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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
eisze bis eitelhaft (Bd. 3, Sp. 382 bis 389)
 
 eisze oder eisz,m. (zuweilen n.) ulcus, ἕλκος, geschwür, ein früher gangbares, seit dem vorigen jh. fast erloschnes, nur in oberdeutscher volksprache fortlebendes wort, welchem gr. οἶδος, οἴδημα geschwulst, gährung urverwandt liegen; die goth. form wäre aita. ahd. eiʒ, gen. eiʒes (Graff 1, 541), mhd. eiʒ, eiʒes (wb. 1, 428a), nhd. aber zwischen starker und schwacher form schwankend, eisz eiszes oder eisze eiszen, welcher oblique casus dann auch in den nom. vordringt; hierzu tritt die unstäte schreibung eis und eissen für eisz und eiszen, ais aissen für aisz aiszen, wodurch mischung mit eis glacies, das wiederum fälschlich eisz geschrieben wurde, entsprang. diesem wirrwarr auszuweichen ist überall in den folgenden stellen das richtige sz hergestellt. gewähr leisten, auszer den vocabularien bei Diefenbach 276b. 625a, Dasypodius 262b. 292c. 393a. Frisius 1396b. Maaler 128a. Henisch 861, 62. 867, 1. Denzler 873b. Stieler 31. Frisch 1, 16a und die idiotica von Schmeller 1, 116. Höfer 1, 14. Stalder 1, 93. Tobler 29a (wo äsza). Schmid 161; meliceris erklärt Dasypodius 133a: ein triefender eisze oder blätterlin an den ellenbogen, knüen und gleichen des leibs, und Serranus o 3b schreibt das aus. vgl. DWB bluteisz.

schlier, eiszen, huosten, flusz, toubsucht. fastn. 864, 35;

und thaten dise bösewicht under disen worten mich mit tremeln also schlahen, das mine arsbacken ganz voll wurden eiszen und geschweres. Wyle tütschungen im gülden esel; es ist mit uns gewesen gleich als umb einen, der ein eiszen oder ein geschwer hat, der da gleffet. Keisersberg brösamlin 64c; sobald der aiterbutz aus dem aiszen gezogen wird, sobald hailet er z. siben scheiden ...; vor disen vieren behütet dich gedult, wenn si dennen zucket die wurzel und den eiterbutzen usz dem eiszen des mügens (mühens), das ist die trurikeit. bilger 60d; denn so lidet ein mensch gedültiglichen den flieten (phlebotomum) in dem geschwer oder eiszen. 68a; wenn man dir ein phlaster uber ein eiszen leit, so wirkt got under dem phlaster. 85a; er (Iob) was voll blottern und eiszen. 213c; und die esel triben im (dem Iob) die feind hinweg und liesz im gott nummen ein bös weib und blagt in darz mit blatern und eiszen. s. d. m. 13b; aber wenn einer ein eiszen hat, so lang der butz dar in ist, so lang eitert er immermeder, züchst du aber den butzen herausz, so höret er uf eitern. 29b; ein hund leckt eim die zehen und wunden, als Lazaro, der foll eiszen und geschwer was, dem leckten sie den wst ausz und das allerschnödest. 34a; wan die butzen herausz kummen, so eitert der eisz nümme und schwirt nit herausz. 43a; da han ich den eiszen aller menschenlereren berürt. Zwingli 1, 77; do hat ich ein eisz an eim bein, ich denk, es weri ouch pestelenz. Plater 66; wahrscheinlich hat die Zürcher bibel von 1525—29 Luc. 16, 20 gleichfalls 'voller eiszen' statt Luthers 'voller schweren'; eben solche gestalt (wie mit schlier) hat es mit andern eiszen, den furunculis, allein das sie milter seind. Wirsung arzneibuch 608; disen eiszen hat niemand dörfen rögen (rügen). Frank chron. 513b; deren keiner den eisz oder geschwer der kranken kirchen anrüret. 518a; wirt gut sein diesen aisz und treck nit zu rüren. paradoxa 46; wann man ain aisz zuheilt, bricht es an ainem andern auf. lob der torh. 128; ist es nit schand rauden (scabiem), eisz und dreck mit purpur, seiden und scharlach z decken? Petr. 17a; welche eiszen, ie me man sie kratzet und jucket, ie heftiger sie hitzen, wüten und toben. 183b; solches warm gemacht, uber einen aisz oder geschwulst gelegt. Seuter 409; wassereppichsaft leg über bäulen, schlier, eiszen oder dergleichen geschwer, es zeitigt sie bald und reinigt sie. Tabernaemont. 375; mit honig vertreibt es die heiszen giftigen eiszen oder schwarzen blatern. Forer fischb. 20;

auch kamen vil aisz, trüs und peuln.
H. Sachs I, 456c;

