glashütte, f.glasicht, adj.glasieren, vb.glasierung, f.glasig, adj.;glasicht, adj.;glasisch, adj.glasjunker, m.glaskasse, f.glaskasten, m.glaskirsche, f.glasklar, adj.glaskolben, m.glaskopf, m.glaskoralle, f.glaskörper, m.glaskraut, n.glaskrone, f.glaskrystall, m.glaskugel, f.glaskunst, f.glaskünstler, m.glaslampe, f.glaslaterne, f.glaslauter, adj.gläslein, n.gläsler, m.glaslinse, f.glasmacher, m.glasmaler, m.;glasmalerei, f.glasmann, m.glasmasse, f.glasmehl, n.glasmeister, m.glasmilch, f.glasofen, m.glaspalast, m.glaspapier, n.;glaspaste, f.glasperle, f.glasplatte, f.glaspulver, n.glasrahmen, m., f.glasrand, m.glasraute, f.glasrein, adj.glasröhre, f.glassache, f.glassalz, n.glassand, m.glasschale, f.glasschaum, m.glasscheibe, f.glasscherbe, f.glasschleifer, m.;glasschmalz, n.glasschmelzer, m.glasschneider, m.glasschön, adj.glasschrank, m.glasschreiber, m.glasschwitzig, adj.glasse, f.glasset, adj.glasseher, m.glasseife, f.glassetzer, m.glasspiegel, m.glassplitter, m.glasstein, m.glasstück, n.glasstuhl, m.glassturz, m.glast, m.glastafel, f.gläste, f.glasten, vb.glästen, vb.glästen, adj.glaster, m.gläster, m.gläst(e)rich, m.glästern, vb.glastig, adj.glästig, adj.glastopf, m.glasträger, m.glasträne, f.glastropfen, m.glastung, f.glästung, f.glastüre, f.glasur, f.glasuren, vb.glasurerz, n.glasurwerk, n.glasvase, f.glaswagen, m.glaswand, f. | glashütte, f., ort der glaserzeugung. mit fugenvokal glasehütte aus dem mhd. gelegentlich im ostdt. nachklingend, vgl. v. j. 1366 bei v. Czihak schles. gläser 10, um 1400 im Marienb. treszlerb. 98 J., bei Schickfusz chr. v. Schlesien (1625) 4, 34. sonst glashütte, z. b. für 1426 in zs. f. gesch. d. Oberrheins 12, 414, H. Sachs 14, 167 K.-G., Fischart Gargantua 296 ndr. u. a.: Sydil Molsteyn hat verkouffet ... die glasehutte in dem Schribirshau (v. j. 1366) bei v. Czihak schles. gläser 10; schaut, mein herr, den ring, den mir schencken thet der alt, der ist auch nit gut, auff der glasshütten wechst der demut (diamant) Hans Sachs 14, 167 K.-G.; gleich wie ein meister in der glaszhütten ausz den dunkeln aschen und erde ein schönes helles und durchsichtiges glasz herfür bringet Joh. Saubert currus Simeonis (1627) 170; trübe, gefärbte, weisze und in den nöthigen formen geschliffene gläser würde man ... auf den böhmischen glashütten ... erhalten können Göthe IV 21, 362 W.; wenn ich an sie (die durchlebte zeit) dachte, so tauchten immer die drei hohen schornsteine der glashütte ... auf Aug. Winnig frührot (1926) 78.
glasicht, adj., s. glasig.
