schlückeln, verb.schlucken, schwaches verbumschlucken, m.schluckenschluckente, f.schluckenwehrrohr, n.schlucker, m.schlucker, n.schluckerchen, n.schluckerei, f.schluckerfasz, n.schluckerig, adj.schluckerisch, adj.schluckerkopf, m.schluckerlein, n.schluckern, verbum.schluckertasche, f.schluckerteschluckertrunk, m.schluckfieber, n.schluckflascheschluckgeheder, n.schluckhaft, adj.schluckhalsschluckicht, adj.schlücklein, n.schlucknisz, f.schluckopf, m.schluckpille, f.schluckrabe, m.schluckreif, adj.schlucksenschluckserschluckspeck, m.schluckung, f.schluckup, m.schluckwächter, m.schluckwarm, adj.schluckwärter, m.schluckweise, adv.schluckzessive, adv.schluddereischludderig, adj.schluddern, verb.schluder, subst.schluderaffe, m.schluderbauch, m.schluderbrühe, f.schluderei, f.schluderer, m.schluderhaft, adj.schludericht, adj.schludricht, adj.schluderig, adj.schludrig, adj.schluderigkeitschludrigkeitschludern, verb.schluderpreis, m.schluderwerk, n.schludrian, m.schluf, subst.schluff, subst.schlufe, subst.schluffe, subst.schluffboden, m.schlüffel, m.schliffel, m.schlüffeln, verb.schluffen, verb.schluffen, verb.schlüffen, verb.schlufferig, adj.schluffern, verb.schluffig, adj.schlüfflerei, f.schlüfflich, adj.schluft, f.schlufter, m.?schlüfter, m.?schluftloch, n.schlug, m.schluck, m.schlummen, verb.schlummer, m.schlummer, m.schlummerathmen, n.schlummerbalg, m.schlummerbaum, m.schlummerbecher, m.schlummerbetäubt, adj.schlummerbetäubung, f.schlummerbinde, f.schlummerblume, f.schlummerbräutigam, m.schlummerbringer, m.schlummerchen, n.schlummerdecke, f.schlummerduft, m.schlummerdunst, m. | schlückeln, verb., zum verb. schlucken gebildet: schlücklen, saugen, lingere Maaler 357a.
schlucken, schwaches verbum , mhd. slucken mhd. wb. 2, 2, 415b. Lexer mhd. handwb. 2, 990, im ahd. (doch vgl. das schwache masc. sluhho, slucko, consumtor Graff 6, 786) und den übrigen alten germanischen sprachen nicht bezeugt. nahe steht mhd. slûchen, mnd. und neund. slûken, s. oben schlauchen sp. 506. beide führen zurück auf ein starkes verb. ahd. *sliohhan (oder *slûchan, nd. slûken bewahrt starke formen); auszerhalb des german. sind verwandt λύζω, λυγμός; λύγξ, λυγγάνομαι, altir. slucit, sie verschlingen, ro - slogeth, absorpta est Fick4 1, 577; bemerkenswert ist die übereinstimmung in bildung und bedeutung von schlucke, schlücke (s. DWB schlucke 5) und lucke, lücke, von schlockern, labefacere (sp. 764) und lockern, nd. sluck, matt, schlaff und dem alten adjectiv luck, lück (theil 6, sp. 1224); diese übereinstimmungen weisen auf alte beziehungen der german. wurzeln sluk- und luk-. einer anderen ablautsreihe angehörig, aber im übrigen in analoger weise gebildet und gleichen sinnes mit schlucken ist das schwache verbum mhd. slicken, s. oben sp. 676 und unter schleck sp. 547. unserem schlucken entspricht nld. slokken; slocken, vel slicken, vorare Kilian. vielgebrauchte composita sind: auf-, ein-, hinein-, hinunter-, hinter-, nieder-, verschlucken. neben dem nd. slûken wird auch slucken, wol unter hochd. einflusse gebraucht brem. wb. 4, 846. Schambach 195b. ten Doornkaat Koolman 3, 213a. Mi 81a, schweiz. mit umlaut schlücka Bühler Davos 1, 135, ebenso kärnt. schlück'n, verschlück'n Lexer 221, oder liegt hier das alte schlicken vor? 1) schlingen, speise oder getränk hinunter schlingen; während schluck, m. auf das getränk