| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
wie bis wied (Bd. 29, Sp. 1448 bis 1498) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
wie, adv. wiebald, konj. wiebel, m. wiebeln, vb. wiebeln, vb. wiech, adj. wieche, m., f. wieke, weiche, wiche, wicke, m., f. wiechen, vb. wieken, weichen, wicken, vb. wiechengarn, n. wichen-, wickegarn, n. wiechlein wicklein wied, m. wiedband, n. wiedenband, n. wied(e)(n)baum, m. wiedbein, n. wiede, f. wiedehopf, m. wiedehopfauge, n. wiedehopfenblut, n. wiedehopfsfeder, f. wiedehopfsherz, n. wiedehopfenkraut, n. wiedehopf(en)nest, n. wiedehopfenstein, m. wiedel, m., n. wiedelsilber, n. wiedemacher, m. wieden, adj. wieden, vb. wieden, vb. wiedenschwert, n. wiede(n)tonne, f. wiedenzäh, adj. wieder, adv. wieder- wiedewal, m. wittewal, m. wiedewalch wiedewald wiedewinde, f. wiedfest, adj. wiedholz, n. wiedmen, vb. wiedring, m. wied(en)sauer, adj. wied(en)schlinge, f. wied(en)schneiden, n. wied(en)stock, m. wiedweich, adj. wief, adj. wiff, adj. wiefe, f. wiffe, f. wiefel wiefel, m. wiefeln, vb. wiefeln, vb. wiebeln, wübeln, wif(f)eln, vb. wiefelwerk, n. wiefling wif(e)ling wieflingjacke, f. wieflingkittel, m. wieflingrock, m. wiefern, adv. wiegand, m. wiegatzen, vb. wiegetzen, vb. wiegbar, adj. wiege, f. wiegebalken, m. wiegegang, m. wiegegeld, n. wiegehaus, n. wiegeisen, n. wiegeln, vb. wiegeln, vb. wiegemesser wiegen wiegen, sw. vb. wiegenangebinde, n. wiegenartig, adj. wiegenband, n. wiegenbank, f. wiegenbett, n. wiegenbettchen, n. wiegenbettlein, n. wiegenbrett, n. wiegendecke, f. wiegendruck, m. wiegeneingebinde, n. wiegenfest, n. wiegenfusz, m. wiegengabe, f. wiegengeld, n. wiegengesang, m. | dem nhd. wie, seinen mundartlichen und auszerdeutschen varianten liegen drei verschiedene urgerm. formen zugrunde: 1. *hwē (instr. zu idg. *qo-), 2. damit ablautendes * hwō und 3. eine in got. hwaiwa erhaltene form. zur (geographischen) verteilung und deutung der ahd., as., anfrk. (mnl.), ags. und afries. formen s. in PBB 76, 410 ff. eine übersicht über den heutigen geltungsbereich der formen hd. wie, nd. wo, wu und nl. (fries.) hoe bietet Frings grundlegung (31957) auf karte 50 (dazu s. 51 f.). bemerkungen über die hist. grundlagen dieser verteilung ebda. s. 54 f. anz. f. dt. altertum 22, 92—95 teilt F. Wrede mit, was die umfrage des dt. sprachatlas für wie- in wieviel erbracht hat. als ergänzung der karte bei Frings kann hier besonders die beschreibung der grenze zwischen den obd. formen mit diphthong und den md. monophthongierten formen dienen. die (mundarten) wörterbücher und -grammatiken zeigen für das simplex wie, nd. wo usw. folgendes bild. 1) die got. hwaiwa und hwē entsprechenden (meist) hd. formen. zu ahd. huuē (got. hwē) s. u. unter a. got. hwaiwa ist vermutlich instrumental eines kompositums *ko-oio- 'welchen gang habend' (= gr. ποῖος), s. z. gesch. d. lat. eigenn. 435, anm. 3; andere deutungen bei vgl. wb. d. got. spr. 3281a. a) frühahd. (h)wēo verkürzt sein ē und wird einsilbig: (h)weo; daraus wio > wie; vgl. ahd. gr. § 43 anm. 6. hueo auch einmal im Heliand 4652 (M) Sievers; uuieo in Notkers psalmen; vgl. dazu in hss. des 11. jhs. uuieo ahd. gl. 2, 69, 30 St.-S. und uui ebda 543, 15. dagegen kann die in frühen ahd. denkmälern begegnende form (h)uue (im abrogans Pa uue, R hue ahd. gl. 1, 152, [Bd. 29, Sp. 1449] 24; 85, 36; 153, 22, 25; huue Monseer fragm. 4, 25 Hench; uue exhortatio A kl. ahd. sprachd. 50, 28 [gegen (h)uueo in B und an andern stellen in A] und St. Emmeraner gebet ebda 310, 12; hwe lex Salica ebd. 55, 5; veso [9. jh.] ahd. gl. 2, 144, 37) nicht aus huuēo entstanden sein, wie von ahd. gr. § 43 anm. 6 vermutet wird, da sonst (in leo, seo, sneo, speo) auslautendes o nach ē erst in der zweiten hälfte des 9. jhs. schwindet (Braune-M. § 108, anm. 2); vielmehr ist ihr e, wie die diphthongierten formen uuea lange (9. jh.) ahd. gl. 4, 16, 59, uuia lange ebda 1, 409, 4, huuialihhii, uuealihnissi 'qualitas', uueamihili 'quantitas' Benediktinerregel in: kl. ahd. sprachd. 201, 20. 260, 1. 220, 28, so uuie so altbair. beichte ebd. 309, 6, uuielihan muspilli 66 ebda 69 und andere frühe formen mit ie zeigen, ē2 ( zs. f. dt. altertum 40, 20) und ahd. huuē identisch mit dem got. instrumental hwē 'womit' und an. hvē 'wie, weshalb' ( aisl. elementarb. § 463). seitdem im 10. jh. eo allgemein zu ie geworden ist, sind huuē und huuēo zusammengefallen. b) mhd.-nhd. wie hat die alte diphthongische lautung im obd. verbreitet beibehalten. die mundartenwbb. u. -grammatiken zeigen für das schweizerdt., oberelsäss. u. schwäb. die form wiə, woneben schwachtonige wĭ, wĕ mit reduziertem vokal stehen. auch im bair.-österr. gilt verbreitet wiə, daneben wia, so in Niederösterreich und Kärnten (s. auch wia des Laufener Adam- und Eva-spiels in: volksschausp. 48, 250 Hartmann), womit in Graubünden und Uri wiæ (æ ist hd. hellem a ähnlich) zu vergleichen ist. gerundete form wüə verzeichnet Südvorarlberg und Liechtenstein 135 und 220. c) im oberpfälzischen gilt dagegen die form wei mit zwielaut eï (< mhd. ie), dessen hauptton auf dem i liegt; das e ist geschlossen bair. gramm. 84; über alter und ursachen dieser erscheinung vgl. lautgeogr. d. gesamtbair. dialektraumes, einleitung 32. wøi (in unbetonter stellung wi, wy) Nürnberger ma. 112; wöi satzbau d. Egerländer ma. 57; im Schönhengstgau wai d. nordmähr. maa. 96; wei am Frankenwald, s. Vogtland § 8, 11. im westmd.: wëi oberhess. 912; wei wb. d. luxemb. ma. 479a; moselfrk. wei, wäi vergl. wb. 241a; entsprechend siebenbürgisch wâi, wi ebda; örtlich wéï neben fast allgemeinem wî Lothr. 541a. d) sonst gilt im md. und nach süden bis ins Unterelsasz allgemein die monophthongierte form wī, woneben bei schwächerer betonung wĭ stehen kann, z. b. im unterelsäss.: 'wi, bei energischer betonung wī' elsäss. 2, 778a. im nordwesten ist wie bis ins limburgische und gegen Cleve vorgedrungen, in auseinandersetzung mit nl. hoe, das nach in: kulturströmungen u. kulturprovinzen i. d. Rheinlanden (1926) 110 einst über das nl. hinaus im lande 'abwärts Köln' gebraucht wurde; näheres über ndrhein.-ostnl. formen ebda 110—112 (mit karte), PBB 76, 414 anm. und bei W. Roukens wort- u. sachgeogr. in Niederländ.-Limburg u. d. benachb. gebieten teil I A 393—96 und 398—400, teil I B karten 85, 87 und 88. e) md. wē begegnet örtlich im schlesischen; s. dialektforschung 35 (hier auch hinweise auf andere — bes. md. — mundarten); örtlich wē, sonst allg. wī Siegerländer wb. 312a; we Tonnar u. Eupen 226. im älteren md. war wē offenbar stärker in gebrauch; neuer köln. sprachschatz 3, 278a beschreibt den vorgang der in der 2. hälfte d. 15. jhs. beginnenden ablösung des altköln. wē durch schriftsprachliches wie. mhd. belege für md. wê in mhd. wb. 3, 571b und bei 3, 876; ferner s. (Köln um 1280) städtechron. 12, 25 u. ö.; (1396) hess. urkunden 1. nr. 1250 Baur. zum lautlichen s. mhd. elementarbuch (1921) § 96, anm. 3 und frühnhd. gr. 1, § 81, 4. nachweise für mnd. wē < as. hweo bei nd. forschgn 1, 182. f) mit übergang w- > b-. md.: bī niederhess. wb. 263b; bî (Weiler) Lothr. 541a; bi (Zips) wb. d. ungrischen berglandes 35b. obd.: im ausruf [Bd. 29, Sp. 1450] a bia! 'ey wie' (1787) schwäb. 6, 806; bie Gottschee § 123; vgl. Gottschee 29; bia cimbr. wb. 111a; wia (bia) Lusern 228; zur lautung ebda 161, Lusern § 18 und zimbr. sprachreste 1, 111 (§ 12). für den übergang w- > b- in was und wo s. anz. f. dt. altert. 19, 98 und 21, 156. 2) die aus germ. *hwō entstandenen formen. über mundartl. entsprechungen einer form hwa, die zufrühest im Heliand (M) als huua belegt ist, s. a. a. o. 213. über das verhältnis der -û-formen zu denen auf -ô (z. b. afries. hû neben hô) s. etymol. wb. d. nederlandsche taal 254a (s. v. hoe). a) die formen mit erhaltenem w-. die as. hauptform ist hwō (im ahd. [frk.] entspricht wuo, oft im Tatian; s. PBB 39, 254); mnd. wô, wu, diesen wechsel leitet mnd. gr. § 163 aus den betonungsverhältnissen her. in den heutigen nd. mundarten verbreitet wō, daneben wu: wō, wu schlesw.-holst. 5, 676 und 731; wo, wu Oldenburg 133 und altmärk. wb. 249a. über west- (ost-)fäl. ō > ū nach w (wū und jüngere diphthongierte formen) s. näheres bei nd. forschungen 1, 201 und 212/13; ebda auch bemerkungen über formalen zusammenfall bzw. unterscheidung von altem hwâr 'wo' und hwô 'wie' im nd.; vgl. unten teil 14, 2, sp. 909 (s. v. wo I A 3 c). für das mecklenburgische beschreibt in: nd. jahrb. 82 (1959) 231 den historischen prozesz der ablösung des wô 'wie' durch wor (< mnd. wâr 'wo'), weiterentwickelt zu wur (wua), das nun beide bedeutungen, 'wo' und 'wie', auf sich vereinigt. md. wo 'wie' (z. b. woso?) bei obersächs. 2, 676a; ferner: mustu wol drauff sehen, wo weit die freyheit und deine liebe sich strecke 26, 582 W.; wo kenn ich seine treu, wenn er sie nicht beweist? b) h-anlautende formen mit geschwundenem w: anfrk. huo, mnl. hoe, hū, nl. hoe; as. huo (Cottonianus), hū (Vaticanus) (im heutigen nd. allgemein formen mit erhaltenem w, s. oben); ags. hu, engl. how; anord. hū, hō gesch. d. nord. spr. § 209, 5; afries. hū (altwestfries. auch hō, s. afries. wb. 829); nfries. (schriftsprachl.) hoe frysk wurdboek 1, 178; verbreitet mit gekürztem vokal; westfries.: ho friesch wb. 1, 528a; nordfries.: ho Helgoland 232b; fries. spr. 131; h Mohringer ma. § 159; hy (y ist ein offener ü-laut) Karrharde § 142; Amrum und Föhr hü nordfries. 62b; auf Sylt ist hü nur in dem kompositum hüwel 'wiewohl, obgleich' noch gebräuchlich; im übrigen aber ist dafür allgemein hur (eigentlich 'wo') eingetreten; s. Sylt 119 und 121b. — fürs ostfriesische verzeichnen die wörterbücher vokalische kürze neben länge und (nd.) w-anlautende form neben h-anlautender: ho, hô, auch wo, wô 2, 89b und 3, 567a; wo (im westen ho) 334a. bedeutung und gebrauch. vom beginn der germ. bezeugung bis heute ist wie als frageadverb (I) gebräuchlich. in dieser funktion bezieht es sich (das gilt bereits für got. hwaiwa) auf art und weise, grund oder grad und ausmasz eines geschehens usw., meist satzeinleitend (in direkten und indirekten fragen sowie in ausrufen, I A). einen sondergebrauch stellt die aus den abhängigen fragesätzen der art und weise entstandene konjunktionale verwendung im sinne von 'dasz' dar, die im deutschen seit den ältesten zeugnissen sicher zu belegen ist (seit dem mhd. auch in der verbindung wie dasz) und noch im 19. jh. ganz gebräuchlich war (A 1 e). aus der verwendung in sätzen ergab sich der seit dem ahd. oft bezeugte, nicht satzeinleitende (absolute) gebrauch des interrogativen wie (I B) durch fortfall entbehrlicher redeteile (ellipse). von dieser herleitung ist natürlich das vorwiegend in neuerer sprache (seit dem 18. jh.) belegte substantiv wie, n. 'art und weise' (B 4) auszunehmen. [Bd. 29, Sp. 1451] vorweggenommen sei der unten nicht mehr zur sprache kommende gebrauch des interrogativen wie in präpositionalen wendungen. vereinzelt (früh)ahd.: in huueo quomodo, exhortatio in: kl. ahd. sprachdenkm. 50 Steinm., neben in hiu (instr.) in quo Tatian 24, 2; 62, 4. mhd. umb wie 'weshalb': (gott) hatt unser pehalten hie: ... ze sagen von wie vnd wiu (15. jh.) liederbuch der Hätzlerin 267a Haltaus. zu wie 'wozu': ward mancher rat gegeben, zu wie ers brauchen solt (ca. 1533) s. w. 4, 347; 358 bayer. akad. s. dazu in gleicher verwendung ahd. mit, vona, zi uuiu und weitere präpositionale fügungen mit dem instrumental des fragepronomens was bei ahd. präpositionen (1824) 285; die entsprechenden mhd. verbindungen umbe wiu usw. in mhd. wb. 3, 567a; mit, umb, von, ze weu bei bayer. 2, 826. zusammenstellungen von präpositionen im verbindung mit (vornehmlich orts- und zeit-) adverbien bei dt. gramm. 4, § 309 und dt. syntax. 