| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||
stumpf bis stumpf (Bd. 20, Sp. 427) | |||||||||||||||||||||||||||||
stumpf, m. stumpen, m. stumpfbesen stumpfbohrer stumpfgras stumpfhaar stumpfhalm stumpfhand stumpfkette stumpfnagel stumpfriegel stumpffabrik stumpfgeld stumpflöse stumpfmacher stumpfmagazin stumpfmarkt stumpfwirker stumpf, adj. stumpfkäfer stumpfknopf stumpfkrokodil stumpfmuschel stumpfmutze stumpfohr stumpfschlosz stumpfschnecke stumpfspindel stumpfwedel stumpfblätterig stumpfdreieckig stumpfelliptisch stumpfflügelig stumpfgesägt stumpfgeschnäbelt stumpfgezackt stumpfgezähnt stumpfkronig stumpflappig stumpfmaurig stumpfrandig stumpfschnauzig stumpfstachelspitzig stumpfgrau stumpfschwarz stumpfbigott stumpfblöde stumpfeitel stumpffinster stumpfgeistig stumpfgesinnt stumpfherzig stumpfhirnig stumpfhörig stumpflebig stumpfsichtig stumpfstickicht stumpfarsch, adj. stumpfbock, m. stumpfbold, m. stümpfchen, n. stumpfe, f. stumpfdeutung, f. stumpfeck, n. stumpfeckicht, adj. stumpfeckig, adj. stumpfel, m. stumpel, m. stümpfel, m. stümpfel, n. stümpflein, n. stumpfen, vb. stumpen, vb. stumpfen, vb. stümpfen, vb. stümpfen, vb. stumpen, vb. stümpfen, vb. stumpfende, n. stumpfendenverbindung, f. stumpfet, adj. stumpffinger, m. stumpffingerig stumpffusz, m. stumpfgasse, f. stumpfgleis, n. stumpfhafer, m. stumpfhammer, m. stumpfheit, f. stumpfholz, m. stumpfhorn, n. stumpfhörnerig, adj. stumpficht, adj. stumpfecht, adj. stumpfieren, vb. stumpfierer, m. stumpfierisch, adj. stumpfierlich, adj. und adv. stumpfierrede, f. stumpfierung, f. | auf dem continent: ahd., von den schenkeln eines lahmen: stumpha bases (eius et plantae consolidatae sunt) ahd. gl. 1, 742, 53 (apostelgesch. 3, 7); mhd. stumpf, mnd. stump, mnl. stomp, stompe 7, 2202. darüber hinaus nicht autochthon, sondern aus dem dtsch. entlehnt: me. stump, stumpe, stompe 9, 1, 1191; dän. stump, stumpe, schwed. älter und dial. stump, norw. (auch alt) stumpr, vgl. 1190, nynorsk et. ordb. 734; die norw. und schwed. bezeugte bedeutung 'besondere art brot' kommt zwar für dtsch. stumpf nicht vor, wohl aber für strumpf, vgl. sp. 116. gleichen stammes wie stumpf, adj., und stümmeln. auszerhalb des germ. stehen am nächsten, in ablautstufe, wurzelauslaut oder beidem abweichend, die adjectiva lit. stambùs grob balt.-slaw. 284; griech. ἀστεμφής unbewegt, starr dict. ét. 91 (zu στέμβω erschüttere), in der bedeutung genau entsprechend mit abweichendem an- und auslaut altslav. tąpŭ et. wb. 358, und die substantiva ai. stamba 'büschel', stambha 'pfosten, säule', lit. stámbas 'stengel, strunk', vgl. 2, 623 ff. die ursprüngliche und frühest bezeugte bedeutung des subst. und adj. stumpf ist 'verstümmelt'; ein starkes vb. mit der bedeutung 'verstümmeln', also wie 2stumpfen, könnte die grundlage für subst. und adj. sein, ist jedoch nicht bezeugt. bei dem paar lat. truncus 'strunk, baumstamm' und truncus 'verstümmelt' ist das adjectiv. erst aus struncare rückgebildet, s. rückl. ableit. i. lat. 40; dagegen ist dtsch. stummel substantivierung des gleichlautenden adj., s. sp. 398. in der eigentlichen bedeutung 'truncus' (anders jedoch 'tibiale', s. DWB J) allen dtsch. maa. eigen. dem stark flectierten stumpf des classischen mhd. und des nhd. entspricht im ganzen nd. und md. stump, stomp, seit dem 13. jh. bezeugt; im ganzen obd. jedoch schwach flectiertes stumpe, stumpen, darüber hinaus auch rheinfrk., besonders stumbe, s. Handschuhsh. 69b; lothr. 510; Höchst. 44, und geringe spuren im nd.: mnl. stompe, ostfries. stumpe 3, 354. seltenes obd. stumpf, s. Wiener dial. 187; 587b; schweizerd. gramm. 5, 35; cimbr. wb. 176, beruht auf schriftd. einflusz. obd. stumpe setzt vielleicht [Bd. 20, Sp. 428] eine alte nebenform mit wurzelauslautendem bh fort, wie es in aind. stambhaḥ vorliegt und in dem zweideutigen balt. b vorliegen kann; andere, zuletzt alem. ma. (1931) 178, setzen eine westgerm. form mit bb voraus. literarisch ist stumpe seit dem 14. jh. in allen hauptbedeutungen reich bezeugt, wird im verlaufe der nhd. entwicklung immer mehr von stumpf zurückgedrängt, lebt aber bis in die neuzeit bei autoren obd. herkunft, z. b. Schiller, Rückert, Herwegh, gelegentlich sogar darüber hinaus, z. b. E. M. Arndt, und ist heute allgemein in einigen technischen bedeutungen, s. z. b. F. auf angleichung von stumpen an stumpf beruht schwach flectiertes stumpfen, schon bei Wittenweiler, Geiler v. Keisersberg, häufiger in junger zeit, z. b. bei Göthe, Stifter, Spielhagen, maler Müller, vgl. d. gramm. 