eingeschränkt ist, bewahrt das verbum die weitere bedeutung; in neuerer sprache meist mit nüancierungen verschiedener art; so bezeichnet es den bloszen physiologischen vorgang, durch den die nahrung dem magen zugefügt wird: beym schlucken wirken vorzüglich die muskeln der zunge, des gaumens und des schlundes. Oken 4, 243; hühnchen liegt an jenem berg und schluckt an einem nuszkern. wunderhorn 2, 544 Boxberger; nicht schlucken können, als krankhafter zustand Adelung; das beschwerliche schlucken (disphagie) Campe; aus mangel der zähne schlucket er nur die brocken. Kramer (1702). schon in älterer sprache entwickelt sich wie bei schlingen der nebensinn des unmäszigen, gierigen, hastigen essens oder trinkens: glutire slucken vel slynghen Dief. 266c; ingurgitare, in sich gurgeln vel schlucken 298c; ligurire, schlucken 329b; schlucken, schlinden, verschlinden, vorare, gulare Maaler 356d; schlucken, in den leib schlingen Hulsius dict. (1616) 285a; schlukken, devorare, gurgitare, deglutire Schottel 1402; pro ein sauffen, ein saugen, ich schlucke, sorbeo Steinbach 2, 453; er kan weidlich schlucken Kramer (1702); volksthümliche wendungen: he sluket, as de stork de poggen; he slukt, as wenn he hangen schall. Strodtmann 215; he sluckt as en trechter. Wander 4, 248; ainer schluckt, der ander schland. Hätzlerin 2, 67, 156; die gierigkeit zeigt sich darin, dasz etwas ungekaut hinuntergeschlungen wird: [Bd. 15, Sp. 802] das sie eʒ in sich truckten und unkiuwes sluckten. lieders. 3, 402, 146: scherzhaft: er schluckt ein glas wasser runter ohne zu kauen. Wander 4, 248; in hündischer art: darmit inn eym schnaps dem maul zuwischet, unnd schluckts hinab ungekauet. Fischart bienenk. 158b; sonst von thieren: sondern er selbst (der habicht) frasz und schluckt sie in seinen rachen. Kirchhof wendunm. 1, 79 Österley; er (der drache) wânde sunder lougen daʒ er in slucken müeste, wan er was in der wüeste gewesen lange ân eʒʒen. Konr. v. Würzburg troj. krieg 9789; sihe, er schluckt in sich den strom, und achts nicht gros, lest sich düncken, er wölle den Jordan mit seinem munde ausschepffen. Hiob 40, 18. von menschenfressern: weil sie vor diesen menschen gegessen, auch ihrer eigenen freunde fleisch, wenn sie gestorben, unter ander wilpret gemischet und in geschlucket. Olearius pers. reisebeschr. 3, 3 (s. 80a). die bedeutung des eigentlichen hinunterschlingens tritt in neuerer sprache gewöhnlich in den vordergrund, durchaus nicht immer mit dem begriffe des hastigen, gierigen verbunden: Euclio das ist Hans nimmer satt, der wil haben dienstbotten, die da haben ... ein verschlossen maul, sollen aber essen und schlucken nichts. Schuppius 405; also muste ich schlucken, was schwer zu verdauen war. Simpl. 3, 23 Kurz; von trank: er schenkte beiden ein, stiesz an und schluckte das glas sehr lebhaft hinunter. Göthe 30, 225; (sie) begannen nun erst ein fleisziges essen, wozu sie den wein in tiefen zügen schluckten. Keller 1, 257; verächtlich: seht nur nach dem, der wasser schluckt, und einsam in dem winkel muckt, und stumme galle speit. W. Müller ged. 2, 98; von speisen: gute weine zu trinken, köstliche speisen zu schlucken. Göthe 36, 54; mandeln zu knuspern! erbsen zu schlucken. 