| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
kittern bis kitzblau (Bd. 11, Sp. 865 bis 870) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
kittern kittfuchs, m. kittlos kittscheibe, f. kittstock, m. kittwerk, n. kitz kitz, f. kitz kitzchen kitz, n. kitze, n. kitzblau kitzböcklein kitzbohne, f. kitzchen, n. kitze, f. kitze, f. kieze, f. kitzel, n. kitzel, m. kützel, m. kutzel, m. kitzel, adj. kützel, adj. kutzel, adj. kützeln, adj. kitzel kitzelader, f. kitzelarsch, m. kitzelding, n. kitzeler kitzelfleisch, n. kutzelfleisch, n. kitzelfreude, f. kitzelfroh kitzelgaumen, m. kitzelgierig kitzelhaft kitzelhaftig kitzelhusten, m. kitzelich kitzeljagd, f. kitzeln kitzeln kitzeln kützeln kutzeln kitzelohr, n. kitzelstich, m. kitzeltrutlin, n. kitzelung, f. kützelung, f. kitzen, adj. kitzin, adj. kitzen, adj. kitzin, adj. kitzen kitzen kitzen kitzen, f. kitzenfell, n. kitzern kitzgrau kitzi, n. kitzin, f. kitzing, m. kitzkäfer, m. kitzlein, n. kitzlein, n. kitzel, n. kitzler, m. kitzlerin, f. kitzlich, adj. kitzlig, adj. kitzlichkeit, f. subst. kitzmädern, adj. kiwe, f. kiwen kiwitz kix kixen kiz kla klabastern klabautermann klaber, f. klachel, m. klächel, m. klacheln, verbum klächeln, verbum klachtschaden, m. klack, interj. klack, m. klacke, f. klacken kläcken klackern kläcklein, n. klackpapier, n. | 1) a) gleich kichern, kickern, nachgewiesen seit dem 15. jh. (mhd. wb. 1, 822a): cachinnare kittern vel spotten hs. voc. in Breslau; cachinnare kyttern voc. 15. jh. 86b, auch bei (das.); lautlachen oder kyttern voc. th. 1482 r 8b; [Bd. 11, Sp. 866] will er (der kaiser) denn wainen, so well wir trauren, das ain wird lachen, das ander wird kittern. 328, 13; da fiengen sie an wüste schampere wort zereden ... sie lachten und kitterten durcheinander. sünden des munds 62b; unser kelte (im glauben) ... kumpt daher das wir also liederlich seind, ausbrichlich mit fürwitz, schwätzen, kittern, warnemen fremder gebresten. irrig schaf 19b (ausg. in 4° H 2b kittren); do er im wolt priesterlich eer bewisen, do ward er ernstlich lachen und kittern. do ward im wunderen, daʒ ein sölicher alter priester so lecherlich lacht. S. Brant (?) ... 2, 174b; die (zwei) rissen auf zwei weite maul b) auch das herz kittert (wie es lacht), schon beim (mhd. wb. 1, 822a): mein herz vor freuden kittert, c) zuweilen tritt das kittern bestimmter als spöttisches verlachen auf, schon in der angabe des Bresl. voc. v. 1422 'cachinnare, kittirn vel spotten' kann das liegen, auch in Keisersbergs zweiter stelle vorhin. deutlicher: darumb wir ihr schreiben wol belachen mögen und kittern, so sie also gewiss die gesundheit zusagen. 1, 10c (1589 1, 27); ist 'belachen und bekittern' gemeint (vgl. bekichern)? vgl. sp. 326 unter f. d) wegen der bed. ist noch hervorzuheben, dasz wie es scheint nicht nur das verhaltene hohe lachen (kichern) damit gemeint ist, sondern auch das laute schütternde (kachen, kachern), für welches der schriftsprache jetzt eig. das bezeichnende wort fehlt. für das erste zeugt folg.: es könnens wol (einen furz vertreiben) jungfrawen am besten, wann sie das kittern in sich beiszen und vertrucken und alleweil das nastüchlein fürs maul heben (halten), dasz der geruch (dunst) nit ins hirn steig. Garg. vorr. s. 14 (Sch. 14). für das zweite wol folg.: da kitteret der (böse) feind und sprach 'ha ha das haus ist gar nahent mein'. heiligenleben Augsb. 