| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
grundherr bis grundhörig (Bd. 9, Sp. 825 bis 830) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
grundherr, m. grundherrlich, adj. grundherrlichkeit, f. grundherrschaft, f.; grundherrschaftlich, adj. grundherzig, adj. grundherzlich, adj. grundhobel, m. grundholde, m. grundholz, n. grundhörig, adj. grundhörigkeit, f. gründicht, adj. grundidee, f. grundieren, vb. grundieranstrich, m. grundierfarbe, f. grundierfirnisz, m. grundiermaschine, f. grundiermesser, n. grundiersalz, n. grundiertisch, m. grundierung, f. gründig, adj. grundig, adj. gründigkeit, f. gründiglich gründing grundirrthum, m. grundkapital, n. grundkenntnis, f. grundklotz, n. grundkraft, f. grundkraftlade, f. grundlage, f. grundlager, n. grundlagerholz grundlast, f. grundlaster, n. grundlaut, m. grundlauter, m. grundlautlich, adj. grundleer, adj. grundlegen, vb. grundlegend, adj. grundleger, m. grundlegung, f. grundlehre, f. grundlehrsatz, m. gründlein, n. gründlich, adv. grundlich, adv. gründlichkeit, f. gründling, m. grundlinie, f. grundlos, adj. grundlose, f. grundlosigkeit, f. grundloth, n. grundlüge, f. grundmangel, m. grundmann, m. grundmasse, f. grundmasz, n. grundmäszig, adj. grundmäszigkeit, f. grundmaterie, f. grundmauer, f. grundmaxime, f. grundmeinung, f. grundmeister, m. grundmesser, m. grundmesserei, f. grundmotiv, n. grundmütig, adj. grundner, m. grundneigung, f. grundnisz, f. gründnisz, f. grundobrigkeit, f. grundobrigkeitlich, adj. gründonnerstag, m. gründonnerstägig, adj. grundpfahl, m. grundpfählung, f. grundpfahlwerk, n. grundpfeiler, m. grundpfennig, m. grundplatte, f. grundplan, m. grundplatz, m. grundprincip, n. grundproblem, n. grundpunct, m. grundquell, m. grundquelle, f. grundrebe, f. grundrechnung, f. grundrechnungsart, f. grundrecht, n. | [Bd. 9, Sp. 825] 1) gr. ist anders als grundbesitzer, grundeigenthümer u. s. w. seit alters juristischer begriff von bestimmter geltung; zunächst in weiterem sinne der (durch belehnung oder kauf) über grund und boden verfügungsberechtigte herr, der das land gegen abgaben und zins an bäuerliche hintersassen oder pächter zur bewirtschaftung gibt; über die rechtliche entwicklung der grundherrschaft vgl. rechtsgesch. 461 ff.: zu dem ersten ist eyn apt und eyn convent des egenannten cloisters eyn rechter gr. zu walt, waszer und weyde zu rechter eygenschafft (v. j. 1421) weisth. 1, 521; ist das der gruntherr desselbigen guets oder weingarten nit kaufen will in monatsfrist (16. jh.) österr. weisth. 5, 15; desselben hauss der erwirdig geistlich herr abbt Thoman ... rechtter gruntherr ist (v. j. 1417) urk. d. Benedict.-abtei zu d. Schotten 555 Hausrath; die gesworen des hoifs (haben) bekannt den ... abt ... vur einen gruinthern des hoifs zo Cl. ... ind allen sinen hoefsguedern aldae gelegen (Köln, v. j. 1504) publ. d. gesellsch. f. rhein. gesch. 20, 355; für einen hoffs- und grundthern weisth. 2, 477; welcher gr. siglmäszig ist, der mag umb sein aigen grundt und poden ... woll fertigen bair. lanndtordn. 26b; unterschieden vom 'burgherrn': ob dem gruntherrn sein recht wurd versessen, daz denn der purkherr sein recht hiet verloren, das wer paidenthalben ungevelligleichen Wiener weichbildrecht in: sitzungsber. d. Wien. akad., phil.-hist. 36, 102; auch der rechtsvertreter der grundherrn führt die bezeichnung gr.: ich (der amtmann), der ich an meines herren stat des aptes ... stifter und storer und auch gruntherre pin (v. j. 1350) urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 265 Hausrath; ähnlich: wenn das gut ... dem pharrer als ainen gruntherren vervallen ist öster. weisth. 6, 317. a) als empfänger der zinsen: so mag ein jeder zinsher oder grunther umb sein jarzins pfenten zu sperren österr. weisth. 