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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Fimmel bis Faʰn (Bd. 1, Sp. 116b bis 117a)
 
  Fimmel [Fìml Roppenzw. Heidw. Aschb.; Fæml M.; Féml Lobs.] m. männlicher Hanf, der nach der Blüte zuerst ausgezogen wird. Riss dr F. us! Roppenzw. ‘Faemella’ Kirschl. 2, 56. — Schweiz. 1, 826.

fimmleⁿ I[fémlə Lobs.] die männlichen Hanfstengel ausziehen. Hanef f. — Schweiz. 1, 827. Bayer. 1, 718.

fimmleⁿ II[fimlə Kerzf.] einem Mädchen die Ehre nehmen. — wohl aus nhd. fummeln.
 
 
fimmeⁿ I[fimə Obhergh.] eine Ohrfeige geben. Dëʳ het dⁱr eini, eins gfimmt!
 
 
fimmeⁿ II, s. fumeⁿ.
 
 
Fummel [Fùml Hi. m.; Ruf. Dü. Rapp. Hf. f.] 1. Glättschiene des Schusters, aus Holz verfertigt, dient zum Glätten des Leders, namentl. an den Schnitträndern Hi. Ruf. Rapp. 2. obsc. Dirne, Hure Str. Hf.; als Schelte Str. Schweiz. 1, 827. Bayer. 1, 719.

fummleⁿ [fùmlə allg.] 1. hin und herschieben, reiben, z. B. beim Scheuern des Fussbodens, Reinigen der Fensterscheiben Hf.; putzen, reinigen, vom Geschirr, von Stiefeln. Jetz will ich awr f., dass s glänzt! Str. 2. betrügen, hintergehen,

[Bd. 1, Sp. 117a]
schwindeln, zum besten haben. Dëⁿ hai sⁱe wider gfummlet! Liebsd. Dëʳ fummlet wider! Roppenzw. 3. obsc. coïre; vgl. fimmleⁿ II. — Schweiz. 1, 827. Bayer. 1, 719. Hess. 112.

abfummleⁿ abreiben Str.

Fummler m. Schwindler.
 
 
fumeⁿ [fymə Co. Mütt.; fimə Kerzf.] rauchen. — frz. fumer.
 
 
Faʰn, Faʰneⁿ [Fân m. Pfetterhsn., n. Lutterb.; sonst Fânə m. fast allg.; Fônə K. Z.]; Pl. [Fânə Pfetterhsn.; sonst allg. Fánə; Fǽnə Str. W.]; Demin. Fäʰnle, Fäʰnl [Fánlə Pfetterhsn.; Fánəli Banzenh.; Fánlə Su. Hattst. Winzenh. Dü. Orschw.; Fǽnl Str.; Fánl K. Z. Betschd. Wörth] 1. Fahne beim Militär. Er is furt inger deⁿ F. K. ‘zum fahnen schweren’ Martin Parl. N. 139. ein Fendli Knecht’ 100 Kriegsknechte Mü. Mieg 2, 179. ‘Aplustre der fahnen auff dem segelbaum’ Gol. 198. ‘acht fähnen schwedischer soldaten’ Co. 1632. Als. 1851, 50. 2. Fahne bei kirchlichen Prozessionen. Dr Cölestin het dr F. treit Pfetterhsn. Mit Krüz a F. geʰⁿ mit der Prozession gehen Su. Logelnh. Wortspiel: Dië Lüt hän alleⁿ Sonnti Prozëssion; dr Mann treit deⁿ F. (Bed. 8) un d Fraü s Krüz Bf. Driⁿ luegeⁿ (ussëʰn Bf.) wⁱe dr Tod am F. bleich, erschreckt dreinschauen, Anspielung auf das Bild des Todes mit der Sense, das bei Beerdigungen auf einer Fahne herumgetragen wird Orschw. 3. zerrissenes Kleid Katzent. 4. Wetterfahne, bes. in der Deminutivform Bebelnh. Z.: s Fäʰnl steʰt uf Niderwind Ingenh. 5. Blütenstengel am Mais. D Fäʰnler schlupfeⁿ am Wëlschkorn Dü.; Schilfrohr: d Fäʰnle blüejeⁿ Henfli.; Farnkraut Betschd. 6. Mähne des Esels M. 7. schlechte Weibsperson: dëʳ F. ziejt in deⁿ Buewe noʰ Katzent. 8. Rausch allg. Er het e F. gha Su. Er het e Millionsf. mit heim gebrocht Hf. ‘So e Fahne haw i an kaim noch gsehn’ Pfm. III 2. — ahd. fano aus lat. pannus. Schweiz. 1, 828. Schwäb. 176. Bayer. 1, 719.