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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
gabeln bis gabelröhre (Bd. 4, Sp. 1122 bis 1123)
 
 gabeln , auch gäbeln,
1) mit der gabel arbeiten, bearbeiten, fassen, essen u. ä.
a) ein altes sprichwort vom heumachen: wer nit gablet, so die brem zablet u. s. w. Keisersb. has im pf. Bb ijc, narrenschiff 84 (Frisch 1, 312a), vgl. Brant 70 überschr., auch unter breme und krabbeln II, 1, a, bei Henisch 1354 auch: wer im hew nicht gappelet (: zappelet); schwz. gäbeln das heu wenden, umschütteln Tobler 209a. den mist, welcher zwischen die steine (des stallbodens) getreten war, herauszugäbeln. Gotthelf 2, 153.
b) der hirsch gabelt seinen gegner, spieszt ihn. auch allgemein einen gabeln, furcâ transfigere Aler 830b.
c) beim essen: wir hatten nichts zu gabeln, wie löffeln; Mareili .. gäbelte (verlegen) auf dem teller herum. Gotthelf 13, 275 (nd. dagegen ingaffeln wie mit der streugabel fressen Br. wb.). im scherz gabelieren Stieler, Frisch (wie schnabelieren). Bildl.: auch sticht man geschäfte auf, gabelt (wie fischt) herum nach klienten. Gotthelf 19, 93. so aufgabeln, auch ergabeln.
d) mit einer gabel (3) stützen, untergäbeln Garg. 100b. auch auf der gabel reiten, von hexen, s. DWB dargabeln.
2) mit einer gabel versehen, gegabelt furcosus Steinbach, z. b. ein zweig. Eigen bildlich: sie hbent (hielten) in eine gegablete frag für. evangelienb. 54b (Kuhns zeitschr. 18, 45); der gelert doctor verstund wol warumb der herr die gegablete und gehürnte frag an in legt. Pauli sch. u. ernst c. 18 (s. 73 Öst., 1555 gablete und gehörnte 41a), verfängliche, spitzige, ursprünglich ein scholastischer ausdruck für dilemma? bei Frisch 1, 312b 'syllogismus cornutus'. s. DWB gabel II, 8.
3) sich gabeln,
a) sich gabelicht theilen, bergm., s. DWB gabel II, 3, f; auch in der sprache der geographen, z. b. ein flusz gabelt sich. vgl. gabelung.
b) hess., rhein. sich fügen oder schicken wozu, passen, s. Vilmar 113, Kehrein 148, eig. wol von holzstücken.
 
 
gabeln , gaukeln, vom vorigen verschieden.
1) es ist schwäb., alem., z. b.: weilen sie hinzugesprungen, mit den händen im gesicht herumbgegabelt, so habe er sie mit den händen zurückgestoszen. Birlinger Augsb. wb. 175b. bregenzerw.: der vater wird luogo und Josef loso (horchen) im herbst, wenn es bei uns daheim so auseinandergabelt. Felder Nümmam. 148, von den familiengliedern, die sich trennen; in falscher auslegung: und jetzt, da alles anfieng auseinanderzugabeln wie die äste eines baumes. das. 152. schweiz. sich possenhaft bewegen oder benehmen, s. Stalder 1, 409, Tobler 209a (vergl. unter begabeln). auch auf dem bair. sprachgebiete fehlt es nicht: tirolisch gblen verschiedene bewegungen machen, besonders mit den händen Schöpf 465, Fromm. 5, 106. auch bair. gaberln übereilt handeln, d. h. wie ein gaberl (Gabriel) Schm. 2, 9 enthält es wol zugleich.
2) nebenformen anderwärts.
a) kärnt. gappeln vom ersten herumstolpern der kinder Lexer 108, schwäb. gappeln Schmid 213, 'sich mit den füszen wehren',

