| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
getümmelreich bis geturren (Bd. 6, Sp. 4588 bis 4590) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
getümmelreich getümmelvoll getümmer getummere getüncht getuntzigkeit, f. getüpfel, n. getüpfelt getupft getüpft getüppelt getippelt getürmel, n. geturren, verb. geturst, f. geturst, adj. getürst, adj. geturste, adj. getürstig getürstigkeit, f. geturstiglich geturstlich geturstlichkeit, f. getuschel, n. getuscht getute, n. getwang getwende getz, n. getz getze getzen getzen, verb. getzlich, adj. getzlichkeit, f. getzmer, m. geu geuben, verb. geüben geubitz, m. geübt geübtheit, f. geuche, f. geuchen, verb. geucherei, f. geuchelen, verb. geudarzt, m. geude, f. geudel, m. geudeln, verb. geuden, verb. geudenreich geuder, m., nomen agentis geudner, m., nomen agentis geuderin, f. geuderisch, adj. geudig, adjectiv und adverb geudigkeit, f. geudiglich geudisch geudischheit, f. geudnarr, m. geudnen, m. geudner geudnisch geudung, f. geuen, verb. geuwen, verb. geuer, m. geuwer, m. geufel, f. geufen, verb. geufer, m. geuferei, f. geufler, m. geuffler, m. geuflich geufzen, verb. geukel, m. geukelei geukelmann geukeln, verb. geukeltasche, f. geukerei, f. geukler, m. geuklerin, f. geulen geulen, verb. geumel, m. geumen, verb. geumen, verb. geunbilligen, verb. geunen, verb. geunig, adj. geupen, verb. geuben, verb. geüppigen, verb. geurlaubt geurtheilt geursacht, participiales adj. | 1) in demselben sumere 2) dô wart in der selbin nacht do hb sich grosz getrummer [Bd. 6, Sp. 4589] 1) die erste der beiden verbindungen ist aus Luther bekannt, der sie in sinnlicher grundbedeutung und in übertragung gebraucht. a) in sinnlicher grundbedeutung: das volck bawet die wand, so tünchen sie dieselben mit losem kalck .. sihe so wird die wand einfallen. was gilts, denn wird man zu euch sagen, wo ist nu das getünchte, das jr getüncht habt. Hes. 13, 12 (wo ist die bestreiche, die jr klaibt habt. Eck; wo ist nu der mörtell, mit dem jr geworffen habt. Dietenberger); eben zur selbigen stunde giengen erfur finger, als einer menschenhand, die schrieben gegen dem leuchter uber, auff die getünchte wand in dem königlichen saal, und der könig ward gewar der hand die da schreib. Dan. 5, 5. ebenso Dietenberger (flache wand. im Basler nachdruck von 1523 führt getünchte wand im verzeichnis der unverständlichen wörter auf und übersetzt es mit geweisste, bekleibte. 6, 42); getünchte wand. 133; getünchte sachen an den wenden crustae. 235; eine getünchte wand, une paroi blanchie (1782) 740; da der rath Reifenstein in Caserta bei ihm war, so machte Hackert einige versuche à l'encaustique; sowohl auf feine pappendeckel als auf holz, und auch auf getünchte mauer, oder auf grosze tavolezze, die er tünchen liesz, dasz sie also wie eine mauer waren. (Hackert) 37, 288; um nun auch den höhern kunstsinn zu befriedigen, so hatte man schon, und wahrscheinlich in besonderen werkstätten, sich auf die fertigung kleinerer bilder gelegt, die, auf getünchte kalktafeln gemahlt, in die weite getünchte wand eingelassen, und durch ein geschicktes zustreichen, mit derselben völlig ins gleiche gebracht werden konnten. (Zahns ornamente und gemählde aus Pompeji) 44, 148. vgl.abgetünchte wand unter abtünchen th. 1, sp. 145. b) in übertragener bedeutung: der hohepriester aber Ananias befalh denen die umb jn stunden, das sie jn auffs maul schlügen. da sprach Paulus zu jm, gott wird dich schlahen, du getünchte wand. apostelgesch. 23, 3 (paries incrustata, τοῖχε κεκονιαμένε; got niderslach dich du geweiste want. cod. Teplensis; du vergleiszte wand. Eck, ebenso Dietenberger). die anschauung, auf der diese übertragung beruht, geht noch deutlicher aus einer anderen bibelstelle hervor, in der Luther das particip übertüncht gebraucht: jr heuchler, die jr gleich seid wie die ubertünchte greber, welch auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller totenbein, und alles unflats. Matth. 23, 27. hier knüpft der gebrauch bei Klopstock an, der wiederum auf die späteren schriftsteller von einflusz war: ich will nicht eher ruhn, als bis dein hasser erwürgt ist! sollen vielleicht dem eroberer nur schandmale den lauten im städtchen giebt es des jubels viel, die kirche ist treulos geworden, 2) an getüncht, tinctus knüpft an: wie? was? was willst du? — fährt [Bd. 6, Sp. 4590] tûsent man mit strîtegeturren nimmer uns bestân. handschrift A. Lachmann 339, 4; uns endurfen ander tûsentmit strîte nimmer bestân. handschrift C. Zarncke 53, 1. mit dürfen steht unser wort, namentlich sofern der anlautende dental als media erscheint, in der nächsten graphischen, lautlichen und formellen verwandtschaft als praeteritopräsens theilt es mit diesem den wechsel des stammvocals im singular und plural des anscheinenden präsens: darf, dar, dürfen (durfen), durren. noch näher kommen sich die formen des neugebildeten praeteritums: durfte, durste. die