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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
kittern bis kitzblau (Bd. 11, Sp. 865 bis 870)
 
 kittern ,
1)
a) gleich kichern, kickern, nachgewiesen seit dem 15. jh. (mhd. wb. 1, 822a): cachinnare kittern vel spotten hs. voc. in Breslau; cachinnare kyttern voc. 15. jh. Dief. 86b, auch bei Altenstaig (das.); lautlachen oder kyttern voc. th. 1482 r 8b;

[Bd. 11, Sp. 866]

will er (der kaiser) denn wainen, so well wir trauren,
will er dann saurn, so well wir bittern,
will er dann lachen, so well wir kittern. fastn. sp. 298, 9 (
Göz auswahl von
H. Sachs 3, 165);

das ain wird lachen, das ander wird kittern. 328, 13;

da fiengen sie an wüste schampere wort zereden ... sie lachten und kitterten durcheinander. Keisersberg sünden des munds 62b; unser kelte (im glauben) ... kumpt daher das wir also liederlich seind, ausbrichlich mit fürwitz, schwätzen, kittern, warnemen fremder gebresten. irrig schaf 19b (ausg. in 4° H 2b kittren); do er im wolt priesterlich eer bewisen, do ward er ernstlich lachen und kittern. do ward im wunderen, daʒ ein sölicher alter priester so lecherlich lacht. S. Brant (?) ... 2, 174b;

die (zwei) rissen auf zwei weite maul
und lachten wie ein ackergaul.
des kund die agerlaster (elster) kittern,
spotweis thet ir der heher flittern.
H. Sachs 1, 426a (regiment der vögel).


b) auch das herz kittert (wie es lacht), schon beim Wolkensteiner (mhd. wb. 1, 822a):

mein herz vor freuden kittert,
zittert, hupfet, sprang. meisterges. Berl. hs. fol. 23 no. 222.


c) zuweilen tritt das kittern bestimmter als spöttisches verlachen auf, schon in der angabe des Bresl. voc. v. 1422 'cachinnare, kittirn vel spotten' kann das liegen, auch in Keisersbergs zweiter stelle vorhin. deutlicher: darumb wir ihr schreiben wol belachen mögen und kittern, so sie also gewiss die gesundheit zusagen. Paracelsus 1, 10c (1589 1, 27); ist 'belachen und bekittern' gemeint (vgl. bekichern)? vgl. sp. 326 unter f.
d) wegen der bed. ist noch hervorzuheben, dasz wie es scheint nicht nur das verhaltene hohe lachen (kichern) damit gemeint ist, sondern auch das laute schütternde (kachen, kachern), für welches der schriftsprache jetzt eig. das bezeichnende wort fehlt. für das erste zeugt folg.: es könnens wol (einen furz vertreiben) jungfrawen am besten, wann sie das kittern in sich beiszen und vertrucken und alleweil das nastüchlein fürs maul heben (halten), dasz der geruch (dunst) nit ins hirn steig. Fischart Garg. vorr. s. 14 (Sch. 14). für das zweite wol folg.: da kitteret der (böse) feind und sprach 'ha ha das haus ist gar nahent mein'. heiligenleben Augsb. 1472 120b; auch Brants kittern meint wol nicht kichern. was die wbb. geben, klingt unsicher; furtim cachinnari erklärt Dasypodius heimlich lachen oder kittern, Frisius 167a heimlich lachen und kitteren, aber sustollere cachinnum on alle masz kitteren, cachinnus das kitteren, ein unzüchtig glächter, kichlen oder gachlen das. und Maaler 244a klingt wie das zweite lachen. bei Stieler 961 kittern effuse ridere, cachinno concuti, lachen dasz man kittert, heimlich kittern; er nennt auch kitterer m. cachinno (wie Altenstaig 13a), kitterinn f., kitterlich cachinnans, kitterung cachinnatio. kittern auch bei Steinbach noch, als 'pöbelhaft' bei Frisch 1, 561a.
e) Adelung führt es nicht mehr mit auf, es ist der neueren schriftsprache fremd; doch bei Gotter:

