grundfalsch, adj.grundfarbe, f.grundfärben, vb.grundfarbig, adj.grundfärbung, f.grundfehler, m.grundfehlerhaft, adj.grundfels, m.grundfertig, adj.grundfertigkeit, f.grundfest, adj.grundfeste, f.grundfesten, vb.grundfestigen, vb.grundfestigkeit, f.grundfestigung, f.grundfestlich, adj.grundfestnen, vb.grundfestung, f.grundfeuchte, f.grundfeuchtigkeit, f.grundfieber, n.grundfigur, f.grundfisch, m.grundfischerei, f.grundfläche, f.grundflächeninhalt, m.grundfohre, f.grundföhre, f.grundforderung, f.grundforelle, f.grundförinegrundform, f.grundformel, f.grundförnegrundfrage, f.grundfromm, adj.grundfusz, m.grundgebäude, n.grundgebirge, n.grundgebot, n.grundgebrechen, n.grundgedanke, m.grundgefühl, n.grundgehalt, m.grundgeheimnis, n.grundgeist, m.grundgeld, n.grundgelehrt, adj.grundgerecht, adj.grundgerechtigkeit, f.grundgerüst, n.grundgescheit, adj.grundgeschichte, f.grundgesetz, n.grundgesetzlich, adj.grundgestalt, f.grundgestaltung, f.grundgestell, n.grundgetreu, adj.grundgewalt, f.grundgewaltig, adj.grundgewebe, n.grundgewicht, n.grundglaube, m.grundglied, n.grundgraben, m.grundgraben, n.grundgräber, m.grundgrabung, f.grundgrube, f.grundgut, adj.grundgut, n.grundgüte, f.grundgutherzig, adj.grundgütig, adj.grundhaar, n.grundhaft, adj.grundhaftung, f.grundhaken, m.grundhalt, m.grundhältig, adj.grundhältigkeit, f.grundharmonie, f.grundharz, n.grundhäszlich, adj.grundheil, n.grundherr, m.grundherrlich, adj.grundherrlichkeit, f.grundherrschaft, f.;grundherrschaftlich, adj.grundherzig, adj.grundherzlich, adj.grundhobel, m.grundholde, m.grundholz, n.grundhörig, adj.grundhörigkeit, f.gründicht, adj. | grundfalsch, adj. (vgl. comp.-typ. 1 a), seit dem 17. jh. geläufig; 'völlig verkehrt, unrichtig' (s. DWB falsch 6, th. 3, 1292): (es) ist sich nit zu verwundern, dasz weil sie falsche ding annemmen ... endlich widerumb gantz grundfalsche ding herauszbringen D. Mögling mechan. kunstkammer (1629) 63; dasz aber diese beide brüder in der schlacht ... geblieben, ist gr. H. A. v. Ziegler hist. schaupl. u. labyrinth (1701) 135a; (die) gönnerin, die solche grundfalsche zeitung den herren zeitungsverfassern überschicket hat vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 192; es ist ... fatal in solchen grundfalschen maximen den theil des puklikums ... zu bestärken Göthe IV 17, 176 W.; ein satz, der gr. ist Fontane I 5, 75; mehr nach falsch 1 hin 'gänzlich unwahr': daraus erhellet wie gr. das vorgeben ist, als wenn ... Göthe IV 19, 270; die versicherung war buchstäblich wahr, der sache nach gr. Treitschke dtsche gesch. 4, 696; auch wie falsch 3 'verstellt, tückisch': ihre zungenfertigkeit (wurde) zu einem grundfalschen und verlogenen schmeichel- und verläumdungswesen G. Keller 4, 90; (der) tigerkopf ... hat bei schöner bildung grundfalsche ... katzenzüge Vischer auch einer 1, 238; mundartlich verwendet vgl. Hügel Wien. dial. 71; luxemb. ma. 156a.
