| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
schneide bis schneidebohrer (Bd. 15, Sp. 1245 bis 1249) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
schneide, f. schneide, f. schneidebank, f. schneidbank, f. schneidebankskopf, m. schneidbankskopf, m. schneidebaum, m. schneideblech, n. schneideblock, m. schneidebock, m. schneideboden, m. schneidboden, m. schneidebohne, f. schneidbohne, f. schneidebohrer, m. schneidbohrer, m. schneidebolzen, m. schneidebraten, m. schneidebrett, n. schneidbrett, n. schneidebüchse, f. schneideeisen, n. schneideisen, n. schneidegast, m. schneidegeld, n. schneidegezeug, n. schneideholz, n. schneidholz, n. schneidekluppe, f. schneidkluppe, f. schneidekreuz, n. schneidekuh, f. schneidel, m. schneidelade, f. schneidlade, f. schneideleder, n. schneideler, m. schneidler, m. schneidelgeld, n. schneidelholz, n. schneidelich, adj. schneideling schneidelmesser, n. schneideln, verb. schneidelen, verb. schneideloch, n. schneidelohn, m. schneidlohn, m. schneidelschwein schneidelstamm, m. schneidelstreu, f. schneideluft, m. schneidelung, f. schneidelwirtschaft, f. schneidemaschine schneidmaschine schneidemesser schneidmesser schneidemühle, f. schneidmühle, f. schneidemüller, m. schneidemuskel, m. und f. schneiden, verb. schneidenvogel, m. schneidepfahl, m. schneider, m. schneiderabend, m. schneiderader, f. schneiderähnlich, adj. schneiderarbeit, f. schneiderauge, n. schneiderberuf, m. schneiderblut, n. schneiderblütchen, n. schneiderbock, m. schneidersbock, m. schneiderbursch, m. schneiderbursche, m. schneiderchen, n. schneidercourage, f. schneiderei, f. schneiderelle, f. schneiderfeier, f. schneiderfeind, m. schneiderfestzug, m. schneiderfigur, f. schneiderfingerhut, m. schneiderfips, m. schneiderfisch schneiderfischlein, n. schneiderfleck, m. schneidergadem, m. n. -gaden, m. n. schneidergasse, f. schneidergeisz, f. schneidersgeisz, f. schneidergemüt, n. schneidergeschäft, n. schneidergesell, m. schneidergewerk, n. | sô grîfe ich, dâ mir ist bekant, [Bd. 15, Sp. 1246] niederd. verarmung und einbusze an formen erlitten hat, dergestalt, dasz mehrere bedeutungen auf eine form übertragen wurden. bedeutung und gebrauch. 1) concret, a) im eigentlichen sinne der scharfe theil von werkzeugen, geräten, waffen und dergl.: schneide, schärpffe, spitz, acies, schneid wetzen, exterere aciem, das zwo schneiden hat, bipennis Dasyp.; die schneyden oder scherpffe an eim eysen oder mässer, acies 359d; schneide, acies, acumen, acies cultri curvata, wenn sich die schneide am messer umbgeleget hat, serrata, wann lücken und scharten drinnen sind. fons lat. (1660) 5b; umgelegte schneide, inclinata, hebetata acies, verrostete schneide, rubigine exesa, aeruginosa, lückichte schneide. 1900; die schneide des messers, des degens und andrer gewehre, im gegensatz des rückens. 2, 213b; auch soll ein paumeister sein abred haben mit einem schleiffer irgen in der stat, .. der do die gesellen fürder vor andern leuten und in gut schneiden mach. baumeisterb. 112, 23; (er) slug in auch mit dem schrotholtzpeihel mit der sneiden an das haubt. d. städtechron. 11, 637, 24; die schneiten an den sensen, und hawen und gabbeln und beilen waren abgeerbeitet, und die stachel stumpff worden. 1 Sam. 13, 21; weswegen auch ein hirschfänger nicht zwey schneiden, wie ein degen, haben musz, damit man sich bey dem sauenabfangen vor denen daran gepackten hunden in acht nehmen könne. jägerpract. 3, 108a; wenn er (der lehrjunge) .. das scheermesser am rücken abzog, anstatt die schneide. 