glasieren, vb., 'mit glasig-glatter (schutz-)schicht überziehen'; von glas A abgeleitet mittels romanischer endung, vgl. DWB glasuren; in heimischer bildungsweise glasen 1. umgelautetes gläsieren Venusgärtlein 100, 3 ndr., Voigtländer oden (1642) 93, 3; diphthongiert glaseyrt Knebel chron. v. Kaisheim 332 lit. ver. — hauptsächlich von irdenem geschirr und sonstigen keramischen erzeugnissen: und ts in ain rains glasirtz kechelein (in vitratam ollam) vor 1500 bei Rockinger bair. schriftwesen 32; von ziegeln: auch ain neu glaseyrt tach auf die kirchen gelegt Knebel a. a. o.; endlich wird glet drausz, damit man die töpffe glasiert Mathesius Sarepta (1571) 102a; die weiber ... schmieren den kopff mit coquosöl, dasz sie davon gläntzen, als wenn sie glassiret wären Andersen orient. reisebeschr. (1696) 82 Olearius; das hohe dach, ... welches mit glasirten, rothen, grünen und weiszen hohlziegeln gedeckt ist Nicolai reise (1783) 2, 657; und diesen krug hier wieder zu glasieren H. v. Kleist w. 1, 352 E. Schm.; stattlich erhoben sich auf der bekrönung die groszen blau und weisz glasirten vasen Storm s. w. (1899) 3, 157; auch bei gebäck: die bäcker ... kneteten und rollten und glasirten die eierwecken Brentano ges. schr. 5, 108; so eine torte glasieren u. ähnl. — von glasartig hart gebrannter keramischer erde, vgl. unten glasierung: ob es thöne wie ein klingelstein oder mössiner mörsel oder glasierte erd oder thon oder anderer harter grund Sebiz feldbau (1579) [Bd. 7, Sp. 7686] 13. — glasierte handschuhe, glasiertes leder s. oben unter glacieren.
glasierung, f., älter vereinzelt für glaswerdung, verwandlung in glasartig harten zustand: diese glasirung oder glaswerdung (bei ziegelsteinen) kommt von dem ersten brande der steine nicht allein her, sondern ... von einem jedweden groszen feuer Er. Francisci schaubühne (1698) 2, 24. bestreichung mit glasur: es ist sonderbar, dasz die ... glasirung der dachziegel jetzt gar nicht mehr ... gebraucht wird Nicolai reise (1783) 2, 653; ist die masse zu biscuit gebrannt, dann folgt die glasirung Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 433.
glasig, glasicht, adj.; seit dem frühnhd. bezeugte ableitungen zu glas. die seltenere form glasicht erlischt im frühen 19. jh., vgl. glasecht Hildegardis v. Bingen, s. u. 1; Keisersberg bilg. (1512) 120b, gläsecht Ruoff hebammenbuch (1580) 39, glasigt Lichtenstein entdeckte geheimn. (1778) 196, glasicht Chomels öcon. lex. (1750) 4, 1140 und unten Herrmann. — glasig (15. jh.) Diefenbach gl. 624a, Paracelsus op. (1616) 1, 795 H., Löhneisz bergw. 23 u. a. die bedeutung ist im wesentlichen auf den umkreis von gläsern 2 beschränkt, 'von glasartiger beschaffenheit'; das wort wird nach spärlicher bezeugung im 16. jh. erst seit der 2. hälfte des 18. jhs. wieder literarisch gebräuchlich, offenbar aus bergmännischem gebrauch (hauptsächlich durch Göthe) aufsteigend (s. 1). mundartl. gläsig Staub-Tobler schweiz. 2, 647, neben glasig Fischer schwäb. 3, 671, Martin-Lienhart elsäss. 1, 261, glasig Follmann lothr. 207a, rhein. wb. 2, 1255, Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 632b, Betcke Königsberg 30. 1) fachsprachlich von erzen und mineralen; seltener auf das glaserz (s. d. u. glas C 1) bezogen: wie man auch glasig ertz daran spüret, wenn es sich auff ein nagel streichen ... lesset Mathesius Sarepta (1571) 28b; glasig erz, ... weiszgültig ertz ..., rothgüldig ertz Löhneisz bergwerck. 