| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
eisze bis eitelhaft (Bd. 3, Sp. 382 bis 389) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
eisze, m. eisz, m. eiszen eiszle, n. eiszlein, n. eiszig eitel eitel, n. eitel, adv. eiteldarm, m. eitelehre, f. eitelhaft eitelheit, f. eiteling, m. eitling, m. eitelisch eitelkeit, f. eitelkeitsliebe, f. eitellötig eitelmacherin eitelmut, m. eiteln eitelredig eitelruhm, m. eitels, adv. eitelschön eitelsinn, m. eitelsinnig eitelstolz eitelsucht, f. eiteltönend eitelwort, n. eiten eiter, n. eiterauge, n. eiterbein, n. eiterbeule, f. eiterbildung, f. eiterbissig eiterbläschen, n. eiterblase, f. eiterblatter, f. eiterbutze, m. eiterecht eitereisen eitererzeugung, f. eiterfarbig eiterfinne, f. eiterflusz, m. eiterfrasz eitergalle, f. eitergift, n. eitergeschwulst, f. eiterhaft eiterharn, m. eiterig eiterisch eiterkraut, n. eitermasse eitermäszig eitermilch, f. eitern eiternessel, f. eiterpocken eiterrechsung, f. eiterrufe, f. eiterruhr, f. eitersack, m. eitersälblein, n. eiterstar, m. eiterstock, m. eitertriefen, n. eiterung, f. eiterungsmittel, n. eitervoll eiterweisz eiterweisz, n. eiterwurz, f. eiterziehend eitlich eitofen eitsche, f. eitstein, m. eivolk, n. eiweisz, n. eiweiszartig eiweiszgebilde, n. eiweiszhäutchen, n. eiweiszstof, m. ekel ekel, adj. ekel, adv. ekelbegrif ekelessen, n. ekelgeister ekelgeschmack, m. ekelgeruch, m. ekelhaft ekelhaft ekelich | schlier, eiszen, huosten, flusz, toubsucht. fastn. 864, 35; und thaten dise bösewicht under disen worten mich mit tremeln also schlahen, das mine arsbacken ganz voll wurden eiszen und geschweres. Wyle tütschungen im gülden esel; es ist mit uns gewesen gleich als umb einen, der ein eiszen oder ein geschwer hat, der da gleffet. brösamlin 64c; sobald der aiterbutz aus dem aiszen gezogen wird, sobald hailet er z. siben scheiden ...; vor disen vieren behütet dich gedult, wenn si dennen zucket die wurzel und den eiterbutzen usz dem eiszen des mügens (mühens), das ist die trurikeit. bilger 60d; denn so lidet ein mensch gedültiglichen den flieten (phlebotomum) in dem geschwer oder eiszen. 68a; wenn man dir ein phlaster uber ein eiszen leit, so wirkt got under dem phlaster. 85a; er (Iob) was voll blottern und eiszen. 213c; und die esel triben im (dem Iob) die feind hinweg und liesz im gott nummen ein bös weib und blagt in darz mit blatern und eiszen. s. d. m. 13b; aber wenn einer ein eiszen hat, so lang der butz dar in ist, so lang eitert er immermeder, züchst du aber den butzen herausz, so höret er uf eitern. 29b; ein hund leckt eim die zehen und wunden, als Lazaro, der foll eiszen und geschwer was, dem leckten sie den wst ausz und das allerschnödest. 34a; wan die butzen herausz kummen, so eitert der eisz nümme und schwirt nit herausz. 43a; da han ich den eiszen aller menschenlereren berürt. 1, 77; do hat ich ein eisz an eim bein, ich denk, es weri ouch pestelenz. 66; wahrscheinlich hat die Zürcher bibel von 1525—29 Luc. 16, 20 gleichfalls 'voller eiszen' statt Luthers 'voller schweren'; eben solche gestalt (wie mit schlier) hat es mit andern eiszen, den furunculis, allein das sie milter seind. arzneibuch 608; disen eiszen hat niemand dörfen rögen (rügen). chron. 