| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
wi(e)der bis wi(e)deranknüpfung (Bd. 29, Sp. 867 bis 897) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
wi(e)der, präp. wi(e)der- wi(e)derabdruck, m. wi(e)derabdrucken, vb. wi(e)deräfer(e)n, vb. wi(e)deräferung, f. wi(e)deranfang, m. wi(e)deranfangen, vb. wi(e)deranheimkunft, f. wi(e)deranknüpfen, vb. wi(e)deranknüpfung, f. wi(e)derankommen, vb. wi(e)derankunft, f. wi(e)derannahme, f. wi(e)derannehmen, vb. wi(e)derannehmung, f. wi(e)deranrichten, vb. wi(e)deranrichter, m. wi(e)deranrichtung, f. wi(e)deranstellung, f. wi(e)derantwort, f. wi(e)derantworten, vb. wi(e)derantwortlich, adj. widerartig, adj. widerarzt, m. wi(e)deraufbau, m. wi(e)deraufbauen, vb. wi(e)deraufbauung, f. wi(e)deraufblühen, vb. wi(e)deraufblühung, f. wi(e)deraufbrechen, vb. wi(e)derauferbauung, f. wi(e)derauferstehen, vb. wi(e)derauferstehung, f. wi(e)derauffinden, vb. wi(e)derauffindung, f. wi(e)deraufführung, f. wi(e)deraufgang, m. wi(e)deraufgehen, vb. wi(e)deraufheben, vb. wi(e)deraufhebung, f. wi(e)deraufkommen, vb. wi(e)deraufleben, vb. wi(e)derauflebung, f. wi(e)deraufnahme, f. wi(e)deraufnehmen, vb. wi(e)deraufnehmung, f. wi(e)deraufrichten, vb. wi(e)deraufrichter, m. wi(e)deraufrichtung, f. wi(e)deraufstehen, vb. wi(e)deraufstehung, f. wi(e)deraufsteigen, vb. wi(e)deraufstieg, m. wi(e)derauftreten, vb. wi(e)derauftritt, m. wi(e)derausbruch, m. wi(e)derausschlag, m. wi(e)derausschlagen, vb. wi(e)derbacken, vb. widerbäffen, vb. widerbäffsam, adj. widerbäffung, f. widerbäffzen, vb. widerbäffzer, m. widerbäffzig, adj. widerbäffzung, f. widerbann, m. widerbannen, vb. wi(e)derbau, m. wi(e)derbauen, vb. wi(e)derbauung, f. wi(e)derbeginn, m. wi(e)derbeginnen, vb. widerbeiszen, vb. widerbeiszig, adj. wi(e)derbekommen, vb. wi(e)derbeleben, vb. wi(e)derbeleber, m. wi(e)derbelebung, f. wi(e)derbelebungsversuch, m. widerbelfern, vb. widerbellen, vb. widerbeller, m. widerbellerei, f. widerbellerin, f. widerbellerisch, adj. widerbellig, adj. widerbellung, f. widerberg, adv. wi(e)derberufen, vb. wi(e)derberufung, f. wi(e)derbesetzung, f. wi(e)derbetretungsfall, m. wi(e)derbezahlen, vb. wi(e)derbezahlung, f. wi(e)derbiegen, vb. wi(e)derbiegig, adj. wi(e)derbieglich(en), adv. wi(e)derbiegung, f. | 1) herkunft und entfaltung: gemeingerm. wort: got. wiþra (nur präp. und erstes kompositionsglied). ahd. widar(i), mhd. wider(e), nfrk. uuither(e) (aonfrk. psalmenfragm. 111 van Helten), mnl. weder(e), jünger weer mnd. wb. 9, 1, 1887 und 1889 (s. u. kontraktion im westl. nd.); die differenz zwischen präp. widar und adv. widari usw. beruht wohl auf urgerm. lautverschiedenheit von präposition und präpositionaladv., das um einen ableitungsvokal länger als die präposition war; ähnl. doppelformen: ahd. mit — miti, ubar — ubiri u. a., vgl. Kluge urgerm.3 § 299. gelegentlich zeigt sich ahd. auch bei der präp. die längere form: Judaei contra (wideri) deum superbiunt (9./10. jh.) ahd. gl. 2, 319, 24 St.-S.; zefehtenne ist uuidiri demo tiufilo 3, 78 P.; der heilige gloube, der ain bischirmidi iu sîn schol widerm tiuuili unde uuidere allin sinen aniuehttun (12. jh.) in: ahd. sprachdenkm. 355 Steinmeyer. — neben ahd. widar begegnet mit r-einschub wirdar (vgl. ahd. gramm. § 167, anm. 11 und afrk. gramm. § 75); für frühmhd. wirder vgl. ged. d. 12. jhs. 313 Massmann, für mnd. werder mnd. gramm. § 249; mundartliches werder bei schlesw.-holst. 5, 555 für Bornhöved und wurder in einem kleinen gebiet an der dän. grenze. 'hier hat vermutlich das r der zweiten silbe den einschub veranlaszt' dt. gramm. 31, § 113, anm. 2. — im ingwäon. und an. begegnet [Bd. 29, Sp. 868] bei präp. und adv. neben der längeren eine kurzform: ags. wiþ — wiþer(e), as. wið — wiðar, afries. with(e) — wither, an. við — viðr, die nach synkretismus (1907) 151 urgermanisch, aber nicht vorgermanisch vorhanden ist; 'við is a curtailed form of viðr' icelandic-engl. dict. 701a; vgl. auch dt. syntax 2, 24 und 25; die 'verkürzte form' hat sich im mod. engl. (with 'mit') und nord. (dän. und norw. ved, schwed. vid 'bei, an') durchgesetzt; doch begegnet in der komposition noch die längere: älterengl. wither-, dän.-norw. veder-, schwed. veder-, vider-. das wort beruht auf erstarrten casus einer idg. komparativbildung *itero-, *itro- (ai. vitaram 'weiter, ferner', av. ōiθra 'besonders, getrennt') zu *i, ai. ví 'auseinander, weg von etwas'; vgl. namentlich ai. ví-lōman-, ví-lōma- 'wider das haar, den strich, in entgegengesetzter richtung gehend, in umgekehrter ordnung laufend', ví-vāc- 'widerstreitender ruf, streit'; s. in: idg. forschungen 16 (1904) 492f., aind. gr. 2, 1, 285; 1 (1930) 313; 1175 f. die lokale bedeutung '(ent)gegen' ist auch die grundlage für die entwicklung innerhalb des germanischen. sie vollzieht sich in zwei richtungen: auf der einen seite führt sie zu verwendungsweisen wie feindlich 'gegen' und sachlich 'entgegengesetzt' (s. unter I B), auf der anderen seite zur bedeutung 'zurück', d. h. 'der vorher eingeschlagenen richtung entgegen', dann in organischer weiterentwicklung zum zeitlichen begriff der wiederholung (s. unter II B). im ahd. wird das wort zunächst nur im sinne von '(ent)gegen' gebraucht, zeigt aber seit dem 9. jh. auch die verwendungen 'zurück' und 'wiederum, abermals'. die bedeutung 'zurück' (neben 'entgegen') kennt auch das as. und anfränk.; das afries., mndl. und mnd. haben darüber hinaus auch den übergang zur bedeutung 'wiederum, abermals' vollzogen. dieser einheitliche entwicklungsgang innerhalb der german. sprachen des festlandes erfolgte unter einflusz von lat. re-, das die bedeutungen '(ent)gegen', 'zurück' und 'wiederum, abermals' in sich vereinigt, s. Prager dt. studien 8 (1908) 162 anm. in seiner ursprünglichen verwendung als 'contra' ist wi(e)der, namentlich durch das vordringen des synonymen gegen stark zurückgetreten. über das geschichtliche verhältnis der präpositionen wider und gegen s. J. Dückert wider und wieder (Berliner dissertation 1957) 20—43; im sinne von '(räumlich und feindlich) gegen' klingt wider heute in der gemeinsprache gewählt, archaisierend (s. u. I A 1 u. B 1). es lebt noch in der paarformel für und wider (s. u. I B 3), ebenso in verbindungen mit abstrakten begriffen, s. wider willen, wider erwarten unter I B 6. zum gebrauch in der kompositionsbildung s. die übersicht nach wi(e)derzwingen. adverbielles wieder im sinne von 'rursus, iterum' ist in auseinandersetzung mit älterem aber heute allgemein durchgedrungen. nur bei der wiederholung von zahlenangaben ist aber noch gebräuchlich; s. u. II B 3 c γ. in der komposition wurde wieder, besonders im sinne von 'zurück', auszerordentlich fruchtbar; s. dazu die typenübersicht am ende der alphabetischen reihe der zusammensetzungen. auch als adversativpartikel im sinne von 'umgekehrt, hingegen, anderer- oder seinerseits' (s. u. II C) ist wieder durchaus üblich. 2) wi(e)der in den heutigen mundarten. die übersicht gründet sich auf die ergebnisse des dt. sprachatlas, anschlieszend an den Wencker-satz 2: 'es hört gleich auf zu schneien, dann wird das wetter wieder besser' (ausführlicher bei a. a. o. 51—57). a) die formen mit erhaltenem -d(d)-: neben einem wieder-gebiet (grosze teile von Bayern, Österreich, Schlesien, Oberlausitz und Schwaben) steht ein widder-gebiet (am Schwarzwald um Baden und Offenburg, am südrand des Thüringer Waldes um Sonneberg u. Hildburghausen, im Thüringisch-Obersächsischen im raum um Altenburg, Leipzig, Riesa, Rochlitz und in der Niederlausitz um [Bd. 29, Sp. 869] Lübbenau und Cottbus). dazwischen stehen kürze und länge konkurrierend nebeneinander (in der Schweiz, in einem groszen nordschwäb.-ostpfälzisch-ostfränk. gebiet und im thüring.-obersächs.