2, 48. einflusz von stumpe, stumpen zeigen auch die umlautlosen pluralformen nom. und gen. stumpfe, dat. stumpfen, im 15. und 16. jh. sowie in junger zeit, z. b. bei Bettine, Göthe. bedeutung und gebrauch. grundbedeutung 'zurückgebliebener, unterer, aufrecht ragender teil eines ganzen', mit erweiterungen und verblassungen bis in die gegenwart durchstehend, und in der schriftsprache ausschlieszlicher bereich des wortes. von der grundbedeutung weiter entfernt 'strumpf' (J) und 'masz' (H), beide in zeitlicher und geographischer beschränkung. A. festester anwendungsbereich ist der baum, in den alten glossarien in zweierlei bedeutung, a) der nach dem fällen in der erde zurückbleibende, für die holzwirtschaft minderwertige teil: stump in der erden blijvende van eynen boem v. Teuth. 263 Clignett; boems wortel of stump 35; b) der stamm im gegensatz zu den ästen: stock, stump, der stamm des baums, welchem die est abgehauwen sind 1333a. 1) 'baumstumpf', am breitesten entwickelte bedeutung, alt nur für das obd. bezeugt. a) im erdboden feststehend: was höltzer ... abgehowen und hinweggefürt worden weren ..., das es darby belyb, doch was höltzer noch bym stumpen ligen, das die selbigen unserm gn. herren von Zymmern belyben söllen (v. j. 1509) Fürstenberger urkdenbch. 7, 131; die bäume der allee lagen nach auszen vom wege umgelegt bei ihren weiszen stümpfen unsterblichkeit (1921) 23; wil aber ein darkomen man die reht in den hölzern haben, ... so sol er den voersteren geben 4 D ... vindet aber er keinen foerster, so soll er die 4 D legen uf einen stumpf weisth. 5, 393; ist das er (der holzfrevler) phenninge nut mac han, so sol er (der förster) ime die hant uf dem stumphe (des gefällten baumes) abeslahen (v. j. 1320) weisth. 1, 666; wann es aber mehr dann einmahl von einer person beschehen, mag man ime erkennen die hand uf dem stumppen (1612) württemberg. ländl. rechtsqu. 1, 839 Wintterlin; von verschiedener länge: das sollich holtz nider und auf dem boden abgehawen und kein stump oder stock gemacht und gelassen werde (a. 1552) württemberg. ges. 16, 1, 45; die wurzelstöcke mit einem etwa ¾ m hohen stumpf des baumstammes marschenbuch 1, 78; häufig als grenzzeichen, ortsbezeichnung: wie die von Evenstorf ain gemaine tratt haben mit den von Nüwfron bisz an den stumpen oder storren da by der spiesz stecke (v. j. 1498) urkdenbch. d. kl. Heiligkreuztal 2, 390; der bann von Wiedensohlen vohet an an dem rüstinen stumphe (elsäss., v. j. 1364) weisth. 4, 162; auf, über dem stumpf 'noch nicht gefällt': über dem stumpf holz zahlen (v. j. 1681) bei schwäb. 5, 1916; 'dem wirt in Überkingen wird nach dem wortlaut seines bestandes (1581) alles holz für das bad und seine haushaltung auf dem stumpen angewiesen' hs. bei badenfahrt 41; dem entsprechend 'ort, an dem das holz gefällt wurde', noch ganz concret: der (holzdieb) sult das hulz wider abehauwen oder brechen (aus dem bau) und sult es wider auf den stumpf furen (v. j. 1424) weisth. 6, 25; s. auch stumpfholz; abstracter häufig in orts-, besonders flurnamen: in stompen (v. j. 1536) Alemannia 10, 244; in der buchstumppin (v. j. 1323) urkundenbch. d. kl. Arnsburg 557 Baur; im sinne [Bd. 20, Sp. 429] von 'baumnutzungsrecht, recht stämme zu fällen': und ist och vogt und herr von dem stumpen untz zü dem graben stain, da von hat er zins (14. jh., alem.) weisth. 1, 238. in jüngerer literarischer, nicht fachsprache, weit häufiger baumstumpf, dagegen das simplex nur in engem umkreis: durch des gehaues stumpen b) redensarten und bilder, vgl. DWB D: lief schneller durch den wald her uber stumpff und stock durch stumpf und stiel den leichten wurm verscheucht c) in verbalen wendungen als 'hindernis, schwierigkeit' gefaszt, in verblassender anschauung: auf einen stumpf laufen 'auf widerstand, auf ein hindernis stoszen': weil aber der rechte flügel auf aracanischer seiten häufig mit bengalischen rohrschützen durchflochten war: so liefen die Peguaner auf einen heftigen stumpff, dasz sie bald die hitze ihres anfalles erkalten lieszen asiat. Banise 675; im sinne von 'schmählicherweise nichts ausrichten': auf einen stump sive stumpf laufen in dedecora incurrere, foedae turpitudinis notam subire 2226; s. t.-ital. 2, 1025b; mundartlich im nd. auf den stumpf kommen übel ankommen, vergeblich kommen und beschämt wieder fortgehen: up n stump kamen brem. wb. 4, 1078; s. nd. sprichw. 509; 77; up də štümpe kumen 101a; 'ins stocken geraten': wir kommen mit unserer korrespondenz ordentlich auf den stumpf. ich musz mich jedoch heute notgedrungen kurz fassen br. 658 W.; einem einen stumpf stecken 'schwierigkeiten in den weg legen' bei t.-ital. 2, 1025b; s. 4, 942. an einen oder den stumpf bez. stumpen führen 'böswillig in gefahr und miszliche lage bringen, übervorteilen': und (pflegen) also ihre gläubiger ... ubern dölpel zu werfen, und die einfältige und leichtglaubige, ja auch vielmahln die vast gescheide und witzige, an ein stumpen zu führen kl. baur (1618) 307; 'in ultimum discrimen, in praesens periculum aliquem adducere' (1698) 2, 366; noch schwäb., s. 5, 1914; in gleicher bedeutung: einen am stumpff führen 2, 1860b; ganz ohne die bildhafte vorstellung, schwäb.: einen auf den stumpen setzen; der läszt sich in kein stumpe jage 5, 1914. d) auf c beruhend, jedoch in völliger abstraction 'schmach, schande, schimpf, erlittener schaden': die von Wengi warent ouch da, [Bd. 20, Sp. 430] groszen stump dehonestamento insigni ei est 2226; s. t.