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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
stäbler bis stabpendel (Bd. 17, Sp. 373 bis 376)
 
stäbler, m.
stabllen
steblermünz
stäbleramt, n.
stäblermünze, f. m.
-pfennig, f. m.
stäblich, adj.
stablicht, n.
stablos, adj.
stabmesser, n.
stabmessung, f.
stabpendel, n.
stabrahmen, m.
stabraupe, f.
stabrechnen, n.
stabrecht, n.
stabrechtsgut, n.
stabreim, m.
stabreiszer, m.
stabsarzt, m.
stabsbedienter, m.
stabscheide, f.
stabschlag, m.
stabschlagen, n.
stabschläger
stabschlinge, f.
stabschrecke, f.
stabschwert, n.
stabscourier, m.
stabsengerei, f.
stabsfeldscher, m.
stabsfourier, m.
stabsgeselle, m.
stabshauptmann, m.
stabshinwerfung, f.
stabshoboist, m.
stabsilber, m.
stabsingenieur, m.
stabskapitän, m.
stabsoffizier, m.
stabsordonnanz, f.
stabspannung, f.
stabspringen, n.
stabsquartier, n.
stabsrittmeister, m.
stabssekretär, m.
stabsteif, adj.
stabstein, m.
stabstrompeter, m.
stabstruppen
stabswache, f.
stabszug, m.
stabthierchen, n.
stabtragend, adj.
stabträger, m.
stabübung, f.
stabuler, m.
stabulier, m.
stabüll, m.
stabung, f.
stabwahrsagung, f.
stabwandel, m.
stabwerk, n.
stabwurz, f.
stabzauber, m.
stabzange, f.
stabzehnte, m.
stabzeug, m.
stabziemer, m.
stabzugladen, m.
stachdorn, m.
stachel, m.
stachelafter, m.
stachelähre, f.
stachelaloe, f.
stachelamaranth, m.
stachelampfer, m.
stachelaussatz, m.
stachelbarsch, m.
stachelbart, m.
stachelbauch, m.
stachelbeerbusch, m.
stachelbeere, f.
stachelbeereis, n.
stachelbeerenbusch
-holz
stachelbeergurke, f. m.
-kürbis, f. m.
stachelbeerhecke, f.
stachelbeerholz, n.
stachelbeerkuchen, m.
stachelbeerlaus, f.
stachelbeermarmelade, f.
stachelbeermus, n.
stachelbeerpflanzung, f.
stachelbeerraupe, f.
stachelbeerspanner, m.
stachelbeerstaude, f.
stachelbeerstein, m.
stachelbeerstrauch, m.
 stäbler, m. der einen stab trägt, führt. zuweilen dafür stabler; weitere nebenformen in der bedeutung 7.
1) als individuelle neubildung, übersetzung des lat. namens Scipio: der grosz hauptman Publius Cornelius Scipio, auf unser sprach der 'stäbler'. Aventin 1, 455, 18, vgl. 464, 5 unter stäber.
2) 'eine zum zeichen der richterlichen oder befehlshabenden gewalt mit einem stabe versehene person; in welchem verstande dieses wort nur noch in einigen gegenden üblich ist.' Adelung.für staber, stäber (hier also nomen agentis zum verb staben), qui in judicio praeit jus jurandum. Scherz-Oberlin 1548, so mnd. steveler, s. ebenda; kumpt he aver vor dem heren, so bidde he alder erst enes vorspraken, unde darna der hilgen unde enes stevelers. richtsteig lehnrechts 10, § 10; so bidde eme sin vorsprake orloves ... unde dat he mote nedder knien unde ok enes stevelers, unde dat he mote uplecgen (die hand auf die reliquien) unde sweren vort. 12, § 4.
3) in der ältern sprache besonders im sinne von stäbelherr, -meister, s. das.: stäbler (wurden genant die jenige, so mit stangen auf dem platz des turniers seyn, und einen jeglichen beschützen und befriedigen müssen, wann

