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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
klicker bis klieben (Bd. 11, Sp. 1160)
 

[Bd. 11, Sp. 1160]
 klicker, m. knippkugel, schnellkäulchen, schneller Rädlein 550b, Campe: kinderspiel .. mit döpfen (kreiseln) und auch mit klickern im alten druck des Renner 75 (mhd. trîbkugel 14864); die schwedische krieger haben mir meine schnellkugeln oder klicker genommen. Simpl. 1, 313. so nl. klikker, auch nrh. und am Rhein aufwärts bis ins Elsasz A. Stöber bei Fromm. 4, 8, wo glicker geschrieben ist, wie öfter: die granitwacken auf den Darmstädter feldern sind glicker, mit welchen die riesenkinder spielten. Lichtenberg 1, 292. klicker wird wie knippkugel gemeint sein, womit man klick, knipp macht (s. klick 1) durch fortschnippen mit den fingern, oder von dem klickenden klange bei ihrem zusammenstosz. aber das wort, das wol so alt ist als das spiel selbst, hat begreiflich viel wandelungen und ebenso viel umdeutungen erfahren, und es gilt die älteste form zu suchen; s. DWB knicker, DWB klinker, DWB klitscher, bes. klucker.
 
 
klickern, 1) gleich klicken maculare, kleckern, vergl. beklickern. 2) mit knippkugeln spielen Campe.
 
 
klickerspiel, n. kinderspiel mit klickern:

schäzt gold und silber wie der knab die bonen
im klickerspiel.
L. Ph. Hahn ged. 163.


 
 
klickerwerk, n. schmiererei, schlechte malerei. Brockes 2, 8
 
 
klicks, s. klick.
 
 
klickwerk, n. wie kleibwerk. Krünitz 40, 439.
 
 
klidderbuch, s. klitterbuch.
 
 
kliebe, s. klibe. zu klieben dagegen mhd. kliebe f. spalte MSH. 3, 229a.
 
 
kliebeisen, n. bei den böttichern, ein messer zum klieben des holzes, spaltklinge. Frisch 1, 523a. Adelung. s. klieber.
 
 
kliebelkleppel, m. bei kohlenbrennern, 'ein grosz stücke holz, vermittelst dessen, indem es von dem qvendel an immer weiter fort gerücket wird, das zündloch durch die daran gelegt gewesene scheite in den kohlenmeuler formiret wird', auch richtkliebel. öcon. lex. Lpz. 1731 sp. 1228. 1255; wiederholt bei Krünitz 40, 440 als kliebelklöppel, bei Campe als kliebenklöppel.
 
 
klieben , findere, spalten, aber mit abweichungen in form und bedeutung.
1) klieben spalten, starkformig.
a) mhd. klieben, praes. ich kliube, wir klieben, imp. kliup, praet. ich kloup, wir kluben, part. praet. gekloben. ahd. chlioban, alts. clioan (clôf, cluun), ags. cleófan, altn. kliufa, alle in der gleichen starken bildung. von der verwandtschaft s. DWB klauben I, c. d, vom grundbegriffe das. e, die bed. spalten kann nur eine zufällig auf dem platze gebliebene einzelne seite des grundbegriffes sein, wie dort und hier unter 3 klar wird. ähnlich verhält sich in der bed. ahd. scrufian findere zu screfôn incidere, nhd. schrefeln ritzen, kratzen, auch das spalten musz urspr. ein losarbeiten mit nägeln, zähnen gewesen sein.
b) im nhd. kommt aber die starke form und damit das ganze wort ällmälich ins gedränge. im 15. 16. jh. zeigt sichs noch wolerhalten:

ich wil das holz klieben und hawen.
H. Sachs 5, 230c;

die wimmer (knorren) musz man mit keiln klieben. 3, 3, 42c (1588);

solch stöck die lassen sich nicht kliebn,
thun ein starken holzhacker übn (anstrengen).
Ayrer singsp. 162a (3136, 28 K.).

