| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
klicker bis klieben (Bd. 11, Sp. 1160) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
klicker, m. klickern klickerspiel, n. klickerwerk, n. klicks klickwerk, n. klidderbuch kliebe kliebeisen, n. kliebelkleppel, m. klieben kliebenklöppel klieber, m. kliebhacke kliebholz kliebig kliebscheit, n. kliebung, f. klier kliesche kliese, f. kliff kliffen klige klihe klimm klimmen klimmen klimmer, adj. klimmer, m. klimmerer, m. klimmerin, f. klimmern klimmig klimmop klimop klimperei, f. klimperer, m. klimperkasten, m. klimperklein klimperlied, n. klimpern klimperwesen, n. klimpf klimpfen klimpse, f. klimse, f. klimsen klindt kling, interj. klingadler, m. klingapfel, m. klingbeutel klingbüchslein, n. klingdürre klinge, f. klinge, f. klingebändchen, n. klingebeutel klingeisen klingekunst, f. klingel, n. klingel, f. klingelbatzen, m. klingelbeutel klingebeutel klingelbrunn, m. klingeldraht, m. klingeleisen klingelerz, n. klingelflesch klingelfrau, f. klingelherr klingelkrämer klingelmann, m. klingelmöhre, f. klingeln klingelsack klingelschlag, m. klingelschlitten, m. klingelschnur, f. klingelstein, m. klingelsteinchen, n.? klingelstock klingelstöszer, m. klingeltag klingelthüre, f. klingelwerk, n. klingelzug, m. klingen klang, geklungen klingenbalierer, m. klingeneisen klingenfetzer, m. klingenfieber, n. klingenfresser, m. klingenhieb, m. klingenmöhre, f. klingenpfad klingenprobe, f. | [Bd. 11, Sp. 1160] schäzt gold und silber wie der knab die bonen 1) klieben spalten, starkformig. a) mhd. klieben, praes. ich kliube, wir klieben, imp. kliup, praet. ich kloup, wir kluben, part. praet. gekloben. ahd. chlioban, alts. clioan (clôf, cluun), ags. cleófan, altn. kliufa, alle in der gleichen starken bildung. von der verwandtschaft s. DWB klauben I, c. d, vom grundbegriffe das. e, die bed. spalten kann nur eine zufällig auf dem platze gebliebene einzelne seite des grundbegriffes sein, wie dort und hier unter 3 klar wird. ähnlich verhält sich in der bed. ahd. scrufian findere zu screfôn incidere, nhd. schrefeln ritzen, kratzen, auch das spalten musz urspr. ein losarbeiten mit nägeln, zähnen gewesen sein. b) im nhd. kommt aber die starke form und damit das ganze wort ällmälich ins gedränge. im 15. 16. jh. zeigt sichs noch wolerhalten: ich wil das holz klieben und hawen. die wimmer (knorren) musz man mit keiln klieben. 3, 3, 42c (1588); solch stöck die lassen sich nicht kliebn, und traf des helden schiff so grob, man schosz die heuser das sie kluben, sie (die geschütze vor Hohenkrähen 1512) sungend, dasz die mauren klubend c) auch ein bildlicher gebrauch zieht sich aus der mhd. zeit zum nhd. herüber, vom brechen des herzens: der knecht sprach, fraw, bedenkt euch basz, [Bd. 11, Sp. 1161] in Baiern noch jetzt das herz möcht sich einem klieben 2, 351. gleichfalls nach mhd. art für vernichten, vereiteln, wie trennen, spalten früher, in einem bair. lied von 1519 auf die judenaustreibung in Regensburg: darinnen wöll wir loben d) seit dem 17. jh. aber musz es allmälich auszer gebrauch gekommen sein. 978 nennt zwar noch klieben findere, insecare, holz klieben, kliebung rima, es ist eine grosze kliebung; aber Schottel, Rädlein, Ludwig, Schmotther, Steinbach nennen es nicht mehr, erst der oberdeutsche 1, 523a wieder vom holzspalten mit keilen (dazu intr. aufklieben rimas agere, zerklieben diffindere). auch Adelung nennt wieder vollständig klieben, klob, gekloben, als mehr oberdeutsch, intr. das holz ist gekloben, hat sich gespalten, refl. sich klieben und trans. holz klieben. wie es aber die neuern schriftsteller nicht brauchen (die dichter sollten es doch hegen), scheint es auch im volke meist erloschen, in Leipzig z. b. ist es unbekannt, spalten hat seine stelle. dagegen lebt es im bair. gebiete noch, da wird das holz vom holzhacker gekloben, eine glocke, schüssel ist zerkloben hat einen spalt, ein geklobener zaun aus spalten in die man ausgewachsene baumstämme zerkloben hat, in waldungen. 2, 351. ebenso östr., z. b. in Tirol, daher kliebholz, kliebhacke (auch kärnt.) zum holzspalten, wolkenklieber scherzhaft von dem hute der beamten, officiere 324. daher bei einem Östreicher: der hausknecht, der just scheite klob, e) als spuren des abgestorbenen starken zeitworts bleiben aber in der sprache kloben, kluft, s. auch kluppe, klub, kliebig. wol erhalten ist es übrigens im schwedischen (klyfva), bes. in den mundarten (s. Rietz s. v. kliova) und in Norwegen, Island. 