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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
grundlage bis grundlegend (Bd. 9, Sp. 835 bis 840)
 
grundlage, f.
grundlager, n.
grundlagerholz
grundlast, f.
grundlaster, n.
grundlaut, m.
grundlauter, m.
grundlautlich, adj.
grundleer, adj.
grundlegen, vb.
grundlegend, adj.
grundleger, m.
grundlegung, f.
grundlehre, f.
grundlehrsatz, m.
gründlein, n.
gründlich, adv.
grundlich, adv.
gründlichkeit, f.
gründling, m.
grundlinie, f.
grundlos, adj.
grundlose, f.
grundlosigkeit, f.
grundloth, n.
grundlüge, f.
grundmangel, m.
grundmann, m.
grundmasse, f.
grundmasz, n.
grundmäszig, adj.
grundmäszigkeit, f.
grundmaterie, f.
grundmauer, f.
grundmaxime, f.
grundmeinung, f.
grundmeister, m.
grundmesser, m.
grundmesserei, f.
grundmotiv, n.
grundmütig, adj.
grundner, m.
grundneigung, f.
grundnisz, f.
gründnisz, f.
grundobrigkeit, f.
grundobrigkeitlich, adj.
gründonnerstag, m.
gründonnerstägig, adj.
grundpfahl, m.
grundpfählung, f.
grundpfahlwerk, n.
grundpfeiler, m.
grundpfennig, m.
grundplatte, f.
grundplan, m.
grundplatz, m.
grundprincip, n.
grundproblem, n.
grundpunct, m.
grundquell, m.
grundquelle, f.
grundrebe, f.
grundrechnung, f.
grundrechnungsart, f.
grundrecht, n.
grundrechtlich, adj.
grundrede, f.
grundregel, f.
grundreich, adj.
grundrichtig, adj.
grundrichtigkeit, f.
grundrichtung, f.
grundrisz, m.
grundriszbildung
grundriszform
grundriszzeichnung
grundriszen, vb.
grundriszlich, adj.
grundruhr, f.
grundrühren, vb.
grundrührig, adj.
grundruhrrecht, n.
grundrührung, f.
grundsache, f.
grundsachlich, adj.
grundsam, adj.
grundsand, m.
grundsatz, m.
grundsätzig, adj.
grundsätzlich, adj.
grundsätzlichkeit, f.
grundsatzlos, adj.
grundsatzlosigkeit, f.
grundsatzmäszig, adj.
grundsatzung, f.
grundsatzweise, adv.
grundsäule, f.
grundschachen, m.
grundschalk, m.
 grundlage, f. , die (unterste) schicht auf der ein ding ruht, unterlage, basis, fundament; gr. löst, im späten 16. jh. und 17. jh. vereinzelt einsetzend und erst in der zweiten hälfte des 18. jhs. voll entwickelt, das simplex grund in den bedeutungen IV A 2 (vgl. sp. 704) und IV B (vgl. sp. 713) weithin ab; ausgangspunct der bildung wohl die formeln den grund legen (sp. 705), zum grunde legen (sp. 707) und comp.-typen 5 h und o; lexikalisch nicht vor der mitte des 18. jh.s als lebendiges wort verzeichnet: gr. (term. d'archit.) empâtement nouv. dict. (1762) 359b, besonders Adelung (1774) 2, 829; noch bei Frisch teutschlat. (1741) aus Stettler zitiert (s. u.) als ungebräuchlich gekennzeichnet, vgl. dagegen gr. bei Gottsched beobacht. (1758) 122; nl. grondlaag im 17. jh. selten, erst im 19. jh. ausgebreitet; parallel gebildet (unter einflusz von gr.?) schwed. grundlag vgl. schwed. wb. 10, 1047, dän. grundlov dän. wb. 7, 182, vgl. Falk-Torp etym. wb. 353.
1) concret, auf körperliche masse bezogen, eigentlich und bildlich für die basis, die tragende, untere schicht eines bauwerks: gr., 'der unterste theil einer baute' Helfft wb. d. landbauk. 162; im bilde: dasz das einige fundament und die einige grundlag der kirchen gottes alleinig bestande auff der lehre der propheten und aposteln Fischart binenkorb (1588) 2a; von dem dritten ... tempel steht nur noch die gr. der cella v. Gaudy s. w. 5, 139; nur ein kleiner theil der gr. blieb stehen zum angedenken seiner mühle br. Grimm dtsche sagen3 1, 136; hier fanden wir ... viereckige abtheilungen aus nebeneinander gelegten ... steinen, die ... grundlagen von häusern waren Forster s. schr. 2, 14; dieser säulenstuhl hat keine erste gr. ce piedestal n'a pas assez d'assiette Schrader dtsch.-franz. 1, 580; gr. eines walles Krünitz 20, 283; Beil 264; wobei die trümmer einer alten burg ... zur gr. (für eine