mittelniederländische und mittelniederdeutsche sprache haben diese formen ganz in einander übergehen lassen, die oberdeutschen quellen vertauschen sie wenigstens graphisch, so vor allem in den abschriften der Augsburger chronik des B. Zink: also was der Strausz selb dritt und die pöswicht getorsten irn bösen willen und ir poshait nit volpringen und giengen ausz. handschrift A, während die handschrift[Bd. 6, Sp. 4591] B torfften aufweist. deutsche städtechroniken 5, 316 u. a. genau dasselbe findet in den handschriften und drucken der prosabearbeitungen älterer dichtungen und in den volksbüchern statt vgl. Tristrant und Isalde bei Pfaff, die Haimonskinder bei Bachmann u. a. neben dieser äuszeren übereinstimmung geht die weit wichtigere innere her, indem unser zeitwort in bestimmten verwendungen dieselbe bedeutung gewinnt, die sich an dürfen in der mittelhochdeutschen zeit entwickelte. aus diesem grunde greift vor allem in der bibelübersetzung (vgl sp. 4593 ff.) das nahe liegende dürfen in die stellen ein, in denen Luther noch unbedenklich das veraltende turren gebraucht hatte (vgl. oben th. 2, sp. 1744). die umwandlung wird mit solcher consequenz durchgeführt, dasz auch die stellen, in denen turren ganz abweichende bedeutung entfaltet, ergriffen werden, so dasz der sinn völlig entstellt wird, vgl. sp, 4593. I. erstes auftreten, verbreitung und absterben, formen. 1) a) wie erwähnt, gehört die präfigierte form schon zu den lieblingsverwendungen der gotischen bibel (über die anderen germanischen verwandten und über die begriffsbestimmung des wortes vgl. th. 2, sp. 1743): gadars hvas izvara, viþra anþarana staua habands, stojan fram invandaim jah ni fram veihaim. 1. Corinth. 6, 1; tar eur kainer habent ain gescheft wider den andern ze werden geurtailt bei den ungengen und, nit bei den heiligen. codex Teplensis; getar Augsburger bibel von 1487 vgl. sp. 4593; erkühnt sich jemand unter euch. Reitz; e in izai gadaursjau, sve skuljau rodjan. Ephes. 6, 20; daz ich turre gereden, als es mir gezimt. cod. Teplensis; auff das ich darinnen freidig handeln möge und reden wie sichs gebürt. Luther. ähnlich noch häufig bei vgl. auch sp. 4593. b) in der althochdeutschen periode, für die, wie oben hervorgehoben worden, die präfigierten formen ohne concurrenz stehen, flieszen die belege überaus reichlich. der gebrauch des wortes ist bis in bestimmte einzelheiten ausgebildet. α) audet, catar. Hrabanisch-Keronische sippe der glossen 1, 24. 25. ebenso in den glossen zu Vergils Aeneis 8, 364 (aude hospes, contemnere opes; wag' o gast zu verachten das gut. Voss) giturris 2, 662 u. a. β) in der litteratur dieser epoche, in der unser verbum stets in der rolle eines hilfsverbums erscheint, stehen sich schon die beiden hauptverwendungen gegenüber, die beim gebrauch des wortes auseinander zu halten sind, die positive verwendung und die verbindung mit negierten bestimmungen. 1)) a)) ef thu ina mi giwîsan mohtis, gidar ih lóbon in an frám;er was súlih, so ez gizám oba ih irbálden es gidár,ni scal ih firlázan iz ouh ál, b)) daz leîdot mih. daz ih dir ânaséhentemo sus ketórsta getûon. zu psalm 50, 6. Hattemer 2, 178b, ebenso 438b; daz sîe nâh dînemo gebóte mutua caritate sibi invicem cohäreant .. unte sîe dîne passionem wóle geturren bilidan mít effusione sui sanguinis paraphrase des hohen liedes 132, 12 Seemüller. 2)) ni was iro sô sikur ênig, antsuok thero manno gehuílic, wánta thar saz, thágetaPetrus, so ih nu ságeta; [Bd. 6, Sp. 4592] γ) an die eben gekennzeichneten hauptverwendungen knüpft die bedeutungsentwicklung in der weise an, dasz die volle grundbedeutung in einzelnen formen derselben mehr festgehalten wird, in anderen sich rascher verflüchtigt. die ältere periode zeigt von dieser bewegung erst ansätze. der Heliand z. b. liebt gerade die negativen verbindungen, die später in der verblassung der grundbedeutung bis zur rein formelhaften verwendung fortschreiten, und er legt in diesen noch die ganze sinnliche frische der ursprünglichen bedeutung blosz: Judas .. that siluar warp ni wolda im opanlîco allon cûðian sie sint fílu rediesih fíanton zirrettine; δ) eine andere erscheinung dagegen setzt noch früher ein. aus dem zusammenhang entwickelt sich für unser verbum in bestimmten fällen eine bedeutung, in der es sich mit den hilfsverben berührt. im vordergrund steht hier die annäherung an die gebrauchsformen von dürfen. diese wird für die positive verwendung unseres verbs durch die hypothetische form [vgl.β), 1)), a))] begünstigt. noch näher liegt sie bei der verbindung mit negierten bestimmungen, wenn sich dem wagemute des handelnden subjectes gesetzliche bestimmungen oder der wille eines fremden subjectes in den weg stellen. hierher gehört schon ein beispiel aus dem Heliand, indem als variante das hilfsverb muszin steht, dem für die ältere zeit die bedeutungen zukommen, die wir heute mit dürfen verbinden: sie ni mahtun an themu dage finden c) in der mittelhochdeutschen zeit stehen sich zum ersten male die beiden formen giturren und das im angelsächsischen und friesischen herrschende turren gegenüber, allerdings in der weise, dasz die präfigierte form anfangs noch überwiegt. vgl. mhd. wb. 3, 15b. 1, 951. 