14, 111; nur dürftige biszlein faszte der schnabel, der wirth schluckte die speisen allein. Schiller 11, 190; schluckt nicht seinen leckerbissen mancher grosze zitternd ein. Rost bei Chr. H. Schmid biogr. d. dichter 2, 433; mit beabsichtigter rohheit: (die pulver) soll ich eurer frau in der schokolade zu schlucken geben. Schiller Fiesko 3, 3 bühnenbearbeitung. von dingen, die man nur mit einem geringeren oder stärkeren widerwillen herunterbringt: wider willen schluckt' ich das zeug, wie sollt' ich gedeihen? Göthe 40, 23; ich musz den ganzen tag medicamente schlucken; schärfer von unwillkürlichem einnehmen: staub schlucken, beim marschieren; wasser schlucken, bei schlechtem schwimmen. 2) freiere anwendung, übertragung, bildlicher gebraucht; vom erdboden, der regen, nässe aufsaugt: der bode schluckt Seiler 256b. Hunziker 224. Bühler Davos 1, 135; freier: er verschwand, als hätte ihn der boden geschluckt, eingeschluckt, verschluckt. von einem gewässer, das ein kleineres in sich aufnimmt: nachdem er (der Bober) bey Hirschberg den Zacken in sich geschluckt. Opitz 2, 260. übertragen, für das hinnehmen und verwinden von unannehmlichkeiten, ärger, leid u. s. w.: schlucken und vertöuwen oder leyden, calamitatem haurire Maaler 356d; viel zu schlucken haben, viel auszustehen haben Schöpf 624; e hett scho fill müese schluke. Seiler 256b; grobheiten schlucken müssen u. ähnl.; besonders auch in dem sinne, dasz eine aufsteigende empfindung niedergedrückt, bezwungen wird: den arger dal slucken. Mi 81a (man beachte unter den belegen die Fieskostelle); zu diesem gebrauche von schlucken vergl. die anwendung von verbeiszen, hinunterwürgen u. ähnl. Stieler bezeugt einen für uns ungewöhnlichen gebrauch: der arme teufel musz daheime schlucken, sich übel und elend behelfen (vgl. schlucker); redst etwan wort in trunkenheit die wiedrumb must schlucken mit leid. Wickram kunst zu trinken (1537) 2, c 3a; diesen gelust müssen sie niederschluken. Schiller Fiesko 1, 5; wir armen Deutschen müssen nun, so lange die deutsche zunge dauert, den jammer einer vierfachen vielzüngigkeit in uns schlucken. J. Paul komet 3, 198; verzweiflung in sich schlucken. Pestalozzi 7, 275. ganz anders gewendet von begehrlichem oder unnachlässigem einnehmen, an sich nehmen (vgl. DWB aufzehren, DWB verzehren in gleicher übertragung); von personen: fette einnahmen, gewinne, antheile schlucken: [Bd. 15, Sp. 803] der mein vermögen niederschlang und schluckte. Rückert poet. werke (1882) 11, 511. auch auf unpersönliches bezogen: was hat dieser bau an kosten geschluckt u. ä. in dem sinne von aufzehren und vernichten: swâ übric rîchheît zühte slucket und übric armuot sinne zucket, dâ dunket mich enwederʒ guot. Walther v. d. Vogelweide 81, 28. 3) wiederholt, unwillkürlich und krampfhaft aufstoszen, singultire: singultare, schlucken Dief. 536c; singultire, schlucken, kluxen Schottel 1402; das schlucken, singultus Steinbach 2, 453, vgl. Frisch 2, 202b, nd. slukken, schlucksen brem. wb. 4, 846; ek hebbe't slucken Schambach 195b; vor das schlucken. Dryander arznei (1542) 101. das einfache verbum wird in diesem sinne in neuerer sprache gemieden und durch den schlucken haben, schlucken müssen ersetzt. redensart: er musz schlucken, es denkt jemand an ihn (räth man die betreffende person, so hört der schlucken auf). ungewöhnlich auch für das willkürliche aufstoszen aus überfülltem magen: pro rülpsen, ich schlucke, ructo Steinbach 2, 453 (als landschaftlich). 