23; sonst die glasartige struktur meinend: adamans ... de quibusdam montibus ... nascitur, qui ... sunt ... velut ... quidam cristallus glasechte Hildegardis physica bei H. Fischer d. hl. Hildegardis v. Bingen (1927) 132; von scheiden der element in den gläsern und was da glasig ist ..., dasz die vitra ... sollen calciniert werden Paracelsus op. (1616) 1, 795 H.; zertrümmerung des glasigen feldspaths allg. dtsche bibl. (1765) 97, 320; den glasigen feldspath vom Drachenfels Göthe IV 24, 256 W.; (die steinmasse) kann schon völlig zur glasigen schlacke verwandelt sein II 10, 39; wir fanden (im stein) ... eine fremde masse eingesprengt, die bald halbdurchsichtig und krystallisirt, bald glasicht, bald schwarz und undurchsichtig ... erschien Fr. Herrmann reise (1804) 1, 186; die glasmasse war ... innerlich vollkommen glasig geblieben (äuszerlich verwittert) Muspratt chemie (1885) 3, 1389. — ähnlich von der struktur des eises: die energie der sonnenstrahlen vermag ... schmelzungen zu bewirken, aus denen das glasige und compakte hocheis entsteht Tschudi thierleb. d. Alpen (1858) 478. dazu in weiterer handwerklich-technischer anwendung: 'glasicht ist ein gerberwort und bedeutet einen fehler, wenn das leder auf einer seite hart ist und sich wie glas anfühlen läszt' Chomels öcon. lex. (1750) 4, 1140; ist aber das honig zuckerig oder glasig, so schneidet man etwas mehr herausz J. Grüwel bienenkunst (1719) 159; die ... gelben bis braunrötlichen stücke (von gummi) von glasigem bruche sind durchscheinend Merck warenlex. (1919) 2a; stickstoffhaltiger dünger liefert weizenkörner mit sogenanntem glasigem bruch Schwerz ackerbau2 300. umgangssprachlich und mundartlich besonders von seifigen, wässerigen kartoffeln, s. oben die angeführten wörterbücher und gläsern, gläsen 2 ende sp. 7679, doch vgl. auch in derselben anwendung mundartliches glarig oben sp. 7659. 2) im literarischen bereich erwacht der gebrauch erst in der modernen sprache zum eigentlichen leben, augenscheinlich in neuer anlehnung an glas A 3 a und gläsern 2. a) von dem unlebendigen, starren aussehen des auges, namentlich bei toten oder trunkenen: mit verkehrten und gläszechten augen Ruoff hebammenbuch (1580) 39; [Bd. 7, Sp. 7687] sie glotzten mit glasigen augen dumm in die fenster und in die thüren hinein Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 60; was glotzt in den augen, die glasig glänzen, so wüst und so schaurig? R. Hamerling s. w. 5, 98; (die kranke) sasz ... aufrecht in den kissen ... und rang nach atem, aber die augen waren glasiger, die nase spitzer Viebig d. schlaf. heer 209; der (ertrunkene seemann) suchte irgendwo mit glasigen augen nach seerosen und seesternen Gorch Fock Nordsee (1916) 132; plötzlich ein aufklatschen, der kopf des verwundeten sinkt zurück, aus seiner stirne quillt blut, die augen werden glasig Skorpil Pasubio (1934) 98; die spielleute wuszten, auf welche weisen sie kommen sollten, wenn die augen (der zecher) glasig wurden Kolbenheyer Paracelsus 1, 219; er hatte kalten punsch bringen lassen und trank nach jedem satz, den er sprach, einen schluck, worauf er lebhaft wurde und seine glasigen augen zu glitzern begannen Ricarda Huch Michael Unger5 (1913) 345. b) allgemeiner; auf glasartige glätte zielend: darumb das so wenig menschen die recht landstrosz gont, darumb ist sie glasecht und schlüpfferig worden Geiler v. Keisersberg bilg. (1512) 120b, vgl. Tschudi bei 1. von wasser, licht 'durchsichtig hell': und vor ihm her die glasgen wogen durchrollt des mondes silbertuch A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 36; eine pyramide stach über alles hinaus in das reine, glasige blau des himmels P. Dörfler Peter Farde (1929) 318; die sonne war längst fort, doch lag ihr licht noch glasig leuchtend ... auf den kiesbestreuten wegen W. Schäfer d. miszgeschickten (1909) 42; vom ton 'glasartig dünn klingend': mit dürrer, glasiger stimme brachte sie ... heraus E. Zahn in: dt. rundschau 160, 325. übertragen 'starr, lieblos' (vgl. DWB gläsern 3): (die welt) hat mich krank gemacht mit ihrem verhärteten, glasigen leben K. Friedrich-Kossat d. nachbarn (1936) 175.