[Bd. 9, Sp. 836]
schanze) dienten Raumer gesch. d. Hohenst. 1, 144; sollte aber die last (des gebäudes) sehr grosz und zu befürchten seyn, dasz sie die gr. (d. h. die feste lage grandigen bodens) entzwey brechen könne Krünitz 20, 264; (sie) haben ... für ein kartoffelfeldchen ... aus mächtigen felsblöcken eine gigantische gr. aufgeführt Steub drei sommer in Tirol 2, 425; eine mächtige ... reine sandmasse, welche überall die gr. der ganzen marsch bildet Allmers marschenb. 68; (die) natur, die ... unter dem boden und weiterhin in die felsigen grundlagen ihr crystallisirendes bildwesen treibt Göthe IV 34, 73 W.; fachsprachlich im wasserbau: werckstücke aus gutem sandstein ... sind ... nöthig zu steinern schläussen zum wenigsten zur ersten gr. an die ecken L. Chr. Sturm fangschläuszen ... bauen (1715) d 2b; gr., einbettung, ist die gründung in tiefen wassern aus toschigten tannen ... oder auch aus faschinen, um darauf hernach einen wasserbau ... darauf aufzuführen Voch baulex. (1781) 133a; grundlagen für grundsohlen ist in der correct bergmännischen sprache kaum jemals üblich gewesen, sondern offensichtlich verunstaltet aus grundladen (vgl. sp. 835): grundlagen sind breite, beschlagne höltzer, welche unter die tragstempel gelegt werden G. Lichtenstein entd. geheimnisse (1778) 74; gr. 'für das pflaster' (straszenbau), empierrement Beil 264; wenig ausgebreitet im sinne grundfläche; anlage oder gr., base ist der fusz oder die untere breite eines jeden dinges ... oder die obere fläche eines platzes, welche zu einem jeden gebäude abgestecket ... wird Fäsch kriegslex. (1735) 28b; diese gr. (des Ätna) ... hat ... sechzig stunden im umkreise Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779 ff.) 4, 122.
2) am breitesten entwickelt in übertragener bedeutung, in mannigfachen beziehungen auf dinge und zustände angewendet, parallel entsprechendem gebrauch von basis; dasz die concrete vorstellung mehr oder weniger spürbar bleibt, erweisen die typischen verbindungen mit adjectiven und verben.
a) das, worauf eine sache existentiell beruht, reale vorbedingung, geistige voraussetzung, bestimmende kraft; vereinzelt bereits im älteren nhd.: dan dise zwey, hoffnung der rhümlichen ehr und forcht der schandlichen straff sind die grundleg (plural oder grundlege?), notzeug und gleichsam urspringliche element ... aller thugend Fischart w. 3, 309 Hauffen; dann alle sachen deren grundlag auff der billigkeit bestehen, kommen zu glücklichem fortgang M. Stettler annales (1627) 1, 297a; weil ... kein groszes nachsinnen vonnöthen gewesen, welches sonst in andern schrifften die gr. zu seyn pfleget Zendorius a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 511; erst seit der mitte des 18. jhs. stark ausgebreitet: an seinen (Christi) zwei ἐντολαῖς hänget das ganze gesetz und die propheten und die werden die ewigen grundlagen aller meiner moral bleiben Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 103; der sohn gottes ... errichtete ... das christentum und in demselben die streitende kirche als gr. zu seinem künftigen herrlichen reich Jung-Stilling w. 3, 157; das erkennen (unterhöhlt) durch seinen widerspruch die grundlagen des glaubens H. Lotze mikrokosmus 1, ix; die strenge ... justiz, welche eine der wichtigsten grundlagen dieser republik macht Schiller 4, 114 G.; die gr. dieser verfassung (war) die errichtung einzelner römischer colonien Eichhorn staats- u. rechtsgesch. 1, 67; streitschriften ..., womit er ... die drei grundlagen jedes menschenwürdigen öffentlichen lebens, die religiöse, die häusliche und die politische freiheit vertheidigte Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 9; materiell z. b. diese einnahmen bilden die gr. für seine wirtschaftliche existenz; Wolfgang (habe) noch immer nicht gelernt ..., was die gr. eines geordneten haushaltes sei O. Jahn Mozart 3, 150; öfter für das, was die basis eines streites, von verhandlungen, verträgen u. s. w. bildet: ich sahe vorher, dasz ... dieses kleine schriftgen die gr. eines theologischen federkriegs von vielen jahren werden würde Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 119; anordnungen, welche der päpstliche stuhl im jahre 1335 getroffen ..., wurden im jahre 1448 abermals die gr. der deutschen concordate Ranke