grundfarbe, f. , vor dem 17. jh. nicht bezeugt; 1) von grund V A leiten sich mehrere bedeutungen her; die unterste farbschicht (vgl. grund V A 3 a), der erste anstrich: gr. zu einem gemählde auftragen Ludwig teutsch-engl. (1716) 818; grundfarb legen haphen, primum colorem inducere Aler dict. (1727) 1, 990a; gr. ... 'zum grundiren gebrauchte farbe' Müller-Mothes archäol. wb. 1, 494b; die rothen figuren (sind) nicht gemalt, sondern auf der rothen gr. der masse ... mit dem pinsel ausgespart fürst Pückler briefw. 2, 41; nachdem der stecken (der fahnen) mit der weiszen gr. bestrichen, ... wurde er mit einer spirallinie von der andern farbe umwunden G. Keller 3, 77; anders 'die farbe des grundes' (vgl. grund V A 6), von dem sich das gebild abhebt: bei dieser ... randzeichnung (der teppiche) ist das wechseln der grundfarben sehr anzuempfehlen Dillmont encycl. d. wbl. hdarb. 228; wieder anders, von grund V A 5 her zu verstehen: der schlafrock, dessen gr. vormals grün aussah, hatte ... die gestalt einer landkarte allg. dtsche bibl. 105, 128; gern nach grund V A 3 b als die hauptsächliche farbe eines gegenstandes, der auszerdem noch andere kleinere farbflecken oder tönungen aufweist: dieser ... marmel ... hat gleichsam zur gr. eine goldgläntzende röhte Zesen Assenat (1672) 209; ihre (der säulen) gr. war hochroht ... mit kleinen weiszen fleckern gespränckelt O. Dapper Africa (1671) 291a; dieser geier variiert ... in der gr. ganz auszerordentlich Naumann vögel 1, 164; die kelche (der felsenjohannisbeere) [Bd. 9, Sp. 799] sind ... in der gr. lichtgrün Schlechtendal flora v. Dtschl.5 22, 277; so öfter in bildlicher verwendung: (gesellige) freuden, die ... gleichsam die gr. des lebens machen Schiller br. 2, 10 J.; wenn ihr das schillernde licht ... zur gr. seines characters macht Thümmel reise 9, 242; weil die ganze gr. des thierepos ironisch ist Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 1, 145; falschheit bleibt doch immer die grundfarb (der männer) Nestroy ges. w. 2, 53. 2) dem comp.-typus 5 p entspricht gr. im sinne 'primäre farbe, cardinalfarbe': unter denen hauptfarben ist die weisze die vornehmste einfache gr., welche mit allen andern vermischet werden ... kann allg. haush. lex. (1749 ff.) 3, 708; gr., 'eine farbe, ... aus welcher andere farben bereitet werden, eine hauptfarbe' Krünitz 20, 280; Tobias Mayer hatte eben so recht, drei grundfarben ... anzunehmen, als sie durch mischungen bis zu 819 ... zu vervielfältigen Herder 24, 436 S.; man nehme im allgemeinen gelb, blau und roth als reine, als grundfarben ... an Göthe II 1, 223 W.; wir kennen nur zwei grundfarben, gelb und blau 5, 1, 154; der newtonische siebenfarbige schmutz, ... die siebenfache gesellschaft der grundfarben 4, 250; allgemeiner gefaszt als 'hauptsächliche farben': in unsern tagen sieht man bei solchen gelegenheiten nur zwei grundfarben, schwarz und weisz Hauff w. 1, 46; zum comp.-typ. 5 k stellt sich gr. in farbenchemischer hinsicht: pigmenthaltiger stoff, aus dem ein farbstoff hergestellt wird: gerbsäure und alle gerbsäurehaltigen substanzen werden ... verwendet als gr. für schwarz Muspratt 3, 62. —
-färben, vb., die unterste farbschicht aufstreichen: gr. far' il letto a colori Kramer teutsch-ital. 1, 573c. —
-farbig, adj., 'erdfarbig': ein rufolck (fisch) ... braunlecht oder grundtfärbig ist Heyden Plinius (1565) 344. —
-färbung, f. (vgl. grundfarbe 1): (die) grösze ..., gr. ... sind durchschnittlich ... dieselben (bei grau- und hausgans) Naumann vögel 11, 230; glänzende glasuren (geben) zu viel reflexe ... und (lassen) die gr. nicht mehr erkennen Muspratt 8, 838; bereits früher in mystischer sprache des 17. jh.s soviel wie 'urfärbung': die blinde, finstere frechheit der ersten materie und derselben abkehr von dem licht (ist) vermittelst derselben ersten gr. des lichts, welche widerwärtige dinge vergleichen kan, gebändigt ... worden Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 157.
