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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
riesel bis riesellaut (Bd. 14, Sp. 935 bis 936)
 
riesel, m.
riesel, f.
riesel, n.
rieselausschlag, m.
rieselbach, m.
rieselein, n.
rieselfeld, n.
rieselfluh, f.
rieselgeräusch, n.
rieselig, adj.
rieselicht, adj.
riesellaut, m.
rieseln, verb.
rieselquelle, f.
rieselraupe
rieselregen, m.
rieselschotter, m.
rieselung
rieselweisz, adj.
rieselwelle, f.
rieseme
riesen, verb.
riesen
riesenaar, m.
riesenadler, m.
riesenameise, f.
riesenanemone, f.
riesenanfang, m.
riesenarbeit, f.
riesenarm, m.
riesenart, f.
riesenast, m.
riesenaufwuchs, m.
riesenball, m.
riesenbar, adj.
riesenbarbe, f.
riesenbau, m.
riesenbautner, m.
riesenbekämpfer, m.
riesenberg, m.
riesenbett, m.
riesenbild, n.
riesenblume, f.
riesenbrand, m.
riesenbraut, f.
riesenbrust, f.
riesenbuchstabe, m.
riesencypresse, f.
riesenehre, f.
rieseneiche, f.
riesenelle, f.
riesenerdbeere, f.
riesenfall, m.
riesenfaulthier, n.
riesenfasz, n.
riesenfaust, f.
riesenfelsen, m.
riesenfeste, f.
riesenfettgans, f.
riesenfichte, f.
riesenfinger, m.
riesenfittich, m.
riesenfliege
riesenförmig, adj.
riesenfräulein, f.
riesengang, m.
riesengans, f.
riesengarde, f.
riesengebälk, n.
riesengebäude, n.
riesengebirge, n.
riesengeburt, f.
riesengedanke, m.
riesengeier, m.
riesengeist, m.
riesengeklüft, n.
riesengemälde, n.
riesengeschlecht, n.
riesengespenst, n.
riesengestalt, f.
riesengewalt, f.
riesengipfel, m.
riesenglied, n.
riesenglocke, f.
riesengrab, n.
riesengrosz, adj.
riesengrösze, f.
riesenhaft, adj.
riesenhaftigkeit, f.
riesenhalm, m.
riesenhammer, m.
riesenhand, f.
riesenhandschuh, m.
riesenharfe, f.
riesenhaupt, n.
riesenhaus, n.
riesenheer, n.
riesenheim
riesenheld, m.
riesenherz, n.
 riesel, m. das herunterfallende, abfallende, vgl. DWB rieseln. mhd. risel mit kurzem vocal, wie reime beweisen:

gnedig frau
ein susses meyen daw
zem bas in uwrm risel (: wisel).
Altswert 193, 20;

des tôdes hagel und sîn risel (: wisel).
Konr. v. Würzburg goldene schmiede 159.

daneben mit langem vocal mhd. rîsel (: gîsel Hugo v. Langenstein Martina 54, 16).
1) das vom himmel herabfallende, regen, hagel, thau: kalter regens rysel. minneburg bei Lexer 2, 459;

nu wachent gein des tages glast,
ê iuch begrîft sins rîsels mast,
daʒ er iuch iht benetze,
mit leide in jâmer setze. Kolm. handschr. 7, 106;

so dann den tod gott schickt in d'wellt,
hagel, risel, krieg und thüri,
die pestilenz mit ungehüri:
erst d'wellt drab nun verstopfter wirt.
Ruff Etter Heini 841.

übertragen:

min süeʒer morgentouwic risel
durchbrach des fluoches herten kisel.
Frauenlob, s. mhd. wb. 21, 727a;

ursprung der riszlen kommen aus den schneesternen. Paracelsus opera 2, 31c. riselen m., ros, pluye menue Schottel 1307. heute noch dialektisch: riesel, feiner regen, kleiner winterhagel Stalder 2, 275; der risel, hagel Hunziker 207; der risel, feiner regen, hagel, gefrorner schnee Seiler 239b.
2) im folgenden bedeutet risel den abfall:

so brachten sy irs gelingens solt,
beyde silbir unde golt,
irm abtgode yn synen trisel,
waʒ übir bleyb des schatzes risel,
daʒ teilten sy dan undir sich.
Kirchberg chron. Meckl. 638, 18.