2, 1586. bedeutungsdiffenzierungen lassen sich mit dem wechsel zwischen beiden formen nicht verbinden, eher sind mundartliche und stilistische beobachtungen damit in beziehung zu setzen. vor allem scheint, dasz die einfache form als alleinherrschende nur bei späteren schriftstellern zu beobachten ist, die der mundartlichen sprachfärbung nahe stehen oder in prosa schreiben. die präfigierte form als alleinherrschend gehört den älteren dichtern und dem strengeren stile der poesie an. bei Walther halten sich beide formen die wage, bei Wolfram steht die präfigierte im vordergrunde, für Gottfried v. Straszburg erscheint sie als die herrschende. bei Hartmann v. Aue scheinen sich einzelne werke mit dem alleinigen gebrauch der einen oder der anderen form gegenüberzustehen; doch wäre es nur auf grund eingehender untersuchungen des handschriftlichen apparates möglich, hier entscheidungen zu treffen. dies gilt namentlich auch für das Nibelungenlied. d) mit den anfängen der neuhochdeutschen periode ist der höhepunkt der verbreitung und bedeutungsentwicklung überschritten. es handelt sich hier nur noch um den letzten kampf mit den neueindringenden concurrenzformen. 2) das absterben des verbums. die präfigierte form schwindet rascher aus unserer sprache, weil sie der schriftsprache solcher gegenden angehört, die mit dem 16. jahrhundert ihren beherrschenden einflusz auf die gemeine sprache verlieren. das einfache turren, das von den mitteldeutschen schriftstellern eingebürgert wird und in oberdeutschen denkmälern die mundartliche färbung der sprache verrät, hält sich länger und reicht in mundartlichen resten noch bis in die heutige zeit. die hauptfactoren, die den ganzen stamm mit seinen ableitungen zurücktreten lieszen, sind abgesehen [Bd. 6, Sp. 4593] davon, dasz der ganze entwicklungsgang in der älteren periode schon vollständigen abschlusz gefunden hat, die synonyma, die für die hauptverwendungen bereit liegen: das lautlich so nahe stehende dürfen, und für den noch übrigen theil des bedeutungsgehaltes das neu aufkommende sich getrauen. vgl. sp. 4439. α) in der bibelübersetzung spiegelt sich das gesagte deutlich wieder. in betracht kommt hier das neue testament. denn in den zahlreichen stellen des alten testamentes, in denen Luther das verbum türren verwendet (vgl. oben theil 2, sp. 1744), folgt die vorlutherische bibel der lateinischen vorlage und führt mögen für posse ein: daz keiner mag reden z im. Eggesteyn und Koburger 1. Sam. 25, 17; dem niemand etwas sagen thar. Luther und so öfters. für das neue testament stehen sich nun zunächst die präfigierte form und das einfache turren gegenüber. das letztere herrscht allein vor in Beheims evangelienbuch, im codex Teplensis und bei Luther. es überwiegt in der Straszburger bibel des Eggesteyn und erscheint vereinzelt in der Nürnberger bibel des Koburger. das volle geturren bildet bei und ebenso noch in der Augsburger bibel von 1487 die regel und hält sich am längsten in der Schweizer bibel. die katholische bibel nach Luther bevorzugt in den ausgaben Ecks das Luthersche turren, während sie in denjenigen Dietenbergers dürfen an die stelle setzt. dieses findet auch in die protestantische und in die reformierte bibel eingang, bis (Offenbach 1703) in solchen stellen, in denen der widersinn zu deutlich wird, sich erkühnen einsetzt: und Ihêsus sprach z en: kmit und inbizzet. und nîmant torste en vregin under den sitzenden: wer bistû? wan si wisten daz iz der herre was. evangelienbuch Joh. 21, 12 (erscheinung Christi nach der auferstehung: nemo audebat .. interrogare); jah ainshun .. ni gadaursta ine fraihnan. Ulfilas; und kainer der siczenden trost in fragen. codex Teplensis; und keiner der sitzenden dorst in fragen. Eggesteyn und Koburger; niemand aber unter den jüngern thurste jn fragen. Luther; thorste Eck; niemand aber unnder den jungern dorfft jn fragen. Dietenberger; ebenso bei Stade und bei desgleichen in der holländischen übersetzung von 1634 (durfde). erst (Offenbach 1703) setzt dafür ein: aber keiner erkühnte sich, ihn zu examinieren. — und vorbaz torstin si en nichtis nit gevregin. evangelienb. Luc. 20, 40; und si getorsten in von des hin nit mer gefragen. codex Tepl., Eggesteyn und Koburger; und sie thursten in fürder nichts mehr fragen. Luther; thorsten Eck; sie dorfften in fürter nichts mehr fragen. Dietenberger. ebenso bei Stade und Piscator; sie erkühnten sich nicht mehr. Reitz; getarr euer einer habend ein geschefft wider den andern geurteilet ze werden bei den bösen. Koburger 1. Cor. 6, 1. ebenso die Augsburger bibel von 1487; tar Eggesteyn und cod. Teplensis; wie thar jemand unter euch, so er einen handel hat mit einem andern, haddern fur den unrechten und nicht fur den heiligen. Luther. ebenso Eck; darf bei Dietenberger. Stade. Piscator; erkühnet sich jemand. vgl. dazu Röm. 5, 7 u. a. in manchen bibelstellen ist auch Luther schon von der beibehaltung des alten verbums abgestanden; meist sind dies verwendungen, in denen die grundbedeutung besonders frisch und lebendig zum ausdruck kam. daher läszt sich aus den synonymen, die Luther einsetzt, eben jene ursprüngliche bedeutung erschlieszen: daz ich turre gereden, alz es mir gezimt. cod. Teplensis Ephes. 