunderungsformel Potz F.! A: Meine, sin das hübschi Erdäpfl? B: Potz F., das sin Stücker! grosse Kartoffeln.

Kornfänl, s. unter Fërkel.
 
 
Fanori [Fanôri Lutterb. Ruf.] als Anfangswort in dem Kinderreim F., Simiri, Kastori, Trompetle, Kukuk! Wahrscheinlich ein Hundename wie auch das zweite Wort Simiri; beide kommen als solche vor in Dunzenh. in der Form [Fanôr und Simírl], das letztere unzweifelhaft eine Abkürzung aus Casimir, das erstere wahrscheinlich nach dem frz. Eigennamen Phanor.
 
 
fin [fín O. Wörth Betschd.; fin Geisp. K. Ingenh.; fín und fin Str. Z.] Adj. und Adv. 1. dünn, von Faden und Geweben. F. Tuech allg. Fina Sida feine Seide Su. Fini Sīd U. Finer Zü Geud. F. spinneⁿ einen feinen, dünnen Faden spinnen Geisp. Syn. rein. 2. scharf, schneidend, vom Wetter: s is e fini Kälte, fin kalt Hf. 3. klug, schlau, berechnend, durchtrieben. Du bis f. Su. Das is e finer Satan Co.; e finer Spitzbue Dü., e finer Buger K. vom frz. bougre, e finer Kërl Hf. Weⁿⁿ mr dich heischt (heisst) mitësseⁿ, bruchs nit willeⁿ deⁿ Fineⁿ macheⁿ Harsk. Rauw. F. was f. heisst sehr schlau Zab. ‘O dü fine Mucke, dü schlaüe!’ Lustig II 623. = frz. fine mouche. ‘Fyn sinn si dert owwe (in Colmar) nit’ Pfm. II 6. 4. schön, vortrefflich, fein ausgeführt. E fins Maidl Geisp. Dieˢ Arweⁱt is f. gmacht Co., fin gschafft kunstreich Ulrich. E finer Huet Hut aus feinem, weichem Filz Buchsw. 5. Vom Feingehalt der Edelmetalle: ‘achtzehn grat fyn’ Str. 1482 Brucker 243. ‘von fynem silber und fynem golde’ ebd. ‘fini grete Trigonella foenum graecum’ Kirschl. 1, 183. — Schweiz. 1, 831. Bayer. 1, 721.