-ital. 2, 1025b; mittelfränk.: engem e štomp undunn einen schimpf antun luxemb. ma. 426; de stomp dervun hoin die schande davon tragen 435; vielleicht hierher stumpf machen in betrügerischer erpresserischer weise lärm schlagen: er inquisit habe dabei den auftrag gehabt stumpf ... zu machen (schwäb. 1791) rotw. 261; 266; im compositum: er habe in einiger entfernung als stumpfmacher sich hingestellt ebda. e) 'aus dem boden herausgearbeiteter stubben': wer pferde hatt zu gütt die nemen zuvor was tuglich ist hienwegkh und mit den stumpffen versieht man ... den armen (v. j. 1525, Frankfurt) aufruhrbuch 2 Steitz; besonders als brennmaterial: vor hat der ziegler zu einem solchen brand gebraucht holtz 10 clafter und 2 wag voll stomppen (v. j. 1628) 368 Heyd; der heerd, darauf ein stumpen raucht Lamartine 5, 247; neben kohle im sinne von 'alles verschiedene': im fluch der zeitlichen straffen musz bisweilen stumpf mit köhlen, alt und jung, die kinder mit den eltern gehen weish. Salom. 1, 365; da wird der stumpf mit den köhlen gehen, ... beyde ast und strumpff (sp. 113) abgehauen werden 65. 2) 'baumstamm', alt vom gefällten oder stehenden stamm im gegensatz zu stumpf, ästen und krone: baut einer ein haus auf eine blosze hofstätte, so erhält er sechs stumpen zur steuer (v. j. 1447) weisth. 4, 421; das holtz je frischer es ist, je besser es ist, soll sein von den stumpen oder von den grossen ästen Al. Piemonteses artzneibuch 338; die, so ... jeman also ir holtz huwen, sol jeklicher dem selben, so er also sin holtz gehuwen hette, fûr einen eichinen stumppen geben zechen schilling pfenning, und sus fur einen stumppen funf (v. j. 1414) Züricher stadtb. 2, 408 Zeller; der (forstfrevler) ... ist von iedem stumpen holz, so axgrösse hat, zu bus verfallen 3 D, es were dann, das derselb stump espin wer (v. j. 1520) schwäb. stadtr. 2, 325 Geier; vgl. DWB stumpflöse, sp. 440. mundartlich: stumpe 'der ganze baum' Aargau 264. symbolisch für das in der mitte, hier also zwischen wurzel und krone, liegende: was in mitler zeit eynfellet von heylung, seind nicht heylung, dann sie betreffen nichts im grundt, sondern handlen auf den stumpffen: so musz in vollkommener heylung nicht der stumpff fürgenommen werden, sondern die erndt oder der anfang op. (1616) 1, 598 Huser. jung literarisch 'stehender seiner krone beraubter stamm': die als stumpfe mit wenig ästen ... nebeneinander stehen Günderode 2, 23; erklimmt eine weide, deren stumpf kaum über die wildnis des grases hinaussteht ring um Rod. (1929) 185. ohne klare wahl zwischen 'stumpf' und 'stamm', im sinne von 'wertloser, verdorbener baum', übertragen auf einen menschen: wirst du nun, elender tropf, entgöttert, B. dem bereich des baumes am nächsten stehende feste anwendungen. 1) pflanzenrest, meist im sinne von 'stoppel' von gras und getreide: lat si (die Israeliten) selbe samenenstumphe unde halme Milstätter genesis u. exodus 132 Diemer; stipula stumph am halm, vereinzelt neben häufigem stoppel und stupfel, 553b; stramentum weisch oder stimpff Pinicianus prompt. c; mache ein schweiszbad mit ... nesselwurtz, stümpff von haberstro und hewblumen artzneybuch 1, 412; mundartl.: er chond wie der hagel i d stompa d. h. zu spät appenzell. 411; welcher underm bartscherer oder under aim mader der das gras abschneit die gröst freyhait hab. der mader mag auf sein stümpff hofiern räthselbuch (Straszburg s. a.) d 1a; wenn man ... anfahet zu mähen, so soll der vogt durch den knecht in der kirchen die[Bd. 20, Sp. 431] stümpf wie von alters her verbieten lassen, dass keiner darauf hiet (schwäb. 17. jh.) weisth. 6, 247; der elephant ... frisst stöck, stumpen und wurtzen Gesners thierbuch 75; gelegentlich von verschiedenen pflanzen: die meerbölhinen beyssend das ror ein wenig ob dem wasser ab und machend auf den selbigen stumpen oder stupflen ir näst ebda 2, 22. 'auf dem boden emporragender, harter, spitziger holzbestandteil': als ein leo in dem wald umbstraiffet ... trat er gar hart in ainen stumpff der belib im in dem fsz. ... do schlich der dorn mit dem eiter aus dem schaden Äsop 139 lit. ver.; (wenn) ein pferd in einen nagel oder stumpen getretten, musz man den nagel heraus ziehen georg. cur. aucta 2, 173; so ein rosz an einen stumpff getreten, sol man nemen das schmaltz hippiatria 342; do was der from kaiser Ludwig gestorben ... als er ... ab dem pferd uf ainen stumpen fiel deutsche histor. schr. 1, 446 Götz., oder wie A 1, s. die fassung in ein strumpf sp. 113. 2) dem bilde des pflanzlichen wuchses entsprechend, 'haarstoppel': nach dem abscheren werden sye (die haare) wie die kreüter von den stumpffen dicker v. Plinius 222; (um eine hohe stirn zu bekommen, benutze) ein pflaster von spannischem hartz ... so gehen die stümpff gar herausz artzneybuch (1595) 2, 106; mundartlich: das haar vom stumpen abschneiden ganz kurz schwäb. 