[Bd. 17, Sp. 374]
man bisweilen rosz und mann geworfen, der sich nicht geben wollen, dasz der sich nicht ertödte, sondern mit dem sattel auf die schranken gesetzet worden). Schottel 339b. Scherz-Oberlin 1549, vgl. auch Frisch 2, 314a; hastiludiis sive torneamentis inserviens. Stieler 2110; Eggers 1, 1107 hat in dem von Schottel bestimmten sinne grieswärtel, huissier de gravier, certaminis equestris arbiter, und erklärt stäbler für die diener derselben. s. ferner Schm. 2, 717 und Unger-Khull 567a.
4) bezeichnung eines hofamtes: stäbler, chi porta il scetro ducale, maiordomo. Hulsius (1618) 237a; in den belegen ist die specielle function nicht zu erkennen: bey unsz heist die charge, so der Campen hatt, stäbler; der Bettendorf war es ahn unszerm hoff allezeit. Elisabeth Charlotte 3, 11 (17. märz 1707). — nach diesem kamen die partisanen, schatzmeister, stäbler, pfenningmeister, schaffner, schösser, rentmeister, einnemmer, burgvögt, hauszhälter, küchenschreiber, etc. Philander 1, 305; ich bin, sprach derselbe weiters, Alexander Magnus, ein sohn des Jupiters, ein herr und könig aller welt, etc. hätte als ein ehrsuchender ruhmredender vielleicht noch eine unzähliche zahl seiner titul her erzählet, wann nicht ein stäbler jhm in die rede gefallen, und gesagt, ad rem! 541.
5) stabler, pl. handwerks-meister der handwerke, die von alters her bestättigung auch stab und heyligen empfangen haben, (das ist, dasz sie dörfen eide staben, und andere einen eid auf die heyligen und heyligthume thun lassen, die man ihnen aus dem gerichte dazu gab) sollen solche bestättigung, auch stab und heyligen von unsern amtleuten in unserm hof ferner empfahen. Frisch 2, 313c f. Adelung. vgl. stab II, 8, i (zu ende).
6) als geistliches amt; officium quoddam, quo inserviebatur canonicis alicujus ecclesiae. Scherz - Oberlin 1548: dasz die staebler der kirchen und pfaffheit gesind und diener. s. ebenda 1548 f.; 'catalogus officiorum eccles. cathedr. Argent. dum indicat collationes canonici habentis officium cellerarii. diss lyhet ein keller, die zwen stebler genannt koch, die zwen stebler genant buttel; den stebler genant zapffner, das stebler ambacht genant kuiffer.' 1562 f.; wir Gosso Schilt d. dechan u. das capitel gemeinlich der stifte zu S. Thoman zu Str. (Straszburg) tunt kunt ... das wir bedaht u. angesehen hant solich getruwe geneme dienst, die uns u. unser stifte von vesten Rud. Lentzelin zu Str. beschehen sint .., darumb hant wir einhelleclichen von unser u. unser stifte wegen ... dems. Rud. geluhen u. gesetzt das stebeler ambaht, das Joh. Satterer von Constentze vor moles von uns u. unsse stifte gehebt hat. 1563 (urk. v. 1423). auch latinisiert stabelarius, stebelarius (im wechsel mit bacularius). Du Cange 7, 567b. (pedell?:) darumb sol man in z Parysz z einem stebler machen. do macht in Hugo z einem baculario (baccalaureus? s. Du Cange 2, 515b). Brant 2, 168b. — bair. stäbler, der bei prozessionen den stab vorträgt. Schm. 2, 717. steir. 'spottname für die anhänger einer wiedertäufersekte im 16. jahrh.' Unger-Khull 567b.
7) als stabträger ist wol auch die rotwelsche bezeichnung der bettler zu verstehen, vgl. DWB stab II, 5, f, α, obwol hier fast ausschlieszlich abweichende formen begegnen, die theilweise auf latinisierung oder volksetymologischer anlehnung zu beruhen scheinen: von stabülern. das ander capitel ist vonn stabülern, das sind betler die alle land usz strychen von eim heiligen zu dem andern ... und hond den wetterhan und den wintfang vol zeichen hangen von allen heiligen. ... die selben stabüler lond nümmer mer von dem betlen, und ire kinder von iugent uff bisz in das alter. liber vagatorum (1510) bei Kluge rotwelsch 1, 38; im vocab. 193: stabüler brodsamler, s. 55 (s. auch Weim. jahrb. 4, s. 79. 101), in der nd. ausg. von 1510: van stabuleren. s. 60; die zunfft desz rabenfutters librum vagatorum, ... darinnen aller farb beschudlerum hoch benamset sind, als breger, stabuler, die jr krenerin und gatzen in alchen, han den wetterhan und gevetzten windfang voll doull. Fischart groszm. 50, s. kloster 8, 583 und Kluge 1, 112; s[t]abuler brotsamler. Agyrtas Witzenbürg. gesch. 3, 37;

also der alt stabuler gund
mustern auff anderhalbe stund
in seinem mantel, hemb und rock.
H. Sachs 17, 338, 33 Götze (überschr.: der bettler schlug seinen mantel),

[Bd. 17, Sp. 375]
s. auch Horn soldatenspr. 27; erweitert: das ander capitel sagt von stabuliern.

