| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
galm bis galmen (Bd. 4, Sp. 1199 bis 1202) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
galm, m. galm galmei, m. galmeiblumen galmeiflug, m. galmeiisch, adj. galmeikupfer, n. galmeisalbe, f. galmeistein, m. galmen, verbum gelmen, verbum galmen galmen galmerig gälmerig galmhöhle, f. galmloch, n. galone, f. galopp, m. galoppen galoppieren galp galpen galpen galrei galreide galskregel galst, m. galster, n. galster, f. galster galsterig galsterig galstern galstern galstern galstern galsterweib, n. galstrig galt, adj. galtalp, f. galtberg, m. galtbrunn gälte, f. gelte, f. galten galter, m. galterer, m. galtgeisz, f. galtkuh, f. galtling, m. galtnus, f. galtrind, n. galtthier, n. galtvieh, n. galtwild, n. galuschel galluschel galvei, n. galbei, n. galze, f. galz, f. galzen galzer galznünle, n. gam gamander gamanderlein, n. gamasche gamatzen gamber gambes gämbs gameho gämel gämel, adj. gämel, m. gämelich gämeln gamen gamer gamerate gamfer gamille gämlich gemlich gämlichkeit, f. subst. gammel, m. gammel, f. gämmeli, n. gammelig gämmelich gammelmatt, m.? gammeln gampel, m. gampeln gampen gamper gämper gämperisch | 1) oberd. nur in Kärnten galm dunst, übler geruch, rauch, qualm 107. dann nd. galm und gelm, alles durchdringender gestank, modergeruch 59a, ferner auf nrh. boden: aach. galm hauch, atem, warmer dunst überhaupt Müller u. 62, luxemb. dunst, qualm 162, flämisch in Limburg 137b. 2) dazu galmen, kärnt. 'qualmen', nd. stinken Schambach, osnabr. von starkem, widerlichem geruch und geschmack, z. b. he galmet ut dem halse, der knoblauch galmet 65, in Aachen galme hauchen, dampfen, fläm. het galmt. dann, zugleich zu gelm unter 1 stimmend, braunschw. gelmern duften, stark riechen Brem. wb. 2, 497, waldeck. gälmern übel schmecken, gälmerig ranzig (wie gälstrig) 465a. [Bd. 4, Sp. 1200] 3) die verbreitung verbürgt ihm hohes alter. a) an einheit mit dem vorigen galm liesze wol die beiderseitige doppelform galm und gelm denken, auch das zusammentreffen von galmen dunsten und schallen z. b. in Osnabrück (Strodtmann 65); schall und dunst werden uns ja beide vom lufthauche zugetragen, der in dän. galm selber so benannt ist (s. b). man wird beide galm zeitweise und hie und da wirklich so verwandt gefühlt haben. möglicherweise schon in mhd. zeit: diu lewen tôt ir kint gebirt, b) ganz nahe liegt nun dän. dial. galm, starker windhauch dial. lex. 153, schwed. aber gallblst m. kalter, andringender wind, auch gallväder n., adj. n. gall-kallt, kalt wehend 228b. das führt aber auf engl. gale kühler starker wind, schott. auch gall-wind, vgl. altn. gæla, gèla f. wind 232a, sonst gola f., gol n. (vgl. 5, 2569), worin ein nordischer stamm g-l wehen erkennbar ist, der in galm auch bei uns wol mitwirkend gewesen sein könnte. c) aber wie durch den anklang unter a galm schall doch nicht von gëllen weggezogen werden kann, so reicht der unter b nicht aus, um den begriff des üblen geruchs und geschmacks zu erklären. dafür aber bietet sich ein anderer, dritter stamm gal, der in galsterig ranzig auftritt und weiteren anhalt rückwärts in garstig findet. s. dort, zunächst aber auch folg. so gar on straffen (tadel) Diesem galm entspricht nun noch jetzt md. kalm (s. DWB kalmen), eig. aber qualm, z. b. 267 (s. u. DWB klagpsalm, schles. wb. 74a, 2, 402), wie noch bei Leipzig qualmen gleich kalmen. qualm aber ist aus mhd. twalm geworden (s. DWB dolm), wie quark aus twarc, quer aus twerch, quirl aus twirl. Anderseits ist qualm dampf nichts als eben jenes qualm, twalm betäubung, von der empfindung auf das was sie erzeugt übertragen. so kommt der verdacht, dasz auch das ganze vorige galm samt Agricolas galm nichts als diesz qualm, twalm sei. dem schâches galm entspricht völlig folg. twalm beim schâch: swâ diu driu (herz, blick, liebe) vröuwent sich, dâ kumt der minnen schâch Allein aus qualm konnte zwar kalm werden (s. z. b. unter kalmen, kilt, kommen), aber nicht galm. und dasz derselbe dichter, wie oben, twalm und galm als zwei formen eines wortes neben einander brauchen sollte, ist nicht wol denkbar, obwol solche tw-formen später wirklich als unerkannte doppelgänger in der sprache umgehn, z. b. qualm und dolm (beide bei H. Sachs), quirl und dorl (vgl. firlchen). Ich glaube, kalm gleich qualm betäubung hat sich an das vorige galm angelehnt, vielleicht unter mitwirkung von dem gal- von bethörung sp. 1181 unten. so haben da drei worte, von verschiedenen seiten kommend, hie und da fühlung gesucht in form und inhalt, wie z. b. auch qualm betäubung sicher nicht ohne berührung blieb mit dem ihm fremden quälen, qual. [Bd. 4, Sp. 1201] 1, a) galmey, aber als fem. bei 1340, wie noch bei 1322, 318b, beim ersten mit der erklärung: 'galmeyflug, weisz nichts, tüppel, terra cadmea, nihil metallorum admixtum habens, pulvis nihili, nil album, tucia, pompholix, wird aus Westphalen gebracht'. 