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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
zimp bis zimpeln (Bd. 31, Sp. 1360 bis 1361)
 
 zimp, zimpe, zimpen, m., ecke, spitze, zipfel; das nd.-ndl. timp, timpe, m., das am Rhein zögernd der lautverschiebung nachgibt (s. Frings Germ. Rom. 210 f.); ecke, spitze des brotes und kuchens:

ach here, laeth my doch mit yw gaenn,
ick sterve süsz hungers, dar ick sta.
de wegge ys getten up den tympenn
Burkard Waldis d. verlorene sohn v. 997 ndr.;

eenen timpen vam stuten afbyten Richey Hamb.2 308; eenen timpen vom brod bieten Schütze Holstein 4, 260; een timpen vam weggen Dähnert plattdt. wb. 486b; timp holl. fris. i. kant broods oft wegghe; holl. panis minor triticeus eminentibus angulis Kilian 672a Hass.; sprichwörtlich: he bitt all up 'n letzten timpen es geht mit seinem vermögen zu ende Dähnert plattdt. wb. 486b; semmeln mit 4 spitzen heiszen timpen Mensing schlesw.-holst. 5, 65. sackzipfel: den sack bi de timpen anfaten ebda; timpen stumpfes ende am sacke Mi Mecklenb. 93b; in den timpen faten Schambach Göttingen 230b; zipfel eines tuches, taschentuches Mi Meckl. 93b; Schambach 230b; in den timpen vam dook knutten brem. wb. 5, 71; ecke eines stuhls: de büdelste timpe van 'n stohl Mensing 5, 65; eines steins Schambach 230b; landspitze Frederking Hahlen 32. übertragen kopf: he hett wat im timpen ist trunken Richey Hamb.2 308; ebenso Schütze, Mensing, Schambach, Böning 115b; auch: er ist nicht bei guter laune brem. wb. 5, 71; he kreeg 't im timpen das starke getränk stieg ihm zu kopfe, er ist sehr aufgebracht 5, 70; schwanz: dən timpən intēn sich aus dem staube machen Bauer-Collitz Waldeck 104a; en timpen weniger ein biszchen weniger Mensing 5, 65; in vocabularen häufig: relipendium tympe an der coghelen, gleich gugelzipffel Diefenbach nov. gl. 316a; kogeltymp gl. 491a; leripipium kugelczippe, -czippel, -czipfel, eyn timp van der kogelen gl. 324c; orarium timp 399a; relipendium, retropendium tymp, tzep v. d. Schueren teuth. 398a Verdam; timp umbraculum calyptrae muliebris, frontale pallae Kilian 672a Hass.; focale i. qu. cattula halstuch, koller, zympf (vulg. collipendium) Diefenbach gl. 241a; Apherdianus tyrocin. 45. zimpezampe fetzen über fetzen Stauf v. d. March nordmähr. 99. eher von zümpfel (teil 16, sp. 541) zimpferl, n., kleines, kurzes stück Loritza Wien 147b; sicher ist ciringa cymp yssen Diefenbach nov. gl. 341a, stringa zimpffen yssen instrumentum per quod chirurgicus virge virili medicinas resolutivas inmittit gl. 556b mit der umgelauteten form von zump, zumpf penis gleichzusetzen, s. zumpffen eyssen Augsb. vocab. v. 1473 bei H. Fischer schwäb. 6, 3507. —
 
 
timpen - biter, m., semmelesser (spitzname) Mensing schlesw.-holst. 5, 65; -bri, gleich tippenbri, m., kaltschale aus branntwein, zucker und pfefferkuchen, welche auf hochzeiten gereicht wird Woeste-N. 271b; -brot, n., eine art rundstück mit kleinen zipfeln Mensing 5, 65; timpenn', m., blinddarm des schweines ebda; timpendreher, m.: timpendreyer ein beiname der bäcker Strodtmann Osnabrück 246; -mehl, n., der erste gang des mehls, das feinste und beste mehl Schambach Göttingen 230b; -stuten, m., semmel mit 4 spitzen Schütze Holstein 4, 260; die nüsse der wassernusz, trapa natans Mensing; timpkanne, f., kanne mit ausgusz zum einschenken Marienburger tresslerb. (1399-1409) 494 Joachim; (Hamburg 1494) Schiller-Lübben 4, 545a; timpmütze, f., zipfelmütze, auch timpel- Mensing 5, 65.
 