4) wie schluchzen die bedeutung von singultire aufweist, so erscheint schlucken in älterer sprache in dem sinne, den wir gewöhnlich mit schluchzen verbinden; noch Frisch (2, 202b) und Adelung bezeugen diesen gebrauch: schlucken, wie die kinder bey dem weinen .. flere cum singultu (dann im gegensatze hierzu: schlucken, ohne weinen) Frisch a. a. o.; darumb wird durch dis seufftzen nicht allein das leiblich und kurtzwerende schlucken verstanden. Luther 1, 36b; wenn gleich das fleisch schlucket und mucket. briefe 5, 142; ob wohl ihre wort durch so viel seufftzer und schlucken gebrochen waren. A. Gryphius 1, 935; vom fräwlein wurd hiermit jhr fürtrag so geschlossen, darbey geseufftzt, geschluckt, viel thränen auch vergossen. Dietr. v. d. Werder Ariost 9, 56, 2 (vgl. 10, 99, 5); ich sehe seinen schatz, das edle weib vergieszen der augen heiszes nasz, ich höre, wie sie schlukt. Rist Parnasz 801.
schlucken, m. singultus, aus einem älteren schwachen m. schlucke entstanden: er hat den schlucken, singultu afficitur Steinbach 2, 453, nd. slucken Schambach 196a; noch Adelung hält schluchzen, m. für mehr der schriftsprache gemäsz als schlucken. schlucken bezeichnet das unwillkürliche, krampfhafte aufstoszen aus dem magen: ihr kriegt euern schlucken, meinte der schneider fast mitleidig. Ludwig 2, 312. von einem wirklich krankhaften zustande: die meisten überfiel dabey ein holer schlucken, welcher mit starken zuckungen begleitet war. Heilman Thucyd. 236; ähnlich: sie lag in schrecklichen beängstigungen, zu welchen sich ein gichterischer schlucken gesellte, der von der gasse herauf gehört werden konnte. Schiller 3, 570.
schlucken, plur. kleine pflaumen, s. DWB schlucke 6.
schluckente, f., bei Campe statt schluchtente.
schluckenwehrrohr, n. pflanzenname, levisticum officinale Pritzel-Jessen (Schweiz).
schlucker, m. , zum verb. schlucken gebildet wie schlaucher (s. dieses sp. 509) nd. slûker zu dem verwandten schlauchen, nd. slûken; nld. slocker, helluo Kilian, zu slocken, schlucken. 1) zunächst in der jetzt verschollenen bedeutung von schlemmer, prasser, vielfrasz, säufer: schlucker, fraasz, schlemmer, gluto, bibax, compotor Maaler 357a; schlukker, gulo, helluo Schottel 1402; gluto, schlucker, groszer fresser Corvinus fons lat. (1660); ein schlucker, im schimpf, comedo, gulo Frisch 2, 202a. leicht entwickelt sich die bedeutung von schmarotzer, parasit, die z. b. Stieler 1831 verzeichnet; ebenso: schlucker, gulo, nepos Steinbach 2, 453; thut busz, ehe denn mit seinem pfeil der schrecklich todt euch ubereil, und ewre seel in einem nu, zum reichen schlucker führen thu. Ringwaldt treue Eckart M 2b; Hansz Fratz, ein schlucker und zechbruder, der stehts gelegen in dem luder. Weckherlin 825; ein schlucker, ein naschbruder. Comenius sprachenthür 820 (übers. von Docemius). ebenso nd. slukker, fresser, schmarotzer brem. wb. 4, 846. Dähnert 432a. Mi 81a. 2) eine zeit, die die freuden der tafel und des bechers mit derber sinnlichkeit zu würdigen verstand, muszte den sinn von schlucker mildern, sodasz sich unter umständen gar kein tadelnder begriff mehr mit dem worte verbindet; denselben vorgang beobachten wir bei schlemmer, vgl. sp. 627; besonders wird in älterer sprache der ehrliche und eifrige trinker ein guter schlucker [Bd. 15, Sp. 804] genannt. diese milderung tritt besonders in der wendung guter schlucker hervor. zwar kann auch ein schärferer sinn sich zeigen: es ist ein gter schlucker, es ist jm acker und wiesen durch den bauch gefaren. Franck sprichw. 