6, 20; auff das ich darinnen freidig handeln möge und reden, wie sichs gebürt. Luther; kühnlich handeln möge. Dietenberger und Eck; frei reden möge. Piscator u. a.; Moyses verbarg sein antlütz, wann er getorste nit sehen gegen dem herren. 2. Mos. 3, 6; er torst nit gesechen gegen den herren. Eggesteyn; denn er furchte sich gott an zu schawen. Luther; dorft nit ansehen. Eck; ob die gerechtigkait des urteils wirt gesuchet, keiner getarr sagen zeugnisz für mich. Hiob 9, 19; kainer tarr Eggesteyn; wil man recht, wer wil mein zeuge sein. Luther; so darff niemands für mich zeugnusz sagen. Eck; wer darff vor mich zeugnusz sagen. Dietenberger. β) unter den chronisten fällt in der Augsburger chronik des B. (deutsche städtechron. 5) der unverhältnismäszig reiche gebrauch der präfigierten form geturren auf. die übrigen Augsburger chronisten Mülich, Rem, Sender, verwenden unser wort auch gelegentlich, dann jedoch gewöhnlich in der präfixlosen form turren. dasselbe läszt sich bei den Nürnbergern beobachten; die mittel- und niederdeutschen chroniken scheinen weder das eine noch das andere zu lieben. γ) um die wende des 15. jahrhunderts sind es vorwiegend südwestdeutsche [Bd. 6, Sp. 4594] denkmäler, in denen geturren zu belegen ist, voran steht Geiler v. Keisersberg. aus der Schweiz, in der das einfache turren mundartlich noch heute weiterlebt, sind noch um das ende des 16. jahrhunderts litterarische belege aufzuweisen, so aus N. Manuel (durren vgl. bei Waldis). an der schwäbischbairischen grenze reichen die beispiele mit nicht weit über den anfang des 16. jahrhunderts hinaus, und ebenso ist für Nürnberg nur aus H. Sachs regere verwendung nachgewiesen. vgl. 12, 620; in den österr. weisth. läszt sich geturren nicht über das 16. jahrhundert hinaus belegen. im bairischen landrecht findet es sich noch 1588 vgl. a. a. o. unter die spätesten belege für geturren gehören solche aus den Haimonskindern. turren erscheint noch im 17. jahrhundert bei vgl. oben theil 2, 1744. δ) die wörterbücher nehmen nur vereinzelt kenntnis von unseren formen. die vocabulare verzeichnen theilweise durren vgl. 381. in oberdeutschen interlinearglossen des 15. jahrhunderts findet sich einmal audemus, wir getürend. nov. gloss. 41. ebenso steht in der Straszburger gemma von 1518: audere gedoren. 60a. ein mittelbares zeugnis liegt verborgen in verwendungen von dürfen vor: audeo, ich bin kühn, ich darffs understehen. 5. vgl. noch audere dörffen bei (1719) 66. später ist es die einsicht in ältere schriften, die namentlich in verbindung mit der kenntnis mundartlicher nebenformen die wörterbuchschreiber reizt, das räthsel zu lösen, das sich im gebrauch von dürfen darbietet: he dörst dat nich dohn, er darf das nicht thun. daher das hochdeutsche thürstiglich audacter (genesis 34, 25) und dürstig sein, dürstig handeln, audenter agere (2. Cor. 10, 1. 2.); der sälige Lutherus braucht in seinen schriften gar oft thar für darf, thurst oder durst für trotz und frevel (Jena 6, 344: sie thüren sich nicht fürchten). und eben dieses thar, und unser dören ist das griechische θαῥεῖν. idiot. Hamburgense 43. zu diesen parallelen fügt Adelung, der (2, 1480) nur die form dürfen anerkennt, das althochdeutsche giturran, das ihm aus Otfrid und aus Ottokars reimchronik vertraut ist. der gelehrte der in den schriften des 15. und 16. jahrhunderts bewandert ist, stellt, namentlich fuszend auf der vertrautheit mit Geiler v. Keisersberg die nebenformen doersten (250) und dürren (254) auf, für die er bereits die parallelen aus den übrigen germanischen sprachen beibringt. vgl. dazu getorren, sich getrauen, dürfen bei altdeutsch. diplomat. wb. (1827) 27. neben Grimms grammatik sind es in unserem jahrhundert vor allem die mundartlichen wörterbücher, die den sachverhalt weiter geklärt haben. dären, dören, düren, dürfen, sich erkühnen. (1806) 1, 266; wottsch öppis: so därst öppis, willst du etwas, so muszt du auch etwas wagen. ebendort; ich darf nicht, d. h. ich bin nicht so kühn. 146 (darf ist hier nur als schriftform für das mundartliche tar eingesetzt). weitere beispiele aus schwäbischen, österreichischen, siebenbürgischen und schlesischen idiotiken sind oben theil 2, sp. 1743 angemerkt; i tör net, non mi è permesso, non mi torna a conto cimbr. wb. 240. 