5, 1914. 'zahnstumpf', wofür öfter das compositum, s. th. 15, 184: welcher hat ein bosen zan, 3) dem pflanzlichen ferner stehend, jedoch ebenfalls in der festen vorstellung des unteren endes, 'rest einer herabgebrannten kerze, kerzenstumpf': do vant si der kerzen stump in iren bette ligen heil. regel f. e. vollk. leb. 67 Pr.; (denen, die die kerzen geliefert haben) sall ... zo staden komen die stump ind droippen (traufwachs) die man von den balken nimpt Kölner zunfturk. 2, 351; dasz man die stümpfe doch wieder anzünden, oder wohl gar andre lichter wieder aufstecken musz 13, 401 L.-M.; symbolisch: schenk! erneue die flammendochte des lebens C. verstümmelter restlicher körperteil, minder stark auf 'aufrecht stehendes unteres' beschränkt. 1) von gliedmaszen, in besonders fester anwendung von arm ohne hand oder finger: sînen stumpf er ûf pôt hey boit eme stomp ind hant (zum verträgnis nach dem zweikampf) Karlmeinet 417, 15; wann ihme die (hand) auch abgeschossen oder geschlagen würdt, das fenlein mit den stümpen zu sich ziehen kriegsordn. 3; in verschiedener beziehung zum object: den stumpen der abgestümleten hand Schweizerchronik 333b; zeigt ihnen den stumpf seines arms, oder wie andere wollen, seine abgehauene rechte hand cat.-milch 1, 477; denn ein stumpf nur war die rechte hand [Bd. 20, Sp. 432] ars bleibt, und der schwantz, so gut were, ist nicht da chir. (1618) 310 Huser; er wird ... sie (die flügel) dir bis auf ein paar stümpfe zurückschneiden nov. 6, 116; grosse wilde stierköpff ... mit etwas geblibnen stumpen der hornen Gesners thierb. 127; als pars pro toto im alem.: stumpe, stumpi name eines rindviehs mit verstümmeltem horn Bärndütsch 2, 374. 2) 'halsstück des geköpften': (den soll man) hinein untzt an dy achsl setzen, darnach sol man im das hawbt ob dem potich (rumpf) abschlachen, damit er dann das gemerkht mit dem stumph auszaig pan- u. bergtaid. 1, 63 Kaltenbäck; alle fiere und demnach uf den stumpen den kopf abgehowen Berner chron. 4, 329; redensartlich: der reiszt eim de kopf ra und schleckt nach de stumpe beleidigt einen erst und bittet dann ab schwäb. 5, 1913; ähnlich: ich hau ihm ... den schädel vom rumpfe denn von dem leib von unerreichtem ruhme 3) fachsprachlich 'die abgetretenen, abgestumpften schalen des rotwildes', selten anderen wildes, und, hierauf beruhend, 'von den stümpfen hinterlassene, stümpfe verratende fährte', s. 6, 227; 4, 477; vgl. auch stumpfe, f.; nur im pl. gebraucht: stümpfe, einige sagen auch das näsel wohlred. jäger (1763) 291; sg., wohl künstlich, bei 4, 731; die eingedrückten stümpfe 4) in jüngerer sprache auch, mit verschiebung vom rein visuellen zum qualitativen, 'unbrauchbares glied': ... da hack mir einer dein ohr — ein armer stumpf! D. redensarten im sinne von 'alles, völlig, ganz' oder 'nichts', auf der abstracten bedeutung von stumpf als 'allerletzter, unterster, geringfügigster teil' beruhend, am bildkräftigsten auf der grundlage von A 1 und B 1. 1) in der concretesten form erst jung: von dem, was die väter gebaut und geschaffen haben ... wollen sie auch keinen stumpen stehen lassen schr. für u. an s. l. Deutschen 4, 62; so schmaust er sich denn selber auf 2) schon im 16. jh. mit einem zweiten glied formelhaft verbunden: das und die seind alle gar von im alls aus dem [Bd. 20, Sp. 433] grund und aus dem stumpff ausgereüttet, abgeschnitten, und umbbracht Herodian (1532) 39a; (die länder) ... in grundt und boden zu verderben, ja zu sumpff und stumpf zu veröden urk. v. 1638 bei schwäb. 5, 1917; darum wird der herr abhauen von Israel beide, kopf und schwanz, beide, ast und stumpf Jes. 9, 14 revid. ausgabe, für strumpf bei Luther; vereinzelt: mit stumpff und seel auszräuffen (1646) 694. 3) mit alliteration des zweiten gliedes: dasz solche hölzer nider auf dem boden abgehauen, und kein stump oder stock gemacht und gelassen werde (v. j. 1615) ver. f. gesch. d. Baar (1904) 158; gleichsam mit stumpff und stock auszurotten frantzös. histor. (1584) 1, 29a; s. th. 10, 3, 13; mit stumpf und stengel ausrotten (19. jh.) bei erg.-wb. 539a. 4) in fester anwendung allein die verbindung mit stiel (vgl. DWB strumpf und stiel sp. 114). a) selbständig nur im 16. jh., im sinne von 'alles': darumb wil ich ehe leib und leben, stumpff und stiel darüber faren lassen, denn gottes klar und war wort übergeben 1, 448b Jena; es ist stumpff und stil dahin sprüchw. (1541) 2, 61a; (dasz wir) ir thürn und schlösser zallen zyten b) als präpositionaler ausdruck adverbieller function mit stumpf und stiel 'völlig' bis in die heutige umgangssprache. der mundartlichen bezeugung nach im nd. zu hause: mit stump (stomp) un stel mecklenburg. 88b; s. nd. allit. 39 (holstein.); Nordharz. 