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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
zanger bis zänglein (Bd. 31, Sp. 226 bis 228)
 
zanger, adj.  u.  adv.
zänger, adj.  u.  adv.
zangerheit, f.
zängerig, adj.
zängerkraut, n.
zängerlich
zängern, vb.
zangerwurm, m.
zängeschlake, f.
zängewalze, f.
zängewalzwerk, n.
zänglein, n.
zank, m.
zank, m.
zankabend, m.
zankapfel, m.
zankbegier, f.
zankbegierig, adj.
zankbereit, adj.
zankbirne, f.
zankbock, m.
zankbrief, m.
zankbrunnen, m.
zankbuch, n.
zankbühne, f.
zanke, m.  f.
zankeisen, n.
zankel, f.
zänkel, m.
zänkelei, f.
zänkelicht, adj.
zänkeln, verb.
zänkeln, n.
zänkeln, verb.
zanken, verb.
zänken, verb.
zänken, verb.
zänken, verb.
zankenfleck, m.
zankenkäse, m.
zänker, m.,  nomen  agentis
zanker, m.,  nomen  agentis
zänkerei, f.
zankerei, f.
zankerfüllt
zänkergewäsch, n.
zänkerisch, adj.
zänkerlein, n.
zänkerlicht
zänkern
zankerreger, m.
zankfleck, m.
zankfolie, f.
zankgeist, m.
zankgespräch, n.
zankgierig, adj.
zankgöttin, f.
zankhaar, n.
zankhaft, adv.
zankhaftig, adj.
zankhahn, m.
zankhammel, m.
zankhandel, m.
zankhart, m.
zankicht, adj.
zänkicht, adj.
zankig, adj.
zänkisch, adj.
zankkomödie, f.
zankkopf, m.
zankkraut, n.
zankkunst, f.
zanklehre, f.
zänkler, m.
zanklicht, n.
zänklicht, adj.
zänkling, m.
zanklust, f.
zanklustig, adj.
zankmaul, n.
zankphilosophie, f.
zankplatz, m.
zankscene, f.
zankscheider
zankschrift, f.
zankstifter, m.
zanksucht, f.
zanksüchtig, adj.
zanksüchtigkeit, f.
zanksweise, adv.
zanktheologe, m.
zanktheologie, f.
zankung, f.
zankvogel, m.
zankwage, f.
zankwasser, n.
zankweise, f.
zankwesen, n.
zankwort, n.
zanne, f.
 zanger, zänger, adj. u. adv. , ahd. s. das vorige wort, mhd. zanger, zenger, mnd., nd., mndl., ndl. tanger, in den maa. reich entwickelt, s. d. idiotika, vgl. die afrz. entlehn. tangre u. die ital. tanghero, eines stammes mit zange (s. d. A.) aus *tang-ra 'beiszend', vgl. me. tang-il Stratmann, got. u. nord. entsprech. fehlen.
1) beiszend, bissig, vgl. DWB zanger, m.: in personennamen Zangrulf 'bissiger wolf' Paulus Diac. hist. Lang. IV, 13 (vgl. Biterolf); übertr. bissig, zänkisch:

wu Sost ein babilonische hor is geworden
hettig, nidisch und tanger
Daniel v. Soest 258 Jostes;

se is so tenger un bitsig as de düfel Doornk.-Koolm. 3, 405, scharf, zudringlich von insecten: bien .., di sijn tangher, scaerp end fel (= bösartig) bei Verdam VIII 69, nd. tanger hungrig bei Schmeller II, 1134, begehrlich Jecht Mansf. 127; vgl. afrz. tangre 'gierig', 'ungeduldig' Meyer - Lübke nr. 8560, von waffen scharf: metten swerde goet ende tangher bei Verdam, vom geschmack: tangher bijtende op de tonghe Kilian; bitter vel tanger amarum bei Schill.-Lübb., acidus Frisch 2, 149a: der pfeffer zanger j. Tit. 6048; ponticus zanger Dief. 447a; etliche (granatäpfel) seind zengeren geschmacks Petr. de Cresc. (1531) 62a; sehr oft bei Tabernämontanus synon. mit scharpf, bitter, räsz, hitzig: die alandtwurzel ... am geschmack räsz und zanger (1664) 953a; 83a u. b; 205; (1588) 92b; Hohberg 3, 382b; vgl. bei Verdam VIII 69; tranch zanger bei Schmeller (v. j. 1334); Dief. n. gl. 40b; Schill.-Lübb. 4, 510a; een tangere kese caseus tenax ac acer Plantijn (1573) F f 3a; Autenrieth pfälz. 155;