513b; deren keiner den eisz oder geschwer der kranken kirchen anrüret. 518a; wirt gut sein diesen aisz und treck nit zu rüren. paradoxa 46; wann man ain aisz zuheilt, bricht es an ainem andern auf. lob der torh. 128; ist es nit schand rauden (scabiem), eisz und dreck mit purpur, seiden und scharlach z decken? Petr. 17a; welche eiszen, ie me man sie kratzet und jucket, ie heftiger sie hitzen, wüten und toben. 183b; solches warm gemacht, uber einen aisz oder geschwulst gelegt. 409; wassereppichsaft leg über bäulen, schlier, eiszen oder dergleichen geschwer, es zeitigt sie bald und reinigt sie. 375; mit honig vertreibt es die heiszen giftigen eiszen oder schwarzen blatern. fischb. 20; auch kamen vil aisz, trüs und peuln. [Bd. 3, Sp. 383] und die so übels thun, sorgen stetes, man verweisz ihnen die sünd, als einer der einen eisz oder geschwer oder scharpfes zipperlein hat, sorgt man rür ihn an. warnungsengel 102; was gelts, man wird euch den eiszen aufthun. Garg. 216b; turteltaubenblut heilet das geronnen blut und den eiszen inn augen. 118; das heiszet den eiszen recht gerüret. 1, 228 (233); wann man sich eines aiszes oder geschwers besorgt. 1, 258a; für die apostem, aiszen und geschwer, auch andere geschwulsten. 1, 303a. wie den eiszen rüren, berüren, anrüren, heiszt es auch einem den eiszen aufstechen, aufhauen, auslassen, sinnlich und figürlich. ahd. eiʒprësta ist senecio, wundkraut, heilkraut, heilallerwelt. Luther enthält sich des sicher althergebrachten ausdrucks eisz und setzt dafür Hiob 2, 7. Luc. 16, 20 schwere (d. i. schwäre), Adelung und Campe nehmen ihn gar nicht auf und die heutige schriftsprache duldet ihn höchstens in den zusammensetzungen bluteisz und spitzeisz; allerdings läuft unsere an reinhaltung der zischlaute nicht mehr gewöhnte aussprache gefahr eisz und eiszen mit eis und eisen zu mischen, da doch ahd. und mhd. eiʒ, eiʒen, von îs, îsen genau abstanden. übrigens hat sich eiʒ und eisz bisher nur in hochdeutscher mundart gezeigt, ahd. erscheinen sogar die vielleicht verwandten eigennamen Eiʒo und Eiʒâ ( 372); aus eiʒo ein goth. aita zu folgern bleibt doch überkühn, zumal Luc. 16, 20 banjô fulls gewährt, von banja, altn. ben, versehrung. In der wurzel hängen eiʒ und eiʒo unverkennbar zusammen mit eit ignis und eiter venenum, weil wunde und gift brennen; von der gestörten lautverschiebung soll unter eiter die rede sein. der eisz eitert hiesz es in einer der ausgehobnen stellen. möglicherweise verwandt wäre auch das ags. âte, lolium und avena, buchstäblich = ahd. eiʒâ, nemlich avena fatua, wilder, tauber haber, wie Georg. 1, 154 steht infelix lolium et steriles dominantur avenae, unnützer, gleichsam verbrannter, verderbter haber, unkraut, das engl. oat drückt wieder avena sativa aus. näher an die vorstellung ulcus rückt altn. eitill, m. glandula in ligno, lapidibus, also stockung, verhärtung, drüse. für unverwandt halte ich das oben behandelte aus egislîh entspringende eislich, turpis, deformis.1) leer, κενός. ahd. ôtagê forlieʒ îtalê. T. 3, 53. divites dimisit inanes. Luc. 1, 53, die reichen liesz er leer ausgehen, goth. gabignandans insandida lausans; thie ôdegun allê firliaʒ ër îtalê. O. I. 7, 18; sô quëment Români ouh ubar thaʒ, nëment thaʒ lant allaʒ, gesach im îtel die hant wir enlâʒens îtelhende (mit leeren händen) mit îteler hant. pass. K. 210, 93; mit gen. der sache:gewæfens îtel unde blôʒ. tr. kr. 26389; diu beide (ors) gap ër von im sît daʒ swërt nie îtel wider kam (leer ausgieng), [Bd. 3, Sp. 384] mîn wort kumet nummer îtel heim, iʒ enbrenge frucht in den die iʒ enphân. myst. 106, 4; eitel oder unfruchtper, infecundus. voc. theut. 