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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
ganerbe bis ganfer (Bd. 4, Sp. 1215 bis 1219)
 
 ganerbe, m. cohaeres, consors.
1) die form. ahd. ist bezeugt kanarpun consortes, canherben cohaeredes Graff 1, 406 (vgl. afdirherbo proheres 407), aber glücklich auch die ältere gestalt geanervo, fränkisch 9. jh., in einem capitulare der könige Ludwig und Lothar, das die formen einer gutsvergebung namentlich an die kirche bestimmt (Schilter 3, 343a, 21, 239b, Pertz mon. 3, 262): inde avo noch thanne sachun sînu (so) bit geanervun sînen gesunduruth ne havôda als übersetzung von et si nondum res suas cum cohaeredibus suis divisas habeat, nachher der geanervo sîner, coheres ejus, aber auch schon ganorvo sîner, wie dann mhd. ganerbe, mnd. ganerve (auszer hd. und nd. unbekannt), also urspr. gi-ana-erbo (gramm. 2, 753). das bestätigt eine form des 13. jh. mit umstellung der beiden vorsätze anegerve (s. 3, b), vermutlich schon ahd. auch ana-gi-erbo.
2) bedeutung.
a) am deutlichsten wird der urspr. begriff in der formel erben und ganerben, die alle irgend erbberechtigten zusammenfaszt,