2, § 547. — wie bei wo teil 14, 2, sp. 910, wann teil 13, sp. 1880f. und wer, was teil 14, 1, 2 sp. 76 und 103 ff. findet sich bei wie indefiniter gebrauch ('irgendwie'); schon got. hwaiwa in dieser verwendung: andbahti mein mikilja, ei hwaiwa (εἴπως, vulg.: si quomodo) in aljana briggau leik mein Römer 11, 14; ebenso Philipper 3, 11. im deutschen bleibt sie ganz vereinzelt und auf die ältere sprache beschränkt, neben dem gebräuchlicheren et(s)wie teil 3, sp. 1180 und 1187; vgl. mhd. wb. 3, 573b (s. v. wie 5): Sophar gotlichis urteil hy seit dem mhd. werden neue verwendungsweisen deutlich faszbar, die z. t. bis in die sprache der gegenwart kontinuierlich bezeugt sind. war wie in verallgemeinernder konzessiver und vergleichender verwendung bisher in verbindung mit so (ahd. so wio [so], mhd. swie 'wie immer', 'obgleich', 'so wie') gebräuchlich, so verselbständigt es sich jetzt in diesem sinne (II und III A). der gebrauch ist noch heute lebendig; nur in der konzessiven bedeutung 'quamquam' (II 2 c) ist wie den konkurrenten wiewohl, obwohl, obgleich usw. erlegen (vgl. auch den in neuerer sprache gebräuchlicheren typ so gern ich auch wollte, neben wie gern ... unter II 2 b). als einleitung hypothetischer vergleichssätze im sinne von 'als wenn', 'als ob' (seit dem mhd., neben als und sam) bleibt wie nicht über das frühnhd. hinaus gebräuchlich; in neuerer sprache gilt wie wenn (III B 1), doch vorwiegend im realen vergleich (mit indikativischem vergleichssatz). andere neuerungen ergeben sich erst im frühnhd. vergleichendes wie wird im gegensatz zum mhd. gebrauch nicht mehr ausschlieszlich satzeinleitend (III A 1 und B 1), sondern auch vor satzgliedern (III A 2 und B 2), nicht mehr nur beim vergleich der gleichheit, sondern auch bei dem der ungleichheit (nach komparativ usw., III A 3) verwendet; seine häufigkeit im gebrauch erhöht sich dadurch bedeutend, zugleich wird es mit als synonym (über das verhältnis von wie und als s. unten III A). andererseits verblaszt frühnhd. (in vielen belegen) die vergleichende bedeutung, wodurch wie den charakter einer beiordnenden konjunktion annimmt (III C), in der satzanknüpfung gelegentlich ins [Bd. 29, Sp. 1452] kausale überspielend, oft weiterführend, erläuternd, verallgemeinernd; so gern in der verbindung wie denn, sp. 1489. gleichfalls seit dem frühnhd. begegnet wie als temporale konjunktion (IV), beschränkt sich jedoch in dieser verwendung auf die umgangssprachlich-mundartliche ebene (wenngleich die literatur sich ihm nicht verschlieszt), während die konkurrenten (da, als, sobald und andere) der hochsprache zugehören. die anzahl der kompositionen mit wie ist begrenzt und in gewissem grade durch orthographische gesichtspunkte bedingt (vgl. wieviel, aber wie viele). wie steht dann meist als erstes kompositionsglied, seltener als zweites (vgl. gleichwie, irgendwie, sonstwie). heute gebräuchlich sind in erster linie wieso, wieviel, wiewohl. mit wiefern und wieweit konkurrieren inwiefern und in wieweit, der gebrauch von wiebald, wielange und wienach reicht nicht über das 18. jh. hinaus. wielichkeit und wiegetan gehen bereits in frühnhd. zeit unter. I. als interrogativum. A. einen satz einleitend. 1) nach der art und weise eines geschehens, verhaltens, zustands fragend, entsprechend lat. quomodo, qualiter, qualis. a) in direkter frage, die an ein gegenüber gerichtet ist; gotisch: qaþ þan Mariam du þamma aggilau: hwaiwa sijai þata? (πῶς ἔσται τοῦτο) Lukas 1, 34 (Luther: wie sol das zugehen?). im deutschen: 'wio mag ther man', quad, 'thuruh notqueman avur widorort wie sît ir selbe genant? wie sciet ûz dem strîtemîn bruoder Gêrnôt? der Nibelunge nôt 226, 1 Bartsch; mein dochter, wie gehabstu dich? (1554) so sage denn: wie sieht's am himmel aus? mein junge, sprich, wie ist dir jetzt? si ueilsceden golt unde pellin. α) wie geht's, wie steht's als frage nach dem persönlichen befinden oder einer sachlage; so noch heute allgemein (vgl. z. b. elsäss. 2, 778a): und sage mir ouch, wie stêt ez dir (Sigune)? (Pa.:) wie gehts? (Pe.:) die weile ist mir nicht lang (1582) wie geht's dem feuerwerker? [Bd. 29, Sp. 1453] mit präpositionaler fügung: (Sigune) sprach 'ir sîtz hêr Parzivâl. β) wie ist mir (denn)? 'entsinne ich mich recht?' 'ist mein eindruck richtig?' vgl. im aussagesatz es ist mir so 'ich habe eine vorstellung, erinnerung, einen eindruck solcher art'; s. teil 10, 1, sp. 1343: wie ist mir? hör' ich dich nicht schon? γ) wie wäre es? (frühnhd. auch wie wäre ihm?) die frage nimmt in den belegen auch den charakter einer aufforderung, ermunterung an. mit folgendem hauptsatz: nun Krist, wie wär' es? wir müssen wohl einheizen ges. w. (1905) I 1, 5. meist mit konditionalem nebensatz: wie wärs, es gieng einer zum Fritzen? (1548) ir nachtpawrn, ich thw ains pedencken: vnd wie? wan er dan eben b) einen gut bezeugten sonderfall stellt die (rhetorische) frage nach einem dem fragenden nur scheinbar unbekannten sachverhalt dar. die antwort wird vom sprecher (schreiber) selbst gegeben (s. auch den nahestehenden typ der ausrufesätze unter d): huueo (qualiter) ist in Salomone zi firstandanne dhazs sus chiquhedan uuardh? Isidor 38, 7 Hench; vuieo chit diû scrift? in semine tuo benedicentur omnes gentes 2, 210 P. u. ö.; er hât niht wol getrunken, der sich übertrinket. [Bd. 29, Sp. 1454] benevolentiae, wenn der dichter damit die verlegenheit zum ausdruck bringen will, in die er angesichts seiner schwierigen aufgabe gekommen sei: wie aber loben wir dein reich, wie soll ich unsern Karl besingen, c) einen indirekten fragesatz einleitend. α) der wie-satz ist abhängig von verben des fragens, erfahrens, wissens, sinnens, mitteilens usw.: ei witeiþ hwaiwa (πῶς) skuleiþ ainhwarjammeh andhafjan Kol. 4, 6 (Luther: das jr wisset, wie jr einem jglichen antworten sollet); s. auch Markus 5, 16 und Lukas 5, 19; tho frageta ther guato man,wio thaz io mohti werdan wîe mir ist gescehen, wiez dar nâch ergienge, dô dâhte ich mir vil ange, hierhin rechnen auch die kurzformen von titeln und kapitelüberschriften: de conpositione homicidii hwe man weragelt gelte (ostfrk., nach 802) kl. ahd. sprachdenkm. 55, 5 Steinm.; wie sich keisser Lodewigk zu Franckinfort ketzereie entschuldigete (1421) dür. chron. 571 Liliencron; wie die Hochteütschen ain grosse niderlag bei Nicea erliten Zimmer. chron. 21, 90 Barack; Springinsfeld herkunfft, und wie er anfangs in krieg kommen 2, 7 Keller. β) der wie-satz steht ebenso nach substantiven dieser art: nist thes gisceid noh giwant,wio er (Christus) girret thaz lant, alrêrst gêt mir angest zuo, [Bd. 29, Sp. 1455] γ) er dient nicht selten zur näheren erläuterung eines im hauptsatz bereits genannten (allgemeinen) begriffes: 'ir hortut', quad, 'thaz ungimach,wio er widar gote sprah' so erkande ich wol die fuoge, δ) einen abweichenden satztyp stellen die konstruktionen dar, in denen das objekt des hauptsatzes durch ein pronomen im fragesatz wieder aufgenommen wird: thoh mag man wizan thiu jar,wio man siu zelit thar schouwet an den walt wier niuwes loubes rîchet d) in ausrufesätzen. die wortstellung entspricht bald der direkten, bald der indirekten frage: sô wê dir, tiuschiu zunge, zâhiu wiech danne sunge von den vogellînen, wie im morgenglanze e) wie als konjunktion im sinne von 'dasz' ergibt sich aus dem gebrauch in indirekten fragesätzen der art und weise. diese verwendung beginnt sich bereits in zeugnissen für gotisch hwaiwa als übersetzung des griech. ὡς = 'dasz' abzuzeichnen; vgl. Lukas 8, 47. fürs ahd. ist der gebrauch gesichert. seit dem mhd. finden sich zeugnisse in groszer anzahl, vgl. dt. syntax. 3, 349 (mit erklärung dieses übergangs), dt. satzbau 32, 397 f. und besonders dt. gramm. 4, 187 f. zu den von a. a. o. angeführten ahd. belegen vgl. noch Isidor 13, 18; IV 15, 37; 6, 37 u. 39; 1, 731 P. aus den belegen späterer zeit genüge hier eine auswahl (s. auch mhd. wb. 3, 573a): under disen worten ich sag iu wie ich in (den riesen) bestê [Bd. 29, Sp. 1456] das mir mein sün ... geschriben hat, wye er sich yeczund zü priesterleicher wirdikchait weyhen wel (1434) bei privatbr. d. mittelalters 2, 139; einer, der mer vleys legt auff den schuch, wie er im schon vnd glate anligt, dann auff den fusz, wie in der schuch nit drucket dt. schr. 1, 23 Herrmann, hier, wie vereinzelt auch mhd. (s. etwa Iwein 3042), mit einer wendung ins finale; eins nachtes traumet mir gar schwer, o mein monarch, ich darf es dir nicht sagen, dialektisch vereinzelt (nach negation) 'ob': ich weiss nit, wie-d-er hint noch kommt (Hochfelden) elsäss. 2, 778b. gleichbedeutendes wo, namentlich im bair.-österr., s. teil 14, 2, sp. 920; dort auch belege für (m)nd. wo (= hd. wie) 'ob'. in der zufügung von dasz zu satzeinleitendem wie, die seit mhd. zeit bis in das 19. jh. neben ganz üblichem einfachen wie und dasz erscheint, verrät sich vermutlich unsicherheit des sprachgefühls. s. auch die belege und die erklärung oben teil 2, sp. 824 f. und dt. gramm. 4, 188: ouch sprach die seldenriche (d. hl. Elisabeth) das haut Ysayas als gesait [Bd. 29, Sp. 1457] mein lieb, das ligt all in dem hag, ich (der papst) hab das nächst vergangen jar wiederholt dient der durch wie (dasz) eingeleitete satz zur ergänzung, erläuterung, ausführung des objekts (subjekts) des übergeordneten satzes; s. auch oben Konrad v. Helmsdorf, Chr. Weise und Tieck: er zalta ouh bilidi ander,thaz sie sih warnetin thiu mer: er las daz selbe mære, ain böse botschafft wurd gesant die zyhend mich einr bösen sach, sie hetten bey sich die gedancken, 2) nach der erklärung für ein verhalten, geschehen oder eine sachlage fragend. a) in direkter frage im sinne von 'wie geht es zu, wie kommt es, dasz ...', 'weshalb, wieso'; so auch gr. πῶς, dem das wort im gotischen entspricht: hwaiwa þiudos baideis iudaiwiskon? (πῶς τὰ ἔθνη ἀναγκάζεις ἰουδαζειν;) Galater 2, 14 (Luther: warumb zwingestu denn die heiden jüdisch zu leben?). deutsche zeugnisse: uueo (quomodo) thu mit thiu iudeisg bis trinkan fon mir bitis, mit thiu bin uuib samaritanisg? Tatian 87, 2 Sievers; cur uersat lubrica fortuna tantas uices? ... uuîo ist taz sô, daz fortuna trîbet sô unrehten uuehsal? 1, 39 P.; er sprach: 'geselle, wie redestu sô?' (Gawan) sprach ir (Orgeluse) trûreclîchen nâch wie schweygstu also gar still nu? altdt. passionsspiele aus Tirol 98 Wackernell; Philippe, wer mich sihet, der sihet den vater, wie sprichstu denn (πῶς σὺ λέγεις), zeige vns den vater? Joh. 14, 9; Eli, rief Jesus, gott, mein gott. es riecht nach frühling, und das wundert dich. [Bd. 29, Sp. 1458] elliptisch: (grammatik zur poesie:) wie konntest du (in Klopstocks grammatischen gesprächen auftreten)? in: Athenäum (1798) 1, 4. α) besonders ist hervorzuheben wie kommt (es), dasz ...: wie kumet daz ir (der ärzte) deheines list wie kumt daz ich sô wol verstân wie kumbts dz ich so traurig bin? wie kommt es denn, sprichstu, dass Jupiter so schweiget, wie kommt's, dasz du so traurig bist, β) in verkürzter ausdrucksweise. αα) aus sätzen des typs: wie ist dann dem, das sie (die sense des todes) mer distel dann guter blumen ... vnuerseret lesset beleiben? ackermann aus Böhmen 17, 9 Bernt-Burdach entsteht durch verkürzung wie (dem), dasz ... im sinne von 'wie kommt es, dasz ...': do sprach aber der haiden: wie dem, das du den poten deines gottes nicht mer eeren erpeutest? bayer. chron. 115 Spiller; wie das euch got den baum verbot, wie, dasz du (Christus) im stalle liegest o du, so ruft er aus, wenn du die liebe bist, ββ) frühnhd. wie dem? vgl. oben unter αα den Füetrer- beleg: da liesz der pfaff ein grossen furtz dz es vber die kirchen erhalt. da sprach Vlenspiegel herr wie dem, opffern ir das vnserm herren für weyrauch hie vor dem altar? (1515) Till Eulenspiegel 17 ndr.; die zween titel gehören eigentlich Christo zu, das er ist beyde: ein könig der gerechtickeit und des frieds, wie dem? so haben wir gesagt: gerechtickeit ist die uns gott gibt ym hertzen ... so ist Christus ein könig der gerechtickeit 24, 282 W.; da das der mann vernam, aller erschrack und sprach: 'wie dem, liebs weib?' schwankb. 76 lit. ver. bis in die gegenwartssprache wie das?: vt quid? wie das? dict. (1556) 1416a; (Anselmo:) ... niemand sollte mich bedauern. (Ugolino:) wie das? Ugolino 218 H. zusammen mit synonymem warum?, um der frage mehr nachdruck zu verleihen: und bin auf den doch launisch, [Bd. 29, Sp. 1459] γγ) mit so und partizip oder adjektiv: wie so erschrocken? haben sie sich vielleicht alterirt? (2. hälfte d. 17. jhs.) schausp. d. engl. comöd. 156 Creizenach, d. h. 