ein unbiblisch gschlecht sind stabulern.
sie strichen alle land uszgern
von einem helgen z dem andern.
Gengenbach 347 Gödeke (bettlerord. c. 2).

weitere formen mit umlaut in der mittelsilbe:

jeder stabyl ein hrnlütten hatt.
S. Brant narrensch. 63, 41 ('von bettleren');

eylff geschlecht die neert der hller:
pfaffen, blerin, cumasierer
tht als vom hller zeren;
klentner, birckschlag unnd stab ewler
msz als der hller neeren.
Jörg Graff lied vom häller 3,

s. Eggers mag. 8, 95. Weim. jahrb. 4, 424. Böhme altd. liederb. s. 603. Kluge rotwelsch 1, 84, vgl. dazu: stabll krüppel. — stabllen bettelstab. s. 19 (um 1490), auch bei Avé-Lallemant 4, 59. jetzt gewöhnlich in der form stappler, als bettler umherziehender gauner; meist in der zusammensetzung hochstappler, -stapler gauner, der aus besserem stande zu sein scheint oder vorgiebt (vgl. theil 4, 2, 1633), auch linkstappler, der auf falsche papiere bettelt, s. Avé-Lallemant 4, 292 f. 610. 2, 121. 246.
8) am frühesten und in der ältern sprache am häufigsten findet sich stebler, stäbler als bezeichnung einer Schweizer (besonders Basler) münze, so genannt nach dem darauf geprägten bischofsstab, s. Lexer handwb. 2, 1153 (schon 1351, 1359 bezeugt); stäbler, eine münze in der Schweitz. Frisch 2, 314a. Scherz-Oberlin 1549. Adelung; 'stäbler, eine ehemalige Baslerscheidemünze, deren 60 auf einen rheinischen goldgulden gingen, vom gepräge eines bischofsstabes so genannt.' Stalder 2, 388, s. ferner Martin-Lienhart 2, 567b; auch steir., 'königsgroschen des 17. jahrh.' Unger-Khull 567 (2). belege: das man ... nieman kein zins me gab, denne die zinse, die man von alter ... git, unde ane vier phunt steblern, git man jerglichs Claren Wachtmeisterin ze einem lipgedinge. Basler chron. 4, 18, 7 (rechtsb. zu 1362); man hat ǒch z denselben drin gerichten menglich ... ze gebietend an fünf schilling pfenning, wer aber das deheiner übersäs, der ist doch nit umb me z buetzent, denn umb dry schilling stebler. Grimm weisth. 1, 95 (öfn. v. Ossingen, Zürich); und sol ein yeglicher der ein hub oder eygen hand enpfahet, von der hub geben den hubern VIII rapen ..., und von der eygen hand den hubern II β stebler. 4, 132 (els. weisth. v. 1461); item er soll auch geben eins vogts knechten zu Ruffach jerlichen zehen schilling stebler. 134 (v. j. 1543); item ez verfelt ǒch ainem mayger von fraveli als manig schilling stbler, als manig phunt stbler dem vogt vervelt. 277, 6 (Wiesendangen, 14. jahrh.); merck, dasz hievor von stäbler-pfenning stat, das sind tünne silberiche pfenning gewesen, dero 60. ein rhinischer goldguldin gultend, sind ouch antlit-pfenning oder antlit-angster genämpt worden, habend den namen stebler überkommen, von wegen dasz etlich bischoff die von ersten gemüntzet, und allweg ein bischoffstab nebent einem bischoff-angesicht daruff stämpfen lassen, dannenhar mans antlit-pfenning, oder stebler genämpt, nachwerts habend andre müntz-stett in obern tütschen landen afftert ouch dero pfenning gattungen mit andern geprägen geschlagen, die habend ouch den namen die stebler behalten. Tschudi 1, 459a; man soll ouch mercken, dasz 1. lib. stäbler, bedütet Baszler wärung, und tund 20. Basel plappert ein pfund stäbler, das was dero zit ein guldin in gold. 555a; die neue grosse orgel allhier in dem münster hat bey 600 pf. stäbler gekostet 1561. Tschamser annales zu Thann (1724) bei Martin - Lienhart 2, 567b. dafür auch die zusammensetzungen: wer den andren ... eigen oder erb oder dhein guot anspricht, und der denne daz mit dem rechten nit bezücht noch behept, ... der ist einem vogt verfallen 10  genger steblermünz ze Ergöu. weisth. 5, 93, § 22 (Boswil im Aargau, 1343); und (die geheilte frau) gab darnach einem kilchherrn daselbs z einer ewigen gab und almsen ein pfund pfennigen daselbs z Frutingen und ein hn oder aber darfür achzechen steblerpfennigen. Stretlinger chron. 89, 28 Bächtold; aber si woltend kein ander müntz geben dann alte müntz, der pfenning die man nampt Collmar-rappen, dera zwen allein ein werschafft-pfenning (die man der zit stäbler-pfenning nampt, und gmeinbrüchige werschafft-müntz was) gultend.