[Bd. 4, Sp. 1216]
z. b. in einem hess. weisthum von 1485 über das recht eines unterthanen, sein erbe zu veräuszern: welchen armen eigenen mann unsers gn. h. des landgrafen rechte leibsnoit antrifft, der auch geerbt ist (ein erbe hat), also dʒ er sein erblich gut müsse versetzen, verkeufen odder begeben, der soll es zum ersten bieden den rechten erben und ganerben (dann erst einem genoszen, d. i. unterthanen desselben herrn, endlich dem herrn selbst). weisth. 3, 346; ähnlich ebenda: welch mann sich weibet aus seinen genoszen, der geerbet ist, da soll das erblich gut alsdann volgen (im todesfalle) den rechten erben und nechsten ganerben, und nicht den auskindern, d. h. seine kinder gelten, weil er aus der genossenschaft hinaus geheiratet hat, als kinder eines ausmannes, das erbe darf nicht in die gefahr kommen auch nur theilweis dem ursprünglichen gesamtbesitze der genossenschaft verloren zu gehn, fällt darum an die gesipten die auszer den kindern die rechten erben sind. doch kann ein solches auskind wieder zu seinem väterlichen erbe kommen, wie ein nachtrag vom j. 1532 bestimmt, wenn er sich weibet zu den genoszen, nach dreiszig jahren; ein solcher soll sein eigen gut, des er erbe und ganerbe hoffet zu sein, ausziehen und behalten (vorbehalt machen gegen andere veräuszerung, als ihm zustehend erweisen, behaupten) mit seinen gebsem und ganerben. das. 347. die gebuosemen sind die nachkommen in gerader linie, die erben im genauen sinne, alle anderen erbberechtigten sind die ganerben, die ganze sippe in ihrer verzweigung die hinter den erben wie im kreise steht. nd. im Ssp. 1, 17, 1, von einem erbe, dessen letzter eigenthümer keine leibeserben hinterläszt: alle dê sik gelîke nâ tô der sibbe gestuppen (Leipz. hs. gestôʒen) mogen, dê nemet gelîke dêle dar an, it sî man oder wîf. disse hêtet de Sassen ganerven. der begriff ist da zu ergänzen durch die nechsten ganerben vorhin, der nächste, gleich nahe kreis der sippe, bei dem da das erbrecht zur ausübung kommt, während es bei den weiteren, ferneren kreisen noch ruhen bleibt. aber der weiteste begriff war gewiss der der ganzen sippe nach ihrer erbberechtigung, sodasz urspr. auch die erben im engsten sinne, die leibeserben wol inbegriffen sein konnten, wie denn wirklich in dem capitul. unter 1 auch heredi mit themo geanerven übersetzt wird, einmal heres pluralisch mit geanervun, das lat. genauer machend, geanervun hat da wie es scheint denselben inhalt wie die formel erben und ganerben.
b) daher auch von einem besitzthum, bei dem eigentliches erben ganz wegfällt, das ungetheilter gesamtbesitz einer sippe bleibt (die auch beim wirklichen erben immer als letzte gesamtbesitzerin im hintergrunde gedacht war). so erscheinen in der Pfalz wälder als eigenthum von ganerben, wo denn freilich der urspr. begriff der sippe längst in den einer gaugenossenschaft, markgenossenschaft überhaupt sich erweitert hatte (Maurer gesch. der markenverf. 33); diesz seind die recht, die die ganerben zue denen von Henne haben nennt sich ein weisthum vom Mittelrhein, darin z. b.: dasz der förster, den die von Henne (ein kloster) haben, soll der ganerben förster (dat.) schweren .. der gemein ganerben wäld zue hüeten und dem ganerbenförster zue helfen. weisth. 5, 608 (gemein ganerben wie unter c). es ist das. von fällen die rede, dasz der ganerben wald brannte (conj.), wann die ganerben ihre lôch besehen (gränzzeichen im walde); auch der einzelne heiszt ein oder vielmehr der ganerbe, in § 5: wann an leiblich narung abging dem ganerben, kompt er gen Henne in das closter u. s. w., und das landgebiet schlechtweg die ganerben, in § 6. 7 wer es auch dasz iemand stürb in den ganerben, wer da bauwen wil in den ganerben, auch durch die ganerben (geht ein wasser) Maurer a. a. o. 475; es heiszt auch kurz die erben und entgegengesetzt werden unerben, die nicht zur ganerbschaft gehören 473 ff., noch im j. 1718 s. 477 ff. (weisth. 5, 574 ff.); der begriff wird recht kräftig ausgesprochen in einer pfälz. waldordnung von 1560 s. 485: (wir) alle sammenthaft unzertheilte zusamen gebundene gemeine ganerben. Auch in städten erscheinen sie als grundbesitzer, die Frankfurter reform. 2, 5 z. b. handelt von verkauf der liegenden güter, so vielen als ganerben gemein seind (Schilter 3, 343b); gemeiner ganerben behausungen. 8, 10, vgl. Göthe unter ganerbschaft. im salzwesen: ganerben, pfänner deren einige an éiner pfanne theil haben Frisch 1, 315c (s. auch unter ganerbschaft). vgl. im zollwesen unter 3, a, auch im münzwesen.
c) mit einer besonderen entwickelung in adelskreisen: ganerben, societas nobilium in castro vel oppido omnibus communi, vulgo ganerbii, et haeredes mutui. Frisch 1, 315c, vgl. DWB ganerbschaft; urspr. gleichfalls eine sippe, die irgend eine burg oder gebiet als ungetheilten und untheilbaren gemeinbesitz bewahrte, dann durch