[Bd. 3, Sp. 383]
und die so übels thun, sorgen stetes, man verweisz ihnen die sünd, als einer der einen eisz oder geschwer oder scharpfes zipperlein hat, sorgt man rür ihn an. Joannes Nas warnungsengel 102; was gelts, man wird euch den eiszen aufthun. Garg. 216b; turteltaubenblut heilet das geronnen blut und den eiszen inn augen. Sebiz 118; das heiszet den eiszen recht gerüret. Philander 1, 228 (233); wann man sich eines aiszes oder geschwers besorgt. Hohberg 1, 258a; für die apostem, aiszen und geschwer, auch andere geschwulsten. 1, 303a. wie den eiszen rüren, berüren, anrüren, heiszt es auch einem den eiszen aufstechen, aufhauen, auslassen, sinnlich und figürlich. ahd. eiʒprësta ist senecio, wundkraut, heilkraut, heilallerwelt.
Luther enthält sich des sicher althergebrachten ausdrucks eisz und setzt dafür Hiob 2, 7. Luc. 16, 20 schwere (d. i. schwäre), Adelung und Campe nehmen ihn gar nicht auf und die heutige schriftsprache duldet ihn höchstens in den zusammensetzungen bluteisz und spitzeisz; allerdings läuft unsere an reinhaltung der zischlaute nicht mehr gewöhnte aussprache gefahr eisz und eiszen mit eis und eisen zu mischen, da doch ahd. und mhd. eiʒ, eiʒen, von îs, îsen genau abstanden. übrigens hat sich eiʒ und eisz bisher nur in hochdeutscher mundart gezeigt, ahd. erscheinen sogar die vielleicht verwandten eigennamen Eiʒo und Eiʒâ (Förstem. 372); aus eiʒo ein goth. aita zu folgern bleibt doch überkühn, zumal Ulfilas Luc. 16, 20 banjô fulls gewährt, von banja, altn. ben, versehrung.
In der wurzel hängen eiʒ und eiʒo unverkennbar zusammen mit eit ignis und eiter venenum, weil wunde und gift brennen; von der gestörten lautverschiebung soll unter eiter die rede sein. der eisz eitert hiesz es in einer der ausgehobnen stellen. möglicherweise verwandt wäre auch das ags. âte, lolium und avena, buchstäblich = ahd. eiʒâ, nemlich avena fatua, wilder, tauber haber, wie Georg. 1, 154 steht

infelix lolium et steriles dominantur avenae,

unnützer, gleichsam verbrannter, verderbter haber, unkraut, das engl. oat drückt wieder avena sativa aus. näher an die vorstellung ulcus rückt altn. eitill, m. glandula in ligno, lapidibus, also stockung, verhärtung, drüse. für unverwandt halte ich das oben behandelte aus egislîh entspringende eislich, turpis, deformis.
 
 
eiszen, ulcerare, aisz werden. voc. theut. 1482 a 5b.
 
 
eiszle, n. ulcusculum: eiszle oder geschwärle. Maaler 128a.
 
 
eiszlein, n. dasselbe: da ist aber Iob uf der ban, den der teufel follen der bösen eiszlin oder blötterlin gefult het und mocht niennen bleiben. Keisersb. omeis 44b; und ward er foller kleiner eiszlin von der scheitlen an bis z der solen usz. 59d.
 
 
eiszig, ulcerosus: aisziger oder geschweriger, papulosus i. e. plenus ulceribus. voc. theut. 1482 a 6b; eiszig sein, ulcerari. Altensteig vocab. 91.
 
 
eitel , vacuus, inanis, cassus, ahd. îtal, alts. îdal, nnl. ijdel, gekürzt ijl, ags. îdel, engl. idle. das schw. dän. idel scheinen von uns entnommen, unverwandt aber ist das altn. iðull continuus, frequens, iðka solere, frequentare, die oben sp. 87 zu unserm eifer gehalten wurden, es müste denn gelingen auch eifer, welches allerdings auch brand bedeutet, mit eit und dessen wurzel in verbindung zu setzen. ich will erst die bedeutungen unseres eitel angeben und dann eine auslegung der wurzel versuchen.
1) leer, κενός. ahd. ôtagê forlieʒ îtalê. T. 3, 53. divites dimisit inanes. Luc. 1, 53, die reichen liesz er leer ausgehen, goth. gabignandans insandida lausans;

thie ôdegun allê firliaʒ ër îtalê. O. I. 7, 18;

sô quëment Români ouh ubar thaʒ, nëment thaʒ lant allaʒ,
joh ouh thës giflîʒent, iʒ îtalaʒ lâʒent. III. 25, 16,

sie räumen aus, veröden das land. mhd.

gesach im îtel die hant
und daʒ swërt zebrochen. Erec 9270;

wir enlâʒens îtelhende (mit leeren händen)
niemer wider gekêren. Trist. 180, 12;

mit îteler hant. pass. K. 210, 93;

mit gen. der sache:

gewæfens îtel unde blôʒ. tr. kr. 26389;

diu beide (ors) gap ër von im sît
und wart ir îtel unde bar. 39863;

swie si îtel gên des kornes. Karajan denkm. 95, 11; daʒ grab îtel was. Roth pred. 66; der îtal übir daʒ vëlt gât, dër gât singinde. Mone anz. 4, 368;

daʒ swërt nie îtel wider kam (leer ausgieng),
swâ iʒ sînen swanc hin nam.
Jeroschin 17c;