181; Elberfelder ma. 157; Barmer ma. 152; auch im nördl. md., s. Mansfeld. 110a. im obd. dagegen ganz vereinzelt, und zwar in fremder form, s. sp. 427, ostfrk.: mit stump a stiel unterfränk. 178; mit schtump und stiel (Ulm) zs. f. dtsche maa. (1906) 31; vereinzeltes auftreten der obd. form: mit stumpan a stiel Würzburg. 120, s. auch u. c, beruht auf nachträglicher concretisierung der formel. fortschreitende abstraction und immer neue rückkehr zum bilde des pflanzenwuchses begleiten die formel von ihrem anfang im 16. jh. bis in die gegenwart; feste verbindung mit stumpf und stiel ausrotten: aber es waern ubertretter so viel und Wrangel wäre ganz, mit stumpf und stiel, wo ist nuhn einer von so viel (festgenossen) [Bd. 20, Sp. 434] auf grund neuer concretisierung: die sünde ... mit stumpff, stiel und wurtzel ... ausgerottet cat.-milch 6, 620; schlangen, tief genährt im sumpf c) negativ weder stumpf noch stiel u. a. 'gar nichts', nur bis ins 17. jh. bezeugt, verzeichnet noch bei t.-ital. 2, 965c; teutsch-engl. (1716) 1912, in weit loserer fügung verharrend: es ist weder stumpff noch stiel da uber blieben germ. ad. (1545) j 4a; so bald die rede aus war, wuste sie weder stumpff oder stil mehr davon Weier praest. daem. 259a; ich habe heut noch stumpff, noch stil von ihm gehört oder gesehen gesprächsp. 2, 294; vom gmeinen nutz man höret viel, 5) formeln gleicher bedeutung wie mit stumpf und stiel, jedoch auf dem bilde des verstümmelten körpers beruhend, im nd. alliterierend: stump und stert nd. allit. 39 (holst.); met stump und stätz Kölner ma. 178a; un vaerwarts treckt dat wille heer, auf dem reim beruhend rumpf und stumpf: kirchen ... deren rumpff und stumpff ... zum zeugnuss ihres kirchenstürmens noch für augen stehen weish. Salom. (1627) 1, 971. nd., md. und alem. zu festem adverbialausdruck verbunden im sinne von 'völlig': et is rump un štump ole 87a; rump und stump ūzase aufessen Eichsfeld 107; oberhess. 823; Barm. ma. 152; echt mundartliches stumpen wohl an rump angeglichen: sein geld rump und stump verlieren 2, 260; s. lothr. 421; schwäb. 5, 479; im alem. auf adverbieller erstarrung beruhende umbildungen: rumbə štumb u. ä. schwäb. 5, 479; s. 2, 260; dear hat älles gfressa mit rumpes und stumpes (Ulm) zs. f. dtsche maa. (1906) 31. erweitert: er hets rumpe, stumpe, stiel gefressen 2, 260; vielleicht interjectionell: nun stumpfft, kumpff, rumpff und stumpff: ... speiet fornen fewer unnd scheiszt hinden aus funken Garg. 360 ndr.; sogar an das adj. (I A 3) angeschlossen: rumpf und stumpf aus ganz und gar aus oberhess. 823. präpositional mit rumpf und stumpf, s. th. 8, 1493; 216a; nordfries. 583; lothr. 421: ich hätte meinen branntwein schon mit rumpf und stumpf verkauft vogelhändler (1841) 1, 135; besonders hess., s. niederhess. 197: würde man die krallen ausstrecken und die kleine freiheit mit rumpf und stumpf ausrotten nachgel. schr. 301. 6) im alem. wendungen im sinne von 'rundweg, völlig', auf der vorstellung des stumpfes als des glatt abgeschlagenen beruhend, vgl. DWB stumpf, adj., I A 3: ein manche jungfer ist so keckh, [Bd. 20, Sp. 435] E. erweiterung des kreises der objecte über A, B und C hinaus und auflockerung der grundbedeutung. 1) noch in der eigentlichen bedeutung verharrend: (als er) auf stümpfe von pfählen stiesz ..., das holz herabgebrannt bis auf den noch im alten seegrund feststeckenden stummel auch einer 1, 178; die säulenschäfte (sich) ... zum theil bis zum kapitäl erheben, meist aber als stümpfe ges. schr. u. denkw. 4, 305; wolten als arme, verderbte leut in den verbrenden stumpfen (der stadt, der häuser) wieder bauen und annisten (um 1560) qu. z. alten gesch. d. fürstenthums Bayreuth 1, 2, 61. seemännisch 'stehengebliebenes ende des gebrochenen mastes', auch engl., nl., schwed., dän., s. allgem. naut. wb. 675: ein kleiner mast hatte nur einen stumpff zurückgelassen Pierot amerikan. freibeuter 2, 211. stumpf eines abgenutzten besens, s. t.-ital. 2, 1025b: chämifeger mit dem stumpe 2) mit verlust des sinnes 'aufrecht stehend' im sinne von 'hinteres restende': einen menschen wohlbewaffnet anzufallen, der nur einen stumpfen von degen in der hand hat Montaignes ged. 4, 341; vom rest einer cigarre schweizerdtsche gramm. 11, 21; häufiger cigarrenstumpf, -stumpen, meist jedoch -stummel, s. sp. 401; anders: und lgt bald zu seim seckel, der was im abgeschnitten und hiengen die stümpf an der gurtel Fortunatus 52 ndr.; B 2 nahe: wie si die stumpen (der abgeschnittenen haare) mit samaten harbendlin möchten hinder den oren behalten sabbata 153; redensartlich, am festesten auf C beruhend, etwa im sinne von haare lassen: ein kauffmann, der leuffet und rennet die welt hindurch ... umb geldes und guts willen, waget darüber leib unnd leben, gatt gebe der stumpff bleibe dahinden oder nicht spiegel d. ew. leb. (1589) v 2a; wann wir einmal ... umblegert würden, wüszt ich warlich nicht wie wir bestünden, wer zu besorgen, wir müszten die stümpf dahinden lassen Garg. 422 ndr., s. auch 404; oder ob wie J, also 'die strümpfe zurücklassen'? 