[Bd. 4, Sp. 1217]
aufnahme auch anderer zum begriff einer gesellschaft erweitert mit erbverbrüderung, vgl. J. Grimm rechtsalt. 481, Krünitz 16, 2; Haltaus 584 erklärt coheredes castri alicuius, iure pacti et per legem foederis, mutui auxilii atque etiam mutuae successionis causa inter se coniuncti, lat. eben coheredes, z. b. das. aus einer urk. von 1265 Reinhardus de Hagenowe et Engelhardus de Winsberg, coheredes in Minzenberg; aus einer henneb. urk. v. 1403: alle dy itzund ganerben sint und teil und gemein haben zum Ebersberg, Doppelhusen u. s. w. das., vgl. ganerb, DWB so mit theil und gemein hat RA. 481; nun waren die von Hutten, so auf dem Steckelberge haushielten, mit gan-erben auf Warberg. Spangenberg henneb. chr. 1755 262 (1599 145); ein fränk. weisthum vom j. 1448 handelt davon, wie der erber veste Eberhart Rude der elter von Kollenberg von sein und seiner ganerben wegen zu Rotenfelsch ... hat gefordert von ... der gemein des dorfs zu Birkenfelt, das sie im offen (öffnen, eröffnen) sein und seiner ganerben recht, die sie dann da selbst haben. weisth. 6, 45, es heiszt nachher die ganerben zu Rotenfels oder die hern zu oder von Rotenfels, und derselbe vorgang wiederholt sich in demselben jahre in einem andern dorfe des amtes Rotenfels mit demselben Eberhart Rude von K. der elter, von sein und seiner ganerbin wegen zu Rotenfelsch (s. 60 ff.). auch im sing., z. b. im folg. aberglauben: so sie (die hechte) sich lassen sehen, stirbt gewislich ein ganerb des hauses Ulmen. Heyden Plinius 280. Die einrichtung hatte eine besondere bedeutung für das fehdewesen, indem die burg, die die ganerbschaft darstellte, als gemeinsamer enthalt (zuflucht, sammelplatz u. dergl.), ausfallspunkt u. s. w. diente, sodasz von reichs wegen einzugreifen versucht wurde, z. b. (s. dazu die vorausgehenden worte unter ganerbenschlosz): und ob die gemeinen ganerben .. die theter oder fridbrecher (eben auch ganerben) ires theils gemeins enthalts oder gerechtigkeit (rechts am schlosse) nieszen oder gebrauchen lieszen .. wöllen wir dasz sie .. in die acht verkündt .. werden. reichstagsabsch. von Augsb. 1500 (reichsordn. Worms 1539 39a), wiederholt im reichsabsch. v. Worms 1521, das. 108b, die gemeinen ganerben titelmäszig (in dem gleichzeitigen drucke der gemein ganerbe B 5a, vgl. u. b), wie u. b und nachher gemeine ritterschaft, sie hieszen auch kurz gemeiner, vgl. teil und gemein (fem.) haben zum Ebersberg vorhin. sie erscheinen auch, neben den gewöhnlichen mächten, wie grafen, herren, ritterschaft, als politische macht im lande, Götz v. Berlichingen z. b. erbot sich in seiner fehde mit Nürnberg zum schiedspruche für etlich churfürsten und fürsten, auch für etlich vil graven, herren und gemaine ritterschaft im land zu Franken und in der Wederaw, und für etlich ganerben etlicher schlosz (anz. des germ. mus. 1865 sp. 418), wo denn ganerben eigentlich als plural des plurals gemeint ist. in Tübingen erschien 1620 eine schrift von J. W. Kyllinger de ganerbiis castrorum sive de arcium pluribus communium condominis, von den ganerben und burgmännern gemeiner schlösser, vesten und burgen.
3) nebenformen und bildung des wortes.
a) begreiflich ist der 'pleonasmus' mitganerbe J. Grimm rechtsalt. 482 anm. aus dem 17. jh., auch bei Spangenberg unter 2, c ist gewiss mitganerben gemeint; schon im 15. jahrh.: Heinrich zum Jungen und sinen mideganerben an dem zolle zu Menze. Frankf. reichscorr. 1, 301 (vom j. 1416), also der Mainzer Rheinzoll im besitze einer ganerbschaft; es ist wie gleichfalls schon später mhd. mitgeselle, mitgenôʒ, zur auffrischung des ge-, das zudem hier in gan- versteckt war. Dasz diesz gan, an dem die spätere gelehrsamkeit wunderlich herumgedeutet hat, schon im 14. jahrh. und früher verdunkelt war, zeigen die wunderlichen var. im Ssp. I, 17 bei Homeyer, z. b. als gan gönnt ausgelegt, wie die übers. favorabiles heredes zeigt, oder als 'gegen' nach generben u. ä., im kaiserrechte 3, 10 gagenerben (Scherz 464), auch als gahen eilen (s. d.) nach gahen, gaen erben, lat. accelerantes; vgl. Wachter 519. Dagegen klingt das richtige nach in der form geanerbet Parz. 330, 30 var. (vgl. geerbet unter 2, a), geanerbet sitzen RA. 482 anm. (vom j. 1326), worin freilich anerbe, anerben hineingefühlt sein wird, s. unter b.
b) um so merkwürdiger ist daneben, wie noch im jahre 1267 das ge-an- am Rhein lebendig gefühlt, ja in seiner stellung beweglich, flüssig erscheint. ein herr zu Heinsberg und Blankenberg macht da eine schenkung an eine kirche de consensu liberorum et heredum nostrorum, also der wirklichen erben (2, a), denkt aber auch an den fall, dasz schwierigkeiten gemacht werden sollten von den ganerben, die er selber zu erledigen zusagt: siquid questionis .. emerserit ab hiis qui uulgo anegeruen dicuntur, das duplicat der urk. aber hat ganeruen. W. Günther urk. samml.