[Bd. 17, Sp. 376]
Tschudi 1, 458b; aber habend wir uns underredt und geeinbart, dasz wir die vorgenanten von Zürich und von Lucern in der vorbenempten müntz klein pfenning, die man nempt stebler pfenning, schlachen sollend, und ouch die uszgeben, namlich derselben stebler pfenning drysig schilling für ein rinischen gulden, derselben stebler pfenning sollend zwen und sechzig uff ein lot gon, und geschroten werden, und sollend dieselben stebler pfenning zwen teil kupfer sin, und der drit teil soll fin silber sin. 2, 154b, dazu am rande: stebler pfen. das sind haller wie jetz churer haller; anno dom. 1424 vereinbareten sich die drey stett Zürych, Schaffhausen unnd S. Gallen, umb allerley mangels willen, ein gleychförmige müntz zuschlahen, namlich stäbler, angsterpfenning und plappart. der stäblerpfening wurden ein pfund und sechs schilling für ein gulden ... geschlagen. Stumpf Schweytzer chron. 416b.
 
 
stäbleramt, n., s. DWB stäbler 6.
 
 
stäblermünze, f., -pfennig,m., s. DWB stäbler 8.
 
 
stäblich, adj. gerichtlich, judiciarius Haltaus 1717: das ich uff hute ... vor mich an den fryhin stuel unter den hagedorn zcu Eldrigkusen vor das heilge heymlich fryhe gerichte und offintbar dyngk zcu rechter nuen czyt tagis eynen echten rechten stebelichen pflichtag gelegit hatte zwoen fryhen scheffen. quelle v. 1452, s. ebenda. Scherz - Oberlin 1563. (sonst in buchstäblich, s. das. Frisch 2, 313c.)
 
 
stablicht, n. licht, das an einem stabe getragen wird, windlicht, fackel, vgl. DWB stabkerze; mnd. stavelicht Schiller-Lübben 4, 369b; nhd.: und glaub, das ob drei tausent prinnender stabliecht da gesehen wurden, und wart also die kaiserlich majestat (Friedr. III. in Rom 1468) ... ehrlich empfangen. Wilwolt v. Schaumburg 8; und verzoch sich dennochten so lang, das man bis umb xij uhr in die nacht bei stablichter und schauben hengen muest. 29; darnach wurden gros köstlich banket und tenz gemacht, dem künig und künigin der erst tanz mit einander geben, .. auch mit den stebliechten vor und nach durch die fürsten ... gedient. 158; hernach liesz mich ihr vater, wie dort bräuchlich, auf einem wagen in i. f. g. losament führen und mich mit stabelichtern begleiten. Schweinichen 1, 157; an solchem saal waren 300 lichter und 15 grosze stabelichter angesteckt. 262; allda (bei der trauung) musten 6 Liegnitzische und 6 junkern stabelichter tragen. 2, 306.
 
 
stablos, adj. ohne stab oder stütze, vgl. DWB stab II, 5; von pflanzen und menschen, meist im vergleich und übertragen. Campe: wie stablose reben. Dya Na Sore 2, 159;

der knabe wankt und stürzet ohne stütze:
wie Boreas, wenn er die schwingen regt,
gepfropftes reis, das stablos, niederschlägt.
E. v. Kleist 1, 132 (schns. nach ruhe);

nicht geschaffen, um stablos
durch des lebens wüste zu wallen;
gab mir gott freunde.
Schubart ged. (1787) 2, 352.


 
 
stabmesser, n., vgl. DWB stabdegen und -schwert: dolo(n) .. stab-, schab- vel radier-messer. Dief. gloss. 189c (vocab. theuton., Nürnb. 1482); gladius dolose reconditus Frisch 2, 314a (ebendaher, von Campe verworfen).
 
 
stabmessung, f. bakulometrie, ein verfahren zur schnellen, ungefähren messung von höhen und entfernungen ohne instrumente, nur mit stäben (vgl. DWB stab II, 4, i).
 
 
stabpendel, n. pendel, das aus einem stabe und einer daran verschiebbaren linse besteht. Karmarsch - Heeren3 6, 591.