2, 148; ouh heter umbe di sîten des starken gêres snîdeal durch den schilt gebrach. Nib. 431, 1; swer wetzet sîn meʒʒer, wiʒʒet daʒ, ûf in sluoc er sîn edel swert er (der jüngling) reiszt den degen aus der scheide, was für eine schere b) ausgedehnt auf die ganze klinge oder das werkzeug selbst: Ehud .. nam das schwert von seiner rechten hüfft, und stiesz im in seinen bauch, das auch das hefft der schneiten nach hinein fur. richter 3, 22; mir bangt vor der blizenden schneide. räuber 5, 2 schauspiel; schnell fertig ist die jugend mit dem wort, als du (der dolch) dort noch flimmernd hingst, so komb ein anderer her jetzundt das werd wir in die leng nicht leidn, die einen wittern heimlich einverständnisz c) übertragen α) von schneideähnlichen sinnlichen dingen, scharfen kanten an felsen und gebirgen; namentlich im süden in der form die schneid, der schmale rücken eines berges, grat. 639: von gemelten thurngraben gerad hinauf das Kranzhorn, oben auf das wegschaid, von dannen auf der schneiden und höche auf das Rabenegg. tirol. weisth. 1, 34, 15. weiter zum begriff der grenze, scheidelinie entwickelt und auf unsinnliche dinge übertragen: meisterstücke .. sind viele Shakespearische monologe, wo eine ganze welt von vergangenheit und zukunft auf der schmalen schneide der gegenwart zusammengedrängt sind. 5, 464; wenn ich dem reichskanzler für etwas danke, so ist es dafür, dasz ihm die bewahrung der neutralität gelungen, zu einer zeit als wir schon auf der schneide standen. Augsb. allgem. zeitung 1871; die einen freuet nichts, es sei [Bd. 15, Sp. 1247] in der botanik der scharfe rand, welcher durch zusammenstoszende flächen entsteht, z. b. an stengeln. 5, 521. beim schiffsbau in älterer sprache der zwischen dem geländer und den brusthölzern gelegene theil des schiffes, franz. aiguille de l'èperon. kriegslex. 1, 46. in der anatomie der nach oben und auszen liegende rand des keilförmigen beines. Campe. auch von andern ähnlich gestalteten theilen des menschlichen körpers: seine nase lief, ihre schneide und ihren wurzeleinschnitt abgezogen, griechisch-gerade nieder. Hesp. 3, 155. β) aus der verwendung von schneide für das ganze gerät (s. oben b) leiten sich mehrere besondere bedeutungen her: schneide als name einer pflanze, schoenus mariscus 365b. schneide, auch siedeschneide, straminis concisorium 2, 477; in der gaunersprache die schere 4, 602. in der jägersprache bezeichnet schneid neben gewäff, gewerf, gewehr u. a. ausdrücken die unteren langen zähne einer sau, mit denen sie um sich schlägt; ferner auch die zähne der raubthiere 148; in der Schweiz schnîd, ein böses schneidendes maul 395b. γ) übertragen, von unsinnlichen dingen; so häufig von der schneide des todes: die sünde ist des todtes stachel oder schneitte. 3, 209a; wo nicht sünde were im gewissen, da kündte der tod nichts thun, weder stechen noch hawen, weder würgen noch martern, hette weder spitzen noch schneitten. 222b; eine eiskalte schneide, wie von der todessichel, drückte sich durch das warme gehirn. Titan 1, 189; der lebinde tôt siu suochet es schînet wol daʒ versliʒʒen ist swer sich verlæʒet an gewin, eines doppelschneidigen schwertes zwölftausend recken, frisch von kraft und scharf von schneide. 12, 143. sprichwörtliche wendungen: nicht mit der schneide, sondern mit der scheide hauen. sprichw. 1, 99b; die schneide ist jhm in die finger gangen. 1118b.2) abstract. a) in eigentlicher bedeutung: schärfe, die fähigkeit, das vermögen zu schneiden: das messer hat die schneide verloren, hat keine schneide mehr, ist stumpf. Campe. b) übertragen auf andere dinge; so besonders im süden von getränken, die einen scharfen geschmack besitzen, wie essig, bier, wein u. dergl. 639. 474. 142b, vgl. auch schneidel 1, b. in ähnlicher weise sagt man: der mülstain hat kain schneid, ist abgerieben; der bachofen hat nicht genueg schneid, braucht mehr hitze 2, 571; das hat doch eine andre schneid! Euphorion 1, 134. c) in bezug auf seelisches vermögen, mut, kraft, entschlossenheit: schneid haben; gê her, wennst e schneid hast, wenn du das herz hast. 2, 571; koa madl hot an glust zun tonz, [Bd. 15, Sp. 1248] darauf gespannt, begierig sein: hab auf an tanz a schnaid. a. a. o.; dorauf hot r a schnaid, darauf hat er es abgesehen. 