1482 g 1b. mnd. die îdele wagen sal rûmen dem geladenen. Ssp. 2, 59. Gosl. stat. 101, 25. im pass. K. 286, 89 wird mit îtel vaʒ gescholten, etwa wie wir sagen ein windbeutel; im schif der penitenz 11c.d von dem lären lägel redend, das die schiffer der sirene hinwerfen, dasz sie damit spiele und das schif vorüber lasse, fügt hinzu, so betriege der böse feind einen jüngling: so wirfet er im für ain läre lägel, etwan ain hübsche creatur, ain weibspild, die da lär ist, eitel und wan und vol üppigkait. gleich nachher folgt: lär, wan und vol üppigkeit; die erde was eitel und lere. bibel von 1483 1 Mos. 1, 2 (bei Luther wüst und ler). das sind die ziemlich seltnen nhd. belege für eitel = leer, in unserer schriftsprache hat sich diese bedeutung ganz verloren, unter dem volk hört man noch: 'es ist mir so eitel in dem magen' für so leer; besser einen dotter als die eitle schale. 1679. 2) blosz oder bar, die schon in einigen der eben angeführten beispiele dem îtel zugesellt waren, da sich das leere, ledige dem bloszen, nackten nähert. man sagte: 'das brot eitel essen', wenn kein fleisch, 'das fleisch eitel essen', wenn kein brot dabei war, heute, das blosze brot, das blosze fleisch, lat. merum panem, meram carnem edere; 'das brot eitel essen' = ohne butter; und wenn ihr kein brot habet, so freszt ihr das fleisch eitel. Filidors (Schwiegers) Ernelinde s. 14; eitel, schlecht brot (trocken brot). 3, 74; in Leipzig hört man sprechen eikel brot; nicht hett das eitel brot. froschmeus. N ib; appetit zu einem stücke eiteln brote. pol. stockf. 92. ebenso 'eitel wasser, eitel wein' = wasser ohne wein, wein ohne wasser: waʒʒer mit wein oder mit eʒʒeich gemischt lescht den durst mêr wan eitel waʒʒer. 353, 9; ëʒ sprëchent auch ëtleich, daʒ gemischter wein mêr trunken mach wan ungemischter ... aber diu trunkenhait wërt niht sô lang sam von eitelm wein. 353, 23. ähnlich franz. prendre le thé tout nu = ohne milch. der bekannte nhd. eigenname Eitelwein empfängt dadurch seine deutung. ein statt in Galilea, bei nahe ein eiteler fels = nackter. disc. mil. 14; wan ich bin ein eitel lai. 3) unmittelbar verwandt ist eitel = lauter, rein, merus, wie es sich eben schon bei wasser und wein (merum vinum) fassen liesz, eitel, lauter gold, merum, solidum aurum. 91b; eine braupfanne mit eitlen harten thalern. Musaeus. es war ein reicher herr, der het ein grosze sach vor dem babst zu schaffen, und nicht ganz eitel recht (nicht ganz klar recht). sch. und ernst 1555 cap. 301. noch in einer späteren stelle ist die bedeutung rein und lauter zu erkennen: das süsze gift der liebe schleicht, [Bd. 3, Sp. 385] Eitel Leo ( Maximilian s. 383); Italhans filius Johannis dapiferi ( urk. p. 69) und sicher noch anderwärts. dies praefix soll doch wol den reinen, ungemischten stamm bezeichnen und