| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
wartolf bis wartstatt (Bd. 27, Sp. 2177 bis 2182) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
wartolf, m. wartpfennig, m. wartrecht, n. wärts, adv. wartsack, m. wartsam, adj. wartschanze, f. wartschiff, n. wartsfrau wärtsig, adj. wartstatt, f. warttag, m. wartthurm, m. wartung, f. wartweide, f. wartwoche, f. warum warvogel, m. warvon, fragew. u. adv. warz wärzchen, n. warze, f. warzel, f. wärzel, n. warzelkraut, n. warzelloch, n. warzenähnlich, adj. warzenanker, m. warzenartig, adj. warzenbacke, f. warzenbalsam, m. warzenbast, m. warzenbein, n. warzenbeiszer, m. warzenbirke warzenblatt, n. warzenblume, f. warzenbrand, m. warzenbruch, m. warzenbuckel warzenbüschelraupe, f. warzendeckel, m. warzendistel, f. warzendorn, m. warzendotter, m. warzenegel, m. warzeneichel, f. warzeneinschnitt, m. warzenesche, f. warzenfalte, f. warzenfisch, m. warzenflechte, f. warzenflunder, m. und f. warzenförmig, adj. warzenfortsatz, m. warzenfresser, m. warzenführung, f. warzengang, m. warzengesicht, n. warzengewebe, n. warzenglas, n. warzengras, n. warzengrube, f. warzenhaft, adj. warzenhahnenfusz, m. warzenhaus, n. warzenheuschrecke, f. warzenhindläufte, m. warzenhof, m. warzenhütchen, n. warzenkäfer, m. warzenkamm, m. warzenkiefer, f. warzenkohl, m. warzenkönig, m. warzenkopf, m. warzenkoralle, f. warzenkrankheit, f. warzenkraut, n. warzenkrebs, m. warzenkreis, m. warzenkresse, f. warzenkürbis, m. warzenloch, n. warzenlochflechte, f. warzenmal warzenmaul, n. warzenmaus, f. warzenmelone, f. warzenmittel warzenmuskel, m. warzennaht warzennest, n. warzenpilz, m. warzenpocke, f. warzenpulver, n. warzenring, m. warzenrippe, f. warzenritz, m. warzensalbe, f. | [Bd. 27, Sp. 2178] raumsichel brauchen zu garnen noch zu wartolfen 2, 550 (1596); es soll gefischt werden zwischen ostern und st. Barthelmä ... mit 12 garnen, die zwanzig-maschig sind, und mit 18 garnen, die achtzehn-maschig sind, mit 16 wartolffen, die gestricket sind über ein und zwanzigmaschig und mit zehn garnen, die man ehemals geheiszen hat brieszengarn pfälzisches museum 21, 48 (1388); es sol ouch nieman von angondem mertze untz dem meigetage deheine fache ... noch deheine kelle, die in die löcher gont, wo das ist, nit versetzen noch verstellen mit rúsen, mit körben, mit wartolfen noch mit keinen dingen, domit einer vische gefohen möhte Straszburger zunftordnungen 225 Brucker (1449); die (karpfen) mag er wol verstellen mit Rin- oder fachwartolffen 226; sol kein vischer darin kein rúschen setzen noch kein vach machen, denn allein mag man wartolff darin setzen stadtrecht von Zofingen 142, 12 Merz (um 1450); wan ein arman ime Rîn uff der weyde setzet zwo docken, darine magk er ein wardolf setzen tiere im pfälz. volksmunde 1, 24 (1480); so bald sind des jungen vatter ... alle seine garn gefroren, die wartölff und körb hinweggetriben, also das er gar keinen fisch mehr hat fahen können 2, 109, 36 Bolte; welcher centhman in den landbächen einige hemmung und beschleimung anricht, durch flachs, wartholf oder reuszen weisth. 