[Bd. 3, Sp. 384]
mîn wort kumet nummer îtel heim, iʒ enbrenge frucht in den die iʒ enphân. myst. 106, 4; eitel oder unfruchtper, infecundus. voc. theut. 1482 g 1b. mnd. die îdele wagen sal rûmen dem geladenen. Ssp. 2, 59. Gosl. stat. 101, 25. im pass. K. 286, 89 wird mit îtel vaʒ gescholten, etwa wie wir sagen ein windbeutel; Keisersberg im schif der penitenz 11c.d von dem lären lägel redend, das die schiffer der sirene hinwerfen, dasz sie damit spiele und das schif vorüber lasse, fügt hinzu, so betriege der böse feind einen jüngling: so wirfet er im für ain läre lägel, etwan ain hübsche creatur, ain weibspild, die da lär ist, eitel und wan und vol üppigkait. gleich nachher folgt: lär, wan und vol üppigkeit; die erde was eitel und lere. bibel von 1483 1 Mos. 1, 2 (bei Luther wüst und ler). das sind die ziemlich seltnen nhd. belege für eitel = leer, in unserer schriftsprache hat sich diese bedeutung ganz verloren, unter dem volk hört man noch: 'es ist mir so eitel in dem magen' für so leer; besser einen dotter als die eitle schale. Simrock 1679.
2) blosz oder bar, die schon in einigen der eben angeführten beispiele dem îtel zugesellt waren, da sich das leere, ledige dem bloszen, nackten nähert. man sagte: 'das brot eitel essen', wenn kein fleisch, 'das fleisch eitel essen', wenn kein brot dabei war, heute, das blosze brot, das blosze fleisch, lat. merum panem, meram carnem edere; 'das brot eitel essen' = ohne butter; und wenn ihr kein brot habet, so freszt ihr das fleisch eitel. Filidors (Schwiegers) Ernelinde s. 14; eitel, schlecht brot (trocken brot). Luther 3, 74; in Leipzig hört man sprechen eikel brot;

nicht hett das eitel brot. froschmeus. N ib;

appetit zu einem stücke eiteln brote. pol. stockf. 92. ebenso 'eitel wasser, eitel wein' = wasser ohne wein, wein ohne wasser: waʒʒer mit wein oder mit eʒʒeich gemischt lescht den durst mêr wan eitel waʒʒer. Megenberg 353, 9; ëʒ sprëchent auch ëtleich, daʒ gemischter wein mêr trunken mach wan ungemischter ... aber diu trunkenhait wërt niht sô lang sam von eitelm wein. 353, 23. ähnlich franz. prendre le thé tout nu = ohne milch. der bekannte nhd. eigenname Eitelwein empfängt dadurch seine deutung. ein statt in Galilea, bei nahe ein eiteler fels = nackter. Kirchhof disc. mil. 14;

wan ich bin ein eitel lai.
Vindler bei
Haupt 9, 114,

ein bloszer laie; unter eitel heiligen auf erden leben. Luther 3, 46b; ich gleube, das da sei ein heiliges heuflin und gemeine auf erden eiteler heiligen, unter einem heubt Christo. 4, 412b; der eitle buchstab, der blosze buchstab: mhd. litera occidit, spiritus autem vivificat, der îtel buchstap, der ne furdert niemen, aber der geist unseres herren, der erkuket den mennischen. Mone anz. 8, 513; der eitle, bare, pure hasz: nachdem er die Florentiner aus eitelm hasz verbannet und verflucht. Fischart bienenk. 208a. diesem eitel = blosz werden wir nachher unter dem adv. viel häufiger begegnen.
3) unmittelbar verwandt ist eitel = lauter, rein, merus, wie es sich eben schon bei wasser und wein (merum vinum) fassen liesz, eitel, lauter gold, merum, solidum aurum. Denzler 91b; eine braupfanne mit eitlen harten thalern. Musaeus. es war ein reicher herr, der het ein grosze sach vor dem babst zu schaffen, und nicht ganz eitel recht (nicht ganz klar recht). sch. und ernst 1555 cap. 301. noch in einer späteren stelle ist die bedeutung rein und lauter zu erkennen:

das süsze gift der liebe schleicht,
wie eitel nektar, glatt und leicht,
ins herz hinab.
Wieland 9, 193.

es heiszt eitle lügen, mera mendacia. In urkunden des 14. 15 jh. findet sich den eigennamen gräflicher und adlicher geschlechter verschiedentlich ein 'itel' oder 'eitel' vorgesetzt, z. b. unter den grafen von Zollern herscht der name Fridrich oder Fritze, da erscheint denn auch Ital Fritz von Zolre (mon. zoller. 1, 356. 407. a. 1402. 1407. Klüpfel schwäb. bund 1, 20. 105). dem haus Ravensburg waren die namen Welf und Hund hergebracht, Welf von Stein genant Italwelf (Pupikofer urk. no 32 s. 66), Itelwolf von Stein (Anshelm 3, 307), Eitel Hundbisz von Ravensburg war um 1334 landvogt von Schwaben (ein gedicht des Ls. 3, 121 macht daraus Humpisz); auch einen wetterauischen Eitel Hund von Holzhausen führt Senkenberg sel. 3, 371. Rommel 5, 409 an. Eitel Schelme von -Bergen (Klüpfel schwäb. bund 1, 91 und in wetterauischen urk.). Hans Itel Rosheim (Chmel reg. Rup. 616); ritter Itel Weise (daselbst 2351); Itel Altsit (henneb. urk. II. 51, 4); Eitel Löwenstein (Rommel 5, 413);