-erzgebirg. gebiet im raum um Greiz, Zwickau, Annaberg). die form wedder mit gesenktem stammvokal herrscht auf einem langgestreckten, geschlossenen gebiet, das von der Memel im nordosten bis zur Werra und dem Thüringer Wald im südwesten reicht und einen groszen teil des ostniederdeutschen wie auch fast das ganze Thüringische umfaszt. gebietsweise begegnet auch wedder im westl. nd. und md., allgemein im Elsasz. b) die formen mit verändertem (geschwundenem) -d(d)-: übergang in -ll- (weller) begegnet vor allem an der Elbemündung; verbreiteter ist der übergang zu -rr- (werre[r]): in Pommern und Mecklenburg, in der Uckermark, Priegnitz und Altmark. für die verhältnisse in Schleswig-Holstein s. 5, 555. -rr-formen herrschen auch in einem groszen hessisch-pfälzischen gebiet, wo südliches wirrer nördlichem werrer gegenübersteht. geschwunden ist intervok. konsonanz im fries., ndl., westl. nd. und westl. md. (diesen schwund kennt bereits das afries. und mnl.). im ganzen stehen nördlichere kurzformen mit dem wurzelvokal -e- (wear, wer) südlicheren mit wurzelvokal -i- gegenüber (wier). wer-formen und wier-formen stehen in mischung im westfäl. zwischen Münster u. Osnabrück und im gebiete von Hameln; zum lautlichen vgl. beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus (1933) 113 ff. nach ihm handelt es sich in allen diesen fällen um jüngere konsonantenreduktion. c) die aufteilung der mundartl. formen nach bedeutungen: im westen haben sich mit den verschiedenen formen von wi(e)der verschiedene bedeutungen verbunden. im westl. obd. bezeichnet die form mit wurzelvok. ě 'wider, gegen', die mit ǐ 'wieder, abermals'; vgl. Enderlin Kesswil (Oberthurgau) 30; Appenzell 34; (für Waldhambach) elsäss. 2, 793; Rappenau 230 und 232; ('im norden') schwäb. 6, 766. 'widər wiederum, aber weədər wider' St. Galler Rheintal 37. auch das westmd. verbindet mit formalen unterschieden verschiedene bedeutungen: wedder 'wider, gegen', (westrichisch) werrer 'wieder' pfälz. id. 150 und 151; wεr 'wider', wir, wii 'wieder' Handschuhsheim 77; wirhrer, wërhrer 'contra, erga, versus', wirhre, wërhre 'iterum' Hessen, nachtr. 336; wirhrer 'contra', wärhrer 'iterum', ebda 1. erg. heft. 8; (in der Dreieich) widd 'wider', wirrer 'wieder' oberhess. 912. kurzform wid(h) für '(ent)— gegen' auch in Nordfrk., Henneberg und Aschaffenburg; vgl. 2, 860 und Henneberg 1, 195. — im westnd. u. fries. steht in einigen gebieten eine kurzform im sinne von 'wieder', einer längeren 'wider' gegenüber: wédər- 'wider-', wēəṛ 'wieder' Helgoland 301; ('auf dem lande') wedd'r 'wider, gegen', wärr, wä 'wieder, wiederum' altmärk. 245; wẹdder, weder 'wider', weder, älter wẹa, wẹar 'wieder' Elberf. ma. 172 und 173; wiəder 'wider', wîer 'wieder' westfäl. 322 und 323; in anderer weise wird im kreise Verden unterschieden: wedder 'wider, entgegen', waoler 'wieder' Baden 89. 3) orthographie. die heute übliche orthographische scheidung wider '(ent)gegen' und wieder 'zurück, abermals' ist vorwiegend das ergebnis gelehrter bemühungen im 17. und 18. jh. a) bis zum beginn des 17. jhs. gilt als regel die schreibung wid(d)er für heutiges wider und wieder; vgl. (1472) dt. schr. 1 (ehebüchl.) Herrmann; (1512) narrenbeschwörung, ndr.; (1520) a. d. christl. adel u. (1533) von der winkelmesse u. pfaffenweihe; (1587) volksb. v. dr. Faust (hg. v. Petsch); (1591) spiel v. reichen manne; relation d. j. 1609 (hg. v. W. Schöne). ebenso verhalten sich lexikographen des 16. und beginnenden 17. jhs.; vgl. Dasypodius dict. [Bd. 29, Sp. 870] (1536) 458a; dict. (1540) Ss 3a; dict. (1556) 286a; teutsch spr. (1561) 494b; undec. ling. (1605) 1226 (re-kompos.), 1281a (s. v. rursus), 773b (s. v. iterum), 327a (s. v. contra); dict. (1618) 1, 276b und 277a. ebenso auch grammatiker; vgl. (1573) gramm. 23, 40 Müller-Fraureuth; (1578) gramm. 18, 122, 128 F. Weidling. b) ie-schreibungen laufen, wohl begünstigt durch das bestreben, die dehnung des kurzen vokals in offener silbe anzudeuten, in wechselnder häufigkeit nebenher. α) einheitliche ie-schreibung für heutiges wider und wieder gilt als regel in folgenden schriften: Lancelot, hg. v. Kluge; vgl. nur 1, 9, 4; 10, 30, 31, 33; 24, 10, 13 und 7, 17; 97, 24; 184, 35; 360, 3; voc. theut. (1482) oo 1 ff.; (1555) hosenteufel, ndr.; vgl. nur 9, 10, 11, 12 und 12, 24, 25; (1618) acta publica bd. 1, hg. v. Palm, z. b. im memoriale 16—29, in der beilage 66—68, im schreiben 284—86. β) sporadische ie-schreibung begegnet oft. sie ist schon früh bezeugt, so in einer urkunde des erzbischofs von Köln v. j. 1261: wieder antwerden 'restituere', in: älteste urkk. deutscher spr. (1835) 13 Hoefer; eine wiederholung dieser urk. v. j. 1263 hat stets -ie-schreibung für heutiges wieder; vgl. ebda 16 und 17. für spätere zeit vgl. Luther: weil ich nit allein aus dem schacht wieder in unser vaterland kommen bin, sondern auch die gnade erkriegt, dasz ich wieder die silberne quelle habe (1537) briefw. 8, 50 W.; (die geistlichen güter im papsttum) sind hurenlohn ... und werden wieder zu hurenlohn (1538) tischr. 4, 155 W. dabei steht die schreibung mit ie- durchaus auch für heutiges wider: han ich zwey male wieder myn eldern gekyffelt (1468) beichtbüchlein 2 Battenberg; vgl. auszerdem s. schr. 1, 184 ndr.; tischr. 2, 263 W.; proverb. (1601) 1, 654. γ) dieser wechsel in der schreibung steigert sich zu einem ungeregelten durcheinander etwa bei thes. (1587): wieder den strom, zu wieder, wi(e)derwertigkeit 926b (s. v. adversus, adversitas), wider 203 (s. v. contra), wider dich 683b (s. v. refragor); widerumb 416a (s. v. itervm), wider 683a (s. v. reciprocus, recupero), wieder, wiederumb 703a (s. v. rursum). δ) unsicherheit zeigt sich auch noch im 17. jh., so bei in seinen teutschen poemata v. j. 1624 (ndr.): der heldt so wider dich zur wehre sich gestellt 176; c) im kreise der Fruchtbringenden Gesellschaft wird die orthographie von wi(e)der gegenstand gelehrter erörterungen: Schottel befürwortet orthographische scheidung nach der bedeutung (wider contra, re, adversus; wieder rursum), in einem gutachten über Gueintz' sprachl. (gedr. 1641), worin dieser im 19. kap. die präp. mit -ie- geschrieben hatte; vgl. der Fruchtbr. Gesellsch. ältester ertzschrein 252 Krause. — gleichlautende wörter verschiedener bedeutung orthographisch zu unterscheiden ist ein grundsatz damaliger sprachgelehrsamkeit; für vgl. auch haubtspr. (1663) 198; ferner schutzschrift, anhang zu gesprächsp. 1 (1644) 36, 40 und specimen philologiae Germanicae (1646) 209; 210; manuductio ad orthographiam et etymologiam (1676) 28; grundsätze d. dt. spr. (1709) 23; sprachkde (1748) 43: 'wörter verschiedener bedeutung, und die nicht von einander abstammen, unterscheide man soviel möglich durch die buchstaben ... wieder iterum und wider contra'. [Bd. 29, Sp. 871] d) nahezu konsequent im sinne der heutigen regelung scheidet (1669) Grimmelshausen im Simplicissimus; typische fälle sind: rach wider meinen schwehrvatter 275 Scholte; als ich wieder heim kame 43; für ähnl. verhältnisse bei Gryphius vgl. die nhd. zwillingswörter, in: Germania 23 (1878) 260; auch t.-ital. 2 (1702) 1342c, 1345c unterscheidet so wider und wieder, ebenso später teutsch-lat. wb. (1741) 2, 446b und 447a. J. H. Seume prägt den merkspruch: schreib wider, wenns so viel als sonst entgegen heisst; e) daneben zeigt sich weiterhin deutlich die ältere tendenz, einheitlich wieder für heutiges wider und wieder zu schreiben. diese schreibung gilt als z. t. ausnahmslose regel bei schwed. krieg (1653); vern. ged. v. gott (1720); discourse d. mahlern (1721) 1; Parnasz (1735); (1750) ges. schr. I 1, 137—155 (Hermann 1. gesang) akad.; von den lexikographen bei stammb. (1691) 2516 und dt. wb. (1734) 2, 992. auch Göthe schreibt bei sonstiger beachtung des orthographischen unterschieds gelegentlich noch die präp. mit -ie-; vgl. für den Ur-Götz: deinen knaben hier wieder den geheiligten altar schmettern I 39, 151 W.; das ist wieder den vertrag ebda 158; in einem brief v. j. 1785 an Charl. v. Stein: wieder meinen willen IV 7, 103 W.; vgl. auch: Homer wieder Homer I 3, 159 W. dieser einheitlichen schreibung mit -ie- gibt Hier. Freyer die begründung: er leitet aus dem usus die regel ab, dasz in vielen wörtern das e insbes. zu dem langen i gesetzt werden musz, und zwar stets dann, wenn das i am ende der silbe steht, wie in liebe, siehe, wieder, zieren; vgl. anweisung z. teutschen orthographie (1722) 39, 40. f) hieran knüpft eine diskussion in den von Gottsched herausgegebenen 'beyträgen z. crit. historie' an. im 18. stück (1738) 5, 187—223 vertritt Gottfr. Behrndt den grundsatz unterschiedlicher schreibung (wie sie heute üblich ist) vornehmlich um der deutlichkeit willen, 'damit nicht so vielerley begriffe unter ein einiges wort zusammenkämen' 220. in seiner replik im 29. stück d. beyträge (1742) 8, 18—30 beharrt Freyer auf seinem standpunkt (s. 22) und bemerkt gegen Behrndts unterschiedliche schreibung aus gründen begrifflicher klarheit: 'das (der wortsinn) ist aus dem zusammenhange der ganzen rede zu erkennen' (s. 28). auch danach geht die orthographische diskussion mit solchen argumenten weiter; vgl. Hannoverisches magazin (1765) 28. stück, 448 u. 33. stück, 523—25. noch Adelung setzt sich mit gegensätzlichen meinungen auseinander, als er aus gründen der klarheit und deutlichkeit ('wider ist eine präposition, wieder aber ein adverbium') unterschiedliche schreibung befürwortet; vgl. wb. 4 (1801) 1532 f. g) historisch-kritisches sprachdenken findet diese unterschiedliche orthographie statt alter einheitl. schreibung mit bloszem i unbegründet und undurchführbar: '(es) haben die grammatiker ... einen unbegründeten, dem ohr unvernehmbaren unterschied zwischen wider und wieder eingeführt, um die bedeutung contra oder rursus damit zu fassen. da diese natürlich in einander streifen, z. b. widerschein sowohl abprall und gegenwirkung, als wiederhohlung des lichts bezeichnet, ohnehin der mehrfache sinn vieler anderer partikeln (wie z. b. aber vero und aber rursus) nicht durch die schreibung hervorgehoben wird, so könnte man die unterscheidung getrost aufgeben' gramm. 