2, 6; wir (haben) auch von derselben gult ... gedint den geistlichen herren dacz den Schotten ..., die auch derselben gult recht gruntherren sint (v. j. 1344) urk. d. Bened.-abtei zu d. Schotten 247 Hausrath; der gr. ... trieb ihn (den schenkwirt), als er die zinsen nicht zahlen konnte, aus dem schenkhause jägerbrevier 180. b) als herr der auf seinem grunde angesiedelten hintersassen: als den grundtherrn von irn paursleuten, die auf den gütern leibrecht haben, vil ... beschwärung begegnen landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 43a; solhen anschlag solt eyn yeder gr. ... von seinen leudten und undersassen abnemen chron. austriac. 681; die gesatz, welche den grundtherrn und bauleiten, disen ihren gewalt und jenen ihr schuldigkeit auszzaigen v. ehrenkräntzel (1678) 157; das verhältnisz, wo alle bewohner einer ganzen gegend einem grundherrn unterthänig ... sind s. w. 11, 43; den rohen, soeben erst der erbuntertänigkeit entwachsenen bauern, die ihren grundherren noch voll grolles gegenüber standen dtsche gesch. 1, 284; ein patriarchalisches verhältnis zwischen grundherrn und ackerbauern (kann) sich dabei nicht entwickeln hwb. d. staatswiss.3 1, 12; in formelhafter verbindung: grund- und lehenherr: der ... herr apt ... is daselbs ... ein gronther, lehnherr undt vogt weisth. 2, 295; zusammengezogen in grundlehenherr: der soll sein zwo theil desz grundtlehenherrn und die dritte theil des vogts 2, 75; öfter erb- und grundherr: dasz ein jeder seinem erb- und grundherrn vor fremden zu dienen angehalten werde acta publ. 5, 178; die zünfte ... behaupteten (im jahre 1686) ..., dasz sie die erb- und grundherren der stadt (Köln) wären allg. dtsche bibl., anh. zu 37-52, 619; wir ..., grund- und erbherr der rosenthalischen güter kreuz- u. querzüge 1, 413. c) vielfach ist der gr. inhaber der territorialen (meist niederen) gerichtsbarkeit (patrimonialgericht): alss hohen gerichts- und grundtherrn (v. j. 1418) weisth. 1, 794; für [Bd. 9, Sp. 826] einen grundherrn und obersten gerichtsherren (v. j. 1576) 3, 769; als grund- und gerichtsherr befehle ich erz. schr. 35, 196; die jurisdiction und burgfreyheit hat ein jeder gr. eines landmannguts in Österreich georg. cur. 1, 32; die freye unumschränkte gewalt eines grundherrens v. vollk. t. jäger 50; anders dagegen: (der vogt hat) umb all sachen über die holden zue gepieten und der gruntherr nit; der gruntherr soll allain seins diensts gewarten und nit mer (v. j. 1527) österr. weisth. 7, 86; vgl. weisth. 1, 521 v. j. 1421. d) anders als bei grundbesitzer, -eigenthümer verbindet sich daher mit gr. die vorstellung des vornehmen (adligen) reichbegüterten landbesitzers: da ir (die geistlichen herren) euch yetzund grundtherren und rechte besitzer rhüment reden 103 Böhmer; aus erbberechtigten adlichen grundherren dtsche gesch. 2, 353; das tagesleben des grundherrn ist ein wechsel von müsziggang und wilder aufregung ges. w. 17, 3; ... da der stolze grundherr e) neuere juristische terminologie spaltet den älteren und weiteren begriff gr. je nach seiner wirtschaftlichen oder seiner rechtlichen stellung in gutsherr und gr.: der gutsherr ... ist im eminenten sinne landwirt; die abhängigen bauern ... arbeiten ... im dienste und unter der leitung des gutsherrn. der gr. erhält von den bauern überwiegend rente (zins, pacht) Conrad staatswiss. hwb.4, ergänzungsbd. (1929) 449a; anders unterschieden: der ausdruck gr. betrifft 'das (mehr dem privatrecht angehörende) rechtsverhältnis des eigentümers des grund und bodens zu den auf ihm angesiedelten nutzungsberechtigten', gutsherr dagegen bezieht sich auf 'das obrigkeitliche verhältnis des gerichtsherrn (gutsherrn) zu seinen hintersassen' hwb. d. preusz. verwaltg. (1906) 1, 747b; der anschlusz an eine benachbarte schule erfolgt ... durch einen zwischen der gemeinde und dem schulpatron einerseits und dem grundherrn als vertreter der auf seinem grund und boden befindlichen bewohner andererseits abgeschlossenen vertrag schulordnung f. Preuszen v. 11. dez. 1845 § 57. 