'wie kommt es, dasz sie so erschrocken sind?' entsprechende belege finden sich bis zum ende des 18. jhs.: willkomm herr Melampus, wie so melancholisch? Judas (1687) 1, 311; wie so still, Anselmo? Ugolino 256 H.; was hast du, meine tochter, b) in abhängiger frage; nach den verben wissen, fragen, sagen usw.; gotisch: iþ hwaiwa nu saihwiþ ni witum (πῶς δὲ νῦν βλέπει οὐκ οἴδαμεν) Joh. 9, 21. deutsche zeugnisse: tho fragetun thie furistonjoh thie hereston, und dô si alsô swigen sagt, wie schon am zweiten tage 'mich nimet des michel wunder', sprach dô Sîfrit, verwundert sich wies mög behendt öffnet sie die augen, meine gute, wie nur dem kopf nicht alle hoffnung schwindet, c) oft ist in der frage die antwort bereits mit enthalten (rhetorische frage). α) der fragesatz entspricht daher inhaltlich einem aussagesatz (ausrufesatz), der eingeleitet wird durch fügungen wie keineswegs, schwerlich kann es dazu kommen, kann es geschehen oder sein, dasz ..., es ist unmöglich, dasz ...; so schon gotisch: iþ jabai hwas seinamma garda fauragaggan ni mag, hwaiwa (πῶς) aikklesjon gudis gakaroþ? 1. Tim. 3, 5. deutsche zeugnisse: natrun natrono knosles, hueo (quomodo) fleohet ir fona demo urteile dera quala? (Matth. 23, 33) Monseer fragm. 18, 14 Hench; [Bd. 29, Sp. 1460] 'wie het ich daz verdienet',sprach Gunther der degen, als dieser tagen erst der Buckel Hans genommen ich lasse mich nicht irre schrein, β) oft in verbindung mit modalen hilfsverben; wie mag, kann, möchte, könnte im sinne von 'keineswegs, schwerlich kann, könnte'; gotisch: hwaiwa (πῶς) mag satanas satanan uswairpan? Markus 3, 23. im deutschen: wio mag sin mera wuntar,thanne in theru ist thiu nan bar, wiste si den willen mîn, wie möcht mir denn yetz basz gesein! (1543) glaubet nimmermehr, wie kan es anders seyn, da beyde sich so gleich? sein auge will, wie kann es anders seyn? entsprechend in der fügung wie will, wollte 'keineswegs kann, könnte': o sprach er, mag ich das nit erlyden, wie wolt ich dann erlyden die aller grüselichst pyn der hellen bilgersch. (1512) B 3c; erberm es got das ein vngelerter, eergytiger, lusiger münch das gantz römisch reich regieren sol, wie will vnss immer hayl geschähen sämtl. schr. 1, 11 ndr.; wie wolt da ein fewr angehen, da nicht ein füncklein zu finden floril. polit. (1662) 1, 170; schweig, lästrer! ungerächt hört gott sich nicht verschmähn, γ) wie soll, sollte ..., in demselben sinne wie die fügungen unter β gebraucht: vuiêo sol ih anderen geben drôst resurgendi, ube ih selbo sâr neirstân? 2, 94 P.; [Bd. 29, Sp. 1461] wie solt ich den geminnen der mir übele tuot? wie sollen dir itzt die starkmüthigen herr! mit kindlichem vertrauen δ) die verneinte frage wie sollte nicht ...? entspricht einem positiven aussagesatz, der etwa eingeleitet wird durch natürlich, selbstverständlich muszte (muszten) ...: also wie solten menschlich sachen, 3) häufig deutet wie auf grad oder ausmasz; dabei hat es oft steigernde funktion im sinne von 'wie sehr'. dieser steigernde gebrauch bleibt der direkten frage fremd, findet sich jedoch regelmäszig im ausruf und oft in abhängiger frage (aussage); so schon gotisch: sai, hwaiwa frioda ina (ἴδε πῶς ἐφίλει αὐτόν) Joh. 11, 36; ... jah guþ, hwaiwa weihaba jah garaihtaba jah unfairinodaba izwis ... wesum (ὡς ὁσίως καὶ δικαίως καὶ ἀμέμπτως ὑμῖν ... ἐγενήθημεν) 1. Thess. 2, 10 (Luther: des seid jr zeuge vnd gott, wie heilig vnd gerecht vnd vnstrefflich wir bey euch ... gewesen sind). die steigernde funktion zeigt sich neben den verschiedenen wortarten in sehr verschiedenem masze. a) sie wird neben einem verbum verhältnismäszig selten sichtbar: tho ahtotun thie liutiwio er nan minnoti armman zuo der werlte und wider got, ... wenn wirs auch dem ritter klagten [Bd. 29, Sp. 1462] seele des menschen, wie schmerzt mich alles! mein kopf die negation ändert nicht den positiven charakter der aussage: wie wolt ich nicht die laute zwingen, allein wie stutzt er nicht, als er den gott erblickt! b) dagegen hat wie vor einem mit attribut verbundenen substantiv meist steigernde funktion. α) besondere hervorhebung verdient die in frage und ausruf begegnende verbindung wie ein vor substantiven mit adjektiv; vgl. DWB was für (ein) unter wer, was I B 2 b teil 14, 1, 2, sp. 99 f. und welch (ein) unter welch A 1 teil 14, 1, 1, sp. 1347 ff. in älterer sprache kann der unbestimmte artikel auch bei konkreten begriffen fehlen: quantus uvieluzil (zu: ecce quantus ignis quam magnam silvam incendit! Jacobus 3, 5) (um 1070) ahd. gl. 1, 785, 63 St.-S.; 'inti thu ni hortos hiar in lantefon themo heilante, hei wî grôz untrûwe daz was mit wie leichtem herzensregen sehen wie trureclich ein leben ouwê wie süeze ein arebeit! in der regel steht der artikel vor dem attribut: o kinder, wie ein edel frhtber ... leben wurt geborn in sterbende! pred. 121, 11 Vetter; o wye gar ain schwäre härbe frucht ist unkeuschait (1474) spiegel d. sitten (1511) C 4b; darauss leychtlich zu mercken ist, wie ein weysser man bock Emsser sey 7, 680 W.; o wie ein selige ehe unnd hausz were das (1520) ebda 6, 254; wie ist gott so ein reicher gott! ders., tischr. 5, 16 W.; wie eine schwere pilgramfart habt jhr vor eüch (1643) insomnis cura par. 23 ndr.; so sieht man erst wie ein armseliger behelf es ist Göthe I 19, 224 W.; wie hat der baum eine kalte rinde! ges. schr. (1891) 2, 224. erst in jüngerer sprache ist voranstellung des unbestimmten artikels üblich geworden: eine wie eitle matrone (ist sie)! zauberer v. Rom (1858) 4, 134; eine wie freundlich-eigenwillige ... macht ist der stil! zeit u. werk (1955) 479. [Bd. 29, Sp. 1463] β) bei pluralischem gebrauch fehlt der artikel: ich gedencke, wie gar geneme ... tage wir haben werden (1472) dt. schr. 1, 64 Herrmann; o wie gar ellende mutter sein sie gewest ...! (1472) ebda 1, 83; ja ihr glaubt nicht, wie er den huren so schöne kleider machen können (1669) Simpl. 118 Scholte; frommer gott! wie hätte Phöbus so beschabne kleider an γ) gleiches gilt von wie in verbindung mit den unbestimmten mengenadjektiven viel, wenig, manch: erwägen sie nun, wie viele erdensöhne man ... ihrer mutter zurückgab w. (1814) 1, 15; dann sag ich euch auch, in wie wenig tagen aus wie vielen elementen wie manic gâbe uns ist beschert wie ist so mancher bidermann wie manchem hat der krieg genommen ach ja, wie manches mal wie läszt du mich so manchen schmerz δ) auf die ältere sprache beschränkt bleibt ein aus der verwendung mit attribut (s.α) entwickelter gebrauch ohne adjektiv; zufrühest in glossenhss. d. 11. jhs. für lat. quantus; s. ahd. gl. 2, 472, 66 und 659, 16 St.-S.; mein lieber Diocletian owê, welch (var. wie) ein scheiden dâ ergât sy werffends einandren vmb die köpff, [Bd. 29, Sp. 1464] wäre (qualis sit) dt. schr. 2, 44 Herrmann; so dorffte er auch nit fragen, wie es damit eine gestalt hette volksb. v. dr. Faust 50 Petsch; wie hat's eine gestalt? s. w. 2, 77 Schiebler; bisz ich zuvor sehe, wie desz grafen von Götz seine sach einen auszgang gewinnet (1669) Simpl. 369 Scholte. c) vor allem steht grad- und maszerfragendes (steigerndes) wie mit adverb oder prädikativem adjektiv. α) in direkter und indirekter frage: wio lango (quousque) so firdragen wirthaz thu unsih spenis sus zi thir? wie stæte ist ein dünnez îs, seht wie rôt mir ist der munt du gloubst nit, wie ich bin so arm (1548) denn ich seh in allen dingen, bedenk im ernst wie lange du gezaudert wie so bunt der kram gewesen, ihr seht, wie gnädig, mild und gütig das ich bin ( β) im ausruf. die wortstellung entspricht bald der direkten, bald der indirekten frage. satzglieder können zwischen wie und das zugehörige adv., adj. (partizip) treten: uuio unodo (quam difficile) thie dar scaz habent in gotes richi ingangent! Tatian 106, 4; uuîe scône sint dîne spunne ('brüste'), suester mîn gemahela! hohes lied 64, 1 Seem.; uuîe scône du bist, frûintin mîn, uuîe scône du bist! ebda 54, 1; wie wol daz nû gedienet wart ach grimmer tod, wie kumbst so bal! in gärten merck ich eben [Bd. 29, Sp. 1465] wie eng-gebunden ist des weibes glück! wie klingt es rührend wenn der dichter singt, wie so lieblich wie war das neugeschenkte leben reizend! eine hinzutretende negation ändert nicht den sinn des satzes: quotiens s. memini conquestos deos super eiusdem coactione et instantia ... uuio ofto nehorta ih tie gota sih chlagon iro nôtegungo unde iro duingennes 1, 729 P.; wie sehnlich hat man nicht gehofft mit ersparung des subjekts und verbs: wie schön und wie herrlich, nun sicher einmal wieder ist, wie bald! wie bald! γ) grad- und maszbezeichnendes wie begegnet gelegentlich auch vor dem komparativ, im sinne von '(um) wieviel'. im gotischen: hwaiwa mais 'wieviel mehr' Matthäus 6, 30; vgl. auch den instrumental hwe mit komparativ ebda 5, 47. im ahd.: quanto magis a malis uerbis ... debet cessari huueo meer fona vbileem vvortum ... sculi pilinnan (Benediktinerregel) kl. ahd. sprachdenkm. 208, 32 Steinm.; ebda 230, 2; wio min giloubit thanne,ob iz wirdit wanne, ... dasz du erfahrst, lös't die erinnerung des gleichen schicksals korrelatives wie-wie mit komparativen im sinne von 'je-je', 'je-desto', lat. quanto-tanto (eo) begegnet (in obd. belegen) seit dem frühnhd.; vgl. auch synonymes so-so (je) [Bd. 29, Sp. 1466] teil 10, 1, sp. 1375, je-je (desto, umso) teil 4, 2, sp. 2281f., desto-desto (um so) teil 2, sp. 1034: wie bösers mensch, wie bessers glück korrelatives wie-desto begegnet literarisch in obd. quellen: wie unzweideutiger die freundschaft zu sein scheint, desto mehr glaubt man ein ausschlüszliches recht darauf zu haben d. prinz u. sein freund (1789) 33. wiederholt bei Lavater, z. b.: wie mehr, wie reiner, wie duldsamer, wirksamer, allgemeiner du liebst, desto verehrenswerther bist du dir selbst und allen, die dich als solchen kennen pred. üb. d. br. Pauli an Philemon 1 (1785) 365; wie grösser der staat, desto nöthiger ein könig handbibl. f. freunde (1792) 6, 245. md.: we mī, deste mī 'je mehr, desto mehr' Tonnar u. Eupen 226. — belege zu wie-je s. teil 4, 2, sp. 2283. B. in nicht satzeinleitendem, absolutem gebrauch (vgl. schon oben die verwendung in elliptischen fügungen unter A 1 a γ, 2 a β und c δ sowie unter 3 c β). 1) überwiegend für sich stehend (oder mit andern frageworten) in mannigfacher anwendung. a) als rhetorische frage: fone diû gescah imo sus. uuieo? demo unuuizzigen fehe uuard er geebenot 2, 187 P.; so noch heute möglich. als echte frage: wie? wann? und wo? — die götter bleiben stumm! anfangs wollt' ich fast verzagen ihr ehmann, wie mir scheint, meist als ausdruck ungläubigen erstaunens, der verwunderung, überraschung und dgl.: (ein ritter:) 'waisz got, ir lasset di frauwen hie!' wie? er hat geschossen? wie? der rasende! [Bd. 29, Sp. 1467] überwiegend mit nachfolgendem fragehauptsatz: wie, sprich, hastu mich dingt zum knecht, (Iphigenie:) wie? sinnt der könig, was kein edler mann wie, murrt er, trügerischer wein! vor fragesätzen mit negation unterstreicht wie? etwa im sinne von 'nicht wahr?' die in diesen sätzen enthaltene aufforderung, das gesagte zu bejahen, ihm zuzustimmen: wie! seh' ich nicht Eufrosillen, wie? hab ich dir nicht alles froh geopfert, b) eine vorangegangene äuszerung, ansicht, vermutung und dgl. in frage stellend, geht wie einem durch disjunktives oder eingeleiteten fragesatz unmittelbar voraus: ich halte dafür, dasz uns Quintilius Varus ... zu beschimpfung unserer vorhin so hoch herausgestrichenen tapferkeit fürgesetzt sey. ... wie, oder wil Rom durch ihn ... Deutschland ... weibisch machen? Arminius (1689) 1, 18b; ich säng im stillen hain, und seufzte wie ein thor, wo bin ich? ist die welt vor mir verschwunden? 2) mit nicht fragenden partikeln; oft (wenn auch nicht durchweg) vor fragen, diese gleichsam vorbereitend, ankündigend. wie nu(n)?: vuieo aber nu? 2, 369 P.; wie nû, mîn her Keiî? wie nu, junkfrau wolgetan, ich schweig vnd gieng davon, dacht vnter wegs bey mir, [Bd. 29, Sp. 1468] wie da (dann)? s. auch die belege im mhd. wb. 3, 572a. mit nachfolgender frage: er sprach 'wie dô? nû sage mir dasz weib umbgiebt den mann, der jungfrau wird vertraut in verbindung mit denn (älter dann), um der frage mehr nachdruck zu verleihen: (einsiedler:) hat sie ihn niemals anders genennet? (Simpl.:) ja, sie hat. (einsiedler:) wie dann? (1669) Simpl. 