3) im sinne von 'rest' schlechthin: wil es (das hosenband) reiszen, knüpffet die stumpen wieder zusammen Pierot amerik. freibeuter 108; štumpə eines seils, einer schnur schweizerdtsche gramm. 7, 178; dratstumpen überreste von schuhdraht 2, 324; wie stummel 3 c: stumpe 'verkürztes beet im acker' oberamtsbeschr. v. Mergentheim 174; kurzes feld Saarbrück. 206; mir hon nit alles gepackt mit hacke; mir hon noch e stumpe stehn gelosst 2, 596; bei der anhörung des ... stumpfes eines tonstückes 9, 281; völlig abstract: s khunt ... sicher in dr shtumpä in den lumpensack 2, 596. anders, im sinne von 'stück': vor das gefertigt und, wie recht, beraite leder aber solle (dem gerber) bezahlt werden. vor ein stumppen leder fünff spannen lang, desz besten 7 fl. ... den halszstumppen 3 fl. ... den halsz allein 1 fl. taxordnung (1622) bei samml. d. württbg. ges. 12, 907; stump leder pars corii desecta (1727) 1860. 4) unteres, hinteres ende von etwas ganzem, mit verlust der bedeutung 'rest': umb keirde hey synen schacht [Bd. 20, Sp. 436] heraus, als oft ain gerten als oft 12 D (v. j. 1510) österr. weist. 9, 328; modern technisch: zur herstellung von retorten mit zur längsachse geneigten endflächen versieht man das eine ende vor dem brennen mit einem ... ergänzungsstumpf, welches die senkrechte aufstellung der retorte beim brennen ermöglicht. nach dem brennen wird der stumpf von der retorte abgetrennt 8, 910; 'bei den gradierwerken derjenige halter oder das gefäsz, worin die gradierwand steht' 4, 344. F. ganzer körper oder gegenstand, der, in verschiedener weise, einem eigentlichen stumpf gleicht. 1) kleiner, meist dicker mensch, häufig als familienname, appellativisch nicht alt bezeugt, mundartlich von erwachsenen mehr oder weniger spöttisch oder pejorativ, von kindern häufig liebkosend, besonders im westen bezeugt, s. westfäl. 260b; oberhess. 822; westerwäld. 240; Aachen. 141; lothr. 510; elsäss. 2, 596; 139; Basl. 283; appenzell. 411; sagen d. Allgäus 2, 739; Würzburg 120; 2, 759; vereinzelt im ostmd. verzeichnet, s. mitt. d. schles. ges. f. volkskde 16, 144. in kinderreimen: mairägen mk mi grot, blondgelockte Sachsen, 2) im sinne von 'kurzes glied', 'penis', obd.: Mätzli Rüerenzumpf de bist e stumpe (s. DWB F 1) vielleicht ähnlich auf die form bezogen 'bratenstück' eines bestimmten fleischteiles, vielleicht zugleich bestimmten tieres: das eirst gericht mit ein zam schink mit pfeffer, 2 mit ..., 1 mit eim stump, 1 mit einer zungen buch Weinsberg 2, 85. 3) technisch und halbtechnisch: der stumpf dient nur dazu, um einen strick an dem klöppel (der glocke) befestigen zu können techn. encykl. 7, 87; dratstumpen bestimmte nagelsorte schwäb. 6, 2, 1766. 'kurze tabakspfeife', wie stummel 4, s. mecklenburg. 88b; Saarbrück. 206; von der rahe: stuck, stump, frustum, frustulum, antemna v. Teuth. 263 Clignett. 4) cigarrensorte mit stumpfem ende, von dicker kurzer form, frz. bout entsprechend; mundartlich alem., s. schweizerdtsche gramm. 7, 178; 13, 123; Bärndütsch 1, 471; in die schriftsprache in obd. gestalt, besonders als Schweizer stumpen und Villiger stumpen eingedrungen: man ... erhielt ... als prämie zwei Schwyzer stumpe unter kunden 354; er ... hiesz ihn (in Amerika) die heimischen stumpen rauchen land d. vulk. (1929) 112. 5) ungeschmückter filz- oder strohhut, der durch beschneiden, aufbiegen usw. des randes und durch band-, blumen- u. a. schmuck erst zum garderobestück gemacht werden musz, im sinne von 'unfertiges, rohes', in obd. form, s. 587b, in die umgangssprache gelangt, seit dem 19. jh. bezeugt: (zum filzen) sind zweierlei fache notwendig; nämlich jene, welche den grund (stumpen) des [Bd. 20, Sp. 437] hutes geben, zu welchem daher das gröbere haar techn. encykl. 7, 597; hutstumpen zu filzhüten, bestehend aus zusammengewalkten hutformen ... ganz oder unvollständig in hutform gebracht zolltarif u. waarenverz. (1885) Troje; auch filzstumpen ebda; strohstumpen. 6) 'ungefüger klumpen', occasionelle anwendungen: darein er thet ein lauten pflumpff, richtet auf den stumpf, 7) 'grassichel', im gegensatz zur höheren anforderungen genügenden gröszeren sense, wohl nach der kürzeren form, kaum nach der geringeren schneidefähigkeit benannt, also nicht unmittelbar von stumpf, adj.; die von jüngeren wbb. verzeichnete bedeutung 'schlechtes, stumpfes messer', z. b. 4, 2, 731; 2, 344a beruht anscheinend auf speculation; s. jedoch 2, 761. seit dem 16. jh. bezeugt: schlifstein ... 52 kautzen flax. stimpf. sengsten. ... ein pflug Egerländ. inventare bei dtsche maa. 1, 183; dasz des pfarrers mägd nicht wenig schaden im grasen, sonderlich in die samenfelder mit der sichel oder stumpf grasen gehen (hs. v. 1634) bl. f. württemb. kirchengesch., n. f. 13, 182; stumpff, ein grassichel damit das weib gras abschneidet teutsch-frz. (1616) 315a; so auch 858a; eine sichel oder stumpff falx (1653) 244; mit stumpfen, sicheln Würzburger verordn. v. 1720 bei 2, 761; heute noch mundartlich, s. hess. 292; henneberg. id. 2, 161; pfälz. 