[Bd. 31, Sp. 227]

darvon hett sie milch, schmaltz und kess,
das füret sie zanger und ress
hinein gen Landshut in die statt
H. Sachs 17, 406 Götze;

übertr.: dieweil sie (die männer) denselben (weibern) das saltzfasz alleine lassen (= die herrschaft lassen) u. ihnen darmit die mäuler also zanger und herbe machen, das man frische heringe darinnen einsaltzen könte Grimmelshausen (1684) 3, 768; der traum, der vor ... freunden ... erzehlet worden, sey ziemlich zanger, und meyne mancher, ich habe vor seinen orth zuviel saltz gestreuet (vgl. unser 'gepfeffert') ebda 3, 762. vgl. engl. tang scharfer beigeschmack Skeat 623; vom klang hell:

der vogel stymm mit grossem pracht
erklang da also zanger
Hätzlerin 27.


2) tapfer, stark, tüchtig, wacker: gnavus Kilian; Campe; Frischbier 2, 391a;

ein man zu strîte zangir
N. v. Jeroschin kron. 7143 Str.;

an maniger herter freisen bin ich gewesen zanger j. Tit. 615.

s. Lexer 3, 1027; Füetrer Seifr. str. 27.
3) schnell, frisch, regsam, fleiszig im mndl., mnd., nd. u. in md. maa. s. d. wbb.: een tanger kind brem. ns. 5, 54; Dähnert 484b; Frischbier 2, 393b: erkücke und erwerme mîne erloschene gerunge, daʒ si von der wirme lebelich unde zanger werde myst. 1, 379, 3 Pf., vgl. 560; vgl. Lexer; Verdam. adv.: dat geet so tanger Dähnert; brem. ns.; Woeste; zuruf: na tagger, tagger Frischbier 2, 391a. hitzig Woeste 268, vgl. me. tanggylor froward and angry bilosus, felleus (1440) Camden-soc. (1865) 486b.
4) gesund, kräftig: valens bei Schill.-Lübb.; mndl. krachtig van lichaam en van geest Verdam; de junge is tanger er gedeyet wol Richey id. hamb. (1754) 304; Schütze 4, 248; Pfister nachtr. 341; Crecelius 930; rüstig: Schambach 39; Frischbier 2, 391a, oft mit 3 sich kreuzend:

ie lenger und ie strenger
tuot dem herzen zenger lieders. 3, 493 Laszberg.


5) schmächtig, zart, schwach: Campe; Weinhold schles. 107; mager abgezehrt Müller - Fraureuth 2, 690a; ein zangeres mädchen eine die nicht sehr fleischig Anton Oberlausitz 6, 7; Doornkaat-Koolman 3, 405b; auch in der stud. spr. vgl. zs. f. d. w. 12, 291.

eʒ blüewet walt, ouwen, anger,
die der winter macht zanger
Altswert 74 lit. ver.;

vgl. der kiefern worn zanger 'kümmerlich' bei Müller-Fraureuth.
6) schlank, geschmeidig, hübsch: gracilis J. G. Berndt sles. id. 163; ene tangre deern Dähnert 484b. bei Muskatblüt (13, 30 Grote), Hätzlerin (102; 108), H. Sachs (1, 184 K.; 2, 154 K.; 17, 292 G.) flickwort für den reim auf swanger.
7) zäh, steif, hartnäckig: Campe; derbe Schütze; asper ... vel tenax Plantijn (1573) F f 3a; hartgekocht Autenrieth 155; afrz. tangre hartnäckig worauf bestehend Diez et. wb. 684; it. tanghero, m., roher, bäurischer mensch, bauer, tölpel, grobian Bulle-Rigutini (1907) 1, 849b;

und dî dît (die Preuszen) ...
ir helse vil zangir doch
undir des geloubin joch
und der brûdre getwanc
gebogin hattin
N. v. Jeroschin kron. 5893 Strehlke;

schles. hart, schwer: an zangern leib zs. f. d. ph. 20, 494; die bäume trieben langsam und das eingesäete ging schwer und zanger auf ebda.
 
 
zangerheit, f., pertinacia Lexer nachtr. 404; zengerkeit von sauern früchten Petr. de Cresc. (1531) 71a; mndl. tangerheit: mannhaftigkeit, agilitas Verdam.
 
 
zängerig, -ich(t), -e(ch)t(ig), adj., von beiszendem geschmack: ponticus, ut piper Diefenbach 447a; n. gl. 298a; voc. 1445 bei Schmeller; nd. tengerich bei Schill.-Lübb.; acerbare bitter oder zengrig machen Dief. 9; zengret bitter, herbe, scharf J. Zingerle lusern. wb. 59b; zengratwasser bitterwasser ebda; (der palmwein) ist erstlich süsz als ein mett,