2) nicht selten später auch in schlichtem sinn wie 'grundeigenthümer', aber nur von ländlichem besitz: der tamhirz hat ein köstlich gehürn für gifft ... (das läszt er) auf der stätt zur dankbarkeyt ligen, das es der herr des grunds und bodens finden und nutzen mag; wird er aber vom grundherren verfolgt ..., verbirgt er sein gehirn 3, 243, 13 Hauffen; das haus hält immer noch so hin, [Bd. 9, Sp. 827] (die vollen zweige der obstbäume,) die mit müh der grundherr stützt 3) als bergmännischer terminus: gr. 'ist derjenige, welcher leiden musz, dasz der bergmann auf seinem felde muthen, schürffen und den gang entblösen darff. es ist aber ein unterscheid unter dem grundherren zu machen, nehmlich unter dem, der das bergregale selber hat und unter dem, auf dessen erbguthe oder feldern der gang entblöset wird' bergwercks lex. (1730) 315; gr. 'heist bey den bergwercken derjenige, bey dessen gute jederzeit der erbkux bleibet' Noel Chomel 4, 1389; so wohl bereits in älteren belegen zu fassen: grundtherr proprietarius v. bergbau (1557) s 2a; es sol hinfürder ein jeder gr., vom adel, bürger oder bauer alsbald eine neue fundgrube oder massen bestetiget, seinen erbtheil im bestetigen zu fordern schuldig sein chursächs. bergordnung v. 4. xi. 1573 (1673) art. 72; zu verrichtung derer ertzhöllfuhren sind ... die grundherren ... gemeynet berginform. (1693) 1, 53; vgl. techn. wb. 1, 316. 4) auf gott übertragen: so wir bekennen, alles das wir haben, das haben wir von im (gott), darumb söllen wir es im wider zuschreiben als dem rechten grundherrn 7, 253 W.; als einen machtschutz und grundherren, welcher alle ding träget und erhaltet catech. milch 5, 783; und als sie dem grundherrn vom erdengebäu ... (gott) o groszer grundherr aller welt 5) vereinzelt: stifter, grundt- oder bauherr fondatore, edificatore dict. (1618) 2, 158b. — [Bd. 9, Sp. 828] 1) jung (s. o. und [1775] 2, 829) ist die abstracte verwendung (vgl. DWB herrschaft 2 th. 4, 2, 1152) im sinne 'die institution des herrschaftsrechtes über grund und boden', wobei die verschiedenartige wirtschaftliche und rechtliche stellung des grundherrn (s. o. sp. 826) in betracht zu ziehen ist; über die entwicklung und die arten der gr. vgl. G. Aubin 'gr. und gutsherrschaft' in: relig. in gesch. u. gegenw. 2 (1928), 1503 ff.; aus dem rein persönlichen mundium entwickelte sich ... eine die person ergreifende gr. hb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 12; schon herzog Ludwig hatte in den bezirken seiner gr. landrichter gesetzt s. ausg. schr. 30, 357; die gr. über alle bestandtheile des reiches gebührt niemand als der nation s. w. 9, 113; in volkswirtschaftlicher hinsicht unterscheidet man rentengr. und betriebsgr. (s. o. grundherr sp. 825) a. a. o. 1505, letztere berührt sich mit dem begriff der gutsherrschaft: an die stelle der mit spärlichem eigenbetrieb verbundenen grundherrschaften trat die gutsherrschaft rechtsgesch. 881; altdeutschland war das gebiet der gr., das koloniale das der gutsherrschaft hwb. d. staatswiss., erg.-bd. (1929) 449a. 2) bis in das frühe 16. jh., vermutlich noch ins 15., reicht gr. zurück in der concreten bedeutung (vgl. DWB herrschaft 4), in der regel collectiv 'die die herrschaft über grund und boden besitzenden und ausübenden personen oder körperschaften'; ältere sprache verwendet dafür neben grundherr das simplex herrschaft vgl. österr. weisth. 