im praet. sg. klob (wie schob):

und traf des helden schiff so grob,
das es sich halb vonander klob. Teuerd. 65, 32.

im part. praet. 'fissus gekloben' gemma Str. 1518 J 7a (aber nur 'findere spalten' das.). auch der besonders gefährdete plur. praet. ist noch gut vorhanden:

man schosz die heuser das sie kluben,
die stain hoch ab der ringsmaur stuben.
Soltau 2, 85 (v. j. 1521), vgl. klöber;

sie (die geschütze vor Hohenkrähen 1512) sungend, dasz die mauren klubend
und pett und pölster zum tach ausz stubend.
Uhland volksl. 472.

der imp. muszte gut nhd. kleub heiszen, mit alem. vocal klüb (lang ü): clübe das von einander. Scherz 216. diesz klübe kann aber auch schon zu 2 gehören. die bed. ist, wie die beispiele zeigen, sowol trans. als intr. (gleich sich klieben, findi), wie schon mhd. und wie bei spalten.
c) auch ein bildlicher gebrauch zieht sich aus der mhd. zeit zum nhd. herüber, vom brechen des herzens:

der knecht sprach, fraw, bedenkt euch basz,
und secht mir in meins herzen vasz ...
ir habt ze lang mirs ufgeschoben,
bis es mir vor laid ist cloben.
Rosenblüt der mann im garten. Hätzl. 290b.

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in Baiern noch jetzt das herz möcht sich einem klieben Schm. 2, 351. gleichfalls nach mhd. art für vernichten, vereiteln, wie trennen, spalten früher, in einem bair. lied von 1519 auf die judenaustreibung in Regensburg:

darinnen wöll wir loben
Maria die schöne meid,
am wagen hat sie geschoben (uns geholfen),
den judenwuecher kloben (gekloben).
Körners hist. volksl. 108.

vielleicht ist auch alt bairisch das kan i net kliebm, nicht bezwingen, leisten, es kommt überein mit nicht klein kriegen sp. 1093 (i, β).
d) seit dem 17. jh. aber musz es allmälich auszer gebrauch gekommen sein. Stieler 978 nennt zwar noch klieben findere, insecare, holz klieben, kliebung rima, es ist eine grosze kliebung; aber Schottel, Rädlein, Ludwig, Schmotther, Steinbach nennen es nicht mehr, erst der oberdeutsche Frisch 1, 523a wieder vom holzspalten mit keilen (dazu intr. aufklieben rimas agere, zerklieben diffindere). auch Adelung nennt wieder vollständig klieben, klob, gekloben, als mehr oberdeutsch, intr. das holz ist gekloben, hat sich gespalten, refl. sich klieben und trans. holz klieben. wie es aber die neuern schriftsteller nicht brauchen (die dichter sollten es doch hegen), scheint es auch im volke meist erloschen, in Leipzig z. b. ist es unbekannt, spalten hat seine stelle. dagegen lebt es im bair. gebiete noch, da wird das holz vom holzhacker gekloben, eine glocke, schüssel ist zerkloben hat einen spalt, ein geklobener zaun aus spalten in die man ausgewachsene baumstämme zerkloben hat, in waldungen. Schmeller 2, 351. ebenso östr., z. b. in Tirol, daher kliebholz, kliebhacke (auch kärnt.) zum holzspalten, wolkenklieber scherzhaft von dem hute der beamten, officiere Schöpf 324. daher bei einem Östreicher:

der hausknecht, der just scheite klob,
lief her mit seinem schlägel (er kliebt also mit dem keil).
Blumauer Aeneis 7, 63 (Lpz. 1803 3, 30).