[Bd. 9, Sp. 837]
s. w. 1, 33; weil wir glaubten, dasz wenn die regierungsvorlage angenommen wurde, den berathungen der provinziallandtage eine gr. gegeben war Bismarck pol. reden 1, 9; die thatsachen, auf die wissenschaftliche untersuchungen, forschungen, berechnungen, theorien u. s. w. sich aufbauen: dieser (erste theil des werks) enthält nur die gr. Herder w. 13, 9 S.; es (sind) nur längst bekannte denkmahle der alten kunst, die mir freygestanden, zur gr. meiner untersuchung zu machen Lessing 11, 4 L.-M.; sie erinnern sich wol noch der gr. zu der ganzen theorie, dieses calculs briefe die neueste lit. betr. 17 (1764) 95; Lockes ... versuch vom menschlichen verstande, der ... beinah gr. der philosophie worden ist Herder w. 23, 131 S.; gr. der anzustellenden berechnungen Göthe 25, 283 W.; formeln für die objektive gr. dieses unterschieds der thatsachen des geistigen lebens von denen des naturlaufs Dilthey einl. in d. geisteswiss. 1, 8; die astronomischen observationen (muszten) als gr. der karte angenommen werden Ritter erdkde 1, 377; die fundamentalen elemente von bildung, wissen, charakter: er (Sokrates) würde ... die tanzkunst zur ... gr. zur erziehung ... gemacht haben Wieland Lucian v. Samosata 4, 395; man ... brachte meiner seele die lehre von den gespenstern, hexen und dem leidigen satan ... bey. nach dieser gr. muszte ich einige sprüche aus dem catechismus Luthers lernen Heinse in: Gleims briefwechsel 1, 5 Körte; seine (Lachmanns) vorlesungen ... wurden für mich grundlagen meines bescheidenen wissens G. Freytag ges. w. 1, 89; anders: als gr. des unterrichts im griechischen diente auch hier das neue testament Steffens was ich erlebte (1840) 1, 89; die gr. ihres charakters war eine schöne anhänglichkeit an väterliche sitte Fr. Schlegel s. w. 4, 14; dieser muth musz die gr. ihrer seele ... seyn Lavater verm. schr. 2, 151; schon dies beweist auch, dasz im kurfürsten eine edle gr. war Bettine die Günderode 2, 49; ich ... bemühte mich, die gr. seines bestialischen wesens aufzufinden G. Keller ges. w. 3, 133.
b) auch mit stärkerer betonung des anfangens, entstehens (vgl. grund IV B 2) 'voraussetzung, vorbedingung': dies (die höhlen) ward die gr. einer festeren bauart Herder w. 22, 131 S.; das porträt ist die gr. ... des historischen gemähldes A. W. Schlegel im Athenäum 1, 12, 85; ich habe von dem entstehen, von der gr. der dichtkunst dieses philosophen meine eigene gedanken Lessing 10, 214 L.-M.; es (das göttliche ebenbild) liegt, eben weil es die gr. ... des ... daseins bildet, schon in der natur Fr. Schlegel s. w. 13, 195; ähnlich bei erscheinungen der historie, der cultur, des geistigen lebens vielfach verwendet: eine allgemeine weltgeschichte würde die gr. von allen geschichten der völcker enthalten Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 4, 273; da sie (die geschichte der Franken) von nun an die grundlaage der deutschen ausmacht M. I. Schmidt gesch. d. Dtschen (1778) 1, 197; es (das historische leben) hat dort seine geistige gr. gewonnen Ranke s. w.2 14, 3; die grundlagen des neunzehnten jahrhunderts Houston Stewart Chamberlain buchtitel; allgemeiner 'das, woraus eine sache hervorgeht, substrat': leidenschaft (sei) die gr. des tanzes Gerstenberg recens. 324; den chor, die gr. des griechischen dramas, setzte man ab Platen 3, 230 R.; so musz man ... das griechische für die gr. des lateins annehmen K. O. Müller d. Etrusker 1, 20; quelle, literarische vorlage, stoffliches vorbild: ein werk ..., das künftig zur gr. eines ... werkes dienen könne Nicolai literaturbr. 5, 53; ich hätte die gr. dieses stücks niemals gewählt G. Stephanie s. lustsp. (1771) 211; der stof der romane ist zuweilen, seiner gr. nach, historisch Eschenburg entwurf 266; selbst ein academiker ... könnte diese schrift zur gr. eines vortrags recht gut brauchen Göthe IV 19, 134 W.; eine frühere gr. des gedichts ist also unbezweifelt W. Grimm heldensage 68; die gr. von dem hahn und dem ringe hörte ich ... von einem ... chocolademacher ... erzählen Brentano ges. schr. 5, 5; (er) glaubt, die gr. der fabel sey schon zu Karls des groszen zeiten vorhanden gewesen A. W. Schlegel Athenäum 2, 309; ähnlich: Klopstock ist auch bei ihm (Baggesen)