25 Scholte. mit nachfolgender frage: quid igitur inquam? uuîo danne chad ih? nemag nû nîeht sîn, daz mit rehte heizen sule casus alde fortuitum? 1, 307 P.; wie dann? thut es jhm so wol ...? Garg. 161 ndr.; wie denn, wenn das nicht armuth der kunst ist ..., was soll es denn seyn? ges. schr. 2, 338 Tieck; ja ... wie denn? hingeschlagen? die weber (1892) 14. ähnlich wie aber? mit nachfolgendem fragesatz: wie aber, seh ich nicht den tapfren Arpus eilen? bei wie aber? — — schweigst du noch? ebenso aber wie: aber wie? möchte mancher zu mir sagen, wer bist du? dasz du dich unterfängst ... Chr. Thomasius kleine teut. schr. (21707) 87. üblicher in rhetorischer frage, abwertend oder steigernd (so noch heute verbreitet umgangssprachlich): das weib that zwar, was ihr befohlen war, aber wie? (schlecht, nicht in der rechten weise) 2, 357 Keller; und z'frieden san die hausknecht nie; nachgestelltes und wie! in steigernder verwendung (s. auch den vorausgehenden beleg von Stieler), verbreitet umgangssprachlich und mundartlich. obd.: s rëjnet, und wie! 'es regnet sehr heftig' elsäss. 2, 778a; heut ists kalt, und wie! schwäb. 6, 806; ferner Wien 219a; Tirol 704. md.: hast du ordentlich gegessen? na und wie! obersächs. 2, 664a; ferner Köln 3, 278a; wb. d. Elberf. ma. 175a. in älterer sprache als wie, nach dem grund fragend, 'weshalb', 'wieso': di (herren) hietten dich vil gerne hie. 3) des öftern vertritt auf ellipse beruhendes wie (besonders nach wissen) den fragesatz, den es sonst nur einleitet (s. oben A 1 c): modum desideras? uuile du uuizen uuîo? 1, 29 P.; [Bd. 29, Sp. 1469] dô sprach er 'bistuz Gringuljete? mich hât mîn veter Gaschier ougen nebel mich ergreift, ich weisz nicht wie, dô truoc der helt milte in verbindung mit frageadverbien, nach verschiedenen verben. mit lokalem adverb (besonders wo); s. auch unten Hans Sachs und Luther: man hort das feindlich geschrey, wiszt doch niemant woher oder wie Livius (1533) 179b; Aeneas stund in ängsten da (schüler:) das sieht schon besser aus! man sieht doch wo und wie? nu sih et wenne oder wie, kein bliben ist in diser zit, [Bd. 29, Sp. 1470] 'sage deutlicher, wie und wenn; ouwê wie bistu mir benomen? er sprach 'frauwe, wist ich waz (der richter:) wenn wir dann wüssend, was und wie, 4) seit dem 18. jh. oft (früher nur vereinzelt) substantiviert das wie 'die art und weise', alleinstehend oder mit anderen fragewörtern (vgl. auch das vorausgehende): da Adam wolt stolziren vnd mit dem wie? vmbgehen, da wardt ein wehe drausz tischr. 4, 484 W.; wir sind von natur weit begieriger, das wie, als das warum zu wissen 8, 24 L.-M.; (er) überdachte es war ein kind, das wollte nie II. seit dem mhd. in verallgemeinernder und konzessiver verwendung (satzeinleitend), für ahd. so wio (so) ahd. sprachsch. 4, 1195 f. und mhd. swie 'wie immer', 'obgleich' mhd. wb. 3, 573b—575b. [Bd. 29, Sp. 1471] 1) in verallgemeinernder verwendung 'wie immer' (besonders mit dem verbum wollen): so habt macht ... eüer vorderung an mich z ereischen, wie und in welicher weisz ir nun wölt (15. jh.) Tristrant und Isalde 134 Pfaff; kamen die iungling tag vnd nacht fr das hawsz, ... spilten, sanngen vnd erzeigten sich in lieb vnd freden, wie sie mochten (1472) dt. schr. 1, 62 Herrmann; herr, felt das urteyl, wie ir wölt! (1530) ich sorge, wie ich kann, (Al-Hafi:) (Damon:) ich ziehe vor, zu schlafen auf dem kanapee. 2) wie in verallgemeinernden relativsätzen kann leicht konzessiven charakter annehmen. a) 'wie auch (immer)'; oft steigernd, etwa im sinne von 'wie sehr (auch immer)': diu wisel hât nicht willen guot, wie ich dran zerren oder schütt, drey suchten sich dir nach, und drey dir vorzustrecken; doch sie widersteht, ich wil gên unz ich vinde doch wie sich's auch entwirren mag und lösen, si sprach: 'mein trautgeselle, [Bd. 29, Sp. 1472] sich in einen autor, habe er namen wie er wolle, so durchaus zu vertiefen schr. (1828) 4, 51. auch sonst die genauere benennung von personen oder sachen dahingestellt sein lassend (in adnominaler verwendung): ich habe pflanzt weingarten von aller hant in der fügung wie es (immer) wäre: wie es auch sei das leben, es ist gut nun aber, wie dem allen, ... he, Damon! he! — der nimmt ja gewaltigen reiszaus; b) oft steht wie mit prädikativem adjektiv oder adverb zur hervorhebung des hohen grades und maszes; 'man sagt besser so gern ich auch wollte, so grosz er auch sein mag, als wie gern, wie grosz' antibarb. (1796) 2, 635; s. DWB so II C 1 b δ θθ teil 10, 1, sp. 1374: wie wol sie weren e gemt, der Fritz kumbt ouch, er mag nit blyben, [Bd. 29, Sp. 1473] wie manchs man jm zschieb, wie mancher grund die schuld versöhnend deckt, c) 'obwohl, wenn auch', 'quamquam', vorwiegend in älterer sprache; s. auch mnd. wb. 5, 757a (s. v. wo, wu 4): wie mir di rede si zu ho wie von der hirtenwacht mich einer auch verjagt, doch, wie sein haupt frei trinket himmelslüfte, [Bd. 29, Sp. 1474] bis zum ende des 15. jhs. bezeugt ist die fügung wie das sei (wäre, ist), dasz ... 'licet': wir sprechen des morgens, so ez liht, ez sei tak, wie daz sei daz deu sunne dannoch under dem augenender sei (14. jh.) dt. sphaera 36, 25 Matthaei; wie das were das ich in die ewige helle varen müeste, darumb wolte ich doch nút brechen leben u. schr. 217 Schmidt; licet omnia ... wie das ist das alle der selben prelaten sache ... mit götlichem inflsz ... geschähen, noch denne ... (mitte d. 15. jhs.) Caesarius v. Heisterbach 37, 14 Drescher; wie das sey das sie (die jungfrau Maria) die höchst were, so was sie doch in iren (eigenen) augen die aller niderst creatur das buch der zehen gepot (Venedig 1483) 39b; vgl. 45b. durch konstruktionsverkürzung entsteht der typ: wie das sy (Maria) enpfieng und gebäre III. in vergleichender und beiordnender verwendung. A. häufig dient wie zum vergleich von tatsächlichem; s. auch DWB gleichwie 1 und 2 (belegt seit dem 16. jh.) teil 4, 1, 4, sp. 8266f. und sowie 1 teil 10, 1, sp. 1824. belege begegnen seit (s. unter 1 a β), zunächst ganz vereinzelt; erst im frühnhd. kommt der gebrauch zur vollen entfaltung. synonyme sind ahd./mhd. sô(sô), sô(se) 'sicut'; ahd. (al)samo, mhd. (al)sam(e) und (nicht satzeinleitend, sondern nur in der stellung vor satzgliedern) frühnhd. sam; s. DWB sam 2 teil 8, sp. 1725/26. wie und sein verhältnis zu älterem vergleichenden als. (1) als teil 1, sp. 248—254 (aus ahd./mhd. alsô, alse, als) konnte schon im ahd. und mhd. vor sätzen und auch vor satzgliedern gebraucht werden, wohingegen wie (in übereinstimmung mit mhd. swie) zunächst nur im satzvergleich verwendung fand (s. u. unter 1) und erst seit dem frühnhd. auch in abgekürzten vergleichen (vor satzgliedern) steht (s. u. unter 2). während sich bei als seit alters korrelation findet (s. DWB als I 5 teil 1, sp. 251), läszt sich wie mit korrelativem (al)so erst seit dem frühnhd. nachweisen; früheste belege für die verbindung also — wie s. unter 2 a α γγ ( 1514) und 1 a ( 1539); das früheste zeugnis für so — wie (v. j. 1534) unter 2 a β. Grimmelshausen ist der gebrauch mit korrelativem so ganz geläufig, z. b.: in dem ich sie so ansahe wie ein katz ein neu scheurthor (1669) Simpl. 20 Scholte; wie — so zufrühest im 15. jh.; s. u. unter 1 a δ; vgl. auch DWB so II A 1 l γ teil 10, 1, sp. 1354f. (2) infolge dieser neu hinzuerworbenen verwendungsmöglichkeiten konnte wie vergleichendes als ersetzen, als dieses sich seit dem spätmhd. allmählich zum ausdruck der eigenschaft, in der eine aussage gelten soll, entwickelte. man unterscheidet daher heute: er handelte wie ein christ (ohne selbst ein solcher zu sein) und er handelte als (ein) christ (in seiner eigenschaft als christ). solange diese scheidung aber noch nicht vollzogen war und vergleichendes wie und als gleichbedeutend nebeneinander standen, konnte der gebrauch (noch in neuerer sprache) schwanken; z. t. mag das bedürfnis, den ausdruck zu wechseln, mit hineingespielt haben: seyn angesicht glentzete wie die sonne, unnd seyne kleyder worden weyssz, als eyn liecht bibel 6, 78 W.; seltzam als wildprät ins armen manns hausz, wie ein fasznacht ohne narren floril. polit. (1662) 2, 737; [Bd. 29, Sp. 1475] beherrscher und vater der welt! du bist so herrlich im vogel, erhabne majestät, ich sasz schon oft hätt ich dein spielwerk nicht erfahren: du bist so elend nicht, als wie du glaubst (3) in einer bestimmten konstruktion, beim gebrauch mit adjektiven (adverbien) und vorausgehendem korrelativen so (seit dem 16. jh.), hat sich vergleichendes als gegen wie länger als sonst behauptet. so überwiegt in s Simpl. (1669) der typ: (ich) schwieg ... so still als ein mausz 96 Scholte; wann die courage so gut ist als das maul-leder ebda 186 erheblich gegenüber: so schwartz wie eine dinte 315. Heynatz verwirft wie, 'wenn so mit einem bei- oder nebenworte vorhergeht', überhaupt: 'man sagt also richtig: macht es so wie ich. allein unrichtig: er ist so grosz, wie ich; er wird sie nie so gut bedienen, wie ich', antibarb. (1796) 2, 632. ein schwanken im gebrauch zwischen so grosz als und so grosz wie bezeugt noch teil 1, sp. 252 für seine zeit; heute hat sich im allgemeinen der typ so grosz wie durchgesetzt (belege s. unter 2 a β). doch örtlich in der mundart noch: suə gràusz àls (neben suə gràusz wöi oder àls wöi) satzbau der Egerländer ma. 48; s. auch rhein. wb. 1, 127; dazu: et is ebenso en jrosze kunst, en maschin' richtig im jang zu bringen, ... als so bildches zusammenzuklecksen wacht am Rhein (1902) 354. s. auch den typ soviel wie möglich (oder als möglich) unter 2 b α; ferner so II A 1 l δ teil 10, 1, sp. 1355. der im älteren deutsch häufig und verbreitet begegnende korrelative gebrauch als — als (s. teil 1, sp. 251), entsprechend engl. as — as, findet sich noch in der Schweiz: əs alt əs ĩΧ 'so alt wie ich' Zürcher Oberland § 81; fürs nd. vgl. Lüneburger wb. 1, 81 und ndsächs. wb. 1, 509 Jungandreas. (4) infolge des schwankens im gebrauch greift wie auch in den neueren verwendungsbereich von als über, so nach komparativ und dgl. (wo als seit der 2. hälfte d. 16. jhs. neben älterem denn, dann vorwiegt, s. unten 3), oder wenn es für das als der eigenschaft (er handelte als christ) eintritt: namen von jn den eydt, das sie wie feindt nimmer in Saxen kommen wolten Germaniae chron. (1538) 121a; (gott) hat jhm (dem ritter) noch gut weil verschafft, [Bd. 29, Sp. 1476] I 27, 14 W. auch sonst steht es für als; vgl. hinweisendes wie unter 2 a γ (abs. 3), die verwendung im hypothetischen vergleich (wie wenn ...) unter B und den temporalen gebrauch unter IV. zum ganzen (auch mit weiteren belegen) vgl. dt. gr. 4, 231 und in PBB 65, 344—352. 1) als einleitung eines nebensatzes. a) überwiegend bezieht sich der durch wie angeknüpfte vergleichssatz auf den gesamtinhalt des übergeordneten satzes bzw. auf dessen verbalen kern: nû wil ich dir rehte sagen, her inphienc ouch wirdecliche wie dieselben (die rosen) gläntzen schön, so liebt die lerche ein feu'r, das siedet (so sehr), wie noch keins gesotten ja, sie (die parabasen) wagen euch zu tadeln, wie ihr seid mit sack und pack, α) oftmals mehr im sinne von 'je nachdem wie', ohne dasz in jedem fall eine klare abgrenzung vom voraufgehenden oder von der bedeutung 'wie immer' (oben unter II 1) zu erreichen wäre: wie sy solich spenn rihten, vereynen oder entscheyden, daby sollen die parthen, die es berrt, bliben (Straszburg 1473) bei privatbr. d. mittelalters 2, 173; (ich bin) bittend ... jr ... wöllen ... mir nit verkeren, so ich etwan vom text geschweifft, vnd wie sichs biszweilen auff teutsche art vnd sprach geschickt, wie mirs zgefallen, hinz gethon (1551) Grobianus 7 ndr.; ein kleines teuffelgen ..., welches ihn (den würfel) regiere und augen geben lasse, [Bd. 29, Sp. 1477] wie es seiner principalen interesse erfordere (1669) Simpl. 155 Scholte; schenke mir ... ein kleines hänflingey, oder ein zeisigey, wie es dir am nächsten zur hand ist Ugolino 253 H.; ich war ... bald jäger, bald soldat, bald reiter, wie es unsre spiele mit sich brachten I 21, 32 W.; und nebenan sich schimmer reihn, β) häufig dient der wie-satz (gleichsam in parenthese) zur berufung und zum verweis auf eine äuszerung, wahrnehmung oder einen sachverhalt: iâ uuoltôn iuuere forderen, also dû uuâno ih kehugest, wîo dû lâse, umbe dîa ubermûoti dero consulum tîligôn iro ambacht 1, 102 P.; er macht im ain sunder fürstlich gesäss und wonung der endt, da ietzund Regenspurg ist, wie man list, das si von erst Tiberius gepawt hab (1478—81) bayer. chron. 