181; do derzu hatt ich aach kah schneid. des burschen heimkehr (1837) 96. in beziehung auf eine person: auf di' hab i scho lang e schneid, mit dir anzubinden habe ich schon längst gewünscht. a. a. o. in dieser verwendung wurde das wort in der süddeutschen form schneid zunächst den norddeutschen truppen während des krieges 1870/71 bekannt und weiterhin im ganzen norden gebräuchlich, da aber die form nicht verstanden wurde, als verbalsubstantiv zum verbum schneiden aufgefaszt und zum masc. umgebildet; s. oben bei schneid. d) schneid in Baiern die zeugungsfähigkeit, schneid haben; auch wol der genusz selbst: schneid haben bey ainer. 2, 571. 572. dafür auch mit veränderter auffassung bei der schneid sein, vgl. zweites schneide 3. e) der schweiz. plur. schneidi, schnydi, nachwehen der kindbetterinnen 2, 342, auch schnidi, der augenblick des geburtsactes, wenn das kind in die öffnung des schlosses dringt 228, lehnt sich hinsichtlich seiner bedeutung an den entsprechenden sinn des verbums schneiden an; s. d. II, 4, a. 1) ahd. sneida, snaida 6, 844; vgl. per semitam quae nominatur isneida a. a. o.; ursprünglich wol einen an bäumen angebrachten einschnitt bezeichnend, wodurch die wege im walde kenntlich gemacht wurden, dann den weg selbst; mhd. sneite mhd. wörterb. 2, 2, 442b, durch den wald gehauener weg, durchstich 2, 1028; häufig in ortsnamen: schneid, eine endung vor alters, da angehauene und durch schneiden bemerkte bäume gestanden, olim incisio arborum, et via ita facta et signata 2, 214b. 1425; vgl. die ortsnamen Albuvinessneitta, Albwinessneida, supra Richgeressneitten sammlung alt- u. mitteld. wörter 57a. a. a. o.; schnait, name eines waldes 400a; snait, name einer ortschaft cimbr. wb. 233b, s. ortsnamen 1353. im hessischen früher schnede, wofür jetzt schneise (s. d.) gebraucht wird 361: da vindest du ain pchen, 2) schnaid, der einschnitt des visiers am büchsenlauf 181. 3) schneid in Baiern vagina muliebris; bei der schneid sein 2, 571. 572, vgl. oben erstes schneide 2, d: du scholt uns nicht versweygen, 4) in passivem sinne: a) das abgeschnittene, die beim schneiden entstehenden oder abfallenden theile, namentlich als ausdruck der gärtnerei und forstwirtschaft, altengl. snd 890b, altnord. sneið 574a, ahd. âsneita, sarmenta, surculum 6, 844, mhd. gesneite n., abesneite f., ramentum, quisquiliae mhd. wörterb. 2, 2, 443a, nhd. mundartlich schneiten, plur., der abfall von den bäumen 3, 104, schneid, schnäd, das von bäumen abgehauene und zum reisigmachen bereit gelegte holz 2, 113. daneben erscheint in einigen mundarten die form schneisze, s. d., vgl. auch DWB schnat, DWB schnatte 2. b) in der jägersprache sprenkel, dohnen. der bedeutungsübergang ist wol so zu erklären, dasz die von den bäumen abgeschnittenen dünnen zweige, schneiden, die den wesentlichsten bestandtheil der fangvorrichtung bilden, dieser ihren namen gegeben haben. schneude neben schneisze, avium captura 1904; schneide, schnaide, in Sachsen und benachbarten gegenden aucupium in fruticibus 2, 214b. 1425; sächsisch [Bd. 15, Sp. 1249] schneiten, schneisen plur., dohnen 3, 103. eine ganze reihe solcher aufgestellter dohnen heiszt geschneide Adelung; schneide auch den waldweg bezeichnend, der zum aufhängen der dohnen dient, hessisch schnede, schneise 361, schnaid, schnäd, ausgehauener waldweg zum vogelfang 2, 113, niederd. snête, snëte, snëse 199b. vergl. DWB schnat, DWB schnatte 4. 1) beim böttcher und stellmacher eine bank, worauf das holz bei der bearbeitung mit dem schneidemesser festgehalten wird 4, 18b. 19a, thür. schnîtbânk 6, 517. 2) bei der bereitung der gaze ein werkzeug, worauf die losen fäden der geblümten gaze abgeschnitten werden 4, 18b. 3) der mit erhöhtem rande versehene tisch des lichtziehers, worauf der talg zerschnitten wird, auch stückelbank a. a. o. 4) eine vorrichtung zum futterschneiden, schneidelade, niederd. snîbank 246a.
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