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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
gaukeln bis gaukelsack (Bd. 4, Sp. 1553 bis 1560)
 
 gaukeln , urspr. von gewissen spielenden u. ä. bewegungen.
I. Formen und verwandtschaft.
1) ahd. gougolôn, gouggelôn u. ähnl., s. Graff 4, 134, mit wechsel des vocals in zweiter silbe (vgl. unter gaukler), das ŏ hat keinen weitern wert als in chlobolouch für chlobalouch, s. davon u. koller 1, a V, 1616. mhd. gougelen und goukelen, das -k dem ahd. -gg entsprechend, wie auch ahd. schon in pigoukelôn. die doppelheit des -g und -k setzt sich ins nhd. fort, das erstere besonders im oberd., s. u. gaukelbüchse, gaukelei 2, gäukelich, gaukelmann 2, wo auch schwäb. aus dem 16. jahrh. gauggelman und gaugkelman, letzteres z. b. auch in gougkler Maaler 190c, im 15. jahrh. auch md. z. b. gaugkiln Dief. 48a. aber auch geugler (s. DWB gaukler) oft bei Luther, und gaugeln (s. II, 3, b). mnd. mnl. gôkelen s. unter 2, b.
2) aber die formen gehn noch weiter aus einander.
a) eine umlautsform erscheint später besonders md., so bei Luther geukeln neben gaukeln, in Scheits grobian. gäukeln (s. II, 1, a), im 15. jh. z. b. gewkeln hariolari Dief. 48a, geukeler 68a. 258c. 307c, begeukeln fascinare 226c; es ist wie md. keufen, gleuben, erleuben, zeubern (Dief. 48a. 226a) und weist auf eine bildung in ahd. zeit mit -ian für -ôn, die Graff auch als alem. annimmt für die St. Galler gl. gougeleida ariolatus est (Hattemer 1, 247b), und wirklich heiszt es schweiz. noch heute sogar blosz gäuggelen Stalder 1, 430, genauer göuggele Frommann 3, 84b. auch md. noch, z. b. in Nordhausen gäukeln, gesprochen geikele, sich überschlagen, daher koppsgeikel purzelbaum Schultze 35a; im 16. jh. auch goeckelen prestigiari voc. opt. Leipz. 1501 Y 1a, vgl. ostpreusz. kökeln Hennig 129. das entspricht dem niederd. gökeln Danneil 67b, Schamb. 66b, goekeln Dähnert 157a, mnd. gkelen Schiller u. Lübben 2, 131a, gkeler Dief. n. gl. 132a. s. auch göcheln, geuchlen unter c, β.
b) besonders aber die lautstufe der beiden kehllaute schwankt und wechselt noch stärker als in dem mhd. gougelen und goukelen unter 1. zunächst im 15. 16. jh. auch kaukeln (s. d.), z. b. bei Luther an den adel B 3b, daher er auch kaukelgesetz schreibt (s. oben); im 15. jh. z. b. kaukler jocista Dief. 307c, keukler magus 343c, kawkelnis prestagium nov. gl. 302b. aus der Zips gibt Schröer 58b kaukeln, mit einem brennenden lichte unvorsichtig sein (s. II, 2, b). Ebenso mit nd. vocal kokelen gesticulari, kokeler gesticulator Dief. 261c (vgl. kokelspil V, 1566), auch nrh. kokelen prestigiari, kockeler Cölner gemma R 3b, wie nl. im 15. 16. jahrh. kokelen, kokelaer Oudem. 3, 458, und zwar, wie im md., neben mnd. gokelen, gokeler Schiller u. Lübben 2, 131a (auch ggelsch adj. 131b), begokeln Dief. 48a, auch nrh. gokelen

