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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
grundherr bis grundhörig (Bd. 9, Sp. 825 bis 830)
 
grundherr, m.
grundherrlich, adj.
grundherrlichkeit, f.
grundherrschaft, f.;
grundherrschaftlich, adj.
grundherzig, adj.
grundherzlich, adj.
grundhobel, m.
grundholde, m.
grundholz, n.
grundhörig, adj.
grundhörigkeit, f.
gründicht, adj.
grundidee, f.
grundieren, vb.
grundieranstrich, m.
grundierfarbe, f.
grundierfirnisz, m.
grundiermaschine, f.
grundiermesser, n.
grundiersalz, n.
grundiertisch, m.
grundierung, f.
gründig, adj.
grundig, adj.
gründigkeit, f.
gründiglich
gründing
grundirrthum, m.
grundkapital, n.
grundkenntnis, f.
grundklotz, n.
grundkraft, f.
grundkraftlade, f.
grundlage, f.
grundlager, n.
grundlagerholz
grundlast, f.
grundlaster, n.
grundlaut, m.
grundlauter, m.
grundlautlich, adj.
grundleer, adj.
grundlegen, vb.
grundlegend, adj.
grundleger, m.
grundlegung, f.
grundlehre, f.
grundlehrsatz, m.
gründlein, n.
gründlich, adv.
grundlich, adv.
gründlichkeit, f.
gründling, m.
grundlinie, f.
grundlos, adj.
grundlose, f.
grundlosigkeit, f.
grundloth, n.
grundlüge, f.
grundmangel, m.
grundmann, m.
grundmasse, f.
grundmasz, n.
grundmäszig, adj.
grundmäszigkeit, f.
grundmaterie, f.
grundmauer, f.
grundmaxime, f.
grundmeinung, f.
grundmeister, m.
grundmesser, m.
grundmesserei, f.
grundmotiv, n.
grundmütig, adj.
grundner, m.
grundneigung, f.
grundnisz, f.
gründnisz, f.
grundobrigkeit, f.
grundobrigkeitlich, adj.
gründonnerstag, m.
gründonnerstägig, adj.
grundpfahl, m.
grundpfählung, f.
grundpfahlwerk, n.
grundpfeiler, m.
grundpfennig, m.
grundplatte, f.
grundplan, m.
grundplatz, m.
grundprincip, n.
grundproblem, n.
grundpunct, m.
grundquell, m.
grundquelle, f.
grundrebe, f.
grundrechnung, f.
grundrechnungsart, f.
grundrecht, n.