1472 120b; auch Brants kittern meint wol nicht kichern. was die wbb. geben, klingt unsicher; furtim cachinnari erklärt Dasypodius heimlich lachen oder kittern, 167a heimlich lachen und kitteren, aber sustollere cachinnum on alle masz kitteren, cachinnus das kitteren, ein unzüchtig glächter, kichlen oder gachlen das. und 244a klingt wie das zweite lachen. bei 961 kittern effuse ridere, cachinno concuti, lachen dasz man kittert, heimlich kittern; er nennt auch kitterer m. cachinno (wie 13a), kitterinn f., kitterlich cachinnans, kitterung cachinnatio. kittern auch bei Steinbach noch, als 'pöbelhaft' bei 1, 561a. e) Adelung führt es nicht mehr mit auf, es ist der neueren schriftsprache fremd; doch bei Gotter: (wenn wir) bei der journalisten katzenwuth, f) in den sog. cimbrischen gemeinden auch kitteln neben kittern, rider trillando 136a, ganz wie kicheln (schon bei Maaler, s. unter d) neben kichern sp. 660. s. auch kitzern. 2) von ähnlichen tönen bei vögeln, zwitschern u. dgl.: so quamen die swane zu ir .. flitternde met iren flögeln und kitterten met iren stimmen. altd. bl. 1, 133, md. 14. jh.; es kittert und flittert, sich wittert [Bd. 11, Sp. 867] 3) verwandtschaft. fraglich ist namentlich, ob kittern 1 und 2 éin wort sind oder nicht. a) kittern 1 steht in einem netze nahliegender formen mit gleicher bed.; zunächst kitzern (s. d.), dann küttern, kuttern, auch kudern, küdern, ködern (bair.), und wieder auch kutzen, also mit urspr. ablaut i : u, wozu das a in engl. chatter, altengl. chatre gleich kittern 2 sich gesellen könnte. dann aber auch kichern, kickern u. s. w., s. dort. b) noch wichtiger für die frage nach dem alter des stamms sind formen mit urspr. sk- an stelle des k- (s. sp. 406), und wieder mit demselben ablaut: schotteren cachinnare voc. opt. Lpz. 1501, gemma ( 87a), nrh. in der Cölner gemma (das.) schatteren, nnl. schateren, mnl. scateren hor. belg. 7, 13b, Kil. schetteren, onmanierlick lacchen (e aus a? oder i?). das ist ganz wie bei kichern und kachen cachinnare, und so ist es hier doppelt glaubhaft, dasz da eine wurzel vor alters mittelst auslautwandels sich spaltete (s. sp. 6 und kichern 3, b). wie aber kichern mit keichen verwandt scheint, so steht neben kittern auch ein kitten keichen (s. kittbauchen), vgl. schweiz. kûten keichen c) kittern 2 seinerseits neigt zu einer andern verwandtschaft. es heiszt schwed. qvittra, schottisch quitter, quhitter, auch mhd. quiteln (Megenberg, ital. squittire), und das ist vermutlich eins mit quittern, quitteln garrire 257c, ahd. quitilôn, nl. quetteren; diesz aber nähert sich dem alten stamme quid, in dem bei uns früh qu- zu k- ward, s. DWB keden; ahd. chutilôn dicturire 5, 329b scheint eins mit quitilôn. Wiederum aber stimmt engl. chatter zwitschern und plappern nicht so gut zu quid, als mit ablaut zu kittern 1, engl. chittre. auch die unter a genannten formen gelten zum theil zugleich von vogelstimmen, wie engl. twitter zugleich kichern und 'zwitschern' bezeichnet, nl. schetteren bei Kil. auszer kichern auch plappern und dem zwitschern ähnlichen gesang (aber auch knattern, prasseln). d) auch in kittern 1 könnte noch ein andrer begriff versteckt sein, nach Stielers 'lachen dasz man kittert', vgl. nl. hy lachte dat hy schetterde, schaterde 687b. jedenfalls liegt hier wieder ein verwachsen mehrerer stämme vor, diese not der etymologie. 1) interj. prohibentis et arcentis, hem apage! 935. es ist wie kätz weg! sp. 278 bei Lessing, und wie dieses sicher eig. ein scheuchruf der den katzen gilt. in Schlesien verscheucht man sie mit kitsch aus! wie die kitze kätzin da kitsche heiszt. ebenso kütz! im 17. jh. einmal bezeugt in einem sprichworte: kompt die katz éinmahl übern vogel, so heiszts darnach immer 'kütz vom vogel'. floril. 