[Bd. 4, Sp. 1554]
gesticulari gemma Cöln 1511 J 5d, mnl. Oudem. 2, 712; ostfries. gökelê und kökelê gaukelei Stürenb. 72b, in der Cölner gemma gokeler off (oder) kokeler ariolus B 6a. Es ist das wie bei kucken und gucken, kuckuk und guckuk, kakeln und gackeln, kacken und gaggen, bei denen gleichfalls gegen die erwartung die k-form wesentlich dem nd. und md., die g-form dem oberd. angehört; s. dazu unter K 2, g, vgl. DWB G 5, c. vgl. übrigens auch ahd. choukelari Graff 4, 135, coukel 134, im 12. jh. couhlare magus sum. 49, 52 (zu dem -h vgl.burh für burc das. 44, 62), und rhein. 'cogeler vel geukeler' Dief. 258c, kogelye s. unter gaukelei 2 (koggelspel Haupt 2, 343), mnl. becogelen Dief. 48a.
c) aber noch stärker schwankt die lautstufe, indem das -k in -ch übertritt.
α) ein hd. couchel gleich gaukel (s. d.) bei Schmeller 2, 24, couchelêre in Hartmanns glauben, beides aus dem 12. jahrh. und ohne zweifel rheinisch, mit md. färbung; ebenso später noch nrh. coechlen, coechler Teuth. 53a, kochelye prestigium Cölner gemma R 3b (und zwar dicht neben kokelen), und mnd. kôchelen Theoph. 400, ein kocheler treibt daselbst gokelye (s. 15), also beides ohne unterschied, wie im Teuth. 109a gockeler gleich coechler gesetzt ist, unter b a. e. cogeler gleich geukeler; s. auch kocheler phispilio Dief. 236c, jocularius 307c, keuchler Frisch 1, 325c aus Apherd.
β) aber auch, und gleichfalls rheinisch, gouchelâre Rol. 246, 20, gouchelêre Alex., wonach ohne zweifel auch gouchelen oder göuchelen bestand, wie gchel für gougel im Winsb. 2, 4 in C (mitfür öu); im anfang des 15. jh. bezeugt in geuchlen gaukeln, zaubern, in der weimarischen liederhs., s. MSH. 3, 693b. 2, 200a, daher noch bei Luther geuchelei (sp. 1532), noch später nrh. geuchler Frisch 1, 325c, Möser phant. 2, 161. in 'magus gawchkler' Dief. n. gl. 243b scheint das k berichtigend, eigentlich gauchler gemeint. jenem entsprechend mnd. gochelie zauberei Schiller u. Lübben 2, 127a, und noch heute nl. goochelen gaukeln, taschenspielen, verblenden u. ä., der umlautsform entsprechend nd. göcheln, göchelije, göcheler Brem. wb. 2, 525. auch hd. wbb. geben im 17. jh. gaucheln, z. b. Henisch 1372, Stieler 616, und selbst schweiz. gibt Stalder 1, 429 gäuchen als gaukeln, worin eine nachwirkung jenes altrhein. goucheln oder göuchelen gar wol möglich ist, etwa mit anklang an gauch.
γ) dasselbe aber auch mit anderm vocal, und wiederum rhein.: guchelere, magus. Nyerup 310, in den mrh. gl. um 1100; es ist gûchelêre, dazu gewiss auch gûchelen, stimmend zu mnl. guichelen, guichelaer Oudemans 2, 759, bei Kil. guycheler gleich kokeler, noch jetzt guichelen u. s. w. neben goochelen in gebrauch; vgl. auch mnd. guigelspel Schiller u. Lübben 2, 131a. auch da scheint übrigens ein anklang an den gauch, narr mitthätig, der nl. auch guich hiesz, vergl. unter DWB gäuchelei. eigen auch nd. verkukeln, durch blendwerk täuschen Brem. wb. 2, 891.
d) einzeln sogar mit j- für g- md. (rheinisch) und niederd.: jaukeler, jeukeler, jocularius Dief. 307c, nd. jokeler Schiller u. Lübben 2, 131a; Henisch 1373, 64 nennt ein niederd. jökeln ('jöckeln'), von könig Ruprecht sang man ein spottlied auf seine armut (vgl. unter gaukelmann 1):

hee! hee! der jökelman ist kumen,
er hat ein lere taschen pracht (die gaukeltasche),
das han wir wol vernomen.
Schmeller2 1, 883.

offenbar nach dem anklange des lat. wortes, ein anfang zu der bis heute beliebten ableitung des deutschen wortes aus dem lateinischen. vgl. übrigens unter G sp. 1108.
e) wichtiger ist weitere manigfaltigkeit im vocal.
α) neben dem vorherschenden hd. ou, au, nd. ô erscheint auch kurzer vocal. zwar für die ältere zeit ist der erweis schuer, weil auf -ck da kein verlasz ist (s. V, 5), und im 15. jh. z. b. gockeln Dief. 261c, gockler 237b, die ein rhein. voc. gibt, bleiben wol vor der hand fraglich, während in kockelmann, köckelpossen, köckelwerk V, 1566, wozu auch göckeln u. 5, b gehört, das ck als unrichtig zu erkennen ist, der vocal aber als lang (vgl. noch im 18. jh. lbe laube medic. maul. 48, bei Luther leube). aber mit schwäb. göckelen, göckeler, göckel gaukler (s. DWB gaukel 4) Schmid 215 wird die kürze auszer zweifel gesetzt; dazu gehört z. b. bair. gocken pl., narrengocken, possen Schm. 2, 26 u. a., aus dem 15. jh. oberd. gockelman fastn. sp. 816, 18 (unsicher gockelspil lieders. 3, 94), bair. gockler scenobates Dief. 517c, frankfurtisch gockeln und guckeln, s. Lexer 1, 1060; vgl. auch gogkler desultorius Dief. 177b, gogler jocularius 307c, göckelmann Mones schausp. 2, 275, H. Sachs (Schm.2 1, 884).
β) auch oberdeutsche ö erscheinen, die mit dem nd. und md. u. 2, a nicht zusammenfallen; so in schweiz. gögel laffe, gögeln