1, 479 (Zwingenberg a. d. B. um 1700); durch flosz, wartolf, reusen 1, 495 (Gerau); schiff und geschyr wie man es sol bruchen, 1) dasselbe wie wachtpfennig 1 (sp. 198): wir wolden in (den zöllner) rechenunge heiʒʒen tn von allem dem, daʒ er uff hette gehaben an dem zolle von der zyt, daʒ wir die von Oytingen in den zol saczten, und waʒ yme hinderstellig wer verliben an sinem wartpennig, daʒ wolden wir yme gutlichen bezalen Hohenlohisches urkundenbuch 2, 455 (mitte 14. jahrh.) Weller; wir ... sollen dernoch keine andere nuwe zölle, tornose oder wartpfennige off dem Rine nit verlihen, geben noch offlegen, oder offlegen laszen, ane wiszen, willen oder rat der vorgenanten kurfürsten Frankfurts reichscorrespondenz 1, 525 (1400) Janssen. im Teuthonista 479b Verdam wartspennynck. 2) dasselbe wie wachtpfennig 2: ende is the weten dans onse lieve boel sinen wartpenninch setten mach ende sael in die voergenante tolle, die mede to scepe gaen sal ende dat gelt helpen mede in die tolkist to werpene, ende die enen slotel van der tolkisten hebben sael, die daer wesen ende ligghen sael up onsen kost, thent der tyt dat die summe geldes alinclich ende wael betaelt is urkundenb. f. d. gesch. d. Niederrh. 3, 432 (1354). nach 1949 auch überhaupt für 'zolleinnehmer'. dafür auch wartpfenniger: wir Johann greve zu Nassauwe bekennen ... das wir dem edeln Johanne von Seyne genant Griffenstein zu iglicher fronefasten 15 gulden ... geben sollen von unserm zolltornos zu Laenstein ... und ist geredt, das unser wartespenniger daselbs zu Laenstein ... demselben [Bd. 27, Sp. 2179] Johanne geloben sal ime die 15 gulden ... zu bezalne beyträge zu den deutschen glossaren 111 (1395). 1) das schon im gotischen auftretende wort geht auf ein nur in zusammensetzungen erscheinendes adj. in der bedeutung 'gerichtet' zurück, das mit e, a und u als ablautvocalen vorkommt, got. -wairþs, anord. -verðr 3, 915 und -urðr, ags. -weard 1176, afries. -ward, -wirth 1125, asächs. -ward (im Cott. auch -werd), ahd. -wart, -wert 1, 998 ff., mhd. noch in gegen-, heim-, în-, widerwart (weitergebildet -wertic). dies gehört zu werden in der ursprünglichen bedeutung 'sich wenden, drehen' 34, 398. von dem adj. werden adv. in genetivischer oder accusativischer form gebildet: got. -wairþis (andwairþis, framwairþis), ags. -weard und -weardes, engl. -wards, asächs. -wardes, mnd. -wert, -wart, -wort 5, 689 und -werdes, -wardes 679, ndl. -waarts, ahd. -wert, -wart und -wertes, -wartes (z. b. inwertes, heimwartes), auch -ort (z. b. heimort, nidarort). im mhd. bis ins 15. jahrh. kommen die genetivischen bildungen nur vereinzelt vor, am häufigsten ist -wert; -wart erscheint z. b. Parzival 41, 14 (dannewart). Tristan 11539 (hinewart) im reim, besonders aber bei Ostmitteldeutschen ( 450. Passional 601, 27 Köpke u. ö. väterbuch 3642 Reiszenberger. 7313 u. ö. neben -wert 5491 u. ö. düring. chr. 663), auch bei md. schreibenden Niederdeutschen (Sachsenspiegel 1, 42, 2. 236 u. ö. chron. Mecklenburg. 597, 63 u. ö.). im nhd. verschwinden dagegen die accusativischen bildungen, -wert noch bei Esopus 4, 79, 25. chron. helv. 1, 114. teutscher nation herligkeit (1609) 10, -wart noch bei (s. u. 3) und im Reineke fuchs (1583) 16. neben -werts, -werz kommt aber bis ins 17. jahrh. -warts, -warz vor (-wartes bei newe weldte f 6a), so liederbuch 2, 14, 248 (s. 155). Nürnberger polizeiordnungen 180. pilgerfahrt 9. denkwürd. 473 Opel. quellen z. gesch. d. bauernkriegs a. Rotenburg 456. chronik, städtechr. 25, 171, 12. Herodot 35a. Esopus 4, 13, 3. fab. u. schw. 3, 162, 25 (warcz, daneben wercz). 47 Lichtenstein. Simpl. 