3) übertragen auf die sommersprossen, die gleichsam wie hagelkörner auf den körper des menschen gefallen sind (vgl. unten

[Bd. 14, Sp. 936]
rieselraupe, die gesprenkelte, weiszgefleckte raupe). auch der lat. bezeichnung lenticula, kleine linse, liegt eine verwandte vorstellung zu grunde. interessant erklärt Stieler 1524: cum vero istae grandines minutae aliquo modo lentes referant, ideo rieseln metaphor. transvertur ad faciei lenticulas, ita ut adject. rieselicht (vgl. unten rieselig) exponatur lentiginosus et grandinosus. unde ein rieselicht gesicht, facies lentiginosa, riesel autem der, sit lentigo. das wort ist heute auf die dialekte beschränkt: rîsl, rissl m. die masern, ausschlag Lexer kärnt. wb. 209; ris'l, der frieselausschlag Hügel Wiener dial. 129a; rieselen oder roszmen, lentigo, rubra faciei macula. vocabularius rerum (1509) 9 (dazu rismet, lentiginosus ebenda); ein rüsel, rüsel am leib, lentigo. Dasyp. N 8b; ein loubfleck, des leybs risel, lentigo. loubfleckechtig, voll riszlen, lentiginosus. Calepinus 843; rieseln n. lens, laubflecken unter dem gesicht. Schottel 1386; der riesel, lentigo Stieler 1524; riesel, hin und her ausgefahrene flecke im gesichte, phacia (als vox non ubique usitata bezeichnet) Steinbach 2, 265; riesel, die flecken am leib, händen und angesicht. Frisch 2, 120a; je mehr flecke, mal und rieseln sie (die frauen in Biscaya) unterm angesicht haben, je ehrlicher und edler sie gehalten werden. Luther tischr. 433b; limonensafft macht das runtzlecht angesicht glatt, vertreibt die krätze und riseln am leib. Sebiz 281, die rüsel am leibe 427; werden auch als ein heimlich stück gelobt, riseln desz gesichts zu vertreiben. Forer fischb. 195b; (ein wasser) macht ein treffenlich schönes angesicht und erledigt das von den riselen oder laubflecken (vgl. theil 6, 295) und anderen masen. Thurneisser beschreib. influent. wirk. 40; riseln oder luneflecken am angesicht und der haut. von wassern 175; so auch jemand den rubinstein reibet an den haaren auff dem kopffe, so zeucht er die rieszlein oder schülfern an sich, als der magnet das eysen. Wittich bericht von bezoard. steinen 39. vgl. auch rieseme.
4) die in 3 erwähnte übertragung geht so weit, dasz riesel den träger von flecken bedeuten kann: riesel, gesprenkelte ziege Hunziker 207; in Basel gilt riesel als neckname für ein mädchen, das keine reine gesichtsfarbe hat.
 
 
riesel, f. (zum fem. riese, s. d.), ein gerüst, das holz von einem berge hinunter gleiten zu lassen. Adelung.
 
 
riesel, n. ein gewisses kohlenmasz im forstwesen einiger gegenden. Adelung. das risel, grobes sieb, art korb von bestimmter grösze zu kohlen. schon in einem Amberger act von 1385 kostet das risel kohlen 9 dn. Schm. 2, 148.
 
 
rieselausschlag, m. die masern, der rote friesel Schm. 2, 148. vgl. riesel 3.
 
 
rieselbach, m. ein rieselnder bach:

diese rosendornen
an gefrornen bornen,
wenn sie an rieselbächen
wieder in knospen steh'n,
dürft' ich dann sie brechen,
brechen, ach! für wen?
Platen 15b.


 
 
rieselein, n. ein kleiner riese, in spöttischer rede:

er (Deutschland) ist ein täppisches rieselein,
reiszt aus dem boden die eiche,
und schlägt euch (den neckenden nachbarskindern) damit den rücken wund
und die köpfe windelweiche.
H. Heine 17, 246.


 
 
rieselfeld, n. bezeichnung von feldern, die durch berieselung mit flüssigen abfuhrstoffen gedüngt werden.
 
 
rieselfluh, f. schweiz. durch lockere erde verbundenes steingeröll. Stalder 2, 229. vgl. DWB fluh theil 3, 1849 ff.
 
 
rieselgeräusch, n. das geräusch des rieselns:

dieses rieselgeräusch. welches dem quell enttönt,
dieses zittern des laubs, flüstert mein herz in ruh.
Hölty 103 Halm.


 
 
rieselig, rieselicht, adj.
1) mit rieseln, sommersprossen versehen (s. riesel 3): rieselig, lenticulosus Schottel 1386; rieselicht, lentiginosus, ein rieselicht gesicht, facies lentiginosa Stieler 1524; rieselicht, voll laubflecken, sommersprossen, gerüsselt Frisch 2, 120a.
2) sanft rieselnd: rieselicht bächlein Schottel 346b; rosilatio, rysleter kleiner regen Dief. 500c. nd. riselig, leicht herabrieselnd: de riselige boden Schambach 173b.
 
 
riesellaut, m. laut, den das rieseln hervorbringt:

in der linde süsz gedüfte,
in der tannen riesellaut.
Tieck novellenkr. 4, 51.