1, 189. das ü könnte i meinen (s. sp. 855 mitte), aber es heiszt auch kutz! sieh dieses. 2) aber auch gerufen wird die katze mit kitz! (s. nachher Trotz) oder kiez! Posen 122, schles. kitsch! ebenso poln. kici! kitze! kitz! wie kić (kitsch) die hauskatze heiszt. (1779) 3, 570. böhmisch dagegen mit erstreckung des quetschlautes auch auf das erste k čiči! (čička hausname der katze), auch mit z cic! (cica katze), und dazu stimmt denn merkw. schweiz. zitz! und zitz katze 2, 470, vgl. sp. 282; das z in mhd. zaza dort erscheint auch in zîse in dem gedichte von hausrat: mîn katze heiʒet zîse. altd. übungsb. 14, 111, zu dem s s. DWB katze I, 3. der quetschlaut in dem rufe zeigt sich wieder in Schottland, cheet! cheet! ruft man da den katzen suppl. 1, 204a (vgl. keit ye! sp. 279). 3) überhaupt ist zu bemerken, wie die zischlaute in solchen rufen dienen, und welche ähnlichkeit in diesen rufen herscht, für die verschiedensten thiere und in weiter entfernung (s. schon sp. 279, dazu gramm. 3, 309). um nur beim k zu bleiben, mit kis! hetzt man [Bd. 11, Sp. 868] nd. hunde 228b, mit küsz! verjagt man hühner 120, auch küsch! (dazu küschen, küschken scheuchen) 117a, und mit hinten wiederholtem k khuschk! (huschk!) brem. wb. 2, 765; mit kus! lockt man kälber, bairisch und norwegisch, mit ges! tirol. ziegen 5, 434, mit kösz! kühe gramm. 3, 309, mit kec! böhmisch kühe. und oft zwar, aber nicht immer, entspricht den rufen ein name des thieres, den lockenden gewöhnlich ein schmeichelname, die zuweilen den rufen erst entnommen scheinen. am einfachsten gestaltet, und doch den genannten noch zugehörig ist der scheuchruf für kleine thiere in meiner heimat, ksch! (auch nur sch!), worin der zischlaut den vocal vertritt, wie in pst! (s. 2, 457). es steckt in dem allen sicher hohes alterthum, so schwer das zu erweisen ist. zufällig z. b. gibt kis! und kus! als schon mnd. eine alte aufzeichnung: 'interjectiones non solum homines, sed et bruta movent, ut pullos kus (s. Strodtmann vorhin), kis porcos, hus har har equos'. hor. belg. 7, 29b. I. Bedeutung und gebrauch. 1) die ahd. und mhd. glossen erklären zwar nur haedus damit, aber es kann nach den übrigen zeugnissen nicht das böckchen nur gemeint sein, in den gl. des 15. jh. wird das lat. wort auszer kitz ausdrücklich auch als junge geisz, ziege erklärt ( 195b), man musz haedi für zicklein überhaupt gebraucht haben; als ziegen überhaupt faszt es 47, 12, indem er oves ab hedis separas übersetzt scâf fone geiʒin gescidôst (s. 2, a). wenn der voc. inc. t. angibt kicz edus, geiszel n 2a, der voc. 1482 kitz edus, caprella q 4b, so soll offenbar der zweite zusatz die einseitigkeit des lat. wortes ergänzen, wie in Schönsleders erklärung von kitzle capella, hoedus. Die obige bed., die 2, 347 aus dem heutigen Baiern für kitz gibt, wird die ursprüngliche sein; soll das geschlecht unterschieden werden, so sagt man da bockkitz und gaiszkitz; ebenso aus Kärnten 158, kütz, gaiszkütz (zur unterscheidung von rehkütz, gamskütz) aus Österreich 2, 185. auch das neutr. stimmt zur urspr. umfassung beider geschlechter (s. sp. 707), es ist wie bei kalb, lamm, füllen und kind. doch s. auch 2, b und II, 2. von kitzen carnes sind guet festo pentecostes. kalenderreim, 2) der begriff ist aber auch erweitert worden. a) ziegen überhaupt musz es in folg. sein: auch Jacob dient dürch kält und hitz b) ob doch auch böckchen zur unterscheidung von den zicklein? so kann es scheinen nach folg.: also ist haimgangen Gideon und hat gekocht ein kitze und hat gemachet matzkuchen. pred. 86a, richt. 