[Bd. 3, Sp. 385]
Eitel Leo (Chmels Maximilian s. 383); Italhans filius Johannis dapiferi (Pupikofer urk. p. 69) und sicher noch anderwärts. dies praefix soll doch wol den reinen, ungemischten stamm bezeichnen und scheint unter mehrern söhnen oft nur einem und dem ältesten zu gebühren, bei Senkenberg l. c. heiszt es in der alten chronik: sonderlich einen sohn, den nannte er dem geschlechte zu ehren Eitelhund, zu vergesz des namens von Holzhausen. solch ein brauch musz aber alt hinauf reichen, obwol er unangemerkt blieb, Förstemann s. 772 hat die eigennamen Idalcar, Idalberga, Itlefrid aus früherer zeit; man wird dies îtal, gleich den praefixen ala, halp u. a. m. als wichtig für die unterscheidungen der geschlechter ansehen dürfen, nähere ausführung gehört nicht hierher. wenn es fastn. sp. 516, 14 ironisch heiszt:

so ist der preutigam ein eitel kern,
fleiszig albeg in sein sachen,

mag verstanden werden, ein tüchtiger stamm.
4) auffallender scheint eitel als häufiges epithet der nacht:

ich gieng bei eitler nacht,
die nacht die war so finster,
dasz ich kein stich mer sach.
Uhland 683. Ambr. lb. s. 377;

aber wir müssen allein dar
reiten bei eitler vinster nacht. Teuerdank 29, 23;

schwere träum bei eitler nacht.
Sprengs Aeneis 367a;

darnach bei eiteler nacht man in in ein marmelsteinis grab legte. Bocc. 1535 fol. 1, 8a, wo die gewöhnlich gebrauchte octavausg. von 1588 1, 18a blosz liest: in der nacht man in u. s. w., das original aber: poi la vegnente notte; nam die kuh in dem stall und füret sie bei eitler nacht einen guten theil weges auf Cöllen zu. sch. und ernst 1555 cap. 137. (1550 cap. 320 bei eitlicher nacht); meineten nicht anders man wolte sie bei eitler nacht für gericht und zum tod füren. buch der liebe 217, 3; und grif die nechste wagenburg an bei eitler nacht. Tacius bei Fronsp. 3, 257b; derhalben ist kein wunder das Luther gt unverholen in disem jar schreibet und bekennet, wie er bei eiteler nacht vom teufel sei uberdisputiert worden die mes und priesterei gar abzuthun. Joh. Nas das fünft hundert der evang. warheit. Ingolst. 1570 bl. 416a

wolt eh bei eitler nacht davon.
Ayrer 394a;

nachdem sie zu ihren zechen die eitele und finstere nacht verordnet. Kornmann mons Veneris s. 329; als ein uberaus schönes weib zu Alexandro bei eitler nacht kam bei ihm zu schlafen. Lehman 2, 308; auch ist der pfarrer von Lengfurt bei eitler nacht mit weib und kind auf einen stutz aus dem dorf gejagt worden. Reinhard werth. ded. 1, 251; haben bei eiteler nacht mit brennenden lunten, bloszen wehren, hellenparten und groszem geschrei in die häuser eingestürmbt. 1, 254; und wurde ich noch bei eiteler nacht in groszer eil zu dem kranken abgeholet. Simpl. K. 1025; und mich bei eiteler nacht aus dem wald gemacht, über hecken und stauden geloffen. franz. Simpl. 1, 37; die thäter alsobalden und zwar bei eiteler nacht aufhenken lassen. Abele gerichtsh. 1, 391. mit dem 18 jh. hört diese anwendung auf. was will aber die eitle nacht sagen? man könnte an serena nox (Virg. Geo. 1, 426) denken, widerspräche nicht schon der ersten stelle inhalt, der sinn fordert entweder intempesta nox, ungestüme nacht, oder finstere, lichtes leere. Stieler 22 und nach ihm Frisch 1, 224a erklären bei eitler nacht, multa nocte, wozu sich nehmen liesze aus Brant 85, 143:

von eim bad in das ander füren
von itel kelt in itel hitz,

wir würden heute sagen, aus groszer, entschiedner, barer kälte in grosze, entschiedne, bare hitze.
5) heute verwenden wir eitel, im sinne des mhd. gemeit, von einem der sich seiner vorzüge freut und ihrer bewust wird, und vielleicht dürfte schon in jenem 'eitel' vor eigennamen der nebensinn des stolzen, frohen gesucht werden. die frau ist eitel auf ihre schönen hände, stolz darauf; er ist eitel auf seine pferde, froh sie zu haben; eine eitle, üppige frau; ein gutes, eitles mädchen; wo die vorstellung des leichten, leeren, unnützen kaum nachklingt. Göthe sagt 26, 337: konnte man ihm nachsehen, dasz er sich seine persönlichkeit, seine verdienste sehr lebhaft vorempfand, so war kein umgang wünschenswerther zu finden. da mich nun überhaupt das was man eitelkeit nennt, niemals verletzte, und ich mir dagegen auch wieder eitel zu sein erlaubte, d. h. dasjenige unbedenklich hervorkehrte, was mir an mir selbst freude machte, so kam ich mit ihm gar wol überein, wir lieszen uns wechselsweise