139; nur vereinzelt, und hier wohl secundär, in der obd. form: stumpe schwäb. 5, 1914. in compositis: dengelstumpf, s. th. 2, 926; oberpfälz., fränk. grasstumpf 2, 761. G. gelegentlich dem adj. stumpf genau entsprechend, z. t. auf einer art neuer substantivierung beruhend, s. sp. 427; wie F im sinne von 'stumpfes ding', jedoch wohl ohne continuität mit diesem gebrauch. 'stumpfer turm', s. DWB stumpf, adj., I A 2, doch auch strumpf A 2 a sp. 114 oben u. strunk 1: die schutzmeister sollen off der stompe einen eine busse machen (hs. v. 1458) bei 2, 1267; entsprechend stumpfer (I A 1 a) rock, stumper, stumpfrock: stumpe 'kurzer rock' Saarbrück. 206; stump (n.) ds. nordfries. 200. vielleicht stumpf C 3 c β entsprechend 'kuhglocke von bestimmtem klang': 'die gröszten und am tiefsten tönenden heiszen stump und überstump' dtsche volksl. 204; da stimmt gar artig ein der klein und andre piller, H. hohlmasz, mengenbezeichnung, auf der bedeutung 'unterer (restlicher) teil' (sp. 428) und 'dickes, untersetztes, stumpfförmiges' (F) beruhend, seit dem 16. jh. bezeugt, mundartlich alem. und bair.-österr., auch rheinfränk. 1) 'kurzer, dicker, breiter sack mit seinem inhalt', auch 'nicht bis oben hin gefüllter sack', der also die gleiche form [Bd. 20, Sp. 438] hat: hab Ottenwelders weyb auch ein stumpff futter im ... in di haltstat bracht Thomas v. Absberg 488 lit. ver.; und bring dem junckherrn den stumpff mit pirn! i hau laus und du häst läus, viel henn e ganze klumbe 2) besonders vom geldbeutel: ein ... kaufmann ... unter vielen gütern, die er einpacken lassen, einen stumpff mit thalern in einen güterpallen mit eingehüllet teutsche secr. 1, 630; ein stump geld un sacco di danari t.-ital. 2, 1025b; noch notiert von 4, 477; auch geldstumpen, s. schwäb. 3, 277; erg. wb. 538c. abstrahiert im nebensinne oder alleinigen sinne von 'haufen, gröszere summe geldes': nachdem ... mir auch der major einen zimlichen stumpen goldsorten sambt einer güldenen ketten ... gegeben hatte simpl. schr. 3, 42 Kurz; als er einen juden erblicket, so einen ziemlichen stumpf geld eingeschoben fliegenwadel (1707) 69; noch mundartlich, s. 2, 810; 2, 596 und in mundartl. lit., s. 1, 198; Brigitta (1880) 222. 3) als exacte maszbestimmung: so ... burger ruoben (rüben), ops ... mit inen füerten, sollen si von iedem stumpe ... ain pfening geben (schwäb. 1552) oberrhein. stadtr. 2, 2, 411 Geier; einen st. kern von 4 mitlen (hs. um 1700) bei schwäb. 5, 1915; et receperunt ... duos lapides piperis et unum stimp seu saccum magnum croci (saffran) (v. j. 1502) stadtb. v. Posen 343 Warschauer; einer kaufft drei stümpff saffran, die wiegen jeder 56 12 lot kurtze u. ordentl. anweis. (1599) j 3a; mundartlich besonders als getreidemasz von örtlich verschiedener grösze, s. appenzell. 411; 2, 596; lothr. 510; schwäb. 5, 1915. 4) eine menge flüssigkeit, der sie enthaltende behälter. a) unten im gefäsz verbliebener rest, mundartlich obd.: trink den stumpe aus! 2, 596; da stumpa b) trinkglas bestimmter grösze und form mit seinem inhalt, in gleicher bedeutung auch stampe, s. th. 10, 2, 676: 'kleines masz von trinkbarem' nachtr. z. wb. d. ma. d. ungr. bergl. (1859) 48b; 'groszes glas' 239: die wirthin war unwirsch, so oft sie eine stumpe schnaps zu bringen hatte schr. I 7, 64; im wortspiel mit A: wenn d stumpe im wirtshaus so herb gienge wie d eichene stumpe, so tät ma it so viel saufe schwäb. 5, 1915; zum trinken auffordernd: [Bd. 20, Sp. 439] wir hand dich gern, sitz grad zu mir! J. 'beinbekleidung', im sinne von 'unterer teil eines ganzen' (E 4) oder 'nach durchschneidung verbleibender unterer teil', also im sinne der grundbedeutung, die bekleidung der unterschenkel als unterer teil der ganzen schenkel- und beinbekleidung vorgestellt. auf starke selbständigkeit, vielleicht stammverschiedenheit, jedenfalls nicht einfache übertragung, deutet das scharfe ausnahmslose gegenübertreten von stumpf 'beinbekleidung' gegen stumpe 'truncus' im obd. (s. u.). ebenso benannt engl. stocking 'strumpf' zu stock, s. 177; frz. bas ds. aus bas de chausses, d. h. 'unterer teil der beinkleider', s. et. wb. d. frz. spr. 85; dtsch. strumpf, s. sp. 116. seit dem 14. jh. bezeugt; heute neben schriftsprachl. strumpf mundartlich im bair.-österreich., s. 2, 761; tirol. 725; steir. 585; kärnt. 245; cimbr. 176; id. Viennense 128; entlehnt sloven. štunfa slov.-nemšk-slov. 2, 649; schwäb., s. 5, 1883; selten im md., s. Thür. 239; luxemburg. ma. 426. die schriftliche bezeugung, bis ins 17. jh., erweist weiter das elsäss. als altes verbreitungsgebiet. elsäss. und hochalem. heute strumpf (s. jedoch u.), s. 2, 632; Basl. 282; Bärndütsch passim.; schweizerdtsche gramm. 