6, 19, wo die vulg. hoedum hat (Luther ziegenböcklein), aber es wird wol vom geschlecht eben abgesehen sein; gang hin und waidne deine kützlin, ausz wölchen kützlin werden grosz böck. ders. granatapfel 1511 (geistl. spinn.) M 6a, d. h. es werden auch böcke mit draus. eine ahd. glosse allerdings [Bd. 11, Sp. 869] lautet hircelli vel hedi, chizzi 278a, aber auch das könnte doch nach a zu verstehen sein. s. jedoch unter 4 und kitzlein 1. c) auch vom schaflamm kommt kitzlein (3) vor, mit Keisersbergs kützlin vorhin könnten solche wol mitgemeint sein, ziegen und schafe werden ja viel zusammen geweidet. 3) von dem hausthiere erstreckt auf ähnliches wild, wie kalb. a) auch die jungen der gemse, des steinbocks (s. kitzlein 2) und des rehes heiszen bair., tirol., kärnt. kitz (vgl. u. 1), wie auch bock und geisz auf sie angewandt wird. schon ahd. rêchkizzi 4, 538, mhd. (alem.) rêchkitze J. Haupts hohes lied 50, 25. 31, 21, diu zwinelîn chitze der rêchgaiʒe (duo hinnuli caprae gemelli cant. 4, 5) 112, 14. vom reh hat sich das auch über die eig. heimat des wortes vorgeschoben: kitz junges reh gibt 225 als mittelrh. aus der jägersprache; das kleine kitzchen. nach der natur 3, 282. doch auch kitzlein zicklein kommt auszer seinem eigentlichen gebiete vor. b) auch auf den hirsch ist es angewandt worden: eine hirschkuh kommt mit ihren kitzen an den bach. schatzk. des gevattersmanns 28. 35; an etlichen höfen und jägereien ... der hirsch ein tannbock, das thier eine tanngeisz und das kalb ein tannkützle benennet wird. (1754) 1, 23b. c) als unterscheidung der geschlechter gibt 1, 517a kitzböcklin und kitzgeisz 'rehekitzlein'; östr. kützgoasz von einer gemse. naturbilder 57. 4) schwäb. auch kitze, das da fem. ist, gleich knabe, unbärtiger jüngling 314; das macht doch die bed. böckchen wol notwendig. ähnlich tirol. kitz n. junges flatterhaftes mädchen 6, 295, 318 (vgl. gitsche mädchen). schwed. kidde m. zicklein ist auch vorlauter junge 317b. II. Formen und verwandtschaft. 1) zunächst die nebenformen kütz aus Österreich vorhin, kützlin bei (s. mehr unter kitzlein); über das ü s. sp. 855 mitte. auch hier das unsichere u statt ü: wer ein geisz hat, der sol von (je) zwei kutzen ein pfening geben, von verlin sol man zehenden geben was billich ist. weisth. 1, 352, aus d. 15. jh. vom südl. Schwarzwald; hedus, ein klein geiszlin, ein kutzlin. varil. l 1a. die schwäb. kitzbohnen, ziegendrecker ( 314) heiszen nach Augsb. wb. 279b aber wirklich auch kuzabonelen; also wirkliches echtes u neben i? 2) es gibt neben dem vorherschenden neutr. doch auch ein fem. kitze (wie ja geisz, ziege f. sind), es ist die schwäb. form 314, von jungen ziegen, rehen ohne unterschied des geschlechts (sogar von knaben, s. DWB I, 4). diesz fem. mag alt sein, schon ahd. bestand chizzila capella neben chizzili n. (s. kitzlein); isl. ist kida f. als weibliches zicklein von kid n. hoedus unterschieden. schwed. aber gibt es auch ein m. kidde (I, 4). 3) die formen kitze, kitz, und kitzi, kitzin. a) kitze n. ist der nachkomme des ahd. chizzi, wie küsse der von küssi sp. 852 mitte, und kitzi findet sich noch nhd. anfangs (wie küssi dort, vgl. mhd. kitzivel wb. 3, 294a): do ein geisz gekitzet het und usz wolte gen an die weide .. warnet sie ir kitzy, niemand uf zu thun die schlosz irer wonung ... kam der wolf für die thür des kitzes und begert von dem kitzy, im die thür uf zu thund. Esop (1555) 38; aber das kitzy entran. 