[Bd. 3, Sp. 386]
gelten und schalten. an dieses unschuldige, gleichsam berechtigte eitle grenzt aber umschlagend
6) die abstraction der ersten bedeutung, eitel im nachtheiligen sinn von inanis, vanus, unnütz, falsch und vergeblich: mhd. îtel und schalchaftic. myst. 101, 30; îteleʒ lachen. 319, 2. nhd. ein eitler mann, thor, narr, schwätzer, tropf; ich sitze nicht bei den eiteln leuten und habe nicht gemeinschaft mit den falschen. ps. 26, 4; aber der herr weisz die gedanken der menschen, das sie eitel sind. 94, 11; es ist alles ganz eitel. pred. Sal. 1, 2; so lange dein eitel leben weret. 9, 9; und weichet nicht dem eiteln nach, denn es nützet nicht, weil es ein eitel ding ist. 1 Sam. 12, 21; sind in irem tichten eitel worden. Rom. 1, 21; lasset uns nicht eiteler ehre geizig sein ni vairþaima flautandans). Gal. 5, 26; wiltu aber wissen, du eiteler mensch, das der glaube on werk tod sei? Jac. 2, 20; so sie doch nichts sind, eitel sind, thoren sind, sünder sind. Luther 3, 24; wer sich einen menschen erkennet, der weisz, das er nichts ist und eitel ist für gott. 3, 30; ist Christus aber nicht auferstanden, so ist ewer glaube eitel. 1 Cor. 15, 17;

aus hochfart und eiteler eer. Teuerdank ...;

des eiteln hofs stolz, witz und rat.
Weckherlin 115;

und wan ja der musen kunst
nicht gar eitel und umbsunst. 380;

darf derowegen niemand für ganz eitel halten, was gedachte Zonaras und Cedrenus und wir aus ihnen von etwa dergleichen buch erwähnen. Gryphius 1, 3; sie belohnen uns mit eitelem undank. Butschky Patm. 865; es misgönne ja keiner dem andern seinen höheren stand, dann oft dasjenige so wir hoch halten, anders nichts als ein eiteler abgrund ist. 86; es leben die meineidigen, stadt- und landverräther in eiteler schand und spotte. 359; sein herz war mit eitelen gedanken erfüllet und sein leib von hitze verbrannt. pers. baumg. 1, 32; diese meine sorge war gar nicht eitel. ehe eines mannes 324;

die eitlen sorgen, leeren schrecken,
die sich der kleinmuth unterm monde schaft.
Gotter 1, 107;

der fürstentafeln eitlen überflusz
froh zu entbehren. 1, 3;

zu einer zeit, wo das studium der natur als eitel und profan gänzlich vernachlässiget wurde. Wieland 6, 265; das leben ist eine hölle und der tod auch, doch vielleicht ist der tod vernichtung — eitler trost! dieses klopfende herz, diese angst, dieser schauer, alles widerspricht dir. Brawe der freigeist s. 181; eitle versuche, die ohne zu wissen was man eigentlich zu thun hat blindlings unternommen werden. Kant 2, 45; eitele grundlose philosophie. 3, 190; die voraussetzung ist eitel und vergeblich. 8, 110;

hier athmet er ruhe,
von dem leeren geräusch der eitlen besuche gesondert.
Zachariä poet. schr. (1772) 2, 48;

es war ein eitler segen!
Göthe 10, 18;

euer markten ist nur eitel,
nehmt zurück den ganzen beutel
oder macht die funfzig voll. 11, 169;

nicht wahrlich solches eitle konnte mir
zu sinne kommen in dem haus des todes.
Schiller 502a;

dich hat der eitle ruhm bewegt. 67a;

nein, Mortimer, euch blendet eitle furcht. 411a;

so ist des geistes ruf an mich ergangen,
mich treibt nicht eitles, irdisches verlangen. 452a;

edler greis, noch immer gefallen dir eitele reden. Il. 2, 796;

und eiteles schwatzen ist unrecht. Od. 4, 837;

ein gerücht, als wollten die Dänen mit aller macht in Sachsen einbrechen war eitel. Dahlmann dän. gesch. 1, 40; was ist eitler als ein junges frauenzimmer? seufzte die muhme. 'ein altes' erwiederte die nichte. Hegner 5, 308.
Fragt es sich nun nach der wurzel, so scheinen eitel und eit ignis, pyra, ahd. îtal und eit aus einer und derselben zu flieszen, welcher ich auch ahd. itis, ags. ides nympha, femina überweise, in ahd. form könnte auf îdan eid itum, in gothischer auf eidan aid idum, splendere, ardere geraten und das skr. idh, indh urere, gr. αἴθω hinzu gezogen werden (vgl. was unter eiter angemerkt ist). hierzu würden sich die dritte und fünfte bedeutung von eitel leicht fügen, schwerer die privativen 1. 2 und 6; doch bietet das buchstäblich anklingende goth. gamaid, ahd. gimeit von meidan maid midum, ahd. mitan meit mitum auch für die begrifsübergänge auffallende analogie. goth. gamaids ist πηρός, ahd. gimeit cassus, hebes, mhd. gemeit aber laetus, superbus (wie eitel 5), ahd. in gimeitûn = incassum, εἰς κενόν, ags. on îdel, ahd. îtalingun,

