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schupfen bis schüppchen (Bd. 15, Sp. 2006 bis 2011) | |||
schupfen, verb. schuppen, verb. schupfer, m. schupfig, adj. schupfkäse, f. schupflehen, n. schüpflein, n. schupfnudel schupfreitel, m. schupfstuhl, m. schupfung, f. schüppchen, n. schuppdrossel, f. schuppe, f. schuppe, f. schüppe, f. schüppel schüppeln, verb. schüppelweise, adv. schuppen, m. schuppen, verb. schüppen, verb. schuppenartig, adj. schuppenbalg, m. schüppenbauer, m. schuppenbedeckt, adj. schuppenbein, n. schuppenbezoar, m. schüppenblatt, n. schuppenblüte, f. schuppenbüttfisch, m. schuppendecke, f. schuppeneidechse schüppeneisen schuppenente, f. schüppenessen, n. schuppenfell schuppenfisch, m. schuppenflechte, f. schuppenflosser, m. schuppenförmig, adj. schuppenfrucht, f. schuppengras, n. schuppengrind, m. schuppenhals, m. schuppenharnisch, m. schuppenhaut schuppenheer, n. schuppenhüter, m. schuppenkahn, m. schuppenkelch, m. schuppenkleid, n. schüppenknecht, m. schüppenkönig, m. schuppenkopf, m. schuppenkraut, n. schuppenleib, m. schuppenlos, adj. schuppenmund schuppenmuschel, f. schuppennaht, f. schuppenpanzer, m. schuppenpelz, m. schuppenpolyp, m. schuppenquarz, m. schuppenrand, m. schuppenraupe, f. schuppenreich, adj. schuppenring, m. schüppenröhre, f. schuppenrücken, m. schuppenschild, n. schuppenschlag, m. schuppenschlange schuppenschlüssel, m. schuppenschwamm, m. schuppenschwanz, m. schuppenschweif, m. schuppenspath, m. schüppenstiel, m. schuppenstuhl, m. schuppenstütze, f. schuppentanne, f. schuppentheil, m. schuppenthier, n. schuppenthierchen, n. schuppenthür, f. schuppentracht, f. schuppenträger, m. schuppenvenus, f. schuppenvieh, n. schuppenvoll, adj. schuppenweise, adv. schuppenwerk, n. schuppenwurz -wurzel schüppenzehn, f. schupper, m. schuppern, verb. schuppert, m. | [Bd. 15, Sp. 2007] erwachsen aus einer andern präsensbildung, die in sanskr. kṣubhnâti (neben kṣobhate), schwanken, zittern, zu tage tritt. da diese indes intransitive bedeutung hat, bei schupfen dagegen die transitive bedeutung überwiegt und auch umgelautete formen begegnen (s. u.), so hat wol angleichung an den typus der ersten schwachen conjugation stattgefunden, die ja gewöhnlich causativen sinn hat (vergl. z. b. schlupfen, schlüpfen sp. 842), s. Fick3 3, 338. gramm. 2, 18. Germ. 16, 25. weniger wahrscheinlichkeit hat es, neben dem intransitiven schupfen ein wirkliches causativ schüpfen anzunehmen, wie dies mhd. handwb. 2, 826 zu thun scheint. auszerhalb des engeren deutschen sprachgebietes ist die bildung nicht nachzuweisen. ahd. scuphan, praecipitare, verscupfen 6, 458; mhd. schupfen, schüpfen, selten schuffen, md. schuppen handwb. 2, 826 f.; mnd. schuppen (selten) 4, 152; nl. schoppen vel schuppen, excutere, foras ejicere; et vibrare, motitare Kilian und: schuppen protrudere, propellere, repente expellere, repellere, eiicere. ebenda, jetzt holl. schoppen schaukeln, fusztritte geben. die formen der älteren sprache in glossen: precipitare schuppen, hd. schuppffen, schopfen, schoppen, stuppen (lies scuppen?) 452a, precipitari schupphen, vervallen. ebenda; schepphen, schupphen .. schuppen. nov. gl. 300b; reicere ... schupffen. gl. 490c; schuppen, vorsman. nov. gl. 315b; secludere .. schupffen, schuppen. gl. 523a; 2, 650 giebt an schupphen 1429, clevisch schuppen 1475. — in der nhd. schriftsprache herrscht in der ältern zeit durchaus die form mit pf; sie steht in folgenden wörterbüchern u. s. w.: schupfen oder abtringen, rejicere, secludere. voc. v. 1482 bei 2, 233c; schupffen, wenden, fürrucken, promovere 364c; schüpffen 99, 19 Wendling (ohne erklärung); schupffen (1618) Bb 7c bei a. a. o.; schupfen bei nachsch. 