scheint unter mehrern söhnen oft nur einem und dem ältesten zu gebühren, bei Senkenberg l. c. heiszt es in der alten chronik: sonderlich einen sohn, den nannte er dem geschlechte zu ehren Eitelhund, zu vergesz des namens von Holzhausen. solch ein brauch musz aber alt hinauf reichen, obwol er unangemerkt blieb, s. 772 hat die eigennamen Idalcar, Idalberga, Itlefrid aus früherer zeit; man wird dies îtal, gleich den praefixen ala, halp u. a. m. als wichtig für die unterscheidungen der geschlechter ansehen dürfen, nähere ausführung gehört nicht hierher. wenn es fastn. sp. 516, 14 ironisch heiszt: so ist der preutigam ein eitel kern, 4) auffallender scheint eitel als häufiges epithet der nacht: ich gieng bei eitler nacht, aber wir müssen allein dar schwere träum bei eitler nacht. wolt eh bei eitler nacht davon. von eim bad in das ander füren 5) heute verwenden wir eitel, im sinne des mhd. gemeit, von einem der sich seiner vorzüge freut und ihrer bewust wird, und vielleicht dürfte schon in jenem 'eitel' vor eigennamen der nebensinn des stolzen, frohen gesucht werden. die frau ist eitel auf ihre schönen hände, stolz darauf; er ist eitel auf seine pferde, froh sie zu haben; eine eitle, üppige frau; ein gutes, eitles mädchen; wo die vorstellung des leichten, leeren, unnützen kaum nachklingt. sagt 26, 337: konnte man ihm nachsehen, dasz er sich seine persönlichkeit, seine verdienste sehr lebhaft vorempfand, so war kein umgang wünschenswerther zu finden. da mich nun überhaupt das was man eitelkeit nennt, niemals verletzte, und ich mir dagegen auch wieder eitel zu sein erlaubte, d. h. dasjenige unbedenklich hervorkehrte, was mir an mir selbst freude machte, so kam ich mit ihm gar wol überein, wir lieszen uns wechselsweise [Bd. 3, Sp. 386] gelten und schalten. an dieses unschuldige, gleichsam berechtigte eitle grenzt aber umschlagend 6) die abstraction der ersten bedeutung, eitel im nachtheiligen sinn von inanis, vanus, unnütz, falsch und vergeblich: mhd. îtel und schalchaftic. myst. 101, 30; îteleʒ lachen. 319, 2. nhd. ein eitler mann, thor, narr, schwätzer, tropf; ich sitze nicht bei den eiteln leuten und habe nicht gemeinschaft mit den falschen. ps. 26, 4; aber der herr weisz die gedanken der menschen, das sie eitel sind. 94, 11; es ist alles ganz eitel. pred. Sal. 1, 2; so lange dein eitel leben weret. 9, 9; und weichet nicht dem eiteln nach, denn es nützet nicht, weil es ein eitel ding ist. 1 Sam. 12, 21; sind in irem tichten eitel worden. Rom. 1, 21; lasset uns nicht eiteler ehre geizig sein ni vairþaima flautandans). Gal. 5, 26; wiltu aber wissen, du eiteler mensch, das der glaube on werk tod sei? Jac. 2, 20; so sie doch nichts sind, eitel sind, thoren sind, sünder sind. 3, 24; wer sich einen menschen erkennet, der weisz, das er nichts ist und eitel ist für gott. 3, 30; ist Christus aber nicht auferstanden, so ist ewer glaube eitel. 1 Cor. 15, 17; aus hochfart und eiteler eer. Teuerdank ...; des eiteln hofs stolz, witz und rat. und wan ja der musen kunst die eitlen sorgen, leeren schrecken, der fürstentafeln eitlen überflusz hier athmet er ruhe, es war ein eitler segen! euer markten ist nur eitel, nicht wahrlich solches eitle konnte mir dich hat der eitle ruhm bewegt. 