[Bd. 3, Sp. 387]
it. invano, franz. envain. deutlich steht lat. vanus privativ, wie eitel 1. 2. 6, gimeit aber beides, sowol privativ als positiv, gerade wie eitel. nur gewinnt auch vanus seine position, sobald wir das altn. vænn pulcher, splendens erwägen, unser wân spes, goth. vêns, nhd. wahn pflegt sich eben mit leer zu verknüpfen, an sich selbst aber ist wahn schon leerer, eitler wahn, falsa spes. der vierten bedeutung von eitel kann das ags. 'on vanre niht' (in finstrer nacht) Beov. 1398 (1409) und 'niht van under volcnum'. 1295 (1306) vollen aufschlusz gewähren. welchen sinn meiden ursprünglich hatte, wird unter diesem worte gelehrt, die phasen unseres eitel ergeben sich erst daraus, dasz das helle umdreht ins dunkle, leere, das frohe ins vergebliche. Göthe lenkt also aus dem rechten weg (26, 338) wieder in den unrechten, wenn er schlieszt: wir Deutschen misbrauchen das wort eitel nur allzuoft, denn eigentlich führt es den begrif von leerheit mit sich und man bezeichnet damit billigerweise nur einen der die freude an seinem nichts, die zufriedenheit mit einer hohlen existenz nicht verbergen kann. nicht leere, sondern schein, glanz, lauterheit war die urbedeutung, das mhd. gemeit, seinem sinne nach, ursprünglicher als das goth. gamaids, ahd. gimeit. vgl. auch üppig.
 
 
eitel, n. vanitas: denn gott wird das eitel nicht erhören und der allmechtige wird es nicht ansehen (vulg. non ergo frustra audiet deus). Hiob 35, 13; wie habt ir das eitel so lieb und die lügen so gerne? (vulg. quid diligitis vanitatem). ps. 4, 3; das zeitliche leben ist nichts denn ein eitel. Luther 3, 17; eine figur, ja ein eitel und triegerei. 3, 24; es ist alles eitel und ein lauter eitel. 299b; aber die welt fragt nichts darnach, fort imer fort mit irem eitel und frevel. 301; das jenen so ein eitel oder nichts ist. 368b; oder hat er darumb das brot zum eitel oder zum gespenst des leibs gemacht? daselbst;

lieben herren, wie so sehr habet ihr das eitel lieb!
Logau 2, 239, 178 (nach ps. 4, 3);

Deutsche müssen ja gar from und ohn alles eitel sein,
weil sie nach der eitelkeit ziehn in Frankreich erst hinein. 3, 104, 16.

dieser substantivische gebraucht hat hernach wieder aufgehört.
 
 
eitel, adv. solum, blosz, lauter, nur, der zweiten bedeutung des adj. entsprechend, ganz wie wir blosz, die Schweden blott und bara setzen; in sehr häufiger anwendung, die doch zahlreiche belege fordert, weil dadurch noch das adj. beleuchtet werden kann. ich unterscheide
1) eitel vor substantiven:

zwâr iwer tugentlîcher munt
solt îtel (nichts als) zucker ëʒʒen.
Haupt 10, 271;

daʒ ër wart îtel sweiʒ. Diocl. 1314,

dasz er éin blut wurde; ëʒ sint eitel weip (nur weiber). Megenberg 254, 19; und schicket do vil pferd wider heim, doch niemand erberg, dann eitel knecht (als nur knechte). Rozmital 153; darnach kamen wir in ein stat, heiszt Saris, sitzen eitel juden darin (nichts als juden). 166;

das die frauen wänen, es wöll eitel honig regen (regnen). fastn. sp. 344, 14;

das er uns gibt eitel eselsfeigen ze fressen. 350, 17;

und soll zwai jar eitel holzöpfel essen. 308, 20;

ich wil euch eitel (lauter, nichts als) warheit sagen. 734, 4;

und wollen euch eitel warheit sagen. 769, 19;

