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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Fall bis Überfall (Bd. 1, Sp. 104a bis 104b)
 
  Fall [Fàl fast allg.; Fâl Steinb. Banzenh. Hlkr.; Pl. Fal; Fæl Str. W.] m. 1. sinnlich a) wie nhd. das Fallen: wënn ⁱʰm numme dëʳ F. voⁿ dr Stëj nix macht Rchw. Er het e böser F. getʰon Dunzenh. b) Gefälle eines fliessenden Wassers: s Wasser stellt siʰ, s het nit F. genue Ingenh. Das Hohlkënle (Rinne, Abflussröhre) het z wenig F., s Wasser kaⁿⁿ nit ablaüfeⁿ Dü. Knall e F. plötzlich, unerwartet allg. Er is K. e F. abgschnappt gestorben Mittl. ‘Gepfänd't so Knall un Fall?’ Kur 17. 2. bildl. a) Todesfall:

[Bd. 1, Sp. 104b]
es könnt e F. ingtrëteⁿ K. Z. b) möglicher Weise eintretendes Ereignis, besonderer Umstand, Zufall: zum F. zum Beispiel Geberschw., vorkommenden Falls Ruf. Gsetzt dr F. Hi. Lutterb., sonst allg. (Ich) setz dr F. ich nehme an, dass ... Uf jedeⁿ F. neben uf alli Fäll, od. abgek. jedeⁿfall allg. s. auch Fëʰler. In dëm F. kaⁿⁿw-iʰ nit kommeⁿ Rchw. ‘Es däd mi reecht verlange Ze wisse, wie — uff alli Fehl Hett d’ Landwehr Aengste g'hett in Kehl!’ nat. 6. — Schweiz. 1, 734.

Abfall m. 1. Abfallstoffe, übrig gebliebene und meist unbrauchbare Reste von Kleiderstoffen, roh zubereiteten Gegenständen, zugerüstetem Gemüse Hlkr. Str. K. Z. 2. [Âfàl M.] = Überfall. — Schweiz. 1, 736.

 PfWB  RhWB Anfall [fàl Bf. Ndhsn.; Ânfàl Str.; Ônfàl K. Z.] m. Anfall bei Krankheiten, bes. Hustenanfall, Krampfanfall. Er het eⁱⁿn A. voⁿ Schwindl bekommeⁿ Bf. Syn. Attack. — Schweiz. 1, 738.

Durchfall [Tûrfàl Banzenh.; Tùrìχfàl Str. U.] m. Diarrhöe, Ruhr. Syn. Durchbruch U.

Flohfällele n. Flanelllappen Str. Ulrich.

 PfWB  LothWB  RhWB Infall [Ífàl Bf.; Ínfàl Str.; Efàl K. Z.] m. Einfall, Gedanke; Einsturz, scherzh. in dem Wortspiel E I. vum e-n-alteⁿ Hus = dummer Einfall Str. ‘Sie hän doch Ynfäll wie e-n-altes Huus!’ Hirtz Ged. 210. ‘Er hett Ynfäll wie's Ylebecke Hinterhus’ Als. 1850, 29. — Schweiz. 1, 738.

†‘Kirchenfehl Pl. das Recht der Kirche von Ensisheim, das beste Kleid der verstorbenen Beamten und Bürger zu nehmen (Privil. K. Ferdinands 1550) Merklen 1, 235.

Leibfall m. ‘Parentare Leibfall begehn’ Gol. 16.

Schaüfall m. äussere, zur Schau ausgelegte Seite einer Ware. Loss diʰ nit verwitscheⁿ durch deⁿ Sch., der Butzeⁿ (s. d.) stëckt inneⁿwëni! Bf.Schweiz. 1, 743.

Tropfeⁿfall m. etwa 30 bis 35 cm breiter Streifen Erde an der Längsseite des Hauses, gewöhnlich die Hälfte des Schlupfes (s. d.). Der Bauer beansprucht das Anrecht auf den T. Landkr. Str.

 PfWB  LothWB  RhWB Überfall [Îpərfàl Liebsd.; Ewərfàl AEckend.; Iwərfàl Wh.] m. 1. Obst, das über die Grenze auf das Grundstück des

[Bd. 1, Sp. 105a]
Nachbars fällt und diesem zukommt, weil er durch den Schatten des Baumes auch Schaden hat. In Liebsd. wird ein Ueberfall von Steinobst nicht anerkannt, sondern nur von Nüssen, und hier wird derselbe in gleiche Teile geteilt zwischen dem Eigentümer und dem Nachbar. 2. übtr. Er bekommt Üwerfall, wenn jemand unversehens von Wasser, Schmutz und dergl. von irgendwoher betroffen wird AEckend. ‘Böm vnd vber fal belangend .. sol was vber iedes guott langtt demselben verbliben’ Wattw. 16. Jh. JB. III 62. — Schweiz. 1, 737.