[Bd. 31, Sp. 228]
wirt von tag z tag zengreth S. Franck weltb. (1534) 216a; wann man die (röhrlein des calamus aromaticus) käuwet, so werden sie ... zusammenziehend, zangerechtig und scharf am geschmack Tabernämontanus (1588) 707a. —
 
 
zängerkraut, n., ranunculus acer Unger-Khull 643a, r. bulbosus Lexer kärnt. 265; Schmeller 2, 1135 (Tirol); Pritzel-Jessen 323; 324. —
 
 
zängerlich, -licht, -lecht, zängerlt, zänkelicht, zänkerlicht, adj., scharf von geschmack: vellicans linguam voc. (1618) bei Schmeller 2, 1135; ein guts brüherl zänkelicht A. v. Bucher sämtl. werke 4, 236; Leoprechting Lechrain 246; v. Delling bair. id. 2, 209; Schmidt schwäb. 492; säuerlich Frisch 2, 149a; von speisen, früchten u. dgl.: etlich (früchte) seind zängerlecht als die wildöpffel Petr. de Cresc. (1531) 60b; vom bier Reinwald henneb. 1, 193; von der milch Schmell. 2, 311 (für Nürnberg, Erlangen). mndl. calamus aromaticus ... tangherlike van smaken bei Verdam 4, 70. s. th. X 1, 587.
 
 
zängern, vb., scharf sein von geschmack; Dief. 368a; n. gl. 298a; Schill.-Lübb. 4, 532; vgl. tinghelen mordicare Dief. 447a;

daʒ zengert als ein ves
gen einem pfefferkorn
Altswert 250, 10 lit. ver.;

dann sie (wurzel des ligusticum) ist am geschmack lieblich mit einer zangerenden räse oder scherpffe Tabernämontanus (1588) 251a; unsre leute thun den kellerhals (daphne mezereum) gerne unter den brandtewein, so zängerts brav in der kehle Chr. Weise Isaaks opferung 65; z. bitter schmecken Bacher lusern. 427; zingern Vilmar kurhess. id. 470; säuerlich sein: die da zengernde sein (äpfel) Petr. de Cresc. (s. l. et a.) 68b; vgl. bair. v. Klein 2, 240; henneb. Frommanns zs. 3, 134; ranzig sein vom milchrahm Stalder schweiz. 2, 463, vom geruch:

der luft ...
nach balsamsmac zengern
begunde lieders. 1, 376 Laszberg,

fürs gefühl: was zur nessel werden will, das zengert bald (16. jh.) bei Schmeller; brennend schmerzen Lexer kärnt. wb.; vgl. Vilmar kurhess. id. 470.
 
 
zangerwurm, m., cantarides z., ascherwurm, goltwurm voc. theut. (1482 Nürnberg).
 
 
zängeschlake, f., s. DWB zängen Muret-Sanders II 2, 2309,
 
 
-walze, f., ebda,
 
 
-walzwerk, n., Muspratt3 2, 725; Karm.-Heer.3 3, 50.
 
 
zänglein, n., ahd. zangelîn forcipula Graff 5, 679, mhd. zengelîn, zu zwänglein s. DWB zange A. dem. zu zange, bes. zu chir. zwecken (vgl. ob. I 2 e. u. III): Gotfried Trist. 7191; Ortolff v. Bayrland (1477) 22a; zengel Hier. Braunschweig (1539) 19b; klaine gebogne krume zenglen gleich aim storkenschnabel ebda 11b; H. Sachs 17, 274 G.; Sudhoff chir. 2, 23, u. zur haarpflege (s. I 2 b u. III): Corvinus 943; allg. haushaltungsl. (1751) 3, 784; W. Hauff 1 (1890) 23; zu sonstigen zwecken: zengel Tucher baumeisterb. 297 Lexer; Paracelsus chir. (1618) 756c; Stieler; Amaranthes 1324; G. Keller 6, 143; Karm.-Heeren3 4, 54. übertr.: Franzl macht aus den zwei fingern kunstgerecht ein zänglein, taucht ein (in die schnupftabaksdose) ... Rosegger (1895) 3, 3; häufigere zuss.; beisz-, beug-, draht-, kneip-, korn-, rupf-, spitz-, zanzänglein Stieler; Kramer; Follmann lothr. 552; th. V 1409; Hulsius (1618) 1, 280b; Dasypodius germ.-lat. G gg 8a (1537).