[Bd. 9, Sp. 825]
 grundherr, m. , der herr über grund und boden, landbesitzer; gr., dominus fundi, dominus proprietatis Henisch 1769; gr., dominus directus vel etiam dominus territorii Schottel 473; seit dem 14. jh. zu belegen.
1) gr. ist anders als grundbesitzer, grundeigenthümer u. s. w. seit alters juristischer begriff von bestimmter geltung; zunächst in weiterem sinne der (durch belehnung oder kauf) über grund und boden verfügungsberechtigte herr, der das land gegen abgaben und zins an bäuerliche hintersassen oder pächter zur bewirtschaftung gibt; über die rechtliche entwicklung der grundherrschaft vgl. R. Schröder rechtsgesch. 461 ff.: zu dem ersten ist eyn apt und eyn convent des egenannten cloisters eyn rechter gr. zu walt, waszer und weyde zu rechter eygenschafft (v. j. 1421) weisth. 1, 521; ist das der gruntherr desselbigen guets oder weingarten nit kaufen will in monatsfrist (16. jh.) österr. weisth. 5, 15; desselben hauss der erwirdig geistlich herr abbt Thoman ... rechtter gruntherr ist (v. j. 1417) urk. d. Benedict.-abtei zu d. Schotten 555 Hausrath; die gesworen des hoifs (haben) bekannt den ... abt ... vur einen gruinthern des hoifs zo Cl. ... ind allen sinen hoefsguedern aldae gelegen (Köln, v. j. 1504) publ. d. gesellsch. f. rhein. gesch. 20, 355; für einen hoffs- und grundthern weisth. 2, 477; welcher gr. siglmäszig ist, der mag umb sein aigen grundt und poden ... woll fertigen bair. lanndtordn. 26b; unterschieden vom 'burgherrn': ob dem gruntherrn sein recht wurd versessen, daz denn der purkherr sein recht hiet verloren, das wer paidenthalben ungevelligleichen Wiener weichbildrecht in: sitzungsber. d. Wien. akad., phil.-hist. 36, 102; auch der rechtsvertreter der grundherrn führt die bezeichnung gr.: ich (der amtmann), der ich an meines herren stat des aptes ... stifter und storer und auch gruntherre pin (v. j. 1350) urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 265 Hausrath; ähnlich: wenn das gut ... dem pharrer als ainen gruntherren vervallen ist öster. weisth. 6, 317.
a) als empfänger der zinsen: so mag ein jeder zinsher oder grunther umb sein jarzins pfenten zu sperren österr. weisth. 2, 6; wir (haben) auch von derselben gult ... gedint den geistlichen herren dacz den Schotten ..., die auch derselben gult recht gruntherren sint (v. j. 1344) urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 247 Hausrath; der gr. ... trieb ihn (den schenkwirt), als er die zinsen nicht zahlen konnte, aus dem schenkhause Grässe jägerbrevier 180.
b) als herr der auf seinem grunde angesiedelten hintersassen: als den grundtherrn von irn paursleuten, die auf den gütern leibrecht haben, vil ... beschwärung begegnen landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 43a; solhen anschlag solt eyn yeder gr. ... von seinen leudten und undersassen abnemen J. Unrest chron. austriac. 681; die gesatz, welche den grundtherrn und bauleiten, disen ihren gewalt und jenen ihr schuldigkeit auszzaigen v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 157; das verhältnisz, wo alle bewohner einer ganzen gegend einem grundherrn unterthänig ... sind Fr. Schlegel s. w. 11, 43; den rohen, soeben erst der erbuntertänigkeit entwachsenen bauern, die ihren grundherren noch voll grolles gegenüber standen Treitschke dtsche gesch. 1, 284; ein patriarchalisches verhältnis zwischen grundherrn und ackerbauern (kann) sich dabei nicht entwickeln hwb. d. staatswiss.3 1, 12; in formelhafter verbindung: grund- und lehenherr: der ... herr apt ... is daselbs ... ein gronther, lehnherr undt vogt weisth. 2, 295; zusammengezogen in grundlehenherr: der soll sein zwo theil desz grundtlehenherrn und die dritte theil des vogts 2, 75; öfter erb- und grundherr: dasz ein jeder seinem erb- und grundherrn vor fremden zu dienen angehalten werde acta publ. 5, 178; die zünfte ... behaupteten (im jahre 1686) ..., dasz sie die erb- und grundherren der stadt (Köln) wären allg. dtsche bibl., anh. zu 37-52, 619; wir ..., grund- und erbherr der rosenthalischen güter Hippel kreuz- u. querzüge 1, 413.
c) vielfach ist der gr. inhaber der territorialen (meist niederen) gerichtsbarkeit (patrimonialgericht): alss hohen gerichts- und grundtherrn (v. j. 1418) weisth. 1, 794; für

[Bd. 9, Sp. 826]
einen grundherrn und obersten gerichtsherren (v. j. 1576) 3, 769; als grund- und gerichtsherr befehle ich Holtei erz. schr. 35, 196; die jurisdiction und burgfreyheit hat ein jeder gr. eines landmannguts in Österreich Hohberg georg. cur. 1, 32; die freye unumschränkte gewalt eines grundherrens v. Fleming vollk. t. jäger 50; anders dagegen: (der vogt hat) umb all sachen über die holden zue gepieten und der gruntherr nit; der gruntherr soll allain seins diensts gewarten und nit mer (v. j. 1527) österr. weisth. 7, 86; vgl. weisth. 1, 521 v. j. 1421.
d) anders als bei grundbesitzer, -eigenthümer verbindet sich daher mit gr. die vorstellung des vornehmen (adligen) reichbegüterten landbesitzers: da ir (die geistlichen herren) euch yetzund grundtherren und rechte besitzer rhüment Sleidanus reden 103 Böhmer; aus erbberechtigten adlichen grundherren Treitschke dtsche gesch. 2, 353; das tagesleben des grundherrn ist ein wechsel von müsziggang und wilder aufregung G. Freytag ges. w. 17, 3;