22, 785 und ob. teil 1, sp. LVII; auch Rudolf Hildebrand spricht der unterscheidung von wider und wieder jede begründung ab; vgl. vom deutschen sprachunterr. (101906) 62. begrüszte die auf der Berliner konferenz zur einigung über die grundsätze der dt. rechtschreibung 1876 geäuszerte absicht, den unterschied zwischen wider und wieder aufzuheben; s. kleine schriften (1893) 1, 443. [Bd. 29, Sp. 872] I. präposition. kasusgebrauch: im ahd. steht überwiegend der dativ, weniger häufig der akkusativ und nur vereinzelt der instrumental. casusgebrauch und bedeutung von wider sind einander zugeordnet; näheres s. bei ahd. präpos. (1824) 192 ff. und a. a. o. 65—71. im klassischen mittelhochdeutsch überwiegt bereits der gebrauch mit dem akkusativ; dieser steht regelmäszig, wenn wider 'zu' bei worten des sagens (s. u. DWB A 4) und 'hinsichtlich, gegenüber' (s. u. DWB A 5) bedeutet; überwiegend, wenn es im feindlichen (s. u. DWB B 1—3) und zeitlichen (s. u. DWB A 2) sinne gebraucht ist. dativ wird noch bevorzugt bei vergleichendem und messendem wider (s. u. DWB B 4). vgl. auszer den mhd. wbb. und gramm. die einzelglossare zu den dichtungen von und zum Nibelungenlied. im frühnhd. hat sich der akkusativgebrauch durchgesetzt, so in folgenden schriften: (1472) Albrecht v. Eyb ehebüchlein, (1520) a. d. christl. adel, (1530) sendbrief v. dolmetschen, (1533) winkelmesse u. pfaffenweihe, (1541) wider Hans Worst; (1669) Grimmelshausen Simpl. vgl. ferner die zahlreichen belege unten. nur gelegentlich begegnet ein dativgebrauch bei wider im feindlichen sinne, vgl. (1545) 54, 392 W.; schausp. engl. comöd. 30 Creizenach; schr. (1663) 320; kl. schr. (1707) 757. — die heutige mundart unterscheidet lokales wider auf die frage 'wohin'? mit acc. von wider mit dativ auf die frage 'wo'? (s. Vilmar und Follmann unter A 1 a, und b β). vielleicht stammt der dativgebrauch bei (s. u. A 1 b β) aus der mundart. A. wider ist ursprünglich bezeichnung der richtung im raume ohne den beisinn des feindlichen gegensatzes. gegen, mit dem wider in seiner weiteren entwicklung enge berührungen zeigt, hatte vermutlich den gleichen ausgangspunkt; anders Rudolf Hildebrand im Artikel gegen III 3, s. teil 4, 1, sp. 2208. 1) lokal. a) wohin? α) 'entgegen': alla so baurgs usiddja wiþra (εἰς συνάντησιν) Iesu Matth. 8, 34; mit geru scal man geba infahan si liuhtent beide ein ander an, nû sâhen si her gân daz scheffel ('schifflein') wider wazzers rann dort wurdt man dir den kutzen strichen, [Bd. 29, Sp. 873] β) 'in richtung auf, zu ... hin': ... antat sie te theru stedi quamun, daz er (ein drachen) von dem orse kerte γ) 'an', von bewegungen, die bis zu einem festen, halt gewährenden gegenstand hin gehen: legt meinen schild wider die urne neues theater (1790) 1, 100; nach einiger zeit legen sie (schmetterlinge) solche (ihre flügel) flach ausgebreitet wider die wand II 6, 417 W. mit übergang in die verwendung b β: auf einer bank sitzend, den kopf wider die mauer gelehnt Göthe I 45, 124 W. archaisierend: die kellnerin stand wider die mauer gelehnt räuberbande (1952) 110. — mundartl.: ich ... stell den steckel wider die mur Kurhessen 453; eppes widder d' mauer stellen Lothr. 540b; weder die wand stelle 'an die wand stellen' Saarbrücken 228b. sprichwörtlichbildlich: wer sich wider thur vnd angel legt, der klempt sich gerne (1540) tischr. 4, 586 W. δ) 'gegen', von bewegungen, die zum zusammenstosz und anprall führen: man dâ wider man dranc (um 1280) Dietrichs flucht 5811 in: dt. heldenbuch 2 Martin; de ene (gulden) wedder den anderen sprank (14. jh.) ε) 'neben hin, an, vor': târ romani herebergotôn, dârumbe grûoben sie sih unde uuurfen dia erda innenân uuider selben den graben (oberhalb, entlang der — vom lager aus gesehen — inneren grabenwand) 1, 46, 22 P.; man ... setzet es (ein fangnetz) unten hart wieder den zaun jagd- u. weidb. (1681) 9. bildlich: der daz edel gestain under (var. wider) der swein füez [Bd. 29, Sp. 874] würfe (um 1350) buch d. natur 380, 24 Pf.; zugrunde liegt das bibl. sprichw.: ne mittatis margaritas vestras ante porcos, Mt. 7, 6. b) wo? α) 'gegen, gegenüber, zugewandt': saiam nu þairh skuggwan in frisahtai, iþ þan andwairþi wiþra andwairþi (πρόσωπον πρὸς πρόσωπον) 1. Kor. 13, 12; her saz in berge oliboumo uuidar (contra) themo temple Tatian 145, 1 Sievers; vgl. 116, 1; mit acc. 53, 1 und 214, 1; die stube ... stunt neben sant Niclauses brücke wider den saltzhof (Straszb. 1362) städtechron. 8, 125. 'jenseits': uueg seuues uuidar (trans) Jordanen Tatian 21, 12. β) 'in nähe, an bei': aþþan þai wiþra wig (παρὰ τὴν ὁδὸν) sind, þarei saiada þata waurd Mark. 4, 15; sô dia (Pallas) iuppiter ... uuider selb sih (de proximo contiguoque) kesah 1, 731, 4 P.; diu luft uuider (circa) dia erda getrûoptiu ebda 1, 823, 30; do lief man wider manne 2) im anschlusz an 1 b β zeitlich 'gegen, um': ûfkândo uuider tag (Venus) 1, 38, 25 P.; dine leiche ich gerne hœren sol si sprach 'swer ie gepflac wider âbendes hiez er aber die werden geste rîten (var.: wider âbunde) Kudrun 47, 4 Symons 3) 'gegen, für', bei erwiderung und vergeltung, bei tausch und kauf: (charitas) milt lihho giltit guot uuidar ubile (pro malis bona) Monseer fragm. 29, 19 Hench; gabun dea (dreiszig silberlinge) uuidar demo hauuanares ... (in agrum figuli) ebda 24, 14; bihiu ni uuirdit thiu salba forcoufit uuidar thriuhunt pfennigon ...? Tatian 138, 2; unde sahîn sie (die sünder) sih eruuasken uuerden dero sundôn fone des uuîzes handegi uuider demo guuinne dero gûoti (compensatione adipiscend pietatis) 1, 266 P.; daz ich (Karl d. Gr.) sin (alles arabische gold) nine name ich sanc hie vor den frowen umbe ir blôzen gruoz: [Bd. 29, Sp. 875] bei bloszer abwechselung: si (Tristan und Isolde) wehselten genote verbreitet in der sprichwörtlichen wendung wurst wider wurst, die seit dem 16. jh. bis in die gegenwart reich bezeugt ist und auch in der form wurst für wurst (selten) und wurst um wurst (bis etwa 1700) begegnet. näheres über die art der verwendung und die verbreitung unter wurst A 5 b α. 4) bei der erwiderung mit worten, bei der rede zu, dem gespräch mit jemand. im got. nur bei der erwiderung, entgegnung: andhof Jesus wiþra (πρός) ina (den teufel) qiþans Luk. 4, 4; entsprechung πρός auch Luk. 6, 3; meina andahafts wiþra þans (τοῖς) mik ussokjandans 1. Kor. 9, 3. ebenso as., wo von den verba dicendi überwiegend sprekan neben wið steht (vgl. wið 2 d, wb. z. Heliand [1925] 683): thuo sprak eft thie adales manthem erlon tegegnes, ... (Christus) ne antuuordida niouuiht ... hu ik (Abraham) sus filu mahlea, ... tho sprak uualdand Crist, thingon uuid thena thegan kesures ... ebda 5723 vgl. dazu im 13. jh. wider, weder von der abrede, die man 'mit' jmd. trifft: ich pin im liep, er lœset mich seit dem spätahd. bis ins 17. jh. nach worten des sagens in kontinuierlicher literarischer bezeugung (überwiegend nach sprechen): vuaz mag ih cheden uuider mînemo skephen? 2, 612, 1 P.; solch was sîn rede wider sie: Sîvrit der herregie dâ er si sach; die frauwen retden wider ein ('zueinander') (anf. 14. jh.) [Bd. 29, Sp. 876] lustsp. 32 lit. ver. vereinzelt noch im 18. jh.: der bauer, der einmal wider meinen bruder sagte: ich habe den mann gekannt br. (1901) 1, 25. mundartlich (überwiegend nach sagen): vgl.