2) schwache nebenformen. a) klieben schwach behandelt: und mit Zeus eignem keil b) eine berechtigte nebenform ist kloben, nnd. klöven, das darum für sich aufzuführen ist; es wird aber seit dem verkommen von klieben damit vermischt, Ludwigs teutsch-engl. wb. z. b. stellt klöben spalten auf mit perf. ich hab es (das holz) gekloben. ähnliches bei kiesen sp. 697. so ist nd. in klöven das starke klieven untergegangen, wie dän. in klöve. c) zu klieben selbst aber gehört eine form kleuben, bair. (kloibm, kluibm), östr. kloiben Loritza, bei Castelli gloibn, ausannda gloibn zerhacken, gloibzaich n. das werkzeug dazu, und zwar neben dem rechten klieben; vgl. schwäb. klüben klaffen 318. das ist nicht blosz sache der aussprache oder mundartlicher laune, denn es ist schon mhd. und älter bezeugt. so in dem geislerliede des 14. jh. bei 86: die erde bidemet, es klübent die steine (felsen), die zeni chliubint d) aber auch von da Rheinabwärts: chlewbung fissura 237a, kleubin findere 236a, kleubunge, cleuvinghe fixura 237b, alles aus mrh. nrh. vocc. des 15. jh., aus Eltvill u. ä.; daran schlieszt sich endlich nl. kluiven, freilich in der bed. nagen, knaupeln, aber mit den formen von klieven, praet. kloof, part. gekloven (s. a). 103b gibt auch nd. kliuben spalten, klüft spaltet (vgl. sp. 437 unter c), ein restchen des nd. wortes. e) begreiflich griff diese form dann auch über das praes., das ihr eigentlich allein zukommt, hinaus: wenn ers (der holzbauer das [Bd. 11, Sp. 1162] holz) gespaltet (gekleubet) hat, macht er holzhaufen. Comenius sprachenthür 529. so kärnt. giklüep(t), gikloip(t) neben gikloubn 160. 3) kleuben, kneipen. a) diese form tritt aber auch in der bed. kneipen auf: vellico, ich pfetze, kleübe. 256b. mit alem. vocal beklüben vellicare 1351a, 56d (bildlich). so noch schweiz. klüben 2, 110. 110a, auch es chlübt mi im bûch inna ich habe bauchkneipen Tobler, ufchlüba wund kneipen 430b; bei Stalder auch bildlich für geizig sein, klüber geizhals, klüberlich knapp, spärlich. dasz es nichts als klieben ist, zeigt die starke form, part. kloba gekloben Tobler, sodasz es in der form völlig zum nl. kluiven stimmt. eigner weise fehlt dafür dort die angabe der bed. spalten, wie schon bei Frisius, vgl. 4, b und c. b) diese bed. hat aber das ansehen hohen, ja höheren alters als 'spalten', nach der wahrscheinlichen grundbed. des arbeitens mit den klauen, fingern, s. 1, a; es berührt sich darin nahe mit klauben knaupeln (vgl.klüber geizhals mit klauber geizhals), wie in nl. kluiven beides in form und sinn völlig zusammenfällt, nicht anders in nd. klöven, md. kleuben (sp. 1021 d), nur dasz diese schwach sind, wie klauben. aber dieses selbst bestand auch in der bed. spalten, z. b. in einem md. voc. des 15. jh. geclubet fissus 237a, und schon mhd. (s. klauben I, c). dem liegt also wahrsch. mehr als vermischung und verwechselung zu grunde. 4) kleiben, kneipen, knaupeln, spalten. a) auch schwäbisch besteht die bed. kneipen, aber in der form kleiben ('nicht klaiben') 316, man kleibt z. b. mit der zange das. 318; mit dem echten vocal heiszt es klîben und ist starkformig, part. gekliben: dear Hänsle haet dGraetta in dseittan oft kliiba. b) dasselbe alem. klîben heiszt aber auch knaupeln, gleichfalls stark, part. gekliben: ich sprach zu dir, wo stat es gschriben? c) und spalten, sodasz es alles vorige in sich vereinigt: diffindo, von einander klyben oder schitten. gemma Straszb. 1518 G 4c ( 181b); im voc. inc. teut. d 6a cleiben vel spalten, findere, scindere, in einer andern ausg. cliben 236a; kleibunge fixura das. 237b, in stucken zerkleiben bien. 1588 251b; und also das erdrich aufspalt und klibt aus mangel des humors. 1589 4, 65, sicher ist so gut klîbt gemeint wie rîch. auch fränkisch, 15. jh.: do wârt ir herter denn ein stein, brestent die steine (beim jüngsten gericht) ... d) auch nd. und weiter, denn götting. kliwen spalten bei 103b ist zwar nach 'gekliwet holt' schwach, aber kliwere, kliwer f. splitter das., waldeckisch kliwwer, klibber f. scheit, splitte 477a. 476b, westerwäld. kliwwer f. mit kliwwern spalten 80 (s. klibern) beruhen deutlich auf einem starken alts. klîan gleich klioan. ebenso weist engl. dial. clive spalten, cliver hackmesser 256a auf ags. clîfan neben cleófan, von dem auch altengl. claef spaltete, clift spalt 112. 111, schott. clivvie spalt zeugnis geben, wahrscheinlich auch ags. clifer klaue (sp. 1025). daher auch franz. cliver vom spalten der diamanten (vgl. DWB kasten 6 a. e.). also ein weiteres beispiel von gleichzeitiger ausprägung eines stammes in zwei ablautsreihen, wie schîben und schieben, vergl. gesch. d. spr. 852 und unter blei, auch hier sp. 1145. s. übrigens auch kneip, kneipen. 5) seltsam mit der geiseln klieben, mit der peitsche knallen. weisth. 2, 549 (vgl. DWB krachen 525), überrheinisch; vgl. allenfalls das eben so seltsame chlubon gemimus 4, 547.
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