... da der stolze grundherr
satt ward des festlands
Geibel w. 5, 211;

stehende verbindung ist groszer gr.: (der schlaf) flieht den groszen grundherrn Mommsen reden u. aufs. 171; die verdrängung des freien bauernstandes durch eine geringe zahl groszer grundherren Jhering geist d. röm. rechts 2, 156; die groszen grundherren und viehzüchter drauszen im 'campo' ... ähneln dem europäischen feudaladel auf den burgen E. v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas2 340; terminologisch in Baden: auch der ehemalige reichsadel (in Baden 'grundherren') behielt (i. j. 1806) ... das recht der autonomie Schröder rechtsgesch. 984 anm. 6; so ist auch der landesherr, der fürst gr., vgl. weisth. 3, 769 v. j. 1576 (s. oben); ir wissent, das keyser Carle euer rechter herr ist und wer seinen grundtherren widerstreyt, der thut wider got und billigkeyt hertzog Aymont (1535) a 6a; dasz der fürst und gr. kommen werde Stifter 4, 1, 278 S.; aber anders: die macht desjenigen fürsten würde ... am festesten gegründet seyn, der in seinem gebiet alleiniger gr. wäre v. Haller restaur. d. staatswiss. 3, 28.
e) neuere juristische terminologie spaltet den älteren und weiteren begriff gr. je nach seiner wirtschaftlichen oder seiner rechtlichen stellung in gutsherr und gr.: der gutsherr ... ist im eminenten sinne landwirt; die abhängigen bauern ... arbeiten ... im dienste und unter der leitung des gutsherrn. der gr. erhält von den bauern überwiegend rente (zins, pacht) Conrad staatswiss. hwb.4, ergänzungsbd. (1929) 449a; anders unterschieden: der ausdruck gr. betrifft 'das (mehr dem privatrecht angehörende) rechtsverhältnis des eigentümers des grund und bodens zu den auf ihm angesiedelten nutzungsberechtigten', gutsherr dagegen bezieht sich auf 'das obrigkeitliche verhältnis des gerichtsherrn (gutsherrn) zu seinen hintersassen' Bitter hwb. d. preusz. verwaltg. (1906) 1, 747b; der anschlusz an eine benachbarte schule erfolgt ... durch einen zwischen der gemeinde und dem schulpatron einerseits und dem grundherrn als vertreter der auf seinem grund und boden befindlichen bewohner andererseits abgeschlossenen vertrag schulordnung f. Preuszen v. 11. dez. 1845 § 57.
2) nicht selten später auch in schlichtem sinn wie 'grundeigenthümer', aber nur von ländlichem besitz: der tamhirz hat ein köstlich gehürn für gifft ... (das läszt er) auf der stätt zur dankbarkeyt ligen, das es der herr des grunds und bodens finden und nutzen mag; wird er aber vom grundherren verfolgt ..., verbirgt er sein gehirn Fischart 3, 243, 13 Hauffen;

das haus hält immer noch so hin,
nur schade, dasz ich nicht der grundherr davon bin
Stoppe Parnass (1735) 134;

da sich die dorfgemeinde einhellig verstanden ..., so ist selber (d. h. selbiger punct) auch in hinsicht des schloszinnhabers zu B. und der betreffenden gruntherrn ganz unpraejudicierlich gemeint österr. weisth. 3, 229 (v. j. 1801); so ist es auf dem lande das vorrecht des grundherrn, dasz er sage: hier soll meine wohnung stehen und nirgends anders Göthe 20, 96 W.;

[Bd. 9, Sp. 827]

(die vollen zweige der obstbäume,) die mit müh der grundherr stützt
M. Greif ged.5 111;