26a (s. u.); schupfen, mittere, librando jacere 2, 257a. wenn daneben bereits Alberus anführt 'ejicio, ich schüpp hinaus', so ist hier vielleicht vermischung mit schüppen 'schaufeln' anzunehmen. dasz diese wörter sich sehr nahe stehen und leicht mit einander wechseln, zeigen besonders die bei W. Scherffer s. 238 angeführten stellen, die auch die sonderbare perfectform schuff' (nicht eher zu schaffen?) und schüppe bieten: welches ich nicht thun wollte, schüppe solchen ring von mir, dasz er in den koth fiel. 2, 261. sonst als schippen. in der neuern zeit überwiegt schuppen, doch ist das wort überhaupt seltener geworden. 2, 233c kennt es nur aus der älteren sprache, 1475 nur als schwäbisch (schupfen, trudere, protrudere, dial. Suevica. frequentativum a schieben ejusd. signif.). die litteraturbelege haben überwiegend schupfen, daneben schüpfen (Tschudi, H. Sachs, Galmy, S. Franck, Becher, Opitz), wie es seheint, unterschiedslos, zuweilen beides bei demselben autor. schuppen hat der avanturier (1756) und Göthe. heute ist schupfen besonders in den oberd. mundarten erhalten: schweiz. schupfe(n), schüpfe(n) 2, 354. 233. 265a; schwäb. schupfen 481. 403b; bair. s. 2, 440; österr. 3, 118. 252. 651 f. 227; schüpfen 50b; schles. schuppen, schüppen 88a; ebenso koburgisch schuppen 2, 438, thüring. schuppen (schobe) sprachsch. 222. 100b. 210; in Leipzig schubben, schuppen 207a; nd. nur noch vereinzelt als schuppen 418b. 4, 82; schuppen, schüppen 236b. 3, 161b. üblicher ist hier die weiterbildung schuppsen, s. daselbst. bedeutung. 1) die zunächst zu erwartende intransitive verwendung ist sowol mhd. wie nhd. verhältnismäszig selten. a) meist von einer tanzenden, hüpfenden bewegung: mit dem fuoʒe er schupfet unde rîbet. als die uff und nider hüpfent ... b) mhd. auch vom pferde, galloppieren: er schupfte starke und drabte, schuffunde oder drabende. jüng. Tit. 229. [Bd. 15, Sp. 2008] doch liegt hier wol ein anderes wort vor, zu dem schûft und schûften, schiuften gehören. c) von einer hin und her wogenden bewegung flüssiger oder luftförmiger massen: dann es begibt sich, dasz die massa (des blitzes), ehe dasz sie sich gar bereitt, selbst schupfft hin und wider, gleich als ein eingeschlossen büchsenpulver, das angezündt wirdt, hin unnd her gumpt. opp. (1616) 2, 90 C. d) aufschupfen, emergere e profundo: als der in das wasser gestürzte, aus der tiefe wider aufgeschupft, unterstunde er sich weg zuschwimmen. Schweizer chron. 661 bei 2, 233c. 2) meistens transitiv, zunächst im eigentlichen sinne. a) einem einen stosz geben, ihn durch einen stosz von der stelle bewegen: einen aus dem sattel schupfen im streit. 2, 233c; jemanden aus dem wege, in das wasser schuppen. Adelung; der falsch marschalck dem hencker mit seinem stab ein wortzeychen geben thet, z handt er den bben schüpffet (von der leiter hinabstiesz). Galmy 96a; als sie darneben (neben die platte) kamend, erwüschet Wilhelm Tell seinen schieszzeüg .. und sprang damit ausz dem schiff auff die platten, schupffet das schiff von dannen. 347b; er schufft dâ manegen über bort. der gebûre in daʒ viure gienc sus schupte er in in die vlut. pass. 281, 29 Köpke; si begunden lupfendie getouften über al Rigô von Wiene starch schupfe, wie er, was eitel war, verächtlich ausgelachet, b) in die höhe schupfen, werfen u. ähnl.: haben im wasser das knäblein an den füssen ergriffen und über sich geschupfft und bey den haaren herausgezogen. quelle bei 2, 441; (vögel) in die höhe schüpfen bei der falknerei (vgl. geh. jägercab. 