[Bd. 4, Sp. 1555]
läppisch thun Stalder 1, 462, wol auch im henneb. gökeln mit feuer gaukeln Reinwald 1, 52; vgl. auch tirol. gôglen gaukeln (burzeggl purzelbaum) Schöpf 167, gögern herumfuchteln 199.
γ) md. im 15. 16. jahrh. auch e, in kekeler jocularius Dief. n. gl. 221a (ders. voc. hat creczemer 357a, also ostmd.), gekelen joculari voc. opt. Lpz. 1501 O 4a, gesticulari M 2b, gekeley oscidium T 2a, gekeler baratro D 2b, wie jetzt noch in Leipzig gêkeln, kêkeln, das freilich nur als aussprache für kœkeln (s. DWB köckeln 2) angesehen wird. derselbe Leipziger voc. hat goeckelen prestigiari und geukeler prestigiator Y 1a, gesticulator M 2b, ich weisz nicht ob schon im 15. jh. jenes ê nur als œ zu fassen ist, oder ob es auf a zurückgeht. vgl. aus dems. ostmd. voc. 'keueler magus' Dief. nov. gl. 243b, d. i. keveler, in einem rhein. voc. kebeller joculator Dief. 307c (vgl. unter keppeln), wo auch a zu grunde liegen wird.
f) merkwürdig mnd. auch bekolen hariolari, koler hariolus Mones anz. 3, 48, vergl. hochd. gôl gleich gogel, gœlich gleich gögelich Lexer 1, 1043 fg.
3) der weitere hintergrund.
a) es hatte ursprünglich eine form mit -r für -l neben sich, wie so oft, ahd. gougarôn vagari Graff 4, 142, mhd. anfangs noch gougeren Diemer 30, 12, im lande umherschweifen, d. h. die grundbedeutung in einer besonderen anwendung (s. II, 1, f), beide schwesterformen muszten sich schon längst getrennt haben in ihrer inneren entwickelung. die bildung ist wie bei den nahverwandten und gleichbedeutenden gageln und gagern, das zweite nachweislich, das erste ohne zweifel auch schon mhd., wie das einfache gagen; ebenso zu gaukeln einfach gauken (s. d.). jenes zeigt auch die bewegung in der lautstufe, wie gaukeln, in md. gakeln, kakeln, kacken, oberd. gackeln (nur -ch fehlt), und das gekeln, kekeln u. 2 a. e. bildet vielleicht die brücke zwischen beiden; vgl. DWB gakmann (s. d.) gleich gaukelmann, das schwäb. gackelmändle gleich dem md. gäukelmännchen (s. d.), das tirol. burzeggl 2, e, β gleich dem md. koppsgäukel 2, a, sächs. kœkelporz, wo beide stammbildungen auch im gebrauch völlig zusammenfallen, und zwar in dingen die bei ihrer einfachheit der culturbewegung entrückt sind (s. auch kakelbunt und kökelbunt sp. 1128). beide stehen übrigens in verschiedenen ablautsreihen, gagen in der reihe I A U (s. DWB gagen 1, b. c, besonders gackelicht 2, b), gauken in der reihe IU AU U (vgl. Grimm gramm. 2, 50), die in gaukeln, gockeln, gûchelêre abläuft. weiteres unter gagen a. e., s. auch gauken, und gaunkeln.
b) auszerdeutsche spuren sind unsicher, wie ags. geáglisc lascivus, wie Ettm. 429 ansetzt, das übrigens zu gaukelisch genau stimmen würde; vgl. engl. gaughling ein langer dünner mensch Halliw. 394a gleich bair. gauggel unter gaukel 3, schwäb. gaggel, goggel Schmid 214. bei Wachter 535 ein angeblich ags. geogelere gaukler. Sicher dagegen im nord., aber wol entlehnt, da die sinnliche bedeutung fehlt: altn. zwar nicht das zeitwort, aber kukl n. gaukelei, zauberische verblendung, taschenspielerei (s. DWB gaukel), kuklari gaukler, kuklaraskap gauklerkunst Fritzner 371a; altschwed. koklare gaukler, kockleri gauklerei, kokilskaper die schwarze kunst, noch mundartlich kukkel n. zauberei, narretei, auch kukkla zaubern, quacksalbern u. ähnl., s. Rietz 362 fg.; norw. kukla zauberei treiben Aasen 395a; dän. kogle zaubern und gaukeln, daneben gjögle gaukeln (dazu gjöglebillede gaukelbild, u. a.), d. h. die nd. doppelform kokelen und gökelen; hochschwed. nur gyckla, dem hochd. geukeln entsprechend. es musz durch wandernde deutsche gaukler früh eingeführt sein, wie auch bei den Slaven z. b. böhm. keyklar gaukler, poln. kuglarz, oberwend. kekleŕ, auch lapp. koglar (aus dem schwed.).
c) nach dieser selbständigkeit unsres wortes in stamm und ausbildung ist eine entlehnung anzunehmen unnötig oder unmöglich (vergl. Wackernagel umdeutschung 26). eine berührung unsres gaukler mit dem mlat. jocularius, joculator liegt allerdings vor; brachte man sie doch schon im 15. jh. in jaukeler u. ähnl. (2, d) unter einen hut, wie ja unser gaukler mit dem franz. jongleur, altfr. jogleor, span. joglar, juglar, engl. juggler, altengl. jogoler, jugoler (Wright 218a. 216b) sachlich eins war, die theils auf joculator, theils auf jocularius, jocularis zurückgehn (s. Diez 174). sehr denkbar ist es, dasz die beiden letztern bildungen durch unser gougulâri veranlaszt wurden, wie ja das mittellatein immer bestrebt war zum anschlusz an die geläufigen volksformen. auch die mlat. cauculatores, die wesentlich liebestränke bereiteten und von denen man schon früher unser wort entnehmen wollte (sieh Ducange, Wachter 535), wie neuerdings wieder (s. Weigand), sind nicht nötig oder nicht möglich; sie sind bei Ducange für Frankreich, Spanien, Italien nachgewiesen und müszten also vor

