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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
gerispel bis gerlachs (Bd. 5, Sp. 3714 bis 3715)
 
 gerispel, n. geräusch Kehrein volksspr. 160, rheinisch, subst. verb. zu rispeln, leises, schnell vorübergehendes geräusch machen.
 
 
gerispet, mit rispen versehen, rispenförmig.
 
 
gerisz, n.
1) geris, risz, rima, fissura Henisch 1520.
2) wie gereisze 2: eine person oder sache, um die man sich reiszt, hat das gerisz, es ist das gerisz um sie. Schm.2 1, 148. Schmid 435. Pfister nachtr. 235. 3) s. geris.
 
 
geriszlet, s. gerieselt.
 
 
geritt, n.
1) ritt, reise zu pferd: ain geritt gen Nüremberg. städtechron. 4, 337, anm. 4 und 5 (von 1429).
2) feindlicher anritt: so hatten si auch vur der stat manich gerenne und scharmitze und geritt. Limburger chron. 82, 10 var.; kriegszug zu ross: gerites und urliuges tut kundschaft Lucanus. Schm.2 2, 182; Pütrich tet ain geritt (var. ain ritt) gen Wellenpurg uff die Aunsorgen und die Aunsorgen ritten auch uff des Püttrichs schaden. städtechron. 4, 103, 3 (15. jh.).
3) geritt, reuterei Henisch 1520, ahd. daʒ karit, girit, equitatus Graff 2, 477.
4) geritte, reitzeug, vgl. DWB gereite 4, a sp. 3625: auch soll kein sattler .. kein neu geritte beschlagen noch keinerlei dinge so denen spenglern zugehöret. und sollen auch kein neue spange noch schenkel uf kein alt geritte machen. Scherz 1, 531 (v. 1396).

[Bd. 5, Sp. 3715]

5) schwäb. gritt, zudringlichkeit, unfug: ein gritt haben kinder, wenn sie unartig, ungestüm, zänkisch sind Schmid 433. eigentlich wol der zustand und das treiben eines vom kobold oder teufel gerittenen, s. theil 8, 776.
 
 
geritten, part.
1) zu mhd. rîten, beritten, reitend, mit einem ross versehen, als subst. der reiter, ritter, s. DWB reiten 1, c th. 8, 773, gramm. 4, 70, mhd. geriten wb. 21, 734 mit reichen belegstellen, gerieten städtechron. 8, 83, 26, gerieden weisth. 2, 3 (Saarbrücken, von 1321). 2, 425 (Mosel, 16. jh.), gerütten Wilw. v. Schaumburg.
a) eigentlich:

ein wol geriten sarjant. Willehalm 315, 25;

rittere, ..
geriten starc ûf orsen gût. Ludw. kreuzf. 116;

waʒ sô ringe geriten (leicht beritten) was
mit bogen snel, ûʒ er die las. 1544;

5 gewappnoter man, der sind drei geritten. städtechron. 4, 253, 21 (von 1362); so sol er in dem gagenwürtigen jar zwen erbar geriten gen Rom schicken. 181, 40 (von 1375); da schickten die vier den fünften hin gen Nürmberg geriten. 10, 301, 24 (15. jh.); in der hervart hette künig Rudolf 6 tusent gerittens volkes. Closener in städtechron. 8, 51, 19; zehentusent gerittener und z fusze. 59, 16; do die gerietenen under enander worent kummen. 83, 26; der geritten wurdent erslagen 200. Königshofen ebenda 8, 324, 22; wenn fewer aufgeet, so süllen sich alle soldner geharnascht und geritten zu dem soldnermeister fügen. E. Tucher baumeisterb. 332, 31 (von 1449); es waren auch die seinen (Karls von Burgund) uf das köstlichest, als in gezam, woll gerüst, gerütten. Wilw. von Schaumburg 14;

(frauen) ohn sporen also daher ritten,
uber zwerch auff den rossen gritten.
Frischlin hohenzoll. hochz. 104;

beed auff rossen grütten. ebenda.


b) bildlich:

die vogele wâren baʒ geriten. Parz. 119, 5;

im sprichwort
α) an einem geritten werden: an den geduldigen wil jedermann geritten, zum ritter werden. Agricola spr. 51b; wie es dann geht, wann eim ein fsz entschlupfet, so wil iederman an jm geritten werden. S. Frank spr. 2, 28b; darz ligt jedermann auff disem redlichen handwerck der bawrschafft, z schätzen, schinden und schaben, da wil jedermann an in geritten werden, der fürst, edelman u. s. w. chronica 212b.
β) kurz geritten, wie kurz angebunden th. 5, 2830: bruder! ich warne dich .. es möchte nicht gut werden, du weiszt, dasz ich kurz geritten bin. Hoffmann Eviana 110.
2) zu mhd. rîden, winden, drehen, wenden, s. DWB reiden: wirt einer aber geschossen in ein bein, und das der pfeil geritten ist, so thn im als ich dich hie nach leren wil. Braunschweig chir. (1497) 29a.
 
 
gerittling, gerittlingen, adv. in der stellung eines reitenden, mit gespreizten beinen:

thut grüdling darüber stehn.
Ayrer dram. 2547, 8 Keller;

grittlingen saszens (frauen) auff dem ross,
man maint es weren huren grosz.
Frischlin hohenzoll. hochz. 104;

schwäb. grittlingen, reitlings Schmid 433, gebildet wie lieglingen, sitzlingen, stendlingen, schweiz. bauchlingen. vgl. rittlings.
 
 
geritz, n. das ritzen Schottel 633b.
 
 
gerkammer, f. , s. DWB gärkammer.
1) sacristei, eigentlich ankleideraum des geistlichen: gehrkamer, adytum, sacrarium Apherdiani tyrocinium (1581) 175; in der gerkameren. Laurent Aach. stadtrechn. 408, 6 (von 1333); gerkamere städtechr. 7, 158, 13 (15. jh.); item den 27 november hat Adolff Zimmerman ein new finster an die gehrkammer gemacht. ausgab der kirchen zu Düssel vom j. 1632; noch westfäl. gêrkammer Woeste 77a.
2) gerkammer, geräte-, rumpelkammer Röhrig techn. wb. 281a.
 
 
gerkuchen, m., westf. gêrkauken, pfefferkuchen, eig. ein kuchen, der immer bereit (gerwe sp. 1312) ist, weil er sich lange hält. Woeste 77a.
 
 
gerlachs, eine weiszgebleichte, sehr einfache böhmische leinwand, engl. garlix Nemnich waarenlex. 177. 352.