2, 48b; gute fresser, gute schlucker, Venuskinder, ... spötter, verächter, und verfolger des wort gottes. Mathesius Sar. 9b, vergl. Schmeller 2, 506. gewöhnlich aber in milderem sinne mit heiterem klange: der gt schlucker meinet, die glock wer jetzund schon halb gegossen. Wickram rollw. 75 Kurz; es waren aber etlich gte schlucker, die sich desz stegenreifs dazmal ernarten. 54; lieben gesellen, wölt ir darvon? nempt mich gtten schlucker auch mit. Lindener schwankb. 101 Lichtenstein; ihr meine schlampampische gute schlucker, kurtzweilige stall unnd tafelbrüder. Fischart Garg. 17a; der säuffer unnd guten schlucker pfingstag. 83a; o der guten schlucker: o der durstprünstigen kunden. 102a; darz die gten gulden rot, die hulfen dem gten schlucker ausz aller not. Uhland volksl.2 289; ach mein herr, seit mir nicht so resz! ich bin jo auch ein guter schlucker. H. Sachs fastn. sp. 3, 127, 97 neudruck; dann er ein gter schlucker ist, dem nimmer küler wein gebrist. Grobian. 49 neudruck; sprich, gter schlucker der ist hausz. 1837; ich bin der gott Bacchus genannt, den guten schluckern wohlbekannt. wunderhorn 1, 482 Boxberger; der guten schlucker, fressig hauff, ein lehr wil ich euch geben. Kirchhof wendunm. 1, 236 Österley; und schmeckt ihm weder bier noch wein wenns schon vermenget wern mit zucker, er hab denn bei sîch gute schlucker. Pape Christiani hominis sors et fortuna (1617) 4a. in gleichem sinne durstiger schlucker: auff das ihm die durstige schlucker nicht drein fülen. Fischart Garg. 55b. ehrlicher schlucker: in Cölnerhoff seind ehrlich schlucker, die Weiszen Schmidtmar Welserischen. Schmelzl lobspruch 88. lieber schlucker: mein lieber schlucker dasselb thu. H. Sachs 2 (1570), 4, 82c. mit völlig verblaszter bedeutung: er ist ein guter schlucker, satis tractabilis est Stieler 1831. leicht erhält die verbindung guter schlucker dann einen mitleidig - verächtlichen nebensinn: es scheinet die guten schlucker können keine als die letzte (komödie). A. Gryphius 1, 727; hahaha! guter schlucker, mit spek fangt man mäuse. Schiller räuber 2, 3 schausp. seltener sind die fälle, in denen zugleich ein zusammenhang mit der ursprünglichen bedeutung von schlucker fühlbar wird, indem sich mit dem jüngeren begriff des wortes die vorstellung eines begehrlichen menschen verbindet: Eurylas sasz in seiner grandezze und asz quitten; der gute schlucker gegenüber verwandte kein auge von ihm, und hatte gröszere lust als eine schwangere frau. Weise erzn. 121 neudruck (dieselbe person wird kurz vorher ein vernaschter kerl und etwas weiter unten ein armer schlucker genannt); wenn er, der henker weisz was als? gelösz't hat, schmekts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben. Schiller kab. u. liebe 1, 1; so reiszt hernach das starcke bier tisch, bäncke, krug und ofen nieder, und schreyt: auf! bruder, auf! ein weib, ein reiches weib bringt alles wieder. verspitzt' euch nur ihr guten schlucker! wir sind nicht eben alle tumm. Günther 433; der gute schlucker suchte hier ein pflaster für den leeren magen. Lichtwer (1828) 12. in entsprechender weise verläuft die bedeutungsentwicklung bei der wendung armer schlucker. die ursprüngliche bedeutung (nach 1 hinweisend) eines menschen, der