1, 315a mit wechselndem geschlechte: gegrabene galmey, lapis aerosus, oder calaminaris, cadmia fossilis, vulg. cobalium (vgl. DWB kobalt 2); weiszer galmey, tutia Alexandrina; auch ofengalmey, galmeyischer ofenbruch, cadmia fornacum, hängt im rohofen aufwerts, vgl. nom. 286b, mit angabe gelehrter quellen (cobaltum vocant Germani). b) bei Junius tritt der eigenthümliche alchymistische, wie oft dichterisch anklingende name nil album, pulvis nihili auch schon deutsch auf (das weisz nichts bei Henisch, vgl. hüttennichts, Adelung u. galmeiflug), unter pompholyx: aeris et cadmiae favilla .. per aerem evolat .. unde et nil album et nihili officinis (bei den alchymisten) .. dictum fuisse auguror, ut et a Germanis nichtes. unde natam suspicor paroemiam ex voce ancipiti nichtes ist in die aughen gut (das gh vom holl. setzer). das erinnert an ein auge voll 1, 791, nicht ein aug voll, gar nichts 4, 291. 13, 197, schon mhd.: dén gewin (was er da gewinnt) c) auch die gallmey, cadmea, nil album, pompholyx, tucia 596, 1787, gallmei 834a, es bezeugt die betonung gállmei, während Adelung und ff. wieder galméi ansetzen. er hat auch zuerst blosz der galmey, wol durch einflusz von stein, galmeistein. doch schon im Chemnitzer bergw. lex. 1743 229a: 'gallmey oder gallmeystein ... in denen brennöfen und schmelzhütten .. setzet sich eine saubere dem gallmey .. nicht ungleiche materie an, welche die materialisten auch gallmey nennen. er wird auch aus den alten halden genommen, maszen die alten solchen nicht zu brauchen gewust' (wie kobalt). 2, a) früher aber kalmei, lapis kalminaris. voc. th. 1482 p 8b, calmei (s. 1, 387), und noch im 17. 18. jh. einzeln: calmey, cadmia teutsch-it. wb. 312a, 2, 71a, kalmey 522a. nl. bei Kilian kalmen-steen, klemmer-steen, lapis calaminaris, jetzt kalamijnsteen, während dän. gleichfalls galmei, galmeie, schwed. galmeja. b) aber auch im 15. jh. schon galmei, und als masc.: überkomung (des pfalzgrafen) mit Conrat Mürer .. von des galmeys wegen, vom jahre 1474, zeitschr. 1, 44. darin: so myn gn. h. einen schacht sacken liesz uf den galmey. dazwischen aber einmal als fem.: der selb C. M. soll mynem gn. h. zwei hundert tonnen guter und luter galmey gewinnen. 3) 1332 gibt auch gadmey, ungeschmelzt erz, cobald, cadmia fossilis, schwarz gadmei. das ist das lat. cadmīa, d. i. gr. καδμεία (doch auch cadmĭa, καδμία), worin doch Cadmus stecken musz, deutsch gemacht, und auch DWB galmei, kalmei musz daraus geworden sein, wie schon 519 ansetzte und wie man es nach angabe noch im 17. jahrh. fühlte; daher auch das fem. (zu dem g- für roman. c- s. DWB G 5, b). Das l für d tritt auch in lapis calaminaris (nicht antik) auf, franz. calamine neben cadmie, span. calamina, ital. calamina, gellamina ( 522a) und mag roman. ursprung haben unter irgend welcher anlehnung an andere begriffe; vgl. 1, 99, auch die kunterbunte manigfaltigkeit der mlat. formen bei 87b. 1) galmen, laut schallen Schottel, (s. 2), gebraucht z. b. von Zesen zur erklärung von nachtigal, die in der nacht galmt ( nat.-lit. 3, 276), wirklich ist es bair. 2, 39, mit beleg: und schlagt die eiserne thür (in der felswand) zu, dasz es galmt hat. beschreibung des Untersbergs; oberpf. prahlen das. (wie mhd. schallen). auch östr. 136, kärnt. auch [Bd. 4, Sp. 1202] widerhallen 107. Ebenso nd. schallen west. id. 64, in Osnabrück et galmet na, gibt ein echo 65. nl. 'galmen, galm geven, resonare' Kil., noch in vollem gebrauche, auch trans. z. b. Gods lof galmen, laut singen.*) 2) unsicher ob zu galm oder gelm gehörig bei 1322, daher bei 597 gelmen neben galmen, resonare cum strepitu, nach Schottels anführung zu urtheilen vielleicht nd.; doch auch tirol. gelmen laut rufen, schreien 184. 3) eine weiterbildung gelmaitzen schreien in der krain. sprachinsel Gottschee 91, kärnt. göllmazn von schreiendem weinen der kinder 112, tirol. gelmezer m. wehruf 184.
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