die ... pflanzennährstoffe sind ein schatz, den die natur ... in den schoosz der erde zum besten des grundherrn niedergelegt hat v. Schwerz ackerbau 194; vgl.grondhär 'grundeigentümer' lux. ma. 156a.
3) als bergmännischer terminus: gr. 'ist derjenige, welcher leiden musz, dasz der bergmann auf seinem felde muthen, schürffen und den gang entblösen darff. es ist aber ein unterscheid unter dem grundherren zu machen, nehmlich unter dem, der das bergregale selber hat und unter dem, auf dessen erbguthe oder feldern der gang entblöset wird' Minerophilus bergwercks lex. (1730) 315; gr. 'heist bey den bergwercken derjenige, bey dessen gute jederzeit der erbkux bleibet' Noel Chomel 4, 1389; so wohl bereits in älteren belegen zu fassen: grundtherr proprietarius Ph. Bech v. bergbau (1557) s 2a; es sol hinfürder ein jeder gr., vom adel, bürger oder bauer alsbald eine neue fundgrube oder massen bestetiget, seinen erbtheil im bestetigen zu fordern schuldig sein chursächs. bergordnung v. 4. xi. 1573 (1673) art. 72; zu verrichtung derer ertzhöllfuhren sind ... die grundherren ... gemeynet Schönberg berginform. (1693) 1, 53; vgl. Hoyer-Kreuter techn. wb. 1, 316.
4) auf gott übertragen: so wir bekennen, alles das wir haben, das haben wir von im (gott), darumb söllen wir es im wider zuschreiben als dem rechten grundherrn Luther 7, 253 W.; als einen machtschutz und grundherren, welcher alle ding träget und erhaltet Dannhauer catech. milch 5, 783;

und als sie dem grundherrn vom erdengebäu ...
... ein frommes loblied gesungen ...
Fr. Kind ged. 3, 243;

(gott) o groszer grundherr aller welt
A. v. Arnim w. 13, 254.


5) vereinzelt: stifter, grundt- oder bauherr fondatore, edificatore Hulsius dict. (1618) 2, 158b. —
 
 
-herrlich, adj., im 18. jh. von grundherr abgeleitet, 'dem grundherrn (s. o. 1) gehörig oder ihn betreffend': die absicht ... ist, ... die landesherrlichen (revenuen) von den grundherrlichen abzusondern allg. dtsche bibl., anh. zu 25-36, 2246; eine landesherrliche verwaltung ..., welche die bauern von der last der grundherrlichen hörigkeit befreite Sybel begründg. d. dtsch. reiches 1, 16; (er) war commissar der regulierung bäuerlicher und grundherrlicher verhältnisse geworden Gutzkow zaub. v. Rom 1, 118; die befreiung des bodens von den grundherrlichen lasten Treitschke hist. u. polit. aufs. 2, 296; in grundherrlichen gemeinden gab es nur grundherrliche mühlen Schröder rechtsgesch. 460 anm. 20; dem ... grundherrlichen adel (steht) ... die entsendung von vertretern in die gesetzgebenden körperschaften zu v. Alten 1, 109; aus der engen sphäre grundherrlichen und patrizischen daseins Meinecke weltbürgert. u. nationalstaat 216; seine grundherrliche theorie Schröder rechtsgesch. 480 anm. 36; statt des alten kraftvollen ... hausväterlichen oder grundherrlichen sprachgebrauchs v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, 214; im terminologischen gegensatz zu gutsherrlich (vgl. grundherr 1 e): die umwandlung des grundherrlichen in ein gutsherrliches verhältnis Conrad hwb. d. staatswiss.4, erg.-bd. (1929) 442a. —
 
 
-herrlichkeit, f. (vgl. grundherrschaft 1): gr., 'im mittleren lat. fundalitas' Adelung (1775) 2, 829; alle autorität entspringt ... aus dem besitz, wie ... im einzelnen familienbande der gr. Görres ges. schr. 4, 257; (leute), die mir wegen dem verhältnisse der gr. unterthan sind Stifter s. w. 3, 216; die behauptung, ..., dasz gr. und tyrannei identische begriffe seien Bismarck pol. reden 1, 148; ein gutsbesitzer ... besasz vielleicht in einer ganzen anzahl von dörfern die gr. über nur eine oder einige wenige zins- und sonst pflichtige hufen Conrad hwb. d. staatswiss.3 1, 42.
 
 
grundherrschaft, f.; gr., dominium directum vel proprietatis Schottel 380; gr., patronanza, signoria territoriale Kramer teutsch-ital. 1, 573c; das wort ist mit dem 16. jh. zu belegen (s. u. 2).