ich hab biszhar itel kuder gespunnen. Keisersb. bilg. 49c; sie schwüren tausent aid sie spünnen eitel flachs und wann sie es an dem liecht besehen, so ist es hanf, ain arm ding, es wirt zwilch darausz. spinnerin e 6c; so hast du wol ain ganzen haufen kuder gespunnen, dennocht schwürest du ainen aid, er wer eitel flachs. f 3c; das in darnach kain haberms meer will schmacken, noch aier oder was man in gibt, allain es msz eitel schleck sein, ja denn hetten si auch gern was neuwes auszgieng (was frisch gewachsen ist), als birlin, kirslin, denn zuckererbsen, und denn sprechen sie, 'mein mtter hat mir es kauft'. es ist als eitel gickerlis geckerlis. has im pfeffer cc 7b; dasz er mag greifen zu Emmel in die herde und mag holen idel kuhe und hornlos ochsen und sunst kein ander vihe. weisth. 2, 353.
die machten beide Isaac und Rebeca eitel herzeleid. 1 Mos. 26, 35; und war eitel segen des herrn in allem, was er hatte zu hause und zu felde. 39, 5; eitel menlin eins monden alt und drüber. 4 Mos. 3, 39; da eitel dürre und kein wasser war. 5 Mos. 8, 15; inwendig war das ganze haus eitel cedern.

[Bd. 3, Sp. 388]
1 kön. 6, 18; der narren mund speiet eitel narrheit. spr. Sal. 15, 2; es sind eitel risen. Jer. 5, 16; du warest gezieret mit eitel (nichts als) gold und silber. Ez. 16, 3; sein stuel war eitel fewrflammen. Dan. 7, 9; der teich sahe wie eitel blut. 2 Macc. 12, 16; also ist nu hie kein knecht mer, sondern eitel (lauter) kinder (svaei ni þanaseiþs is skalks ak sunus). Gal. 4, 7; obgleich die, den es befolhen und daran gelegen ist, wider sie eitel banne regeneten oder hagelten. Luther 1, 18a; eitel sünde. 3, 5b; lasz es wol fur der welt etwas sein, aber fur gott ist es eitel greuel, wo Christus nicht da ist. tischr. 1, 33. verstärkt mit lauter: darüm sind wir auszer und ohne Christo eitel lauter narren. 1, 82, wo sich beide wörter auch adjectivisch fassen lieszen.
ist nur eitel haut und knochen an im (nichts als). Henneberger beschr. Preuszens. Königsb. 1584. 239; ward von Porsenna gefragt, warum sie eitel jungfraun und kein jüngling erwelt hett? Livius, Schöfferlin 27a; und das schif da zu trümmern gieng, als were es eitel gläser (nichts als glas) gewesen. Bocc. 1, 57a; zu nacht traumet uns von eitel widerwertigkeit (nichts als böses). sch. und ernst 1555 cap. 154. 1522 cap. 146. 1550 cap. 130; die allerschönsten badstuben von eitel marmelstein seind zu Alkeir. Frank weltb. 16a; und ihn gott das himmelbrot und ein ganzen monat lang eitel wachtel z nieszen gab (vgl. 4 Mos. 11, 32). 162b; sagten, si (die insel) hiesz Marinina, und wer mit eitel weibern besetzt. 221b; als weren ire berg eitel metall oder edelgestein. 222a;

es ist da nichts dann eitel bsz,
derhalben fellt er euch zu fsz.
Alberus wider Witzel M 3b;

es verdrosz in wol, dasz seine gäst nichts zu essen hatten denn eitel zungen. Alberus Esop 9b; hat eine wurzel von eitel zaseln. Tabernaemont. 107; ein hauf mehrertheil von eitel Holländern gesamlet. Kirchhof wendunm. 110a; ein fähnlein eitel hackenschützen. mil. disc. 99;

uber das wasser ist ein brück
gebawt von eitel quaderstein.
Ferber armbrustsch. F 4b;

kein man, sunder nur eitel frawen.
H. Sachs I, 517c;

das wol eitel angel darinnen sein solten. Neander sel. abst. 13; da regnets dann eitel glück. Garg. 75b; eitel schlangen, eitel fewr. 224a; umb disz geschütz geben wir nicht ein kreuz, dann es sein eitel privilegia. bienenk. 107b; da kam sie zum schatz, da das gold innen war, und fand eitel frösch drinnen. Helvicus 1, 114; füllete den krug wider mit eitel honig. 116b;

sein gebeinlein soll hienieden
ümm sich haben eitel frieden.
Fleming 340;

und aller dürrer strauch müst eitel trauben geben.
Logau 1, 110, 61;

die stille, frome zucht, die eingezogenheit,
die rede, wann sie schweigt, bring eitel lieblichkeit. 2, 12, 38;

welchs eitel grillen waren. mückenkrieg 110, 319;

die gräfin gebar zwölf kindlein, eitel knaben. deutsche sagen 2, 233; eitel männer und weiber. Fuchsmundi 220; völker und königreiche sein eitel wasserwogen, die leichter brausen als stillschweigen. Butschky Patm. 795;

nicht dasz ich hier das wort der wollust rede
im gröbern sinn, die ist unleugbar eitel tand.
Wieland 9, 54;

in eitel lust und pracht. 22, 20, statt lauter, vgl. 23, 322;

und was wir thun ist, wie es ihnen war,
voll müh und eitel stückwerk.
Göthe 9, 32;

ja wol, eitel possen! 14, 304;

behüte gott! wie sonst das zeugen mode war
erklären wir für eitel possen. 41, 104;

wahrheit redet er nie und eitel lügen ersinnt er. 40, 187.