[Bd. 4, Sp. 1556]
allem in den dortigen sprachen wiederzufinden sein, während sie in unsern mlat. quellen bei Dief. ganz fehlen. nur dasz sich etwa die rheinischen formen kocheler, coechler u. s. w. durch einwirkung von caucularius, coclearius erklärten, bleibt denkbar und zu untersuchen.
II. Gebrauch und bedeutung.
1) als eigentliche bedeutung erscheint die sinnliche, die von gageln, gagen, ungewöhnliche und zwecklose bewegungen machen, bis heute unverändert erhalten.
a) besonders mit armen und beinen (oder einem werkzeuge, s. 2, b):

brauch welchs du wilt (fäuste, füsze oder zähne) und gäukel mit,
brauch nur allein das messer nit.
Scheit grob. O 4a,

anweisung an den grobianus, wie er bei tische die nüsse aufmachen soll; ihre zarte weisze hand .. welche vor ihm stark im besonnten grüne gaukelte. J. Paul flegelj. 3, 42; was regt er sich noch viel? was gaukelt er von neuem? Klopstock 12, 300, von der handgaukelei (s. 299) eines schwätzenden redners; oft gaukeln dann die niedlichen pulcinellbeinchen ... den vorübergehenden um die köpfe. Göthe 29, 247. nd. göcheln, allerlei handgebärde machen, he göchelde mi so vêl vor den ogen, machte mir gaukelhafte gebärden vor. Brem. wb. 2, 525.
b) von der ähnlichen bewegung des ganzen menschen u. ä.: kein seiltänzer kann uns so aufheitern, als das gaukeln des kindes das seine ersten schritte wagt. Salzmann krebsbüchlein (1788) s. xviii, vgl. Berthold von Regensburg unter gaukel 3, auch gankeln 1, c. 3, c; (betrunkene) balgen, walgen, schelten, gauklen, fallen. Garg. 3, wie noch bair.: ein betrunkener gaukt oder gâuggelt bis er umfällt (umgaukelt). Schm. 2, 24. daher auch gaukelnd fallen: das pferd stolpert und gaukelt von der brucken in das wasser hinab. ders. aus Selhamer. bair. heiszt auch das gehen manches langbeinigen menschen im scherze ein gaukeln, er selbst ein gaukel (s. d.), bei Henisch 1374 langer gaukler (s. d. 5). Henisch 1373 gibt gaukelen, wanken, mit dem merkwürdigen sprichwort als beleg: wann einem ein glück oder weib beschert (wird), so gauklet es seltzam über zwerch feld herein, kommt uns wie im traume entgegen.
c) auch vögel u. ä., besonders schmetterlinge gaukeln in ihrer unstäten unberechenbaren bewegung:

dort gaukelt der kiwiz und schreit um das haupt des müszigen knaben.
Kleist frühling (1754) 44;

der schöne sommervogel schien seiner nur zu spotten. oft gaukelte er in kleinen kreisen um ihn herum, dann setzte er sich wieder. Wieland 11, 46; ein gaukelnder nachtschmetterling. J. Paul uns. loge vorr. xxviii;

leichter geselle,
gaukelnder dieb (schmetterling).
Rückert poet. w. 2, 407;

johannisfünkchen gaukelten zwischen den dunklen sträuchern. Kinkel erzähl. 251;

prinz Amin auf seinem flügelpferde
war indessen weit umhergegaukelt.
Platen 327 (1847 4, 246).


d) dann von allem anderen was sich so bewegt oder zu bewegen scheint, als wäre es lebend: der schein des mondes gaukelte in mannichfaltigen gestalten um ihn her. Klinger 10, 74;

flieget den hellen
inseln entgegen,
die sich auf wellen
gauklend bewegen.
Göthe 12, 76;

kirschenblüthe gaukelt nieder
auf der abgeschiednen staub.
Salis (1808) 109;

um tannenzapfen gaukelten purpurblüthenlocken. J. Paul Hesp. 1, 219; das nette häuschen gaukelte ihm wie ein rother schatten voraus. Tit. 1, 78. schränke, tische u. dgl. hoch auf einen wagen geladen gaukeln im fahren, machen ein gaukelwerk (wie ein gaukler). Schm. 2, 24, sie drohen zugleich zu fallen, wie der trunkene unter b. daher bildlich vom staate in gefahr: der staat gaukelt auf einer nadelspitze. Schiller 154b (Fiesco 2, 4). auch der begriff des schaukelns stellt sich dabei ein, wie denn gaukel (s. d. 3) für schaukel vorkommt, vgl. sich gaukeln unter 7.
e) ins innere übertragen: tausend liebliche gestalten, wie seifenblasen .. gaukelten vor seiner stirne. Wieland 1, 303; vor ihren augen gaukeln der liebe träume. Klinger 2, 235;

ein traum, der süsze bilder trägt,
umspielt sein haupt und scherzt und gaukelt.
Arndt ged. (1860) 392;

vor der seele gaukelnde vorstellungen. allg. lit. zeit. 1840 272, was jetzt vorschwebend heiszt, in demselben bilde.