(für den Westerwald) Nassau 1, 335; Kurhessen 453; s. dazu: wider einander sprechen, d. i. sich unterhalten; engl. with eachother nachtr. (1886) 336; oberhess. 912; niederhess. 263b; (für Salzungen) Thür. 258; (für Meiningen) Henneberg 282; Oberlausitz 6, 5; (für Schlesien u. Posen) Posen 351; (für Franken) bayer. 2, 860 (hier auch ältere liter. belege); 'mod. so nicht mehr bezeugt, dafür ge(ge)n, ... meist zu' schwäb. 6, 764. wohl im anschlusz an belege wie: wider sich selben er dô sprach wider sich selben er betrahte, er dahte dicke wider sich 5) 'hinsichtlich, gegenüber, im hinblick auf'. mit sachlichem objekt, 'in anbetracht': wiþra (πρός c. acc.) harduhairtein izwara gamelida (Moses) izwis þo anabusn Mark. 10, 5; uuer mag siâ (iram tuam, sc. gottes) gezalôn. uuider (pre) dînero forhtun? vuider dero dinero forhtlîchi diu dârana ist 2, 380 P.; erstlich mes der mensch haben lieb gegen got und layd wider sein begangen sünd (1528) tewtsche theol. 31 R. meist mit persönlichem objekt: þugkeiþ izwis ei sunjoma ('verantworten') uns wiþra izwis (ὅτι ὑμῖν ἀπολογούμεθα) 2. Kor. 12, 19; ni dua (zellu ih thir ein)widar manno nihein weder wider mich sîn muot (neben gein:) ... der mîne (wille) ist guot, armman zuo der werlte und wider got, [Bd. 29, Sp. 877] wust ich keyn ('irgendein') sach die mich geergern ('schlechter machen') mocht wiedder sie (eine dame), die wolt ich beszern Lancelot 1, 51 Kluge. als überleitung zur folgenden verwendung sind etwa diese belege aufzufassen: dissen vrede irwarf one Josaphus weder den koning Vaspasianum (zw. 1221 u. 1224) Sachsenspiegel 112, 12 Eckh.; (ein markgraf) irwarf wider de herren van Sassen, dat he wider to lande quam (zw. 1230 u. 51) sächs. weltchron. 212, 1 Weiland. 6) seit dem 13. jh. verbreitet beim kauf von jmd., namentl. im prosaschrifttum (rechtssammlung, chronik, urkunde): her hab iz kouft uppe deme gemeynem markede, he ne wizze weder wene (zw. 1221 u. 1224) Sachsenspiegel 84, 14 Eckhardt; Ekenstain, vnd swaz da zve gehort, daz wier gechauft haben wider Fridrichen (im folgenden begegnet wider in diesem sinne fünfzehnmal) (1314) urk. d. Benedictiner-abtei z. hl. Lambert 124 Burger; 'etwas wider jemanden kaufen ... findet sich in den ältesten hessischen urkunden, bis zur mitte des 14. jhs., äuszerst häufig ...: daz land daz wir widder Johannen wypaden kouften (1350)' Kurhessen 453; welch man ain hous wider ainen andern chouft Altprager stadtr. a. d. 14. jh. 48, 70 Rössler; eyn huttestad ('platz für eine [schmelz]hütte') ... an der Mulde gelegen, dy er gekoufft hat wider Pa. Pewschel (Freiberg i. Sa. 1479) cod. dipl. Saxoniae regiae II 14 (1891) 411, 39. vereinzelt auch in poetischer literatur: ir koufet keinen (phell 'kostb. seidenzeug') wider mich B. wider im sinne von gegen, lat. contra, griech. ἐπί ist seit frühester zeit bezeugt und wird noch von Luther vor gegen bevorzugt; so heute nur noch mundartlich: 'bei feindlichem verhalten ist wider in der mundart noch immer üblicher als gegen' schwäb. 6, 764. 1) von einem tun oder verhalten, das aktiv gegen jem. (etwas) gerichtet ist. a) die räumliche grundbedeutung zeigt sich noch deutlich: ther mit mir izzit brot, ther hefit uuidar (contra) mir sina fersnun Tatian 156, 5; so uuir unsih irheuen zefarenne uuider unserên fienden 2, 162 P.; die zwenczig ranten zuhauff wiedder der frauwen zwenczig ritter, etschlich stachen die yre darnyder (hs. um 1430) Lancelot 1, 196, Kluge; (Xerxes) welcher neun hundert dausent mann (scharen) die wider uns mit macht b) naturgemäz steht wider sehr häufig bei den wörtern und wendungen für streiten, kämfen usw. der räumliche sinn tritt zurück oder schwindet: brakja wiþra (πρός) leik jah bloþ Eph. 6, 12; gifeht uuidar (adversus) anderan cuning Tatian 67, 14 Sievers; wanent sie (die Römer) bi notin thaz wir then urheiz datin und wider ihn im heer der feinde kämpft [Bd. 29, Sp. 878] sol könig Frotto ... einen sieg wider sie (d. Wandaler) erhalten ... haben altes Pommerland (1640) 1, 50. vom wettstreit: dâ sach ich bluomen strîten wider den klê c) von der gegnerschaft, die sich in wort und rede äuszert: du salt nit falsch tzeugnus reden wider deinen nechsten (1518) 1, 251 W.; schelt- und schmachwort wider die heilsame justitiam gesichte 1 (1650) 15; besonders von anklage und verteidigung: (Christus) läszt kein wörtlein hören entsetzlich! — doch dem vater musz man glauben, d) von einer feindseligen inneren haltung, ohne dasz die form, wie sie in erscheinung tritt, genannt wird: do balg sih got ... uuider sînen liût 2, 457 P.; 'frauw', sprach er, 'mich ducht, wie uch zorn were wiedder mich ...' (hs. um 1430) Lancelot 1, 118 Kluge; cliquen, geeint in ... todfeindschaft wider den abtrünnigen teil namen u. menschen (1949) 210. in der verbindung wider jem. sein: saei nist wiþra izwis (καθ' ὑμῶν) faur izwis ist Luk. 9, 50; thie mit mir nist, ther ist uuidar (contra) mir Tatian 62, 7; dass eben der, der an ihrer spitze stehe, insgeheim wider sie sei s. w. (1867) 38, 100. e) wie schon aus dem vorausgehenden ersichtlich, steht wider durchaus bei an sich neutralen worten und wendungen, die nicht schon selbst feinseliges verhalten oder für den betroffenen nachteiliges geschehen ausdrücken: pharisara uuorahtun garati uuidar (aduersum) ise huueo sie inan forleosan mahtin Monseer fragm. V 1 Hench; ichn hân widr iuwern hulden 2) vom willen und von der bereitschaft, einen wirklichen oder gedachten gegner zu stellen, ihm zu widerstehen, ihn abzuwehren usw. a) von widerstand, abwehr, verteidigung gegen jmd. (etwas): ei mageiþ standan wiþra (πρός) listins diabulaus Epheser 6, 11; das die von der stat wiedder das starck here nicht gestan mochten (hs. um 1430) Lancelot 1, 105 Kluge; vergebens mich aber wider sie (Theseus u. andere) b) vom schutz vor einem feind, einem gegner, einer gefahr: tho warun thar in lantehirta haltente, nu sculun wir unsih rigilonmit thes kruces segonon, [Bd. 29, Sp. 879] daz in spiritus sancti gratia umbram tuôt contra carnales stus (gl. uuider des lichamin hizzon) 2, 257, 4 P.; vuis mîn phogat uuider alle diê. diû êr âhton capitis unde noh âhtent corporis ebda 116, 7; der schilt ist wiedder den schlag und wiedder den stich (hs. um 1430) Lancelot 1, 121 Kluge; (arbeit und maszhalten im essen) sein die schlosz vnd rigel der keuschheit wider die vnkeusche (1472) dt. schr. 1, 11 Herrmann; widder das ungewitter die glocken geleutet sind worden (1528) Melanchthon bei 26, 234 W.; (die natur) hat auch die stöck vnd böum mit rinden, die etwan zwifach sind, wider kelte ... beuestiget Plinius (1565) 2; dieses mächtigste haus ist annoch die starke unübersteigliche vormauer wider den erb feind ostl. lorbeerhayn (1657) ixa; gewalt, wider welche die einwohner dieses landes zu sichern das erste aller gesetze ist England u. Italien (1785) 1, 27. c) bei heil- und vorbeugungsmitteln gegen (für) krankheiten und andere übel: uuidhar cancur Basler rezept in: ahd. sprachdenkm. 39 Steinm.; wider die pfeysenden boenden pläst ... ist bärenschmaltz gt Gesners thierb. (1563) 19; latwerg zu stärckung des haupts vnd wider den catharr artzneyb. (1596) 1, 17; als wenn sie säu-milch (welche man den spielsüchtigen wider solche ihre kranckheit ohnwissend eingibt) gesoffen hätten (1669) Simpl. 156 Scholte; weil wider den tod kein kraut gewachsen war (1673) erznarren 8 ndr.; (rauchen) ist gut wider die böse luft und wider die bösen begierden ebenfalls ges. schr. 1, 44 Tieck; (tamarindengetränk) welches eins der ... vorbauungsmittel wider bösartige fieber ist erdkde (1822) 1, 251; ein universalmittel wider die langeweile, das kartenspiel ges. dram. w. (1848) 4, 311. 3) früh und bis in die gegenwart reichend steht wider in der kritischen stellungnahme vom bedenken, einwand, grund gegen etw. oder jmd.: alliu diu anderiu, diu uuir zeigoên ... uuider dien anagangen dero falsorum argumentatorum (contra sophisticas importunitates) 1, 515, 18 P.; da der meister hort das er (das kind Lancelot) wiedder synen willen sprach (hs. um 1430) Lancelot 1, 40 Kluge; wie ain ströin argument der franciscaner gefürt hat wider das fewrig euangelium (1525) s. schr. 2, 19 ndr.; und höret jm (dem teufel) zu, was er für ursachen ('gründe, argumente') hette, widder meine weyhe und consecrirn (1533) 38, 198 W.; auch wider die ausführung (eines kinderliedes) wäre viel zu erinnern (1768) recensionen 28 lit.