| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
gemeinhaus bis gemeinhochdeutsch (Bd. 5, Sp. 3255 bis 3257) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
gemeinhaus, n. gemeinheit, f. gemeinheitlich, adj. gemeinheitsgenusz, m. gemeinheitsmeister, m. gemeinheitstheilung, f. gemeinherr gemeinherrschaft, f. gemeinhin gemeinhirt, m. gemeinhochdeutsch gemeinholz, n. gemeinhut, f. gemeinhutung, f. gemeinigkeit gemeiniglich, adv. gemeinjahr, n. gemeinkasten, m. gemeinkraft, f. gemeinkunde, f. gemeinkundig gemeinland, n. gemeinländerei, f. gemeinleben, n. gemeinlich gemeinlichkeit, f. gemeinmachung, f. gemeinmeister gemeinmerk, n. gemeinmütig, adj. gemeinmütigkeit, f. gemeinnutz, m. gemeinnutzig, adj. gemeinnützig, adj. gemeinnützigkeit, f. gemeinnützlich gemeinochs, m. gemeinort, m. gemeinortkrämer, m. gemeinplatz, m. gemeinplatzartig, adj. gemeinrecht, n. gemeinrechtlich, adj. und adv. gemeinredner, m. gemeinregel, f. gemeinsam gemeinsame, f. gemeinsamen gemeinsamkeit, f. subst. gemeinsamlich, adv. gemeinsatz, m. gemeinschädlich gemeinschaft, f. subst. gemeinschaften gemeinschaftlich, adj. und adv. gemeinschaftlichkeit, f. gemeinschaftsburg, f. gemeinschaftsdorf, n. gemeinschaftshaus, n. gemeinschaftskanzler, m. gemeinschaftssachen gemeinschatz, m. gemeinschenke, f. gemeinschieszen, n. gemeinschreiber, m. gemeinschuldner, m. gemeinschule, f. gemeinschweifig gemeinseitig gemeinsinn, m. gemeinsinnig gemeinsknecht, m. gemeinsleute gemeinsmann, m. gemeindsmann, m. gemeinsprache, f. gemeinspruch, m. gemeinthätig gemeinthätigkeit, f. gemeintrift, f. gemeintwoche gemeinüblich gemeinung gemeinverderblich gemeinverstand, m. gemeinverständlich gemeinwald, m. gemeinwäldig gemeinweg, m. gemeinweide, f. gemeinweider, m. gemeinweidig, adj. gemeinwerk, n. gemeinwesen, n. gemeinwiese, f. gemeinwissend gemeinwohl, n. gemeinzeche, f. gemeinzimmer, n. gemeisch, n. | 1) gleich gemeinde, eine jüngere nebenform zu diesem, mit deutlicherem -heit für das verblaszte -de (urspr. -ida), erst seit dem 14. jahrh. aufkommend und zwar md. und nd., s. u. a und mênheit, meinheid, daneben meinet mnd. wb. 3, 69, in der letzten form sich mit mênete, mênte, d. h. gemeinde mischend (s. das. 71b, vergl. gegenheit gleich gegend). auch mnl. ghemeenheit 2, 477. vergl. übrigens gemeinschaft 2. a) städtische u. a. gemeinde: mit rade der gemeinheit (wird bestimmt). nachtr. 191, in der willkür von Heiligenstadt vom jahre 1335; die rad unde die ganze meenheit wart des to rade. mnd. wb., aus Bremen 14. jahrh.; ab (wenn) unsere burger gemeine .. geschuldiget (würden) .. ab (da) die rathmanne alle oder ir ein teil vor die gemeinen burger antworten mogen und die meinhait entreden (vor gericht vertreten). Magd. fragen 213; vulgus, gemeinheid (neben gemeinde, gemeine) 632c, aus einem md. voc. des 15. jh.; Arnd Jordan (der bürgermeister) dacht in seinem mut, [Bd. 5, Sp. 3256] spazierg. 399. dazu gemeinheitsmeister bei 1, 656b in Halle. noch jetzt nd. z. b. in der Altmark gemeinheit neben gemeind, gemein 63b. b) auch in weiterem und weitestem sinne, schon in md. vocc. des 15. jh. gemeinheit, universitas, universalitas 627b (neben gemeinde, gemeine): der grund ... warum an einigen orten ein theil des wehrgeldes der gemeinheit, an andern aber dem könige entrichtet werden muszte. osnabr. gesch. 