66), auch schupfen allein in diesem sinne: sie lôste ab daʒ veʒʒel pant jeglichem vogel schrieb er da Achilles hub sich starck empor, Liban nt Sirjon sich schupfen, c) einen verbrecher in einem korbe in die höhe ziehen und dann ins wasser schleudern, als strafe, besonders für betrügerische bäcker, aber auch für matrosen, meineidige, zänkische weiber u. a., vgl. DWB schupfe 1 und die daselbst angezogenen stellen, ferner rechtsalterth. 726. mhd. wb. 2, 2, 170b. handwb. 2, 827. 1452. 2, 441. 403b f. 3, 118: ist eʒ ein mietknecht, der daʒ gebot brichet, den sol man schupfen. quelle bei a. a. o.; swer oech unrechte misset den win, den soll man schupfen. Straszb. statuten bei a. a. o.; swelher beck daʒ vaychen [Bd. 15, Sp. 2009] bacht, daʒ ist swelherlay brot, daʒ anders ist dan davor geschriben stat, .. das sol der burggraf hinz im rihten mit schupfen und diuselb schupf sol stan an der hauptstat. ebenda (Augsb. recht); derselb messer ist dem vogt schuldig einen schilling pfenning, als dick er es tut, und auch das man in als dick schupfe in der schupfen. Augsb. stadtb. bei a. a. o.; Albrecht Wachtershofer .. ist erkennet zu schupfen von args brots wegen. Augsb. ratsdecret von 1443 bei 403b. d) schaukeln: schupfen, etiam id. est quod schumpeln (vgl. daselbst 2) nachsch. 26b, vgl. 2, 441. sich zur lust auf einem seile schupfen. 3, 118. so auch holländ. schoppen. e) abwerfen, in dem sprichwort: ein pferd das zu viel futter hat schupft seinen herrn. 142. sprichw. 7839. 3) vielfach in übertragenem gebrauche. a) mhd. antreiben, (hunde) hetzen: zuo den hunden er dô sprach unmære hunde sol man schüpfen zuo dem bern. minnes. frühl. 20, 9; als gein einem æhtære b) einen von etwas fortstoszen, vertreiben; schuppen iemanden wt sijnen stoel, deturbare aliquem e sede Kilian; jemanden von einem amte schuppen, schupfen, entfernen, ihn entsetzen Adelung; einen durch list und kabalen aus seiner stellung entfernen 252; einen von seinem lehen schupfen (s. DWB schupflehen), einen beamten, dienstboten schupfen, entlassen, abdanken 2, 441 u. a. m. (vgl. auch abschüpfen theil 1, 110): it duchte etliken, dat se de vrouwen .. wolden schuppen uth deme lande. quelle bei 4, 152b; ich kan nicht mehr thun, ich bin nu von dem plan geschupfft, sie haben nu zeit, zu wandeln, was man von jnen nicht leiden kan. 1, 501b; ich bin aus des vaters haus geschüpfft, habe kein erbteil. 4, 210a; daraus dann diese untreue list erfolgett, das jhr viel ehrlicher ansehelicher leuth rethe .. hinweg zu schupffen unternehmet. Weimarer urkunde von 1559 bei 847; da ein weltkind das ander wider verleumgrubet, und angeust oder schupffen hilfft. fastenpred. 34a; schüpfet keinen von seiner zechen. Syr. 2, 40b; wann sie mit reden gar zu frey sind, so stehet gefahr drauff, dasz sie nicht die gnade jhrer herrn verliehren, dasz das gegentheil oberhand gewinne, und sie mit verachtung vom hoffe geschüpffet werden. Arg. 2, 274; das lehn heiszt schupf-lehn deszwegen, weil man ihn, wenn er seine pflichten nicht erfüllt, aus dem lehn herausschieben oder schuppen kann. 43, 155; der könig erschrack ob der stimm ... vâhe si mich iemer an deheiner lüge, dieweil ich bin geschupft, deinn knecht im zorn nit schupfe noch verstos. c) etwas auf einen schieben, abwälzen: der provincial und prior von Basel übten sich auch hart, das sy dise bawfellige sach abtriben, und allen ungümpff (lies unglimpf?) auff den brder schupfften. chron. 223a; bei Kirchhof wendunm. dafür schepfften (druckfehler?), s. daselbst II, A, 3, c, sp. 1539. d) einen zum besten haben, übertölpeln, necken, narren Campe (Schwaben, Dithmarschen). 481 (Ulm). 2, 441 (Schwaben, Nürnberg); i lass mi net schupfe, aufziehen 4, 390. in stärkerem sinne, verlocken, anführen: [Bd. 15, Sp. 2010] merkt von den schonen weiben ... e) etwas heimlich wegnehmen, stehlen: eine bouteille wein für mein schäfgen schuppen. avant. 1, 149. 