-denkm.; einwendungen wider das bardiet s. w. (1784) 1, 24. gern im gegensatz zu für (vor): lis es wol vnd mit vrteil, so findest du ee das wider dich ist ('gegen dich spricht und eingewandt werden kann') dann für dich (1522) v. freiheit d. speisen 19 ndr.; sage mir gründe vor sie, keine wider sie (die geliebte) (1767) Göthe IV 1, 102 W.; stellungnehmen für das eine und wider das andere in: wiss. annalen 11 (1953) 686. in der formel für und (oder) wider: die gründe für und wider das gewicht dieser zeugnisse allg. dt. bibl. (1765) 1, 105; was (der leser) ... für oder wider unsern helden zu sagen haben mag Agathon (1766) 2, 186. die formel in adverbieller verwendung: für und wider zu dieser stunde [Bd. 29, Sp. 880] bei selbstgesprächen sich so umzuwerfen pflegt (1773) 5, 255 S.; längst hatt' ich (Alba) alles reiflich abgewogen, und mir auch diesen fall (dasz Oranien nicht kommt) gedacht, mir festgesetzt was auch in diesem falle zu thun sey; und jetzt, da es zu thun ist, wehr' ich mir kaum, dasz nicht das für und wider mir auf's neue durch die seele schwankt I 8, 261 W.; jedes für und wider reiflich erwogen erz. schr. (1861) 2, 26; in einem ... rechtsfall das für und wider ruhig erörtern zu hören s. w. 15 (1875) 108; Dutour aber ist der echte jurist der stets zwischen für und wider hängen bleibt Bernadette (1948) 292; sie will das für und wider wägen, in ruhe, allein Simone (1950) 273. selten pluralisch: in dieses einigermaszen unverständige resultat liefen zuletzt alle seine für und wider hinaus erz. schr. (1861) 7, 178; alle für und wider hatte sie abgewogen d. söhne (1952) 260. 4) in vergleichender, messender gegenüberstellung, um den unterschied oder gegensatz hervorzuheben: potentes (diê geuualtigin), die uuider anderen (d. volk, d. geringen) sint, also die cedri, diê ûfen lybano uuahsent uuider anderen boûmen sint 2, 437 P. bei zahlengröszen: ez ist der übermüetenhie bî Rîne vil: bî dirre welte lône deta er iz sconara al so zam, joh ziarara ouch so filu fram, ... sîniu (Clinschors) wunder hie frömdiu wîp diu dankent mir vil schône. dô sah er (Siegfried) here daz grôze daz ûf dem velde lac, 5) als ausdruck eines sachlich-objektiven gegensatzes: taz îo lougen stât uuider uestenungo unde uestenunga uuider lougene (quoniam omni affirmationi est negatio opposita et omni negationi affirmatio) 1, 515 P.; also ist das gut wider das böse, vnd das leben wider den tod, vnd der gottfürchtige wider den gottlosen geordent. also schawe alle werk des höhesten, so sind jmer zwey wider zwey, vnd eines wider das ander geordent Jesus Syrach 33, 15, 16; die Römer ... thetten nichts dann weynen, klagen, jämern vnd heulen ...: dargegen horten sie die sighafften Gallier ... frölich singen, vnnd was also ein weysz wider die andern Schweizerchron. (1606) 152a. ebenso mit konkreten, die sich von denen gleicher art in der äuszeren erscheinung oder im verhalten [Bd. 29, Sp. 881] unterscheiden: uuanda luna puchelôt ... in hornes uuîs uuider anderên planetis (im gegensatz zur beschaffenheit anderer planeten) 1, 826 P.; der vogel hât die art wider allen andern vogeln, daz er seinen kinden ain fäuhten eintropft sam milch (um 1350) buch d. natur 224, 17 Pf.; dass sein ungeheurer bart ... wider die europäischen bärt geart und gefärbt war 2, 18 Keller. 6) um feststellung eines sachlichen gegensatzes handelt es sich auch vornehmlich bei wider in den festen verbindungen, in denen das wort teilweise bis in die gegenwart weiterlebt. meist wird in ihnen ausgedrückt, dasz ein verhalten, ein vorgehen einer forderung, erwartung, gewohnheit usw. nicht entspricht. weniger gebräuchlich ist in dieser verwendung gegen; vgl. DWB gegen III 3 k, teil 4, 1, sp. 2210. a) wider recht (gern ohne nähere bestimmung des nomens durch artikel oder attribut): joh sih (die sünde) ouh widar rehte furdir zi uns ni irrihte und der ouch danne vehte dat hei wilt sin eins anders here ... das gantz weibliche gschlecht, heraus die schlüssel alle von den städten, b) wider willen (s. auch unter wille II D 1, teil 14, 2, sp. 159): fone tôde mih tâte irstân uuider iro (der feinde) uuillen 2, 92 P.; sî wurden vil vaste c) wider vermuten u. ähnl.: souuaz tu hîer in uuerlte gesihest uuider dînero gedingi (contra spem) geskehen 1, 284 P.; ich merck es ist jm begegnet wider die hoffnung Terenz deutsch (1539) 14a; wann etwan jemand im haus wider ihr verhoffen alert würde 2, 422 Keller; dasz die schrift wider alles vermuthen uns unter den händen gewachsen ... sey s. schr. (1777) 1, 167; fröhliche botschaft, [Bd. 29, Sp. 882] so ihr mir wider alles verhoffen gebracht habt schr. (1828) 4, 310. ohne nähere bestimmung: allwo ich ... meinen ehemaligen reisegesellen ... wider vermuthen antraf d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 117; nun, du hast glück gehabt, wider vermuten deiner liebsten freundin gleich in die arme zu laufen (1847) br. von und an Herwegh (1896) 35; als er wider erwarten nicht entlassen wurde d. söhne (1952) 267. d) wider die gewohnheit, meist mit art. oder attrib. beim nomen: insolenter prolata sunt. id est uuider geuuoneheite 1, 677 P.; du mst wyder alt gewonheit gefangen vnd gebunden werden d. ew. wiszh. betbüchl. (1518) 6a; schriehe er wider aller diebe gewonheit überlaut 2, 423 Keller; es hatte sich wider die gewohnheit die tarokpartie früher geendigt I 51, 3 W.; da Reinhard wider seine gewohnheit nicht antwortete s. w. (1899) 1, 20. e) wider die natur; adverbal: fürware ich nit weisz wer mich heltt ye wider mein natur daz ich nit hin abe kam decameron 86 lit. ver.; die wider gott vnd die natur handlen, so jhr gantzes lebens nichts dann einen schlaff vnd kurtzweil wöllen haben Polybius (1574) vorr. 2a. adnominal: unzüchtige pöse (perverse) liebe wider die natur decameron 69 lit. ver.; man deutets auf ein grosses landesunglück, mein freundt, es ist die schnödt neidsucht, was wider die natur, das wirdt zue Rom geehret (1624) was ist denn hier so wider die natur? f) wider gott, jmd. steht elliptisch für wider den willen, das gebot gottes, jemandes: sum quad er dati widar got,joh er firbrachi sin gibot (der erste mensch) g) in der verbindung wider wissen und willen nähert sich wider dem gebrauch von ohne an: das er (ein herzog) frembdes gut bey sich hellt widder wissen und willen des, so der herr dazu ist (1528) 30, 2, 28 W.; die besatzung ... wider des obristen wissen und willen wegen der aufgabe sprachwechselte verm. Donaustrand (1684) 70; hatte ich schon früher ihren [Bd. 29, Sp. 883] edlen wackern bruder wider wissen und willen verletzt (1823) IV 37, 20 W. im sinne von ohne: wenn die regierenden wider wissen was ihnen übel ist anordnen Platons w. (1804) 6, 94. h) die bedeutung 'ohne' ergibt sich für wider vereinzelt auch sonst: klaffen, schwetzen vnd erliegen, und wider alle schuld erleiden schmach und todt bei: Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 56 Neukirch; ich ward eine muttermörderinn wider mein verschulden 2, 316 L-M. wider drückt vereinzelt auch aus, dasz etwas 'ungeachtet, trotz' eines vorhandenen geschieht: wider all dein schuld II. adverb. A. wider 'entgegen, zuwider'. 1) bis ins 16. jh. prädikativ in der verbindung (jemandem, einer sache) wider sein gebräuchlich (vgl. auch unter 2 a). Iwein, Parzival, Nibelungenlied, Reinmar, Walther, Neidhart zeigen diese verwendung nicht. a) 'entgegen', mit dativ d. person oder sache. α) '(räumlich) entgegen,' 'ungünstig': mihil ungiwitiri was in harto widari β) im feindl. sinne: diê mir ... uuidere uuâren (aduersantes mihi) 2, 8 P.; Hannibal ... swor darna, dat he den Romeren immer wider wolde sin (zw. 1230 u. 1251) sächs. weltchron. 