(wenn wir) bei der journalisten katzenwuth,
nicht ohne schadenfreude, kittern. 1, 418.

es ist nämlich thür. noch in voller geltung, ebenso henneb. Reinwald 1, 79, fränk. Schmeller 2, 343, schwäb., elsäss. Schmid 331, vorarlb. Fromm. 3, 299, schweiz. Stalder 2, 104, hier mit subst. kitter n. gekicher (wie kicher n. unter kichern 1 a. e.), kittri m. wer diese art zu lachen an sich hat; auch im rhein. gebiete, so im Siegerlande Schütz 2, 16a, hier als 'ähnlich wie kichern', also doch davon verschieden.
f) in den sog. cimbrischen gemeinden auch kitteln neben kittern, rider trillando Schm. 136a, ganz wie kicheln (schon bei Maaler, s. unter d) neben kichern sp. 660. s. auch kitzern.
2) von ähnlichen tönen bei vögeln, zwitschern u. dgl.: so quamen die swane zu ir .. flitternde met iren flögeln und kitterten met iren stimmen. altd. bl. 1, 133, md. 14. jh.;

es kittert und flittert, sich wittert
der stiglitz bei tag.
J. Hellwig nymphe Noris 1, 21

bei Gödeke eilf bücher d. d. 1, 348b, der dichter ist ein Nürnberger. dasselbe meint wol garrulare kitteren 15. jh. Dief. 258a, wenn es nicht auf menschen übertragen ist (vgl. kaudern); garrire chitteren wie die vögel das. 257c aus einem spätern Frisius (in der alten ausg. chütteren). ebenso altengl. chitre, chitter to chirp, von vögeln Halliwell 247b, schott. chittre und chittle, cheitle, mit r und l wie unter 1, f.

[Bd. 11, Sp. 867]

3) verwandtschaft. fraglich ist namentlich, ob kittern 1 und 2 éin wort sind oder nicht.
a) kittern 1 steht in einem netze nahliegender formen mit gleicher bed.; zunächst kitzern (s. d.), dann küttern, kuttern, auch kudern, küdern, ködern (bair.), und wieder auch kutzen, also mit urspr. ablaut i : u, wozu das a in engl. chatter, altengl. chatre gleich kittern 2 sich gesellen könnte. dann aber auch kichern, kickern u. s. w., s. dort.
b) noch wichtiger für die frage nach dem alter des stamms sind formen mit urspr. sk- an stelle des k- (s. sp. 406), und wieder mit demselben ablaut: schotteren cachinnare voc. opt. Lpz. 1501, gemma (Dief. 87a), nrh. in der Cölner gemma (das.) schatteren, nnl. schateren, mnl. scateren hor. belg. 7, 13b, Kil. schetteren, onmanierlick lacchen (e aus a? oder i?). das ist ganz wie bei kichern und kachen cachinnare, und so ist es hier doppelt glaubhaft, dasz da eine wurzel vor alters mittelst auslautwandels sich spaltete (s. sp. 6 und kichern 3, b). wie aber kichern mit keichen verwandt scheint, so steht neben kittern auch ein kitten keichen (s. kittbauchen), vgl. schweiz. kûten keichen
c) kittern 2 seinerseits neigt zu einer andern verwandtschaft. es heiszt schwed. qvittra, schottisch quitter, quhitter, auch mhd. quiteln (Megenberg, ital. squittire), und das ist vermutlich eins mit quittern, quitteln garrire Dief. 257c, ahd. quitilôn, nl. quetteren; diesz aber nähert sich dem alten stamme quid, in dem bei uns früh qu- zu k- ward, s. DWB keden; ahd. chutilôn dicturire Haupt 5, 329b scheint eins mit quitilôn. Wiederum aber stimmt engl. chatter zwitschern und plappern nicht so gut zu quid, als mit ablaut zu kittern 1, engl. chittre. auch die unter a genannten formen gelten zum theil zugleich von vogelstimmen, wie engl. twitter zugleich kichern und 'zwitschern' bezeichnet, nl. schetteren bei Kil. auszer kichern auch plappern und dem zwitschern ähnlichen gesang (aber auch knattern, prasseln).
d) auch in kittern 1 könnte noch ein andrer begriff versteckt sein, nach Stielers 'lachen dasz man kittert', vgl. nl. hy lachte dat hy schetterde, schaterde Halma 687b. jedenfalls liegt hier wieder ein verwachsen mehrerer stämme vor, diese not der etymologie.
 