 
zimpel, adj., gleich simpel (teil 10, 1, sp. 1060), doch noch mit dem älteren z- als lautersatz für das stimmlose s- des ausgangswortes franz. simple, ndl. simpel einfach, einfältig: zimpel simpel, einfach, dumm (1800) Schütze Holst. 4, 382, während Mensing 4, 493 nur noch den stimmhaften anlaut kennt; in Mecklenburg in gehobener bedeutung, welche die einfachheit in auftreten, erscheinung

[Bd. 31, Sp. 1361]
und leistung betrifft, schlicht, bescheiden: dee (die leute) wiren zimpler; schwach: he (der hund) bitt man zimpel; mager: dee (die kuh) wir ierst man zimpel; schonend: dor (mit dem getreide bei der ernte, damit kein korn abfalle) würd' ganz zimpel mit ümgahn; zurückhaltend, blöde: dee is so zimpel int äten. —
 
 
zimpel, m., die substantivierte form des vorigen: einfältiger mensch Müller-Fraureuth 2, 706; ebda angehängt an die bezeichnung von handwerkern, die schlechte arbeit liefern: der bäcker-, balbier-, schusterzimpel, u. a.; zimpelche, n., simpler, verrückter mensch Hönig Köln 208a. zs. zimpelfranse, f. schweiz. id. 1, 1310 für eigentliches simpel-, simpelsfranse, f., teil 10, 1, sp. 1061; H. Fischer schwäb. 5, 1408; Roedder volksspr. u. wortsch. d. bad. Frankenlandes (1936) 527b. —
 
 
zimpel, (m.?), f., substantivbildung aus den verben zimpen, zimpeln: zimpel, f., mürrische, klagsüchtige person Schmid schwäb. 549; sich affektiert, zärtlich, kläglich benehmende person (schwäb.) Schmeller-Fr. 2, 1125; vgl. zimpelte, f., schwaches kind, weinerliches mädchen, furchtsame person wb. d. Elberfeld. mda. 178b. —
 
 
zimpel, zimpfel, m., zipfel: timpel zipfel, namentlich an der baumwollenen nachtmütze Schambach 230b; zimpel zipfel, penis, ein zimbel land ein spitz zulaufendes stück land (Ermland) Frischbier 2, 493b; zimpfel zipfel E. Lemke volkstüml. in Ostpreuszen 1, 190; timpel berghöhe, aufgeschichteter haufen Woeste-Nörrenberg 271b. dazu zss.: -brötchen, n., dreizipfliges brötchen (Königsberg) Frischbier 2, 493b; -mütze, f., zipfelmütze Schambach 230b; Mensing 5, 65 (auch timp-); -pelz, m., schafpelz, an dem die schwanzzipfel der felle als schmuck hängen Frischbier 2, 493b; -weck, m., semmel aus weizenmehl in der form eines viereckigen sterns Hennig pr. wb. 311. davon das adj. timpelig zipflig, in einem zipfel auslaufend Schambach 230b. —
 
 
zimpel, m., gleich zempel (sp. 630): 'bei den seidenwebern die schnüre, worein die ganze patrone des musters eingelesen ist' Schrader dt.-frz. wb. 2 (1784) 1681b; kaum hierher ein zimpfel kurzer zwirnsfaden mitt. d. schles. ges. f. volksk. 16, 156. —
 
 
zimpel, m., gleich 2zimbel, f. (sp. 1280), sumpfwurz, serapias longifolia und latifolia Krünitz öcon. encycl. 239, 74. zs. -blume, f., ranunkelartiger froschlöffel, alisma ranunculoides Frischbier 2, 439b. —
 
 
zimpel- für semper-: zimpelfi, f., dach-, hauslauch, sempervivum tectorum ebda; zimpelfiege, f., aloe Schemionek elbing. mda. 45; aus dem lat. namen und fige, f., feige, vgl. simperfig, f., agave, aloe arborescens Mensing 4, 494.
 
 
zimpeln, vb., immer klagen, jammern (schwäb.) Campe 5, 869a; Hübner zeitungslex.31 4, 1023a; zimpelen jammern Schmid schwäb. 549; zempeln still weinen H. Fischer schwäb. 6, 1120; zimpflen kritteln, mürrisch tun ebda 1213; zimpeln leise weinen Mi Mecklenb. 110a; Flemes Kalenberg nachtr. 111; zimpeln sich bei kleinem schmerz gefährlich haben Uckermark; vgl. verzimpelt schüchtern Jungandreas zeitwortbildung 76. —
 
 
zimpeln, vb., gleich zimbeln (sp. 1280): (der) harfenist ... fing an zu zimpeln und zu singen J. Lowag ges. schr. (1902) 7, 232.