[Bd. 4, Sp. 1557]

f) jenes umhergaukeln bei Platen ist übrigens zugleich ein zweckloses umherschweifen, und gaukeln musz auch selber diese bed. gehabt haben, darauf deutet schles. gôkelmännel herumtreiber Weinh. 28b, das gewerbe der gaukler brachte das ohnehin mit sich (vgl. mimus zugleich als gaukeler und lantlaufer Dief. 361c); doch vergl. ahd. gougarôn vagari I, 3, a, engl. gag sich herumtreiben sp. 1143 u. gagen 3, a. die gaukelnde, baumelnde bewegung leiht gewöhnlich das bild zur bezeichnung des faulen herumtreibens, s. z. b. u. gankeln 2, b, klanken 2, b. nur vom fastnachtstreiben entnommen ist schweiz. umenander gäuggelen, wie ein geck herumlaufen Stald. 1, 430. s. auch Göthe u. 6, b.
2) daher weiter gleich tändeln, spielen.
a) sich tändelnd bewegen, tändelnd verhalten überhaupt, in lob oder tadel:

zum mädchen wünscht' ich mir ...
ein junges, nettes, tolles ding ...
das immer gaukelt, immer spricht ...
Lessing 1, 17;

da du (Pylades) ein immer munterer geselle
gleich einem leichten bunten schmetterling
um eine dunkle blume, jeden tag
um mich mit neuem leben gaukeltest.
Göthe 9, 30 (Iphigenie 2, 1);

immer dieselbe, bewahrst du (fromme natur) in treuen händen dem manne,
was dir das gaukelnde kind, was dir der jüngling vertraut.
Schiller spaziergang a. e.;

da flohen die gaukelnde freude,
das scherzen, der liebreiz, die huld.
Hagedorn 2, 88;

ein frauenzimmer, das hierin gar zu flatterhaft und gaukelnd ist. Kant 7, 410;

itzt gaukelt mit getändel
ein schwarm von stutzern dort.
Schmidt von Werneuchen, alm. 1802 s. 33.

bildlich von tändelnder musik (zugleich nach 4):

oder die aftermusik, die, der üppigen laune gehorsam.
sinnlos prunkt und gaukelt.
Voss Luise 1795 3, 824.


b) tändelnd spielen mit etwas (schwz. gäuggelen Stald. 1, 430): so werfen sie (die schiffer) weisze lere legelin oder lere feszlin aus dem schiff in das meer, so erwischet (erhascht) dann sie die Siren und spilet und gauklet mit (damit). Keisersb. brös. 2, 57a; es trge sich z, das er an einem sambstag must ausz kören, und gaugkelt mit dem besen, das er zwo kacheln im ofen ausstiesz. Schumann nachtbüchlein 2, 104; ihr müst nicht gaukeln, es musz ernst sein. Ludwig 695, wie Luther dem Bock Emser vorwirft, gaukelst mit langen spieszen und degen 1, 372a, statt mit ernsten gründen zu kämpfen; ein zephyr .. hauchet vor unsern wangen vorbei unter die rauchenden kornblüten .. und ein lüftchen ums andere gaukelt und spielt mit den fliegenden ernten der länder. J. Paul Hesp. 2, 246. kinder gaukeln mit dem lichte, mit dem feuer, so z. b. fränk. (gâkeln) Fromm. 2, 190, henneb. gökeln 3, 132, schwäb. göckeln Schmid 215, sächs. gokeln, in der Zips kaukeln (I, 2, b), vergl. gaukellicht; bei Stieler 616: kinder soll man nicht laszen mit dem licht herüm gaukeln. s. auch in gaukelsweise mit einem spielen unter gaukel 2. vergaukeln durch übereilung verderben, verlieren u. ähnl. Schm. 2, 24, vergäuggelen Stalder 1, 430.
c) ebenso dann mit gedanken u. ä.: wenn du es aber (das dir einfallende böse) empfachst und haltest (annimmst und festhältst) und gauklest mit dem gedank und lust, den du da von hast .. so ist es todsünd. Keisersb. granatapfel g 3c; an stat der rechten sünde uben sie die schlüssel an eitel ertichten falschen sünden, und gaukeln also mit dem befehl und wort gottes. Luther 5, 230b; ich könde wol leiden, das sie mit der schrift also gaukelten und narreten, wenn sie es heimlich bei sich selbs theten. 5, 163b; das leichtfertige schwermer mit den worten des abendmals nach irem dünkel gaukeln und ebenteuren. 3, 341a; dadurch mit dem heiligen sacrament der taufe und leibs Christi gegaukelt wirt. Link v. Colditz bapsts gepreng S 2. doch ist bei Luther zugleich oder mehr an das thun des eigentlichen gauklers gedacht (s. 4, c).
3) possen, narrenspossen treiben.
a) von ausgelassenem, übermütigem thun und treiben, ineptire, nugari Stieler 616, z. b.: die anderen fünf (schlemmer) .. sind toll und thöricht bisz in die dritte und vierte stund in der nacht, singen leichtfertig geistliche geseng in irem luder, trinken des teufels gemelde, daselbst an der wand gemalet, etliche mal z, gaukeln nach all irem mutwillen und wolgefallen. Kirchhof wend. 1, 269 Öst. vgl. DWB gaukelfuhre.
b) auch von wirklichem narrentreiben, daher gaukelnarr, auch gaukelmann (2) gleich narr, hanswurst, hofnarr u. ä., gaukelmännlein;

[Bd. 4, Sp. 1558]
wenn narren in der fastnacht so gaukelten, gienge es wol hin. Luther bei Dietz 2, 14b;

unter thieren ist kein narr: dasz die affen gaukeln künnen,
ist bei ihnen ernst und art, ist nur thorheit unsren sinnen.
Logau 3, 4, 80.