4) mundartliches. a) oberd. die achsel schupfen, zucken 2, 441. 403b. 3, 118. 652: die eheleut müssen gute achseln haben, denn sie müssen dieselben oft über ein sach schupfen. quelle bei a. a. o.; d' achseln hat er g'schupft, weggekehrt hat er sich und gangen iser. Anzengruber3 3, 319. b) der nebel schupft sich, steigt in die höhe 2, 441. c) schwäb.-alem. geschupft, närrisch, verrückt, albern 265a. 481. 2, 442. 4, 390. dafür auch verschupft: du bist ein wenig verschupfft, non tibi sanum est sinciput. voc. von 1618 bei 2, 442. die bedeutungsentwicklung ist hier wol dieselbe wie bei verrückt, vgl. auch oben 3, d. d) im schlesischen sich schuppen, sich niedersetzen; schupp dich! sagt man besonders zu kindern 88a. e) niederd. zurückhalten, wehren; he schuppt mit händen un föten. 418b. f) in der studentensprache einen von der seite anrennen, rempeln stud.-spr. 124a. 5) noch weiter ab liegen folgende gebrauchsweisen, die wol nur zum kleinsten theile zu diesem verb. gehören. a) ein getränk langsam einschlürfen (?): so ligt auch nit die gantz total hl gesundheit unserer menschheit an dem, dasz man wie die canes lapp, schlapp unnd läpper, und tropffen für tropffen schupff, sonder viel mehr an dem, dasz man fein fr trinck. Garg. 160b. es liegt nahe, an druckfehler für schöpf zu denken, doch lesen alle ausgaben schupff, s. den neudruck s. 253. b) frische würste schüpfen, brühen 2, 441; ähnlich schon bei H. Sachs: nach dem der koch die handschuch sein, c) nudeln schupfen, den teig durch wälzen mit der hand zu länglichen nudeln (schupfnudeln, vgl. daselbst) formen 652. 2, 442. d) schweiz. 's tach schüpfe 'ein sehr schief liegendes dach so heben, dasz es sich mehr der horizontalen lage nähert' 233, walmen 2, 354; daher auch das heu schüpft sich, wenn es unter der schiefen richtung des daches aufgeschichtet ist. ebenda, vgl. DWB schupfdach. scheint diese verwendung von der bedeutung 2, b herzuleiten, doch möchte darin eher ein denominativ stecken (mit einem schopf, schupf versehen?). dagegen scheint das subst. schüpfi, f. walm a. a. o., der winkel, den die obere und untere hälfte eines schupfdaches miteinander bilden a. a. o., erst aus dem verbum gebildet zu sein. e) ebendort auch schüpfen, schüpfelen schindeln, ein dach oder ein gebrochenes bein mit schindeln belegen, dazu das schüpfi, schüpfeli, schindel, schindelchen 2, 354. f) im schwäbischen auch den faden an die spindel drehen 403b. g) ferner wasenböden aufreiszen und urbar machen. ebenda. 1) einer der schupft Campe. 2) werkzeug zum schupfen, so früher eine schleudermaschine, wurfgeschosz Campe, funda magna, machina jaculatoria 2, 234a; die von Costenz brachten in die belagerung Feldkirch ein werf-zeug, genant den grossen schupfer, der warf einen stein zehen centner schwer. 59, s. ebenda und 1452. 3) im österr. von dem einzelnen schupfen, stosz, wurf, das hinauswerfen 145a. 652. dazu das deminutiv das schupferlein, schupferl. ebenda: es ist (handelt sich) nur umb ein schupfferlein (einen stosz, den man dem schiffe gibt), [Bd. 15, Sp. 2011] 1) deminutiv zu schuppe, f.: wenn ich an demselben pflanzenstengel erst rundliche, dann eingekerbte, zuletzt beinahe gefiederte blätter entdeckte, die sich alsdann wieder zusammenzogen, vereinfachten, zu schüppchen [Bd. 15, Sp. 2012] wurden und zuletzt gar verschwanden. 58, 104; der sehr lange schwanz (des schwimmbeutlers) ist blos an der wurzel kurz und dicht behaart, im übrigen mit verschobenvierseitigen schüppchen bekleidet. illustr. thierleben 2, 23. 2) deminutiv zu schuppen, m., mhd. schuppechen, tuguriolum: edificium quod ein schuppechen dr. quelle bei 1453. 3) in Schlesien als plur. hollunderbeeren, s. 88b.
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