67a; nein, Mortimer, euch blendet eitle furcht. 411a; so ist des geistes ruf an mich ergangen, edler greis, noch immer gefallen dir eitele reden. Il. 2, 796; und eiteles schwatzen ist unrecht. Od. 4, 837; ein gerücht, als wollten die Dänen mit aller macht in Sachsen einbrechen war eitel. dän. gesch. 1, 40; was ist eitler als ein junges frauenzimmer? seufzte die muhme. 'ein altes' erwiederte die nichte. 5, 308.Fragt es sich nun nach der wurzel, so scheinen eitel und eit ignis, pyra, ahd. îtal und eit aus einer und derselben zu flieszen, welcher ich auch ahd. itis, ags. ides nympha, femina überweise, in ahd. form könnte auf îdan eid itum, in gothischer auf eidan aid idum, splendere, ardere geraten und das skr. idh, indh urere, gr. αἴθω hinzu gezogen werden (vgl. was unter eiter angemerkt ist). hierzu würden sich die dritte und fünfte bedeutung von eitel leicht fügen, schwerer die privativen 1. 2 und 6; doch bietet das buchstäblich anklingende goth. gamaid, ahd. gimeit von meidan maid midum, ahd. mitan meit mitum auch für die begrifsübergänge auffallende analogie. goth. gamaids ist πηρός, ahd. gimeit cassus, hebes, mhd. gemeit aber laetus, superbus (wie eitel 5), ahd. in gimeitûn = incassum, εἰς κενόν, ags. on îdel, ahd. îtalingun, [Bd. 3, Sp. 387] it. invano, franz. envain. deutlich steht lat. vanus privativ, wie eitel 1. 2. 6, gimeit aber beides, sowol privativ als positiv, gerade wie eitel. nur gewinnt auch vanus seine position, sobald wir das altn. vænn pulcher, splendens erwägen, unser wân spes, goth. vêns, nhd. wahn pflegt sich eben mit leer zu verknüpfen, an sich selbst aber ist wahn schon leerer, eitler wahn, falsa spes. der vierten bedeutung von eitel kann das ags. 'on vanre niht' (in finstrer nacht) Beov. 1398 (1409) und 'niht van under volcnum'. 1295 (1306) vollen aufschlusz gewähren. welchen sinn meiden ursprünglich hatte, wird unter diesem worte gelehrt, die phasen unseres eitel ergeben sich erst daraus, dasz das helle umdreht ins dunkle, leere, das frohe ins vergebliche. Göthe lenkt also aus dem rechten weg (26, 338) wieder in den unrechten, wenn er schlieszt: wir Deutschen misbrauchen das wort eitel nur allzuoft, denn eigentlich führt es den begrif von leerheit mit sich und man bezeichnet damit billigerweise nur einen der die freude an seinem nichts, die zufriedenheit mit einer hohlen existenz nicht verbergen kann. nicht leere, sondern schein, glanz, lauterheit war die urbedeutung, das mhd. gemeit, seinem sinne nach, ursprünglicher als das goth. gamaids, ahd. gimeit. vgl. auch üppig. lieben herren, wie so sehr habet ihr das eitel lieb! Deutsche müssen ja gar from und ohn alles eitel sein, 1) eitel vor substantiven: zwâr iwer tugentlîcher munt daʒ ër wart îtel sweiʒ. Diocl. 1314, dasz er éin blut wurde; ëʒ sint eitel weip (nur weiber). 254, 19; und schicket do vil pferd wider heim, doch niemand erberg, dann eitel knecht (als nur knechte). 153; darnach kamen wir in ein stat, heiszt Saris, sitzen eitel juden darin (nichts als juden). 166;das die frauen wänen, es wöll eitel honig regen (regnen). fastn. sp. 344, 14; das er uns gibt eitel eselsfeigen ze fressen. 350, 17; und soll zwai jar eitel holzöpfel essen. 