[Bd. 9, Sp. 828]

1) jung (s. o. und Adelung [1775] 2, 829) ist die abstracte verwendung (vgl. DWB herrschaft 2 th. 4, 2, 1152) im sinne 'die institution des herrschaftsrechtes über grund und boden', wobei die verschiedenartige wirtschaftliche und rechtliche stellung des grundherrn (s. o. sp. 826) in betracht zu ziehen ist; über die entwicklung und die arten der gr. vgl. G. Aubin 'gr. und gutsherrschaft' in: relig. in gesch. u. gegenw. 2 (1928), 1503 ff.; aus dem rein persönlichen mundium entwickelte sich ... eine die person ergreifende gr. Schwappach hb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 12; schon herzog Ludwig hatte in den bezirken seiner gr. landrichter gesetzt Zschokke s. ausg. schr. 30, 357; die gr. über alle bestandtheile des reiches gebührt niemand als der nation J. v. Müller s. w. 9, 113; in volkswirtschaftlicher hinsicht unterscheidet man rentengr. und betriebsgr. (s. o. grundherr sp. 825) Aubin a. a. o. 1505, letztere berührt sich mit dem begriff der gutsherrschaft: an die stelle der mit spärlichem eigenbetrieb verbundenen grundherrschaften trat die gutsherrschaft Schröder rechtsgesch. 881; altdeutschland war das gebiet der gr., das koloniale das der gutsherrschaft Conrad hwb. d. staatswiss., erg.-bd. (1929) 449a.
2) bis in das frühe 16. jh., vermutlich noch ins 15., reicht gr. zurück in der concreten bedeutung (vgl. DWB herrschaft 4), in der regel collectiv 'die die herrschaft über grund und boden besitzenden und ausübenden personen oder körperschaften'; ältere sprache verwendet dafür neben grundherr das simplex herrschaft vgl. österr. weisth. 5, 16 v. j. 1381; so soll ... unserm gotshausz als gruntherschafft unser straff gegen demselben verbrecher hiemit auch unbenommen sein (v. j. 1529) v. Lori sammlg. d. baier. bergrechts 189; mit vorwissen und willen bemelter gruntherrschaft zu st. Görgen (v. j. 1534) österr. weisth. 2, 163; erstlich hat kein obrigkeit noch landgericht auszer der gruntherrschaft mit fueg in dise dörfer zu greifen (v. j. 1597) 10, 168; damit aber unter den landgerichten und grundherrschaften keine irrung sich ereignen möchte Hohberg georg. cur. 1, 34; jeder hauswirth (soll) ... einem ... gestrengen rath der königlichen haupt- und residenzstadt Breslau als gr. dieses orthes ... allen unterthänigen gehorsam leisten cod. dipl. Siles. 4, 125; das recht des bierbrauens übte in der regel die gr. Raumer gesch. d. Hohenst. 5, 373; auch eine strasze wurde von der gr. über die heide gebaut Stifter s. w. 1, 187; fällt dem bauer ein stück vieh, so musz die gr. es ersetzen Moltke ges. schr. 2, 152; in zwillingsformeln: one bewilligung der grunt- oder lehensherrschaft (16. jh.) österr. weisth. 5, 664; der innere theil des thales, dessen grund- und gerichtsherrschaft einst das stift Sonnenburg gewesen Steub drei sommer in Tirol 2, 379; gehorsam war früher der unterthan seiner grund- und gutsherrschaft schuldig gewesen Meinecke gener. v. Boyen 2, 259; personell gewendet: die gr. ist der herr von Zorn Nicolai reise d. Dtschld. 3, 18; wenn das die frau Cölestine wüszte ...; und meints noch so gut zu dir, die gnädige gr. Holtei erz. schr. 17, 152; i bewahre, ... unsere gr. ist das gnädige fräulein Sybilla da drauszen Eichendorf s. w. 3, 446 f.
3) weniger häufig im territorialen sinne 'der bereich, bezirk einer gr.' (vgl. DWB herrschaft 3): auf diese weise zerfiel jede gröszere gr. in eine anzahl hufenmäszig, nicht räumlich geschlossener meiereibezirke Conrad hwb. d. staatswiss.4, erg.-bd. (1929) 438b; (es) wurde ... hanf und flachs versponnen, ... in den klöstern wie auf den ... grundherrschaften Doren Florentiner wolltuchindustr. 13; hier, sagte er, ... hört meine gr. auf Holtei erz. schr. 2, 242. —
 