die affen gaukeln recht eigentlich (vergl.gaukelaffe): die affen gaukelten wunderlich und lustig, sprangen auf einander, nahmen sich bei den füszen u. s. w. Simrock 4, 71. s. auch unter gaukelpossen, gaukeleipossen (gleich affenspiel), gäukelich, gaukelicht.
c) daher gaukeln und narren verbunden, bildlich: da er aber gaukelt und narret von der künftigen ewigen seligkeit. Luther 8, 14b. gaukeln in reden, Titium saltare Kirsch 2, 130a. bei Stieler 616 auch 'abgaukeln, perperum derivare verba', von närrischem wortableiten, z. b.: irrig ist es, dʒ mans (das wort druiden) vom grichischen δρῦς .. abgaukeln wil. Schottel 56.
4) gaukeln als kunst, gauklerkunst, vor zeiten schon manigfach entwickelt, wie kaum heutzutage, wo diese künstler sich nicht mehr gaukler nennen lassen. schon ahd. ist öfter scenicus mit coukalari glossiert.
a) als allgemeiner, zusammenfassender ausdruck z. b.: auch die comedien und spil, die man sonst auf offenen plätzen und häusern (z. b. rathäusern) spilet, macht man ihnen (den reichen) zu lieb in iren häusern und gemachen, hält in iren höfen fechtschulen und andere kurzweil von springen, singen, danzen und gaukelen. Fischart podagr. tr. 735 Sch. (man beachte auf von öffentlichen, in von privaten häusern). diesz ist das gaukeln das die wbb. und vocc. zuerst und zumeist anführen neben der bedeutung 5: gauklen, gesticulari, joculari voc. inc. teut. h iija, gawgkeln ioculari, gesticulari voc. 1482 k iija, vgl. die weiteren ausführungen u. I, 2 und gesticulatio als ioculatorum motus erklärt Dief. nov. gl. 192a. noch bei Henisch 1373, 64 gauklen, gaukelspiel treiben, joculari, gesticulari, mit versuchter weiterer ausführung: prestigium facere, miro corporis gestu populo illudere, histrionem, mimum agere, also auch noch von mimischen künstlern, schauspielern, vgl. Philander u. gaukelei 1, gaukelspieler, gaukelbühne. s. weiteres unter gaukler.
b) ursprünglich wol besonders von springkünsten u. ähnl. (vgl. DWB gaukelsprung), gaukeln giucar da saltinbanco Rädlein 322b, das räderschlagen der knaben z. b. heiszt bair. gaukeln, gewiss den gauklern abgelernt (s. u. DWB gaukler 2, b mülrad), vgl. vom purzelbaum schlagen I, 2, a. künstlicher z. b. vom tanzen auf dem seile: es war einer der wolt gauklen und uf dem seil gon, wan er het vil geltz mit uf gehebt (damit eingenommen) ... er het das seil über die gassen gespant .. Pauli sch. u. e. 38 Öst., vgl. DWB gaukelseil. von gaukeln mit fratzen und mienenspiel s. u. gaukelei 2 aus der Cölner gemma. besonders auch vom taschenspielen: gaukeln, praestigiis oculos fallere, aus der tasche spielen Frisch 1, 325b; ein beispiel s. aus Luther unter c, wo den leuten gulden in den mund gegaukelt werden, s. auch gaukelbüchse, gaukelhut, gaukelsack, gaukeltasche, gaukelhans. dazu begaukeln täuschen, blenden, schon ahd. bigougolôn fascinare, nhd. gaukel- zur bezeichnung des unechten (s. DWB gaukeledelleute, DWB gaukelgesetz, DWB gaukelrecht, gaukelsünde), doch zugleich zu 5, wie das taschenspielen überhaupt. auch von puppenspielern: vor diesem 'gaukelten' seiltänzer und puppenspieler. Schönaich neolog. wb. 158; s. auch gaukelpuppe, besonders gauklerszelt.
c) das treiben der gaukler wird vielfach bildlich verwendet, man sah es ja öffentlich (vgl.gaukelplan); oft z. b. bei Luther von dem treiben und reden seiner gegner, trugschlüssen u. ä., etwa dem heutigen flunkern entsprechend: ist das nicht ein verdrieszlicher geist, der so mit dem euszerlichen schein gaukelt. 3, 56b, blendwerk macht wie ein taschenspieler; als sei es eitel mutwille, der mit gottes wort gaukeln wolle. 3, 358a; aber die schwärmer gaukeln also, iren löcherten pelz damit zu flicken. 3, 440a; wiewol er (der teufel) gemeiniglich mit seinem weissagen der leute spottet und so geugkelt, das mans mancherlei deuten mag. 5, 453a; das lautet als solten wir nicht alle sterben, wie auch (wirklich) etlich darüber gegaukelt haben. aber S. Paulus meinung ist diese .. 6, 266b; so wolt ich auch folgern und gaugkeln (einen trugschlusz machen). 6, 200a; diese propheten .. gaukeln daher mit ihrer lebendigen stimm. br. 2, 579; ehe wir uns umbsehen, so hat er uns pferdsdreck ins maul gegeukelt. wider das bapstum 1545 A iiija, vorher ist von einem wirklichen geukler die rede, der den albern leuten ins maul gülden gaukelt. der teufel als gaukler, wie er denn auch tausendkünstler hiesz (s. V, 2677 m., vgl. mhd. unter gaukel 4): aber es ist der teufel, der also