gierig auf speise und trank ist, ist in neuerer sprache völlig verblichen, während sie im älteren gebrauche der verbindung aufgewiesen werden kann; so z. b. in der oben erwähnten stelle aus Weise: da war der arme schlucker so geitzig, als wolte ihm iemand die quitten nehmen, und steckte sie auf einen bissen in das maul. erzn. 121 neudr.; noch Campe bezeichnet mit armer schlucker einen, der aus not alles schluckt, was er bekommt, seinen hunger an fremden tischen zu stillen sucht. verblassend, einen öconomisch bedrängten, in der socialen ordnung niedrig stehenden bezeichnend: armer schlucker, paupertinus, capite census, perpauper .. alias hungerleider Stieler [Bd. 15, Sp. 805] 1831; ein armer schlucker, homo miser Steinbach 2, 453, vgl. Frisch 2, 202a; in diesem sinne wird die verbindung bald mit gutmütig-humoristischem, bald mit mitleidigem, bald mit verächtlichem klange gebraucht: o heiliger herr sanct Nicolae, bescher mir armen schlucker ... ein hundert goldgülden. Kirchhof wendunm. 1, 132 Österley (ein landsknecht betet); aus den stärksten karakterzügen eines abgeschmackten pedanten, eines sofistischen taschenspielers, eines armen schluckers, ein zerrbild zusammenzusetzen. Wieland 33, 115; dieser unverschämte bube, der gegen seine obern so geschmeidig, so kriechend ist, glaubt einem armen schlucker, wie ich bin, ungestraft ein bein unterschlagen zu können. Schiller paras. 1, 2; da er mich nach meinem aufzug für einen armen schlucker halten mochte. Göthe 25, 352; zwei bürgerliche arme schlucker. Mörike Nolten3 1, 207; die reformierten landgeistlichen der Schweiz waren keine armen, demütigen schlucker, wie ihre amtsbrüder im protestantischen norden. Keller werke 1, 15; ich lauff da her üeber das feit, den winter kalt ich hab kain gelt, wo solt ich armer schluecker naus den after winter halten haus. H. Sachs fastn. sp. 5, 84 neudruck; ausz dem groszen satzungs-buche, plündert mancher mehr die leute als vielleicht ein armer schlucker, ausz dem pusche fischet beute. Logau 3, 31, 47; ach! Adlerkant! du armer schlucker, du! Göckingk (1781) 2, 222. guter armer schlucker: als der rund napff vor dem domm zu Speir welchen man zu jedes bischoffs eintritt mit wein füllet, und gute arme schlucker sich redlich darum rauffen läszt. Fischart Garg. 237b. indem die bedeutung von schlucker mehr und mehr verblaszt, wird die anwendung von armer schlucker eine freiere und kann die beziehung auf öconomische notlage, niederen stand völlig verlieren; so ganz allgemein als ausdruck eines überlegenen mitleides z. b. bei geistigen mängeln: der arme schlucker! er kann seine rolle nicht lernen; Spiegelberg im gefühl seiner überlegenheit zu seinen gesellen: seht arme schluker! auch so weit mus man hinausdenken. Schiller räub. 1, 2 schauspiel; von dem liebhaber, den das mädchen im korb heraufzieht und in der luft hängen läszt: der arme schlucker schwebte zwischen himmel und erde (gleich darauf: den halb erfrornen schlucker). Fr. Müller 1, 313; gegen ihn bin ich nur ein armer schlucker (im schieszen). Göthe 8, 170. mit beziehung auf die sinnliche bedeutung: wettermacher, armer schlucker! du bestehst auf deinem kopfe, wart', ich will dich lehren schlucken, dasz dich feuer reiszt im kropfe. Brentano ges. schr. 3, 110. in verbindung mit andern adjectiven: da geht er, der barmherzige schlucker. das maul ist grosz