8 Spiller; denn der bube sol (wie die gantze stad sagt) trotzig sein (1537) briefw. 8, 102 W.; zu beschreiben die gantze welt, wie mein fürnemen ist in disem bch, ... erfordert ein weitschweiffig gemt cosmogr. (1550) vorr. a 2a; Eufrosilchen ist Myrtillen, in fester fügung hierher: ich habe, wie die sachen jetzt stehen, an mich selbst zu denken I 22, 151 W.; die sanction ... wies er von sich: wie die sachen ... standen, konnte sie ihm nichts bedeuten s. w. (1867) 1, 13. üblich auch in der wendung: wie die dinge liegen. älter: das es (das konzil) (wie dieser zeit gelegenheit ist) ein lausicht, veracht concilium werden wird, darin wenig potentaten sein werden briefw. 8, 37 W. bei verwendung eines ungewöhnlichen wortes oder ausdrucks auf das vorbild für diesen gebrauch verweisend: wa ainer solchs sagte (dasz Maria keine jungfrau sei), wer er nit euangelisch oder lutherisch, wie mansz nendt, sonder ketzerisch (1523) schr. 44 Goetze; es gieng mir (Olivier) ... hundsübel, wie man zu sagen pflegt (1669) Simpl. 356 Scholte; er ... liesz mich die fährte bemerken, wie er es nannte I 24, 4 W.; die Etrusker oder, wie sie hier heiszen, die Raeter röm. gesch. 1 (1854) 218. γ) oft steht wie mit bloszem part. perf. (adjektiv): der euangelist will, wie gesagt, diss gross wunder ... yderman fur die augen stellen 11, 324 W.; wer nicht bescheiden tuht, [Bd. 29, Sp. 1478] 2, 21 volksausg. statt des üblichen sozusagen: danke aber gott und meinen lieben eltern vor ihre treue vorsorge, dasz sie mich nicht so leichtlichen verworfen und, wie zu sagen, ausgeschlagen haben denkw. 18 Ö. δ) besondere hervorhebung verdient der häufig belegte gebrauch mit korrelativem so oder also im nachsatz; vgl. DWB so II A 1 l γ αα teil 10, 1, sp. 1354: das kein wal vnd beschawen sey, ein frawen zunemen, sunder wie die kumpt, so mustu sie behalten (1472) dt. schr. 1, 49 Herrmann; wie du böses gewürckt hast, also glycher wyss wirck wider umb gutes bilgerschaft (1512) B 3a; wie sich der leu in seinem hunger freut, namentlich das sprichwort und die sentenz lieben (in knapper, prägnanter formulierung) die klare gegenüberstellung zweier aussagen durch wie und so, also: wie ich in finde, so richt ich in (d. h. frei von jeder beeinflussung) tischr. 4, 567 W.; wie die alten sungen, so zwitzern die jungen schöne weise klugreden (1548) 62a; wie einer speisz braucht, also lebt er auch, rauhe weyd macht rauhe leut (1575) Garg. 82 ndr.; wie du bist, so redestu (1669) Simpl. 117 Scholte; wie ich sage, so ich denke! I 3, 265 W.; wie einer sich legt, so liegt er ges. w. (1905) I 5, 129. in sätzen des typus: wie der gast ist, so ist auch die kost 19, 281 W. (ähnlich [1892] 1, 28 R.-M.) wird um prägnanter kürze willen das verbum sein oft unterdrückt; z. b.: wie das garn, also das tch schöne weise klugreden (1548) 43b; s. auch ebda 62a; wie der stock, also der wein floril. polit. (1662) 3, 475; wie die glocken, also der klang Judas (1687) 1, 44; wie dä här, su dat gescherr Coblenz 101. auch sonst ergeben sich elliptische konstruktionen mit ersparung des finiten verbs: wie gelohnet, so gedienet dicht. versuchgabe (1678) 34; so wie gewonnen, so ist's zerstoben b) einen satz an ein adjektiv (partizip) oder adverb anknüpfend: er tht es gern, ja wie die bauren in thurn (gefängnis) steigen schöne weise klugreden (1548) 85b; wecken, die ... noch heisz seien, wie sie ausz dem ofen gehen artzneybuch (1596) 1, 53; so wandle du — der lohn ist nicht gering — o, duldsam, wie du bist, versag' ihm nicht das ohr! [Bd. 29, Sp. 1479] jung und voll empfindung wie ich war, deuchte mir die schöpfung tausendmal schöner als vorher I 22, 298 W.; gebunden durch befehle wie sie waren, fiel einer nach dem andern in die hände des pöbels franz. rev. (1864) 267; das (vertäuen) haben wir jetzt dem dampfer überlassen, schlau wie wir sind Abel (1932) 30. mit konzessivem sinn: der herzog ... schläfft noch halb neun wie es ist (1776) IV 3, 52 W.; aber diese gnadenbezeugungen, dankbar, wie er sie entgegennahm, gaben ihm doch die ruhe nicht wieder ges. w. (1905) I 1, 19. c) einen satz an ein substantiv anknüpfend, um die beschaffenheit und art einer sache oder person näher zu bestimmen (dialektisch auch anstelle des relativpronomens der, welcher; s. elsäss. 2, 778a [s. v. wie 6]): mit ... groszen schiffen, wie si da zu sehewer (zum seekrieg) gebraucht werden (1507) Wilwolt v. Schaumburg 118 lit. ver.; ein solich vasten wie wir im bruch haben (1521) s. schr. 1, 19 ndr.; (teufel) wie sie ausz Pandore büchs fligen (1575) Garg. 17 ndr.; (ich) kam abermal in eine gesellschafft der spitzbuben und diebe, wie ich zu Lüttich eine verlassen hatte (1669) Simpl. 350 Scholte; zielet auf die ... prophezeiung des verfassers, wie solche in vorhergehenden anmerkungen zu finden bei ged. (1745) 55 (anm.); boten, wie sie über das gebirg hin- und herzugehen pflegen Göthe I 24, 6 W.; blumen ..., wie du sie deinen freunden mit jenem gummi ... auf papier zu heften pflegst ges. schr. (1852) 5, 4; beobachtungen der kindersprache, wie sie seit Steinthal ... gesprächsstoff auch auszerhalb der fachkreise geworden waren d. dt. spr. unserer zeit (1956) 115. entsprechend steht wie auch des öfteren statt schwerfälligerer präpositionaler fügungen wie in dem (welchem) usw.: dass in republiken der eifer fürs vaterland sich in eben dem verhältnisse vermindre, wie das gebiet derselben anwächst verm. w. (1768) 2, 22; in dem sinne, wie man angefangen Göthe I 22, 23 W.; an wen denkst du mit gedanken, wie du nur an deinen mann denken solltest? ges. schr. (1891) 1, 225. der wie-satz enthält eine negation, um die unvergleichlichkeit anzudeuten: es ist seltener wird wie mit dem verbum sein gebraucht: dasz ich so drey kinder, wie du eins bist, mit sampt ihren muszqueten ... nicht förchten ... wolte (1669) Simpl. 228 Scholte; einen stolzen menschen wie ich bin (1767) IV 1, 146 W.; eine solche seele wie diese war, ist auch beredt, wenn sie schweigt selbstbiographie 1 (1854) 62. hieraus entstand durch ersparung des (entbehrlichen) verbs der sehr gebräuchliche typ ein mann wie Goethe (s. u. unter 2 a γ). 2) in verkürztem vergleich vor einem satzglied. a) häufig mit substantiv als vergleichsgrösze. α) überwiegend bei verben und verbalen ausdrücken. bisweilen kommen die belege in ihrer auffassung denen unter B 2 a (hypothetischer vergleich) nahe, besonders in fällen wie: pflegte ich Hertzbrudern wie meinem andern ich (d. h. als wenn er mein anderes ich wäre) (1669) Simpl. 367 Scholte; wir sind, wie nichts, vor dir (gott) (1745) [Bd. 29, Sp. 1480] αα) art und weise oder grad und ausmasz eines geschehens und dgl. sowie die beschaffenheit einer person oder sache näher bestimmend: man wirt euch eben emphohen mit euern infeln und weihen wie die stationierer mit irem heilthumb (1524) U. Regius bei satiren 3, 150; ich mochte damals fressen wie ein drescher (1669) Simpl. 313 Scholte; er lebt wie ein viehe t.-ital. 2 (1702) 1344b; ich komme mir vor wie jener alte, vom wahnsinn zerrüttete maler s. w. 14, 148 Gr.; (er) fluchte wie ein wilder baumwollpflücker (1956) 97. der vergleich der beschaffenheit (geltung) geschieht namentlich in der wendung sein wie jemand (etwas): wie der frembdlinge, so sol auch der einheimische sein (vor dem gesetz), wenn er den namen (gottes) lestert, so sol er sterben 3. Mose 24, 16; es ist einer wie der ander sprichw. (1541) 1, 10b; der wein ist wie der jhn trinckt, vnd kan sich nach jedem kopff richten floril. polit. (1662) 2, 896; ich sag es dir: ein kerl, der speculirt, am vierten tage endlich gar ββ) oft dient der vergleich nicht der näheren bestimmung der modalität (der art und weise, des grades und ausmaszes) eines geschehens usw., sondern der einfachen gleichsetzung (hier schlieszt der gebrauch unten unter C 2 an): vnd bsunders man vil frowen findt, hie darff kein fettich man vmbthun, γγ) mit korrelativem (al)so und dgl.: das sie dann mit werender hand ritterlich stürben, vnd sich nit also, wie die hüner würgen vnnd tod schlohen liessen Livius (1514) 149b; in dem ich sie so ansahe wie ein katz ein neu scheurthor (1669) Simpl. 20 Scholte; bey rückkunft unsers wackern Rehbein erging es mir eben so wie ihnen bey seyner ankunft Göthe IV 28, 61 W.; er möchte so leben und sterben wie die alte waschfrau ges. w. (1905) I 5, 137; kam ... ein grüner ewer in sicht, der ganz so aussah wie sein vater (d. h. wie der ewer seines vaters) seefahrt ist not (1914) 261. [Bd. 29, Sp. 1481] δδ) wiederholt begegnet die mischform als wie: du schlachtest jhn als wie ein lamb es leuchtet diesses grosse licht, β) an ein adjektiv oder adverb eine vergleichsgrösze anknüpfend: (der tod überfällt uns) das volck ist vnstät wie ein ror im huy fahr ich dahin, niemals öfne das herz der liebe. findet es Amor und ihr kusz war götterbrot, es weilt so hoch, es blinkt so schön, was kann denn dieser mohr dafür, es ist nicht jederman so närrisch als wie du der see er war mir recht ergeben, γ) eine persönliche oder sachliche substantivische grösze nach art und beschaffenheit näher bestimmend: die syben tag zeit z singen oder läsen, ist ein arbeit wie andere lyplich arbeit s. schr. 1, 38 ndr.; got hat mir geben gwalt und ehr als wenn drüber wär' [Bd. 29, Sp. 1482] himmelwetter, war das ein mann! ein mann wie ein kind ges. w. (1905) I 5, 160; (er) rührte dazu mit einer kelle wie ein prügel die schotten (dick gelaufene milch) berge u. menschen (1911) 130. hierher auch: (Eva) hat denselben geschmack gehabt wie du (ihn hast) ges. w. (1907) 1, 133. eine person oder sache als typ (typischen vertreter einer art oder gattung) charakterisierend: ein armer mann wie ich, kan solche kosten nicht aufwenden un poveretto come me (pari mio) non puo reggere à tali spesi t.-ital. 2 (1702) 1344b; lüfte, wie diese, so die erd' umathmen, sie treibt der eifer nicht für's vaterland, eh' ich meine tugend lasse, lass' ich sterben sechs wie er! (1828) nicht mehr eigentlich vergleichend, sondern hinweisend bei anführung von beispielen und bei aufzählungen; in der form wie zum beispiel: so ist mir ... noch einiges entgangen, wie z. b. von Klaproths abhandlung ... und I. Idelers ... arbeit erdk. 1 (1822) vii; aus unbedeutenden vorfällen, wie zum beispiel dem ungehorsam der Numantiner röm. gesch. 2 (41865) 66; älter: wie (als) zum exempel t.-ital.-frz. (1711) 1059a; wofür auch wie allein stehen kann, neben heute veraltetem als 4 teil 1, sp. 256: etliche (brunnenquellen) fressen durch eisen ... fort, wie einer ... in Ungarn (1669) Simpl. 420 Scholte; (die unterhaltung) verbreitete sich ... über allerlei getier, wie kühe und ziegen, und vielerlei dinge, als da sind: brotbacken, wäsche waschen und dergleichen ges. schr. (1891) 2, 344; dass es keine an und für sich gott wohlgefällige werke gebe, wie beten, fasten, nachtwachen s. w. (1867) 1, 202. mit folgendem satz: ich wollte dir noch manches sagen, was man sündlich finden dürfte, wie dasz ich dein gewand lieber habe wie meinen nebenmenschen br. (1835) 2, 165. selten und nur in älterer sprache begegnet die fügung wie da ist (wie da sind), neben dem noch heute (in gewählter sprache) gebräuchlichen als da sind (ist); s. auch oben O. Ludwig: in vier fürnemsten conciliis, wie da ist synodos Nicena ... dt. schr. 1, 132 Sch.; ceremonien, wie da sind, fleisch essen, fasten, kleidung, ort, zeit etc., sind an ihnen selbs frey und ziemlich (ceremoniae, ut sunt esus carnum, ieiunia, vestitus, locus etc.) tischr. 