[Bd. 4, Sp. 1559]
geukelt und würfel spielet mit der schrift. Luther bei Dietz 2, 14b; wo man gottes wort aus den augen tht .. gereht man letstlich in einen verkehrten sinn, dasz alles, was nur der teufel gaukelt und geifert, wie eitel gottes befelch .. wird geachtet. Kirchhof wend. 1, 518 Öst. gaukelnder pfaffe (vgl. unter gaukelei, Haller unter gaukelspiel): ein ruchloses gebet, welches der priester, wenn er kein gaukelnder pfaffe war, mit grausen gesprochen haben musz. Niebuhr rôm. gesch. 3, 211. an den taschenspieler ist wol auch im folg. noch gedacht (vgl. gaukelspiel am ende):

des menschen thaten und gedanken, wiszt ...
sie sind nothwendig, wie des baumes frucht,
sie kann der zufall gaukelnd nicht verwandeln.
Schiller 369b (Wall. tod 2, 3).


5) von zauberei, die da geringschätzig o. ä. benannt ist nach den gaukelnden bewegungen des zauberers, vgl. unter gaukelei 2 von religiösen ceremonien der wilden, und gesticulator zeuberer Dief. 261c.
a) schon ahd., wo es mit ariolari glossiert wird, wie gougillîche liste magicae artes, goukil praestigium, bigouggalôn incantare, coucalheit divinatio, praestigium, goukilâri magus u. dgl.; auch später noch einzeln gebraucht, vgl. unter I, 2, c, β geuchlen zaubern:

so haben andre den vierkle,
das sie davon gaugkeln sehen.
Vintler 7780,

halten sich vierblättrigen klee, um sich damit gewisse zauberkünste machen zu lassen; wicken oder gaukeln, prestigiari, divinare, auguriari. voc. 1482 oo 1b, vergl. unter I, 2 aus dem 15. jahrh. gewkeln hariolari, begeukeln fascinare u. a.; gleich wie auch der bapst mit seinem chresem, weichwasser und salz geukelt und zeubert. Luther bei Dietz 2, 14b.
b) noch um 1700 z. b. von traumdeuterei, als verdünnter zauberei: es hat mir so was hübsches geträumet. so wolt ich zum klugen manne gehen (s. DWB klug 8) und wolte hören, ob er mir was gaukeln könte, dasz der traum wahr würde. Chr. Weise niederl. bauer s. 147, trans., wie u. 6. ähnlich göckeln (s. I, 2, e, α): nun soll ich der kluge mann sein, und was andre leute nicht göckeln können, das soll ich zu rechte bringen. ders. könig Wenzel s. 146, durch geheime künste zu wege bringen.
c) wie es zugleich früh in die künste des taschenspielers übergieng, zeigt z. b. folg.: prestigiari, goeckelen, die augen verblenden. prestigium est species artis magice et illusio, zauberei oder verblendung der augen, et incredibiles mutationes rerum videntur per illam artem fieri. voc. opt. Lpz. 1501 Y 1a, gemma Straszb. 1518 T 7a, in letzterer nur statt der ersten worte gauklen oder (die augen) verschlagen das man es nit sehen kan (oder vielmehr falsches sieht); vgl. gaukelbild, gaukelhimmel. der art ist z. b. aus einem buche warsagen oder gauklen Simpl. 3, 190, es wird dabei ins buch geblasen s. 184 (wie in die gaukelbüchse) und beruht auf verblendungen s. 189. 192, s. dazu unter gaukler 2, a. wie auch der teufel im spiele war (vergl. unter gaukel 4) und gaukeln als taschenspielen und zaubern sich mischte, zeigen die beispiele unter 4, c; s. auch das sprichwort behendigkeit ist keine gaukelei Henisch 1373, vielleicht aus dem munde der taschenspieler, wie diese jetzt sagen behendigkeit ist keine hexerei.
6) es wird unter umständen auch transitiv.
a) gaukelnd bewegen, wie sonst sich gaukelnd bewegen: leise rieselte der liebe bach an meiner seite, gaukelte kleine wellen daher, wirbel und schlünde. Jacobi Woldemar 2, 29, doch der bach zugleich als gaukler gedacht; hatte ich mich in einem bedeutenden lande (Schlesien) .. durch anmuthige zerstreuung hin und her gaukeln lassen. Göthe 30, 193, was zugleich an die bedeutung umherschweifen streift (1, f). bair. gleich umfallen machen, besonders das getreide beim mähen, es geschieht durch den gaukel (s. d. 3).
b) durch gaukelkunst oder wie durch gaukelei bewirken, bewegen u. ä. (s. schon Weise unter 5, b): und hilft hie wider nichts, was die jüden gaukeln. Luther 6, 545a, gaukelnd vorgeben, wie es heiszt einem etwas vorgaukeln; sie (die bischöfe) haben ein gaukelsack voller dispensacion (plur.), da gauklen sie heraus, das sie seind was sie wollen. S. Frank chron. 1531 377a; dasz viel (weiber) ihren männern, wann schon sie nicht zaubern könten .. gröszere hörner auf die köpfe gaukelten, als Acton getragen. Simpl. 1, 193 Kz.; und wenn er uns eins von seinen wesen soll handeln lassen, so greift er in die tasche und gaukelt aus seinem sacke was hervor. Göthe

[Bd. 4, Sp. 1560]
33, 33, wie der taschenspieler aus der gaukeltasche, dem gaukelsacke;

das holde kind versteht so gut
mir alle grillen weg zu gaukeln.
Kotzebue dram. sp. 3, 303.

s. auch ein- und ausgaukeln, fortgaukeln, nachgaukeln, begaukeln.
c) gewagt selbst für begaukeln, blenden, täuschen:

gaukeln wieder euch die Welschen
mit der freiheit affentanz?
Arndt ged. 1840 s. 419.