e) als spuren des abgestorbenen starken zeitworts bleiben aber in der sprache kloben, kluft, s. auch kluppe, klub, kliebig. wol erhalten ist es übrigens im schwedischen (klyfva), bes. in den mundarten (s. Rietz s. v. kliova) und in Norwegen, Island.
2) schwache nebenformen.
a) klieben schwach behandelt:

und mit Zeus eignem keil
kliebt' ich die eich' ihm.
Voss Shaksp. 1, 91 (sturm 5, 1),

das ist aber nur persönliche willkür. doch auch für nl. klieven, spalten und sich spalten, wird jetzt kliefde, gekliefd angegeben (vgl. d), wie engl. cleave im praet. und part. cleft bildet, obwol part. cloven noch bekannt ist.
b) eine berechtigte nebenform ist kloben, nnd. klöven, das darum für sich aufzuführen ist; es wird aber seit dem verkommen von klieben damit vermischt, Ludwigs teutsch-engl. wb. z. b. stellt klöben spalten auf mit perf. ich hab es (das holz) gekloben. ähnliches bei kiesen sp. 697. so ist nd. in klöven das starke klieven untergegangen, wie dän. in klöve.
c) zu klieben selbst aber gehört eine form kleuben, bair. (kloibm, kluibm), östr. kloiben Loritza, bei Castelli gloibn, ausannda gloibn zerhacken, gloibzaich n. das werkzeug dazu, und zwar neben dem rechten klieben; vgl. schwäb. klüben klaffen Schmid 318. das ist nicht blosz sache der aussprache oder mundartlicher laune, denn es ist schon mhd. und älter bezeugt. so in dem geislerliede des 14. jh. bei Closener 86:

die erde bidemet, es klübent die steine (felsen),
ir herten herzen, ir süllent weinen.
Uhland volksl. 829.

und im 11. jh. in der genesis:

die zeni chliubint
daʒ (was) man in den munt sciubit. fundgr. 2, 79.
Diemer 110, 3.

also ein praes. mhd. kliuben, ahd. chliuban ohne brechung, wie liugen, stiuben Nib. 553, 2 in B, auch in subst. wie fleuge, ahd. fliugâ neben fliege, fliogâ (3, 1773). die seltsame erscheinung ist wie im bairischen so auch im alem. gebiete besonders heimisch, s. Weinhold alem. gramm. 64. 88. 327, vgl. J. Grimm u. fleuge.
d) aber auch von da Rheinabwärts: chlewbung fissura Dief. 237a, kleubin findere 236a, kleubunge, cleuvinghe fixura 237b, alles aus mrh. nrh. vocc. des 15. jh., aus Eltvill u. ä.; daran schlieszt sich endlich nl. kluiven, freilich in der bed. nagen, knaupeln, aber mit den formen von klieven, praet. kloof, part. gekloven (s. a). Schambach 103b gibt auch nd. kliuben spalten, klüft spaltet (vgl. sp. 437 unter c), ein restchen des nd. wortes.
e) begreiflich griff diese form dann auch über das praes., das ihr eigentlich allein zukommt, hinaus: wenn ers (der holzbauer das

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holz) gespaltet (gekleubet) hat, macht er holzhaufen. Docemius Comenius sprachenthür 529. so kärnt. giklüep(t), gikloip(t) neben gikloubn Lexer 160.
3) kleuben, kneipen.
a) diese form tritt aber auch in der bed. kneipen auf: vellico, ich pfetze, kleübe. Dasypod. 256b. mit alem. vocal beklüben vellicare Frisius 1351a, Maaler 56d (bildlich). so noch schweiz. klüben Stalder 2, 110. Tobler 110a, auch es chlübt mi im bûch inna ich habe bauchkneipen Tobler, ufchlüba wund kneipen 430b; bei Stalder auch bildlich für geizig sein, klüber geizhals, klüberlich knapp, spärlich. dasz es nichts als klieben ist, zeigt die starke form, part. kloba gekloben Tobler, sodasz es in der form völlig zum nl. kluiven stimmt. eigner weise fehlt dafür dort die angabe der bed. spalten, wie schon bei Frisius, Maaler, Dasypodius, vgl. 4, b und c.
b) diese bed. hat aber das ansehen hohen, ja höheren alters als 'spalten', nach der wahrscheinlichen grundbed. des arbeitens mit den klauen, fingern, s. 1, a; es berührt sich darin nahe mit klauben knaupeln (vgl.klüber geizhals mit klauber geizhals), wie in nl. kluiven beides in form und sinn völlig zusammenfällt, nicht anders in nd. klöven, md. kleuben (sp. 1021 d), nur dasz diese schwach sind, wie klauben. aber dieses selbst bestand auch in der bed. spalten, z. b. in einem md. voc. des 15. jh. geclubet fissus Dief. 237a, und schon mhd. (s. klauben I, c). dem liegt also wahrsch. mehr als vermischung und verwechselung zu grunde.
4) kleiben, kneipen, knaupeln, spalten.
a) auch schwäbisch besteht die bed. kneipen, aber in der form kleiben ('nicht klaiben') Schmid 316, man kleibt z. b. mit der zange das. 318; mit dem echten vocal heiszt es klîben und ist starkformig, part. gekliben:

dear Hänsle haet dGraetta in dseittan oft kliiba.
Frommann 4, 88, 13, aus dem 17. jh.


b) dasselbe alem. klîben heiszt aber auch knaupeln, gleichfalls stark, part. gekliben:

ich sprach zu dir, wo stat es gschriben?
du hettests usz dem Moise kliben (geklaubt),
dasselbe do din antwurt was.
Uz Eckstein richstag (kloster 8, 847).


c) und spalten, sodasz es alles vorige in sich vereinigt: diffindo, von einander klyben oder schitten. gemma Straszb. 1518 G 4c (Dief. 181b); im voc. inc. teut. d 6a cleiben vel spalten, findere, scindere, in einer andern ausg. cliben Dief. 236a; kleibunge fixura das. 237b, in stucken zerkleiben Fischart bien. 1588 251b; und also das erdrich aufspalt und klibt aus mangel des humors. Paracelsus 1589 4, 65, sicher ist so gut klîbt gemeint wie rîch. auch fränkisch, 15. jh.:

do wârt ir herter denn ein stein,
der cleipt (so in der hs.) von eisen sich enzwein.
Bartsch die erlösung s. 248,

als schlechte schreibung von kleubt ist es nicht wahrscheinlich, da die hs. euch u. dgl. schreibt; mhd. im Renner 5281 (s. die stelle unter keil sp. 446), obwol die abgedruckte hs. zuweilen auch nach md. art i für ie zeigt, z. b. 20468. 7823. aber auch im bair. gebiete, noch weit älter:

brestent die steine (beim jüngsten gericht) ...
si chlîbent sich enviereu.
Diemer 285, 16 (chliebent fundgr. 1, 198, 28).

wenn noch Stieler 978 kleiben, aufkleiben nennt, war es vielleicht auch thür., wie fränkisch, es scheint eben allgemein gewesen.
d) auch nd. und weiter, denn götting. kliwen spalten bei Schambach 103b ist zwar nach 'gekliwet holt' schwach, aber kliwere, kliwer f. splitter das., waldeckisch kliwwer, klibber f. scheit, splitte Curtze 477a. 476b, westerwäld. kliwwer f. mit kliwwern spalten Schmidt 80 (s. klibern) beruhen deutlich auf einem starken alts. klîan gleich klioan. ebenso weist engl. dial. clive spalten, cliver hackmesser Halliw. 256a auf ags. clîfan neben cleófan, von dem auch altengl. claef spaltete, clift spalt Stratm. 112. 111, schott. clivvie spalt zeugnis geben, wahrscheinlich auch ags. clifer klaue (sp. 1025). daher auch franz. cliver vom spalten der diamanten (vgl. DWB kasten 6 a. e.). also ein weiteres beispiel von gleichzeitiger ausprägung eines stammes in zwei ablautsreihen, wie schîben und schieben, vergl. J. Grimm gesch. d. spr. 852 und unter blei, auch hier sp. 1145. s. übrigens auch kneip, kneipen.
5) seltsam mit der geiseln klieben, mit der peitsche knallen. weisth. 2, 549 (vgl. DWB krachen 525), überrheinisch; vgl. allenfalls das eben so seltsame chlubon gemimus Graff 4, 547.