3) die formen. a) die lautgestalt. α) der anlautende dental. die media erscheint, wie sie schon bei Otfrid im gegensatz zu anderen quellen stand, auch später namentlich in elsässischen denkmälern, so bei Königshofen, während Closener die tenuis vorzieht; deszgleichen in den dialogen Gregors. vereinzelt findet sie sich auch bei vgl. oben sp. 1982. die aspirata erscheint bei Geiler, in Luthers bibeldrucken, bei S. Franck und H. Sachs; die tenuis in den chroniken bairischen und fränkischen ursprungs, bei Geiler v. Keisersberg und bei Closener. β) der stammvocal. der ablaut getar, geturren, getorste wird durch ausgleichungsbestrebungen durchkreuzt, die bei dem auffallenden bau eines präteritopräsens nicht überraschen. hierher gehört auch das eindringen des dem conjunctiv präsentis zukommenden umlautes in den plural des indicativ: und getürens nit recht brauchen bei Geiler. ähnlich bei Königshofen; damit verbindet sich vielfach ein übergreifen des dem prät. zustehenden vocals in den plural des präsens: die getörren nit wyter gucken bei Geiler. ebenso in den infinitiv: gedoren audere vgl. 60a. vereinzelt dringt auch die consonantenverbindung des prät. in das präsens: dürsten, türsten. γ) die metathesis der liquida, die in niederdeutschen mundarten mannigfach belegt ist (vgl. a. a. o. vgl. troste scriptores sax. 2, 17, 29) führt zur verwechslung mit dem [Bd. 6, Sp. 4595] verbum sich getrösten, das ja in der bedeutung vertrauen, hoffnung, sicherheit gewinnen (vgl. oben sp. 4559) sich nahe mit unserem verbum berührt: getrost er mit seinem rechten dafür kommen, das sol er genieszen. Lori bergr. 12, 677. b) der gebrauch der verbalformen. α) die wenigst verwendeten formen sind die der 2. person: das du nieman gesagen .. getarst. christl. bilger 59a; geturt ir. B. deutsche städtechroniken 5, 412. der imperativ kommt überhaupt nicht vor. β) die erste person erscheint im singular gerne in der formelhaften verwendung, die an die positive gebrauchsform anknüpft (s. unten). γ) der hauptantheil der belege fällt auf die dritte person. und zwar entsprechend dem stoffgebiet der erzählungslitteratur, das uns die meisten beispiele bewahrt hat, vorwiegend im präteritum. die geistliche litteratur bietet mehr beispiele für getar. δ) participia sind von unserem verbum nicht belegt, wenigstens kommen sie nur in der dem hilfsverb eigenen assimilation an den infinitiv vor: er hat auch in nit türen ansehen. Tristrant und Isalde 29 Pfaff. der infinitiv selbst wurde ebenfalls von der hauptverwendung unseres verbs nicht begünstigt; er erscheint gelegentlich substantiviert: krone ob allen fursten.mir lit hie tot gevellet, II. bedeutung und gebrauch. 1) die grundbedeutung, auf die sowol die germanischen als die indogermanischen parallelen hinweisen, ist: muth haben. unser verbum unterscheidet sich jedoch von den verwandten seiner sippe wie: getrauen, getrost u. a. dadurch, dasz von vornherein eine zielbestimmung vorliegt, auf die sich die grundbedeutung bezieht und einschränkt. ganz ebenso wie das synonyme wagen erscheint geturren nur im relativen gebrauche und die wenigen älteren beispiele, in denen dies scheinbar nicht der fall ist, erklären sich aus ellipse: aldâ wart under in beiden 'waz weistu', sprach er, 'liebez kint, 'ich kuste iuch, wære ich kusses wert'. 2) das verbum positiv gefaszt. a) lockere verbindung mit dem infinitiv; volle intensität der grundbedeutung. α) es bekundet sich der physische muth: iuwer angest ist ein teil ze grôz [Bd. 6, Sp. 4596] daz ich von iu versmâhet ie Dacianus der vurste den vursten was unmazen zorn, β) der moralische muth nimmt verschiedene formen an und unterliegt verschiedener beurtheilung. in unseren beispielen ist die rühmenswerte seite desselben spärlich bedacht. um so reichlicher flieszen die belege für solche wendungen, in denen es zur auflehnung gegen die gebote gottes, menschlicher sitte und gesellschaftlicher schicklichkeit sich umbildet. 1)) a)) ir sult der rede sîn erlân. herre got, nu sende, b)) waer aber daz der herre den man irrete unde spraeche, er hete sin lehen nicht gevordert als er ze rehte solte, getar der man danne bereden mit sinen zwain vingern, daz der herre inan landes niht waere do er ez vordern solte, oder er selbe inan landes niht waere. Augsburger stadtbuch 185, 26 Meyer; getrost er mit seinem rechten dafür kommen, das sol er geniezen. bergr. 76. 12, 677. 