91. noch appenz. chitzi 101b. b) diesz kitzi, chizzi ist aber, was ja zur bed. stimmt, nichts als ein demin., von der einfachsten art wie sie in alem. mundart noch herschend sind (z. b. unter 4, a gitzi), wie kessi gleich kessel (1, c); s. gramm. 3, 684, al. gr. s. 233. 449. c) dazu stimmt denn der antritt eines n, wie al. kessi auch kessin heiszt (und wie in den dem. auf -ili): kizzîn hoedum, hoedos 4, 537. 538; (das einhorn) ist deme chitzîne gilîch. fundgr. 1, 24, 14 (daneben dem chizze gelîch das. z. 41); got stellet diu schâf bî der zesewen und die (diu?) kitzîn zuo der winstern (gedr. vinstern). 791. selbst im nom.: hoedus chizzin anz. 7, 595 (11. jh.), kytzin und kutzin 195b, 15. jh. auch das einfache kitz liesze sich als dem. denken, mit dem verkleinernden, kosenden z (sp. 367), das hier im stamme schon ein ʒ vorfand, welches dadurch zu z wurde. 4) kitz, kitzi gehört nämlich doch wol zu geisz, mhd. geiʒ, trotz der abweichenden lautstufe des k. a) alem., aber nur da heiszt es wirklich gitzi, dem. gitzeli; so schweiz., bei Hebel, vorarlb. 5, 486, und so von jeher. schon Maaler gibt nur gitzlin, mhd. in voc. opt. 38, 30 gitzi, ahd. im voc. des h. Gallus (8. jh.) hedi gizi 1, 14a. das steht mit seinem vocal zu geiʒ in ablautsverhältnis (î ei i), ganz wie ricke rehgeisz zu mhd. rêch reh (mit ê für ei vor ch); die endung ist gestaltet wie in zicke, [Bd. 11, Sp. 870] ahd. zikki junge ziege im verhältnis zu ziege, ahd. zigâ, mit ableitendem i, j, das den wurzelauslaut steigerte (eig. giʒji, zigji?). wer will aber das gleichgebildete kitzi von diesem gitzi trennen? b) die gemeinhd. form mit k findet sich aber in den nord. sprachen wieder, freilich wieder mit einer abweichung der lautstufe, im auslaute. das zicklein heiszt altnorw. kið n., altschw. kiþ, isl. kid (neben geit f. geisz), schwed. dän. kid (neben get, ged, auch von den jungen des rehes und rennthiers), und engl. kid (neben goat), im Ormulum kide, sicher schon ags. c) von solcher abweichung der lautstufe findet sich aber eine spur auch hd.: kittele n. weibliches zicklein, in Tirol 318, schon aus dem 12. jh. bezeugt in einem glossar zu Insbruck: 'chapellae, chetele' anz. 7, 595 (dicht neben 'hoedus chizzin'). es heiszt tirol. aber auch gittel f., ziege die noch nicht gezickelt hat, gittele n. weibliches zicklein 192, 3, 331. 5, 435. das ganze wort ist ein rechter beweis für das dasein der bewegung in den lautstufen auch auszer der lautverschiebung, im auslaut wie im anlaut (s. sp. 3). im anlaut fehlt auch die dritte stufe nicht: wetterauisch hitz, hetz f. ziege (lockruf hitz! hetz!), westf. hitte, bair. hett, hettel, huttel, vorarlb. hattla 5, 486, mhd. hatele, d. h. es ist wie bei keichen sp. 438 unten, vgl. 661 mitte. 5) zu erwähnen sind auch auswärtige anklänge, wie ehstn. kiddo junge ziege, kits ziege, finn. kuttu ziege (beide sprachen haben aber kein anlautendes G); lappisch gitze zicklein, ungr. gödölye. s. ferner bei goth. wb. 2, 385 alban. kidh junge ziege u. s. w. 6) endlich s. auch kisel bock, kuse ziege, worin wie im sl. und bei katze (I, 3) ein s statt des dentals auftritt. Was in dem kitz- altes steckt, bleibt zu ermitteln. es gibt nebenformen: schwäb. küttblau (vgl. kütthungrige wölfe baurenst. lasterp. 183); henneb. kittsauer 1, 230a, mrh. kitschsauer (vgl. kirrsauer); kisch salz sp. 850 unten. aber auch knitsch- klitsch- klitzblau, -rot u. a., s. Tobler bei 5, 188. 189.
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