grundfehler, m. (vgl. comp.-typ. 5 p β bzw. r), bei personen, als eigenschaft gedacht: (man sucht) ... den gr. allein in der ungeschicklichkeit des componisten Scheibe crit. musicus (1745) 1014; er hat seine fehler, aber nur einen gr. D. Fr. Strausz ges. schr. 3, xxix; (dieser) gr. nachlässiger schauspieler (schlechte aussprache) schr. d. Göthegesellsch. 6, 79; die generalbeichte ... giebt einen ... blick auf die gr. und laster einer person Rosegger III 10, 225; verstärkt: dasz ein solches ... wollen ... ein rechter grund- und erbfehler ... ist, ... das weisz jeder erzieher F. Schlegel 12, 121; dann fehler des handelns: auszerdem begeht er noch einen haupt- und gr. Göthe II 4, 169 W.; wo wir nicht irren, so liegt der gr. ... in der vermischung und verwechslung dieser beiden gesichtspunkte Moses Mendelssohn ges. schr. 4, 2, 533; mit unpersönlichem beziehungswort: einen gr. hat das singspiel Göthe 35, 9 W.; es rächte sich ... der gr. der politic des alterthums Mommsen röm. gesch. 2, 95; alle bemühungen ... um diese gr. (der wärmeverluste bei dampfmaschinen) zu heben blieben fruchtlos Karmarsch-Heeren 2, 556. —
-fehlerhaft, adj.: ein so grundfehlerhaftes gebäude Gervinus gesch. d. 19. jh.s 1, 289; das grundfehlerhafte ihrer (der concertveranstalter) unternehmungen R. Wagner ges. schr. u. dicht. 8, 143.
grundfels, m. 1) fels, der als fundament eines bauwerks dient: aber tzuvernemen den starcken grundtvelszen, darauf wir bawen mogen H. v. Cronberg schr. 44 ndr.; zerschlugst den gipfel vom hause des bösewichts; entblösztest dessen veste bis zum grundfelsen hinab Herder 12, 73 S.; sie (die burg) (nahm) damals den ganzen grundfelsen im [Bd. 9, Sp. 800] flusz ein mit starken mauern und türmen G. Keller 6, 98; so auch die tragende, unterste gesteinsschicht im gebirgsmassiv, das urgestein: B. ist der meinung, dasz die verschiedenen schichten ... einen allgemeinen gr. zur base haben Kant 1, 435 H.; und wenn es (dein herz) mit dem grundfelsen dieses gebirges umwachsen wäre Klinger w. 7, 140; ähnlich: sie (die korallen) ... sprossen ... hervor, so lang man nicht die ... grundfelsen wegschafft Oken allg. naturg. 5, 141; bildlich: man wird sie ... mit banden der wohlthätigkeit an den gr. des staates anzuschmieden suchen Sonnenfels ges. schr. 3, 308. 2) vereinzelt für 'fels auf dem meeresgrunde', bildlich: andere werden durch ire ... laster gleichsam als von eyner mörflute ab richtiger fart inn die grundfelsen und klippen der spilsucht ... verworfen Fischart 2, 287 H. —
-fertig, adj., bei Schottel so viel wie 'habituell, angeboren': die weltsweisheit in gemein ist in unserem gemüthe ein grundfertiges vermögen ethica (1669) 6; modern wie comp.-typ. 1 a 'völlig fertig': das junge paar (ist) illusionslos, kalt, gr., hart, sicher A. Kerr ges. schr. 2, 36. —
-fertigkeit, f., bei Schottel etwa wie 'habitus, grundfähigkeit' gebraucht: die weltweisheit ... ist ... eine solche gr. (habitus), wodurch wir alle dem, was in der welt ist ..., nachsinnen (können) ethica (1669) 6; anders 'grundlegende, hauptsächlichste fertigkeit': was den bürgerlichen erwerbsstand in den grundfertigkeiten ... stärken ... könnte Pestalozzi s. schr. 12, 180.