2)) in übler nebenbedeutung. a)) übermuth gegen gott und göttliche einrichtungen: vil wol gelobter got, wie selten ich dich prîse! herr behüet, herr behüet, ist das war, b)) weltlicher übermuth: ich wiste gerne ob ir der sît, [Bd. 6, Sp. 4597] c)) beziehung auf gesellschaftliche verpflichtungen, auf die schicklichkeit überhaupt: ez enwart nie bote enphangendeheines fürsten baz. hêrre und lieber œheim mîn mîn heil sî vor der hœchsten hant d)) allgemeine annäherung an den begriff der frechheit, unverschämtheit: als das capitel ende nam b) abschwächung der intensität der bedeutung in bestimmten verbindungen. α) wo der infinitiv eine handlung zum ausdruck bringt, pflegt das wagnis, das damit verknüpft ist, stärker ins gewicht zu fallen als bei aussagen und behauptungen. daher nehmen verba der mittheilung bei engerer verbindung dem hauptverb leicht die vollkraft der grundbedeutung: reinez herze scefe du trehten in mir β) eine abschwächung der grundbedeutung bahnt sich auch in der syndetischen verbindung mit anderen präteritopräsentien an: ez lêret diu gewonheit si getorsten unde kunden, die armen er (sant Silvester) zu huse lut [Bd. 6, Sp. 4598] in anderen fällen jedoch ist die gegenseitige vertretung nur aus vorhergehender enger verbindung und aus daraus folgender abschwächung zum hülfsverb erklärlich: das stuck getar auch widerfaren personen die einer künn sind. hell. löw d 6a. c) abschwächung in bestimmten gebrauchsformen. α) die frageform giebt der verbalbedeutung fast immer eine bestimmte richtung; sie ist meist einkleidung eines vorwurfs, einer zurechtweisung, und so stellen sich in ihr die meisten beispiele zu der gruppe der unter a, β, 2)) (sp. 4596) behandelten verwendungen: wie getörstet ir geschouwen eia, du vient der warheit, β) die hypothetische form andererseits führt geradezu zur formelhaften erstarrung; in ihr sinkt das verbum zum einfachen umschreibenden hülfsverb herab. 1)) nach der seite der bedeutung entspringen für die positive form hier die berührungen mit dürfen: ich fröwe iuch, ir beswæret mich: 'nu frouwe, was ist iuwer nôt 2)) eine andere art dieser hypothetischen fassung begegnet in der rechtssprache: daruff sprechen und entscheiden wir, geturre der egenant Johann erwisen, als recht ist, das er die egenanten Friderich und Cuntzman und ir helfere .. nicht gehuset, noch mit wissen geheimet habe .. so sulle er des zuspruchs ledig sin nach dem urhabe. rechtsspruch könig Ruprechts (1403) codex diplomat. 4, 24; so soll in der pfenter dorumb mit recht anlangen an dem ennde und vor dem rate der statt Amberg oder Sulzbach, do er dann die ainung geschworen oder versprochen hat. getrost dann derselbig hamermaister mit seinem rechten dafür komen, das er sollichs ungevarlich gehanndelt hett, und mit seinem willen, wissen und gunst geschehen were, desz solt er geniessen. hammereinigung der städte Sulzbach und Amberg 1464, 76. γ) in dieser formelhaften umschreibung (vgl. gramm. 4, 171) wird das verbum in der mittelhochdeutschen dichtung in den dienst der poetischen stilform gestellt; es hilft dem reimzwang dadurch nach, dasz es infinitivformen ermöglicht: ir solt mich heizen henken, vil übellich im daz vervie 3) das verbum in verbindung mit negierenden bestimmungen umfaszt weitaus die gröszere gruppe der verwendungen. vor allem [Bd. 6, Sp. 4599] ist für die grundbedeutung eine viel ausgedehntere manigfaltigkeit in der ausgestaltung zu belegen. a) die grundbedeutung ist in voller kraft und bringt die beziehung auf den physischen mut zum ausdruck; zwei richtungen stehen sich hier gegenüber. einerseits wird in der verneinung des wagemuthes nur objectiv die richtige abschätzung der kräfte oder die einsicht in die verhältnisse gekennzeichnet; andererseits wird sie als mangel aufgefaszt und mit dem makel der furcht belegt. α) 1)) der künec Artûs wil wan der wider schœne, 2)) wand die armen christen gib uns dinen gewalt 3)) ganz besonders gehören hierher masznahmen militärischer art, bei denen die abschätzung der kräfte den ausschlag giebt: do daz der hertzoge vernam, do zoget er gedursteclich gegen ime. do kunig Adolf vernam die maht die der hertzoge hette, do getorst er nüt zu velde bliben und fr in die stat z Ulmen. d. städtechron. 8, 59; darz sint wir von in umbsetzet und belegen, das wir die porten nüt getürent uftn. 8, 297; also gewan der künig von Frangrich me volkes denne der künig von Engenlant hette, und gedurste doch nüt us Parys kumen. d. städtechron. 8, 474; sus koment wol vier tusent man in die stat, die vor nüt geturstent darin kumen. 326; aber sie getorsten für die stat nit kommen vor dem marggraffen, der hett als man sagt bei 4000 mannen. B. d. städtechron. 5, 192. in diesen verbindungen berührt sich geturren vielfach mit mögen und können; noch deutlicher tritt diesz hervor in: die stett lagen vor ainem schlosz, das allerpest in Schwabenland, das ist genannt Hohenzor, darvor lagen sie lenger dann jar und tag mit gewalt, sie getorst niemant von dannen treiben; wie oft man in draut und in grosze warnung kam, man wolt sie dannen schlahen, sie kerten sich daran nit, bisz sie das schlosz gewunnen. B. d. städtechron. 5, 230. zu dieser berührung mit können vgl. sp. 4597 und 4602. 4)) und warn wol gewappent und stalten sich gar werlich, darumb getorst sie niemant angriffen. 2. Augsb. chron. d. städtechron. 4, 30, (variante dorffte); dar inne warent der herzog von Oesterich, der von Wirtenberg und vil ander herren .. getorst sie niemand angriffen. Berner chron. 