1, 270, 19 Kurz. Dresden (1680) 257 bei 2, 641. verteütschte Cassandra (1685) 82 (hinterwarts). die schreibung -wärts, die zwischen -werts und -warts vermittelt, dringt im 17. jahrh. durch, z. b. bei Krämer, während 659 noch werts hat. 2) -wärts schlieszt sich an eine grosze zahl von lokalen adverbien und adverbiellen verbindungen z. b. hinab, hinauf an, denen sich auch das zum adv. gewordene heim anreiht. mit nominibus wird es ursprünglich nicht verbunden, wohl aber wird es vom 12. bis 17. jahrh. an präpositionelle wendungen angefügt, am häufigsten bei vorausgehendem gegen, nach, zu. a) ie mitten unde sî daʒ swert daʒ (pferd) drug iʒ gein der burge wert. heil. Elisabeth 3622 Rieger; dô hûb er sich kegn lande wart. lyd eyn lant keyn westin wart, des waren dy lant geyn osten ward. 614, 41; gehet hen gen der stede wert, es wolt zu den zwain seiten [Bd. 27, Sp. 2180] so khün macht sich Brun auff die fart b) eʒ ist ir jungester tac. c) sie beswur daʒ waʒʒer, daʒ iʒ ginc di gelobeten al gelîche, ir kiele si dô fuorten hin zu den hoen bergen wert. ir herze unde al ir sinne dô durch andâchticlîche pflicht woil an, ir brudder, gehen mer gdacht, nach Riga mit meiner wahr je weiter du (hecht) zu land wert springst, zur rechtn hand steht desz weisen hertz, namen harnisch und were, [Bd. 27, Sp. 2181] gar sere zu den ketzern düringische chronik 663 Liliencron; gegen dem nidergang der sunnen ze hausz wercz sich keret Decamerone 74, 37 Keller; Salvator geet mit den jungern von dann hin zum wirt werts, aber nit gar dar altd. passionsspiele aus Tirol 366; dese stat hait zo dem geberchs wartz tzwey fijner sloesse boeven lijgen pilgerfahrt des ritters 9; es ist ein jarfest des herrn zu Silo, die zur mitternacht werts ligt Beth El, gegen der sonnen auffgang richter 21, 19; ihr (der cherubim) andlitz war gewand zum hause werts 2. chron. 3, 13; drumb nennet er die fittich, die sich von dem leyb ausz breyten, übirsilbert, und die flügel, die auff den rücken sich enden zum leybe werds (Jen. ausg. 1, 467b wards) goltferbig 8, 15, 9 Weim. ausg.; pleib er in den stetten, die zu lande wertz lagen Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 47 Gäbel; do die Wende gleichwol zur seh wertz auslagen 51; das er zu velde werts die vorstatt hinaus, auch dieselbige entlengst in die rechte statt sehen konte 2, 35. auch anschlusz an ein pron. kommt vor: von der scharpfen antwort des weibs d) wärts nach einer bestimmung mit auf, durch, in ist nicht häufig: wande ein bitterlicheʒ swert die zwey schieff richten ir segel auff e) bei Luther kommt von — werts zur bezeichnung der himmelsrichtung vor: da sandte ich boten aus der wüsten von morgen werts zu Sihon dem könige zu Hesbon 5. Mos. 2, 26; begruben sie in ... auff dem gebirge Ephraim von mitternacht werts am berge Gaas richter 2, 9; von abend werts der stad 2. chron. 32, 30. das wird noch von den romantikern nachgebildet: ihm die freudigkeit zu zeigen, die von morgenwärts herschritt Sternbald 1, 120; von himmelwärts 3) nur vereinzelt kommt es im mhd. vor, dasz sich -wärts an eine genetivform anschlieszt: si begunden genzlich schowen, der erste lant ist Ruszin, wie ein rosenzaun, Ottilie, [Bd. 27, Sp. 2182] anderwärts 'nach der andern richtung' kommt schon im 15. jahrh. vor: stosz esz ander wert und czwing esz aber durch kuchenmeysterey b 4b (schon bei Opitz auch in der bedeutung 'anderswo' th. 1, 314); allerwärts ist th. 1, 228 aus Klopstock belegt, nach Adelung nur im gemeinen leben (bei Göthe allwärts); vereinzelt dieserwärts 41, ii, 43 Weim. ausg.
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