83 Weiland; so er (d. mensch) ist demütig gen den feinden die jm wider sein (1474) spiegel d. sitten (1511) 10b; so verdreust mich doch, das sie (Eck, Emser, Murner) gott also schenden vnd dem euangelio wider sein (1523) bei reform. flugschr. (1906) 1, 33. bildlich: das wetter schlegt gern in hohe beum vnd bew ... γ) vom widerspruch und widerstand: tien forderên redôn nemag ih uuidere sîn (nec ... queo refragari propositis prioribus) 1, 187 P.; wolt aber der bezzerunge (busze für getanes unrecht) mit gewalt iemen wider sin (1276) stadtb. v. Augsburg 123 Meyer; nichten bis mir wider, das ich dich lasz vnd ich hingee erste dt. bibel 4, 427 lit. ver., Luther: rede mir nicht drein Ruth 1, 16; aber er wiss wol, dass ein rate alwegen wider gewest, einich schlos ausszuprennen (1525) chron. d. st. Bamberg 2, 260 Chroust. δ) vom sachl. gegensatz: sô ist unmahtlîh, târ daz eina ist taz ander, daz imo uuidere (contrarium) ist, sament imo dâr uuesen 1, 485 P.; die red ist der vorderen wider Terenz deutsch (1499) 20a; (das siebente) gebot hat auch einn werck, wilchs gar viel gutte werck in sich begreyfft unnd vielen lastern widder ist, und heyst auff deutsch mildickeit (1520) 6, 270 W.; (die bibel ist so) das die offentlichen sprüch rechte verstentnusz geben vnd worlich vszlegen dise sprüch, die noch vnser meynung jnen seind wider (1522) Mich. Stifel bei reform. flugschr. 3, 324. [Bd. 29, Sp. 884] ε) mit genitiv d. s., der angibt, worin man sich widersetzt: taz sî nîo gehîleiches uuidere neuuas (nuptiis iuno non solita refragari) 1, 726, 24 P. mit dat. d. p. und genitiv d. s.: e ir mir iemer keine zit (Lazarus bittet um die brosamen, die von des reichen tische b) gern 'zuwider, unerwünscht, unangenehm': do wart zu hohem bischove (der verlierer im spiel) 2) in anderer grammatikal. verwendung. a) von dingen und geschehnissen, die miszfällig, ungünstig sind, in feindlicher absicht geschehen: von mir ist gar gelegen nider, so viel wieders er (dein leib) dir (dem pilger) nit det (15. jh.) pilgerf. d. träum. mönchs 6324 Bömer; das ist auch ein eigenschafft aller tugent, wann sie streit leidet vnd ettwas widers, so werden sie gesterckt brösamlin (1517) 2, 33b. attributiv: ob widers wort, mein höchster hort (die geliebte), mich gegen dir versagen (wohl 'verleumden') wolt, den lasz nit auff bei fr. teutsche liedlein 127 ndr. mundartlich: 'ein eigensinniger, widerwärtiger, sonderbarer mensch ist wider ... urspr. also wie prädik. adv.; aber auch attrib.: ein widerwärtiges kind (bes. mädchen) ist eine widere naht' schwäb. 6, 766.b) 'ekelerregend, widerlich': die bekanntschaft der edlen pferde hat ihn gelehrt, in jedem artgenossen die erbärmlichkeit der wideren Yahoos zu sehen, und keine liebe deckt den ekel zu Frankf. allg. ztg. nr. 246 (1955) bl. 5. B. wieder, adv., 'zurück'; 'abermals, wiederum'. 1) 'zurück', eigentlich '(der eingeschlagenen richtung) entgegen', diese bedeutung lebt a) in zahlreichen, bei verben heute trennbaren zusammensetzungen; s. typenübersicht II A am ende der alphab. reihe der zusammensetzungen. bereits Tatian hat folgende komposita mit uuidar- re-, retro: uuidarbringan referre, uuidarfaran regredi, retro abire, uuidargangan regredi, uuidarsenten remittere, uuidarscouuôn retro aspicere, uuidaruuerban reuerti, redire, regredi. [Bd. 29, Sp. 885] b) in formelhafter verwendung. α) namentlich hin und wi(e)der; vgl. teil 4, 2, sp. 1374. aus methodischen gründen wird die ganze bedeutungsentwicklung der formel hier behandelt, obwohl eigentlich nur die gruppen αα und ββ hierher gehören, da nur in ihnen wider seine bedeutung 'zurück' klar zu erkennen gibt. in diesen gruppen deckt sich die bed. der wendung mit der ihrer bestandteile, die diese auszerhalb der formel zeigen. dann aber macht die (festgewordene) wendung als ein neues ganzes eine selbständige bedeutungsentwicklung durch. im mhd. ist die wendung noch unüblich, nicht bezeugt bei Reinmar, Walther, Neidhart, im Parzival, armen Heinrich, Iwein und Nibelungenlied (anders die wendungen unter γ, δ, ζ). die beiden letztern zeigen lediglich hin und her widere: sô snel ist dehein man hin und her widerewart dâ vil gesehen von lûten ich gehôrt hân, αα) 'hin und zurück', von einfacher rückkehr zum ausgangspunkt (s. o. Iwein): rütt also düsen abend wüder gen London (woher er gekommen war), wölches hün und wüder 20 meül (1585) reisen 24 lit. ver. ββ) 'hin und zurück, her', von wiederholten oder andauernden bewegungen, die einander entgegengesetzt sind: ich setzt mich eins zum tuchmann nider γγ) 'hierhin und dahin, überallhin'; der richtungsgegensatz, den die wendung ursprüngl. ausdrückt, ist verblaszt: s. o. Albrecht v. Halberstadt; Gregorii buch war in einzele stücke zurissen und hin und wieder zerstreuet (dreisziger jahre d. 16. jhs.) tischr. 4, 476 W.; wann die spinnweppen hin vnd wider schweben (ist wind zu erwarten) feldbau (1580) 43; ritter George aber hat ... inn der gantzen weiten vnd breiten welt die christliche religion hin vnnd wider auszgebreitet (1613) christl. ritter 5 ndr.; hin und wieder schweifen wie die schönste rückenbeugung δδ) anschlieszend an den gebrauch unter ββ und γγ, von gespräch und disputation: vnter dessen war viel (wie geschicht) hin vnnd wider geredet vnnd desz herren ... auch gedacht päd. principum (1595) 304; Göthe s. u.; sie hören disputiren hin und wider mit gleich scheinbaren gründen (1825) ges. br. (1858) 3, 163. substantiviert: so dasz in bewegtem hin und wieder [Bd. 29, Sp. 886] des gespräches scherz und ernst durcheinandergeschwirrt sind (1877/78) vorstadtgesch. (1909) 1, 62. hin und wider (ge)denken, sinnen: vnd sie gedachten hin vnd wider Markus 8, 16; fieng er erst an, hin unnd wider z gedencken, insunderheit an die zwen köpff, so er an seinem bett gesehen hatt (1555) w. 3, 58 Bolte; (Floridan ging) an der Pleiszen auf und nieder εε) hin und wider entwickelt sich vom ausdruck für die bewegung 'hierhin und dahin, überallhin' zu einer bezeichnung für das verbreitete vorhandensein einer sache (eines vorgangs). von der dichten verbreitung, 'allenthalben, überall' (s. o. der Nibelunge nôt): kleglich weinen höret man hin vnd wider vber kinder (nach der tötung der ägypt. erstgeburt) weish. Salom. 18, 10; bey denen (mägden) lag es hin und wider voller zerbrochener so trinckals fenster-gläser (1669) Simpl. 99 Scholte; auf die wiese, wo zerbrochene kasten, zerschlagene koffer, zerschnittene mantelsäcke und eine menge kleiner geräthschaften hin und wieder lagen (nach einem überfall) I 22, 40 W. 'hie und da', d. h. die verbreitung ist weniger dicht: so hat er auch gar ein grosse summa seines eygenen gelts hin und wider in den geselschafften ligen (1556) w. 2, 144 Bolte; viel schöne ducaten und cleinodien, welche ich hin und wieder in der soestischen böerde auff dem land in hole bäum verbarg Simpl. 208 Scholte; von alten würdigen denkmalen der architektur sind zwar hin und wieder, vornehmlich in den Rheingegenden, viele beschädigt ... worden I 49, 1, 56 W.; hin und wieder liessen syringenbäume ihre blühenden zweige in den hofraum hinunterhängen s. w. (1898) 1, 26. ζζ) 'hie und da' in einem text. hierbei spielt die wendung gern in den zeitlichen gebrauch 'dann und wann' (s. u.ηη) hinüber: die thier ... so hin vnd wider in der bibel gleichnusz oder anderer weise eingefürt vnd angezogen werden Plinius (1565) vorr. 2a; darvon etwas im II. bch diser chronick hin vnd wider zfinden ist Schweizerchron. (1606) 3a; ich kann nur wünschen, dasz es mir geglückt haben möge, wenigstens so gearbeitet zu haben, dasz kenner noch hin und wieder einige spuren seiner (Mozarts) unvergeszlichen lehren darin finden können (1800) bei Mozart (1856) 3, 776. ηη) in neuerer und gegenwärtiger sprache temporal 'dann und wann, bisweilen', die älteren der folgenden belege schlieszen lokalen sinn 'hie und da' nicht aus: flitterpfennige ... werden hin vnd wider im felde vnd auff den alten dorffstedten gefunden (1579) altmärk. chron. 