glasisch, adj., 'aus glas': ring an die finger, türckes, smaragdt, saphir darin ..., glasisch auf das wenigste Paracelsus op. (1616) 1, 238 H.; vgl. DWB glas B 3, gläsern 1.
glasjunker, m., arbeiter in einer glashütte, s. DWB junker 6 teil 4, 2, 2401: auch ward mir (in der teufelsküche) so angst und bang wegen überhäuffter hitze, dasz, ob ich schon ein glaszjunker gewesen wäre, solche doch länger nicht hätte erdulden können Moscherosch gesichte (1650) 1, 500.
glaskasse, f., im 18. jh. mit entlehntem ital. cassa zusammengesetzt, treibhaus, vgl. DWB glashaus 1: was die glasz- oder treibcassa anbetrifft, so ist es überhaupt eben das, was bei uns ein treibhausz genennet wird Bresl. samml. v. nat.- u. medic. gesch. (1718) 3, 727; du wirst doch meine lippen nicht für kleine gurken ansehen, dasz du sie unter eine glascasse setzest Schwabe belust. (1741) 1, 457.
glaskasten, m. 1) behälter mit glasscheiben zu schau und schutz (glas B 1 a): man kann (das ausgestopfte tier) zur besseren verwahrung auch in glaskasten stellen Nicolai reise (1783) 2, 393; da die kleinen gemmen alle in glaskasten gezeigt werden grafen Stolberg ges. w. (1820) 8, 6. — 2) kutsche mit glasscheiben: (der graf) fuhr durch unser dörfchen und hatte ... (eine) madam bey sich ..., alle beide saszen in einem goldnen glaskasten Chr. Fel. Weisze kom. opern (1768) 1, 23; ihr habt ... mich vor jahren noch in dem ... glaskasten einen ausflug machen sehen L. v. François Reckenburgerin (1871) 1, 157.
glaskirsche, f., nach dem hellen durchscheinenden fruchtfleisch und dem glasigen aussehen der gelblich-rosigen oberhaut, vgl. glaskirsche cerasus carne tenera et aquosa Nemnich wb. d. naturgesch. 197 (glas A 3 a). heute mehr norddt. gebräuchlich, vgl. Kretschmer wortgeogr. 403, doch s. auch Fischer schwäb. nachtr. 2043: so kanstu es mit den weiszen glasekirschen auch machen E. A. v. Dehn weinbaubuch (1629) 213; das mädchen ... schüttelte einen [Bd. 7, Sp. 7688] haufen rother glaskirschen ... auf den tisch Storm s. w. (1899) 1, 106.
glasklar, adj., nach glas A 3 a: hernach lassen sie es (das wasser) stehen, bis es glasklar wird Harant christl. Ulysses (1678) 536; in der glasklaren luft, so rein, als wäre sie gar nicht da Stifter s. w. (1901) 1, 309; denn sie haben ... übersehen, dasz die sicht allmählich glasklar geworden ist E. Jünger wäldchen (1928) 48; in glasklarer nacht J. Ponten novellen (1937) 263; herrliche wasserfälle, seen mit glasklarem, eisigem gletscherwasser G. Plüschow segelfahrt ins wunderland (1926) 95; alles tauchte sein (Hans Holbeins) pinsel hinein in den glasklaren grund seiner farbe W. Schäfer 13 bücher (1925) 221. vereinzelt gläserklar: sie brauchte nur einen ton zu perlen in ihrer gläserklaren stimme W. Schäfer erz. schr. (1918) 2, 196. | |