 
kittfuchs, m. prairiefuchs, steppenfuchs, canis caragan, in der Tatarei und Nordamerika, wichtig für den pelzhandel. H. Lomer der rauchwaarenhandel (Lpz. 1864) 74.
 
 
kittlos, ohne kitt: die kittlose, wahrhaft cyclopische constructionsweise im kymrischen. Augsb. allg. zeit. 1864 nr. 293 s. 4758b, bildlich vom satzbau.
 
 
kittscheibe, f. bei den uhrmachern, eine scheibe, uhrgehäuse darauf zu kitten zur bearbeitung. Krünitz. Campe.
 
 
kittstock, m. 1) bei den goldschmieden ein stock mit einem brete, worauf eine pechkugel geklebt ist, um das zu bearbeitende stück daran zu 'kitten'. 2) bei steinschneidern, steinschleifern ein kegel auf den der edelstein zur bearbeitung gekittet wird, auch kittstäbchen. 3) bei den schwertfegern die hölzer, deren sie sich beim verschneiden des degengefäszes bedienen. Krünitz.
 
 
kittwerk, n. collect. zu kitt: von .. petrolien, erdwachs und bergflachs .. und was des pich- und kütwerks mehr ist. Mathesius Sarepta 27b, pech- und kittartige stoffe.
 
 
kitz !
1) interj. prohibentis et arcentis, hem apage! Stieler 935. es ist wie kätz weg! sp. 278 bei Lessing, und wie dieses sicher eig. ein scheuchruf der den katzen gilt. in Schlesien verscheucht man sie mit kitsch aus! wie die kitze kätzin da kitsche heiszt. ebenso kütz! im 17. jh. einmal bezeugt in einem sprichworte: kompt die katz éinmahl übern vogel, so heiszts darnach immer 'kütz vom vogel'. Lehmann floril. 1, 189. das ü könnte i meinen (s. sp. 855 mitte), aber es heiszt auch kutz! sieh dieses.
2) aber auch gerufen wird die katze mit kitz! (s. nachher Trotz) oder kiez! Bernd Posen 122, schles. kitsch! ebenso poln. kici! kitze! kitz! wie kić (kitsch) die hauskatze heiszt. Trotz (1779) 3, 570. böhmisch dagegen mit erstreckung des quetschlautes auch auf das erste k čiči! (čička hausname der katze), auch mit z cic! (cica katze), und dazu stimmt denn merkw. schweiz. zitz! und zitz katze Stalder 2, 470, vgl. sp. 282; das z in mhd. zaza dort erscheint auch in zîse in dem gedichte von hausrat: mîn katze heiʒet zîse. Pfeiffer altd. übungsb. 14, 111, zu dem s s. DWB katze I, 3. der quetschlaut in dem rufe zeigt sich wieder in Schottland, cheet! cheet! ruft man da den katzen Jamieson suppl. 1, 204a (vgl. keit ye! sp. 279).
3) überhaupt ist zu bemerken, wie die zischlaute in solchen rufen dienen, und welche ähnlichkeit in diesen rufen herscht, für die verschiedensten thiere und in weiter entfernung (s. schon sp. 279, dazu gramm. 3, 309). um nur beim k zu bleiben, mit kis! hetzt man