[Bd. 4, Sp. 1218]
zur gesch. der Rhein- u. Mosellande 1, 355. Diesz ge- und an- klar zu halten diente übrigens dasz auch anerbe und geerbe bestanden. jenes sogar völlig gleich ganerbe, s. im Ssp. I, 17 die var. anerven, RA. 482 erven unde anerven gleich erben und ganerben unter 1, a (auch ervenden unde anervenden Schiller u. Lübben mnd. wb. 1, 87a); wie ganerbe markgenosse u. 1, b, so rhein. anerve (vgl. unter anerbe): der here van Vrentze is ein der anerven. weisth. 2, 793; soe wysent die voerster, dat der abt is ein anerve ... up des richs walde. 780; daneben allerdings nd. anerve erbe überhaupt, auch leibeserbe der in das ganze ungetheilte erbe eintritt (s. Kosegarten niederd. wb. 407), welches letzte sich doch mit dem begriffe der ganerbschaft nah berührt, da er auch die untheilbarkeit des erbes einschlieszt. der pl. geerben seinerseits scheint auch die ganerben einzuschlieszen, gleich erben und ganerben, z. b. ich oder meine geerben Scherz 492, vgl. bei Notker 15, 6 mîn erbe unde mîne geerben, und wenn die leute einer gemeinde einandren genosz und geerb sind (weisth. 4, 316), so liegt im letzten hintergrunde wirklich eine art ganerbschaft wie unter 2, a.
c) man sieht nun wol wie begriff und wort sich decken: ge- bezeichnete, dasz das erbrecht den ganerben als gesamtheit, als sippe beiwohnte, schärfer entwickelt unter 2, b, wo ein ganerbe gar nicht zum erben werden konnte, nur als theil der gesamtheit überhaupt ein anrecht hatte. in an- aber musz die anwartschaft ausgesprochen sein, das recht des anwarters, des anwartenden erben (Haltaus 48), das in der ferne, in der zukunft liegt, wo es beim ganerben immer bleibt. darum genügte wol auch anerbe, das an im strengsten sinne genommen, während im leichteren sinne anerbe doch auch den zu bezeichnen im stande war, der zum wirklichen erben werden konnte; ebenso liesz sich wol in geerben, das ge- ganz scharf genommen, der begriff des an ergänzen. Wenn auch ein neutr. ganerbe vorkommt, wie im folg.: ganerbe ist, wo sich ein erbe vorswistert odir vorbrudert, mit der überschr. von ganerbe Böhlau blume von Magd. s. 90, so gehört das nur zu den misverständnissen der Sachsenspiegelstelle unter 3, a.
 
 
ganerbenförster, s. unter ganerbe 2, b.
 
 
ganerbengericht, n. eignes gericht einer ganerbschaft, s. Frisch 1, 316a.
 
 
ganerbenhaus, n. wie ganerbenschlosz Frisch 1, 316a: Fridberg in der Wederaw ist ain furnem ganerbenhaus und darauf sich die vom adel in selbiger landsart vil verlassen. Zimmerische chron. 2, 180; a. 1475 entstund grosze zwietracht zwischen den junkern von Buchenau in Buchen über dem ganerbenhause Buchenau. Spangenberg henneberg. chron. 415 (1599 225). bei Stieler 798 ganerbheuser.
 