308, 20; ich wil euch eitel (lauter, nichts als) warheit sagen. 734, 4; und wollen euch eitel warheit sagen. 769, 19; ich hab biszhar itel kuder gespunnen. bilg. 49c; sie schwüren tausent aid sie spünnen eitel flachs und wann sie es an dem liecht besehen, so ist es hanf, ain arm ding, es wirt zwilch darausz. spinnerin e 6c; so hast du wol ain ganzen haufen kuder gespunnen, dennocht schwürest du ainen aid, er wer eitel flachs. f 3c; das in darnach kain haberms meer will schmacken, noch aier oder was man in gibt, allain es msz eitel schleck sein, ja denn hetten si auch gern was neuwes auszgieng (was frisch gewachsen ist), als birlin, kirslin, denn zuckererbsen, und denn sprechen sie, 'mein mtter hat mir es kauft'. es ist als eitel gickerlis geckerlis. has im pfeffer cc 7b; dasz er mag greifen zu Emmel in die herde und mag holen idel kuhe und hornlos ochsen und sunst kein ander vihe. weisth. 2, 353.die machten beide Isaac und Rebeca eitel herzeleid. 1 Mos. 26, 35; und war eitel segen des herrn in allem, was er hatte zu hause und zu felde. 39, 5; eitel menlin eins monden alt und drüber. 4 Mos. 3, 39; da eitel dürre und kein wasser war. 5 Mos. 8, 15; inwendig war das ganze haus eitel cedern. [Bd. 3, Sp. 388] 1 kön. 6, 18; der narren mund speiet eitel narrheit. spr. Sal. 15, 2; es sind eitel risen. Jer. 5, 16; du warest gezieret mit eitel (nichts als) gold und silber. Ez. 16, 3; sein stuel war eitel fewrflammen. Dan. 7, 9; der teich sahe wie eitel blut. 2 Macc. 12, 16; also ist nu hie kein knecht mer, sondern eitel (lauter) kinder (svaei ni þanaseiþs is skalks ak sunus). Gal. 4, 7; obgleich die, den es befolhen und daran gelegen ist, wider sie eitel banne regeneten oder hagelten. 1, 18a; eitel sünde. 3, 5b; lasz es wol fur der welt etwas sein, aber fur gott ist es eitel greuel, wo Christus nicht da ist. tischr. 1, 33. verstärkt mit lauter: darüm sind wir auszer und ohne Christo eitel lauter narren. 1, 82, wo sich beide wörter auch adjectivisch fassen lieszen. ist nur eitel haut und knochen an im (nichts als). beschr. Preuszens. Königsb. 1584. 239; ward von Porsenna gefragt, warum sie eitel jungfraun und kein jüngling erwelt hett? Livius, Schöfferlin 27a; und das schif da zu trümmern gieng, als were es eitel gläser (nichts als glas) gewesen. Bocc. 1, 57a; zu nacht traumet uns von eitel widerwertigkeit (nichts als böses). sch. und ernst 1555 cap. 154. 1522 cap. 146. 1550 cap. 130; die allerschönsten badstuben von eitel marmelstein seind zu Alkeir. weltb. 16a; und ihn gott das himmelbrot und ein ganzen monat lang eitel wachtel z nieszen gab (vgl. 4 Mos. 11, 32). 162b; sagten, si (die insel) hiesz Marinina, und wer mit eitel weibern besetzt. 221b; als weren ire berg eitel metall oder edelgestein. 222a; es ist da nichts dann eitel bsz, uber das wasser ist ein brück kein man, sunder nur eitel frawen. sein gebeinlein soll hienieden und aller dürrer strauch müst eitel trauben geben. die stille, frome zucht, die eingezogenheit, welchs eitel grillen waren. mückenkrieg 110, 319; die gräfin gebar zwölf kindlein, eitel knaben. deutsche sagen 2, 233; eitel männer und weiber. Fuchsmundi 220; völker und königreiche sein eitel wasserwogen, die leichter brausen als stillschweigen. Patm. 795; nicht dasz ich hier das wort der wollust rede in eitel lust und pracht. 