1, 290 W.; faber ein werckman in harter matery, alsz da ist eisen, stein, holtz, wie da sind schmid, steinmetz, zimmermann undec. ling. (1598) 537a. auch: gleich wie nun Gedeon den grossen feind, wie da die abgöttische Madianiter waren, siegehafft überwunden durch die allerheiligste dreyfaltigkeit; also hoffen wir ... Judas (1687) 1, 302. b) adjektive, adverbien und präpositionale fügungen anknüpfend, beim verbum oder nomen. α) mit adjektiv (adv.) in fügungen wie: so breit wie lang, oder: des mädchens augen lachten jetzt so ehrlich, wie vorhin schalkhaft ges. schr. (1891) 2, 10. zu festem phraseologischen gebrauch gelangte der typ so schnell wie möglich 'möglichst schnell': der zweite band soll so schnell wie möglich folgen ges. dichtgn [Bd. 29, Sp. 1483] 2, 66 Litzmann; so oft wie möglich s. w. (1867) 1, 207; so günstig wie nur möglich Grabenh. (1898) 1, 1. noch heute schwankt der sprachgebrauch hier zwischen wie und als; so ist nach Duden (Lpz. 1960) 611a soviel wie möglich und soviel als möglich statthaft. — so gut wie im sinne von 'fast, nahezu' (s. DWB so teil 10, 1, sp. 1355): auch diese stadt ist nun so gut wie wiedergefunden erdk. 1 (1822) 239; weil ich ... ihre bräuche ... so gut wie gar nicht kannte erz. schr. (1861) 1, 8; ferner: wir wohnten so gut wie am andern ende der welt ges. w. (1905) I 5, 132. —soviel wie mit der bedeutung 'dasselbe wie': und 'ja' ist gerade so viel wie 'nein' ebda 141. β) oft steht wie mit zeit- (und orts-)adverbien und präpositionalen fügungen, um auszudrücken, dasz zu anderer zeit, an anderem ort oder in anderem zusammenhang vergleichbares geschieht oder vorliegt (bisweilen mit negation, um einen gegensatz hervorzuheben): das ich erstlich schewe was, vnd thorffte nit herausz farn, wie hernachmals (1538) Joh. Huss 20 ndr.; weil ich ... dem alten geitzhals nicht mehr wie hiebevor spendirte (1669) Simpl. 235 Scholte; ist es ein flüchtiger fürst wie im Ardenner-wald? bald gestu wider ausz dem hausz, beräuchert das durchlauchtige gerippe so kam in diesen abend eine milde in der verbindung als wie: jeder richt sich nach demselben (dem fürsten) in wercken als wie nach der vhr in geschäfften floril. polit. (1662) 2, 693; mein kragen und koller sahe so blutig ausz, als wie vor eines schmidts nothstall an s. Steffans-tag (1669) Simpl. 357 Scholte; da steh' ich nun, ich armer thor! 3) auszer beim vergleich der gleichheit (oben unter 1 und 2) steht wie auch beim vergleich der ungleichheit (nach komparativ usw.), sowohl satzeinleitend wie vor satzgliedern. nach vereinzelter bezeugung im 17. jh. (s. u. unter b α und dt. wb. 743a) wird dieser gebrauch [Bd. 29, Sp. 1484] erst im 18. jh. üblicher. zumal in Norddeutschland und im md. ist er dialektisch und umgangssprachlich weit verbreitet (auch in der form als wie); aber auch das obd. kennt ihn gebietsweise: neben gebräuchlicherem als und weder bei schwäb. 6, 806 und elsäss. 2, 778a; ferner greasser wie du Kärnten 257. dem bair. ist dieser gebrauch unbekannt: 'man hört z. b. statt gröszer als du wol gröszer was du, aber nie gröszer wie du' bayer. 2, 827; vgl. die zusammenstellung bei unsere mundarten (1910) 86. auch die gehobene sprache meidet heute (als) wie neben herrschendem als beim vergleich von ungleichem weitgehend; doch kann wie bisweilen erforderlich sein, so etwa in mundartlich gefärbter literatur oder um doppeltes als zu vermeiden, wie beispielsweise im folgenden beleg: als Preusse ... ist er früher bereit seinen patriotismus zu documentieren, wie als Deutscher ged. u. er. 1, 318 volksausg.; s. auch PBB 65, 358. ebenfalls selten begegnet denn (in feierlicher rede oder wiederum um doppeltes als zu vermeiden, auch in der verbindung denn je [mehr denn je]), das bis ins frühnhd. beim vergleich der ungleichheit allgemein gebräuchlich war und in dieser verwendung (im zusammenhang mit seiner entwicklung zur kausalen konjunktion) seit der 2. hälfte des 16. jhs. durch als weitgehend ersetzt wurde. über das schriftsprachlich heute auszer gebrauch gekommene weder nach komparativ usw., belegt seit der zweiten hälfte des 15. jhs., handelt ausführlich teil 13, sp. 2842 ff.; zum ganzen s. in PBB 65, 347—49 und 352—69. a) früher als wie ist die verbindung als wie beim vergleich der ungleichheit belegt (seit dem ende des 16. jhs.), die nach in PBB 65, 347—49 anstelle von bloszem als durchaus sinnvoll und berechtigt sein kann, sowohl satzeinleitend wie auch vor einzelnen satzgliedern; gleichwohl wird sie heute mit vers. e. wbs 5 (1786) 208 von der gepflegten sprache gemieden. historische belege, auch für das entsprechende denn (dann) wie; satzeinleitend: die nit anderst dörffen sagen, dann wie die münch wöllen s. schr. 1, 86 ndr.; es kan keiner frömmer seyn, als wie es jhme gott zugemessen floril. polit. (1662) 1, 247; mahlen kann ich nicht anders, als wie der gott mir gebietet! (Faust:) b) bloszes wie nach komparativ, ander(s), nichts. in einigen fällen mag es für das von vers. e. wbs 5 (1786) 208 verpönte als wie eingetreten sein; s. in PBB 65, 348 f. α) nach komparativ; vor einem verbum bzw. satzeinleitend: mer daran verbrechen wie gutt machen (anfg. d. 17. jhs.) reisen 248 lit. ver.; ... o schmerz, da sie (die liebe) erschienen war, [Bd. 29, Sp. 1485] häufig im gekürzten vergleich, vor einem substantivischen oder pronominalen satzglied (wiederholt nach mehr): auch du wirst einmal mehr wie verwesung seyn wartet, ich singe die könige bald, die groszen der erde, β) nach ander (anders); satzeinleitend oder vor einem satzglied: dasz er anders denkt wie ich γ) nach nichts, eine ausnahme anführend im sinne von 'nichts anderes als', 'nichts auszer', 'nur': antibarb. 2 (1797) 633; schlieszlich war, was er that, nichts wie sein gutes herrenrecht katzensteg (1901) 33; (ich) habe nichts hervorgeholt aus mir B. zum vergleich mit einem unterstellten, nicht wirklichen, scheinbaren sachverhalt usw. dient wie 1) im sinne von 'als wenn, als ob' an der spitze von bedingungssätzen; vgl. synonymes als I 7 teil 1, sp. 253 (dazu dt. gramm. 4 [1920] § 466 und dt. syntax 3 [1928] § 993), sam 3 teil 8, sp. 1726 und 2gleichsam 4 teil 4, 1, 4, sp. 8217. das finite verb befindet sich zur konjunktion wie stets in distanzstellung (s. dagegen die entsprechenden sätze mit als). im mhd. ist wie 'als ob' mehrfach belegt, besonders in sätzen, wo träume oder dgl. berichtet werden, s. mhd. wb. 3, 573a. nhd. findet sich der gebrauch nur in älterer zeit noch gelegentlich: (jmd soll) Mariamnem gegen im (Herodes) ... versagen ('verleumden') in solcher mǎsz, wie sie in gebetten hette (etwas schlimmes zu tun) (1473) de claris mulieribus 259 Drescher; Vlnspiegel thet wie er von dem heiligen tag nit wiszt (1515) Till Eulenspiegel 80 ndr.; (sie) scheynen wie sie grosz heyligen [Bd. 29, Sp. 1486] weren (1520) 9, 260 W.; apokalypse 5, 6; er (der von der sterzseuche befallene ochse) fühlt es nicht (die operation), denn der schwantz ist wie er todt wäre pferde- u. viehzucht (1658) 164; dünckt mich doch, wisz Dürnruse wäre (1661) lustspiele 292 lit. ver.; noch mundartlich, s. schwäb. 6, 807. sonst gilt in neuerer sprache dafür wie wenn mit konjunktiv (daneben gebräuchlicher als wenn, als ob): ... wie wenn nicht ... kandidaten genug ... vorhanden gewesen wären gesch. s. lebens (1790) 1, 21; ein fortwährend grübelndes niederblicken, wie wenn sie auf dem boden etwas suchte zauberer (1858) 1, 246; das is, wie wenn man mit klötzen redte weber (1892) 6. in andern belegen ist mit dem indikativ des finiten verbs die beziehung auf ein tatsächliches, erfahrungsgemäsz schon (wiederholt) eingetretenes geschehen gegeben: ... wie, wenn der wolff die schaaffe 2) vor einem satzglied; s. auch 2gleichsam 2, 3, 5 teil 4, 1, 4, sp. 8213 ff., das seit dem 17. jh. mit wie die verbindung gleichsam wie (wie gleichsam) eingehen kann, und gleichwie 3 ebda sp. 8268. a) 'zuweilen werden als und wie gebraucht wie lat. quasi vor einem subst. um anzudeuten, dasz etwas, was man wahrnimmt, dasjenige zu sein scheint, was das subst. bedeutet' dt. gramm. 4 (1920) § 433 (mit belegen von Luther bis Gutzkow): (sie) sungen wie ein new lied apokalypse 14, 3; alles braucht sich seiner ruh'. ein einzig mal lief wie ein mannesschatten ich sehe so viel wunder-ding', aus allen orten, jetzt entspriessen, b) entsprechend mit präpositionalem ausdruck, auch in der verbindung gleich wie: umgeben gleich wie mit aim schilde (1572) was ich besitze seh' ich wie im weiten (1797) [Bd. 29, Sp. 1487] die schergen stehn entfernt, als wie in furcht c) auch der häufig belegte gebrauch mit adjektiv oder partizip gehört der neueren sprache an. der folgende beleg vom ende des 16. jhs. bleibt in dieser frühen zeit vereinzelt: zur kirchen geht er wie gezwungen zum part. perf. tritt wiederholt ein präpositionaler ausdruck: und wie vom geistigen wein des weisen Anakreon trunken, d) weniger geläufig ist der gebrauch vor einem verbum: ... da er den nahen zweck C. bei verblassen seiner vergleichenden funktion hat wie oft beiordnende bedeutung und kommt dem koordinierenden und nahe. 1) in der satzanknüpfung ähnliche sachverhalte und dgl. assoziierend, wobei das moment der verallgemeinerung und erläuternden ausführung zur geltung kommen kann: gleichwol gedenkt er der engel in der historie Abrahams und Loths ..., wie auch sonst die schrift hin und wieder von den engeln redet tischr. 1, 131 W.; dafür wir vnserm getrewen gott hertzlich danck sagen ... wie wir hie mit auch jm ferner dancken, das er ... ein ... schule hie hat anrichten ... lassen Sarepta (1562) 1a; beym kohlenwercke mache das gefluder ('gerinne') zu schaffen, wie an andern orten der graben auch noch wasser durchlasse (1786) IV 8, 27 W.; nur an Thomas von Aquino könne er sich nicht gebunden achten: wie dessen werke ja auch ... nicht von der kirche gutgeheiszen worden s. w. (1867) 1, 214; (die ablehnung aller heiratsanträge) betrübte hof, stadt und land, wie es auch gott betrübte ges. w. (1955) 8, 63. gegenseitigkeit hervorhebend: begib ich mich in din trüe(s) und fruntlichs hertz, wy du mir ymer ewigklichen solt bevolchen und ergeben sin (Ulm, um 1480) bei privatbr. d. mittelalters 2, 61; man mus ... gestehen ..., das man auch solcher völcker (der Griechen und Römer) nahmen und wörter ... von ihnen genommen ...: wie hingegen was sie (die andern völker) aus Deutschland geborget ... von ihnen behalten und als ihr eigen aufgenommen [Bd. 29, Sp. 1488] und gebrauchet (ist) rechtschr. (1666) 6. — eine allgemeine erklärung (verallgemeinernde feststellung) einführend: Apoll, der gern nach mädchen schielte, wird er (der längste tag) gleich entweichen, wie nun tage sind er legte selbst den grundstein seiner schmach, ferner kann wie — den konjunktionen als und weil nahekommend — durchaus auch kausalsätze einleiten: wie (weil) ich gesonnen bin comme je suis résolu t.-it.-frz. (1711) 1059a; wie sie das singen überaus liebte, sangen wir etliche verse aus dem lied: Christi blut u. gerechtigkeit etc. (1774) an Lavater in: schriften der Goetheges. 16, 255; behalt es aber für dich, wie es nur für dich geschrieben ist IV 8, 30 W.; wie ich jetz am wahlen bin, ze will ich auch rëcht wahlen elsäss. 2, 778a. mitunter wird der kausale gebrauch an die zeitliche bedeutung 'während', 'als' (s. u. IV) anzuschlieszen sein: denn wie ich dich so ganz im herzen trage, mit korrelativem (al)so, auch hier bisweilen ins kausale überspielend: wie die warhait vrsprünglich kummbt aus goetlicher lieb vnd gerechtikait ..., also entzündt sy ... den menschen zuo ordennlicher lieb vnd gerechtikait (1528) teutsche theologey 83 R.; wie aber des höchsten auge derer boshaften endlich nicht verschonen ... dürfte: also sihet ein ... gottergebenes gemütte alle ungleiche vorgänge der welt für einen durchgang an, der keinen stein beweget Pathmos (1677) einführung ):( 3b; es regnet; aber wie wir nicht von saltz sein, so werden wir nicht schmeltzen (1715) br. 605 Holland; wie nicht alle thiere wiederkäuen, so sind auch nicht alle geister der menschen zur überlegung und zum nachsinnen geschickt vern. tadlerinnen (1738) 199; wie ich übrigens für philosophen schreibe, so habe ich nicht für nöthig befunden, alle schlüsse vorzubuchstabiren verm. schr. (1755) 1, 2; wie diese verfassung geruht hatte auf der spaltung der aristokratie, so schien die zwiespältigkeit der opposition sie zu falle bringen zu müssen röm. gesch. 