 
-herrschaftlich, adj., zum vorigen gebildet: in den grundherrschaftlichen marken ernannte sie (die forstbeamten) ... der grundherr allein Schwappach forst- u. jagdgesch. 1, 251; umgestaltung des grundherrschaftlichen groszbesitzes hwb. d. staatswiss.2 4, 830; (v. Haller,) der ... so beharrlich an der erdscholle des grundherrschaftlichen kleinstaates haftete Meinecke weltb. u. nat.-st. 221. —
 
 
-herzig, adj., zu grund I E 1 (vgl. sp. 677 ff.) aus formeln wie von herzens grund, aus grund des herzens gebildet; 'aufrichtig': und bey den füszen ihres herren

[Bd. 9, Sp. 829]
gemahls mit flehentlicher stimm umb gütliche nachlasz gebetten, bekennt grundhertzig, dasz sie sich ... versündiget Abraham a s. Clara pack pack (1687) 21; noch mundartlich: grundhertig 'der seines herzens grund sagt' Woeste-Nörr. 86b; anders gr. als gesteigertes herzig (vgl. th. 4, 2, 1249), s. comp.-typ. 1 a: wir wollen ... hören, was gutes der fromme und grundhertzige gott denen zusag und versprech Dannhauer catechismusmilch 1, 336. —
 
 
-herzlich, adj., älternhd. wie das vorige gebildet; 'aufrichtig, wahr'; mit gesteigertem herzlich verrinnend:

wol dem, der hat ein treuen freund
in grundhertzlicher treu verzeunt
Hans Sachs 19, 104 K.-G.;

dasz er dasselb nach der hand ernstlich widerruffen und mit grundhertzlichem bereuen beklagt hab Fischart binenkorb (1588) 169a; meiner unermessigen gunst, so ich E. L. grundhertzlich trage, genug thun Amadis 6 (1572) 501, nhd. vereinzelt adverbial: als wir ... den ersten eindruck empfangen hatten, ... war einem erst so gr. wohl H. Allmers röm. schlendertage 12.
 
 
grundhobel, m. 'gr., wird bey den tischern (tischlern) gebraucht, wenn in der mitte des holtzes etwas tief gestoszen oder gegründet wird' Noel Chomel 4, 1389 (vgl. DWB gründen sp. 795); dischlerzeug von langen höblen, fausthoblen ... grund- und nuethöbel (v. j. 1629) nach Fischer schwäb. 3, 877, vgl. J. Hübner cur. lex. (1714) 716; zum ebnen des grundes ausgesparter vertiefungen ... dient der gr. Lueger lex. 5, 173; grondhuwel lux. ma. 156a.
 
 
grundholde, m., 'höriger, der durch belehnung mit grund und boden dem grundherrn abgabenpflichtig ist'; in älterer zeit als holde, im 15. jh. als gr. bezeichnet (vgl. th. 4, 2, 1736 u. Schmeller-Fr. 1, 1090): item, das wir gruntholden und vogtholden haben recht holz zu gewinnen (2. hälfte d. 15. jh.) österr. weisth. 7, 21; auch so ein jeder zehent oder ein gruntholt der herrschaft Khranichberg zuegehört, der selbig soll ... (16. jh.) 6, 149; welicher wär ein grundhold und wolt sich verrer anvogten (v. j. 1499) 7, 236; (sie) sein dem, auf des gründten sie wohnen ... mit aller obrigkeit, wie ander seine grundtholden unterworfen (v. j. 1559) bei Haltaus gloss. germ. 757; die meisten (bauern) aber hatten ihre güter als erblehen ... von einem grundherrn, dem sie als grundholden eine 'gült' in geld oder naturalien ... zu leisten hatten Schröder rechtsgesch. 886; (man) unterschied ... den güterfall des grundholden und den leibfall des leibeigenen ebda; die besitzer der güter können grundholden, aber keine unterthanen haben K. v. Eckartshausen d. prinz (1789) 165; wenn früher ein erbherr ... das gemeindewesen seiner grundholden überwachte Schücking eisenbahnf. d. Westf. 79; zwischen den edelherren und ihren unterthanen und grundholden stehen ... ihre beamten in der mitte Görres ges. schr. 6, 71; (sie) nannten sie spottweise ihre unterthanen und grundholden Auerbach dorfgesch. 1, 43; der meier, zumeist ein grundholder wie die andern bauern, erhob ... die zinse Conrad hwb. d. staatswiss.4, erg.-bd. (1929) 438b; anscheinend im 18. jh. auch der umgangssprache noch geläufig vgl. grundhold 'grundunterthan' Zaupser bair. u. oberpfälz. idiot. (1789) 33; über die rechtliche stellung der gr.-n vgl. grundhörig.
 