[Bd. 4, Sp. 1123]
es ist dieselbe bed., vgl. 'gippen gappen' in einem kinderrätsel von der ölmühle E. Meier kinderreime aus Schwaben nr. 293, gaukelnd hin und her fahren, auch schweiz. gappen gleich gabeln Stalder 1, 417.
b) mit anderm vocale schwäb. gaupeln (wie gaukeln neben gageln, s. d.) Schmid 213; appenz. gaupen Tobler 229a. hier dann auch gopen das., Stalder 1, 417, gopen possenhaft tändeln Henisch 1678.
c) im nd. gebiete: ostfries. gabbelgühtjes narrenspossen, nl. gabberen nugari, jocari, franz. gaber bei Kil., gabberer joculator, nugator, franz. gabeur, auch gabberye, nugae, ridiculum, franz. gaberies pour rire, gabes. bei Halliwell ferner engl. gaffle herumgaukeln, necken, gabber 'a person skilful in the art of burlesque', possenreiszer, gaby und gauby a silly fellow (schwz. gappi, gopi), altengl: gabbe to jest, talk idly (dial. gabber, auch gabble, gibblegabble). auch dän. gab spott, gabenar (narr) der andrer spotte zur zielscheibe dient, dän. dial. geffle possen treiben. schwed. gabb spott, begabba verspotten, vgl. Rietz 180a. man bemerke im engl., dän. die doppelte auslautstufe -ff und -bb, die unserm gabeln und gappeln entspricht.
d) und hier denn auch alte bezeugung: ags. gaffetung derisio, geaf jocosus Grein 1, 491 und gabban illudere, altn. gabba, gewisz urspr. von possenreiszen; vgl. altfries. gabbia verklagen, peinlich verfolgen Richthofen 771b.
e) auf roman. gebiete, wie vorhin franz. (s. c), so prov. gab, gap spasz, spott, ital. gabbo, als zeitwort gabbare, altspan. gabar, s. Diez 158 (1, 195).
3) Diefenbach goth. wb. 1, 169 vergleicht kelt. wörter, wie bret. goap spott, die aber zu einer entlehnung nicht ausreichen. bei uns ist das gaukeln, dann narren der begriffskern, und danach treten als wahrscheinlich verwandt herzu gampen, gumpen mit ihrer sippe, s. dort. Aber nahe liegt auch, durch auslautwandel (s. 5, 6) gagen schwanken, gagern, gageln, und gaukeln selbst. vergl. auch DWB käupeln, DWB kippeln (götting. kappeln), kaweln 5, 351, zunächst gäbisch.
 
 
gabelnadel, f. die haarnadel der frauen, weil sie gabelförmig ist. Adelung.
 
 
gabelnbaum, m. diaspyros lotus, im südl. Europa, die äste liefern gabeln für die landwirtschaft. Adelung.
 
 
gabelochse, m. in einem spiele bei Fischart: den verkauften gabelochsen mit wasser zahln. Garg. 165b (Sch. 306a). schweiz. gäbeli eine kuh mit gabelförmigen hörnern Tobler 209a. vgl. folg.
 
 
gabelpferd, n. das in einer gabeldeichsel geht ( Campe): er will an ihrem triumphwagen .. gern als gabelpferd allein ziehen. J. Paul uns. loge 1, 170.
 
 
gabelreiter, m.: hechsenmeister, buck- und gabelreuter, mantelfarer. Fischart groszm. 51 (Sch. 584); wer weisz was zu unsern zeiten die gabelreuter zu ihrer cavalri für holz gebrauchen. Spangenberg lustg. 627; vergl. bockreiter, gabelhure.
 
 
gabelreiterin, f. hexe. M. Kramer 1787, gablreiterin Schönsleder S 1b, gabelreuterin Garg. 47a (74).
 
 
gabelrichter, m. bei messerschmieden, vorrichtung zum schmieden, richten der gabelzinken. Adelung.
 
 
gabelring, m. a tack or spike of a fork. Ludwig 682.
 
 
gabelröhre, f. röhre auf dem kropfe eines pumpbrunnens. Campe.