[Bd. 9, Sp. 838]
die gr. seiner dichtung Gervinus gesch. d. dtsch. dichtg.4 5, 584; fast wie 'beweggrund': er besorgte, irgend ein begangener fehler möchte die gr. dieser betrübnisz seyn Laroche frl. v. Sternheim 1, 6; wäre dein eigenes böses gewissen die gr. deines zorns gewesen? Iffland theatr. w. 4, 314; anders, in den begriff 'berechtigung' hinüberspielend und ganz abstract geworden in der neuerdings beliebten formel: diese behauptungen, gerüchte u. s. w. entbehren jeder gr.
3) in typischer verbindung mit adjectiven tritt der bildliche charakter häufig durch die betonung des festen, sicheren heraus; fest, sicher u. ä.: es fehlte ... ihrer herrschaft ... an einer festen gr. Mommsen röm. gesch. 2, 62; stolz ist eine feste gr. Fr. M. Klinger w. 11, 292; ein gefühl der ruhe ..., dem aber eine sichre und grosze gr. zur stütze dient W. v. Humboldt Pindar 45 lit.-denkm.; unerschütterliche grundlagen des äuszeren daseins Ranke s. w.2 14, 4; zu besonderer verwendung entwickelt sich breite gr.; im schlichten sinn: es (das wörterbuch) soll zumeist nach dem plan der Crusca behandelt werden und aus einer breiten gr. hervorgehen J. Grimm an Gervinus (5. jan. 1838) briefw. 2, 9 Ippel; seit einer erklärung könig Friedrich Wilhelms IV. vom 22. märz 1848 in superlativischer fassung als politisches schlagwort im schwang, vgl. zs. f. dtsche wortforsch. 3, 167 ff.; Ladendorf hist. schlagwörterbuch 35 ff., Büchmann gefl. worte27 555: nachdem ich eine konstitutionelle verfassung auf den breitesten grundlagen verheiszen habe allg. preusz. zeitg. v. 22. iii. 1848 abendausg., extrabl.; die varianten freisinnigen und freisinnigsten grundlagen und spätere erweiterungen wie breiteste demokratische grundlagen volksblatt v. 27. v. 1848 erhellen die bedeutung der formel: 'alle schichten des volkes einbegreifend'; vor der hand stellte er (der könig) 'sich auf die breiteste gr.' Ruge briefw. 2, 36 Nerrl.; vielfach parodiert: die katzenmusiken sind auf den breitesten grundlagen eröffnet Kladderadatsch v. 28. v. 1848; vgl. Freiligrath ges. dicht. 3, 169; da er seinen rücken recht betrachtete, freute er sich dieser breitesten gr. und lud ihm auch noch sein eigenes ränzel mit auf (a. d. j. 1849!) Eichendorf s. w. 3, 451; auch später rein formelhaft gebräuchlich: (eine) organisation der schulen auf breitester gr. Mörike w. 3, 115; ich möchte ... meine errungenschaften auf breitester gr. anbahnen Holtei erz. schr. 20, 59; nicht selten erste gr.: seine (des nestes) erste gr. sind ... dürre baumblätter Naumann naturgesch. d. vögel 2, 1, 410; die naturwissenschaft (wäre) in ihren ersten grundlagen aufgehoben D. Fr. Strausz (leb. Jesu) ges. schr. 3, 48; die zergliederungskunst, die erste ... gr. der artistischen vorkenntnisse G. Forster s. schr. 3, 451.
4) bei formelhafter verbindung mit verben ist die eigentliche bedeutung theils deutlich; z. b. eine gr. legen; auf einer gr. bauen, errichten; eine gr. untergraben, erschüttern u. s. w.: hier hatte er die gr. gelegt zu dem münz- und antiquitätencabinet Justi Winckelmann 1, 335; den beweis ihres talentes, ... ihrer guten von der mutter gelegten gr. Gutzkow ritter v. geiste 7, 143; die rechtfertigung meines neuen kehrreimes, die ich auf die oben bemerkten fünf grundlagen bauete Bürger w. 1, 358 B.; auf unsichrer gr. hinfällige sätze aufbauen Welcker alte denkm. 1, 4; die einzigen grundlagen, auf welchen ein wahrhaft republikanischer bund errichtet werden kann br. von u. an Herwegh 245; dazu kam, dasz ... die münzherren ... ihn (den münzbetrieb) ... auf andere wirtschaftliche grundlagen stellten Luschin v. Ebengreuth münzgesch. 87; kaiserthum und papstthum hatten ... einander die grundlagen ihrer macht untergraben G. Freytag ges. w. 18, 2; ohne die grundlagen des gesammten daseins zu erschüttern Ranke s. w. 2, 3; theils ist die bildvorstellung verblaszt: die gr. bilden, auf einer gr. beruhen, zur gr. dienen u. s. w.: diesz thema ..., das die gr. für die ausführung bildet, ist das abstrakte Hegel w. I 1, 125; die beweise (müssen) auf thatsächlichen grundlagen beruhen Brunn kl. schr. 1, 37; künftig ... müssen die pflichten, die vortheile, die unbequemlichkeiten desselben zur gr. des werks dienen Lessing 10, 148 L.-M.