76 Bohm; genug dasz dieselben (schulreden) hin und wieder ihre nutzbarkeit erweisen polit. redner (1679) 2; lieszt mir dann auch hin und wieder etliches vor (1775) w. (1811) 1, 232; sie werfen darauf (auf ein buch) in guten augenblicken doch hin und wieder einen blick oder ein auge (1833) Varnhagen bei briefw. u. tageb. (1873) 3, 171; während ich, zunächst dem lichte, [Bd. 29, Sp. 887] β) gelegentlich her und wider; nur in lokaler verwendung: hac illac circumcursa lauff her vnd wider nov. dict. (1540) A 1b; mein hund, (mancher) gafft here vnd ouch wider γ) mhd. (obd.) für unde (noch) wider (reimt auf nider): und liez daz (tor) hinder ime nider dô saher für unde widr ('hin und her') fúr und wider springen (beim solotanz) (gegen 1300) der sœlden hort 2862 Adrian; (viele frauen sah man) δ) öfter begegnet die aus dem voraufgehenden durch metathese entstandene, meist obd., gelegentlich md. bezeugte wendung wider und (noch) für (md. auch vor); die umstellung geschah vielleicht wegen besserer reimmöglichkeiten, namentlich auf tür, kür, f. und die verbformen spür und erkür. die wendung geht von der reim- in die prosaliteratur über. bis ins frühnhd. ist sie schriftsprachlich, bis in die neuzeit mundartlich bezeugt, meist in lokaler, nie in temporaler verwendung. αα) namentlich 'zurück und vor, hin und her': sô treip in abe der heiden wider daz si vil lobes reine des lammes [blut] saltu rein bey der hindern thür, fulkeyt erdenckt eyn wörwort baldt jdoch von dem donere han ββ) 'hierhin und dahin, nach allen seiten'; der richtungsgegensatz, den die wendung ursprüngl. ausdrückt, ist verblaszt: sus gienc er (Gawan) wider unde für (: tür) der kunic sande wider und für (: spür); [Bd. 29, Sp. 888] γγ) 'hier und dort, allenthalben', vom verbreiteten vorhandensein einer sache, eines geschehens: dô suochter (der gefangene Iwein) wider unde vür die fursten mit der wal ouch vremder spruche, als ich spur, ε) wider (wedder) und (efte) vort, fort ist im gegensatz zum vorigen nd. und md. belegt. weder ende vort (voort) oft im mnl.; vgl. mnl. woordenb. 9, 1, 1890. αα) 'zurück und (oder) vor': der meister wider unde vort he (der läufer im schachspiel) vare wedder efte vort (mnd., 14. jh.) ββ) 'hierhin und dorthin, nach allen seiten': (ein feuer) vor wider unde vorth unde vorbrande se vile sere (zw. 1230 u. 51) sächs. weltchron. 127, 8 Weiland; (ein bischof) toch mit dem koninge van Behmen ... wedder und vort (Magdeburg, nach 1380) städtechron. 7, 280; ick hebbe gewandert wedder vnd vort γγ) anschlieszend an die voraufgehenden gruppen bei worten und wendungen des sagens: er fraget en wider unde vort ('nach diesem und jenem') da von (vom ewigen leben) sy disputyren δδ) 'hier und dort, allenthalben': (die frau soll) holden der dogheden ort ('tugend bewahren') die fünfft (schwester) fiel hie, die sechst lag dort, ζ) seltener, mhd. αα) wider unde dan. 'hin und her': die wîle gie dô Wolfhartbeide wider unde dan, 'nach allen seiten': si teilten grôze gâbe wider unde dan Kudrun 744, 1 Symons. übertragen: manigen ende si ez mâzen ('erwogen')beidiu wider unt dan, [Bd. 29, Sp. 889] ββ) dar und wider oder umgekehrt: si triben die tobenden ünde mære zallen zîten wart wider unt dar geseit der Nibelunge nôt 720, 1 (fuszn.) Bartsch. 2) oft begegnet wieder in einer verwendung, die zwischen 'zurück' (s. ob. 1) und dem jüngeren 'abermals' (s. u. 3) steht und entwicklungsgeschichtlich das bindeglied zwischen diesen bedeutungen ist. ahd. erfährt es in diesem sinne noch starke konkurrenz durch aber; vgl. nur: giang Pilatus widari (iterum) mit imo (Christo) tho in then solari die masse neueren belegmaterials läszt zwei oft nicht rein zu scheidende verwendungsstränge erkennen. a) wieder kann stehen, wenn man ausdrücken will, dasz ein vorgang rückgängig gemacht, ein zustand aufgehoben wird: si brâhten wider în zer tür o lass' der welt den schönen traum! b) wieder kann auch stehen, wenn man ausdrücken will, dasz ein früher bestehender — unterbrochener — zustand wiederhergestellt wird: nû kom ze sînen sinnen [Bd. 29, Sp. 890] man setzet ab die zehen man, 3) aus den voraufgehenden verwendungen konnte leicht der zeitliche begriff der wiederholung sich entwickeln. ahd. läszt er sich neben herrschendem abur 'iterum' nur vereinzelt und nicht stets sicher nachweisen. in den von Prager dt. studien 8 (1908) 162 anm. für diese verwendung aufgeführten ahd. uuidar(i)-verbindungen ist uuidar(i) meist im sinne 'zurück' zu interpretieren; doch liegt wiederholender gebrauch vor: in regeneratione (cum sederit filius hominis in sede maiestatis suae, Matth. 19, 28) aburborini vuidarboreni (11. jh.); i. abarborene. uuidarborene (9. jh.) ahd. gl. 1, 715, 52 u. 53 St.-S.; vuir bin diû andera geburt, diû andera generatio, dero nu chomen ist regeneratio (gl. uuidirburt i. toûfi) 2, 312 P.; also do mennisco uuard formatus in sexto die, so uuard er sîd fone Christo reformatus (gl. uuiderbildot) in sexto seculo ebda 391; (dem von gott verworfenen) neskihet nieht zegremezzenne unde uuider zelebenne, so iz fuore ube er in demo gefuorsamen zite riuuesete ebda 3, 233. die spätere entwicklung zeigt verschiedene anwendungsmöglichkeiten. a) ein zustand besteht erneut, ein vorgang wiederholt sich: wiltu morgen wider ûf den plân ... dasz diese schreibesucht o wie staun' ich mich an, dasz ich itzt wieder bin, der geist der vorigen, glorreichen zeit b) insbesondere verwendet man wieder auch dann, wenn man ausdrücken will, dasz man die wiederkehr eines vorganges oder zustandes als regelmäszig oder gewohnt empfindet: diu linde wol geloubet stât. all stund, all tag, all augenblick wie reizt doch das die leute so sehr? [Bd. 29, Sp. 891] und sagt, frau dotin, ob ihr was hin zu bestellen habt. vielleicht wieder was an den herrn faktor? ges. schr. (1891) 2, 9; ein kanarienvogel ... flog auch heute wieder auf hand und schulter seines ... herrn ges. w. (1905) I 5, 152; Christian sorgte dafür, dasz er es wieder auf seinen zettel bekam, wieviel er dem Wilhelm geliehen hatte d. toten bl. jung (1953) 159. in übertreibender rede: ich weisz schon, was da wieder gekleckst werden soll (mit dem schreibzeug), rief der junker I 24, 157 W.; du bist heute wieder wie'n schornstein und rauchst un schmookst den ganzen tag ges. w. (1905) I 5, 135; das (gewebe) is eben wieder ne richt'ge schlauderarbeit ('flüchtige, unsorgfältige arbeit') d. weber (1895) 8. c) wiederholendes wieder begegnet gern in formelhaften wendungen. α) ein verb wird wiederholt: da wir aber die lasen vnd wyder gelesen haben Terenz deutsch (1499) A 2a; die geisz vnd schaaf an der herde vil steigen vnd eilends wider steigen wöllen feldbau (1580) 9; (ein kunstwerk) welches er unzählichemal musz betrachtet und wieder betrachtet haben (1769) recensionen 295 lit.-denkm.; ew. wohlgeboren sehen hieraus, mit welchem eifer ich ihr programm lesen und wieder lesen muszte (1818) IV 29, 24 W.; die märchen, welche er ihr sonst erzählt und wieder erzählt hatte s. w. (1898) 1, 7. auch der erste teil eines trennbar zusammengesetzten verbs kann wiederholt werden: ich sah mich vmb β) für oder um nichts und wieder nichts: er grämte sich unaufhörlich um nichts und wieder nichts schr. 4, 20 Minor; das wacht nun einmal auf, um nichts und wieder nichts (das gewissen) (1805) I 45, 29 W.; die kleine närrin möchte mit jedem durch die welt laufen, für nichts und wieder nichts (1820) ebda 24, 136; es ist doch beim licht betrachtet eine wahre eselei, sich für nichts und wieder nichts mit anderer leute frazzen so ein kreuz auf den hals zu binden erz. schr. (1864) 1, 18; er hat mich ausgezankt für nischt un wieder nischt obersächs. 2, 665a. γ) vereinzelt bei wiederholten zahlenangaben: an einem tage, auf den sich tausend und wieder tausend eingesperrte stadtbewohner schon seit einem halben jahre vorher freuen, soll es nicht dicke bindfaden regnen erz. schr. (1861) 1, 3. dafür bei Göthe oft das ältere aber (vgl. teil 1, sp. 30), das in dieser verwendung bis in die gegenwart gebraucht wird: es waren hunderte und aber hunderte dreigroschenroman (1952) 281. δ) wieder selbst wird wiederholt: also ewer stets frischer muth ε) verbreitet immer wieder: dann wie ein reisender dem zwar zum ersten mal [Bd. 29, Sp. 892] man liest das buch immer wieder mit neuem vergnügen (1818) IV 29, 80 W.; eine allerdings arge unzukömmlichkeit, welche sie sich beim essen mit list oder gewalt immer wieder erlaubte ges. w. (1889) 4, 16; wenn man all so was weisz und sich immer wieder zu gemüte führt ges. w. (1905) I 5, 133; und dann, immer wieder, fallen alle herein (auf eine täuschung) geschw. Oppermann (1948) 189. ζ) wieder einmal und — seltener — umgekehrt einmal wieder: ich hab keine gröszere freude, als wenn ich wieder einmal in der zeitung lese, dasz eine armee gelaufen ist (geflohen vor dem feind) (1774) ges. schr. 1, 56 Tieck; da hast du (Zelter) nun einmal wieder deine liebe und neigung zu mir recht redlich und tüchtig abgestempelt (1818) IV 29, 89 W.; Maximilian hat mit dem treffenden geist, der ihm eigen ist, wieder einmal das nothwendige berührt und hervorgehoben s. w. (1867) 1, 129; Lene ... is ausgeflogen un hat mich 'mal wieder im stich gelassen ges. w. (1905) I 5, 119; willkommen! vater Ansorge, sieht man dich wider amal (in der schankstube) die weber (1895) 51. η) schon wieder: in kurzer zeit ritt der genesende schon wieder aus I 23, 72 W.; ich musz, um eure mattigkeit zu stählen, nun schon wieder d) wechseln subjekt oder umstandsbestimmung, dann drückt wieder neben wiederholung stärker übereinstimmung aus, 'auch, ebenfalls': haben wir nicht ... die stammhenne Gallina über dreissig eiern sitzen, werden diese nicht dreissig hühner werden, und kann nicht jedes wieder dreissig eier legen, welche es wieder ausbrütet zu dreissig hühnern ges. schr. (1852) 5, 20; ja, was sollten denn auch drei pfarrersbuben zunächst anderes werden als wieder pfarrer? die fahrt nach der alten urkunde (1909) 197. entbehrlich ist wieder, wenn auch daneben tritt: ein meister einer ländlichen schule 4) wohl mit rückgriff auf die bedeutungen '(ent)gegen' (A) und 'zurück' (B 1) steht wieder bei erwiderung und vergeltung meist mit gleichem oder ähnlichem. handlung und verhalten kehren dann gleichsam zurück: (cum facis prandium aut coenam, noli vocare amicos tuos, neque fratres tuos, neque cognatos, neque vicinos divites; ne forte et ipsi te) reinvitent uuidirigiladon (9. jh.) ahd. gl. 2, 172, 14 St.