grundfest, adj. , mhd. gruntvest, mnd. gruntvast, vgl. dän. grundfast; nicht vor dem 13. jh. nachweisbar, vgl. auch grundfestig Joh. v. Neumarkt Hieronym. 57 B., aber erst mit dem 16. jh. wirklich lebendig. 1) zunächst deutlich als 'fest hinsichtlich des fundaments' oder 'fest im grunde' (grund II A 2 b) gebildet (vgl. DWB erdfest th. 3, 768; bodenfest th. 2, 215); daher concret: disze mauer ist szo stark und grundtfest, das sie weder Luter noch Lucifer umbstoszen wird Emser b. Luther u. E., streitschr. v. 1521 1, 38 E.; mit grundfester maurenmacht Neumark fortgepfl. mus. poet. lustw. 2, 13; ... des hohen dachs grundfesten pfeiler ... Droysen Äschylus w. (1841) 74; dieses herrliche und grundfeste sprachengebäude Neumark neuspr. t. palmb. 87; bei Campe 2, 471: ein grundfestes haus; grundfeste bauden Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 139; vgl. noch: (er) ist ... auf dem breiten, ebenen und grundfesten boden des wirthshauses nicht mehr so sicher gestanden Rosegger schr. 10, 167; die sinnliche ausgangsvorstellung ist bei anwendung auf dingliches meist deutlich fühlbar: wie weit der grentzstein dieser welt ist grundfest eingeleget Treuer dtsch. Dädalus 1, 66; unsere erde, darinn die grundfeste länder ... sich gleichsam wältzen und wägen E. Francisci eröffn. lusth. (1676) 558; dasz die länder am Rhein ... auf ihrer alten erdscholle noch so grund- und bodenfest stehen als der Brocken Musäus volksmärch. 1, 72; ein land aber soll gr. und bodenfest liegen Fr. L. Jahn w. 2, 427 E.; ähnlich noch, in halbem bilde: solche einlautende würtzelen oder grundfeste stammwörter, welche ausz ihren eigenen uhralten lettern zusammen gefügt seyn Schottel t. sprachk. (1641) 72; entsprechend öfter im 16. 17. jh. prädicativ in typischer verbalverbindung bei oft inconcreten beziehungswörtern: dasz sie (die dinge) nicht grundvest und bestendig sein D. Federmann sechs thriumph (1578) 438; gewisz ist ..., dasz fast alle ... angeführte gründe nicht recht gr. stehen E. Francisci lust. schaub. (1697) 3, 1095; ähnlich bildhaft: die fremdherrschaft ruht nirgends gr. in Deutschland Fr. L. Jahn w. 1, 486 E.; auch in trans. verbindung: hatt auch ein mann seines weibs gelübd gewist und nit da wider gesagt und alszo grundvest mit seinem stilschweigen gemacht hat Carlstadt v. gelübd. unterr. (1521) h 2a; das gewissen fein gewisz und recht grundfest machen Paul Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 385b. [Bd. 9, Sp. 801] 2) die concrete grundbedeutung wirkt nach in der (nicht häufigen) anwendung auf personen: dennoch aber war er göttlich klug, starck, gr. G. Arnold verthäd. d. myst. theol. 198; ein kraftvoller, grundfester, kernhafter ... mann ist er Zimmermann üb. d. einsamk. 3, 104; an stattlichen ... fürstenhäusern besitze man grundfeste eifrige defensoren Ranke s. w. 38, 269. 3) aber auch abgezogener, in anwendung auf abstracta; vereinzelt schon mhd.: mit alsô gruntvester tugent Konrad v. Würzburg gold. schmiede 1220; die rad (wollte) nenen gruntvasten loven ('vertrauen') to dem erczebisscuppe setten Brem. gesch.-quell. 137 bei Schiller-Lübben 2, 159; namentlich aber im 17. jh. häufig: wahre grundfeste weiszheit Zinkgref apophthegm. (1628) 305; die grundfeste warheit (vgl. grund IV B 4 b) des wunderwerck Fr. Caccia d. hl. Antonius ... mirakel (1692) 91; mit so starcken, grundvesten argumenten T. Wagner evang. censur (1640) 456; grundfeste lehrsätze Harsdörfer poet. trichter (1647) 2, 114; grundfeste lehre J. Kraus d. hinck. löscher (1717) 9; der grundfeste glaub (vgl. grund IV A 2 c) Abr. a s. Clara auf, auf ihr chr. 13 W. ndr.; ein grundfester trost V. Herberger himml. Jerusalem (1609) 40; derowegen hast du grundfeste ursachen genug ... Butschky kanzelley (1666) 3, 189; der die gewiszheit dieser letzten deutung nicht für gr. ansehen wollte Valvassor ehre d. hztm. Crain (1689) 2, 8; (Händel) gewann ... so unglaublich schnell jene grundfeste sicherheit und reife erfahrung in seiner kunst Chrysander Händel 1, 43. 4) gelegentlich mit anderen bedeutungen von grund vereinigt; gr. = 'auf dem meeresgrund befestigt, ruhend': hilf got, wer hat das schiff ... z aim grundfesten felsen verwandelt Schaidenreiszer Odyssea (1537) 56a; Campe verzeichnet 2, 471 einen juristischen begriff grundfestes eigenthum (immobilien), 'unbewegliches, in gegensatz des beweglichen', der im dtschen sonst nicht zu belegen (s. DWB erdfest th. 3, 768), aber auch nl. (de Vries-te Winkel 5, 1029) und dän. (dän. wb. 7, 173) vorhanden ist. | |