[Bd. 9, Sp. 839]

5) stehende präpositionalverbindung ist auf gr., mit verbaler, adjectivischer oder genitivischer ergänzung; vgl. die gleiche verwendung von basis: der reichtstag war sehr der meinung auf dieser gr. zu unterhandeln Ranke s. w. 1, 128; nicht urkundlich, aber doch scheinbar auf chronikaler gr. Böhme gesch. d. tanzes 60; die constitutionelle monarchie auf demokratischer gr. Hebbel w. 10, 130 W.; auf der gr. des Matthäus zusammengestellt Scherer liter.-gesch. 46; die verklärung geschieht auf der gr. des tagebuchs handelsgesetzbuch § 524 abs. 5; namentlich rechtssprachlich vielfach articellos wie auf grund (vgl. sp. 712) verwendet: auf gr. des abkommens vom 28. jan. Moltke ges. schr. 3, 403; auf gr. der in ihrer letzten session beschlossenen gesetze Bismarck polit. reden 4, 4; (ein) prozess ... auf gr. einer rechnung für gewaschene vorhemden des entwichenen G. Keller w. 4, 231.
6) in fachsprachlichen sonderverwendungen; häufig auf concreta angewandt, ohne unmittelbaren anschlusz an die bedeutung 1; in physik und chemie 'grundstoff': gr., für die einfachen theile, woraus ein körper bestehet élements, principes Schrader dtsch.-frz. wb. (1781) 1, 580; gr., base, radical Beil 264; gr., salzfähige base salifiable; gr., säurefähige base acidifiable; gr., wägbare base ponderable Gehler physik. wb. 4, 2, 1649 f.; die gr. der feuer- und lebensluft nennen die chemiker den sauerstoff Hufeland kunst d. menschl. leb. z. verl. (1797) 65; gr. derselben (der ammoniakalischen parfüme) ist ... das feste kohlensaure ammonium Muspratt chemie 6, 2091; was man ... alkalische grundlagen ... genannt hat Göthe II 3, 206 W.; ähnlich physiologisch: ihre (der knochen) thierische gr. ist der sogenannte knochenknorpel Sömmerring bau d. menschl. körpers 2, 9; technisch: die gr. der fabrikation feuerfester erzeugnisse bilden die feuerfesten thone Muspratt chemie 8, 847; die eigentlich formgebende gr. (in der knopffabrication) bildet eine platte Karmarsch-Heeren 5, 7; in der musik: gr. eines akkords 'heiszt in der generalbasslehre diejenige gruppierung der töne desselben, welche den grundton als basston aufweist' H. Riemann musiklex.8 413; vereinzelt an grund V A 3 und lage 5 d sich anlehnend: diese vorstellung (bildet) die gr., auf die alles andere aufgetragen ist D. Fr. Strausz schr. 6, 48.
 