 
grundholz, n. 1) zu grund I A (vgl. comp.-typ. 5 a) in verschiedener bedeutung; als 'holz auf dem grunde eines wasserwerkes' (wassermühle, walkerei etc.) vgl. grundbalken, grundbaum: meister Proffioin van dem kumphuys umb blocker ind die zu sniden ind zu legen ze dageloin ind gruntholzer macht 56 m. 7 s. (v. j. 1385) Laurent Aach. stadtrechn. 337; gr., ligna submersa Steinbach (1734) 1, 779; anders: gr., 'ein stück eichenholz, welches in einem wasserkasten bey brunnenkünsten eingesetzt ... wird' Jacobsson 2, 164a; Mothes baulex. 2, 541. 2) zu grund II A 1 'am boden liegendes trockenes abfallholz': und seie niemand erlaubet, ... heimlich holz zu schlagen ... und unter dem vorwanth aufgesuchten grundholz frisches abzustocken (c. 1760) österr. weisth. 8, 297. 3) mehrfach in technischer verwendung mit grund IV A (vgl. comp.-

[Bd. 9, Sp. 830]
typ. 5 h) zusammengesetzt; 'fundamentholz eines hauses' (vgl. grundbalken): 27-28 pedes longi pro 123 wantrueden, pro 3 lignis vulgo grunthölzer (als baumaterial; v. j. 1550) quell. z. gesch. d. stadt Kronstadt 3, 582; also möchte man ... sagen, dasz das allgemeine menschenhausz ... zu boden gehen werde, da man auch die allerunentbehrlichst-principialste grundhöltzer ... wegrisse jesuiter rathsstube (1684) 43; Christus (hat) den ... gemeinen namen aller menschen auf einen stein geschrieben, nemlich auf dem fundament oder grundholtz seines werthen todes Ruysbroeck stiftshütte 3b; noch modern gr., groundtimber Hoyer-Kreuter techn. wb. 1, 317; bergmännisch grundschwelle (s. dort) ..., auch gr. ... ein bei der ... streckenzimmerung bei nicht fester ... sohle quer über letztere gelegtes holz Veith bergwb. 256; eine weinpresse bestehet aus dem grundlager, grundhöltzern, worauf der presztrog lieget allg. haushaltlex. (1749) 2, 582b; kielschwein, ein inwendig längs dem kiel (eines schiffes) liegendes holz, worauf der mast steht und das die grundhölzer bedeckt Voigt hwb. f. d. geschäftsführg. 2, 79; im bilde: der glaube als die tiefe und das grundholtz des creutzes Scheräus sprachenschule (1619) 174. 4) gr. name des faulbaumes, rhamnus frangula Nemnich wb. d. nat.-gesch. 213; gr. ist hier entstellung aus grindholz (s. sp. 374 u. comp.-typ. 5 m), vgl.krätzholz Pritzel-Jessen 330.
 
 
grundhörig, adj., mit dem vom grundherrn verliehenen boden rechtlich verbunden (s. u.): niederholz ... afterschlag ... (verblieben) den grundhörigen bauern Bernhardt gesch. d. waldeig. 1, 97; gr. kann der städtische plebejer ... überhaupt nicht gewesen sein Conrad hwb. d. staatswiss.3 1, 149; die inhaber der grundhörigen bauernhöfe Wimmer gesch. d. dtsch. bodens; substantiviert (vgl. grundholde): er ist für seine person unabhängig, nicht nur von allen seinen dienern und grundhörigen, sondern auch von benachbarten gleich freyen v. Haller rest. d. staatswiss. 2, 54; die grund- und schutzhörigen, in den quellen des früheren mittelalters gewöhnlich als 'zinsleute' (censuales) zusammengefaszt, zerfielen ... in verschiedene gruppen höheren und niederen standes Schröder rechtsgesch. 492; die grundhörigen waren durchweg gutsherrliche hintersassen und zwar derart mit ihrem gut verbunden (glebae adscripti), dasz es weder ihnen vom herrn ohne bestimmten gesetzlichen grund entzogen noch auch von ihnen ohne genehmigung des herrn geräumt werden durfte ebda 493. —