22, 20, statt lauter, vgl. 23, 322; und was wir thun ist, wie es ihnen war, behüte gott! wie sonst das zeugen mode war wahrheit redet er nie und eitel lügen ersinnt er. 40, 187. 2) eitel vor adjectiven, ohne nachfolgendes subst., nur in der älteren, nicht mehr in der späteren sprache: zucht, tugent, eitl rain. ain varb von eitl grun. s. 160; hör, liebste frau, mich deinen knecht. smal bra, und augen eitel fein. 1, 336, 24; also das die minneclicheu zart ein blümlin zart und îtel fîn. 3) eitel vor adjectiven, welchen ein subst. nachfolgt: eitel ungeseurt brot. 2 Mos. 12, 20; sind es doch eitel nackete leute [Bd. 3, Sp. 389] und keine krieger. Judith 5, 25; eitel falsche triegerei. 3, 26b; eitel falsche wort. 3, 46; aus den schönen engeln eitel schwarze teufel werden. tischr. 1, 33; er hat geschworn, keinen man, dann eidel jung ritter mit im zu bringen. Aimon k 6b; eitel streitbar fuszknecht. weltb. 163b; also ist die an ir selben gut natur ... eitel gute gabe und creatur gottes. de vanitate 118b; eitel fremde und ausländische leute. disc. mil. 9; gar alle schwämme sind eitel überflüssige feuchtigkeit der erden, der bäume, der faulen hölzer und anderer faulen dingen. 1520; wer dann hat die beute? eitel gut ding, eitel gut ding weiter, sagte der dachs, nun kommt das märchen vom hasen! Diese belege lassen alle fälle des adverbialen eitel überschauen. man bemerkt a) dasz es dem adverbialen lauter analog ist. da nun lauter ursprünglich und bis auf heute limpidus, lucidus, purus bedeutet, wird auch eitel etwas ähnliches ausgesagt haben und die vorhin gewonnene herleitung erlangt desto mehr stärke. beide wörter können einander vertreten und wir finden sie sogar einigemal gehäuft. allmälich hat jedoch unsere sprache lauter vorgezogen und bedient sich des eitel seltner. b) beide gleichen auch dem adv. blosz darin, dasz diese drei wörter die lebloseren conjunctionen nur und nichts als (mhd. niwan, wan) zu ersetzen vermögen, zuweilen auch ihnen hinzutreten, nur eitel, nur lauter = nur = eitel. doch eitel und lauter lassen sich nicht wie blosz, allein und nur, lat. tantum, solum zu 'nicht' gesellen, dem ein 'sondern' folgt, wir sagen nicht allein, nicht blosz, nicht nur, keineswegs aber nicht eitel, nicht lauter in solchem sinn, insofern sind eitel und lauter frischer als blosz. doch sehe man eitels. c) eitel, das adv. und adj., bindet sich gern mit wörtern des glanzes: eitel gold und silber, eitel flamme, eitel edelstein, eitel pracht und verräth auch dadurch seine abkunft. d) im zweiten fall, vor dem adj., hat eitel aber nicht die bedeutung nur, sondern eine den sinn des folgenden adj. erhöhende kraft. eitel weisz ist ganz weisz, schneeweisz, eitel fein ausgesucht fein, ganz fein, wie man nd. hört idel god, idel braf für ganz gut, ganz brav. dies ganz nähert sich der bedeutung, die eitel auch vor substantiven hat, er ward eitel schweisz, eitel blut = ganz blut; eitel haut und knoche = ganz knöchern. e) im dritten fall vor adj. und subst. läszt sich eitel bald durch nur oder blosz, bald durch ganz erklären. eitel leeres gewäsche = blosz oder ganz leeres.
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