 
grundlager, n. 'unterlage, die den grund bildet' (vgl. comp.-typ. 5 h); von gebäuden: da zuvor der glantz deiner stat Italien erleuchtete, jetzunder kaum die hinterbliebene stücklein von dem gr. zu spüren J. M. Meyfart teutsche rhetor. (1653) 330; auch sonst: eine weinpresse bestehet aus dem gr., grundhöltzern, worauf der presztrog lieget allg. haushaltlex. (1749 ff.) 2, 582; vgl.gr., situs, situation Schottel 472; dazu die in der baugewerkssprache länger lebendige composition
 
 
-holz: eine ... verbindung aus vierkantig gehauenen grundlagerhölzern Benzler deichbau (1792) 1, 19; gr., 'die schwellen eines pfahlrostes, ... welche ... dem fundament unmittelbar zum auflager dienen' Helfft wb. d. landbaukunst 162; grundlagerhölzer im fundament eines gebäudes ... Mothes baulex. 4, 97; so bereits Voch baulex. (1781) 133a.
 
 
grundlast, f. 1) gr., ballast Hulsius teutsch-ital. (1618) 143a. 2) in neuerer rechtssprache 'auf einem grundstück lastendes dingliches recht' (vgl. comp.-typ. 5 f), meist pluralisch-collectiv; einmal die alten, im 19. jh. durch ablösung beseitigten beschränkungen des grundeigenthums wie gutsherrschaftliche lasten, abgaben, dienstleistungen u. s. w.: die wirthschaftliche kraft dieses ... kernhaften volkes wurde gelähmt durch mannigfache grundlasten Treitschke dtsche gesch. 3, 551; erst durch das gesetz vom 4. juni 1848 (wurden) ... alle grundlasten für ablösbar erklärt Bernhardt gesch. d. waldeigent. 3, 46; weiter im modernen recht bestimmte privatrechtliche belastungen wie reallast, grunddienstbarkeit, hypothek und öffentlichrechtliche wie rentenbankbelastung u. ä. vgl. H. Sacher staatslex. 2 (1927), 934 ff.; seltener im singular verwendet: die erklärung eines teils der gemeindegemarkung zum heimstättengebiet ... legt den betreffenden grundstücken fraglos eine derartige gr. auf ebda 938. —
 
 
-laster, n. (vgl. comp.-typ. 5 p, r): dannoch bleiben solche verstockte

[Bd. 9, Sp. 840]
hertzen sonder bekehrung in solchen grundlastern bisz an ihr ende unbewegt stecken J. R. Glauber anf. d. metallen (1666) 106; dieweil nun aber die atheisterei ... das gr. aller würcklichen sünden ausmacht Eyck d. närr. atheist (1722) 55; hochmuth, herrschsucht, habsucht, die drei gr. der menschlichen natur Görres ges. schr. 5, 415; die heuchelei der selbstbethörung ... ist das gr. der gegenwart Büchner kraft u. stoff 27. —
 