 
ganerbenschlosz, n. schlosz als gemeinbesitz einer ganerbschaft (s. DWB ganerbe 2, c): als wir .. merklich klag vernomen, wie ausz und ein (späterer druck in) die gemainen ganerbenschlosz manigfeltig beschedigung, vahen, raub, nam und brand wider unsern landfriden beschehen und gebt werden .. ob die erklarten achter oder fridbrecher in denselben gemain (gemeinen) schlossen ainichen tail, gemain, enthalt oder gerechtigkeit hetten, das sy der verlustig sein und darzu oder darein nit mer gelassen werden söllen. reichsabschied Augsb. 1500 B 5a, reichsordn. 1539 39a. 108a. eine aufzählung solcher, wie sie noch in seiner zeit bestanden, gibt Frisch 1, 516a, sie gehören dem Rheinlande, Hessen, Franken an.
 
 
ganerbisch, ganerben gehörig: es gab auch ganerbische städte, wie Kreuznach, Schmalkalden ... auch ganerbische dörfer und bauerhöfe. Krünitz 16, 2.
 
 
ganerbschaft, f. ganerben als gemeinschaft, besonders auch ihr besitz und ihr recht, 'vulgo ganerbinatus' Stieler 384, Frisch 1, 315c (dann im juristendeutsch auch ganerbiate plur. J. Grimm rechtsalt. 481, vergl. ganerbii sp. 1217): die alte gan-erbschaft, vom hause Limburg den namen führend. Göthe 18, 78 (dicht. u. wahrh. 17. buch am ende); die pfännerei ist in 11 ganerbschaften oder nappen getheilt, jede nappe in 96 theile oder körbe. Brückner landeskunde des herz. Meiningen 1, 197, von dem salzwerke in Salzungen; demnach die flecken und dörfer Freinsheim, Weiszheim ufm Sand, Leyselstatt, Calstatt und Herxheim (in der Pfalz) in einer gemeinen unzertheilten (vgl. unter ganerbe 2, b) waltghanerbschaft sein, die auch von unerdechtlichen jharen hero .. solcher gewalt ganerbschaft sich gebraucht und genossen .. waldordn. von 1400, Maurer gesch. d. markenverf. 482; die propstei zu Eisfeld (im fränk. theile des Thüringer waldes) gehörte vor diesem wegen der pfarr Eich in die gan-erbschaft nach Trapstadt, s. Frisch 1, 316a.

[Bd. 4, Sp. 1219]

 
 ganerbschaftlich, adj. zum vor., auch adv., z. b. ein schlosz ganerbschaftlich besitzen. Krünitz 16, 1.
 
 
ganfen, stehlen, mausen, mundartlich, z. b. mrh. Kehrein Nassau 1, 151, hess. Vilmar 115, götting. gamfen Schamb. 59a, osnabr. ganfern Strodtm. 66, nebst ganfe oder gamfe f. diebin, ganfer, gamfer m. dieb, s. Weigand im oberhess. intell. bl. 1846 s. 301; in Posen 'ganneff, dem Juden nachgesprochen, der dieb' Bernd 71, auch nl. gannef, vom hebr. ganabh, , stehlen (Diefenb. goth. wb. 1, 169), dann in die gaunersprache, von da in den volksmund gekommen; schon im anfang des 16. jh. im liber vagatorum im rotwelschen vocab. genfen stehlen (weim. jahrb. 4, 97, Schottel 1263a). vgl. das zweite ganfer, auch genfen.
 
 
ganfer, m. kampfer (s. d.): violaten, seeplmen und ganfer. badeb. 40a; ganfer 4 gran. 42a.
 
 
ganfer, m. marodeur, unter troszbuben genannt, im 16. jh.: damit man meint, es wer ein groszer reisiger zeug, muszten die drosser und ganfer mit wehr und harnisch .. mit ziehen. Aventin chr. 96b (Schm. 2, 500), nachher kurz der drosz genannt; es ist das heutige ganfer dieb unter ganfen, hier wol aus dem gebrauch der landsknechte.