9, 101; 10, 260; 11, 147. im schwäb. dringt schriftsprachl. strumpf vor gegen das in den alten quellen allein bezeugte stumpf; in den redensarten und figuren das schriftsprachl. wort völlig durchgesetzt, s. 5, 1883. bair.-österreich. hat stumpf nur geringe einbuszen zu gunsten von strumpf erlitten, s. 2, 815; 585; in Wien herrscht, unter verstärktem städtischem einflusz, strumpf, s. Wiener dial. 187. — während so stumpf für das ganze obd. gebiet zu erschlieszen und mit geringen ausnahmen auf dieses beschränkt ist, scheinen für strumpf bei seinem ältesten auftreten die md. nd. zeugnisse zu überwiegen; bair.-österreich. und schwäb. zeugnisse fehlen ganz. 1) beinbekleidung ohne füszling, teilweise modernes hose, nicht aber eigentlich strumpf ersetzend: het er die stimpf oder underhosen abgezogen, gieng also barschenkelt zimmer. chron. 3, 351 B.; so auch teutsch.-it. (1618) 243b; die alten Römer müntz und bilder zeygen an, das vor zeiten gar kein brauch das haupt zu bedecken bey yhn gewesen ist, noch auch kein hosen, dann reütterstümpff, jetz ist es bedes gemeyn durchaus weltbuch (1534) 76b; die männer hatten zu stümpffen stammet oder särge oder scharlach Gargantua 451 ndr.; am frühesten auszerhalb des obd. bezeugt: usgescheiden (vom zunftzwang sind) die (schneider, welche) alde cleider machent, dat die vrij solen sin ind mogen vort nuwe stumpe of overlijf machen sunder boisse (v. j. 1397) Kölner zunfturk. 1, 157 Lösch. ähnlich mundartlich vereinzelt noch ausdrücklich bezeugt: 'halbstrumpf ohne fusz, gamasche' Lusern 398; 'oberer teil des strumpfes' luxemburg. ma. 426; isoliert in alem. form: štumpo 'borte am strumpf' schweizerdtsche gramm. 2, 117. 2) daneben gleich häufig, dem heutigen obd. gebrauch entsprechend, 'mit füszlingen verbundene beinbekleidung; lang heraufreichende strümpfe', gegen 1 nicht immer scharf abgehoben: aus den filtzhüten, stümpffen, schuhen, handschuhen, stiflen ... einander zutrincken grewel d. verw. 711; das haar oft zum hut und die stümpf zu den schuhen ausgehn haben 3, 72 H.; was gehst auf steltzen, dasz der stümpff schonst, und fällst gar in treck Gargantua 250 ndr.; wer gibt übrgschüh, wer gibt flickleder? [Bd. 20, Sp. 440] K. hauptarten der composition, meist in der obd. form stumpen-, seltener stumpf- und, auch alem., stump-. 1) identität oder ähnlichkeit des zweiten gliedes mit einem stumpf bezeichnend, daher gegen stumpf, adj., in comp., s. sp. 459, nicht immer scharf abgehoben: stumpfarm verstümmelter arm: stumparm 1, 453; mit seinem stumpfarm gegen den wasserkasten gelehnt 1, 491; 'einarmiger, einhändiger mensch', s. Luxemb. 435; lothr. 501; stumpenbein 'klumpfusz, stelzfusz' 4, 1304; -besen 'abgenutzter besen' ebda 1670; stompbeissem Aachener ma. 141; die bohnen hielten sich ... an einem verkehrt in die erde gesteckten stumpfbesen 4, 108; stumpfbolzen stumpfförmiger dicker nagel zur verbindung der schiffsplanken miteinander, s. 7, 190; -bohrer specialbohrer mit ganz kurzer spitze forst- u. jagdk. 5, 731; stumpenbrett bei der brettererzeugung im sägewerk anfallendes brett minderer länge, s. holzmarkt (1932) 1891, 2; -gras 'apluda, spreu, kleie, abgang' nat. gesch. 582; -haar abgeschnittenes kurzes haar: stumpenhaar praesegmina crinium (1716) 2, 280b; s. 2, 1509; hat mir schon in den windeln jede verwelkte blume aus der hand gerissen, und seine stumpfhaare mit zieren wollen Voltaire 5 Seuffert; -halm stoppel: stipula stumphhalem (md. 1420) bei 2, 1267; -hand 'lahme hand' dtsch.-frz. 1333c; -kette rest eines beschossenen volkes hühner, s. jagdlex. 524; stumpenkettlein abgebrochener rest der kette Basl. ma. 283; stumpenlatte 'kurze latte' holzmarkt-code (1926) 242; stumpfmast kurzer mast: drei stumpfmasten hat er, einen kurzen klüverbaum und segel die see 35, 10; -nagel kurzer nagel mit einem dicken kopf t.-ital. 2, 99b; stumpenpfeife kurzes tabakspfeifchen, wie F 3, 5, 1075; -riegel: ein kastenschlosz mit 4 stumpenriegeln und 2 seitenfallen und jeder riegel sein besondern schleppriegel (1717) samml. d. württ. ges. 13, 1089, vorher stubenriegel ebda, vgl. stufrigel; stumpfschweif: mein pferd ist ein Engländer ... schade, dasz ich hier keine gelegenheit habe, euch seinen st. zu zeigen 2, 253 B.; stumpenseil kurzes seil, wie E 3, 7, 755; stumpfenstock etwas höher aus der erde hervorragender baumstumpf: die (zill des hofes von Küsznacht) vachent an an eim stumpfennstock, von dem stumpfennstock in den Rumbach ... untz uf den nidersten grad der fluo (schweiz. 1561) weisth. 4, 359; stumpfstroh 'kurzes wirrstroh' luxemburg. ma. 427. 2) in weiterer bestimmung des zweiten gliedes: stumpfband, -bändel strumpfband, zu J 2, schwäb. 5, 1884; stumpenbecher 'schale, körbchen für fadenabfälle, fetzen' 4, 967; -fabrik in der zigarren hergestellt werden zu F 4;
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