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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
greisig bis greislich (Bd. 9, Sp. 91 bis 93)
 
 greisig, adj., im gebrauch von greis kaum unterschieden:

er (der vater Rhein) nickt aus den fluten mit greisigem haar
und spendet erquickenden segen
Hoffm. v. Fallersleben ges. schr. 3, 32;

[Bd. 9, Sp. 92]
der jüngling sah starr in die greisigen runzeln des nachtgesichtes Kürnberger novellen (1861) 1, 18; die greisigsten greise erinnern sich nicht solchen august erlebt zu haben Fontane familienbr. 2, 8;

nun aber, berühret mit dem kalten griff
des greisigen alters, schreitet einher im schon falben hain,
deren einer
brüder Stolberg 2, 336;

dasz in dem germanisch verjüngten Europa das greisige Celtenvolk mit verdorbenem römerblut in den adern befruchtend an unserer seite liegen könne Kürnberger siegelringe (1874) 166; adverbiell:

wolltest greisig dich gebärden,
weil den scheitel schnee bedeckt
Arndt 5, 161 Rösch-Meisner;

auch dialectisch: gräsich grau, ins graue streifend Kramer Bistritzer dial. 39; in älterer zeit greisicht, problem. Aristot. (1589) 13 (s. o. 1greise); canus, rancidulus, emucidus Stieler 696; daher: griset (farbe von rindvieh) stichelhaarig und dadurch grau erscheinend (Kärnten) Martiny wb. d. milchwirthsch. (1907) 48; grîset, grîs'lt grau, grislete woll; sprenkelig, eine griselete henne Schöpf 214; grīsat grau Bacher sprachinsel Lusern 263; griset picchettato, an alter griseter man Schmeller cimbr. 126b; zu dem auffälligen vocal vgl. DWB greis, sp. 65, 2. —
 
 
greisigkeit, f., canities, canitudo, mucor Stieler 696.
 
 
greisin, f., ganz junges wort; noch von Adelung als nicht üblich bezeichnet wb. 2, 795; wie es scheint, von Voss eingebürgert:

(Aphrodite) in gestalt der wolle krampelnden greisin
(γρηὶ δέ μιν ἐικυῖα παλαιγενέι Γ 386) Ilias 3, 386;

Pallas nimt der greisin gestalt, und fälscht um die schläfen
graues haar (Pallas anum simulat metam. 6, 26) Ovid nr. 26, 22;

ohne frucht, und gebückt als greisinnen, stehn wir sämtl. ged. (1802) 2, 198;

seit anfang des 19. jhs. häufig: die freundliche greisin küszte ihren sohn auf die stirn Fouqué altsächs. bildersaal 4, 150; (die weiber haben) lange falten im gesicht, als wären sie schon greisinnen Ritter erdkunde 15, 1104; das der greisin Mafuike ... gestohlene feuer Ratzel völkerkunde (1885 ff.) 2, 306; wie greis auch von thieren: ihren zähnen nach darf man ihr (der äffin) ein alter von vier jahren zusprechen, obschon man sie nach ihrem runzeligen gesichte für eine hundertjährige greisin halten möchte Brehm thierleben 1, 222 Pechuel-Loesche; im vergleich: so ruht diese graue tochter des mittelalters (die Wartburg) in ihrem grünen waldeskranze wie eine ehrwürdige greisin, von blühendem leben umfangen Aug. Sach deutsche heimat (1902) 346; übertragen:

diese greisin, diese düstre fichte
zeigt die narben, die auch sie (in der schlacht) empfieng
Tiedge eleg. 1, 76.


 
 
greising, m., senex, nur mhd.: ein alter grîsinc Berth. v. Regensburg 320, 29; 321, 1. 3.
 
 
greising, s. greuszing.
 
 
greiskind, n., kindischer greis: überall, wo die sonne aufglänzen konnte, hatte er ordentlich mit dem kindischen wohlgefallen eines greiskindes bunte glaskugeln auf stäbe gesteckt Jean Paul 32, 156 Hempel.
 
 
greisknabe, m., greisenhafter knabe: (die ägyptische, das knabenalter der menschheit darstellende cultur scheint dir roh und unentwickelt; aber) siehst du nicht, .. wie deine bürgerliche klugheit, philosophischer deismus .. den knaben wieder zum elenden greisknaben würde gemacht haben Herder 5, 490.
 
 
greiskopf, m., graukopf; nd. sehr gewöhnlich: grīskop Schambach 69a; Danneil 70b; den olen griiskopp Kl. Groth nach Berghaus 1, 614a; der alte greiskopf Simeon sagt auch davon Otho evang. krancken trost 50; ist das nicht eine schande für einen solchen alten greiskopf? Gottsched deutsche schaub. 5, 363.
 
 
greiskraut, n., sowohl für senecio Pritzel-Jessen 374, wie für erigeron Grassmann nr. 350, wb. d. lux. ma. (1906) 153a; beide pflanzen verblühen schnell und tragen dann auf ihren blüthenköpfen helle haarkronen, die ihnen ein greisenhaftes aussehen geben; vgl. 2greise.

[Bd. 9, Sp. 93]

 
 greislein, n.: Bodmer ist ein altes greislein mit kahlem vorhaupt Heinse 10, 81 Schüddekopf; argloses greislein, achtzigjähriges kind, durchschaust du nicht dieses heuchlers tücke? Holtei erz. schr. 17, 86; der pfarrer war ein rasches greislein Rosegger III 2, 353.
 
 
greislich, adj., furchtbar, abscheulich, häszlich: greyslich atrox, dirus Diefenbach nov. gloss. 136b; horrendus gloss. 280b; rictu foedus et minax, horribilis aspectu Henisch 1738;

nün hab ich mir ain weib genümen, ..
sie sicht heszlich, so pin ich scheuslich;
sie sicht dueckisch, so pin ich greiszlich
H. Sachs fastn. sp. 76, 91 Götze;

das unrecht wird nu wehrt gehalten
und ich (die gerechtigkeit) musz drüber greiszlich alten
Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 120

(wohl eher hierher als im sinne 'greisenhaft' = nd. grīslich grauartig, s. greis sp. 81, III); auch in einigen westd. dialecten: greiszlich Follmann 215a; lux. ma. (1906) 153a; vgl. greiserlich entsetzlich Kramer bistritz. 39; gehört wie das verwandte greisemlich (s. d.) zu der im nd. blühenden sippe von grisen schaudern, s. d.