[Bd. 11, Sp. 868]
nd. hunde Dähnert 228b, mit küsz! verjagt man hühner Strodtmann 120, auch küsch! (dazu küschen, küschken scheuchen) Schambach 117a, und mit hinten wiederholtem k khuschk! (huschk!) brem. wb. 2, 765; mit kus! lockt man kälber, bairisch und norwegisch, mit ges! tirol. ziegen Fromm. 5, 434, mit kösz! kühe J. Grimm gramm. 3, 309, mit kec! böhmisch kühe. und oft zwar, aber nicht immer, entspricht den rufen ein name des thieres, den lockenden gewöhnlich ein schmeichelname, die zuweilen den rufen erst entnommen scheinen. am einfachsten gestaltet, und doch den genannten noch zugehörig ist der scheuchruf für kleine thiere in meiner heimat, ksch! (auch nur sch!), worin der zischlaut den vocal vertritt, wie in pst! (s. 2, 457). es steckt in dem allen sicher hohes alterthum, so schwer das zu erweisen ist. zufällig z. b. gibt kis! und kus! als schon mnd. eine alte aufzeichnung: 'interjectiones non solum homines, sed et bruta movent, ut pullos kus (s. Strodtmann vorhin), kis porcos, hus har har equos'. Hoffmann v. Fall. hor. belg. 7, 29b.
 
 
kitz, f., ein kleineres waarenschiff in Nord- und Ostsee, jacht, nl. kits f., engl. ketch, nach diesem wol franz. quaiche, queche. nach dem nl. schreiben M. Kramer 1787 (neben kitz), Adelung u. a. auch deutsch kits; früher aber kitze: kitze ist ein kleines schifflein, so mit wahren beladen wird. Juncker cur. kour. zeitung s. 100; kitze, navigium minus nec altum mare petens. Steinbach 1, 857. Für alles weitere wäre zuerst die eig. heimat des wortes zu ermitteln; Krünitz gibt es als bes. in den Niederlanden gebräuchlich, die nl. wbb. aber, schon Halma, bezeichnen es als englisch. s. übrigens katze 9 sp. 261, kessel 1, d.
 
 
kitz, kitzchen, ein wenig, s. DWB keid 3.
 
 
kitz, kitze, n. auch kütz (kutz), das junge der ziege u. ä., ein oberdeutsches, mehrfach merkwürdiges wort. ahd. kiz, kizzi, chizzi Graff 4, 537. gramm. 3, 328, mhd. kiz, kitze wb. 1, 822a.
I. Bedeutung und gebrauch.
1) die ahd. und mhd. glossen erklären zwar nur haedus damit, aber es kann nach den übrigen zeugnissen nicht das böckchen nur gemeint sein, in den gl. des 15. jh. wird das lat. wort auszer kitz ausdrücklich auch als junge geisz, ziege erklärt (Dief. 195b), man musz haedi für zicklein überhaupt gebraucht haben; als ziegen überhaupt faszt es Notker 47, 12, indem er oves ab hedis separas übersetzt scâf fone geiʒin gescidôst (s. 2, a). wenn der voc. inc. t. angibt kicz edus, geiszel n 2a, der voc. 1482 kitz edus, caprella q 4b, so soll offenbar der zweite zusatz die einseitigkeit des lat. wortes ergänzen, wie in Schönsleders erklärung von kitzle capella, hoedus. Die obige bed., die Schmeller 2, 347 aus dem heutigen Baiern für kitz gibt, wird die ursprüngliche sein; soll das geschlecht unterschieden werden, so sagt man da bockkitz und gaiszkitz; ebenso aus Kärnten Lexer 158, kütz, gaiszkütz (zur unterscheidung von rehkütz, gamskütz) aus Österreich Höfer 2, 185. auch das neutr. stimmt zur urspr. umfassung beider geschlechter (s. sp. 707), es ist wie bei kalb, lamm, füllen und kind. doch s. auch 2, b und II, 2.