7) selbst reflexiv: die phantasie gaukelt sich in den kühnsten idealen von erdenglück. Gutzkow ritter v. geiste 7, 104, zugleich sich schaukeln, wie gaukel schaukel, s. 1, d a. e.
 
 
gaukelnarr, m. ist anzunehmen nach gockelnarr (s. d.), wie der narr auch gaukelmann und gockelmann hiesz.
 
 
gäukelpfeil, m.: die mit solchem blawen dunst die edel practik verfürt und ihr gäükelpfeil hinein gebracht haben. Paracelsus chir. schr. 417c.
 
 
gaukelplan, m. öffentlicher platz wo der gaukler seine künste vorführt: were besser, das man solch wesen auf dem gaukelplan triebe. Luther post. (1528) 237b.
 
 
gaukelpossen, pl. praestigiae Steinbach 2, 195, gauklerpossen oder auch narrenspossen: da war mit dem vogelgeschrei, mit dem eingeweide der opfer und andern gaukelpossen so ein unbeschreiblicher aberglaube .. Weise kl. leute 287; als sie in das wirtshaus kamen, und die andern ihre messer und gabeln auszogen (aus der reisetasche holten), griff dieser mit allen fünfen in den salat und machte sonst abscheuliche gaukelpossen. erzn. 204; hat mich ein chirurgus berichtet, dasz er vor diesem die gefährlichsten blutstürzungen zwar auch mit dergleichen gaukelpossen gestillet habe. rockenphil. 3, 41 (12. cap.);

ein schlosz, da Circe scherzt mit ihren gaukelpossen.
Canitz (1727) 130;

was gibt der vorwitz nicht vor gaukelpossen an,
so bald ein mägdgen sich nach der vermählung sehnet u. s. w.
Günther 538.

s. auch gaukeleipossen (17. jahrh.), köckelpossen.
 
 
gaukelprunk, m. gaukelnder prunk:

ohne gaukelprunk der farben
nur in eignen reiz gehüllt (die perle).
Herder zerstr. bl. 3, 37.


 
 
gaukelpuppe, f. drahtpuppe des gauklers, marionette. Campe; vgl. DWB gaukeltocke, auch Simpl. 3, 263 Kurz.
 
 
gaukelputz, m. putz als gaukelei: ein spielwerk der mode, ein gaukelputz für kinder. Lessing 7, 135.
 
 
gaukelrecht, n. falsches recht: das lesterliche gaukelrecht oder regiment des bapsts. Luther bei Dietz 2, 15a; vgl. DWB gaukelgesetz.
 
 
gaukelrede, f. thörichte, alberne rede, gaukelred. lebkuchen 60b.
 
 
gaukelsack, m. sacculus gesticulatorius sive praestigiatoris Henisch 1373, 69 (Kil. guychelsack mit derselben erklärung), praestigiatoris follis Stieler 1658, der geheimnisvolle sack des gauklers, taschenspielers, schon mhd. wol goukelsac (s. Lexer 1, 1060), mnd. gôkelsak, im j. 1454 predigte Johannes Capistranus z. b. in Magdeburg sô scharp, dat men om alle worptafeln, currêrspel, worpel, kardenspele, gôkelsecke u. s. w. zum verbrennen brachte, s. Magdeb. chron. 1, 392. im 16. 17. jahrh. viel bildlich gebraucht: aber sie haben ein gaukelsack voller dispensacion, da gauklen sie heraus, das sie seind was sie wollen. Frank chron. 1531 377a, von den bischöfen; noch einiges gaukelwerk, das Zwingel aus seinem gaukelsack erfür bringt. Luther 3, 463a; da gehet sein gaukelsack in sprüngen mit eitel alleosin und ithipeien. 463b; der name gottes musz ir gaukelsack sein, die liebe christenheit zu verfren. 5, 231a; da sitzt der kauz zu Rom mit seinem gaukelsack. 8, 307b, ursprünglich geukelsack (s. Dietz 2, 15a). Ein sprichwort vom gaukelsack als zaubersack, aus dem alles wünschbare zu holen sei: es steckt mehr freud in eim weinfasz denn in eim gaukelsack. Agricola spr. 54b; in weinfässern und gaukelsecken soll grosze frewd stecken. Fischart groszm. 116 (Sch. 638); dann es steckt viel freud in der weinkanten, mehr als im gaukelsack. Garg. 156b (Sch. 290); éin frölicher ist oft besser (in gesellschaft) als ein gaukelsack. Lehman 1, 232; es steckt mehr freud in manchem als in einem gaukelsack. das. vom sacke des taschenspielers wuszte übrigens noch Göthe, s. unter gaukeln II, 6, b. s. auch DWB gaukeltasche, DWB gaukelhut, DWB gaukelbüchse.