| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
gabeln bis gabelröhre (Bd. 4, Sp. 1122 bis 1123) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
gabeln gabeln gabelnadel, f. gabelnbaum, m. gabelochse, m. gabelpferd, n. gabelreiter, m. gabelreiterin, f. gabelrichter, m. gabelring, m. gabelröhre, f. gabelschwanz, m. gabelschwänzig gabelspitzer, m. gabelstab, m. gabelstange, f. gabelstich gabelstiel, m. gabelstück, n. gabeltheilung, f. gabelthier, n. gabelträger gabelung, f. gabelwagen, m. gabelweg, m. gabelweihe, f. m. gabelwerk, n. gabelzacke, f. gabelzinke, f. gabelzahn, m. gaben gabenfrei gabenfresser, m. gabengeiz, m. gabengierig gabenherre, m. gabenkarte, f. gabenreich gabentempel, m. gaber, m. gabeselig gabgeber, m. gabgebig gabhaft gabhaftig gabholz, n. gäbig gäbisch gabkauf, m. gabreich gabung, f. gach gach, f. gäch gachel, f. gacheln gachen gächen gachen gachheil, n. gachs, adv. gachsen gachzen gack gack, m. gacke, f. gacke, f.? gackelei, f. gackelfreude gackelicht gackeln gackeln gäckeln gacken gäcken gäcken gackenest, n. gacker, m. gackerig gackern gackezen gäckler, m. gäckler, m. gacks gax gacksen gaxen gäcksen gäxen gackzen gackezen gad, m. gadem, n. m. gaden, n. m. gademer, m. gadendiener, m. gadenfenster, n. gadengericht, n. gadenhengst, m. gadenhüter, m. | 1) mit der gabel arbeiten, bearbeiten, fassen, essen u. ä. a) ein altes sprichwort vom heumachen: wer nit gablet, so die brem zablet u. s. w. Keisersb. has im pf. Bb ijc, narrenschiff 84 ( 1, 312a), vgl. 70 überschr., auch unter breme und krabbeln II, 1, a, bei 1354 auch: wer im hew nicht gappelet (: zappelet); schwz. gäbeln das heu wenden, umschütteln 209a. den mist, welcher zwischen die steine (des stallbodens) getreten war, herauszugäbeln. 2, 153. b) der hirsch gabelt seinen gegner, spieszt ihn. auch allgemein einen gabeln, furcâ transfigere 830b. c) beim essen: wir hatten nichts zu gabeln, wie löffeln; Mareili .. gäbelte (verlegen) auf dem teller herum. 13, 275 (nd. dagegen ingaffeln wie mit der streugabel fressen Br. wb.). im scherz gabelieren Stieler, (wie schnabelieren). Bildl.: auch sticht man geschäfte auf, gabelt (wie fischt) herum nach klienten. 19, 93. so aufgabeln, auch ergabeln. d) mit einer gabel (3) stützen, untergäbeln Garg. 100b. auch auf der gabel reiten, von hexen, s. DWB dargabeln. 2) mit einer gabel versehen, gegabelt furcosus Steinbach, z. b. ein zweig. Eigen bildlich: sie hbent (hielten) in eine gegablete frag für. evangelienb. 54b ( zeitschr. 18, 45); der gelert doctor verstund wol warumb der herr die gegablete und gehürnte frag an in legt. sch. u. ernst c. 18 (s. 73 Öst., 1555 gablete und gehörnte 41a), verfängliche, spitzige, ursprünglich ein scholastischer ausdruck für dilemma? bei 1, 312b 'syllogismus cornutus'. s. DWB gabel II, 8. 3) sich gabeln, a) sich gabelicht theilen, bergm., s. DWB gabel II, 3, f; auch in der sprache der geographen, z. b. ein flusz gabelt sich. vgl. gabelung. b) hess., rhein. sich fügen oder schicken wozu, passen, s. 113, 148, eig. wol von holzstücken. 1) es ist schwäb., alem., z. b.: weilen sie hinzugesprungen, mit den händen im gesicht herumbgegabelt, so habe er sie mit den händen zurückgestoszen. Augsb. wb. 175b. bregenzerw.: der vater wird luogo und Josef loso (horchen) im herbst, wenn es bei uns daheim so auseinandergabelt. Nümmam. 148, von den familiengliedern, die sich trennen; in falscher auslegung: und jetzt, da alles anfieng auseinanderzugabeln wie die äste eines baumes. das. 152. schweiz. sich possenhaft bewegen oder benehmen, s. 1, 409, 209a (vergl. unter begabeln). auch auf dem bair. sprachgebiete fehlt es nicht: tirolisch gblen verschiedene bewegungen machen, besonders mit den händen 465, 5, 106. auch bair. gaberln übereilt handeln, d. h. wie ein gaberl (Gabriel) 2, 9 enthält es wol zugleich. 2) nebenformen anderwärts. a) kärnt. gappeln vom ersten herumstolpern der kinder 108, schwäb. gappeln 213, 'sich mit den füszen wehren', [Bd. 4, Sp. 1123] es ist dieselbe bed., vgl. 'gippen gappen' in einem kinderrätsel von der ölmühle kinderreime aus Schwaben nr. 293, gaukelnd hin und her fahren, auch schweiz. gappen gleich gabeln 1, 417. b) mit anderm vocale schwäb. gaupeln (wie gaukeln neben gageln, s. d.) 213; appenz. gaupen 229a. hier dann auch gopen das., 1, 417, gopen possenhaft tändeln 1678. c) im nd. gebiete: ostfries. gabbelgühtjes narrenspossen, nl. gabberen nugari, jocari, franz. gaber bei Kil., gabberer joculator, nugator, franz. gabeur, auch gabberye, nugae, ridiculum, franz. gaberies pour rire, gabes. bei Halliwell ferner engl. gaffle herumgaukeln, necken, gabber 'a person skilful in the art of burlesque', possenreiszer, gaby und gauby a silly fellow (schwz. gappi, gopi), altengl: gabbe to jest, talk idly (dial. gabber, auch gabble, gibblegabble). auch dän. gab spott, gabenar (narr) der andrer spotte zur zielscheibe dient, dän. dial. geffle possen treiben. schwed. gabb spott, begabba verspotten, vgl. 180a. man bemerke im engl., dän. die doppelte auslautstufe -ff und -bb, die unserm gabeln und gappeln entspricht. d) und hier denn auch alte bezeugung: ags. gaffetung derisio, geaf jocosus 1, 491 und gabban illudere, altn. gabba, gewisz urspr. von possenreiszen; vgl. altfries. gabbia verklagen, peinlich verfolgen 771b. e) auf roman. gebiete, wie vorhin franz. (s. c), so prov. gab, gap spasz, spott, ital. gabbo, als zeitwort gabbare, altspan. gabar, s. 158 (1, 195). 3) goth. wb. 1, 169 vergleicht kelt. wörter, wie bret. goap spott, die aber zu einer entlehnung nicht ausreichen. bei uns ist das gaukeln, dann narren der begriffskern, und danach treten als wahrscheinlich verwandt herzu gampen, gumpen mit ihrer sippe, s. dort. Aber nahe liegt auch, durch auslautwandel (s. 5, 6) gagen schwanken, gagern, gageln, und gaukeln selbst. vergl. auch DWB käupeln, DWB kippeln (götting. kappeln), kaweln 5, 351, zunächst gäbisch.
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