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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
quer bis querbau (Bd. 13, Sp. 2355 bis 2356)
 
 quer, f., s. DWB quere.
 
 
quer, adj. und adv. , früher auch gedehnt queer, quehr, transversus, transverse; md. und elsäss. im 14. jh. quer (Lexer 2, 1598), mit übergang des tw in qu aus mhd. twër, abgeleitet vom verb. twërn (drehen, umdrehen, rühren, mischen), wozu auch quirl (mhd. twirl, ahd. dwiril) gehört. die zu grunde liegende wurzel twer (woraus auch griech. τορύνη, lat. trua, rührkelle, -löffel, vgl. Curtius3 209. Kluge4 269b) erweitert sich durch k-suffix zu twerk, worüber näheres bei zwerch (vgl. querch und gramm. 2, 314).
1) adjectiv.
a) in die breite gekehrt, eine längsrichtung (zunächst rechtwinklig, dann überhaupt) kreuzend:

ich wil gen über quere felde (vgl. querfeld).
Uhland volksl. 646;

do sprang er über quere benke (vgl. querbank). 649;

eine quere hand. Weise freim. redner 52 (vgl. DWB querhand), eine quere linie Frisch 2, 78b (vgl. querlinie).
b) (der breite nach) zwischen innen liegend: quere nacht (md. und elsässisch). Lexer 2, 1598; über quere nacht. Danziger willkür (1598) 1732 s. 43; so hege ich auch keinen zorn über kwer nacht, sondern verzeihe einem jeden gern, ehe die sonne untergehet. Butschky kanzl. 449; nd. quernacht, ein zeitraum von zwei nächten und einem tage Weber öcon. lex. 431a.
c) den geraden weg durchkreuzend, daher hindernd, störend (vergl. 2, b): das steuerwesen ging also durch unendliche krümmungen und quere processe in seinem laufe fort. Möser 5, xxv.
d) schräg seitwärts gewendet, querer blick mit dem nebenbegriffe des lauernden, feindlichen oder schelen, neidischen (vgl. querblick): der könig sah mit querem blick auf sie. Freytag ahnen 1, 183; quere blicke und widerwilligen dienst begehre ich nicht. 258.
e) dem geraden und rechten entgegengesetzt, verkehrt, verdreht, verschroben (s. querkopf):

freilich, der quere genosz! am äuszersten ende der welt hier
nahm er ein loch, kein haus.
Voss Theokr. 15, 8.


2) adverb.
a) der breite nach: fris lieber wolf fris, das dir bald ein bein quehr im hals bleibe. Luther 6, 316b; quer gehen Stieler 623, laufen 1086, reiten 1438, setzen 2040, stellen 2359;

quer nun dreht er die segel dem wind (obliquat sinus in ventum).
Voss Än. 5, 16;

als wir nun aber den weg, der quer durchs thal geht, erreichten.
Göthe 40, 238;

(ich) liege nun im grase quer,
wer hilft mir auf die beine? 12, 230 (Faust I. 4381 Weim.);

geh von hier aus queer über die strasze nach dem gasthof. Schiller 3, 568;

(ein wild,) das quer hinüber nach dem walde läuft.
Uhland (1879) 3, 28;

betrachtet diese stirnenfalte ...
von einem aug' zum andern quer (gehend, liegend).
Lenau (1880) 2, 50.


b) zur bezeichnung der verschiedenen sich kreuzenden oder nach allen seiten hin gehenden richtungen, s. DWB kreuz und quer theil 5, 2184:

(ich) ziehe schon an die zehen jahr
herauf, herab und quer und krumm
meine schüler an der nase herum.
Göthe 12, 29 (Faust I. 362 Weim.);

besonders von etwas, das hindernd den geraden weg durchkreuzt, unerwartet und störend entgegen tritt: wenn wir zeugen von einer wichtigen und rührenden begebenheit sind, und eine andere von wichtigem belange läuft quer ein: so suchen wir der zerstreuung die diese uns drohet, möglichst auszuweichen. Lessing 7, 316; wenn weiber quer in unsere unternehmung