185; nun merk ich bei dem beispil der reichs stett leben, das sie ietz in dieser gegenwürtigen zeit hand: sie waren gewaltig, mechtig, fraisam und wolgemuet dieweil sie bei ainander treulich in rechter freuntschaft waren und sich vestiglich verpunden hetten, ainander bei recht zu beheben und des rechten (zu) helfen .. da was kain herr so mechtig noch so türstig, der sie unpillich und zu unrecht getörst angreifen, dann sie hetten ims nit vertragen. B. d. städtechroniken 5, 230; nach den achtagen reitt der künig wider gen Bordias [Bd. 6, Sp. 4600] vast frölich von wegen der ee, dann er gedacht, Rengnold (sein neuer schwager) wurde im behulffen sin. das beschach; dann sit der vermehlung was kein ritter in Gastgunnia, der das kinni getörst uff heben. Haimonskinder 73 Bachmann. 5)) vnd also gedorst der alt veint nit mer in seinen gedancke herschen als ob im der schlag des straiches selbs worden wäre. dialog. Gregorii 2 cap. 4; wann du hörst disz tüffelsch verflcht hülen, daz dir der tüffel in git sölche unsegliche gedenck .. erzeig dich in frölicher hoffnung in got dem herren gegen im, wenn er daz sicht, so flühet er, und getar dir nit genohen. christl. bilger 26c. β) es wird die beschuldigung der furcht erhoben: 1)) für getorste nit der bibel von 1483 in 2. Mos. 3, 6 hat Luther furcht sich; ähnlich wird auch sonst dieses wort mit gebrauchsformen unseres verbums in verbindung gesetzt: wer auch mit seinen übergenossen icht ze schaffen het, den er vor forchten nit gethar beklagen. bair. landrecht von 1588 12, 620; der knecht thet es von stund an, wann er getorst es nüt underwege lassen usz forcht. Haimonskinder 244 Bachmann; ich gedar meinem herren die brot nit bringen, lauff bald heim und wechsel mir die, ich wil dein hie warten. schimpf und ernst 359 Österley; drei sind, die allzeit förchten sich: 2)) und die ez nicht geturren gereden, die schribent briefe oder heizent si ander liute schriben, und setzent die selben mit namen dar an, und werfent sie an die strazen, daz si die liute uf heben und si lesen: daz ist ein mort, und were ein tot noch wirser danne der ander, man sol im in tun. Schwabenspiegel cap. 48, 9 Gengler; also was der Strausz selb dritt und die pöswicht getorsten irn bösen willen und ir poshait nit volpringen und giengen ausz; damit was der frum man genesen und wol behüet. B. d. städtechron. 51, 316; antwürt im der hund: das kompt dar von, das ich hüter des huses bin, wider die dieb und mörder, deren getaur kainer ainen tritt dem hus genæhen. Äsop 162 Österley. 3)) die uligen geturren zu dem wallenden haven nicht kumen. veterbuch 32 Palm; daz sin bellen alle wolf erschreket und sin angesicht die wolf in flucht wendet, darum kain wolf der herd nachnen getorst. Äsop 232 Österley; und getorst in kain ander fraisam tier, weder leo, helfant, wolf noch peren noch kain ander tier nichts tuen und waren sicher überall, wo sie waidneten, und torst in niemant nichts getuen, dieweil sie ir treu und ainigkait mit ainander hielten. B. d. städtechron. 5, 229; wan wenn einem ein wolff noch get, het er denn nümen ein stecken oder einen gürtel, und er den noch im zühet uff der erden, so getar im der wolff nit genohen, er förchtet er fall dar über, darumb kummet er nit dar. christl. bilger 26b. b) in der beziehung auf den moralischen muth gewinnt das verbum mehr die bedeutung von sich getrauen. die einzelnen verwendungen stehen sich hier gegenüber, je nachdem die hindernisse für den wagemuth in äuszeren verhältnissen oder in einer inneren gebundenheit des subjectes beruhen. α) aber den edeln und den richen was es vaste wider. doch gedurstent sü es nit geanden, wan der bobest gar strenge gerichte hette und umb kleine sachen die die ime nüt gehorsam worent, det ertrenken oder enthoubeten. d. städtechroniken 9, 601. ganz ähnlich ebenda 8, 56; der zehand anfieng zürnen und getorsts doch nit versagen. Terenz (1499) 65b; o spotlichs und schimpfbares dinge, ist daz wir disem jungen unernieten kinde nit getörren begegnen und widersteen. translat. 147, 23 Keller; noch dann, umb ires hohen nams und adels wegen gedurst kein mensch z Rom offenbarlich sich dessen mercken oder hören lassen. wendunmut 1, 382 Österley. [Bd. 6, Sp. 4601] β) innere und äuszere gebundenheit durchkreuzen sich: 1)) in bestimmten verwendungen der rechtssprache: wer gerichtes mudet, der sol sichern, das er sin clage follenfure, dem sol man rechten; gedorste aber niemant gerichtes .. wir .. sollen .. darnach forschen. freiheitsbrief der burger von Sarbrucken 1321 bei gloss. diplomat. 1, 888; waere aber daz, daz er niht fur getorste chomen, daz er so gefriunde lute geschadegot hete an ir mage, gert im danne ein sin friunt geleites fur uf rehte rede, daz sol im der vogt gæben. Augsb. stadtb. 81, 25 Meyer. 2)) namentlich gehört hierher die rücksicht auf brauch und sitte: 'wie möhte wir si bringen'sprach der künic rîch, iur kus sol wesen mîn, dô Liupolt spart ûf gotes vart, ûf künftige êre, γ) innere gebundenheit. 