2) eitel vor adjectiven, ohne nachfolgendes subst., nur in der älteren, nicht mehr in der späteren sprache:

zucht, tugent, eitl rain.
Wolkenstein s. 154;

ain varb von eitl grun. s. 160;

hör, liebste frau, mich deinen knecht.
'waʒ bedeut des nachts das lang geprecht?'
nicht anders, frau, denn eitel gut.
'sag an, waʒ dir sei zu mut'. fundgr. 1, 334, 20;

smal bra, und augen eitel fein. 1, 336, 24;

also das die minneclicheu zart
darzu gieng, die itel rein.
Kellers erzähl. 647, 3;

ein blümlin zart und îtel fîn.
Fichards arch. 3, 219. 220;

du salt dir erwelen vierzig rittere, von denselbigen saltu zwenzig kleiden itel wisz. altd. bl. 1, 142.
3) eitel vor adjectiven, welchen ein subst. nachfolgt: eitel ungeseurt brot. 2 Mos. 12, 20; sind es doch eitel nackete leute

[Bd. 3, Sp. 389]
und keine krieger. Judith 5, 25; eitel falsche triegerei. Luther 3, 26b; eitel falsche wort. 3, 46; aus den schönen engeln eitel schwarze teufel werden. tischr. 1, 33; er hat geschworn, keinen man, dann eidel jung ritter mit im zu bringen. Aimon k 6b; eitel streitbar fuszknecht. Frank weltb. 163b; also ist die an ir selben gut natur ... eitel gute gabe und creatur gottes. de vanitate 118b; eitel fremde und ausländische leute. Kirchhof disc. mil. 9; gar alle schwämme sind eitel überflüssige feuchtigkeit der erden, der bäume, der faulen hölzer und anderer faulen dingen. Tabernaemont. 1520;

wer dann hat die beute?
eitel fremde leute.
Logau 2, 189, 69;

eitel gut ding, eitel gut ding
tragen die mägdlein in busen. sieben lächerliche geschnälz. fliegendes blatt um 1620;

nur eitel kleine rencontres vorfielen. nord. Robinson 1, 149; da war eitel wirksame thätigkeit. Stilling 3, 93;

weiter, sagte der dachs, nun kommt das märchen vom hasen!
eitel leeres gewäsche!
Göthe 40, 11.


Diese belege lassen alle fälle des adverbialen eitel überschauen. man bemerkt
a) dasz es dem adverbialen lauter analog ist. da nun lauter ursprünglich und bis auf heute limpidus, lucidus, purus bedeutet, wird auch eitel etwas ähnliches ausgesagt haben und die vorhin gewonnene herleitung erlangt desto mehr stärke. beide wörter können einander vertreten und wir finden sie sogar einigemal gehäuft. allmälich hat jedoch unsere sprache lauter vorgezogen und bedient sich des eitel seltner.
b) beide gleichen auch dem adv. blosz darin, dasz diese drei wörter die lebloseren conjunctionen nur und nichts als (mhd. niwan, wan) zu ersetzen vermögen, zuweilen auch ihnen hinzutreten, nur eitel, nur lauter = nur = eitel. doch eitel und lauter lassen sich nicht wie blosz, allein und nur, lat. tantum, solum zu 'nicht' gesellen, dem ein 'sondern' folgt, wir sagen nicht allein, nicht blosz, nicht nur, keineswegs aber nicht eitel, nicht lauter in solchem sinn, insofern sind eitel und lauter frischer als blosz. doch sehe man eitels.
c) eitel, das adv. und adj., bindet sich gern mit wörtern des glanzes: eitel gold und silber, eitel flamme, eitel edelstein, eitel pracht und verräth auch dadurch seine abkunft.
d) im zweiten fall, vor dem adj., hat eitel aber nicht die bedeutung nur, sondern eine den sinn des folgenden adj. erhöhende kraft. eitel weisz ist ganz weisz, schneeweisz, eitel fein ausgesucht fein, ganz fein, wie man nd. hört idel god, idel braf für ganz gut, ganz brav. dies ganz nähert sich der bedeutung, die eitel auch vor substantiven hat, er ward eitel schweisz, eitel blut = ganz blut; eitel haut und knoche = ganz knöchern.
e) im dritten fall vor adj. und subst. läszt sich eitel bald durch nur oder blosz, bald durch ganz erklären. eitel leeres gewäsche = blosz oder ganz leeres.
 
 
eiteldarm, m. ventriculus inanis, nnl. ijdeldarm, leerdarm, einer, der immer hungrig ist.
 
 
eitelehre, f. vanus honor: zu falscher eitelehre. Luther 3, 25; in der eitelehre. 3, 50; es ist manch streit verloren, der sonst gewonnen were, wenn die eitelehre gethan hette. 3, 329; da begund in auch die eitelehre anzufechten. 5, 452b.
 
 
eitelhaft, vanus: wofern diese (trost) gründe euch nicht gefallen, so verwerfet sie deswegen nicht, sondern habt sie für ein andermal zum hinterhalt und zwar so lange, bis die zeit euch solchen von unmuth eitelhaften sinn auszer sinne bracht. Butschky kanzl. 898.