von kitzen carnes sind guet festo pentecostes. kalenderreim,
Wack. leseb. 1030, 5 (1206, 18);

so wolt ich lieber essen von eim kicze dann von eim schweinlein. A. v. Eybe ob eim manne u. s. w. 88; kam der wolf für die thür des kitzes. Steinhöwel Es. (1555) 38, s. weiter unter II, 3, a; s. auch die stelle weisth. 1, 352 unter II, 1.
2) der begriff ist aber auch erweitert worden.
a) ziegen überhaupt musz es in folg. sein:

auch Jacob dient dürch kält und hitz
in ht seins schwehers schaf und kitz (gen.).
Schwarzenberg 156b,

das kann aus der hirtensprache sein, kitz vielleicht als lockname (giz! vorarlb. Fromm. 5, 486), von den jungen auf die ganze herde erstreckt (s. kitz! 3). ebenso wol in folg.: (gott) würt setzen di schof zu seiner gerechten, aber die kitzen zu der linken hand. Keisersb. post. 2, 15b; als der hirt scheidet die schaf von den kitzen. evang. 1517 42a, nachher: wirt die schaf stellen zu seiner rechten und die kitzlin zu seiner linken hand. 42b, nach Matth. 25, 32. 33, wo die vulg. hoedos hat, Luther u. a. böcke, s. aber vorhin schon Notkers auffassung, und Scherz unter II, 3, c.
b) ob doch auch böckchen zur unterscheidung von den zicklein? so kann es scheinen nach folg.: also ist haimgangen Gideon und hat gekocht ein kitze und hat gemachet matzkuchen. Keisersb. pred. 86a, richt. 6, 19, wo die vulg. hoedum hat (Luther ziegenböcklein), aber es wird wol vom geschlecht eben abgesehen sein; gang hin und waidne deine kützlin, ausz wölchen kützlin werden grosz böck. ders. granatapfel 1511 (geistl. spinn.) M 6a, d. h. es werden auch böcke mit draus. eine ahd. glosse allerdings