5, 16 v. j. 1381; so soll ... unserm gotshausz als gruntherschafft unser straff gegen demselben verbrecher hiemit auch unbenommen sein (v. j. 1529) v. sammlg. d. baier. bergrechts 189; mit vorwissen und willen bemelter gruntherrschaft zu st. Görgen (v. j. 1534) österr. weisth. 2, 163; erstlich hat kein obrigkeit noch landgericht auszer der gruntherrschaft mit fueg in dise dörfer zu greifen (v. j. 1597) 10, 168; damit aber unter den landgerichten und grundherrschaften keine irrung sich ereignen möchte georg. cur. 1, 34; jeder hauswirth (soll) ... einem ... gestrengen rath der königlichen haupt- und residenzstadt Breslau als gr. dieses orthes ... allen unterthänigen gehorsam leisten cod. dipl. Siles. 4, 125; das recht des bierbrauens übte in der regel die gr. gesch. d. Hohenst. 5, 373; auch eine strasze wurde von der gr. über die heide gebaut s. w. 1, 187; fällt dem bauer ein stück vieh, so musz die gr. es ersetzen ges. schr. 2, 152; in zwillingsformeln: one bewilligung der grunt- oder lehensherrschaft (16. jh.) österr. weisth. 5, 664; der innere theil des thales, dessen grund- und gerichtsherrschaft einst das stift Sonnenburg gewesen drei sommer in Tirol 2, 379; gehorsam war früher der unterthan seiner grund- und gutsherrschaft schuldig gewesen gener. v. Boyen 2, 259; personell gewendet: die gr. ist der herr von Zorn reise d. Dtschld. 3, 18; wenn das die frau Cölestine wüszte ...; und meints noch so gut zu dir, die gnädige gr. erz. schr. 17, 152; i bewahre, ... unsere gr. ist das gnädige fräulein Sybilla da drauszen s. w. 3, 446 f. 3) weniger häufig im territorialen sinne 'der bereich, bezirk einer gr.' (vgl. DWB herrschaft 3): auf diese weise zerfiel jede gröszere gr. in eine anzahl hufenmäszig, nicht räumlich geschlossener meiereibezirke Conrad hwb. d. staatswiss.4, erg.-bd. (1929) 438b; (es) wurde ... hanf und flachs versponnen, ... in den klöstern wie auf den ... grundherrschaften Florentiner wolltuchindustr. 13; hier, sagte er, ... hört meine gr. auf erz. schr. 2, 242. — [Bd. 9, Sp. 829] gemahls mit flehentlicher stimm umb gütliche nachlasz gebetten, bekennt grundhertzig, dasz sie sich ... versündiget pack pack (1687) 21; noch mundartlich: grundhertig 'der seines herzens grund sagt' 86b; anders gr. als gesteigertes herzig (vgl. th. 4, 2, 1249), s. comp.-typ. 1 a: wir wollen ... hören, was gutes der fromme und grundhertzige gott denen zusag und versprech catechismusmilch 1, 336. — wol dem, der hat ein treuen freund [Bd. 9, Sp. 830] typ. 5 h) zusammengesetzt; 'fundamentholz eines hauses' (vgl. grundbalken): 27-28 pedes longi pro 123 wantrueden, pro 3 lignis vulgo grunthölzer (als baumaterial; v. j. 1550) quell. z. gesch. d. stadt Kronstadt 3, 582; also möchte man ... sagen, dasz das allgemeine menschenhausz ... zu boden gehen werde, da man auch die allerunentbehrlichst-principialste grundhöltzer ... wegrisse jesuiter rathsstube (1684) 43; Christus (hat) den ... gemeinen namen aller menschen auf einen stein geschrieben, nemlich auf dem fundament oder grundholtz seines werthen todes Ruysbroeck stiftshütte 3b; noch modern gr., groundtimber techn. wb. 1, 317; bergmännisch grundschwelle (s. dort) ..., auch gr. ... ein bei der ... streckenzimmerung bei nicht fester ... sohle quer über letztere gelegtes holz bergwb. 256; eine weinpresse bestehet aus dem grundlager, grundhöltzern, worauf der presztrog lieget allg. haushaltlex. (1749) 2, 582b; kielschwein, ein inwendig längs dem kiel (eines schiffes) liegendes holz, worauf der mast steht und das die grundhölzer bedeckt hwb. f. d. geschäftsführg. 2, 79; im bilde: der glaube als die tiefe und das grundholtz des creutzes sprachenschule (1619) 174. 4) gr. name des faulbaumes, rhamnus frangula wb. d. nat.-gesch. 213; gr. ist hier entstellung aus grindholz (s. sp. 374 u. comp.-typ. 5 m), vgl.krätzholz 330.
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