 
-laut, m., 'primitiver, ursprünglicher laut, urlaut': doch ist mehrenteils der erste gr., den ihm die zeugemutter aller dinge eingepflantzet, geblieben Zesen rosenmând (1651) 9; die grundlaute der sprache Wieland s. w. (1853) 33, 307; die menschliche lautsprache besteht aus einer ... anzahl von grundlauten K. Chr. Fr. Krause grundwahrh. d. wissensch. 213;

was auch das zarte brausen sei,
ein heilger grundlaut ist dabei
K. Mayer ged. 98;

vor allem gelten die vocale als grundlaute: indem beide (sprachen) die grundlaute a, i, u unverderbt aussprechen J. Grimm kl. schr. 1, 64; so auch gelegentlich terminologisch als verdeutschung von 'vocal' im gegensatz zum 'bestimmungslaut' (= consonant) neben selbstlaut, hauptlaut bei Campe 2, 473; anders gewendet 'laut, der den grundbestandtheil darstellt': das dwr oder dour der celtischen sprachen mag ursprünglich ... dasselbe wort nicht nur mit dem vaskischen ura, sondern auch mit dem gr. von ὕδωρ seyn W. v. Humbold ges. schr. 9, 143. —
 
 
-lauter, m., 'vocalzeichen' Campe 2, 473. —
 
 
-lautlich, adj.: die grundlautliche anordnung der deutschen urlinge nach dem ... adelungschen wörterbuche K. Chr. Fr. Krause briefw. 2, 225; —
 
 
-leer, adj.: gr., sine fundamento Stieler 1107; 'leer bis auf den grund': auch der gemeine geltkasten grundlär war R. Lorichius instruct. u. bericht (1618) 293; gesteigertes leer, 'völlig leer': es (war) ein ... fehler ..., eine so ansehnliche person ... auf bloszen grundleeren schatten argwöhnischer einbildung mit einem kerckerloch zu schimpffen E. Francisci traursaal (1672) 3, 405; in einen wirbel falscher freuden ... und grundleerer hoffnungen Fr. v. Gentz schr. 1, 85.
 
 
grundlegen, vb. 1) gelegentlich als verbale zusammenrückung von den grund legen (s. sp. 705 f.), poetisch:

(wo) warst du, als ich
grundlegete die erde?
Herder w. 12, 322 S.

häufiger als substantivierter inf.: bey dem gr. (eines gebäudes) musz eine grosze behutsamkeit angewandt werden, damit das fundament die hinlängliche stärcke erhalte Krünitz 20, 257; das gr., foundation Mothes baulex. 2, 366. 2) verkürzte zusammenrückung von in grund legen (s. sp. 728 f.); als subst. inf.: gr., 'ein feld ... ausmessen ... und ... in einer figur vorstellen' Chr. Wolf math. lex. (1747) 619; wie das gr. durch blosze stäbe und meszkette ... vorzunehmen 620; will man sich beym gr. einer landschaft mit einem risse begnügen allg. dtsche bibl. 2, 63; auch im sinne von 'abstecken': gr., 'wenn nach einer auf dem papier gezeichneten figur ein ihr ähnlicher raum auf dem felde nachgemachet wird' Chr. Wolf math. lex. 620. —
 
 
-legend, adj. partic., erst seit der zweiten hälfte des 19. jhs. im schwang (vgl. DWB den grund legen sp. 705 f. und zum grunde legen sp. 707), 'die grundlage herstellend': die grundlegende tätigkeit eines Baco und Descartes Fr. A. Lange materialismus 101; man ... ging im vertrauen auf den ... beistand der volksgenossen ... ans grundlegende werk v. Bennigsen d. nationallib. partei 26; die ... grundlegende arbeit der sammlung des ... materials Mommsen red. u. aufs. 47; (Grimms geschichte des reimes ist) ein beitrag zur metrik von ganz ungewöhnlicher stoffülle, durchaus gr., wenn auch ... der correctur oft bedürftig Scherer kl. schr. 1, 40; des grundlegenden meisterwerkes unserer ästhetischen kritik, des lessingschen Laokoon Justi Winckelmann 1, 450; die aufgaben einer solchen grundlegenden wissenschaft kann die psychologie nur lösen Dilthey einl. in d. geistesw. 1, 40; das

[Bd. 9, Sp. 841]
grundlegende princip war dies Bayer studien 380; schlieszlich mit 'fundamental' gleichgesetzt: welch grundlegende bedeutung der ackerbau im leben der Germanen hatte Hoops waldb. 495; modern häufig in verwendungen wie ein grundlegender irrthum, eine grundlegende umgestaltung u. ä.