[Bd. 13, Sp. 2356]
treten. Göthe 8, 103; der teufel kommt allemahl quer ins spiel. F. Müller 2, 103; das schicksal ... das mir so quer durch den weg streicht. Schiller 2, 35 (räub., schausp. 1, 2).
c) schräge, schel, vom blicke (s. 1, d): quer sehen, anschauen, oblique, oculis limis aspicere Stieler 1743. 2027; an diesem fehler kranket unser adel ganz besonders, dasz er solche zierrathen quer ansehe. Göthe 48, 76. s. querblickend.
d) schief, verkehrt, verdreht (s. 1, e): quer antworten Klinger 10, 65 (vgl.querantwort); sie wissen, ich hatte immer einen hübschen fond von reflecktiohnen die ich ihnen (Oeser) meistentheils vortrug, freilich gingen sie manchmal etwas queer, nun, da belehren sie mich eines bessern. der junge Göthe 1, 38 (br. 48. 1, 181 Weim.); es giebt zeiten, wo alles quer geht. Freytag handschr. 1, 176.
3) uneigentliche zusammensetzungen mit dem adj. und adv. siehe im folgenden (bei Hederich 1811 noch auseinandergehalten quer feld, quer finger, quer segel u. s. w.).
 
 
querab, adv. in querer richtung abwärts: hügel, der von höhern reihen querab durch das thal zog. Dya Na Sore 1, 120.
 
 
querantwort, f. verkehrte, unpassende antwort (s. DWB quer 1, e. 2, d): der hauptmann gab .. unglaubliche quer-antworten. J. Paul Katzenb. 2, 50.
 
 
querarm, m. was querbalken, der wagerechte balken des kreuzes Müller-Mothes 775a.
 
 
querarsch, m. leipzigerisch tölpel, der einem in die quere kommt; davon querärschig, ungeschickt Albrecht 188b.
 
 
queraxt, f. was kreuz-, zwerchaxt Jacobsson 3, 332a; twerax, tweragst Dief. 53a. 72c.
 
 
querbalken, m. trabs transversaria, querbalk Schottel 1380, -balken Frisch 2, 78b: sind sie (säulen) sehr hoch, so dürfen sie verhältniszmäszig nicht so weit auseinander sein, weil sonst der steinerne querbalken, der sie verbinden musz, zu lang werden und brechen würde. A. W. Schlegel vorles. 1, 178, 6 neudruck; bildlich: es sei dadurch seiner höchsten glückseligkeit ein querbalken vorgezogen (vergl. DWB querbaum, -riegel). Plesse 1, 193; da schlage sich doch jeder an die brust und suche den queerbalken seines eigenen gehirnes. Herder humanitätsbr. 2, 262; herald. der schrägbalken Müller-Mothes 775a.
 
 
querband, n. ligamentum transversum Jacobsson 3, 332a, vergl. DWB kreuzband 3; (anatomisch) encycl. der medic. wissensch. 27. 28. 497, botanisch (connectivum) Oken 2, 68: das breite querband der hosenträger. Auerbach ges. schriften 1, 172.
 
 
querbank, f. scamnum transversale (worauf auf den deutschen reichstagen die deutschen bischöfe und erzbischöfe saszen). Frisch 2, 78b. J. Paul Tit. 1, 64; transtrum Hederich 1811, md. die twer-, zwerbank neben dem ofen. Erfurter ratsverfassung 27. 36.
 
 
querbau, m. die gesamtheit beider querschiffe einer kirche, auch querhaus Müller-Mothes 775a; bergmännisch, abbau sehr mächtiger und steil fallender lagerstätten, bei welchem die lagerstätte von einer im liegenden derselben getriebenen hauptstrecke in bestimmten abständen durchfahren (in die quere getheilt), jede der so gebildeten abtheilungen demnächst durch einander parallel aufgefahrene querstrecken gewonnen und der ausgehauene raum mit unhaltigem gestein ausgefüllt wird (bergeversatz) Veith 55. Scheuchenstuel 186. Dannenberg - Frantz 47.