[Bd. 11, Sp. 869]
lautet hircelli vel hedi, chizzi Dief. 278a, aber auch das könnte doch nach a zu verstehen sein. s. jedoch unter 4 und kitzlein 1.
c) auch vom schaflamm kommt kitzlein (3) vor, mit Keisersbergs kützlin vorhin könnten solche wol mitgemeint sein, ziegen und schafe werden ja viel zusammen geweidet.
3) von dem hausthiere erstreckt auf ähnliches wild, wie kalb.
a) auch die jungen der gemse, des steinbocks (s. kitzlein 2) und des rehes heiszen bair., tirol., kärnt. kitz (vgl. Höfer u. 1), wie auch bock und geisz auf sie angewandt wird. schon ahd. rêchkizzi Graff 4, 538, mhd. (alem.) rêchkitze J. Haupts hohes lied 50, 25. 31, 21, diu zwinelîn chitze der rêchgaiʒe (duo hinnuli caprae gemelli cant. 4, 5) 112, 14. vom reh hat sich das auch über die eig. heimat des wortes vorgeschoben: kitz junges reh gibt Kehrein 225 als mittelrh. aus der jägersprache; das kleine kitzchen. M. Waldau nach der natur 3, 282. doch auch kitzlein zicklein kommt auszer seinem eigentlichen gebiete vor.
b) auch auf den hirsch ist es angewandt worden: eine hirschkuh kommt mit ihren kitzen an den bach. Auerbach schatzk. des gevattersmanns 28. 35; an etlichen höfen und jägereien ... der hirsch ein tannbock, das thier eine tanngeisz und das kalb ein tannkützle benennet wird. Döbel (1754) 1, 23b.
c) als unterscheidung der geschlechter gibt Frisch 1, 517a kitzböcklin und kitzgeisz 'rehekitzlein'; östr. kützgoasz von einer gemse. A. Schosser naturbilder 57.
4) schwäb. auch kitze, das da fem. ist, gleich knabe, unbärtiger jüngling Schmid 314; das macht doch die bed. böckchen wol notwendig. ähnlich tirol. kitz n. junges flatterhaftes mädchen Fromm. 6, 295, Schöpf 318 (vgl. gitsche mädchen). schwed. kidde m. zicklein ist auch vorlauter junge Rietz 317b.
II. Formen und verwandtschaft.
1) zunächst die nebenformen kütz aus Österreich vorhin, kützlin bei Keisersberg (s. mehr unter kitzlein); über das ü s. sp. 855 mitte. auch hier das unsichere u statt ü: wer ein geisz hat, der sol von (je) zwei kutzen ein pfening geben, von verlin sol man zehenden geben was billich ist. weisth. 1, 352, aus d. 15. jh. vom südl. Schwarzwald; hedus, ein klein geiszlin, ein kutzlin. Melber varil. l 1a. die schwäb. kitzbohnen, ziegendrecker (Schmid 314) heiszen nach Birlinger Augsb. wb. 279b aber wirklich auch kuzabonelen; also wirkliches echtes u neben i?
2) es gibt neben dem vorherschenden neutr. doch auch ein fem. kitze (wie ja geisz, ziege f. sind), es ist die schwäb. form Schmid 314, von jungen ziegen, rehen ohne unterschied des geschlechts (sogar von knaben, s. DWB I, 4). diesz fem. mag alt sein, schon ahd. bestand chizzila capella neben chizzili n. (s. kitzlein); isl. ist kida f. als weibliches zicklein von kid n. hoedus unterschieden. schwed. aber gibt es auch ein m. kidde (I, 4).
3) die formen kitze, kitz, und kitzi, kitzin.
a) kitze n. ist der nachkomme des ahd. chizzi, wie küsse der von küssi sp. 852 mitte, und kitzi findet sich noch nhd. anfangs (wie küssi dort, vgl. mhd. kitzivel wb. 3, 294a): do ein geisz gekitzet het und usz wolte gen an die weide .. warnet sie ir kitzy, niemand uf zu thun die schlosz irer wonung ... kam der wolf für die thür des kitzes und begert von dem kitzy, im die thür uf zu thund. Steinhöwel Esop (1555) 38; aber das kitzy entran. 91. noch appenz. chitzi Tobler 101b.
b) diesz kitzi, chizzi ist aber, was ja zur bed. stimmt, nichts als ein demin., von der einfachsten art wie sie in alem. mundart noch herschend sind (z. b. unter 4, a gitzi), wie kessi gleich kessel (1, c); s. J. Grimm gramm. 3, 684, Weinhold al. gr. s. 233. 449.
c) dazu stimmt denn der antritt eines n, wie al. kessi auch kessin heiszt (und wie in den dem. auf -ili): kizzîn hoedum, hoedos Graff 4, 537. 538; (das einhorn) ist deme chitzîne gilîch. fundgr. 1, 24, 14 (daneben dem chizze gelîch das. z. 41); got stellet diu schâf bî der zesewen und die (diu?) kitzîn zuo der winstern (gedr. vinstern). Scherz 791. selbst im nom.: hoedus chizzin Mones anz. 7, 595 (11. jh.), kytzin und kutzin Dief. 195b, 15. jh. auch das einfache kitz liesze sich als dem. denken, mit dem verkleinernden, kosenden z (sp. 367), das hier im stamme schon ein ʒ vorfand, welches dadurch zu z wurde.
4) kitz, kitzi gehört nämlich doch wol zu geisz, mhd. geiʒ, trotz der abweichenden lautstufe des k.
a) alem., aber nur da heiszt es wirklich gitzi, dem. gitzeli; so schweiz., bei Hebel, vorarlb. Fromm. 5, 486, und so von jeher. schon Maaler gibt nur gitzlin, mhd. in Wackernagels voc. opt. 38, 30 gitzi, ahd. im voc. des h. Gallus (8. jh.) hedi gizi Hattemer 1, 14a. das steht mit seinem vocal zu geiʒ in ablautsverhältnis (î ei i), ganz wie ricke rehgeisz zu mhd. rêch reh (mit ê für ei vor ch); die endung ist gestaltet wie in zicke,