2 (1865) 213; denn wie es der geist der erzählung ist, der die glocken läutet, wenn sie von selber läuten, so ist er es auch, der tötet, die da im liede sterben ges. w. (1955) 8, 59. gegensätzliches oder sich ergänzendes verbindend: derhalb wie ir herren gern treuwen dienst habt von ewern aygen leüten, so beweyst jn auch trewen beschirm von leibeigenschaft (1525) C 3a; wie weyszhait ain hoch gt, also ist vnwissenhait das schädlichste ding sprüchw. (1567) B 7b; wie bey jungen freyhen ist ein ehr und keuschheit, also ist es bey alten ein schandt und leichtfertigkeit Lehmann [Bd. 29, Sp. 1489] floril. polit. (1662) 1, 17; wie ich früher die urpflanze aufgesucht, so trachtete ich nunmehr das urthier zu finden II 6, 20 W.; auch ohne korrelatives so: wie nämlich bei andern menschen das tag- und traumleben gesondert ist, war es bei ihr vermischt s. w. 3 (1911) 101. deutlich im sinne von 'einerseits — andererseits': wie verwegenheit ein laster ist, also hat auch kein lob verzagheit sprichwörterreg. (1577) kk 1b. besonders oft dienen zur bekräftigung, erläuternden ausführung, begründung, verallgemeinerung sätze mit wie denn, in älterer sprache auch mit wie dann: ich wollt wohl gerne ... für euch handeln ..., wie denn auch mein schrift der ganzen jüdischheit gar viel gedienet hat briefw. 8, 89 W.; er ist ... also arm, dz er blten möcht vor armt, wie wir dann auch sonst sagen: ich hab keinen bltigen heller schöne weise klugreden (1548) 73b; den christen jetz ein letzin lassen 2) in der satzgliedverknüpfung. a) wie für sich stehend im sinne von 'und' (den gebrauch mit anderen partikeln, wie auch und so, s. unter b). α) substantive oder präpositionale ausdrücke verbindend: und die doch wellen haben er und ich konnte, wie vom schönen leben, und thränen zollt der lust er, wie dem leide β) adjektive (adverbien) verknüpfend; vgl. DWB nach wie vor oben sp. 1483 und sowieso teil 10, 1, sp. 1824 (s. v. sowie 4) und 1348 unten (s. v. so II A 1 i): und bleiben deroselben ieczt wie alle wege mit freundtschafft, kayserlichen gnaden ... wohl bey gethan (1618) acta publica 2, 11 Palm; [Bd. 29, Sp. 1490] nein! streue klug wie reich, mit männlich stäter hand, dasz sie die beiden fische, grosz wie klein, b) einfaches kopulatives wie wird durch hinzutreten weiterer beiordnender partikeln verstärkt. α) die verbindung wie auch 'ebenso auch, und auch' gehört vorwiegend älterer sprache an und ist namentlich für das 17. jh. gut bezeugt. leichte fügungen, die bei alleinstehendem wie überwiegen (mit zwei adjektiven oder mit zwei substantiven, die keine weitere bestimmung bei sich haben), begegnen hier nur vereinzelt: kranckheit, wie auch vnfall, offt zu eigener erkantnus bringt sprichwörterreg. (1577) c 2b; (ich wollte) einige schöne, wie auch seltzame sachen sehen Judas (1686) 1, 41. überwiegend steht wie auch in schwereren fügungen; so bei substantiven (pronomina) mit weiteren bestimmungen (nebensätzen, satzgliedern): so werden freylich zgleich sündigen ... der so die warhait verbürgt, wie auch der so die lugen treibt eins vnd hundert (1567) 1, vorr. a 2b; und der sultan selbsten incognito, wie auch alle anwesende herren bottschafter zugesehen diarium (1701) 120. entsprechend in der satzanknüpfung: als er vernam, dasz ich mich vor einen freyreuter auszgab ... wie auch, dasz ich ausz dem läger vor Breysach von den Weymarischen her käme (1669) Simpl. 364 Scholte. zumal bei widmungen, titeln und anreden im brief ist wie auch das gegebene, statt des weniger gewichtigen bloszen wie: dem wolädlen ... hern, hrn Johan Slütern ... wie auch dem wolehrenfästen ... hern Mattheus Träinern (gewidmet) rechtschreib. (1657) )( 3a; (1660) geharnschte Venus 11 ndr.; des ... herrn Sam. von Butschky ... käysl. maj. rahts wie auch königlichen mannes bei Pathmos (1677) ):( 1b (nach dem register); ich verbleibe ... eu. hochgebohrnen herrl., wie auch dessen frau liebste allezeit dienstfreundlichst reisefertigster Schelmuffsky Schelmuffsky (vollst. ausg.) 4 ndr. — ein schluszglied nachträglich anfügend: ein büffel ist ein grosz thier, wie auch ein beer schöne weise klugreden (1548) 178b; da er aber auszen blieb, so sey er hiedurch schönstens gegrüszt, wie auch die gute Doris (1822) IV 36, 164 W. bei aufzählung mehrerer glieder das letzte anknüpfend: verbleiben den herren vnd euch, wie auch den gesandten sonsten iederzeit mit freundtschaft wol beygethan (1618) acta publica 1, 33 Palm; in Italien galten um die mitte des verflossenen jahrhunderts Gori, Passeri, wie auch Bracci, für die trefflichsten alterthumsforscher I 46, 70 W. β) in der verbindung wie ... so (auch), im 16. und 17. jh. wie ... also (auch) im sinne von 'sowohl ... als auch': dein wille geschehe wie ym hymel also auch auff erden (1529) 30, 1, 201 W.; auch forthin ... niemandt, wie ausz den höhern freyen ständen, also weder die städte, märckte noch pawerszleute ... von seiner religion zue anderer ... gedrungen werden (1618) acta publica 1, 66 Palm; wie zur strafe, so zum lohne γ) in gleicher weise auch so ... wie (vgl. DWB so teil 10, 1, sp. 1361 oben): dasz seind wir umb ... euch mit möglichster gutter correspondentz, ... zu beschulden vnndt zu vordienen so willig, wie erbötig (1618) acta publica 1, 68 Palm; [Bd. 29, Sp. 1491] aus dem bunten weltbeginnen meinen gast, den in der mitte du giebst die beuthe so wie die gefangnen frey entsprechend sowohl ... wie neben sowohl ... als (auch); s. dieses teil 10, 1, sp. 1824: sowohl das alltägliche wie das besondere seiner physiognomie ges. w. (1905) I 5, 124; Harmodius und Aristogiton sowohl wie Brutus waren für mein kindliches rechtsgefühl verbrecher ged. u. er. 1, 19 volksausg. ähnlich so gut wie (vgl. DWB so gut als teil 10, 1, sp. 1361 oben): man wird, so gut wie vom propheten, IV. als temporale konjunktion im sinne von 'als, während, sobald, wenn'. die seit dem frühnhd. bezeugte verwendung (vgl. mhd. swie 'wenn irgend, wenn, sobald' in: mhd. wb. 3, 575b; die ebda 573b für temporales wie angeführten belege treffen nicht zu) begegnet besonders oft in belegen seit dem 18. jh. 'dieser gebrauch ist keiner der besten, ... indem er zweydeutigkeit mit dem umstandsworte wie macht' versuch e. wbs 5 (1786) 208; er wird daher von Heynatz, der nur als und da gelten lassen will, verworfen, s. antibarbarus (1796) 2, 634; vgl. temporales als III 1 teil 1, sp. 257; da 2 und 3 teil 2, sp. 657; nachdem II 1 teil 7, sp. 34; sobald 2 teil 10, 1, sp. 1386; ferner wo II A 2 teil 14, 2 sp. 914. in den mundarten (ebenso in der umgangssprache) ist der temporale gebrauch des wie sehr verbreitet; für das obd. vgl. elsäss. 2, 778a; schwäb. 6, 807; nach satzbau d. Egerl. ma. 57 allgemein bair.-österr.; unbekannt ist zeitliches wie in Basel, vgl. PBB 18, 493; für den gebrauch im md. vgl. z. b. köln. sprachsch. 3, 278b und obersächs. 2, 664a; die verbreitung im nd. bereich belegen wb. d. Teltower volksspr. 280b, berlinisch 303, Nordharzer wb. 226b und Wegener in: grdr. 1, 944 für das gebiet von Magdeburg. — überwiegend ist der wie-satz vorangestellt; der hauptsatz wird dann mitunter durch ein da oder so eingeleitet. 1) auf ein bestimmtes geschehen und dgl. in der vergangenheit bezogen, daher mit präteritum oder erzählendem präsens; im sinne von 'als': wie ich kam, saszen sie und truncken Reinfal lebensbeschr. 35 Bieling; derhalben wie sich die von Erdtfurt ainsmals user iren statt gelassen ..., do seyen sie von des marggrafen Friderrichen reuter ... antroffen und in die flucht geschlagen Zimmer. chron. 21, 20 Barack; wie er (Damokles) aber vngefehr über sich sihet, wird er gewahr, dasz ein ... schwerd über seinen kopff an einem seidenen faden hanget floril. polit. (1662) 3, 306; sie war wittwe, wie du sie kennen lerntest? Göthe I 9, 123 W.; wie sie ein weilchen gegangen waren, stand Hänsel still und guckte nach dem hause zurück kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 50; wie ich mich etwas erleichtert fühlte, so rückte ich allmählig hinter den vielen leuten hervor d. buch geh. d. könig (1843) 1, 89; wir müssen wohl eine lange zeit so gelegen haben, denn wie ich wieder etwas von mir weisz, [Bd. 29, Sp. 1492] da höre ich ... die preuszischen trompeten Paul Ernst zehn geschichten (o. j.) 38 Potthoff. 'sobald (als)', das rasche, unmittelbare aufeinanderfolgen zweier ereignisse bezeichnend: wie sie ihn erblickt, und wie ich stieg, zog von dem flusz der wiesen wie mit des elementes macht als erläuterung bei zeitangaben: anno 1583, wie es umb den letzten februarii tawwetter ware wendunmuth 2, 199 Ö.; es fällt in die zeiten, wie ich die von Miltenberg ... in der wirthsstube fand I 8, 137 W. 2) im sinne von 'sowie, sobald, wenn' auf zeitlich nicht festgelegte, namentlich erst zu erwartende ereignisse u. dgl. bezogen, bei (nach) deren eintritt ein bestimmtes verhalten, geschehen oder sein (regelmäszig) statthat; wie die belege zeigen, ergibt sich eine gewisse annäherung an die konditionalen wenn-sätze: die gröste trotzer ... sind allezeit ... die forchtsambsten, wie sich das blättlein wendet nosce te ipsum (1638) 526; unsere vorfahren paszten auf. wie sie einem herrn gram wurden, fingen sie ihm etwa seinen sohn und erben weg I 8, 207 W.; (das volk) droht ihn zu zerreiszen, 3) neben zeitlichem wie steht gleichbedeutend die zusammensetzung sowie; zu den teil 10, 1, sp. 1824 (unter sowie 3) angeführten belegen im sinne von 'sobald als' s. hier noch (mit gelegentlicher annäherung an die bedeutung des konditionalen wenn): ... ich wache ja, so wie [Bd. 29, Sp. 1493] wie bald vsz dem husz kumbt die katz, ich bin ja weder stahl noch stein: A. herkunft und form. 1) zwei formenstränge laufen im germ. nebeneinander her: spätahd., mhd. wieche; mnd. wêke, weike, m., f. [daraus entlehnt dän. væge, schwed. veke, norw. veik(e)]; mnl. wieke, f., 'scharpie, docht, flügel'; nnl. wiek, f. dass.; fries. wjuk(ke), wjûk, wjok 'flügel' (zur bedeutungsentwicklung vgl. etym. woordenb. 2792); ags. wēoce, f., 'docht' mit einem auf germ. eu zurückgehenden stammsilbenvokal und ahd. wicha, wich; mhd. wicke; engl. wick 'docht, scharpie'; norw. vik, f., vikk(e), f. 'garnfitze' mit i als stammsilbenvokal. beiden formenreihen liegt nach studien z. ai. u. vgl. sprachgesch. (1897) 26 ff. die idg. wurzel *eg- 'weben, knüpfen; gewebe, gespinst' zugrunde, zu der sich auch aind. vāgur 'fangstrick, netz, garn', lat. vēlum 'segel, hülle, tuch, vorhang', air. figim 'webe' u. a. stellen, wobei germ. *wik- aus *wek- deren hochstufe (zur erklärung des — soweit nicht j-bildungen vorliegen — schwierigen i vermutet 1, 247; 1117 einmischung der idg. wurzel *eik-, *eig-) und germ. *weuk- wohl eine reduplikationsbildung * e-g- fortsetzt; als tiefstufe dazu vgl. DWB wocken (teil 14, 2, sp. 964f.). aus praktischen gründen werden die beiden formenstränge, die streng genommen zu trennen wären, hier unter einem stichwort behandelt. 2) die auf germ. *weuk- (> ahd. *weocha, as. *weoka) zurückgehende, im dt. nur im sinne von B 2 und B 3 verwendete form begegnet mit verschobener tenuis zufrühest in: licinia wieche (12. jh.) ahd. gl. 3, 409, 61 St.-S. (zu B 3), mit unverschobener zuerst bei dem Limburger (s. unter B 2). in frühnhd. zeit bis zum beginn des 17. jhs. ist wieche im sinne von B 2, 3 (s. dort die belege) die herrschende form in literarischen und lexikalischen quellen des westmd. und angrenzenden obd., insbesondere der Frankfurter und Straszburger drucke. in den Kölner drucken gilt frühnhd. ebenso wie im mnd. (s. 5, 657) in beiden bedeutungen die unverschobene k-form: tenta wieke (Köln 1507) gl. 578a (zu B 3; s. unter B 2 die belege aus den städtechron.). dem verbreitungsgebiet der auf germ. *weuk- zurückgehenden form und der verteilung von verschobenem und unverschobenem k innerhalb dieses gebietes im frühnhd. [Bd. 29, Sp. 1494] entsprechen die verhältnisse in den heutigen maa.: im südlichen hessischen, im pfälzischen, lothringischen, elsässischen und westl. schwäbischen gilt verschobenes wieche (in der bedeutung B 2), dagegen im moselfränkischen, ripuarischen, niederfränkischen (ebenfalls in der bedeutung B 2) und westlichen hess. wie auch im nd. (in den bedeutungen B 2 und 3) die unverschobene form (zur erklärung der bei diesem wort weit südlich der maken/machen-linie verlaufenden verschiebungsgrenze vgl. Germania Romana [1932] 211). die verbreitung der bedeutung B 3 nur in mundarten mit unverschobener tenuis erklärt die eigentümliche erscheinung, dasz diese bedeutung von der mitte des 17. jhs. an in hochsprachlichen quellen fast nur noch in der hd.