genug an ihm, aber wenn es dazu kömmt, dasz er das, was er glaubt, mit thaten beweisen soll, da zittert das alte weib. Lessing 1, 401; ja ich habe die römische geschichte gelesen, um bei der vergleichung recht lebhaft zu fühlen, was für ein armseliger schlucker ich bin. Göthe 16, 204; sie sind nun mal vernarrt in derlei dumpfe träumer, blöde schlucker. Grillparzer 6, 31; in der folgenden stelle scheint der von alters her dem worte zukommende begriff des begehrlichen wieder hervorzutreten: (einige mädchen) hatten nicht so viel besinnungskraft, den keckheiten unser jungen schlucker zu steuern, die sehr beschäftigt zu seyn schienen, alle die ängstlichen gebete, die dem himmel bestimmt waren, von den lippen der schönen bedrängten wegzufangen. Göthe 16, 35. in neuerer sprache auch ohne weiteren zusatz; für einen menschen von kümmerlicher öconomischer lage: die weideländer sind klüger als wir schlucker auf der heide. Möser patriot. phant. 1, 211; der arme studiosus der schlucker, der vor lauter hunger verse machte. Kotzebue dram. sp. 2, 325; im wortspiel: doch ich ward dort kein schlecker, sondern blieb ein schlucker. Rückert poet. werke 11, 379. verächtlicher: 'nun!' sprach der junker, .. 'laszt den schlucker laufen'. H. v. Kleist 4, 8 Hempel. auf persönliche armseligkeit bezogen: auch habe ich schon den 2ten theil von Riedels philos. bibl. dem schlucker juckt auch die haut. Lessing 12, 229; und sind einmal die edlen helden kalt, so kann man sich an schluckern wärmen. Göthe 56, 101. [Bd. 15, Sp. 806] 3) als name verschiedener vögel: caprimulgus europaeus, wol so genannt, weil er seiner beute, insecten, mit aufgesperrtem schnabel entgegenfliegt und sie so verschlingt Nemnich; pelecanus carbo, der wasserrabe, seerabe. ebenda (von seiner gefräszigkeit): disen nennend etliche ein wasserrappen, die Teutschen ein schaluchorn, als ein schlucker. Geszner - Heuszlin vogelbuch (1582) 46b; der seerabe oder schlucker mit seinem langen hakenschnabel, seiner schwarzen livree und dem gelben beutel am halse, ist ein gar widerlicher geselle. Hartwig leben des meeres (1857) 143. nach Nemnich auch als bezeichnung der tauchergans, mergus merganser. 4) als pflanzenname. a) polygonum bistorta (schweiz.) Pritzel-Jessen. b) nd. slucker, slunker, ehrenpreis, veronica triphyllos Schambach 196a. 5) landschaftlich in gleicher bedeutung wie DWB schlucken, m. (die bildung ist zu verstehen wie hopser, jauchzer u. ähnl.): ach deinen schlucker hast du einmal wieder. Ludwig (1891) 2, 156; schlucker, daneben schluckert, der schlucken Frischbier 2, 289b.
schlucker, n., s. DWB schluckerfasz.
schluckerchen, n., dim. zu schlucker, m.: da konnten wir armen schluckerchen nicht selten unsere bitteren thränen darüber vergieszen. Immermann Münchh. (1841) 2, 85.
schluckerei, f., gewöhnlich mit anlehnung an die spätere bedeutung von schlucken in übertragener bedeutung: pro egestate et indigentia vilitateque; etiam fastus sine re, supercilium, ... arrogans de se persuasio Stieler 1832.
schluckerfasz, n. das länglicht-runde gefäsz des mähers, in dem er den wetzstein und etwas wasser aufbewahrt Schmidt 192. Frischbier 2, 289b; s. oben schlockerfasz sp. 764 und schlotterfasz sp. 786. nachzutragen ist an der ersteren stelle, dasz auch schlocker, m. in diesem sinne in gebrauch ist, s. Schröer 288a; nd. slucker, n. Woeste 242a. | |