1)) dô getorste Hagnefür si niht gegân: 2)) die armen buren, die getörren nitt witer gucken, denn ir junckherre wil. postill. 2, 23 (1522); sitzend darauf (auf den zeitlichen gütern) wie ain hund auf ainem höwhaufen und er isset nit höw und laszt auch nieman von dem höwhaufen nemen. also tnd solch geitig leut, sitzend auf dem gt und getürens nit recht brauchen und gestattens auch andern nit zu brauchen. sieben hauptsünd 1510 ee 4. 3)) alles das, das widerwertiges dem menschen z handen got .. es sien schmehe wort, verachtung von den lüten, es si dar zu innerlicher truck und getreng des gemüts das du nieman gesagen kanst oder auch getarst, und alles das dem glich ist, es si liblich oder geistlich. christl. bilger 59a; du gedarst es dem beichtvatter nit sagen, so es närrisch und bübisch gedanken seind. spinnerin (granatapfel) nr. 2b. c) abschwächungen und verflüchtigungen der grundbedeutung knüpfen wesentlich an die eben unter b) gewonnenen gruppen an. aus dem verhältnis zu äuszeren hemmnissen ergiebt sich für das negierte verbum die berührung mit dürfen, aus demjenigen zu innerer gebundenheit die berührung mit können. α) derselb walthawer getare kein zimmer noch holz fur die stat noch ausserhalb der rinckmaur on laub des rats nit geben. baumeisterbuch 71, 6. der bedeutung nach ist getare hier überhaupt nicht mehr von darf zu trennen, und es spielen die lautlichen und graphischen factoren hier herein, die sp. 4590 zur besprechung kamen. in anderen beispielen dagegen lassen sich deutlich die übergänge beobachten, mit denen das eine verb dem andern sich nähert: 1)) und wer koren hett, der muest so vil hingeben, als im dann die korenmaister gesetzt hetten, und getorst sich des niemant setzen oder widersprechen. B. d. städtechron. 5, 257; der bapst gab im zu antwurt, er hett in gefangen mit des conciliums rat und on dasselb concilium getorst er in nit ledig lan. 5, 64; das mennlin sprach: ich hab dir geschworen, ich wölle dich nit angryffen uncz das wir zuo dynem vater komen, darumb getar ich dir nit helffen. Äsop 232 Österley; und dasz der herr auch verpotten hett, dasz man (von) Bairn nicht, weder eszent noch ander ding, in die stat füern noch tragen getorst. B. d. städtechron. 5, 219. genau so 312; besunder ausz hertzog Ludwigs land, der hat es verspotten bei leib und guet überall in seinen landen, und in aller seiner herschaft getar niemant kain handel mit den von Augspurg han (varianten törff und darf). B. d. städtechron. 5, 327; da worent 4 meistere, iegelicher ein viertel jores, und getorst ouch kein anderre burgere, wie frumme oder biderb er waz, in dem rote gesin, es were denne daz in der ein der die kure hette des jores, hette drin gesetzet. d. städtechron. 8, 123; nach dem was uns von Augspurg hertzog Ludwig von Bairn ungnedig [Bd. 6, Sp. 4602] und feind .. so getrost man auch nichts von Bairn her in die stat weder füeren noch tragen noch treiben. B. d. städtechron. 5, 231 (variante torfft); darzu so hat man verpotten, dasz man weder gült, koren, heu, noch holtz, das der von Augspurg aigen guet is, und hertzog Ludwigen nit zugehört, das getar man nit her füeren und muesz all korngült und was die von Augspurg im Bairland hand, das muesz man zu Bairn lan und getar es niemand haimfüeren (var. darf, torft) 5, 329. 2)) und muesten fürbasz, nachdem und sie den brief wider genommen hand, allbeg in der hörberg bleiben und getorsten darausz nit bei geschwornem aid on urlaub des vogts, der ir gewalt hett. B. d. städtechron. 5, 232 (variante torfften), genau so 234. 288. ebenso 286, 20, 22; und beschiet ieder parten ein zil, uber daz sü nit getürstent wandeln noch gon, daz sü üt zsamene kement. d. städtechron. 8, 123; als dann gehet er mit nider geneigtem haupt ausz der kammer, nimmer barhaupt, auff das die eer gottes auff ihren heuptern rw, dann kein Jud über dreitzehen jar gethar barhaupt gehen. weltbuch 144a; der msz siben tag barfsz auff der erd sitzen bleiben vnnd sein vatter klagen. gethar auch inn dreissig tagen nit baden, bescheren, noch einich eusserlich freüd haben. 154a; und das si von finf rossen, als vorgeschriben ist, nicht mer, dann von ainem fueder wein Bozner mass gefellt, an den zellen am Lug und Passeyr firnemnen und geturen aufzwingen. Passeier urk. des 13. jahrh., abgeschrieben im 16. jahrh., österr. weisth. 5, 92; item, wer aber die steur nicht bezalte vor dem heiligen sand Thomas abent, so mag ein richter mitsambt den zwain poten dem selbigen sein haustür auszheben und getar die nicht wider einheben oder machen ân eins richters urlaub. weisth. von Bruneck, copie des 15. jahrhunderts. österr. weisth. 5, 474. β) ichn kunde ze Salerne da getorsten noch enmohten hievon getar ich nicht bekumen das ich pin ain herre meiner zungen, γ) formelhafte verwendungen kommen bei der verbindung mit negierten bestimmungen nicht vor.
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