-nd. mischform wieke erscheint. — aus schematischer umsetzung von mnd. weike in hd. lautung ergaben sich wohl diphthongische formen wie: linamentum ein weiche prompt. (1517) N 5b; weiche 'scharpie' (Stralsund, mitte 18. jh.) pomm. jb. 11, 106, wobei die volksetymologische anlehnung an weich 'mollis' mitgespielt haben mag. im obd. entstand die gleiche form bei schematischer umsetzung von wieche aus einer mhd. î nicht diphthongierenden ma. in eine diphthongierende: licmen dochte o. weyche (15. jh., obd.) nov. gl. 234a; waichenn (pl. 'scharpie') Braunschweig chirurgia (Augsb. 1539) 19b (vorlage: wiechen Straszburg 1497). 3) bei den fortsetzungen von germ. *wik- im dt. ist zwischen den auf eine wgerm. -k-form und den auf eine wgerm. -kk-form (gemination vor ja- oder jō-stamm) zurückgehenden belegen zu scheiden. a) die wgerm. -k-form, die zufrühest in: lvcvbrum wich (12. u. 13. jh.) ahd. gl. 3, 159, 31 St.-S.; licinus daht vel wicha (13. jh.) ebda 29 (aber -ch- kann in diesen hss. für -kk- stehen!) erscheint, tritt im dt. nur selten und — wie A 2 — nur im sinne von B 2 und B 3 auf: wiht (anf. 16. jh.; -t nach docht) Augsburger rätselbuch in: zs. f. dt. altert. 3, 32 (zu B 2 a); wichen (Frankfurt 1493) bei berufe d. st. Frankfurt 23a (zu B 2 b); (Mainz 1525) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 377 Franz (zu B 2 b); wiche thierb. Alberti Magni (1545) 32 (zu B 3); mundartl. vereinzelt im westmd.: viXən stud. z. dialektgeogr. d. kr. Saarlouis 35; wiche, m. Frankfurt 118 (zu B 2); wetterau. wiche, m. dt. wb. (1910) 2, 1259 (zu B 2, 3); mit unverschobener tenuis: weúk, f. Trier 217 (zu B 2). b) die form mit geminiertem k erscheint als einzige in allen drei bedeutungszweigen. während für die bedeutung B 1 (wovon 2wickel abgeleitet ist, s. d.) frühnhd. belege selten sind und im sinne von B 2 ganz fehlen (s. jedoch unter wiechlein 2), ist B 3 bis ins 18. jh. reichlich bezeugt. mundartl. erscheint die form im sinne von B 1 z. b. im elsäss., schwäb., tirol., nordböhm., im sinne von B 2 nach dem material des DWA insbesondere im luxemb. und im westlichen hessischen, im sinne von B 3 im tirol., nordböhm. sowie bei Gieszen; sie ist landschaftlich also nicht so begrenzt wie A 2 und A 3 a. 4) für die wortbedeutung B 1 (s. dort die belege) geben Hulsius u. mask. genus an, die mundartwbb. dagegen meist fem.; im sinne von B 2 (s. dort die belege) schiebt sich südliches mask., wie es frühnhd. in den Straszburger drucken gilt, gegen nördl. fem. vor wie es bei Heinrich v. Veldeke und frühnhd. in den Frankfurter drucken erscheint, so dasz heute, wie das material des Deutschen wortatlas zeigt, in den maa. mit verschobener tenuis (s. DWB A 2, A 3 a) mask. vorherrscht, während sich das fem. auf die maa. mit unverschobener tenuis zurückgezogen hat. im sinne von B 3 (s. dort die belege) gelten frühnhd. und noch im 18. jh. ebenso wie im mnd. mask. u. fem. nebeneinander; allerdings verzeichnen die wbb. von (1587) bis zu Adelung stets nur das fem.; dieses herrscht neben vereinzeltem mask. vorwiegend auch in den maa. 5) alle unter A 2, A 3 a, b verzeichneten wortformen flektieren frühnhd. sowohl im mask. wie im fem. im allgemeinen schwach; dabei ist, besonders im elsäss., das -en der obliquen casus häufiger in den nom. sg. übergetreten: [Bd. 29, Sp. 1495] tenta ein wyechen gemma gemm. (Straszburg 1508) C 1b (zu B 3). daneben musz ursprünglich auch st. flexion gegolten haben, wovon der nom. sg. mask. ahd. wich (s. DWB A 3 a) zeugt, während in frühnhd. formen wie lychimen ein wiech gemma gemm. (Hagenau 1510) o 5b ein -e des schw. nom. sg. apokopiert sein könnte. notwendig ist die annahme ursprünglich st. flexion bei der form A 3 b (s. d.), die einen ja- oder jō-stamm voraussetzt; vgl. den st. akk. sg. fem. wicke philos. feierabend (1700) 795 (zu B 3). B. bedeutung. 1) faserbündel, insbesondere die zum abspinnen um den rocken gewickelte fasermenge (vgl. 2wickel 1 und wiechlein 1). schon im frühesten beleg (wie später mundartl.) bildlich vom haarschopf: von irm (der hure) flachs hab ich ain wick. 2) in der bedeutung 'docht' (a), zu der seit ca. 1400 'zündschnur, lunte' (b) tritt, bleibt das wort auf den westmd. sowie den angrenzenden obd. und nd. raum beschränkt (s. DWB A 2, 3 sowie die genauen angaben zur heutigen verbreitung in den maa. unter B 2 a). die geographische begrenzung, die zersplitterung in verschiedene lautformen sowie DWB — nach ansicht v. Bahders z. wortwahl in d. frühnhd. schriftspr. (1925) 59 f. — vor allem das nebeneinander zweier (haupt) bedeutungen (B 2, 3) haben wieche 'docht, lunte' den eingang in die nhd. schriftsprache verwehrt. es ist dort wie synonymes obd.-südmd. zache (teil 15, sp. 10), zoche 2 (teil 16, sp. 14) von den stärkeren docht (s. DWB dacht teil 2, sp. 668) und lunte (teil 6, sp. 1307) verdrängt worden. a) lampen-, auch kerzendocht (vgl. wiechlein 2 a): ahd. belege s. unter DWB A 3 a; dâ (in die lampe) was balsâmum in gedân [Bd. 29, Sp. 1496] 2, 835; (laterne, in der) die flamme also zu dem wiechen ist getemperiert ... das sie nit uszdrinkt das öle Straszb. quelle von 1505 bei Straszburg 117; die flamm durch den wiechen das öl oder fette an sich zeücht anatomi (1541) J 1b; man soll ausz alten truckenen leininen lumpen wiechen machen, inn zerlassen vnschlitt teuchen ... vnd anzünden feldbau (1579) 611; weyche die vorige seyl darinn vnd lasz sie darnach widerumb trucken werden, so hastu die wiechen oder dacht kriegss-manual (1616) 153; ich weisz, dasz die liebe, wie alles andre, der gewalt der zeit unterworfen ist, dasz sie in ihrer flamme selbst ein art von dacht oder wike hat, wovon sie endlich geschwächt und verdunkelt wird ges. schr. II 3, 476 akad.; eine selbstgemachte lampe ersezte das versehen. es war eine baumwollene wicke, die in einem trinkglase ... auf einem stücke kork in oel schwamm R. Chandler, reisen in Klein-Asien (1776) 33. seitdem lebt die bedeutung nur noch in den maa., von den maa.-wbb. vereinzelt als 'kerzendocht', häufiger als 'lampendocht' oder einfach 'docht' bestimmt: wieche, m. pfälz. 151; Lothr. 540; Saarbrücken 2229; Rappenau 231; elsäss. 2, 784; schwäb. 6, 807; wîke, wicke (im westl. Hessen, während im östl. Hessen nur dâcht gebräuchlich ist) Kurhessen 454; wiek, f. Eifel 233; weick, wieck, f. Westerwald 325; week, f. Köln 200a; vī:kə Wermelskirchen 52; wēke brem.-nieders. wb. 5, 222; Oldenburg 130; waike, wêke, f. westf. 314; 319; wëck Aachen 160; luxemb. ma. 482; wick 486. das mundartl. verbreitungsgebiet von wieche (einschl. der nebenformen) 'docht (der lampe)' lag 1939 nach dem material des Deutschen wortatlas innerhalb einer linie, die etwa von folgenden orten gebildet wird: Dalheim, Jülich, Euskirchen, Bonn, Krefeld, Rheinbach, Gelsenkirchen, Lüdenscheid, Drolshagen, Hilchenbach, Berleburg, Kirchhain, Grünberg, Butzbach, Nastätten, Kaub a. Rhein, bad Kreuznach, Darmstadt, Höchst, Eberbach, Brackenheim, Baden-Baden, Offenburg, Herbolzheim, Markirch. auf eine ehemals weitere verbreitung weisen streuformen, die in dem gebiet, das mit den städten Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Aschaffenburg, Steinau sackartig in den oben beschriebenen raum einschneidet, ferner östlich von Offenburg bis Freudenstadt sowie um Colmar besonders dicht liegen. b) zündschnur, lunte (vgl. wiechlein 2 b): (die brandstifter) wisten wiecken de si gelacht hadten (Köln, um 1400) städtechron. 13, 59; mach hinden ein wiechen darein als lang du wilt, demnach sich der (mit pulver gefüllte) pfeil baldt oder langsam anzinden soll kriegsb. 2 (1573) 217b; darnach musz man ein dünne wiechen machen, die an gemeldtes pulver stosse archelei (1614) 92. s. a. die mnd. belege bei 5, 657 f. mundartl. kaum bezeugt: wick, f., zündschnur luxemb. ma. 486. 3) spitzer, gedrehter pfropfen oder bausch zur wundbehandlung, in neuerer zeit meist aus scharpie (s. auch gleichbedeutendes meiszel 3, teil 6, sp. 1984 und weiszel teil 14, 1, 1, sp. 1205); mit dem fortschreiten der medizinischen wissenschaft im 19. jh. auszer gebrauch gekommen. die bereits in den ahd. gl. einmal belegte bedeutung (s. DWB A 2) ist vom 14. jh. an durchgehend bezeugt (vgl. die mnd. belege bei 5, 657 sowie wiechen, vb. und wiechlein 3): tenta wieke (14./15. jh.) gl. 578a; malagma wycke (15. jh., md.) 344a; epithema ein wiech in der wunden gemma gemm. (Straszb. 1508) i 1b; turunda ... die wicken, so man in eine wunden dreet vnd leget, si zu reinigen vnd heilen thes. (1587) 896a; tasta ... ein wieche it.-t. (1618) 407b; pannus ... eine wiecke fons lat. (1646) 621; wiek, f., terunda haubtspr. (1663) 1443; wicke ... bey den balbieren turunda dt. wb. (1734) 2, 991; die weiche, nieders. wieke 5 (1786) 125: [Bd. 29, Sp. 1497] so sal he (der arzt) sine wikin di wunde und daz eiter [Bd. 29, Sp. 1498] 1) zu wieche B 1 'faserbündel, insbes. die zum abspinnen um den rocken gewickelte fasermenge' (s. a. das gleichbed. 2wickel 1). schon ahd. — meist mit inlautender obd. affrikata — reich belegt: (prunas) maniplis (confovere) stuppeis vuicchilinun zunterinun (11. jh.) ahd. gl. 2, 453, 20 St.-S.; pensa uuicchili (11. jh.) ebda 720, 70; penso uuikiline (dat. sg.; 11. jh.) ebda 712, 40; pensum wichili (11. jh.) ebda 3, 624, 62; wickelin (12. jh.) ebda 253, 39. das oben unter 2wickel 1 angeführte wichel (13. jh.) ebda 306, 58 ist von Steinmeyer mit recht aus wiehel gebessert worden, da dieser beleg sonst als einziger zu der bedeutung von wieche B 1 die lautform von wieche A 2 zeigen würde. die erst im frühnhd. wieder einsetzende bezeugung reicht bis ins 18. jh.: stuppa heyden wickly vel rist werck (1466, obd.) nov. gl. 351b; pensum ein wichkel flachs, das man an legt vnd dar von spint voc. pred. (1486) T 3a; globus lanae wickle wullen nom. quadr. (1592) 327; wicklen pensum, manipulus lini dict. (1727) 2, 2183b; wo ain schofwoll fürgenomen ist, daraus zespinnen ... scharlach tech ..., dieselb woll wirt getailt in vil wikel, die vngleich werden. eins lsst sich schon spinnen, dann es ist zugig vnd tglich z scharlach. das ander wickel ist vnzügig, daraus nichts anders werden mag dann grob loden tech. deszhalb kumbt des ainen wikels woll im scharlach zum knig. des andern wickels woll kumbt im loden zumm ackerman, wiewol bede wickel ainer woll vnd natur seinn teutsche theol. 204 Reithm.; das wickel, das an die gunkel ist gebunden, ist Christus Jesus vnnser herr gaistl. spinnerin (1510) a 6a; wenn zu Rom ein newer bapst erwehlet und gekrönet wird, dasz einer ein wickelein flachs an einer stangen mit fewr anzündet hist. lustgarten (1625) 1, 609. die wendung sein wicklein abspinnen meint 'seine pflicht tun': der eüsserlich gottesdienst verfürt die gantze welt, dann damit meinet der mensch, er hab nun mit gott feyerabent gemacht, vnd sein wickle abgespunnen paradoxa (1558) 117a. in neuerer zeit nur noch mundartl. im obd. gebräuchlich: wickelein 'soviel an flachs oder wolle als jedesmal zum abspinnen um den rocken gewickelt wird' bayer. 2, 847. mit ähnlichen bedeutungsangaben: wikkele, n. Tirol 705; wickúl, n. (Burgenland) dt. maa. 6, 347 Frommann; wickel, wickerl, n. steir. 631a; wicklein schwäb. 6, 752; wikxli (veraltet) Uri 144; 's wiggeli Basel 315; wickel, n., büschel leicht in einen zopf geflochtenen hanfes, wie er in die reibmühle getan wird schweiz. 2, 448. 2) a) zu wieche B 2 a 'docht': man saczt im ze dem haubt sein b) zu wieche B 2 b 'zündschnur, lunte': mach darein ein wicklein oder zochen, zu dem feuerwerck gehörig kriegsbuch 2 (1573) 202b. 3) zu wieche B 3 'spitzer, gedrehter pfropfen oder bausch zur wundbehandlung': nim gebrant saltz, wisszen weinstein ... vnd mache ein sälblin dorusz, vnd lege sye jm in die fystelen mit wyechlin oder fäszen wundtartzney (1517) 61a; mache nur ein gerecht und bequeme meiszlin oder wicklin von flachs ..., stecke es von unten auff in den schaden augendienst (1583) 149b; die wicklin, so die balbirer in die wunden drehen thes. (1587) 275a; mache auch leinene wicklein, duncke sie darein wacholder garten (1605) 75.
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