-S.; wil mir ieman sîne fröide borgen, swaz wir von ieman wolten gerne, gibt dir einer gtte wort [Bd. 29, Sp. 893] wer do schlehett, wirtt widder geschlagen (1520) ungedr. pred. 27 Buchwald; flugs den grundt ('grind, kopf') wider weg gehauen! sicut contigit generoso nobili hispano caesariensi, qui cum filiam hospitis transfixisset, statim capite truncatus est (1532) tischr. 2, 487 W.; ruff ich, rufft er mir wider (vom echo) (1649) nicht wahr? dem wesen, das es ist der heilige abend (der ehelose) kan niemand trincken zu, C. wieder gewinnt, namentlich in neuerer sprache, den charakter einer adversativen konjunktion im sinne von 'umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits'. vgl. im ahd. darawidere; z. b.: sînes (Christi) rîches freuuen sih die regenonten himela. ... aber darauuidere belge sih is seculum 2, 404 P. 1) unmittelbar neben ein agens tretend, stellt wieder im sinne 'seiner-, ihrer-, meinerseits, hingegen' dieses einem anderen in seinem tun gegenüber; der gedanke der erwiderung oder vergeltung (s. o. B 4) spielt dabei eine rolle (im gegensatz zu den belegen unten unter 2 d): Gâwân der ellens rîche der feind schieszt her, du wieder hin [Bd. 29, Sp. 894] 2) namentlich drückt wieder auch den reinen gegensatz (unterschied) aus. a) 'umgekehrt': (ein bote) der unserm homeister vom landkompthur von Potczen briefe brachte und wider unsers homeisters briefe ... ken Potczen den landkompthuren truck (1402) Marienburger tresslerb. 163 Joachim; es werden offt von gten vnd edlen vättern böse vnärtige kind vnd von bösen wider gte kind geborn Livius (1533) 5a. b) wieder steht für 'im gegenteil, hingegen, dagegen' (gern neben bald und dann): vnd er sant vnd rieff Balaam dem sun Beor daz er euch (Israeliten) fluchte; wann ('aber') ich (gott) wolt in nit hören, wann durch in wider (e contrario) gesegnet ich euch erste dt. bibel 4, 334 lit. ver.; hie gehts jhm wol, dort wider vbl die kappen ietzund so, dan wider so verwändt dasz wilde meer nun brauset, durch ihn (gott) wird uns das jahr c) insbesondere stellt wieder auch zwei gleichzeitig vorhandene entgegengesetzte seiten oder betrachtungsweisen ein und derselben sache einander gegenüber, 'andererseits': dem (Parzival) sî nu nâch dem grâle wê, doch nie so gar mich zehret [Bd. 29, Sp. 895] in meine hände kommt, so anzusehen, als ob ich damit belehnt worden sei, den acker, das pferd, ein kind. es ist mein eigen und wieder auch nicht mein eigen d. toten bl. jung (1953) 150. durch satzzeichen hervorgehoben: (Kleist) erschien zu spät ... es war unmöglich, dasz die deutsche kunst noch bei lebzeiten Goethe's jenen neuen stil hätte finden können, von dem Kleist träumte. und wieder: er kam zu früh, denn erst der bürgersinn, der realistische zug der gegenwart beginnt den kern dieses dichtergeistes zu verstehen hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 88. d) in seiner adversativen funktion verblaszt, leitet wieder lediglich von einem gegenstand der rede zum folgenden über, 'seiner-, ihrerseits': weil aber meine kindermagd noch bei mir gewesen, habe ich mich etwan mit einem arm gereget, hat sie wieder ein geschrei gemacht, ich lebete noch (2. hälfte d. 16. jhs.) denkw. (1878) 14; sein buch besteht aus zwey haupttheilen. ... jeder theil bestehet wieder aus fünf besonderen abschnitten (1755) 7, 3 L.-M.; den garten umgab er mit einer mauer, die wieder regelmäszige unterbrechungen mit eisengittern hatte s. w. 5, 1 (1908) 106. [Bd. 29, Sp. 896] repetere clavis ling. lat. (1716) 350b. mundartlich in der Schweiz: widerbellen, maulen; geleg. mit dat. pers.: einem seine reden zurückgeben, vorwürfe erwiedern schweiz. id. 1, 108. 1) etwas mit worten ausgedrücktes erneut sagen: nach seinem (des ehemannes) abgang fleisset si sich ein ware peicht einist im tag mit grosser rew ze widerefernn so pitterlich die leichten sünd als ander menschen die allersweresten beweinen offenbarung d. hl. Birgitte (1502) 7b; und anders, das ich von frids wegen nit wideräfren will (1523) dt. schr. 1, 168 Sch.; nun so ich frey beken vnd schrey vnd mit empsigen vnd widergeefferten worten mich bezeug ein christen sein chron. Germ. (1530) 310a; so aber die christen ... sollen gottis nit vergessen, sein wort handlen, widereffern vnd verkunden s. schr. 3, 238 ndr.; von welcher droben an einem andern ort weiter gesagt ist, darumb nit notwendig zu wideräfern spiegel d. gesundth. (1544) 74a; und mir entbotten ... namlich (damit ich dine wort wideräffri) dass eintweders du den tod wellist liden oder mir das leben und das rich nemmen (vor 1572) chron. Helvet. 1, 25; darum so wideräferen wir disz, dasz alle die so ausserhalb der natur wircken vnd arbeiten, selbs vnd auch betrieger sind Pandora (1588) 5. 2) eine handlung erneut vornehmen: wi ofte haben si in czornich gemacht mit irn sunden di si manich stunt wideræferten bei mhd. wb. 22; zu der zeyt jrer brunst kempffend sy vmb die schaaff ..., trettent ... von einander vnnd louffend dann mit grosser stärcke ... wider zsamen vnnd wideräferend es ein zeytlang, auss welcher vrsach jm one zweyfel der namm wider (widder) gäben ist Gesners thierb. (1563) 142. wiederbeleben: zu welcher zeit ... die Franzosen in Gallien sampt der alten wideräferten provinzischen zerbrochnen sprach mit einem groszen znemen angangen sind dt. hist. schr. 1, 39 Götzinger. 3) wieder in erinnerung bringen, das gedächtnis erneuern oder auffrischen; vgl. commemoro erzehlen, wideräferen, wider in gedechtnusz bringen XI ling. (1598) 276a: dise schendtliche gedechtnuss nicht wider zu äfferen, umbgehen die bäpste diese strass durch abweg und nebengassen S. Franck bei schwäb. 6, 767; also ist nun küng Karlimans sone Arnolphus gheiszen, damit man mit seinem namen die eerlich und loblich gedechtnuss des alten Arnulfs erhalte und wideräferte dt. hist. schr. 3, 151 G. eine sache erneut aufgreifen und zur sprache bringen, s. 4: dieweil auch gemelter probst zum creutz sampt seinem convent die sachen ... von neuem wider alle vertreg sich understehet z wideräfern und zu repetieren (Augsburg 1558) städtechron. 32, 325. 4) entsprechend äferen in der bedeutung 'widersprechen, tadeln, anfechten' usw. (vgl. schweiz. id. 1, 106f.; schwäb. 1, 106) findet sich auch wi(e)deräfer(e)n im gleichen sinne gebraucht: so got immerdar sie wideräferet und uns straf darumb auflegt (16. jh.) bei schwäb. 6, 767; so jemand dieses urtheil wiederäferte in: schweiz. id. 1, 108; weitere belege ebda 1, 107f. — [Bd. 29, Sp. 897] prolixitas detineret); hie wirdt ein wider äferung diser kurtzweil (szenische anweisung) Terenz (1539) 131b; noch mss ich ein kleins anhänglein machen auff deinen epilogum, schlussred vnd widereferung deines gantzen wercks antipap. eins u. hundert (1567) 6, 249a; es ist aber auch dise epistel ein widerholung oder wideräfferung desz, so zvor gesagt worden hist. d. martyrer (1571) 153a. zu wi(e)deräfer(e)n 4: des antwurt ... inen ... geben mit wideräferung und andung irs erpiethens, das uns nichtzit liebers dann das streng recht were (1514) bei schwäb. 6, 767. ohne wideräferung ohne widerspruch: er hat sein letztes ohne wideräferung auf sich genommen in: schweiz. id. 1, 108.
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| © 1998—2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||