1, 26, dem gau oder volke (civitati, s. die anm.); in dem orden der kosmopoliten ist dies eine unmöglichkeit, und dies ist, däucht uns, kein geringer vorzug .. vor allen andern gesellschaften, gemeinheiten, innungen, orden und brüderschaften in der welt. Abderiten 1781 1, 247 (2, 6); es ist von jeher blut c) aus nordd. städten, z. b. Soest gibt Adelung zu a als engere bed. an die zu keiner zunft oder innung gehörigen einwohner (auch gemeindmänner genannt); s. im mnd. wb. 3, 69b meinheit, mênheit so aus dem alten Hannover, Bremen u. a., auch unter gemeinde 5, c, ε. 2) auch der der gemeinde gehörige grund und boden, d. h. wie eben auch gemeinde (s. d. 2). mlat. communitas, s. u. b. a) der gemeindegrund überhaupt: swie sîner gebûre (seiner dorfschaft) gemeinheit aferet (abpflügt) oder grevet u. s. w. Sachsensp. III, 86, 1 Hom., aus einer Berliner hs. d. 14. jh. (var. gemêne f., gemêne land); so iemants ungebürlick howe etwas ut der gemenheit. weisth. 3, 319, aus Mindener gegend 16. jh., aus dem gemeindewalde (vergl. gemeinde 2, a); eine ... charte vom ganzen kirchspiel, worauf eines jeden eigenthum ... insbesondere aber die gemeinheiten mit holzungen, weiden .. brücken und wegen verzeichnet wären. phant. 2, 108 (nr. 20); mit der theilung der gemeinheiten oder der sogenannten marken, huden und weiden ist es nunmehr in der politischen welt so weit gediehen, dasz man ihre nutzbarkeit für entschieden annehmen musz. 192 (nr. 41); man schied die alte feldmark des dorfes von der übrigen groszen gemeinheit. hundert jahre 7, 93. noch jetzt z. b. in der Altmark gemeinheit 63b, älter nd. meinheit, gemeine plätze, strasze, auch holzung einer dorfschaft 303b. b) im pl. von den einzelnen stücken des gemeindegrundes: dicunt etiam dicti scabini, quod ipsi de communi consilio civium .. possunt communitates suas ponere ad bannum seu ad pacem. si aliquis habens jus in eisdem communitatibus infregerit bannum ... weisth. 3, 862, nl. 13. jh.; dasz der hofgesessene vermocht wird, die an seinem hofe zunächst liegende gemeinheiten mit zu seinem hofe zu ziehen, darauf heuerhäuser .. zu setzen u. s. w. phant. 1, 352. c) auch als zubehör eines hofgutes, z. b. in Hessen: die NN. gehörigen, auf 3481 thl. gewürderten immobilien an einer hofraithe mit gemeinheiten nebst verschiedenen ledigen grundstücken mit dazu gehöriger, in der hofraithe befindlicher mühle (zu versteigern). anz. des amts Geisa 16. nov. 1866. vergl. gemeinde 3, b als anrecht am gemeindegrund. 3) zu gemein in seinem heutigen niedrigen sinne (noch nicht bei Adelung): dennoch behielten .. seine späsze eine gewisse dicke zäheit, plattheit und gemeinheit. 8, 33; mag äuszerer sittenmeister sein, wer da will, wir wollen hier mit der gemeinheit, für welche äuszere antriebe (statt innerer) auch antriebe sind, gar nicht in berührung treten. wesen des gelehrten 99, beides noch nicht in der tiefsten niedrigkeit von heute (s. u. gemein 8, b); Gundling, der ein wahres abbild des herrschenden todten wissens und der damit verbundenen gemeinheit der seele war. weltg. 16, 112; [Bd. 5, Sp. 3257] stumpfsinnige .. seelengemeinheit. und wie sich die schale gemeinheit bläht.
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