[Bd. 11, Sp. 870]
ahd. zikki junge ziege im verhältnis zu ziege, ahd. zigâ, mit ableitendem i, j, das den wurzelauslaut steigerte (eig. giʒji, zigji?). wer will aber das gleichgebildete kitzi von diesem gitzi trennen?
b) die gemeinhd. form mit k findet sich aber in den nord. sprachen wieder, freilich wieder mit einer abweichung der lautstufe, im auslaute. das zicklein heiszt altnorw. kið n., altschw. kiþ, isl. kid (neben geit f. geisz), schwed. dän. kid (neben get, ged, auch von den jungen des rehes und rennthiers), und engl. kid (neben goat), im Ormulum kide, sicher schon ags.
c) von solcher abweichung der lautstufe findet sich aber eine spur auch hd.: kittele n. weibliches zicklein, in Tirol Schöpf 318, schon aus dem 12. jh. bezeugt in einem glossar zu Insbruck: 'chapellae, chetele' Mones anz. 7, 595 (dicht neben 'hoedus chizzin'). es heiszt tirol. aber auch gittel f., ziege die noch nicht gezickelt hat, gittele n. weibliches zicklein Schöpf 192, Fromm. 3, 331. 5, 435. das ganze wort ist ein rechter beweis für das dasein der bewegung in den lautstufen auch auszer der lautverschiebung, im auslaut wie im anlaut (s. sp. 3). im anlaut fehlt auch die dritte stufe nicht: wetterauisch hitz, hetz f. ziege (lockruf hitz! hetz!), westf. hitte, bair. hett, hettel, huttel, vorarlb. hattla Fromm. 5, 486, mhd. hatele, d. h. es ist wie bei keichen sp. 438 unten, vgl. 661 mitte.
5) zu erwähnen sind auch auswärtige anklänge, wie ehstn. kiddo junge ziege, kits ziege, finn. kuttu ziege (beide sprachen haben aber kein anlautendes G); lappisch gitze zicklein, ungr. gödölye. s. ferner bei Diefenbach goth. wb. 2, 385 alban. kidh junge ziege u. s. w.
6) endlich s. auch kisel bock, kuse ziege, worin wie im sl. und bei katze (I, 3) ein s statt des dentals auftritt.
 
 
kitzblau, eine oberd. volksmäszige verstärkung von blau, wie blitzblau: hab mirs aber sagn laszn, die trut (hexe) soll kitzblau (von erhaltenen prügeln) nach Leipzig kumen sein. Schwabe tintenfäszl B 7b; dasz ich so roth aussich wie mein scharlachener brustfleck. auf einmal werd ich so kitzblaw wie ein ziteranischer piphahn, der mit eim tremel (knüttel) eins auf sein hochfürtigs capitoly bekumen hat. das. s. 56. bair blau vor frost Schm. 2, 347, auch fränk. Fromm. 1, 231b. 6, 468, nordböhm. kitzeblau und kîzblau Petters andeut. 46, auch kitzhêdelbeerblau Fromm. 2, 31; schwäb. aber kützblau Schmid 335. Schmeller gibt auch kitzbraun, vom gesichte, s. auch DWB kitzgrau, kitzesauer sp. 850 unten, henneb. kitzkatzegrob Fromm. 1, 232b.
Was in dem kitz- altes steckt, bleibt zu ermitteln. es gibt nebenformen: schwäb. küttblau (vgl. kütthungrige wölfe baurenst. lasterp. 183); henneb. kittsauer Fromm. 1, 230a, mrh. kitschsauer (vgl. kirrsauer); kisch salz sp. 850 unten. aber auch knitsch- klitsch- klitzblau, -rot u. a., s. Tobler bei Fromm. 5, 188. 189.